The Skeleton Twins

Titel: The Skeleton Twins
Regisseur: Craig Johnson
Musik: Nathan Larson
Darsteller: Kristen Wiig, Bill Hader, Luke Wilson

Nach einem Selbstmordversuch trifft Milo (Bill Hader) nach zehn Jahren seine Zwillingsschwester Maggie (Kristen Wiig) wieder. Der depressive junge Mann wird von ihr und ihrem Mann (Luke Wilson) aufgenommen, um wieder ins Leben zurück zu finden. Dabei ziehen sich beide gegenseitig aus den tiefen Löchern, die sich in ihren Leben aufgetan haben.

Als großer Saturday Night Live-Fan hatte ich „The Skeleton Twins“ bald auf der Liste. Nachdem Kristen Wiig und Bill Hader nicht nur innerhalb des SNL-Ensembles zu meinen Schauspielfavoriten gehören, sehe ich sie in jedem Genre gerne – gerade da ich um ihre gute Chemie weiß. So auch in dieser Tragikomödie, die auf so manchen Indiefestivals zahlreiche Preise abräumte.

Bill Hader brilliert hier als homosexueller Mann, der von vergangenen Beziehungen und traumatischen Erlebnissen gebeutelt, keinen echten Ausweg mehr aus seinem verkorksten Leben findet. Das erneute Zusammenleben mit seiner Schwester weckt Kindheitserinnerungen – dies sorgt für witzige und tragische Szenen – und stellt den wichtigsten Schritt im Heilungsprozess dar. Einen fast schon kultartigen Status nimmt hier eine berühmte Lipsinc-Szene ein.
The Skeleton Twins besticht durch seine Chemie zwischen den Figuren – durch die ruhigen Dialoge transportiert Craig Johnson vor allem Gefühle, und verzichtet dafür auf große Storylines und Wendungen. Das macht den Film zu einem kleinen Streifen, der vielleicht nicht überrascht, aber sehr zum Nachdenken anregt.

Grundsätzlich ist es für Schauspieler, die eher aus dem Comedygenre bekannt sind, immer ein Drahtseilakt, sich auf dramatische Rollen einzulassen. Im Falle von Bill Hader und Kristen Wiig klappt es hier sehr gut.

GEWINNSPIEL:
Kommentiert unter dem Artikel, welche Schauspieler es eurer Meinung nach geschafft haben, mit einer guten Rolle mit ihrem Ruf gebrochen haben! Unter allen Kommentatoren verlose ich einen Digital Download-Code für „The Skeleton Twins“. Teilnahme bis 02.06.17

Advertisements

Black Death

Titel: Black Death
Regisseur: Christopher Smith
Musik: Christian Henson
Darsteller: Eddie Redmayne, Sean Bean, Carice van Houten

England 1348, das Land wird in weiten Teilen von der Pest heimgesucht, die Friedhöfe quillen über und die Menschen verzweifeln angesichts der Todesgefahr. Der junge Mönch Osmund (Eddie Redmayne) zweifelt wegen der Liebe zu einer Frau ob seines Schicksals im Kloster. Er betet inständig darum, ein Zeichen von Gott zu erhalten, als der Ritter Ulfric (Sean Bean) im Kloster ankommt, auf der Suche nach einem Führer in das nahe gelegene Moor. Osmund schließt sich dem Ritter  und seiner Truppe aus raubeinigen Söldnern an, die unterwegs in ein Dorf sind, in dem anscheinend die Pest noch nicht Einzug gehalten hat. Grund dafür soll sein, dass die Dorfbewohner Gott abgeschworen haben und nun einem Dämon Menschenopfer bringen. Ulfric will die Häretiker der gerechten Strafe Gottes unterziehen. 

Ich bin auf diesen Titel aus dem Jahre 2010 aufmerksam geworden, weil er in einer Liste von Serien und Filmen auftauchte, die nun – nach dem 6. Staffelende von Game of Thrones – als potentieller Lückenfüller taugen könnten. Der groß besetzte und detailverliebte Historienfilm trumpft nicht nur mit gutem Schauspiel auf, sondern auch mit brutalen Kampfchoreographien und atmosphärischen Szenenbildern (ich fühlte mich teils an Nicolas Winding Refn´s „Valhalla Rising“ erinnert). Die authentisch und düster gestaltete Welt lädt den Zuschauer sofort in die bedrohliche Zeit der Pestkrankheit ein, die von Angst und religiöser Unsicherheit geprägt, die Verfolgung von angeblichen Hexen vorangetrieben hat. Inmitten dem Chaos stolpert der zaudernde Eddie Redmayne durch das Bild, nicht wissend, was er mit seinem Leben anfangen soll, während Sean Bean als bedächtiger und tief gläubiger Ritter mit seinen Söldnern vor nichts zurückschreckt, was seinem göttlichen Auftrag im Wege steht.

Was die Story so verheißungsvoll beginnt, verliert mittendrin leider etwas an Fahrt, sodass sich der Zuschauer etwas mühsam an die nicht unbedingt sympathische Gruppe heftet, bis sie schließlich das geheimnisumwobene Dorf erreichen, wo mit Langiva (Caraice von Houten) nur eine vieler mysteriöser Charaktere erscheinen. Dort wirds dann richtig interessant, weswegen ich gar nicht mehr zur Story sagen möchte.

Dass sich Christopher Smith in seiner Vergangenheit stark auf Horrorfilme konzentriert hat, merkt man deutlich, denn diverse Horrorelemente sind auch in „Black Death“ zu erkennen. Die düstere Stimmung der hauptsächlich in Deutschland gedrehten Schauorte leisten ihren Beitrag, die Verzweiflung der Charaktere aufzunehmen, auch wenn so manches Storydetail etwas aufgesetzt ankommt.

Fazit: Eine feine Entdeckung, die meines Erachtens unberechtigt unter dem Radar vieler lief, und einen spannenden und schaurigen Abend garantiert!

It Follows

Titel: It Follows
Originaltitel: It Follows
Regie: David Robert Mitchell
Musik: Disasterpeace
Darsteller: Maika Monroe, Keir Gilchrist, Jake Weary

Die 19jährige Jamie Height (Maika Monroe), eine unbeschwerte und leicht verträumte College-Studentin aus Michigin, datet einen etwas älteren Jungen namens Hugh (Keir Gilchrist). Dieser verhält sich während eines gemeinsamen Kinobesuchs merkwürdig. Dennoch haben Jamie und Hugh bei ihrem nächsten Date Sex auf dem Rücksitz eines Autos. Dies ist der Auslöser für Ereignisse, die das Leben der jungen Frau in den reinsten Albtraum verwandeln.

Auch auf die Gefahr hin, dass diese Inhaltszusammenfassung – gerade, weil es sich um einen Horrorfilm handelt – einen lahmen Film voller Klischees vermuten lässt, werde ich nicht mehr über die Handlung verraten. „It Follows“ ist ein Film, über den man am besten so wenig wie möglich weiß. Aber ein bisschen möchte ich meine Eindrücke dennoch niederschreiben.

„It Follows“ wird als der beste Horrorfilm des Jahres gefeiert. Ob das stimmt, vermag ich nicht zu sagen, denn ich bin kein großer Freund des Genres. Möglicherweise liegt es daran, dass ich nicht sonderlich viel Spaß daran habe, geschockt zu werden. Möglicherweise hängt meine Abneigung aber auch mit dem zusammen, was einem Laien wie mir so als Horrorfilm präsentiert wird. Schon die meisten Trailer, die ich unfreiwillig beim Kinobesuch aufschnappe, regen nicht gerade meinen Appetit an. Da geht es meist um attraktive Jugendliche, die irgendeinen Ausflug unternehmen, wobei es zur Katastrophe kommt, welche bis zuletzt mit einer wackligen Handkamera gefilmt wird. Der moderne Horrorfilm ist dabei mit sogenannten Jump-Scares angereichert – ein relativ billiges und schnell abgenutztes Mittel, wenn man ein Zusammenzucken des Zuschauers erreichen will.

Wie bereits gesagt: Die Handlung von „It Follows“ lässt da einen ganz ähnlichen Film vermuten. Doch glücklicherweise ist der Streifen gänzlich anders, was keineswegs mit der Handlung, sondern zum Großteil mit der Inszenierung zusammenhängt. „It Follows“ ist – um mal verschiedene Genrebegriffe zu nennen – eine Art Indie-Coming-of-Age-Gruselgeschichte. Sehr künstlerisch und symbolträchtig wird die Geschichte eines Mädchens erzählt, deren Leben von einem mysteriösen Etwas bedroht wird. Anspielungen auf Klassiker des Genres, die es in 70er und 80er Jahren gab, werden wohl vor allem Insidern auffallen. Jump-Scares sind äußerst selten, gerade deswegen aber effektiv. Stattdessen fängt die Kamera ruhig ihre Szenen ein, trumpft mit ein paar ungewöhnlichen Fahrten auf und fokussiert sich auf vermeintliche Kleinigkeiten. Es entsteht eine Stimmung der Unberechenbarkeit – und ein verdammt mulmiges Gefühl beim Zuschauer. Dass es im Subtext des Films um Themen wie Sexualität oder den Verlust der Unschuld geht, fördert dieses – im positiven Sinne – ungute Gefühl.

Auch die Darsteller, allesamt zwischen 17 und Mitte 20, machen ihre Arbeit sehr gut. Es mag eine unterm Strich recht introvertierte Truppe sein, aber der Hipster-Hammer wird meiner Meinung nach nicht geschwungen. Und es sind zum Glück keine Teenager-Abziehbilder. Man nimmt die Charaktere ernst, denn der Film tut dies auch und betrachtet seine Figuren zu keiner Sekunde mit einem ironischen Augenzwinkern. Vielleicht fühlen sich auch gerade deswegen die wenigen humoristischen Stellen des Films echt an.

Die Probleme treten auf, wenn man die Logik in der Handlung sucht. Zu dem mysteriösen Etwas, welches Jamie folgt, wird eine Mythologie entwickelt, die mir im Nachhinein an mehreren Stellen nicht ganz plausibel erscheint. Dem wird der Zusammenhalt der Teenager-Gruppe entgegen gestellt. Ein wenig musste ich da an Stephen Kings „Es“ denken, in welchem die Kinder ja auch mit Hilfe ihrer Freundschaft gegen den Clown Pennywise antreten können. Es ist allerdings fraglich, ob diese naiv-schöne Herangehensweise auch funktioniert, wenn die Protagonisten knapp 20 sind. Ein wenig verliert „It Follows“ auch am Ende an Fahrt. Allerdings ist dies Jammern auf hohem Niveau, denn die Inszenierung ist spannend und atmosphärisch genug, dass der Streifen bis zum letzten Bild fesselt. Einen entscheidenden Teil trägt dazu auch die verstörende Filmmusik von Disasterpeace bei – eine bizarre Mischung aus den Soundtracks von „Psycho“, „Der weiße Hai“ und „Drive“. Ich höre ihn mir gerade an und muss gestehen, dass mir mein Wohnzimmer relativ unheimlich vorkommt.

Ob „It Follows“ der beste Horrorfilm des Jahres ist? Wie gesagt, das kann ich nicht beantworten. Aber ich empfinde ihn als einen der interessantesten und sehenswertesten Filme des Jahres. Er ist inzwischen erhältlich und ich spreche hiermit eine klare Kaufempfehlung aus. 8 von 10 Popcornguys!

Super – Shut Up, Crime!

Titel: Super – Shut Up, Crime! (Originaltitel: Super)
Regie: James Gunn
Musik: Tyler Bates
Darsteller: Rainn Wilson, Ellen Page, Liv Tyler

Der unsichere und introvertierte Frank D’Arbo (Rainn Wilson) führt ein deprimierendes Dasein. Der einzige Lichtblick ist seine schöne Ehefrau Sarah (Liv Tyler), die allerdings kein allzu großes Interesse an ihrem Gatten hat. Eines Tages verlässt Sarah ihren Ehemann zu Gunsten des schmierigen Strip-Club-Besitzers und Kriminellen Jacques (Kevin Bacon). Frank ist am Boden zerstört, aber dank einer Superhelden-Sendung im Fernsehen und Gottes-Visionen kommt ihm der motivierende Einfall, selbst in ein Superhelden-Kostüm zu schlüpfen und als der Blutrote Blitz Verbrechen zu kämpfen – seien diese auch noch so banal. Bald steht ihm die Comic-Verkäuferin Libby (Ellen Page) als Sidekick zur Seite und gemeinsam überlegen sie, wie Frank seine Sarah aus den Klauen von Jacques retten kann.

Es gibt immer wieder Filme, von denen man nie zuvor etwas gehört hat, die einen dann aber doch ungemein positiv überraschen. „Super“ ist ein solcher Film und die beiden Popcornguys hatten das große Vergnügen, ihn zusammen erstmals zu sehen.

„Super“ stellt einen faszinierenden Mix aus unterschiedlichen Stimmungen dar. Der Grundton ist der einer Komödie, wobei es sich häufig um wirklich rabenschwarzen Humor handelt. Doch immer wieder mischen sich andere Elemente hinzu, beispielsweise krasse Splatter-Szenen, absolut skurrile Visions-Sequenzen, sowie geradezu dramatisch-tiefgründige Passagen. Beim Schauen war ich mir stellenweise unsicher, auf was das Ganze eigentlich abzielt und ob diese gewagte Spagat-Technik am Ende nicht alles zerreißen wird. Und wenn man dann in der letzten Szene des Films emotional gerührt und total zufrieden vor dem Bildschirm sitzt, muss man sich doch tatsächlich fragen, wie diesem kuriosen Kunstwerk das gelungen sein mag.

Eine Antwort darauf ist schwierig. Es hängt wohl mit verschiedenen Faktoren zusammen – egal, ob es jetzt die herrlich abgedreht spielende Ellen Page, der perfekt eingesetzte Soundtrack oder die ungewöhnliche Herangehensweise an die Superhelden-Thematik sein mag. Aber eines steht wohl fest: Regisseur James Gunn kann Filme mit einem sehr eigenen und speziellen Charakter auf die Beine stellen. Von daher freue ich mich schon sehr auf „Guardians Of The Galaxy“, welcher mit Sicherheit weniger gewagt sein wird, aber vielleicht ja doch einen ähnlich speziellen Charme wie „Super“ haben könnte.

Dieser absolut empfehlenswerten Low-Budget-Filmperle verleihe ich jedoch ohne großes Zögern 9 von 10 Popcornguys. Mit Sicherheit ist „Super“ nicht jedermanns Geschmack, aber gerade in einer Zeit, in der das Kino mit 0815-Comicverfilmungen überflutet wird, vermag es Frank D’Arbo alias der Blutrote Blitz erfrischend anders und nachhaltig aufzutreten.

State of Mind

Originaltitel: The United States  of Leland
Regisseur: Matthew Ryan Hoge
Musik: Jeremy Enigk
Darsteller: Ryan Gosling, Don Cheadle, Jena Malone, Kevin Spacey

Der 16-jährige Leland P. Fitzgerald (Ryan Gosling) ermordet ohne offensichtlichen Grund einen geistig behinderten Jungen. In Haft erregt der introvertierte Jugendliche die Aufmerksamkeit des Gefängnislehrers Pearl Madison (Don Cheadle), welcher von dem völlig ausgeglichen wirkenden Jungen den Grund seine Bluttat erfahren möchte.

Ryan Gosling hat sich schon vor vielen Jahren meine persöniche Aufmerksamkeit gesichert. Seine wachsende Beliebtheit spricht für sich, und so beweist er auch in „State of Mind“ sein Können. Die Rolle eines ruhigen, smarten Typen, der unter seine Schale einiges auf dem Kerbholz hat, scheint ihm ja zu liegen. Leland P. Fitzgerald wirkt wie ein ganz normaler Jugendlicher. Die grausame Tat, einen behinderten Jungen mit 20 Messerstichen zu töten, traut ihm so wirklich keiner zu. Der Gefängnislehrer Pearl scheint aber völlig fasziniert von Leland, und so versucht er auch Kontakt zu seiner verzweifelten Mutter Marybeth (Lena Olin) und zu seinem Vater, dem berühmten Autor Albert T. Fitzgerald (Kevin Spacey), welcher seinen Sohn seit Jahren nicht mehr gesehen hat, aufzunehmen.
Auch die Familie des getöteten Jungen sucht nach Antworten. Vom völligen Zusammenbruch betont, versucht Adoptivsohn Allan (Chris Klein) alles, die Welt wieder in Ordnung zu bringen.

State of Mind bietet ist berührendes Drama, das verschiedene Lebenswege vereint und den Zuschauer auf die schwierige Reise schickt, die Beweggründe eines jugendlichen Mörders zu ergründen.

7 von 10 Popcornguys

Der Ja-Sager

Originaltitel: Yes Man
Regie: Peyton Reed
Musik: Mark Oliver Everett
Darsteller: Jim Carrey, Zooey Deschanel, Bradley Cooper

Der pessimistische Bankangestellte Carl Allen (Jim Carrey) zieht sich nach der schmerzhaften Scheidung immer mehr zurück. Ereignislos bringt er die Arbeit hinter sich, um jeden Abend auf dem Sofa zu versauern. Auch eifrige Versuche von Kollegen oder seinem bestem Freund Peter (Bradley Cooper), Carl aus seinem Schneckenhaus hervorzulocken, scheitern an unzähligen Ausreden. Eines Tages trifft Carl einen alten Bekannten, der ihm von einem unglaublichen Programm erzählt, das sein Leben verändert hat: Nie wieder „nein“ sagen – nur noch das „JA“ zählt. Nach langem zögern lässt sich Carl darauf ein – und muss feststellen, wie schwierig es ist, zu allem „ja“ zu sagen. Gerade als er aber die lebenslustige Allison (Zooey Deschanel) kennenlernt, beginnt er seinen neuen Lebensstil zu schätzen.

Jim Carrey gehört wohl zu den wichtigsten Schauspielern meiner Kindheit. Mit Filmen wie „Ace Ventura“, „Die Maske“, „Dumm und Dümmer“ oder auch „Cable Guy“ strengte er meine Lachmuskeln an. Selbst später und in wesentlich ernsteren Rollen wie in „Number 23“ oder im ausgezeichneten „Vergiss mein nicht“ (Eternal Sunshine of the Spotless Mind) mag ich ihn sehr. Als ich das erste Mal von „Der Ja-Sager“ hörte, fühlte ich mich unweigerlich an „Der Dummschwätzer“ erinnert, in welchem der notorische Lügner Jim Carrey aufgrund eines übernatürlichen Fluchs nur noch die Wahrheit sagen kann.

Der Ja-Sager (welcher übrigens auf einer Autobiographie basiert) ist hierbei aber etwas ernster, denn hier beschließt ein Mann, der sich von allen gesellschaftlichen Ereignissen zurückgezogen hat, einen Schritt in Richtung Leben zu machen – indem er „Ja“ sagt. Als er an der Veranstaltung des Programms teilnimmt, fühlt der Zuschauer mit Carl Allen mit, fühlt man sich doch sofort an diverse übereifrige Verkaufsagenten oder gar spirituelle Gurus erinnert. Carl aber schafft es, sich darauf einzulassen, und nach einigen Fehlschlägen erkennt er die befreiende Wirkung des Programms. Zu allem „JA“ zu sagen verhindert alles Zögern. Entscheidungen stehen von Anfang an fest, und Carl ist gezwungen, jedes Angebot anzunehmen. So lernt er Fliegen, Gitarre spielen und koreanisch. Sein Leben gewinnt an Qualität, wobei sein Umfeld von seiner neuen Persönlichkeit ziemlich verwirrt wird – allem voran Allison, welche aber von der positiven Art angesprochen wird, sodass es zwischen den beiden heftig knistert.
Sein Leben vollkommen auf ein „Ja“ auszurichten bringt natürlich Probleme mit sich, die der Film m.E. sehr gut in ernste Töne umsetzt, ohne gezwungen zu wirken. Alle Schauspieler überzeugen in ihren Rollen, und auch die Verrücktheiten Jim Carreys wirken nicht zu übertrieben. Alles in allem bietet uns „Der Ja-Sager“ eine nette Komödie mit denkwürdigen Anekdoten und vielen Lachern, verpackt in einer rührenden Geschichte um Liebe und Lebenswillen, und das verdient sehr gute 8 von 10 Popcornguys!

popcornguy+8von10

The Raven – Prophet des Teufels

Originaltitel: The Raven
Regisseur: James McTeigue
Musik: Lucas Vidal
Darsteller: John Cusack, Alice Eve, Luke Evans, Brendan Gleeson

Baltimore 1849: Detective Emmett Fields untersucht einen Tatort, an welchem einer Frau bestialisch die Kehle durchgeschnitten worden war, während die Leiche ihrer Tochter brutal in den Kaminschacht gedrückt wurde. Dem talentierten Polizisten springt sofort etwas ins Auge: Das Szenario leitet sich komplett von Edgar A. Poes Erzählung „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ ab. Der zu dieser Zeit in Baltimore weilende, dem Alkohol verfallen und wenig erfolgreiche Dichter Poe wird bald den Ermittlungen hinzugezogen. Weitere Morde auf Grundlage Poes Horrorgeschichten folgen, und bald wird klar, dass der Serienmörder ein blutiges Spiel spielt – er fordert Edgar A. Poe zum Duell heraus.

„Quoth the raven: nevermore!“ Ich kann wohl nicht behaupten, je von einem Autor begeistert worden zu sein, wie von Edgar Allan Poe. Als ich das erste Mal von dieser Verfilmung hörte, welche sich um die letzten Tage im Leben des großartigen Schriftstellers und vor allem um dessen mysteriösen Tod drehen, war ich sofort gespannt, musste aber leider auf die Veröffentlichung in Deutschland länger warten, da es der Streifen nicht ins Kino schaffte.

Der geniale Schriftsteller, dargestellt von John Cusack, wandelt verloren durch die Straßen Baltimores – bankrott, ohne Inspiration, ohne Aussicht. Einzig die unsterbliche Liebe zu Emily (Alice Eve), die aber von deren Vater (Brandon Gleeson) vehement gehindert wird, gibt den trüben Tagen Poes einen kleinen Lichtblick. Als schließlich seltsame Morde geschehen, die allesamt auf die morbiden Geschichten Poes beruhen, wird er mit einem gefährlichen Gegenspieler konfrontiert, der ihm alles nehmen will, was er noch besitzt.

Die fiktive Handlung fügt sich gut in Poes tatsächliches Leben ein. Auch wenn Poe zuweilen als entnervtes Wrack auftritt, das auf seine Mitmenschen verächtlich herabblickt, ist die zutiefst menschliche und sensible Seite durchaus zu spüren, die in völligem Gegensatz zu den finsteren Gedankengängen seiner Werke stehen.

Und da kommen wir zum Kern des Films: Für Freunde von Poes Gedichten und Erzählungen wartet hier um jede Ecke eine Anspielung, die mehr oder minder deutlich ausgebreitet wird. Besonders die Morde werden detailliert gezeigt und bieten so nur einen umso besseren Hinweis auf Poes Erzählungen. Kenner seiner Werke werden also sehr gut befriedigt, Neulinge könnten von der spannend erzählten Handlung trotzdem gut gepackt werden – müssen aber nicht. John Cusacks äußerst engagiertes Acting kann da überzeugen, besonders da die anderen Darsteller nicht sonderlich stark im Gedächtnis hängen bleiben. Auffallend sind auch die ungewöhnlich harten Splatter-Elemente, die ich bei FSK16 keinesfalls erwartet hätte. Meines Erachtens ist dies aber ein berechtigtes Stilmittel, da Poe im Laufe der Ermittlungen die reelle Grausamkeit seiner Geschichten entdeckt, während sie für ihn bislang nur fiktive Geschichten waren.

Alles in allem ein guter Fanservice, insgesamt aber doch ein eher mittelmäßiger Thriller, der aber durchaus spannend erzählt ist und mit guten Überraschungen glänzt. Also: Vor allem Fans sollten sich nicht vom völlig unnötigen wie unsinnigen deutschen Verleihtitel abschrecken lassen, und die spannende Story um E.A. Poes Leben nicht verpassen. 8 von 10 Popcornguys – für Poe!

popcornguy+8von10