Logan

Titel: Logan – The Wolverine
Originaltitel: Logan
Regie: James Mangold
Musik: Marco Beltrami
Sprecher: Hugh Jackman, Patrick Stewart, Dafne Keen

Im Jahr 2029 sind beinahe alle Mutanten ausgestorben. Nahe der mexikanischen Grenze lebt Logan (Hugh Jackman), doch der als Wolverine bekannte Kämpfer ist alt, abgeschlagen und krank. Seine Selbstheilungskräfte lassen allmählich nach und Hoffnungen in die Zukunft hat er keine mehr. Logan arbeitet als Chauffeur, um Medizin für den unter einer Hirnkrankheit leidenden Professor Charles Xavier (Patrick Stewart) bezahlen zu können. Wolverine versteckt zusammen mit einem anderen Mutanten namens Caliban (Stephen Merchant) seinen alten Mentor, bis ein geheimnisvolles und mit enormen Kräften ausgestattetes Mädchen namens Laura (Dafne Keen) in sein Leben tritt. Laura wird von einer skrupellosen und brutalen Organisation namens Transigen verfolgt, was den desillusionierten Logan vor eine Wahl stellt: Soll er dem Kind helfen und sich damit seinen inneren Konflikten stellen – oder nicht?

Zusammen mit Sam Raimis „Spider-Man“-Filmen können Bryan Singers „X-Men“-Geschichten als wichtiger Ausgangspunkt für den bis heute andauernden Comic-Boom gedeutet werden. Die ersten beiden Teile der Reihe habe ich in guter Erinnerung, der dritte jedoch krankte unter den üblichen Sequel-Anforderungen: Schneller, besser, größer, mehr. Mein Interesse an den Mutanten ließ nach, und da konnten die beiden bisherigen Spin-Offs zu Wolverine auch nichts daran ändern. Ehrlich gesagt empfand ich insbesondere „X-Men Origins: Wolverine“ als ziemlich mies. Auch um die Reboot-Reihe (falls es denn eine ist), die mit schauspielerischen Größen wie Michael Fassbender und James McAvoy auftrumpft, habe ich bisher vorsichtig einen Bogen gemacht. Es gab nichts, was mich zurück zu den X-Men gezogen hätte – bis eben der Trailer zu „Logan“ erschien.

Der besagte Trailer verspricht eine Comicverfilmung der anderen Art und dieses Versprechen kann zum Glück auch eingehalten werden. So wie „The Dark Knight“ in erster Linie ein Thriller ist, in welchem die Charaktere eher zufällig Comicfiguren sind, ist „Logan“ ein starker, konsequenter und deprimierender Western, der aber sein Herz am rechten Fleck hat und den Zuschauer gefühlstechnisch binden kann. Das Filmische steht im Vordergrund und nicht das Verlangen, Popcornkino mit möglichst vielen verkleideten Gestalten zu machen.

„Logan“ besticht durch einen großartigen Look, der sich durch die dezent apokalyptische Sci-Fi-Stimmung und die karge Landschaft von Texas ergibt. Die Kamera ist weitestgehend ruhig und bleibt nahe an den Figuren, was dem Film einen Hauch von Arthouse-Kino verleiht. Hinzu kommt die unmittelbar inszenierte Action, die in einem kleinen, aber umso spannenderen und intimeren Rahmen stattfindet. Ich persönlich habe ja schon lange genug von Handlungen, bei denen die gesamte Erde auf dem Spiel steht und wo es am Ende nur noch darum geht, dass sich eine Truppe verkleideter Helden mit einer nicht enden wollenden Armee aus CGI-Gegnern kloppt. All das muss man in „Logan“ nicht ertragen. Stattdessen wird die handfeste Action mit einem hohen Grad an Brutalität gewürzt. Wolverine metzelt sich hemmungslos durch Fleisch und Knochen, wobei hier nicht an Blut und abgetrennten Gliedmaßen gespart wird. Dennoch kippt die Gewalt im Grunde nie Richtung Splatter und Trash, was schon eine Leistung ist.

Ein Lob geht auch an die Darsteller. Patrick Stewart überzeugt in der Rolle des erkrankten Professors, der trotz aller eigenen Probleme und Selbstvorwürfe darum bemüht ist, Logan weiter emotional und psychologisch zu unterstützen. Die 2005 geborene Dafne Keen kommt in ihrer Darstellung der kleinen Laura ohne viele Dialoge aus, wobei man rückblickend sagen muss, dass ihrer Figur und deren Beziehung zu Wolverine ein paar mehr Zeilen schon gut getan hätten. Boyd Holbrook spielt Donald Pierce, den ruchlosen Sicherheitschef der Firma Transigen. Ihm gelingt es, einen gleichermaßen interessanten und hassenswerten Antagonisten darzustellen, was man in einer Comicverfilmung ja auch schon mehrere Jahre lang nicht mehr hatte. Das Hauptaugenmerkt des Films liegt aber natürlich auf Hugh Jackman in seiner Paraderolle des Wolverine. Mit „Logan“ verabschiedet sich der australische Darsteller offiziell vom Mutanten-Franchise und kann dabei sämtliche Stärken noch einmal ausspielen.

Allerdings ist der Film nicht perfekt. Es gibt einzelne Kritikpunkte, die sich meiner Meinung nach allesamt in der letzten halben Stunde finden lassen. Darüber zu reden, ist aus Spoilergründen natürlich schwer. Aber ich formuliere es mal folgendermaßen: „Logan“ bewegt sich an einigen Stellen hart an der Grenze der Cheesiness, weil er sich manche Comic-Klischees nicht verkneifen kann. Diese werden zwar einigermaßen zufriedenstellend kaschiert oder gehen sogar als Metapher durch. Aber sie haben mich dann doch ein klein wenig abgetörnt und daran erinnert, dass ich die meisten Comicverfilmungen einfach nur mittelprächtig finde. Vielleicht ist das dann auch der Grund, warum mich das Ende von „Logan“ nicht ganz so emotional gepackt hat, wie es hätte sein sollen und auch können.

Doch das ist Jammern auf hohem Niveau. „Logan“ ist ein sehr guter Film und eine herausragende Comicverfilmung, wenn man sich die Konkurrenz der letzten Jahre vor Augen führt. Ich spreche eine klare Empfehlung aus und verteile 8 von 10 Popcornguys!

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Frisch aus dem Kino #1: Avengers: Age Of Ultron

Es gibt eine neue Kategorie bei den Popcornguys: In „Frisch aus dem Kino“ werden direkt und unverblümt die unmittelbaren Eindrücke nach deinem Kinofilm so durchdacht wie möglich eingefangen. Den Start macht Marvels neuestes Werk „Avengers: Age Of Ultron“. Viel Spaß damit!

The Amazing Spider-Man 2: Rise Of Electro

Titel: The Amazing Spider-Man 2: Rise Of Electro (Originaltitel: The Amazing Spider-Man 2)
Regie: Marc Webb
Musik: Hans Zimmer & The Magnificent Six
Darsteller: Andrew Garfield, Emma Stone, Jaime Foxx, Dane DeHaan

In der Fortsetzung zu „The Amazing Spider-Man“ ist Peter Parker (Andrew Garfield) hin und hergerissen. Einerseits genießt er es, als Spider-Man durch die Straßenschluchten New Yorks zu schwingen und Verbrecher zu bekämpfen. Andererseits erinnert er sich an sein Versprechen, sich von Freundin Gwen Stacy (Emma Stone) fernzuhalten. Dieses gab er Gwens sterbenden Vater, der ihm die Gefahren durch zukünftige Schurken prophezeite. In all diesem Gefühlschaos erblickt ein neuer Bösewicht das Licht der Welt: Nach einem schockierenden Unfall wird aus dem sensiblen und von Spider-Man begeistertem Elektriker Max Dillon (Jaime Foxx) der gefährliche Electro. Sein Wandel ist eng mit den Geschehnissen rund um den Konzern Oscorp verknüpft, dessen Führung der junge Harry Osborn (Dane DeHaan) übernimmt. Dieser ist ein alter Kindheitsfreund von Peter, teilt aber zusammen mit seinem sterbenden Vater Norman Osborn (Chris Cooper) ein entsetzliches Familiengeheimnis.

Das vor ein paar Jahren laufende Reboot „The Amazing Spider-Man“ ließ mich relativ kalt. Schuld daran waren unter anderem ein schwacher Bösewicht und lose herumhängende Handlungsfäden, beispielsweise die nicht zu Ende gebrachte Verfolgung von Onkel Bens Mörder. Ein weiteres Problem stellte für mich damals Peter Parker selbst dar. Betonen möchte ich, dass ich im Folgenden nicht Darsteller Andrew Garfield kritisiere, sondern viel mehr die Filmfigur, wie sie vom Drehbuch her konzipiert ist. Während ich für Tobey Maguires Loser-Peter sehr schnell Sympathie und Mitleid entwickeln konnte (bevor er in Teil 2 allzu weinerlich wurde und in Teil 3 die Emo-Nummer brachte), musste ich mich bei Garfields Interpretation ständig fragen, warum der Typ überhaupt Superkräfte nötig hat. Er sieht aus wie aus einer Boyband entsprungen, ist äußerst intelligent, bringt lässige Sprüche, hat viel Gel im Haar und beherrscht das Skateboard. Einfach ausgedrückt war er mir im Erstling viel zu cool, eine emotionale Bindung war für mich nur bedingt möglich und ich war nicht besonders neugierig darauf, wie sich sein Charakter im zweiten Teil weiter entwickeln wird.

Bleiben wir bei Peter und seiner Beziehung zu Gwen Stacy. Zwischen Andrew Garfield und Emma Stone herrscht eine sichtbar gute Chemie und die beiden holen vermutlich alles aus den gemeinsamen Szenen heraus, was das Drehbuch hergibt. Die Liebesgeschichte an sich, bei der sich die im Grunde viel zu alten Schauspieler als unentschlossene High-School-Teenies geben müssen, hat mich allerdings nicht überzeugt. Bei diesem permanenten on und off und den immer wieder eingestreuten Schmalz-Elementen verliert man schnell das Interesse. Der Fairness wegen muss man aber anmerken, dass auch Sam Raimi nicht in der Lage war, eine durchweg fesselnde Beziehungskiste zu zimmern. Im Falle von „The Amazing Spider-Man 2“ ist es aber viel enttäuschender, da sich Regisseur Marc Webb auch für die innovative Romanze „(500) Days of Summer“ verantwortlich zeigt – und dieser Film sprüht nur so vor nach der Liebe suchenden Charakteren, mit denen man mitfühlen kann.

Jaime Foxx mimt den Bösewicht Electro, den man mit zwei bis drei Kniffen am Drehbuch eigentlich aus dem Film hätte streichen können. Die in sich zusammen fallende Begeisterung für Spider-Man, die dieser Schurke anfangs hat, ist als Motivation zwar ganz nett, reicht aber nicht für einen denkwürdigen Antagonisten aus. Vom Aussehen her erinnert Electro stark an Dr. Manhattan aus „Watchmen“, was im direkten Vergleich mit dem Comic-Kostüm als Verbesserung zu werten ist. Allerdings stellt der leuchtende und blitzende Schurke für mich einen optischen Bruch mit dem sonst so auf Realismus getrimmten Look des Films dar. In der Tat hätte Electro – allein durch seinen dubiosen Unfall mit Zitteraalen – besser in Sam Raimis naiv-einfache Filme gepasst.

Um einiges interessanter zeigt sich da Harry Osborn als zweiter großer Bösewicht des Films. Seine Motivation ist für meine Begriffe zwar immer noch schwächer wie die osbornschen Rachegelüste aus Sam Raimis Trilogie, aber dennoch passabel. Hinzu kommt die Leistung von Schauspieler Dane DeHaan. Seine eher schmächtige Gestalt wirkt zunächst wenig bedrohlich, doch der Darsteller hat eine unheimlich intensive Mimik. Ich hoffe, dass er durch „The Amazing Spider-Man 2“ eine breitere Aufmerksamkeit auf sich ziehen und seine Qualitäten in besseren Filmen zeigen kann.

Zwischendurch sollte ich wohl auch mal ein paar positive Worte über den Film verlieren. Die Einstellungen, in denen Spider-Man durch die Straßenschluchten schwingt, kommen sehr gut rüber, auch in 3D. Der Held selbst ist im Gegensatz zu Tobey Maguires Figur auch schlaksiger und drahtiger, was meiner Ansicht nach sehr gut passt. Die lockeren Sprüche entsprechen ebenfalls dem Charakter, auch wenn ich anmerken muss, dass ich nicht alles so lustig empfand, wie es sich der Drehbuchautor wohl vorgestellt hat. Außerdem meine ich, dass sich Andrew Garfield dieses Mal nicht ganz so oft die Maske vom Gesicht zieht, was im Vorgänger stellenweise schon arg leichtsinnig wirkte. Der Soundtrack war interessant, da Hans Zimmer mit anderen Musikern zusammen arbeitete, mit Klängen aus der populären Musik experimentierte und tatsächliche Themen entwickelte.

Kritisieren muss ich allerdings die Action im Film. Hiervon gibt es zwar keinen Overkill, aber ich musste mich doch regelmäßig fragen, ob ich gerade einen PS3-Controller oder eine Popcorntüte in der Hand halte. Zu keinem einzigen Zeitpunkt kamen mir die Kämpfe zwischen Spider-Man, Electro und dem Kobold echt vor. Dieser aalglatte CGI-Look fördert einen scharfen Kontrast zu den übrigen Filmszenen, was mich immer wieder aus der Handlung wirft. Die beste Action gab es für mich daher gleich zu Beginn des Films, wenn wir Spider-Man bei einer einfachen Auto-Verfolgungsjagd bewundern dürfen.

Die Handlung von „The Amazing Spider-Man 2“ besteht aus vielen Rädchen, die sich irgendwie doch praktisch ineinander fügen, aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Eine kleine Ausnahme bildet jene Schlussszene, die einen der wichtigsten Momente der Comicgeschichte Spider-Mans aufgreift. Ich möchte an dieser Stelle nicht groß spoilern, aber genau hier hat sich bei mir doch etwas geregt. Leider hat der Rest des Streifens diese Szene wieder kaputt gemacht, indem Peters Erschütterung innerhalb von etwa fünf Filmminuten ausgebügelt wurde und man einen weiteren unnötigen Superschurken vorstellte. Man kann jetzt natürlich argumentieren, dass dies dazu dient, auf bereits feststehende Fortsetzung zu verweisen. Aber genau darin liegt meiner Meinung nach ein riesengroßes Problem: Es wird bei einer Produktion dieser Größenordnung kein Wert mehr darauf gelegt, eine in sich stimmige Geschichte mit emotional fesselnden Figuren und Charakterentwicklungen zu erzählen. Es kommt primär darauf an, einen kalkulierten Werbefilm für Sequels, Spin-Offs oder ein Cinematic Universe zu drehen, der nicht wirklich schlecht sein darf, aber auch nicht wirklich gut sein muss. Und diese Entwicklung des Blockbuster-Kinos finde ich extrem schade.

Auf Spider-Man bezogen finde ich es ebenso traurig dass man durch den immer häufiger werdenden Pseudo-Realismus der Figur das letzte bisschen Charme raubt. Irgendwie sehne ich mich nun nach der einfachen und klassischen Naivität, mit der Sam Raimi damals seine Filme inszeniert hat, zurück: Ein unbeliebter Junge, der unsterblich in ein unerreichbares Mädchen verliebt ist. Ein anderer Junge, der um die Akzeptanz seines Vaters kämpft. Eine verwitwete Tante, die sich ihren Kummer nicht anmerken lassen will. Und ein schönes Mädchen, das nach außen hin strahlt, sich aber danach sehnt, anders wahrgenommen zu werden. Mir fehlen diese Menschen mit Herz und Seele in den neuen Filmen total. Stattdessen sehe ich einen viel zu coolen Typen, der eine uninteressante und unnötig komplizierte Vergangenheit aufarbeitet, anstatt sich um die Beziehungen im Hier und Jetzt zu kümmern.

Fazit: „The Amazing Spider-Man 2“ punktet durch ansehnliche Netzschwing-Szenen, einen überdurchschnittlichen Soundtrack und die Leistung einiger Darsteller. Ansonsten bekommt man den inzwischen gewohnten Blockbuster-Einheitsbrei serviert, der einen immer mehr darin lähmt, ein klares Urteil abgeben zu können. Ich wünsche mir, dass Marc Webb nach diesen Filmen wieder ins Indie-Genre wechselt und wir noch viel von Dane DeHaan sehen dürfen. Der Streifen selbst erhält von mir wohlwollende 6 von 10 Popcornguys.

Iron Man 3

Titel: Iron Man 3 (Originaltitel: Iron Man 3)
Regie: Shane Black
Musik: Brian Tyler
Darsteller: Robert Downey Junior, Gwyneth Paltrow, Ben Kingsley

Tony Stark (Robert Downey Junior) alias Iron Man ist zurück. Seit der Alieninvasion von „The Avengers“ leidet der Playboy und Milliardär an Panikattacken und stürzt sich in das Bauen neuer Anzüge. Diese Besessenheit stellt die Beziehung zu Starks Freundin Pepper Potts (Gwyneth Paltrow), die zu allem Überfluss von dem schmierigen Wissenschaftler Aldrich Killian (Guy Pearce) umgarnt wird, auf eine harte Probe. Gleichzeitig droht Amerika die Gefahr durch den Mandarin (Ben Kingsley), einem Terroristen, der durch Anschläge und Medienauftritte Angst und Schrecken verbreitet. Tony Stark fordert diesen neuen Gegner öffentlich heraus und stellt sich dem Kampf.

„Iron Man 3“ startet überraschend tiefgründig: Ein geläutert erscheinender Tony Stark spricht aus dem Off über Geister der Vergangenheit und innere Dämonen. Ein Gegner, der keine direkt physische, sondern ideologische Bedrohung darstellt, macht Hoffnung auf erfrischende Konflikte, in denen es nicht nur ums gegenseitige Kloppen geht. Und auch die Trailer versprachen einen eher düsteren, ernsthaften und auch bedeutungsvolleren Blockbuster. In den meisten dieser Punkte sollte ich schwer enttäuscht werden.

Tony Stark ist und bleibt ein arroganter Egomane. Natürlich macht ihn das auch ein Stück weit sympathisch und Robert Downey Junior mimt diesen Aspekt der Figur perfekt. Trotzdem hat man sich irgendwann an dieser Eigenschaft satt gesehen und so gut wie jeder dürfte kapiert haben, dass Tony Stark eine coole Sau ist. Es wäre Zeit für eine Charakterentwicklung gewesen, doch mit schlecht gespielten und nicht nachvollziehbaren Panikattacken will das nicht so recht funktionieren. Von daher rutscht Iron Man irgendwann im Lauf des Films wieder ins gewohnte Schema und besticht durch Coolness, Schmunzel-Sprüche und Sparwitze. Wie gesagt, das ist nett, aber für das dritte Kinoabenteuer zu wenig.

Vielversprechender war da schon Ben Kingsley als terroristischer Mandarin. Ich kenne mich mit den Iron-Man-Comics nicht aus, aber ich habe gelesen, dass es sich bei dieser Figur um den beliebtesten und wohl auch charismatischsten Bösewicht des Eisernen handelt. Besonders wichtig erscheint mir der Kontrast zwischen den Figuren: Während Iron Man auf Technik, Wissenschaft und Waffen setzt, ist der Mandarin hauptsächlich durch seine ideologische Komponente gefährlich. Dieser Gegensatz erschafft viel Potential, was auch in der ersten Hälfte des Films großartig umgesetzt wurde. Es war eine Freude, Ben Kingsley in den an Osama bin Laden erinnernden Videobotschaften zu sehen und man malte sich aus, wie wohl das tatsächliche Aufeinandertreffen zwischen Held und Schurke aussehen wird. Allerdings kam es dann zu einem Twist, der zwar überraschte, aber die Figur des Mandarin und damit die gesamte antagonistische Seite ins Lächerliche zog. Ohne weiter zu spoilern kann ich behaupten, dass man mit diesem ungünstigen Zug sowohl die Filmfigur, als auch Ben Kingsley verschenkte.

Auch die in den Trailern angedeutete Ernsthaftigkeit stellte sich meiner Meinung nach nicht ein. „Iron Man 3“ leidet darunter, dass er keine klare Linie fährt und zwischen seriösem Actionthriller und seichter Blockbuster-Unterhaltung hin und her springt. Heraus kommt ein Film, der offensichtlich nicht weiß, was er will, und daher bestenfalls durchschnittlich bleibt. Die Handlung weckte mein Interesse nur phasenweise und letztendlich war es mir egal, was am Ende mit dieser oder jener Figur passiert. Es bleiben ein paar nette Effekte und ein paar gute Schauspieler, mit denen man theoretisch aber viel mehr hätte anfangen können. Insofern gibt es für dieses seelenlose Spektakel nur 6 von 10 Popcornguys.

The Amazing Spider-Man

Titel: The Amazing Spider-Man
Regisseur: Marc Webb
Musik: James Horner
Darsteller: Andrew Garfield, Emma Stone, Rhys Ifans

Hier der Trailer.

Peter Parker ist ein junger Mann mit einer Vielzahl an Problemen. Der Wissenschafts-Nerd, der nach dem Tod seiner Eltern bei Onkel und Tante aufwächst, wird an seiner High School von bulligen Mitschülern gemobbt und muss sich durch das Gefühlschaos seiner ersten großen Liebe kämpfen. Doch Parkers Leben ändert sich schlagartig bei einem Besuch der naturwissenschaftlichen Abteilung der Firma Oscorp Industries: Er wird von einer genmanipulierten Spinne gebissen und entwickelt daraufhin unglaubliche Fähigkeiten. Diese setzt er zunächst sehr eigennützig ein, um den Tod seines Onkels Ben – den Parker selbst verschuldet hat – zu rächen. Doch der junge Mann muss lernen, dass mit großer Kraft große Verantwortung folgt und versucht, als Spider-Man mit seinen Kräften den Bewohnern von New York zu helfen. Gleichzeitig kommt Parker der Vergangenheit seiner Eltern auf die Spur und nimmt Kontakt mit Doktor Curt Connors auf, einem Arbeitskollegen seines Vaters. Dieser führt Experimente mit Reptilien-DNA an sich durch, um seinen verlorenen Arm wieder zu erlangen. Der Versuch glückt, allerdings verwandelt sich Connors in eine schier unaufhaltbare Echse, die der restlichen Bevölkerung New Yorks eine ähnliche Transformation aufzwingen will. Spider-Man muss nun den Kampf gegen diese Bedrohung aufnehmen.

Die Entstehung Spider-Mans liest sich in ihren groben Zügen wie ein alter Hut. Und tatsächlich hat diese Origin mittlerweile derart klassische Züge angenommen, dass für viele ein Reboot des Netzschwingers unnötig, beziehungsweise übereilt erschien. Auch ich war während der Anfangsphase der Produktion skeptisch und hätte es besser gefunden, das Projekt noch ein paar Jahre ruhen zu lassen. Andererseits bot sich durch den katastrophalen Trilogie-Killer „Spider-Man 3“ ein radikaler Schnitt zu den Filmen von Sam Raimi an – und ich wurde optimistisch. Meine positive Einstellung wuchs, als nach und nach gewisse Namen mit dem Projekt in Verbindung gebracht wurden. Marc Webb – dessen erster Kinofilm „(500) Days Of Summer“ grandios war – sollte als Regisseur die Fäden in der Hand halten. Die bezaubernd-sympathische Emma Stone würde Parkers Freundin Gwen Stacy darstellen, während Rhys Ifans (den meisten wohl als zotteliger Mitbewohner von Hugh Grant aus „Notting Hill“ bekannt) den Part der Echse übernehmen würde. Andrew Garfield war mit vorher nur vage ein Begriff, aber ich hatte bei ihm ein ziemlich gutes Gefühl – und ich sollte nicht enttäuscht werden.

Einer der größten Pluspunkte von „The Amazing Spider-Man“ ist definitiv der Cast. Nahezu jede Rolle ist super besetzt und löst beim Zuschauer viel Sympathie aus. Andrew Garfield gelingt es, die vielen Facetten des Peter Parker (Nerd, verliebter Chaot, Superheld) perfekt in Szene zu setzen. Dabei ist er jedoch keineswegs so weinerlich, wie es stellenweise Tobey Maguire in den vorherigen Filmen war. Bereits vor dem Spinnenbiss zeigt sich Parker frech, gewitzt und clever, was der Comicvorlage weitaus entsprechender ist. Darüber hinaus herrscht zwischen Andrew Garfield und Emma Stone eine überaus stimmige Chemie, die in den Dialogen deutlich spürbar ist. Auch der Rest des Casts macht seinen Job ziemlich gut. Besonders hervorzuheben ist möglicherweise Denis Leary, der Polizeichef George Stacy spielt und vom Wandkrabbler anfangs überhaupt nicht begeistert ist. Weitere Pluspunkte von „The Amazing Spider-Man“ sind der gut dosierte Humor, die ansehnliche Spezialeffekte und Actionelemente, sowie der wirklich geglückte Versuch, sich so weit es geht von Sam Raimis Vision zu distanzieren. Eine besondere Rolle spielt dabei die spezielle Gewichtung von Parkers Eltern. Hierbei werden längst nicht alle Fragen geklärt, im Gegenteil: Der Film fährt mit einigen mysteriösen Szenen und Dialogen auf, die den Weg für mögliche Fortsetzungen ebnen. An dieser Stelle empfehle ich, nach dem Abspann noch kurz sitzen zu bleiben.

Leider hat „The Amazing Spider-Man“ auch einige Schwachstellen. Obwohl man sich wichtige Elemente wie die Osborns, den Daily Bugle und Mary-Jane wohl für Fortsetzungen aufsparen wollte und somit theoretisch viel Luft hat, gelingt es dem Film nicht, sämtliche Handlungsstränge rund darzustellen. Ein Beispiel: Es ist allgemein bekannt, dass ein Kleinkrimineller Onkel Ben ermordet, woran Parker selbst maßgeblich Schuld trägt. In einem Anflug von Rache möchte der Protagonist den Verbrecher stellen. So wird es auch in „The Amazing Spider-Man“ gezeigt und es ist interessant zu beobachten, wie Parker allmählich von der egoistischen Anschauung abweicht und seine Dienste einer verantwortungsvolleren Perspektive unterwirft. Allerdings scheint Parker im Film von einer Szene auf die nächste den Mörder seines Onkels vollkommen zu vergessen und das vorher so gekonnt aufgebaute Rache-Motiv verpufft. Natürlich ist es legitim, die Dinge anders anzugehen als beim ersten Kinofilm, doch diese Sache hat Sam Raimi weitaus überzeugender gelöst.

Allgemein werden die einzelnen Story-Plots von „The Amazing Spider-Man“ in einem solch schnellen Wechsel aufgefahren, dass sie sich gegenseitig die Wirkung nehmen und kaum ausgekostet werden. So gestaltet sich auch der gesamte Entstehungsprozess Spider-Mans viel zu holprig und sprunghaft. Zwar ist die Idee mit der Vergangenheit von Parkers Eltern gut und interessant, doch da nebenher noch zu viele andere Stränge laufen, findet meiner Meinung nach nicht immer eine hundertprozentig nachvollziehbare Charakterentwicklung statt. Auch die Dramatik des Gegenspielers hätte besser aufgegriffen werden können. Ich erinnere mich daran, dass die Echse in den Comics Frau und Kind hatte und für die eigene Familie zu einer echten Gefahr wurde. Möglicherweise hätte man diese Elemente aufgreifen können, um dem Bösewicht etwas mehr Tiefe zu verleihen. Des Weiteren leidet „The Amazing Spider-Man“ unter einigen Logikfehlern. Beispielsweise fällt es den Mitschülern trotz offensichtlichster Begebenheiten nicht auf, dass Parker Spider-Man sein könnte – und auf der anderen Seite geht der Protagonist derart schlampig mit seiner Geheimidentität um, dass am Ende des Films nahezu jeder andere Hauptdarsteller sein Geheimnis kennt.

Um zum Ende zu kommen: „The Amazing Spider-Man“ ist ein äußerst unterhaltsamer Film mit gut dosierter Action und Humor, der hauptsächlich von seinem überaus sympathischem Cast profitiert. Leider ergeben sämtliche Handlungsfäden keinen vollständig überzeugenden Gesamteindruck, weswegen der Streifen nicht den Schritt zu einem außergewöhnlichem Werk schafft. Dennoch werde ich die möglichen Fortsetzungen mit Spannung erwarten.

Ich vergebe 8 von 10 Popcornguys!

Marvels: The Avengers

Titel: The Avengers
Regie: Joss Whedon
Musik: Alan Silvestri
Darsteller: Robert Downey Jr., Chris Evans, Chris Hemsworth, Scarlett Johansson

Hier der Trailer

Der Halbgott Loki aus Asgard kehrt auf die Erde zurück, um mithilfe einer unkontrollierbaren Energiequelle die Herrschaft über die Erde anzutreten. Die Organisation S.H.I.E.L.D., vertreten durch Nick Fury bildet daraufhin eine Eingreiftruppe aus ungewöhnlich begabten Personen zusammen: The Avengers. Die zusammengewürfelte Truppe, bestehend aus Iron Man, Captain America, Hulk, Thor, Black Widow und Hawkeye muss sich nun zusammentun, um Loki aufzuhalten und die Unterwerfung der Menschen zu verhindern.

Lange haben Marvel-Fans auf diesen Film gewartet. Einige der Helden bauen auf der Grundlage eigener Filme auf: Iron Man, Captain America, Hulk und Thor hatten ihr Filmdebut bereits, und so kann „The Avengers“ lässig auf der jeweiligen Vorgeschichte aufbauen, ohne jeden Held einzeln einführen zu müssen.
Umso erfreulicher ist es, dass alle diese Filme mit ihren Charakteren und Stories gut miteinander verbunden sind – ich mag sowas.
Ich persönlich habe Comics erst richtig im Laufe des letzten Jahres für mich entdeckt, weshalb ich mit dieser Riege von Helden nicht sehr viel anfangen kann. Klar, Iron Man, Thor und vor allem dem Hulk begegegnet man schonmal, aber grundsätzlich bin ich mit der Materie nicht sonderlich vertraut. Wenn man dann noch daran denkt, dass die oben genannten Verfilmungen nicht allesamt sonderlich gut ausgefallen sind, könnte man gegenüber „The Avengers“ schon die einen oder anderen Zweifel hegen.

Umso überraschter war ich vom Ergebnis – doch zuerst zu den einzelnen Helden:

Steven Rogers aka Captain America versuchte während des 2. Weltkriegs immer wieder seinem Land zu dienen. Körperliche Beschwerden machten ihm den Dienst unmöglich, bis er sich als Versuchskaninchen für ein Experiment zur Verfügung stellte. Das Ergebnis war ein Supersoldat, welcher als Galionsfigur der amerikanischen Streitkräfte im Deutschen Reich aufräumen sollte: Captain America. Nach einem Flugzeugabsturz versank der Superheld im arktischen Eis, wo er 70 Jahre später – und auf wundersame Weise noch am Leben – entdeckt und aufgetaut wurde.

Tony Stark aka Iron Man ist Multimilliardär, Wissenschaftler und ein ziemlicher Macho. Nachdem bei einem Angriff Granatsplitter in seinem Körper landeten, kann er nur mittels eines Magneten in seiner Brust am Leben gehalten werden. Dank einer eigens entwickelten Energiequelle, des sog. Arc-Reaktors, wird nicht nur sein Magnet versorgt, sondern auch sein High-Tech-Panzeranzug. Tony Stark beschloss nämlich, seine Fähigkeiten der Menschheit zur Verfügung zu stellen.

Bruce Banner aka der Hulk ist ein Wissenschaftler, welcher nach einem missglückten Versuch mit Gamma-Strahlen ungewöhnliche körperliche Transformationen annehmen kann. In Stresssituationen, besonders bei Wut, verwandelt sich Banner in ein großes, starkes, grünes Etwas: Der Hulk. Dummerweise kann er diese Kräfte nicht steuern, weshalb der Hulk nicht nur für seine Feinde ungemein gefährlich ist, sondern auch für die Verbündeten.

Thor, Odins Sohn ist ein Halbgott aus Asgard. Mit seinem Hammer gelingt es ihm, Blitz und Donner zu befehligen. Sein Bruder Loki verfällt immer wieder seinen Machtvorstellungen, und so schließt sich Thor den Avengers an, dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten.

Natascha Romanoff aka Black Widow ist eine S.H.I.E.L.D.-Agentin. Ursprünglich für den KGB tätig, sollte sie Iron Man töten, bis sie jedoch überlief. Sie verfügt über besonders ausgeprägte Nahkampf- und Spionage-Fähigkeiten.

Clint Barton aka Hawkeye. Wie Black Widow ist er S.H.I.E.L.D.-Agent ohne besondere Kräfte. Seine ausgewöhnlichen Fertigkeiten im Fernkampf, besonders mit dem Bogen sichern ihm einen Platz unter den Avengers.

Ja, so setzt sich die Heldengruppe also zusammen. Wie erwähnt habe ich wenig Bezug zu diesen Superhelden. Einzig ein Hulk-Comic, in welchem auch Thor und Iron Man auftreten, kommt mir immer wieder in Erinnerung. Dennoch war ich vom Film ungemein überrascht. Joss Whedon (dem ich vor allem aufgrund der Serie „Firefly“ vertraue) hat meines Erachtens alle Erwartungen voll erfüllt. Er fackelt nicht lange, steigt gleich ein. Die Helden bekommen zwar eine Einfühung, doch wird nicht jede Lebensgeschichte einzeln erzählt – dafür gibt es ja auch schon den einen oder anderen Film. Umso besser, dass Marvel diese Filme auch stets inhaltlich verbindet. Black Widow und Hawkeye, welche ja eher die weniger bekannten Helden sind, tauchen bereits in „Thor“ und „Iron Man 2“ auf. Und in „Der unglaubliche Hulk“ hat Tony Stark einen kleinen Gastauftritt, wo ziemlich deutlich auf die Avengers angespielt wird.

Kommen wir noch zum Film selbst: Ich finde die Screentime der einzelnen Charaktere gut aufgeteilt, wobei die populäreren (v.a. Iron Man) natürlich vermehrt für lockere Sprüche sorgen. Insgesamt kommt nichts zu kurz – die Geschichte ist gut und spannend erzählt, und besonders die Zankereien zwischen den Helden ist gut in Szene gesetzt. Auf der Action-Ebene ist „The Avengers“ spitzenklasse – da lassen sich wirklich keine Mängel aufweisen.
Zugegeben – besonders komplex und geistreich ist die Story nicht. Aber das will sie auch zu keinem Zeitpunkt sein. Dieser Film will Popcornkino liefern – und das tut er auf exzellente Weise.
Die 3D-Effekte sind in Ordnung, müssten aber meines Erachtens nicht unbedingt sein.

Wer also Lust auf Krawall und heftige Action hat, der ist mit „The Avengers“ wirklich gut beraten. Ich freue mich jetzt schon auf den zweiten Teil – der ziemlich sicher kommen dürfte. Von mir gibts für das Actionfeuerwerk deshalb 8 von 10 Popcornguys.