Coconut Hero

Titel: Coconut Hero
Regisseur: Florian Cossen
Musik: Matthias Klein
Darsteller: Alex Ozerov, Bea Santos, Krista Bridges, Sebastian Schipper

Der 16-jährige Mike Tyson (Alex Ozerov) ist des Lebens überdrüssig: Das triste Kleinstadtleben, die Hänseleien wegen seines Namens oder seine desinteressierte Mutter (Krista Bridges) – es wird ihm zu viel, weswegen er beschließt sich selbst zu töten. Laut Statistik gelingt es 99% der Menschen, die versuchen sich mit einem Gewehr zu erschießen. Mike gehört zu den 1%. Mit einer Kopfwunde erwacht er, nur um dann festzustellen, dass er wegen eines Hirntumors doch sterben zu müssen. Für Mike geht der Plan also auf – bis er sich plötzlich mit seinem Vater (Sebastian Schipper) und der lebensfrohen Miranda (Bea Santos) auseinandersetzen muss. 

Schon der Trailer zu Coconut Hero hat mich sofort angesprochen: Ich habe einfach eine kleine Schwäche für Coming-of-Age-Dramen. Mike ist der absolute Stereotyp des depressiven, von den Wirrungen des Jugendalters gebeutelten Teenagers. Fast könnte man seinen Todeswunsch verstehen, wenn man seinen Alltag erlebt: Eine nervende Mutter, nervende Mitschüler, nervende Langeweile. Nach seinem Selbstmordversuch ändert sich plötzlich vieles: Sein Vater Frank (Sebastian Schipper, übrigens Regisseur des großartigen „Victoria“), den er jahrelang nicht gesehen hat, taucht plötzlich auf und möchte sich mit ihm anfreunden. Außerdem muss er auf ärztliche Anweisung an einem lebensbejahenden Kurs teilnehmen, der von der quirligen Miranda geleitet wird. Gerade diese Begegnung erschüttert seinen Todeswunsch auf die Grundfesten…

Coconut Hero erzählt die Geschichte eines eher durchschnittlichen Jugendlichen, der mit einem gewissen Hang zur Dramatik den Problemen seines Lebens entfliehen möchte. Dabei präsentiert uns der Film sympathische wie sehr unsympathische Charaktere, bezaubernde Bilder, gefühlvollen Soundtrack und eine ungewöhnliche Wendung, die Coconut Hero deutlich von Genrekollegen abhebt.

Sicher nicht die Entdeckung des Jahres, aber ein schöner, trauriger, kleiner Film, der auf die eigene Jugendzeit zurückblicken lässt. Nachdrückliche Empfehlung meinerseits!

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Frank

Titel: Frank
Originaltitel: Frank
Regie: Lenny Abrahamson
Musik: Stephen Rennicks
Darsteller: Michael Fassbender, Domhnall Gleeson, Maggie Gyllehaal

Jon (Domhnall Gleeson) wäre gerne ein erfolgreicher Musiker – doch ihm fehlt jegliche Inspiration. Auf der verzweifelten Suche nach einer kreativen Quelle lernt er die Rockband Soronpfbrs kennen. Deren Keyboarder ist nach einem missglückten Selbstmordversuch erstmal ausgeschaltet, weswegen Jon spontan für einen Gig einspringt. Die Soronpfbrs entpuppen sich als eine wahrlich skurrile Truppe. Sie besteht aus der jähzornigen Clara (Maggie Gyllenhaal), den arroganten Franzosen Nana und Baraque (Carla Azar und François Civil), sowie Don (Scotot McNairy), der gerne mal Geschlechtsverkehr mit Schaufensterpuppen praktiziert. Doch die seltsamste Erscheinung ist Frank (Michael Fassbender), der Sänger der Band. Auch abseits der Bühne trägt er stets einen überdimensionalen Pappmaché-Kopf und nicht einmal seine Bandkollegen wissen, wie er wirklich aussieht. Dons erster Auftritt mit den Soronpfbrs lässt sich nicht gerade als gelungen bezeichnen. Dennoch erzählt er am nächsten Tag einen Anruf und begleitet die Band nach Irland, in der Annahme, dort einen weiteren Gig zu spielen. Tatsächlich quartieren sich die Soronpfbrs über Monate in einer einsam gelegenen Hütte ein, um dort mit allen Mitteln ihr Album aufzunehmen.

Eines muss im Voraus gesagt werden: „Frank“ ist als bizarre und ziemlich verrückte Indie-Musikkomödie sicher nicht jedermanns Geschmack. Ich persönlich habe aber seit langer Zeit keinen so witzigen und gleichzeitig charmanten Film mehr gesehen. Ganz entscheidend trägt dazu natürlich der Cast bei. Es dauert nicht lange und jedes einzelne gestörte Bandmitglied ist einem ans Herz gewachsen. Der sympathische Domhnall Gleeson gerät – ganz ähnlich wie in „Ex Machina“, nur mit einem gänzlich anderen Ton – mal wieder in eine für ihn völlig neuartige Situation und macht als perplexer, aber durchaus vielschichtiger Charakter einen verdammt guten Job. Maggie Gyllenhaal als undurchsichtige und innerlich stets brodelnde Frau hatte sichtlich ebenso großes Vergnügen beim Dreh. Michael Fassbender mag wegen des großen Pappmaché-Kopfes seiner eindrucksvollen Mimik beraubt sein, aber dennoch gelingt es seiner Figur, den emotionalen Kern der Geschichte zu bilden.

Der Film, durch den Domhnall Gleesons Figur als Erzähler führt, konstruiert einen komischen Moment nach dem anderen. „Frank“ ist damit sehr unterhaltend, doch es gelingt ihm ebenso gut, die emotionalen Töne anzuschlagen, die mich merkwürdigerweise auf einer sehr tiefen Ebene erreicht haben. Der Film arbeitet in mir weiter und so werden für mich auch die gewichtigeren Themen der Geschichte deutlich. Denn auf der einen Seite steht der aufstrebende, aber im Grunde talentlose Möchtegern-Musiker Jon, der jedes noch so kleine seiner Tönchen über Youtube und Twitter präsentiert und verzweifelt nach Klicks, Followern und Fans lechzt. Und auf der anderen Seite steht Frank, ein psychisch gestörter, aber genialer Musiker, dessen Vorstellung von Kunst aber niemals ein breites Publikum erreichen wird. Der Film wirft also die Frage auf, ob Erfolg durch Anpassung für einen Musiker – oder einen Menschen im Allgemeinen – erstrebenswert ist oder nicht. Und die Auflösung in „Frank“ hat mich richtig gerührt.

Ich empfehle diesen Film allen, die sich für Musik interessieren und viel für Außenseiter-Kino übrig haben. Denn die werden mit „Frank“ sehr glücklich werden. Mindestens 8 von 10 Popcornguys!

Enemy

Titel: Enemy (Originaltitel: Enemy)
Regie: Denis Villeneuve
Musik: Daniel Bensi, Saunder Jurriaans
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Mélanie Laurant, Sarah Gadon

Der Geschichtsprofessor Adam Bell (Jake Gyllenhaal) führt ein eintöniges Leben: Während er tagsüber mit wenig Motivation seine Vorlesungen hält, hat er abends routinierten und gefühlslosen Sex mit seiner Freundin Mary (Mélanie Laurant). Eines Tages wird Adam von einem Kollegen ein Film empfohlen. Überrascht muss er feststellen, dass einer der Statisten ihm bis aufs Haar gleicht. Adam gelingt es, Kontakt zu dem Schauspieler aufzunehmen. Es handelt sich um einen Mann namens Anthony Claire (Jake Gyllenhaal), der mit seiner hochschwangeren Ehefrau Helen (Sarah Gadon) zusammenlebt. Anthony möchte zunächst nicht auf Adams Anrufe eingehen, doch schließlich lässt er sich auf ein Treffen ein. Dies ist der Beginn eines wahnsinnigen Trips in die tiefsten Abgründe der Psyche beider Männer.

Regisseur Denis Villeneuve machte letztes Jahr durch seinen Selbstjustiz-Thriller „Prisoners“ auf sich aufmerksam. „Enemy“ wurde vorher gedreht und eröffnet nun einen weiteren Blick auf das interessante Werk des kanadischen Filmemachers – und was für einen!

Allein der Beginn des Films versetzt den Zuschauer in ein diffuses Gefühl des Unwohlseins: Nackte Frauen räkeln sich in einem dunklen Raum und werden dabei von einigen Männern beobachtet, unter denen sich auch Jake Gyllenhaal befindet. Die Eröffnungsszene endet mit einer Vogelspinne, die auf einem Tablett der anwesenden Gesellschaft präsentiert wird. Das Motiv der Spinne zieht sich auf beunruhigende Weise durch den gesamten Film und sorgt für einige wirklich verstörende Szenen. Kameraführung und gelb-brauner Farbfilter tragen ihren Teil zur stets präsenten Unwirklichkeit und Bedrohung bei. Alles in „Enemy“ wirkt gefährlich, egal, ob es sich um Häuserschluchten, Wohnungen oder einzelne Möbelstücke handelt. Kurze Einschübe mit extrem harten Schnitten und disharmonischen Klängen machen die grausame Stimmung perfekt.

Inmitten dieses finsteren Settings erleben wir Jake Gyllenhaal in einer Doppelrolle. Der Hauptdarsteller macht dabei eine äußerst gute Figur und es gelingt ihm in der ersten Hälfte des Films sehr gut, Adam und Anthony verschiedenartig darzustellen. Gyllenhaal lässt aber dann – wohl ganz im Sinne des Drehbuchs – allmählich die Grenzen zwischen den Charakteren verschwimmen. Ebenso überzeugend spielen die Frauen. Mélanie Laurant (den meisten wohl als jüdische Kinobesitzerin aus Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ bekannt) mimt die attraktive Affäre, während Sarah Gadon mit ihren hinreißenden Augen die schwangere und bedürftig wirkende Ehefrau spielt. Beide Damen sprechen in ihren Rollen unterschiedliche Instinkte eines Mannes ein – ein Punkt, der für die Handlung wohl nicht unwesentlich ist – und werden dementsprechend mit ihren Vorzügen sehr ästhetisch in Szene gesetzt.

Viel mehr möchte ich über die Story aber gar nicht sagen. Der Film nimmt einen mit, spielt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers und fährt mit ein paar wirklich faszinierenden Wendungen auf. Den ein oder anderen zähen Moment gibt es dennoch, was beim Sehen schon strapazieren kann – eine Prise mehr Tempo wäre möglicherweise nicht schlecht gewesen. Mir persönlich kam der Film unmittelbar nach der Sichtung eher durchschnittlich vor, allerdings fällt mir nun auf, dass er rund einen Tag später seine Wirkung entfaltet. Man beginnt, sich seine Gedanken zu machen und eine eigene Interpretation aufzustellen, wobei ich einräumen muss, dass ich es dringend nötig hatte, mir Erklärungen von Regisseur und Schauspielern durchzulesen. Inzwischen würde ich „Enemy“ als komplexe, aber clevere Analyse der menschlichen Psyche sehen und ihn von seiner Art her mit einem Kafka-Roman vergleichen.

Fazit: „Enemy“ trifft sicher nicht jedermanns Geschmack, aber wer bereit ist, sich auf einen anspruchsvollen und künstlerischen Thriller einzulassen, wird mit Sicherheit dafür belohnt werden. Man sollte sich aber darauf einstellen, das Ganze etwas sacken lassen zu müssen – und dies erfordert nicht zwangsweise einen Kinobesuch, sondern kann auch gut im Rahmen eines Heimkinoabends geschehen. Es gibt 8 von 10 Popcornguys!

Tage voller Tiefgang

Filme sind Kunst. Nun, nicht jeder Film, da sind wir uns sicher einig. Aber dennoch sind Filme ein Medium, das – seit der erste Streifen über eine Leinwand flimmerte – die Menschen fasziniert. Besonders gute Werke, die sowohl eine packende wie interessante Geschichte erzählen, als auch handwerklich perfekt inszenierte Szenen ineinander fließen lassen, erwecken nicht nur unsere Begeisterung, sondern erfüllen unser Herz mit Emotionen. Das Medium Film ist ausgesprochen wirkungsvoll – wenn es denn richtig eingesetzt wird.

Wir Popcornguys haben uns mit einem Freund und Kollegen ein paar Tage Zeit genommen, uns künstlerisch wertvollen, sich bestimmten persönlichen wie philosophischen Themen behandelnden Filmen zu widmen. Hintergrund des ganzen ist ein geplantes Filmwochenende, welches im Rahmen der Jugendarbeit verschiedene Themen an junge Menschen heranbringen soll. Und welche Medien eignen sich dazu besser als Filme?

Um eine geeignete Auswahl zu treffen, haben wir uns mit sieben Filmen auseinandergesetzt, die in ihrer Machart zwar sehr unterschiedlich sind, eines jedoch gemeinsam haben: Wenn sich die Zuschauer darauf einlassen, können diese Werke ganz tief gehen.

The Game 

Als erstes widmeten wir uns einen für dieses Vorhaben eher ungewöhnlichen Actionthriller. Nicholas van Orton (Michael Douglas) ist ein reicher, hochnäsiger Geschäftsmann wie er im Buche steht. Eines Tages schenkt ihm sein Bruder Conrad (Sean Penn) einen Gutschein für ein Spiel, welches von einer Firma inszeniert und das Leben des Klienten grundlegend ändern soll. Skeptisch lässt sich Nicholas darauf ein, bis das Spiel plötzlich grausame Realität annimmt. Sein Leben gerät völlig aus den Fugen, bis Nicholas beschließt alles zu tun, um sein altes Leben zurückzugewinnen. 

Der 1997 von David Fincher (!) gedrehte Thriller besticht durch seine Spannung und grandiose Inszenierung. Mehr braucht man dazu auch gar nicht erwähnen. Wieso sollte dieser Film aber zentrale Fragen Jugendlicher ansprechen? Im weiteren Sinne fasst der Film Fragen auf, die der Zuschauer bald sich selbst stellt: Wie sieht mein Leben aus, bin ich damit zufrieden?

Adams Äpfel

Der Neonazi Adam (Ulrich Thomsen) wird zur Rehabilitation in die Obhut des schrägen Pfarrers Ivan (Mads Mikkelsen) übergeben, wo er die Aufsicht über den Apfelbaum des Gartens erhält, um letztlich einen Apfelkuchen zu backen. Adam ist nicht nur von den weiteren Bewohnern genervt, sondern muss sich auch dem unverbesserlichen Gutmenschentum des Priesters stellen, das ihn an seine Grenzen bringt.

Eine äußerst seltsame, herzerwärmende und schockierende Geschichte. Adams Äpfel gehört definitiv zu den schwärzesten Komödien, die ich kenne. Herrlich absurde Situationen und genial gespielte Charaktere erklären den internationalen Erfolg und die vielen Preise, die dieser Film zurecht eingeheimst hat. Mitunter werden immer wieder Gedanken aufgeworfen, die nach dem Handeln und Willen Gottes fragen. Wie lange kann der Glaube an einen liebenden Gott zahllosen Schicksalsschlägen standhalten?

L.A. Crash

Was wie ein Actionfilm klingt, ist ein berührendes Episodendrama, das die turbulenten Erlebnisse grundverschiedener Menschen miteinander verschmilzen lässt. Hochkarätig besetzt mit Don Cheadle, Sandra Bullock, Brendan Frasier, Matt Dillon, Ryan Phillipe u.v.m. unterhält Vermeintliche Stereotypen treffen hier aufeinander, die wir lieben oder hassen, nur um bald darauf eines Besseren belehrt zu werden. L.A. Crash den Zuschauer nicht nur, sondern lässt ihn an unglaublicher Charakterentwicklung teilhaben, die wiederum das eigene Leben hinterfragen lässt.

Life of Pi

Ein Schriftsteller lässt sich eine unglaubliche Geschichte erzählen: Pi, der mit seiner Familie und deren Zoo auf dem Weg von Indien nach Kanada ist, erleidet Schiffbruch. Einzige Überlebende sind der Junge und der bengalische Tiger des Zoos, Richard Parker. Dem Ozean und dem Raubtier ausgeliefert, beginnt die unfassbare Überlebensgeschichte von Pi. 

Zugegeben, auf den ersten Blick hört sich die von Ang Lee 2012 gedrehte Geschichte etwas seltsam an. Dennoch verzaubert der Film durch optische Nuancen wie auch durch eine schöne Erzählweise von Anfang an. Dem eigentlichen Plot vorausgehend berichtet Pi von seiner Kindheit und seiner groß angelegten Suche nach Gott, wo er vom Hinduismus über dem Christentum hin zum Islam fündig wurde. Im Film wird seine Lebensgeschichte als „Geschichte, die einem dem Glauben an Gott wieder gibt“ bezeichnet. Ob das stimmt, überlasse ich dem Zuschauer selbst. Nichtsdestotrotz lässt sich festhalten: Diese seltsame wie beeindruckende Geschichte geht gehörig in die Tiefe..

21 Gramm

21 Gramm beleuchtet das Leben dreier Personen, deren Schicksale sich durch einen dramatischen Vorfall verbinden. Der schwer erkrankte Paul Rivers (Sean Penn) hofft auf ein Spenderherz, das sein Leben retten soll. Der ehemalige Gefängnisinsasse Jack Jordan (Benicio del Toro) will sein Leben grundlegend ändern: Einzig seine Familie und sein unbändiger Glaube an Gott bestimmen sein Tun. Die Ehefrau und Mutter Cristina Peck sieht sich in einer glücklichen Phase ihres Lebens, als sich plötzlich alles in einen Albtraum verwandelt. 

Wenn ich unter den vielen Dramen die ich kenne und schätze, das beste auswählen müsste, würde ich wohl 21 Gramm nennen. Kein anderer Film hat mich je so sehr mitgenommen. Ob es nun an der anspruchsvollen Erzählweise oder der unfassbaren Schauspielleistung aller drei Hauptpersonen liegt: 21 Gramm nimmt den Zuschauer mit. Wir sehen uns schwerer Schicksalsschläge und Lebensbahnen ausgesetzt, die unser aller Leben aus den Fugen werfen würden.

Little Miss Sunshine

Die kleine Olive (Abigail Breslin) versucht ihr Bestes, in der wirren Welt von Schönheitswettbewerben einen Platz zu finden. Als sie wegen eines Formfehlers nachrückt und am großen Wettbewerb „Little Miss Sunshine“ teilnehmen darf, macht sie sich auf den Weg nach Kalifornien. Begleitet wird sie von ihrer mehr als schrulligen Familie: Der unerschütterliche, aber erfolglose Vater Richard (Greg Kinnear), die gestresste Mutter Sheryl (Toni Collette), ihr misanthropischer Bruder Dwayne (Paul Dano), der drogenabhängige Großvater (Alan Arkin) und der suizidgefährdete, homosexuelle Onkel Frank (Steve Carell). 

Ich sage oft, dass Little Miss Sunshine der beste Film ist, der je gedeht wurde. Ich glaube ich habe recht. Es gibt keine Tragikomödie, die ihrem Namen so gerecht wird. Wer diesen Film sieht muss lachen und weinen. Ehrlich.

Dein Weg

Thomas Avery (Martin Sheen) lebt ein zufriedenes Leben als Augenarzt in den USA, als ihn eine erschütternde Nachricht erreicht: Sein Sohn Daniel (Emilio Estevez) ist in Frankreich auf dem Jakobsweg ums Leben gekommen. Er macht sich sofort auf den Weg, um den Leichnam seines Sohnes zu holen. Dort angekommen beschließt er jedoch, einen radikalen Schritt zu wagen. Mit der Asche seines Sohnes im Gepäck will er den restlichen Weg nach Santiago de Compostela zurücklegen. Als unerfahrender wie wenig frommer Pilger muss er mit diversen Widrigkeiten kämpfen, trifft aber auch auf weitere Gefährten, die jeder für sich eine andere Lebensgeschichte und einen anderen Grund mitbringen, diesen Weg zu gehen. 

Die Zusammenarbeit zwischen Regisseur Estevez und Schauspieler Sheen gründet nicht nur im Film auf einer Vater-Sohn-Beziehung, sondern auch im echten Leben. Umso bewegender ist dieses Drama, das uns mit stillen, erschütternden Momenten und ebenso erheiternden Szenen beglückt. Viele Menschen machen sich auf dem berühmten Pilgerweg auf den Weg, um sich selbst, Gott, oder eine Antwort aufs Leben zu finden. Ob Thomas Avery und seine Mitstreiter eine Antwort finden, darf der einzelne Zuschauer selbst herausfinden. Fest steht aber: Wer diesen Film sieht, verspürt den Drang aufzubrechen.

Das sind sie nun, unsere sieben Perlen. Ohne Zweifel gehören sie zu jener Art Film, die einen tiefen Eindruck im Herzen des Zuschauers hinterlassen. Schon während dieses Wochenendes haben wir festgestellt, dass es noch viele viele mehr solcher Filme gibt, die es sich anzuschauen lohnt, um einen tiefen, beglückenden, froh machenden, Zweifel erweckenden, traurig stimmenden, nachdenklichen oder einreißenden Einfluss auf das eigene Leben zuzulassen.

Lars und die Frauen

Originaltitel: Lars and the real women
Regisseur: Craig Gillespie
Musik: David Torn
Darsteller: Ryan Gosling, Emiliy Mortimer, Paul Schneider

Hier der Trailer

Der ruhige, introvertierte Lars lebt in der ausgebauten Garage seines Elternhauses. Obwohl sein Bruder Gus und dessen Frau Karen immer wieder versuchen, ihn ins gesellschaftliche Leben einzubinden, zieht sich Lars zunehmend zurück. Selbst am Arbeitsplatz geht Lars dem Kontakt mit anderen Menschen, vor allem Frauen, soweit es nur geht aus dem Weg, bis er eines Tages sein Umfeld schockt, als er allen seine neue Freundin vorstellt: Bianca. Sie ist Brasilianerin, war als Missionarin tätig, sitzt im Rollstuhl und ist eine lebensgroße Puppe. Lars‘ Umfeld ist vollkommen hilflos, denn dieser weigert sich, Bianca nicht als echt anzuerkennen. So müssen Familie, Freunde und Bekannte den einzigen Weg wählen, der Lars weiterhelfen kann: Sie müssen Bianca akzeptieren.

Es ist wohl kein Geheimnis mehr, dass ich Ryan Gosling als Schauspieler sehr schätze. Ich bin immer wieder überrascht, in welch unterschiedliche Rollen dieser Mann schlüpfen kann, ohne gestellt und unecht zu wirken. Zugeben muss man aber schon: Besonders die Rolle ruhiger, zurückgezogener Typen entspricht ihm sehr. Da ist der schreckhafte Lars mit seiner sauberen Frisur und dem Oberlippenbart beim sonntäglichen Kirchgang genau die richtige Rolle. Selbst das seltsame Verhalten von Lars gegenüber der Puppe Bianca, die er in allen Situationen wie einen lebendigen Menschen behandelt, bekommt Gosling hin.

Aus dem Making Of geht hervor, dass Ryan Gosling in der Vorbereitung auf den Film mit der Puppe in die Wohnung von Lars gezogen ist. Er wollte die Einsamkeit spüren, wollte das Lebensumfeld von Lars zu 100% erleben. Nun, diese Figur überzeugend auf die Leinwand zu bringen, ist ihm sehr gut gelungen. Lars bleibt für den Zuschauer ein wandelndes Rätsel – gleichsam verstehen wir ihn so gut, können alle seine Taten nachvollziehen.
Ryan Gosling ist der funkelnde Stern in diesem ohnehin großartigen Drehbuch, das nicht nur die Menschen innerhalb des Films verändert, sondern auch diejenigen vor dem Bildschirm. Auch wenn „Lars und die Frauen“ in seiner ruhigen Machart nicht allen Geschmäckern entspricht, kann wohl jeder die tiefen Emotionen, die hier hervortreten, nachspüren und verstehen.

Leider hat „Lars und die Frauen“ nie die breite Aufmerksamkeit erhalten, die er verdient. Ryan Gosling hat für seine geniale Arbeit 2007 den Saturn Award erhalten, und es bleibt fürm ich zu hoffen, dass die aufstrebende Karriere Goslings die Aufmerksamkeit der Fans auch auf diese frühen Perlen seiner Filmgeschickte lenkt.
9 von 10 Popcornguys für diese herzerwärmende Tragikomödie!

Walhalla Rising

Titel: Walhalla Rising
Regisseur: Nicolas Winding Refn
Musik: Peter Kyed, Peter Peter
Darsteller: Mads Mikkelsen, Maarten Stevenson, Gary Lewis

Hier der Trailer

Der schweigsame Krieger Einauge (Mads Mikkelsen) wird von heidnischen Wikingern als Sklave gehalten. Nebst Arbeiten muss er in Kämpfen auf Leben und Tod andere Sklaven besiegen. Eines Tages gelingt ihm die Flucht, und nachdem er seine Peiniger getötet hatte, zieht er mit Are, dem Jungen, der sich während seiner Gefangenschaft um ihn gekümmert hatte, weiter. Sie treffen auf eine Gruppe christlicher Wikinger. Sie schließen sich der Truppe an, um gemeinsam mit den fanatischen Kriegern gen Jerusalem zu reisen, um das heilige Land zu erobern.

Ich wurde bereits vor langer Zeit auf „Walhalla Rising“ aufmerksam. Damals noch in einer Zeitschrift darüber gelesen, musste ich bald feststellen, dass der Film in keine deutschen Kinos kam. Als ich später einige Kritiken las, stellte sich erstmal herbe Enttäuschung ein. Der Filme wurde als langatmig, langweilig und inhaltslos beschimpft, von manchen sogar als schlechtester Film seit Langem bezeichnet. Dies sollte sich nach meiner Sichtung als falsch heraustellen.
Eigentlich sollte ich den Kritikern danken, denn ohne sie hätte ich – wie sie vermutlich auch – einen Abenteuerfilm erwartet. Nun war mir aber klar, dass wir hier einen Kunstfilm vorliegen haben, der dem Zuschauer einiges an Geduld einfordert.
Walhalla Rising besteht zu gut einem Drittel aus Szenen, welche die Charaktere beim Herumsitzen und vor-sich-hin-starren zeigt. Da kommt bei manchen natürlich schnell Langeweile auf. Für mich trug dies unbedingt zur genial beklemmenden Atmosphäre bei, welche der Film erzeugen wollte. Die heidnischen Wikinger leben in einem rauen Land. Ihr Alltag ist bestimmt von Überleben. Einauge wird von Hass und Vergeltung angetrieben, das ist mit jeder Faser spürbar. Die christlichen Kämpfer sind getrieben von tiefen Glauben und dem fanatischen Auftrag, das heilige Land zu erobern. Das alles ist dem Film durch wenige Worte zu entnehmen. Denn viele davon gibt es nicht. Den Großteil des Films macht Stille aus. Bedrückende, aber aussagekräftige Stille. Es ist eine harte Welt, in die wir hier geworfen werden. Wenn denn nun etwas passiert, dann richtig. Der Film geizt nicht mit Blut, und die Brutalität dieser Zeit schlägt uns mit voller Wucht entgegen.

In all diesen Wirren beobachten wir Einauge. Wir verstehen ihn, seine Last und seinen Schmerz, gleichzeitig können wir ihn zu keinem Zeitpunkt einschätzen. In dieser Welt, die so schön und so furchtbar ist, fragen wir uns ständig, welchen Platz wir in ihr einnehmen würden. Welche Rolle würden wir spielen, und wie würden wir handeln?
Wer sich auf diesen stillen wie schlimmen Film einlassen kann, wird sich auf die simpelsten Fragen des Menschseins einlassen – und sich fragen, welche Art Mensch man selbst eigentlich ist.

8 von 10 Popcornguys!

Following

Titel: Following (Originaltitel)
Regisseur: Christopher Nolan
Musik: David Julyan
Darsteller: Jeremy Theobald, Alex Haw, Lucy Russell, John Nolan

Hier der Trailer

Der wenig erfolgreiche Schriftsteller Bill beginnt eines Tages – um Inspiration zu sammeln – Menschen zu beschatten. Er sucht sich willkürlich Personen in der Öffentlichkeit aus, und verfolgt sie. Eines Tages trifft er dabei auf den Einbrecher Cobb, welcher seinen Verfolger bemerkt. Daraufhin nimmt er den Schriftsteller unter die Fittiche, und sie gehen gemeinsam auf Raubzüge. Dabei ist der Dieb weniger an Wertsachen interessiert – vielmehr stiehlt er hauptsächlich persönliche Dinge, welche ihm einen Einblick in das Wesen der Bestohlenen geben.

Mit „Following“ habe ich nun alle Spielfilme von Christopher Nolan gesehen, und kann meine lang gehegte These, er sei ganz einfach ein genialer Regisseur, unterschreiben.
Dabei unterscheidet sich „Following“ sehr stark von seinen immer größer und bedeutendender werdenden Werken. Wo Blockbuster wie „Inception“ und „The Dark Knight“ nicht nur eine unzählbare Menge von Filmfans anlockt, sondern auch eine ganze Stange Geld in der Produktion verschlingt, war „Following“ hingegen eine Low-Budget-Produktion. Nolan hat hierbei nicht nur Regie geführt, sondern auch das Drehbuch geschrieben, produziert, geschnitten und sogar die Kamera geführt. Nebenher hat er ausschließlich Freunde und Verwandte als Darsteller eingesetzt. Also eine sehr günstige Produktion – aber keineswegs billig!
„Following“ läuft – wie wir es z.B. aus seinem nächsten Film „Memento“ kennen, nicht chronologisch ab (wobei in manchen DVD-Versionen ein chronologischer Ablauf des Films möglich ist). Der Schwarzweiß-Film bringt mit wackliger, aber zielgerichteter Kameraführung, rar gesetztem, atmosphärischen Soundtrack und gutem Ausgleich zwischen wortloser Szenerie und Dialog eine dichte und spannende Atmosphäre.
Obwohl es sich äußerlich um einen sehr künstlerischen Film handelt, enthält „Following“ durchaus gewisse Thriller-Elemente, und den durch den achronologischen Ablauf des Films bedingten verwirrenden Erzählstrang, der dem Zuschauer einige gute Aha-Momente liefert.

Bei allem Charme, den der Film versprüht – es ist und bleibt eine Low-Budget-Verfilmung, welche sich mit größeren Mitteln sicher anders hätte verfilmen lassen können. Dennoch hat Nolan bewiesen, was er aus Geldmitteln von 6000 US-Dollar rausholen kann – nämlich einen spannenden und intelligenten Film, der zu einem wirklich unterhaltsamen Abend einlädt.
Deshalb erhält der erste Streich des Meisterregisseurs von mir 8 von 10 Popcornguys