Margos Spuren

Originaltitel: Paper Towns
Regisseur: Jake Schreier
Musik: John Debney, Son Lux
Darsteller: Nat Wolff, Cara Delevingne, Austin Abrams, Justice Smith

Der unauffällige Jugendliche Quentin (Nat Wolff) ist schon seit Kindheitstagen in seine Nachbarin Margo Roth Spiegelman (Cara Delevingne) verliebt. Margo ist für ihn ein einziges rätselhaftes Konstrukt, das er bedingungslos anhimmelt. Leider haben die beiden nicht allzuviel miteinander zu tun, bis zu einer folgenschweren Nacht, als er von Margo an seinem Schlafzimmerfenster überrascht und zu einer abenteuerlichen Nacht eingeladen wird. Mit neuer Hoffnung in sich muss Quentin am nächsten Tag aber feststellen, dass Margo verschwunden ist. Als er schließlich Hinweise auf ihren Verbleib findet, ist ihm klar, dass er sich auf die Suche begeben muss.

Der inzwischen recht bekannte Autor John Green hat sich, was Jugendromane angeht, einen Namen gemacht. Vor nicht allzu langer Zeit wurde sein Bestseller „The Fault In Our Stars“, in Deutschland: „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ überraschend gut verfilmt. Mit „Margos Spuren“ kommt nun eine zweite Coming of Age-Story, die meines Erachtens brillant auf Film gebannt wurde.

Quentin und seine Freunde sind die typischen ruhigen, etwas verrückten Jugendlichen an der Highschool, die nach außen hin wenig beliebt, und gewiss auf keiner Party zu finden sind, doch durch ein untrennbares Band der Freundschaft verknüpft sind. Obwohl Quentin als Hauptfigur im Mittelpunkt steht, schafft es der Film, allen drei Charakteren eine gewisse Tiefe bzw. einen Einblick in deren speziellen Sehnsüchte zu geben. Auch die titelgebende Margo wird als verträumtes, selbstbestimmtes und spontanes Mädchen perfekt in Szene gesetzt, sodass die Zuschauer sich ohne Umschweife in Quentins anschmachtenden Blick wiederfinden können.

Sowohl in Bildern, Dialogen als auch in der Musikauswahl reizt der Film alles aus und macht „Margos Spuren“ zu einem mal humorvollen, mal nachdenklich stimmenden Film, der sich vor Genrekollegen nicht im geringsten verstecken muss, vielmehr in der höchsten Liga mitspielt. Den Buchfans sei gesagt, dass der Regisseur in enger Zusammenarbeit mit John Green versucht hat, die Essenz des Buches bestmöglich in einen Film zu pressen, was ihm aus meiner Sicht sehr gut gelungen ist. Die Abstriche bzw. Änderungen wurden an den richtigen Stellen angewandt, und so konnte ich so manche fehlende Szene recht gut verkraften.

Fazit: Wer einen leichtfüßigen Film mit Witz, Charme und doch starker Botschaft guckt, sich gerne in seine Teenagerzeit zurückversetzen möchte (oder grade Teenager ist), und auf Geschichten abseits vom üblichen Mainstream steht, kann mit „Margos Spuren“ sicherlich nichts falsch machen! 8 von 10 Popcornguys

P.S.: Wer sowohl „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, als auch „Margos Spuren“ mag, sollte sich auf jeden Fall Zeit für John Greens andere Werke nehmen.

Advertisements

Serien-Special: Vikings (Staffel 1)

Titel: Vikings
Produktion: History Television, Metro-Goldwyn-Mayer
Genre: History
Darsteller: Travis Fimmel, Clive Standen, George Bladgen, Gustaf Skarsgård

VIKINGS OPENING TITLE SEQUENCE from Rama Allen on Vimeo.

Der Nordmann Ragnar Lodbrock (Travis Fimmel) hat große Pläne: Mit einer neuartigen Navigationsmethode und dem äußerst seetüchtigen neuem Schiff des Schiffsbauers Floki (Gustaf Skarsgård) will er gen Westen reisen, wo ein unbekanntes Land liegen soll. Gegen den Willen seines Earls Jarl Haraldson (Gabriel Byrne) segelt er in das verheißungsvolle Land, wo er und seine Männer auf ein fremdes Königreich, eine fremde Kultur und eine fremde Religion treffen. Aller Gefahr trotzend muss er sich bei seiner Rückkehr der Gier und dem Neid seiner Landsmänner stellen.

„Vikings“ floriert in den USA und Kanada als die neue Actionserie in historischem Setting. Da die Produktion unter den Argusaugen von History Television Canada läuft, kann man wohl schon davon ausgehen, dass die fiktionale Geschichte in dennoch realistischem Umfeld erzählt wird. So hat diese spannende Serie nicht nur einen unterhaltenden Charakter, sondern ebenso einen nebensächlichen Lerneffekt. Ich weiß zwar nicht, ob MGM da einen teuflischen Pakt mit dem kanadischen Kultusministerium geschlossen hat, aber dieser unfreiwillige Lernzugewinn dürfte die wenigsten Zuschauer stören.
Die Story um Ragnar Lodbrock wird ganz einfach spannend erzählt – und das macht den Reiz der Serie aus. Die teils barbarische wie auch teils ungewöhnlich fortschrittliche Kultur der Skandinavier, und das von Ragnar Lodbrock eingeläutete Wikingerzeitalter treffen im Laufe der Zeit auf die uns eher bekannte, christlich-abendländische Kultur, die hauptsächlich durch den Mönch Athelstan (George Bladgen) verkörpert wird, welcher beim Angriff der Wikinger auf ein Kloster von Ragnar gefangen genommen und als Sklave in die Welt der Heiden geführt wird. Dieses Spannungsfeld weckt bei mir persönlich die meiste Aufmerksamkeit, und zum Glück wird diesem Storystrang innerhalb der ersten Staffel viel Platz eingeräumt.

Generell mangelt es nicht an Storyfortschritt, sodass mir einige Zeitsprünge gar etwas schnell abliefen. Aber was solls, gerade optisch bietet diese Serie immer wieder atemberaubende Schmankerl – sowohl Dialoge als auch Kämpfe sind gut inzeniert, wobei merklich keine absolut herausragenden Darsteller auftreten. Das muss aber auch nicht sein, denn „Vikings“ unterhält so, wie es ist, sehr gut.
Es ist schön zu sehen, dass eine historische Serie, die wissenschaftlichen Anspruch hat, so erfolgreich ist, und ich hoffe noch viele weitere Staffeln über die Geschichte um die grimmigen Wikinger verfolgen zu können.

„Vikings“ lief leider bisher noch nicht im Free-TV und ist hierzulande auch noch nicht als DVD zu kaufen, sondern lediglich über dem Streamingdienst Lovefilm verfügbar. Wer diese Option hat: Meine Empfehlung!
daumen-green

Walhalla Rising

Titel: Walhalla Rising
Regisseur: Nicolas Winding Refn
Musik: Peter Kyed, Peter Peter
Darsteller: Mads Mikkelsen, Maarten Stevenson, Gary Lewis

Hier der Trailer

Der schweigsame Krieger Einauge (Mads Mikkelsen) wird von heidnischen Wikingern als Sklave gehalten. Nebst Arbeiten muss er in Kämpfen auf Leben und Tod andere Sklaven besiegen. Eines Tages gelingt ihm die Flucht, und nachdem er seine Peiniger getötet hatte, zieht er mit Are, dem Jungen, der sich während seiner Gefangenschaft um ihn gekümmert hatte, weiter. Sie treffen auf eine Gruppe christlicher Wikinger. Sie schließen sich der Truppe an, um gemeinsam mit den fanatischen Kriegern gen Jerusalem zu reisen, um das heilige Land zu erobern.

Ich wurde bereits vor langer Zeit auf „Walhalla Rising“ aufmerksam. Damals noch in einer Zeitschrift darüber gelesen, musste ich bald feststellen, dass der Film in keine deutschen Kinos kam. Als ich später einige Kritiken las, stellte sich erstmal herbe Enttäuschung ein. Der Filme wurde als langatmig, langweilig und inhaltslos beschimpft, von manchen sogar als schlechtester Film seit Langem bezeichnet. Dies sollte sich nach meiner Sichtung als falsch heraustellen.
Eigentlich sollte ich den Kritikern danken, denn ohne sie hätte ich – wie sie vermutlich auch – einen Abenteuerfilm erwartet. Nun war mir aber klar, dass wir hier einen Kunstfilm vorliegen haben, der dem Zuschauer einiges an Geduld einfordert.
Walhalla Rising besteht zu gut einem Drittel aus Szenen, welche die Charaktere beim Herumsitzen und vor-sich-hin-starren zeigt. Da kommt bei manchen natürlich schnell Langeweile auf. Für mich trug dies unbedingt zur genial beklemmenden Atmosphäre bei, welche der Film erzeugen wollte. Die heidnischen Wikinger leben in einem rauen Land. Ihr Alltag ist bestimmt von Überleben. Einauge wird von Hass und Vergeltung angetrieben, das ist mit jeder Faser spürbar. Die christlichen Kämpfer sind getrieben von tiefen Glauben und dem fanatischen Auftrag, das heilige Land zu erobern. Das alles ist dem Film durch wenige Worte zu entnehmen. Denn viele davon gibt es nicht. Den Großteil des Films macht Stille aus. Bedrückende, aber aussagekräftige Stille. Es ist eine harte Welt, in die wir hier geworfen werden. Wenn denn nun etwas passiert, dann richtig. Der Film geizt nicht mit Blut, und die Brutalität dieser Zeit schlägt uns mit voller Wucht entgegen.

In all diesen Wirren beobachten wir Einauge. Wir verstehen ihn, seine Last und seinen Schmerz, gleichzeitig können wir ihn zu keinem Zeitpunkt einschätzen. In dieser Welt, die so schön und so furchtbar ist, fragen wir uns ständig, welchen Platz wir in ihr einnehmen würden. Welche Rolle würden wir spielen, und wie würden wir handeln?
Wer sich auf diesen stillen wie schlimmen Film einlassen kann, wird sich auf die simpelsten Fragen des Menschseins einlassen – und sich fragen, welche Art Mensch man selbst eigentlich ist.

8 von 10 Popcornguys!

Serien-Special: Firefly

Eigentlich wollte ich mit meinem Bericht über „Firefly – Aufbruch der Serenity“ warten, bis ich die komplette Serie durch hab. Da sie aus lediglich 14 Episoden besteht, würde das nicht lange dauern. Jetzt habe ich allerdings die Hälfte der Folgen gesichtet und mich entschieden, meinen Bericht jetzt anzufertigen. Beginnen wir mit einer groben Umschreibung:

500 Jahre in der Zukunft existiert eine völlig andere Welt. Die Menschen haben sich auf der Suche nach Rohstoffen in ein anderes Planetensystem begeben. Dort kontrolliert die totalitäre Regierung der Allianz vor allem die inneren Planeten, während auf den zahlreichen äußeren Monden des Systems Kriminelle, Weltraumpiraten und die gefürchteten Reaver ihr Unwesen treiben. Die Passagiere des Raumschiffs Serenity nehmen auf ihrer abenteuerlichen Reise jeden Job, legal oder illegal an, um die Tanks voll und Essen auf den Tisch zu haben. Als die Crew jedoch einen Passagier an Bord nimmt, welcher von der Allianz gesucht wird, gestaltet sich die Reise bald sehr viel komplizierter.

Nun, erstmal klingt das wie eine mehr oder minder gewöhnliche Science-Fiction-Serie. Im Vergleich zu Serien aus dem Star Trek-Universum fallen jedoch einige prägnante Unterschiede auf. Zum einen wird die Welt ausschließlich von Menschen bevölkert – kein ausserirdisches Leben vorhanden. Zum anderen schweben hier (von den Raumschiffen der Allianz abgesehen) keine hochtechnologischen Wunderwerke der Technik herum. Vielmehr wirkt die Serenity (welche allerdings der älteren Firefly-Klasse angehört) sehr mechianisch. Grundsätzlich scheinen die äußeren Planeten in ihrer technischen Entwicklung eher rückständig zu sein, denn nicht selten wird auf alte Handwerkstechniken und tierische Arbeitskraft zurückgegriffen. Dies spiegelt sich auch in Kleidung und Waffen wider: Keine figurbetonten Nylonstrampler, keine Laserpistolen, sondern gewöhnliche Kleidung und Anzüge, sowie an Revolvern orientierte Schusswaffen. Man kann sich schon denken, in welche Richtung dies läuft: Bei Firefly handelt es sich um Science-Fiction-Western. So seltsam das erstmal klingt, umso besser schafft es die Serie, mit Atmosphäre und Soundtrack diesen Hintergrund zu erzeugen. Sowohl Elemente des Wilden Westens, als auch Elemente fernöstlicher Kultur spielen immer wieder ins Gesamtbild, was sich auch in der Sprache widerspiegelt: Besondern beim Einsatz von Kraftausdrücken wechseln die Protagonisten oftmals in chinesische.

Was mich zudem sehr beeindruckt, ist die Vielfalt der Charaktere. Deshalb eine kurze Zusammenfassung der Crew und ihrer Passagiere:
Malcom Reynolds ist der Kapitän der Serenity. Er hat vor einigen Jahren in einem Unabhängigkeitskrieg gegen die Allianz gekämpft. Nach der vernichtenden Niederlage führt er ein halblegales Leben auf seinem Schiff. Er ist im Grunde ein gutherziger Kerl, der für seine Mannschaft alles tut. Ebenso oft beweist er aber auch notwendige Härte.
Zoe Washburne hat mit Reynolds im Krieg gekämpft. Sie ist seine Stellvertreterin und eine zuverlässige, loyale Kämpferin.
Hoban „Wash“ Washburne ist der Pilot und Ehemann von Zoe. Er beteiligt sich selten an Außeneinsätzen und demnach an den Aufträgen der Crew selbst. Dafür kann er die Serenity aus jeder brenzligen Situation heraus steuern.
Jayne Cobb ist ein Söldner. Körperlich kräftig und geschult im Umgang mit Waffen ist er ein unverzichtbarer Kämpfer. Seine Gier nach Geld macht ihn aber auch wenig loyal.
Kaylee Frye ist die stets gut gelaunte, optimistische Schiffsmechianikerin. Ihr technisches Können rettet die Mannschaft der Serenity aus vielen gefährlichen Situationen.

Desweiteren noch dauerhafte Passagiere:
Inara Serra ist eine Companion – eine sozial sehr hoch gestellte Edelprostituierte. Sie hat ein Shuttle der Serenity dauerhaft gemietet, was ihr Arbeitsfeld erweitert und im Ausgleich die Landeerlaubnis der Serenity auf allen Monden gewährt.
River Tam ist ein hochbegabtes Mädchen, welches in einer Akademie der Allianz Opfer von Tests und Eingriffen wurde. Aufgrund dessen ist sie in einem psychisch labilen Zustand, beweist aber imm wieder ihre besonderen Fähigkeiten. Von ihrem Bruder befreit befindet sie sich nun auf der Flucht.
Dr. Simon Tam ist ein junger, begabter Arzt, der seine Schwester aus den Fängen der Allianz befreit hat. Er bietet seine Dienste als Arzt an, um sich im Gegenzug auf der Serenity verstecken zu dürfen.
Shepherd Book ist ein christlicher Priester, welcher seine Abtei verlassen hat, um auf Missionsreise zu gehen. Eher zufällig landet er auf der Serenity, wo er sich zwar wenig nützlich machen kann, jedoch in vielen Entscheidungen einen moralischen Schwerpunkt setzt. Mit dem Kapitän, welcher sich nach vielen Enttäuschungen der Vergangenheit vom Glauben abgewandt hat, kommt es deshalb immer wieder zu kleinen Sticheleien („Darf ich sie an den barmherzigen Samariter erinnern?“ – „Lieber nicht..“).

Man kann sich schon vorstellen, dass diese bunte Mischung eine gute Grundlage für eine interessante Charakterentwicklung darstellt. Auch wenn die Figuren meines Erachtens nicht bis ins kleinste ausgearbeitet werden, und oftmals kleine Lücken hinterlassen werden, kommt es dennoch zu spannenden Beziehungen zwischen den Charakteren, welche die Serie bereichern.

Nun darf ich langsam zum Abschluss kommen: Wer sich für einen skurrilen Genre-Mix begeistern kann, solide Serien-Schauspielarbeit schätzt und spannende Geschichten mag, ist mit Firefly sicherlich zufrieden. Da die einzelnen Folgen für sich stehen, kann der gesamte Spannungsbogen nicht so fesseln wie z.B. in einer Serie wie Lost. Dennoch hänge ich inzwischen an dieser Serie, und finde es jetzt schon Schade, dass ich die Hälfte schon hinter mir habe.
Anmerken lässt sich noch, dass gewisse Ereignisse innerhalb der Folgen mir recht schnell schnell abgehandelt vorkommen. In anderen Serien würden solche Ereignisse ewig dahingezogen werden, um die Spannung zu steigern. Obwohl das in vielerlei Hinsicht ein Vorteil zu sein scheint, passiert mir manches oft zu schnell. Schade!

Nichtsdestotrotz ist Firefly eine wirklich gute Serie, die sich mit insgesamt ca. 10 Stunden nicht ewig hinzieht, und sich komplett für einen schlappen Preis von etwa 15 Euro äußerst preisgünstig erwerben lässt.
__________________________________________________________________________
EDIT:
Nun habe ich die 14te Episode gesehen. Schade! Es ist wahrlich eine Schande, dass diese tolle Serie nach nur so wenig Folgen eingestellt wurde. Wer auch immer dafür verantwortlich ist, hat offensichtlich wirtschaftliche Beweggründe gegenüber einer wirklich packenden Serie vorgezogen. Mit jeder Folge ist mir die Crew der Serenity mehr und mehr ans Herz gewachsen. Von mir gibts für dieses Meisterwerk an Science-Fiction die höchste zu erringende Punktzahl!

Popcast

PodcastingPopcornguys

Ja, neben vielen Arten, unsere Meinung zu diversen Filmwerken kundzutun, haben wir uns auch einmal an eine zur Zeit sehr beliebte Veröffentlichungsweise gemacht: Podcasting.
Dummerweise lief unsere Aufnahme per Skype nicht so gut, wie wir uns das vorgestellt hatten. Wegen eines Aufnahmefehlers ist Mr. Prestophisto leider kaum zu verstehen. Er hat vergessen seine Bane-Maske abzunehmen. Da man ein solches Gespräch aber kein zweites Mal aufnehmen kann, habe ich beschlossen das ganze trotzdem zu schneiden und zu veröffentlichen. Ich habe versucht, seine Stimme zumindest ansatzweise hörbar zu machen, für alle Wörter und Sätze, die trotzdem untergehen, bitte ich höflichst um Entschuldigung.

Achja, das Thema dieses Podcasts lautet übrigens: Herr der Ringe!

Download: HIER

Viel Spaß damit!

Gleich dazu noch eine kleine Umfrage: Welches Thema soll unser nächster Podcast behandeln? Wünsche und Anregungen bitte in den Kommentarbereich 🙂

127 Hours

Titel: 127 Hours (Originaltitel: 127 Hours)
Regisseur: Danny Boyle
Musik: A. R. Rahman
Darsteller: James Franco, Clémence Poésy, Lizzy Caplan

Hier der Trailer.

Als Aron Ralston (James Franco) alleine zu einer Klettertour in den entlegenen Blue John Canyon in Utah aufbricht, ahnt er nicht, dass dieser Trip zu seiner härtesten Herausforderung seines Lebens werden soll. Ein herabstürzender Felsbrocken wird ihm in einer engen Felsspalte zum Verhängnis. Alle Versuche seinen eingequetschten Arm zu befreien scheitern, und so erlebt Aron 127 Stunden voller Hunger, Durst, Kälte und mit dem Wissen, dass es nur einen, schier unvorstellbaren Weg gibt, sich zu befreien. Wie weit würdest du gehen, um zu überleben?

Endlich habe ich es geschafft, „127 Hours“ auf DVD nachzuholen, nachdem ich den Streifen im Kino verpasst habe. Da ich mit dem Schicksal Aron Ralstons im Vorfeld nicht vertraut war, reizte mich in erster Linie James Franco als Hauptdarsteller – und er sollte mich nicht enttäuschen. Aber bevor ich auf Einzelheiten seines Schauspiels und der Handlung eingehe, möchte ich noch kurz weitere Highlights des Films anreißen: Der perfekt gewählte und eingesetzte Soundtrack, die großartigen Landschaftsaufnahmen des Canyons und die erfrischende Kameraarbeit mitsamt Split-Screen-Technik.

Nun aber zur eigentlichen Handlung. Wir lernen den Hobbykletterer Aron Ralston als eine Mischung aus Extremsportler, Abenteurer und Naturburschen kennen, der komplett auf sich allein gestellt und nur mit der allernötigsten Ausrüstung gewappnet regelmäßig auf Tour geht. Freiheit und Unabhängigkeit sind ihm wichtig und so werden nahe stehende Familienmitglieder nicht weiter über die Zielorte seiner Abenteuer informiert. Bevor der eigentliche Hauptteil des Films einsetzt, trifft Aron noch auf zwei weibliche Amateur-Kletterinnen, denen er das ein oder andere schöne Örtchen zeigt. Sie verabschieden sich und eine demnächst stattfindende Party könnte die nächste Zusammenkunft bedeuten. Aber für Aron, der nun endlich wieder alleine in seinem Element ist, wird alles anders kommen.

Er stürzt eine Felsspalte hinab, wobei sein Arm von einem schweren Brocken eingeklemmt wird. Der Stein lässt sich nicht bewegen und mit Arons eingeschränkter Ausrüstung auch nicht weiter beschädigen. Auch ein improvisierter Flaschenzug bringt keinen Erfolg mit sich. Das Essen ist aus, das Trinken wird knapp, Hilfe ist nicht in Sicht und die Nächte sind bitterkalt. Allmählich wird Aron von Wahnvorstellungen heimgesucht und das Einzige, was ihn bei Verstand zu halten scheint, ist die Beschäftigung mit seiner Videokamera. Bei den augenscheinlichen Abschiedsgesprächen, die der Abenteurer aufzeichnet, wird ihm eines klar: Die menschlichen Beziehungen, die er hat, wurden von ihm alles andere als ausreichend geschätzt. Doch eine Vision von seinem zukünftigen Sohn gibt Aron neuen Lebenswillen und er setzt die letzte Möglichkeit, die ihm noch bleibt, in die Tat um.

Da „127 Hours“ auf einer wahren Geschichte beruht und die zentrale Szene ohnehin jedem bekannt sein dürfte, werde ich kein großes Geheimnis darum machen, dass sich Bergsteiger Aron Ralston im April 2003 die eigene Hand amputiert hat, um sein Leben zu retten. Die damit verbundenen Szenen wurden im Film äußerst intensiv inszeniert. Ich muss zugeben, dass es mir ein wenig mulmig wurde, als sich James Franco mit lautem Knacken die Knochen seines Unterarms brach, um die Amputation durchführen zu können. Noch krasser wurde es, als er mit seinem stumpfen Taschenmesser in einem langen und äußerst schmerzhaften Prozess Haut, Fleisch und Sehnen zerschnitt. Zwar tragen auch in dieser Szene die schnelle Schnitttechnik und die perfekt eingesetzte Musik zu einer gewissen filmischen Ästhetik bei, doch eine Altersfreigabe ab 12 ist für meine Begriffe falsch gewählt. Doch nicht zuletzt Dank der schauspielerischen Klasse James Francos ist der Moment, in dem der Arm endlich abgetrennt ist, für den Zuschauer eine pure Erlösung. Aron Ralston kämpft sich aus dem Canyon frei, trifft andere Bergsteiger und wird letztendlich gerettet. Die Vision von seinem Sohn wird Wirklichkeit und auch nur mit einem Arm setzt er seine Klettertouren fort – aber nicht mehr ohne jemandem über seinen Zielort Bescheid zu geben. Aus dem Felsspalt entkam ein Mann, der nun einen anderen Blick auf den Wert der Zwischenmenschlichkeit hat und seinen Egoismus zurück gelassen hat.

„127 Hours“ ist ein intensives Filmerlebnis, bei welchem jede einzelne Oscar-Nominierung verdient war. Da ist es umso bedauernswerter, dass James Franco nicht die Auszeichnung für den besten Schauspieler erhalten hat. Aber möglicherweise würde ihn meine Bewertung mit 9 von 10 Popcornguys freuen.