Serien-Special: Was man sich zur Zeit so bei Netflix ansehen kann

Seit ein paar Tagen bin ich nun offiziell bei Netflix. Und damit sich das rechnet, habe ich mich natürlich mal umgesehen. Und siehe da: Es gibt tatsächlich viel Gutes zu entdecken. Daher möchte ich euch nun kurz drei Serien über vermisste Kinder, eine Westernstadt voller Frauen und ein psychopathisches Teenie-Pärchen vorstellen.

Dark

Den Anfang macht „Dark“, die große deutsche Serie bei Netflix. Der Satz „Für eine deutsche Serie nicht schlecht!“ hat ja einen recht faden Beigeschmack, von daher gibt es von mir ein anderes Statement: Keine andere Serie 2017 (und dazu zählen bei mir immerhin die aktuellen Staffeln von „Game Of Thrones“ und „Stranger Things“) hat mich so positiv überrascht wie „Dark“. Zugegeben, in dieses Fazit mischt sich meine Freude darüber, dass es nun auch bei uns serientechnisch in eine gute Richtung geht, kräftig mit rein. Doch um was geht es eigentlich bei „Dark“? Die Serie spielt in der Kleinstadt Winden, in deren Nähe ein für die Story wichtiges Atomkraftwerk steht. Winden wird von mehreren Familien bewohnt, bei denen allesamt mehr oder weniger die Kacke am Dampfen ist. Doch zunächst sind die Konflikte und schmutzigen Geheimnisse eher unter der Oberfläche, denn jeder kennt jeden und hält lieber erstmal den Mund. Kleinstadtmilieu eben. Aufgewühlt wird die ganze Suppe jedoch wegen einiger vermisster Kinder, was unter anderem Polizist Ulrich (gespielt von Oliver Masucci aus „Er ist wieder da“) nahe geht. Schließlich hat er einen Bruder zu beklagen, der in den 80er Jahren verschwunden ist. Allmählich kommen Ulrich und die anderen Bewohner Windens einem großen Mysterium auf die Spur, denn die Fälle der vermissten Kinder – egal ob aktuell oder vergangen – hängen zusammen. Kleinstadt? Mystery? Vermisste Kinder? 80er Jahre? Wenn man das so auf dem Papier liest, drängen sich die Parallelen zu „Stranger Things“ förmlich auf. Doch da sollte man an mehreren Punkten einhaken. Das Drehbuch der deutschen Serie war anscheinend lange vor dem populären amerikanischen Kollegen fertig. Noch dazu bedient sich „Stranger Things“ gerne selbst an früheren Werken. Und der sicherlich wichtigste Punkt: „Dark“ entwickelt sehr schnell einen ganz eigenen, meiner Meinung nach sehr faszinierenden Charakter. Klar, manche Dialoge sind etwas holprig, hin und wieder ist man in gewohnt deutscher Manier etwas verkopft und mit all den vielen Charakteren verliert man schon mal gerne den Überblick. Doch „Dark“ ist interessant, düster, überraschend, mitreißend und stark süchtig machend. Ich spreche eine klare Empfehlung aus und rate, bis zum Ende der Staffel dran zu bleiben. Es lohnt sich – 8 von 10 Popcornguys!

Godless

Meine nächste Serie, die ich innerhalb von ein paar Tagen verschlungen habe, ist „Godless“. Es würde mich nicht überraschen, wenn sie sich als eine der bisher teuersten Netflix-Serien entpuppt, denn das Western-Setting sieht von vorne bis hinten großartig aus. Es geht um eine kleine Minenstadt mit dem Namen La Belle, in welcher fast ausschließlich Frauen leben. Wieso ist das so? Es gab Männer, doch die sind fast allesamt bei einem Minenunglück ums Leben gekommen. Die Frauen von La Belle kommen einigermaßen zurecht, doch natürlich leben sie in einer rauen Welt und müssen sich um ihre Zukunft sorgen. Sie haben noch einen Sheriff (Scoot McNairy), doch dieser gilt – im Gegensatz zu seiner taffen Schwester (Merritt Wever) – als Feigling und ist am Erblinden. Ein wenig außerhalb der Minenstadt gibt es eine Farm, die von einer störrischen Witwe (Michelle Dockery) zusammen mit ihrem Sohn und ihrer Schwiegermutter bewohnt wird. Hier taucht eines Tages ein Fremder (Jack O’Connell) auf. Dieser gehörte einst zur Bande eines berüchtigten Verbrechers (Jeff Daniels) und bringt durch seine Anwesenheit La Belle und all ihre Einwohner in große Gefahr. Vielleicht könnte man „Godless“ vorwerfen, hier und da etwas zu gemächlich zu sein. Möglicherweise ist es auch so, dass nicht alle Charaktere oder Nebenhandlungen absolut stimmig zu Ende gedacht werden. Aber alles in allem präsentiert „Godless“ eine Western-Welt, in welche ich nur zu gerne abgetaucht bin. Sehr viele Punkte haben mir richtig gut gefallen. Da wäre zum einen der bereits erwähnte und fantastische Look, zum anderen das ruhige Erzähltempo, welches Zeit für gefühlvolle Momente lässt, die auch schön musikalisch untermalt werden. Zum anderen halte ich die Ausgangslage der Story – eine Minenstadt, in welcher aus nachvollziehbaren Gründen fast nur Frauen leben – für sehr clever. Ganz natürlich ergeben sich dadurch Frauenrollen, die genreuntypisch interessanter und verantwortungsvoller sind, als man es für gewöhnlich aus Western kennt. Andererseits wird der Bogen nie wirklich überspannt und die recht ernste Serie behält ihre historische Authentizität. Ein absolutes Highlight ist natürlich Jeff Daniels in der Rolle des Bösewichts. Er tritt auf als eine Art Mischung aus Bandit und Prediger, wirkt in manchen Szenen religiös-fanatisch und abgrundtief böse, überrascht jedoch in anderen Szenen durch diverse moralisch überzeugende Handlungen. Ein sehr spannender Charakter! „Godless“ erhält von mir 8 von 10 Popcornguys!

The End Of The F***cking World

Zum Schluss gibt es noch was zu Lachen – vorausgesetzt man steht auf rabenschwarzen Humor. „The End Of The F***cking World“ erzählt die Geschichte der 17-jährigen Teenager James (Alex Lawther) und Alyssa (Jessica Barden aus „The Lobster“). Er ist ein selbsterklärter Psychopath, dem das Töten von Tieren nicht mehr genug ist. Er nimmt sich vor, demnächst einen Menschen umzubringen, wartet aber noch auf den passenden Moment und das richtige Opfer. Sie ist neu an der Schule, furchtbar vorlaut, selbstgerecht und absolut respektlos gegenüber allen anderen Menschen. James und Alyssa laufen sich in der Schule über den Weg – sie findet ihn interessant, er erwählt sie zu seinem zukünftigen Todesopfer. Die beiden werden zu einem kuriosen Paar und beschließen, miteinander durchzubrennen. Wenn man den Trailer zu „The End Of The F***cking World“ gesehen hat, wird man recht schnell merken, ob einem der Humor liegt oder nicht. In meinem Fall hat es sofort gezündet und ich habe die acht 20-minütigen Folgen innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Ein wenig wirkt die Serie, als hätten sich die Macher von „The Lobster“ an einem Coming-of-age-Stoff versucht – und dabei auch nicht an Blut gespart. Allerdings ist die Serie nicht nur lustig. Eine überraschend große emotionale Fallhöhe wird erzeugt, wenn man schließlich mit den Hintergründen und Ängsten der Protagonisten konfroniert. Dies steht gelegentlich in einem scharfen Kontrast zu den Comedy-Aspekten der Serie. Das muss man mögen, doch wenn man sich nicht daran stört, dürfte man enormen Spaß mit „The End Of The F***cking World“ haben. Ich verteile 8 von 10 Popcornguys!

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Serien Special: Dirk Gentlys holistische Detektei

Originaltitel: Dirk Gently’s Holistic Detective Agency
Autor: Max Landis
Produktion: Wow! Max He Really Did It!!!, AMC
Darsteller: Samuel Barnett, Elijah Wood, Hannah Marks, Jade Eshete

Der erfolglose, depressive Todd (Elijah Wood) hat einen richtig miesen Tag: Der Hotelpage entdeckt im Penthoue mehrere grausig zugerichtete Leichen, gerät ins Zielvisier der Polizei, verliert seinen Job und wird in seiner Wohnung auch noch von dem seltsamen britischen Detektiv Dirk Gently (Samuel Barnett) überrascht, der ihn in ein rasantes Abenteuer voller bizarrer Vorkommnisse verwickelt. Bald schon zweifelt er nicht nur an seinem Verstand, sondern auch an der Welt, in die er plötzlich eingetaucht ist. 

Ziemlich unscheinbar tauchte auf Netflix plötzlich diese Serie auf Netflix auf, die zuvor ihre Premerie auf BBC America gefeiert hatte. Mit Elijah Wood besetzt, erregte die Fantasy/Krimi/Comedy/Drama-Serie schnell meine Aufmerksamkeit. Ein Umstand, dem ich einige Episoden großartiger Unterhaltung verdanke. Die von Max Landis (Chronicle, American Ultra) ins Rollen gebrachte Produktion beruht auf einen Roman von Douglas Adams, der diesen als „Geister-Horror-Wer-ist-der-Täter-Zeitmaschinen-Romanzen-Komödien-Musical-Epos“ bezeichnete. Diese Beschreibung passt auch gut zur Serie, die mit allerlei Überraschungen um die Ecke kommt, und somit unmöglich in eine Schublade gesteckt werden kann. Die wirre Story um den Möchtegern-Detektiv Dirk Gently, seinem Assistenten wider Willen Todd, und die vielen völlig verrückten Begegnungen mag zwar zuerst etwas unübersichtlich wirken, scheut sich aber nicht, interessante Mysterien aufzuwerfen, ohne künstliche Erklärungen abzuliefern. Zudem führt dann letztlich doch irgendwie alles zusammen, denn die Worte „Everything is connected“ hört man in dieser Serie mehr als nur einmal. Ich persönlich mag es ja, wenn ich als Zuschauer auch mal gefordert bin, eigene Interpretationen zu erstellen.

Die große Stärke sind hier allerdings ganz klar die Charaktere. Dirk Gently, ein britischer Detektiv mit einem nie enden wollendem Redeschwall, der offensichtlich mehr weiß und mehr ist, als er vorzugeben scheint, hält die Geschichte gut zusammen, die wahre Größe ist allerdings Todd Brotzman, der wie der Zuschauer völlig überfordert von einer bizarren Situation in die nächste stolpert. Fügen wir hier noch seine Schwester Amanda, die mit einer schwerwiegenden Psychose kämpft, die toughe Farah, die nach einer entführten Person sucht, die Assassine Bart, die sich auf einem vom Schicksal bestimmten Killing-Spree befindet, den Gegenspieler Gordon, dessen Stimme sich unnachahmlich nach Mr. Plinkett von RedLetterMedia anhört, an, dann nenne ich hier nur einen Bruchteil aller interessanten Charaktere, die sich hier über die Mattscheibe tummeln und für einen witzigen, emotionalen, spannenden und rätselhaften Moment nach dem anderen sorgen.

Sicher vermag diese Serie nicht jeden zu fesseln, aber ich hatte viel Freude dabei, eine Geschichte mit kreativen Ideen, toller Inszenierung und nicht wenig Blut zu verfolgen. Ich kann nur hoffen, dass die acht Episoden umfassende erste Staffel bald eine Fortsetzung erhält. Auf jeden Fall einen Blick wert!

Serien-Special: The Leftovers

Titel: The Leftovers
Originaltitel: The Leftovers
Produktion: HBO
Idee: Damon Lindelof, Tom Perrotta
Musik: Max Richter
Darsteller: Justin Theroux, Carrie Coon, Christopher Eccleston

Kevin Garvey (Justin Theroux), Polizeichef der amerikanischen Kleinstadt Mapleton, kämpft um den Zusammenhalt seiner Familie. Diese ist nach einem einschneidenden Geschehnis vor drei Jahren nicht mehr die selbe. Damals verschwanden plötzlich zwei Prozent der gesamten Weltbevölkerung. Die Hinterbliebenen versuchen auf unterschiedliche Weisen mit der Entrückung umzugehen, was sich auch anhand von Kevins Familie zeigt. Seine Ehefrau Laurie (Amy Brenneman) hat sich einer mysteriösen Sekte mit dem Namen „The Guilty Remnant“ angeschlossen, deren Anhänger kein Wort sprechen, sich ausschließlich weiß kleiden und permanent Zigaretten rauchen. Kevins Tochter Jill (Margaret Qualley) wohnt noch bei ihrem Vater, lenkt sich aber zusammen mit anderen Jugendlichen mit Hilfe exzessiver Partys und destruktiver Mutproben ab. Nicht mehr in Mapleton ist ihr Bruder Tommy (Chris Zylka), der sich in einem anderen Teil des Landes der vermeintlichen Messias-Gestalt „Holy Wayne“ (Paterson Joseph) angeschlossen hat. Neben all dieser Familienprobleme ist es auch Kevins Aufgabe, für Ordnung in seiner Stadt zu sorgen, welche vor allem durch die makabren Protestaktionen der Sekte „The Guilty Remnant“ gestört wird.

Das Kinoprogramm ist zur Zeit recht dürftig. Aber dadurch habe ich immerhin genug Zeit, ein paar Serien auf meiner Liste abzuarbeiten. Angefangen habe ich dabei mit „The Leftovers“ – und diese Entscheidung bereue ich nicht.

Die Serie basiert auf einem im Jahr 2011 erschienenen Roman von Tom Perrotta und lässt sich auf den ersten Blick leicht dem Mystery-Genre zuordnen. Tatsächlich ist das plötzliche Verschwinden von 140 Millionen Menschen mysteriös und unheimlich und tatsächlich gibt es in der Serie auch einige Charaktere, die sich mit möglichen Gründen beschäftigen und Nachforschungen betreiben. Doch in erster Linie widmet sich „The Leftovers“ der psychologischen Verfassung seiner Figuren. Von Folge zu Folge werden dabei immer mehr persönliche Abgründe aufgedeckt, was nicht selten zu schockierter Fassunglosigkeit führt. Allerdings entwickelt sich beim Zuschauer auch gleichzeitig ein tiefes Verständnis für die Probleme und Beweggründe der Charaktere und ich kann sagen, dass mir viele der Hinterbliebenen nun ans Herz gewachsen sind. „The Leftovers“ ist also vor allem eine herausragende Drama-Serie, die einen mitnimmt, stellenweise ein wenig deprimiert, aber auch zum Nachdenken anregt. Zuschauer, die sich zudem für Theologie interessieren, dürften an der gesamten Thematik ihre Freude haben. Hinzu kommen handwerkliche Aspekte, die allesamt lobenswert sind – angefangen bei der symbolträchtigen Kameraarbeit, bis hin zum wunderbar melancholischen Soundtrack.

„The Leftovers“ umfasst bisher zwei Staffeln, von denen ich die erste bislang gesehen habe. Bis zur zweiten Staffel werde ich mir aber nicht viel Zeit lassen. Dieses Jahr findet die Serie in einer dritten Staffel ihren Abschluss und möglicherweise kann diese Kritik bis dahin ja den ein oder anderen noch überzeugen. Ein wenig macht mir Drehbuchautor Damon Lindelof Sorgen, der sich ja bereits mehrere Male am Ende verzettelt hat – man denke beispielsweise an die Serie „Lost“ oder auch an „Prometheus“. Aber irgendwie habe ich bei „The Leftovers“ ein gutes Gefühl. Es gibt für die erste Staffel ganz starke 8 von 10 Popcornguys!

Serien-Special: Stranger Things

Titel: Stranger Things
Originaltitel: Stranger Things
Produktion: Netflix
Idee: Matt Duffer, Ross Duffer
Musik: Kyle Dixon, Michael Stein
Darsteller: Winona Ryder, Millie Bobby Brown, Natalia Dyer

Indiana, 1983: Nach einem Dungeons&Dragons-Abend mit seinen Freunden verschwindet der 12jährige Will Byers spurlos. Während Chief Jim Hopper ermittelt, wird Joyce, die verzweifelte Mutter des Verschwundenen, in ihrem Haus mit eigenartigen Phänomenen konfrontiert. Unterdessen machen sich Wills Freunde auf die Suche und finden dabei im Wald ein mysteriöses Mädchen mit kahlrasiertem Kopf und einer auf den Unterarm tätowierten 11. Nach und nach offenbart sie ihre übernatürlichen Fähigkeiten und scheint auch zu wissen, wo sich Will befindet.

So wirklich up to date bin ich serientechnisch nicht. Zum einen hängt das mit der schieren Menge an Serien zusammen, bei welcher man schnell mal den Überblick verliert. Zum anderen bedeuten Serien einen hohen Zeitaufwand, der sich am Ende nicht immer lohnt. Umso glücklicher bin ich, dass ich auf eine Serie aufmerksam gemacht wurde, die sich als echter Glückstreffer entpuppte.

„Stranger Things“ spielt in den frühen 80er Jahren und zelebriert dies zu jedem Moment: Die jungen Protagonisten zitieren aus „Star Wars“, feiern Tolkiens Mittelerde und hängen in ihren Zimmern Plakate von „Der weiße Hai“ auf. Dazu kommt der Soundtrack, der aus Synthie-Klängen und Songs aus der damaligen Zeit besteht. Sofort stellten sich bei mir nostalgische Gefühle ein und ich hatte über weite Strecken das Gefühl, einen guten, alten Spielberg-Film à la „Die Goonies“ zu sehen. Doch „Stranger Things“ bedeutet nicht nur Abenteuer. Mit nahezu perfekter Abstimmung werden hier Elemente aus Mystery, Horror, Thriller und Drama vermischt – und mit einer wunderbar ehrlichen Portion Humor verfeinert.

Die Charaktere entsprechen auf den ersten Blick der typischen Figurenkonstellation eines Kinder-Abenteuer-Films aus den 80er Jahren: Da gibt es die Verlierer-Truppe, hier bestehend aus einem übergewichtigen Lispler, einem Schwarzen, einem kleinen Weirdo und einem Streber. Dort gibt es den älteren Bruder, der einem zeigt, was in Sachen Musik so angesagt ist. Dazu gesellt sich die hübsche, ältere Schwester, die aber irgendwie einen Stock im Arsch hat. Und schließlich gibt es natürlich die obligatorischen Bullys von der Schule. Allerdings ruht sich „Stranger Things“ nicht auf diesem bewährten Schema aus. Die Charaktere machen interessante Entwicklungen durch und werden durch Facetten ergänzt, die man so nicht unbedingt erwartet hätte.

Die Figuren leben natürlich auch von den Schauspielern, die allesamt perfekt gewählt sind – auch die Kinderdarsteller, die zu keinem Zeitpunkt nerven, sondern sich vielmehr sofort ins Herz des Zuschauers spielen. Am bekanntesten dürfte Winona Ryder sein, die als verzweifelte und leicht irre wirkende Mutter tolle Szenen hat. Doch auch die unbekannteren Namen brauchen sich keineswegs verstecken. Besonders hervorheben möchte ich Millie Bobby Brown (das mysteriöse Mädchen mit den übernatürlichen Fähigkeiten) und Natalia Dyer (die große Schwester von Mike Wheeler, dem Hauptcharakter unter den Kindern). Jede Figur und jeder Handlungsfaden ist überdurchschnittlich interessant, alles greift gut ineinander und fügt sich am Ende zu einem stimmungsvollen Gesamtbild. So fühlte sich keine einzige Episode der acht Folgen umfassenden Staffel nach einem Durchhänger an.

Das Finale von „Stranger Things“ beantwortet allerdings nicht alle Fragen und so wäre es geradezu notwendig, dass die Geschichte weitererzählt wird. Da die Serie bei den Kritikern gut ankommt und anscheinend auch schnell Fans findet, darf man wohl auf eine zweite Staffel hoffen. Ich wäre auf jeden Fall dabei. Bislang bekommt „Stranger Things“ von mir richtig starke 9 von 10 Popcornguys!

Serien-Special: Flaked

Titel: Flaked
Produktion: Netflix
Darsteller: Will Arnett, David Sullivan, Ruth Kearney

Venice Beach: Inmitten der traumhaften Kulisse des kalifornischen Stadtteils wandelt Chip (Will Arnett) zwischen seinen Alkoholikertreffen, seinem Arbeitsplatz in einer kleinen Schreinerei, und zwischen den Menschen, die ihm etwas bedeuten, umher. Nicht wissend, ob die Lügen, mit denen er sich umgibt, mittlerweile sein Leben sind, muss er sich entscheiden sich den Problemen zu stellen oder weiterhin lächelnd zurückzuweichen.

Flaked hat ziemlich gemischte Kritiken abbekommen. Vielerorts wurde die Geschichte als dumpf, sinnlos und nichtssagend abgeschrieben. Sicherlich steckt in aller Kritik auch immer ein kleines Fünkchen Wahrheit. Warum ich Flaked aber trotzdem mag, will ich mit zwei Dingen erklären:

  1. Ich mag Will Arnett. Für mich sind seine Charaktere der Prototyp des ewigen Verlierers, der selbstüberschätzt und lügend durch das Leben streift, sich wie ein Kind vor Verantwortung drückt und dabei innerlich zerbrochen sich des eigenen Scheiterns ganz bewusst ist. Diese Rolle scheint Will Arnett anzuhaften, ob es nun in Arrested Development, Bojack Horseman oder nun Flaked ist. Viele scheint das zu stören, für mich ist es der Faktor, der Will Arnett für mich so besonders macht. Der gebrochene Chip stellt für mich im Umgang mit seinem besten Freund oder der Frau, in die er sich verliebt hat, alles dar, was durch eigenes Versagen schief laufen kann.
  2. Ich liebe die Kulisse. Ich habe einfach ein Ding für dramatische Geschichten, die sich in vermeintlich heilen Welten abspielen. Hawaii: Das Paradies auf Erden (The Descendants); Florida: Meer, Sonne und Keys (Dexter, Bloodline); Venice Beach: Ort der Künstler und Surfer (Flaked), wer kann an all diesen Orten unglücklich sein? Natürlich ist klar, dass es überall auf der Welt Drama und Unglück gibt. Das Setting macht es für mich nochmal interessanter.

Diese beiden Dinge bilden für mich die Grundlage zu einer kurzen Serie, die mir in meinem Leben persönliche Anstöße und Fragen mitgibt, die es für mich selbst zu beantworten gilt.

Sicher mögen die Kritikpunkte stichhaltig sein. Sicher kann man das von Chip produzierte Frauenbild als furchtbar bezeichnen. Sicher mag das Bild der Gemeinschaft von Venice heutzutage anders aussehen. Ich fand all das aber im Kontext von Flaked sehr stimmig. Ohne also allzu viel erwarten zu müssen, diese Geschichte eines eigentlich bemitleidenswerten (oder auch nicht?) Mannes zu folgen: Das kann schon unterhaltsam und spannend sein. Für mich war es das.

 

Serien-Special: Narcos

Titel: Narcos
Produktion: Netflix
Darsteller: Wagner Moura, Pedro Pascal, Boyd Holbrook

Kolumbien in den 80er Jahren: Nachdem sich Marihuana langsam auf dem absteigenden Ast befindet und von Kokain verdrängt wird, wittern die kriminellen Genies ihre Chance auf das große Geld. Der US-amerikanische DEA-Agent Steve Murphy (Boyd Holbrook) begibt sich mit seinem Partner Javier Pena (Pedro Pascal) in den Kampf gegen das Drogenkartell, angeführt von Pablo Escobar (Wagner Moura). Bald müssen die Ermittler aber feststellen, dass sie im von Korruption beherrschten und von Brutalität erschütterten Kolumbien jede Menge Tricks brauchen, um gegen die Drogenbosse vorzugehen.

Mit dem Namen Pablo Escobar kann eigentlich jeder etwas anfangen, aber zum exakten Aufstieg des Drogenmoguls bin auch ich ratlos. Wie gut, dass Netflix hier wieder mit einer aufwändig produzierten Serie in die Bresche springt, die mich von der ersten Folge an gefesselt hat. Für alle, die wie ich um die Geschichte Escobars nicht so gut Bescheid wissen, werde ich auf Storydetails verzichten und einfach schon jetzt eine Empfehlung aussprechen.

Doch auf den einen oder anderen Schwerpunkt der Serie möchte ich doch eingehen: Ganz offensichtlich wurde hier ein beträchtliches Budget in die Hand genommen, was jeder Serie gut tut. Die Schauorte wirken durchweg realistisch und lassen die Zuschauer in die 70er und 80er eintauchen. Der Cast überzeugt auf ganzer Linie, auch wenn ich über Pablo Escobar persönlich nichts weiß, kann ich Wagner Moura für die Darstellung nur loben: Wer diesen stets gleichgültig wirkenden, irgendwie grummlig-sympathischen Kolumbianer, der sich innerhalb einer Millisekunde in einen blutrünstigen Killer wandelt, erlebt, kann nur eine zu gute Vorstellung von diesem Gangster bekommen.

Doch von spannend geschriebenen Drehbuch, überzeugendem Cast und guter Musikauswahl abgesehen sind es zwei Details, die Narcos für mich zu einer herausragenden Serie machen:

Der Realismus der dargestellten Ereignisse wird unterstrichen von tatsächlichen Fernsehaufnahmen und Fotos, die mir beim Betrachten stets einen kleinen Schauer über den Rücken jagen, da bei diesen Bildern sich dann doch plötzlich der Gedanke einstellt: Was ich dort sehe, ist wirklich passiert!
Gerade in Anbetracht dessen, wie aberwitzig viel Geld Escobar verdient hat, und mit welch brutaler Konsequenz er gegen seine Gegner vorgegangen ist, ist das Einspielen von echten Aufnahmen noch erschütternder.

Der zweite Punkt ist die Sprache: Steve Murphy als US-Amerikaner spricht mit seinen Kollegen und seiner Familie natürlich englisch, davon abgesehen ist die Sprachausgabe fast komplett in spanisch gehalten. Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, nämlich dass Escobar und seine Partner, die kolumbianische Regierung und Polizei, und alle Einwohner des Landes in ihrer Sprache sprechen, wird von den Serienmachern konsequent durchgesetzt. Für mich fördert dies die Atmosphäre der Serie ungemein, und ich würde mir wünschen dass sich mehr Filme und Serien solch eine Konsequenz zutrauen.

Narcos startete Ende August auf Netflix – die zweite Staffel wurde schon bestellt, was mich sehr glücklich macht. Euch allen kann ich nur raten, gebt der Serie mal eine Chance – wer sich für organisierte Kriminalität und Drogenkriege interessiert, kann hier nichts falsch machen!

Serienempfehlung #1: Better Call Saul, The Last Man On Earth, Daredevil

Amerikanische Serien sind in aller Munde – spätestens seit Großkalibern wie „Game Of Thrones“ oder „Breaking Bad“. Der Markt ist groß und die Qualität stimmt oftmals. An dieser Stelle sollen nun folgende Serien kurz besprochen werden:

„Better Call Saul“
„The Last Man On Earth“
„Daredevil“

Viel Spaß damit!