Wind River

Titel: Wind River
Regie: Taylor Sheridan
Drehbuch: Taylor Sheridan
Musik: Nick Cave, Warren Ellis
Darsteller: Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Gil Birmingham

Ein eiskalter Winter in einem Indianerreservat in Wyoming: Wildtierjäger Cory Lambert (Jeremy Renner) entdeckt in der Wildnis die Leiche einer jungen indigenen Frau. FBI-Agentin Jane Banner (Elizabeth Olsen) wird in den unwirtlichen Norden geschickt, um den Fall zu bearbeiten. Ihrer Meinung nach liegt ein Mordfall vor, doch Banner sieht sich bei ihren Ermittlungen einer für sie fremdartigen Welt ausgesetzt. Sie baut auf die Hilfe des erfahrenen und ortskundigen Lambert, der sie auch unterstützt, sich aber gleichzeitig den eigenen traumatischen Erlebnissen stellen muss.

Taylor Sheridan ist ein ziemlich cooler Typ. Er gilt momentan als einer der heißesten Drehbuchautoren Hollywoods, was sich durch Filme wie „Sicario“ und „Hell Or High Water“ belegen lässt. „Wind River“ stammt ebenfalls aus Sheridans Feder, doch hier übernimmt er auch die Regie. Der Film ist außerdem der Abschluss seiner sogenannten American-Frontier-Trilogie, welche sich quasi um Grenzland-Geschichten dreht. „Wind River“ passt hierbei perfekt ins Bild. Der Zuschauer wird an einen verschneiten und einsamen Ort geführt, an welchem die wenigen Gesetzeshüter ihre eigenen Methoden und Mentalitäten an den Tag legen, um mit der rauen Wirklichkeit fertig zu werden. Das Leben im Indianerreservat ist von Armut, Drogenkonsum, Rassismus und sexualisierter Gewalt geprägt. Durch all diese Komponenten entwickelt „Wind River“ schnell eine Sogwirkung und erinnert – ganz wie „Hell Or High Water“ – an einen Western in modernem Gewand.

Größtenteils wird der Film ziemlich ruhig und subtil erzählt, doch passend zu einem Western ist der Härtegrad recht hoch. Die Spannung, die sich im Verlauf des Films immer weiter aufbaut, gipfelt – punktuell und ausgezeichnet inszeniert – in einigen elektrisierenden Szenen, in denen auch mit Brutalität nicht gegeizt wird. Mehr als einmal musste ich tief durchatmen und meine Anspannungen loswerden. Geradezu unangenehm furchtbar ist eine Rückblende gegen Ende des Films, welcher der Geschichte nochmal mehr Gewicht gibt.

Doch „Wind River“ zeichnet sich nicht nur durch Spannung und Gewalt aus. In überraschend vielen Momenten war der Film gefühlvoll, traurig, ja geradezu melancholisch. Dass mich die Geschichte auch emotional gepackt hat, ist größtenteils der tollen Darstellerarbeit zu verdanken. Elizabeth Olsen spielt eine junge und engagierte, aber auch gewissermaßen überforderte FBI-Agentin. Ein wenig fühlt man sich hier an Emily Blunts Charakter in „Sicario“ erinnert, der damals eine gewisse Passivität vorgeworfen wurde. Doch das hat mich damals nicht gestört und das tut es nun bei „Wind River“ auch nicht. Olsen spielt ihre Rolle sehr glaubhaft und ich habe kein Problem damit, ihr gegenüber Mitleid zu empfinden. Jeremy Renner (der sehr gut mit seiner „Avengers“-Kollegin harmoniert) muss die Hauptrolle stemmen und es gelingt ihm problemlos, den Film zu tragen. Er überzeugt einerseits als erfahrener Naturbursche, der alles mögliche über Tierspuren und Erfrierungen weiß, bringt aber andererseits auch die emotionalen Momente und Verletzlichkeiten seines Charakters gut rüber.

Über all dem schwebt der traurige Zustand der Eingeborenen, was auch mit den realen Hintergründen zu tun hat, welche Sheridan zu „Wind River“ inspirierten. Aus Spoiler-Gründen kann ich darauf natürlich nicht weiter eingehen, aber so viel kann ich wohl sagen: Die abschließenden Schriftzüge im Film stimmen einen doch sehr nachdenklich.

Fazit: Ich spreche eine klare Empfehlung für „Wind River“ aus und vergebe starke 8 von 10 Popcornguys an diesen ausgezeichneten Thriller und Neo-Western.

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Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Titel: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Originaltitel: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Regie: Martin McDonagh
Musik: Carter Burwell
Darsteller: Frances McDormand, Sam Rockwell, Woody Harrelson

Mildred Hayes (Frances McDormand) lebt in der amerikanischen Kleinstadt Ebbing und hat mit einem schweren Schicksal zu kämpfen: Ihre Tochter wurde vergewaltigt und getötet. Das ist nun Monate her und die polizeilichen Ermittlungen stehen still. Mildred möchte den Fokus der Öffentlichkeit wieder darauf lenken und mietet drei große Werbetafeln außerhalb von Ebbing. Diese werden mit den provokanten Sätzen „RAPED WHILE DYING“, „AND STILL NO ARRESTS?“ und „HOW COME, CHIEF WILLOUGHBY?“ beklebt. Mildred macht für die Ergebnislosigkeit des Falls also Sheriff Bill Willoughby (Woody Harrelson) verantwortlich, dessen Truppe eher damit beschäftigt zu sein scheint, Banalitäten nachzugehen oder Schwarze zu verprügeln. Besonders rassistisch fällt hierbei Officer Jason Dixon (Sam Rockwell) auf.

„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist der neue Film von Regisseur Martin McDonagh, von dem man bereits Werke wie „Brügge sehen… und sterben?“ und „7 Psychos“ bestaunen durfte. Diese zeichneten sich vor allem durch skurrile Charaktere und tragikomische Elemente aus. Das bekommt man nun in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ auch – doch dieser Film ist meiner Meinung nach nochmal eine Ecke besser, was den Oscar-Hype gerechtfertigt.

„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist wie ein üppiges Menü, bei dem man sich vor dem Essen fragt, wie all diese unterschiedlichen Speisen denn zusammenpassen sollen. Da gibt es Szenen, in denen ich tatsächlich laut lachen musste, was bei mir im Kino selten passiert. Doch gleich darauf passieren Dinge, die einem Schlag in die Magengrube gleich kommen. Ein solcher Mix kann schnell nach hinten losgehen. Doch Regisseur McDonagh, der sich auch für das Drehbuch verantwortlich zeigt, erzählt die Geschichte mit einer wunderbaren Balance zwischen Tragik und Komik. Gepaart mit den vielen Überraschungen und einigen unkonventionellen Entscheidungen ergibt das einen sehr dichten Film, der zu keinem Zeitpunkt langweilig wird.

Natürlich lebt „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ aber hauptsächlich von seinen Charakteren und den damit verbundenen Darstellern, die allesamt groß aufspielen. Anfangen möchte ich mit der Hauptfigur. Mildred (wunderbar ruppig und knorrig: Frances McDormand) kritisiert die Polizeiarbeit und den dortigen Rassismus. Da hat sie ohne Frage Recht und der aktuelle Bezug wird deutlich, wenn man sich beispielsweise die entsprechende Lage in den USA vor Augen führt. In einer solchen Ausgangssituation wäre es natürlich verlockend (und auch einfach) gewesen, aus Mildred eine strahlende, durch und durch aufgeklärte Heldin zu machen, die sich Institutionen und gesellschaflichem Konservatismus entgegen stellt und handelt. Doch diesen Weg geht der Film nicht. Stattdessen hat auch Mildred ihre Schwächen: Sie pflegt eigene Vorurteile, wird von Schuldgefühlen und Egoismus angetrieben und hat zuweilen totalitäre Anwandlungen. Ja, man könnte sogar soweit gehen und Mildred hier und da als unsympathisch bezeichnen.

Ähnlich differenziert sieht es bei den Nebencharakteren aus. Auch hier wäre es leicht gewesen, aus Sheriff Whilloughby (stark: Woody Harrelson) einen schwachen Polizeichef zu machen, der angesichts der rassistischen Vergehen seiner Leute wegschaut. Nun, das tut er zwar auch, doch damit ist der Charakter nicht fertig. Whilloughby trägt seine eigenen Probleme mit sich herum, wird als liebevoller Vater gezeigt und sorgt sich am Ende mehr um die Einwohner Ebbings, als man anfangs denkt. Ebenso interessant gestaltet sich die Figur von Officer Dixon, welchem Sam Rockwell auf unfassbar gute Art und Weise Leben einhaucht. Der Polizist ist ein Rassist durch und durch und handelt im Film mehrmals furchtbar. Aber gleichzeitig kann man sich als Zuschauer einer gewissen Sympathie nicht entziehen – und letztendlich steckt auch hinter Dixon mehr, als eine bloße schwarz-weiß-Schablone hergeben würde.

Jetzt könnte man natürlich damit argumentieren, dass die guten Seiten und Taten der Charaktere ihre schlechten Züge keineswegs aufheben oder vergessen machen. Das mag sein, allerdings möchte ich hier betonen, dass man all das vor dem Hintergrund McDonaghs Skurrilität sehen muss. Außerdem war mein Gefühl während dem Film ein anderes. Fast jede Figur in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ handelt egoistisch und gefährdet damit jegliche Form von Gemeinschaft. Alle Charaktere sehen sich im Recht, bis sie schließlich auf ihr einfachstes und verletztlichstes Menschsein heruntergebrochen werden. Und wenn sich die Figuren in jenen Momenten begegnen, kommt es zu einigen sehr schönen und intimen Szenen, in denen Wut durchbrochen wird und in denen Gemeinschaft zu spüren ist, wie man sie nicht erwartet hätte. Vielleicht kommen im Film nicht alle zu ihrem Recht oder bekommen das, was sie verdienen. Doch auf eine seltsame Art und Weise hinterlässt mich „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ mit einem optimistischen Gefühl – und das ist in einer Welt, wo sich Extreme zuspitzen und man anscheinend alles und jeden hassen muss, schon etwas wert.

Für die Oscars kann man „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ die Daumen drücken. Ich verteile starke 9 von 10 Popcornguys!

Serien-Special: Was man sich zur Zeit so bei Netflix ansehen kann

Seit ein paar Tagen bin ich nun offiziell bei Netflix. Und damit sich das rechnet, habe ich mich natürlich mal umgesehen. Und siehe da: Es gibt tatsächlich viel Gutes zu entdecken. Daher möchte ich euch nun kurz drei Serien über vermisste Kinder, eine Westernstadt voller Frauen und ein psychopathisches Teenie-Pärchen vorstellen.

Dark

Den Anfang macht „Dark“, die große deutsche Serie bei Netflix. Der Satz „Für eine deutsche Serie nicht schlecht!“ hat ja einen recht faden Beigeschmack, von daher gibt es von mir ein anderes Statement: Keine andere Serie 2017 (und dazu zählen bei mir immerhin die aktuellen Staffeln von „Game Of Thrones“ und „Stranger Things“) hat mich so positiv überrascht wie „Dark“. Zugegeben, in dieses Fazit mischt sich meine Freude darüber, dass es nun auch bei uns serientechnisch in eine gute Richtung geht, kräftig mit rein. Doch um was geht es eigentlich bei „Dark“? Die Serie spielt in der Kleinstadt Winden, in deren Nähe ein für die Story wichtiges Atomkraftwerk steht. Winden wird von mehreren Familien bewohnt, bei denen allesamt mehr oder weniger die Kacke am Dampfen ist. Doch zunächst sind die Konflikte und schmutzigen Geheimnisse eher unter der Oberfläche, denn jeder kennt jeden und hält lieber erstmal den Mund. Kleinstadtmilieu eben. Aufgewühlt wird die ganze Suppe jedoch wegen einiger vermisster Kinder, was unter anderem Polizist Ulrich (gespielt von Oliver Masucci aus „Er ist wieder da“) nahe geht. Schließlich hat er einen Bruder zu beklagen, der in den 80er Jahren verschwunden ist. Allmählich kommen Ulrich und die anderen Bewohner Windens einem großen Mysterium auf die Spur, denn die Fälle der vermissten Kinder – egal ob aktuell oder vergangen – hängen zusammen. Kleinstadt? Mystery? Vermisste Kinder? 80er Jahre? Wenn man das so auf dem Papier liest, drängen sich die Parallelen zu „Stranger Things“ förmlich auf. Doch da sollte man an mehreren Punkten einhaken. Das Drehbuch der deutschen Serie war anscheinend lange vor dem populären amerikanischen Kollegen fertig. Noch dazu bedient sich „Stranger Things“ gerne selbst an früheren Werken. Und der sicherlich wichtigste Punkt: „Dark“ entwickelt sehr schnell einen ganz eigenen, meiner Meinung nach sehr faszinierenden Charakter. Klar, manche Dialoge sind etwas holprig, hin und wieder ist man in gewohnt deutscher Manier etwas verkopft und mit all den vielen Charakteren verliert man schon mal gerne den Überblick. Doch „Dark“ ist interessant, düster, überraschend, mitreißend und stark süchtig machend. Ich spreche eine klare Empfehlung aus und rate, bis zum Ende der Staffel dran zu bleiben. Es lohnt sich – 8 von 10 Popcornguys!

Godless

Meine nächste Serie, die ich innerhalb von ein paar Tagen verschlungen habe, ist „Godless“. Es würde mich nicht überraschen, wenn sie sich als eine der bisher teuersten Netflix-Serien entpuppt, denn das Western-Setting sieht von vorne bis hinten großartig aus. Es geht um eine kleine Minenstadt mit dem Namen La Belle, in welcher fast ausschließlich Frauen leben. Wieso ist das so? Es gab Männer, doch die sind fast allesamt bei einem Minenunglück ums Leben gekommen. Die Frauen von La Belle kommen einigermaßen zurecht, doch natürlich leben sie in einer rauen Welt und müssen sich um ihre Zukunft sorgen. Sie haben noch einen Sheriff (Scoot McNairy), doch dieser gilt – im Gegensatz zu seiner taffen Schwester (Merritt Wever) – als Feigling und ist am Erblinden. Ein wenig außerhalb der Minenstadt gibt es eine Farm, die von einer störrischen Witwe (Michelle Dockery) zusammen mit ihrem Sohn und ihrer Schwiegermutter bewohnt wird. Hier taucht eines Tages ein Fremder (Jack O’Connell) auf. Dieser gehörte einst zur Bande eines berüchtigten Verbrechers (Jeff Daniels) und bringt durch seine Anwesenheit La Belle und all ihre Einwohner in große Gefahr. Vielleicht könnte man „Godless“ vorwerfen, hier und da etwas zu gemächlich zu sein. Möglicherweise ist es auch so, dass nicht alle Charaktere oder Nebenhandlungen absolut stimmig zu Ende gedacht werden. Aber alles in allem präsentiert „Godless“ eine Western-Welt, in welche ich nur zu gerne abgetaucht bin. Sehr viele Punkte haben mir richtig gut gefallen. Da wäre zum einen der bereits erwähnte und fantastische Look, zum anderen das ruhige Erzähltempo, welches Zeit für gefühlvolle Momente lässt, die auch schön musikalisch untermalt werden. Zum anderen halte ich die Ausgangslage der Story – eine Minenstadt, in welcher aus nachvollziehbaren Gründen fast nur Frauen leben – für sehr clever. Ganz natürlich ergeben sich dadurch Frauenrollen, die genreuntypisch interessanter und verantwortungsvoller sind, als man es für gewöhnlich aus Western kennt. Andererseits wird der Bogen nie wirklich überspannt und die recht ernste Serie behält ihre historische Authentizität. Ein absolutes Highlight ist natürlich Jeff Daniels in der Rolle des Bösewichts. Er tritt auf als eine Art Mischung aus Bandit und Prediger, wirkt in manchen Szenen religiös-fanatisch und abgrundtief böse, überrascht jedoch in anderen Szenen durch diverse moralisch überzeugende Handlungen. Ein sehr spannender Charakter! „Godless“ erhält von mir 8 von 10 Popcornguys!

The End Of The F***cking World

Zum Schluss gibt es noch was zu Lachen – vorausgesetzt man steht auf rabenschwarzen Humor. „The End Of The F***cking World“ erzählt die Geschichte der 17-jährigen Teenager James (Alex Lawther) und Alyssa (Jessica Barden aus „The Lobster“). Er ist ein selbsterklärter Psychopath, dem das Töten von Tieren nicht mehr genug ist. Er nimmt sich vor, demnächst einen Menschen umzubringen, wartet aber noch auf den passenden Moment und das richtige Opfer. Sie ist neu an der Schule, furchtbar vorlaut, selbstgerecht und absolut respektlos gegenüber allen anderen Menschen. James und Alyssa laufen sich in der Schule über den Weg – sie findet ihn interessant, er erwählt sie zu seinem zukünftigen Todesopfer. Die beiden werden zu einem kuriosen Paar und beschließen, miteinander durchzubrennen. Wenn man den Trailer zu „The End Of The F***cking World“ gesehen hat, wird man recht schnell merken, ob einem der Humor liegt oder nicht. In meinem Fall hat es sofort gezündet und ich habe die acht 20-minütigen Folgen innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Ein wenig wirkt die Serie, als hätten sich die Macher von „The Lobster“ an einem Coming-of-age-Stoff versucht – und dabei auch nicht an Blut gespart. Allerdings ist die Serie nicht nur lustig. Eine überraschend große emotionale Fallhöhe wird erzeugt, wenn man schließlich mit den Hintergründen und Ängsten der Protagonisten konfroniert. Dies steht gelegentlich in einem scharfen Kontrast zu den Comedy-Aspekten der Serie. Das muss man mögen, doch wenn man sich nicht daran stört, dürfte man enormen Spaß mit „The End Of The F***cking World“ haben. Ich verteile 8 von 10 Popcornguys!

Star Wars: Die letzten Jedi

Titel: Star Wars: Die letzten Jedi
Originaltitel: Star Wars: The Last Jedi
Regie: Rian Johnson
Musik: John Williams
Darsteller: Daisy Ridley, Adam Driver, Mark Hamill

Nach der Vernichtung der Starkiller-Basis befinden sich die verbliebenen Streitkräfte des Widerstands auf der verzweifelten Flucht vor der Übermacht der Ersten Ordnung. Zur gleichen Zeit hat die machtsensitive Rey (Daisy Ridley) den alternden Jedi-Meister Luke Skywalker (Mark Hamill) auf seinem Exil-Planeten ausfindig gemacht. Sie möchte ihn dazu bewegen, wieder ins Geschehen einzugreifen und der Galaxis die Hoffnung zurückzugeben.

SPOILER-WARNUNG: Im Gegensatz zu anderen Kritiken werde ich mich bei diesem Film nicht zurückhalten und hemmungslos spoilern. Man sollte den folgenden Text also erst lesen, wenn man bereits im Kino war.

Bevor ich auf „Die letzten Jedi“ eingehe, möchte ich meine allgemeine Gefühlslage hinsichtlich „Star Wars“ ein wenig erläutern. „Das Erwachen der Macht“ halte ich immer noch für einen guten Film. Mir gefällt das erste Drittel, ich mag die neuen Charaktere, Kylo Ren ist ein interessanter Bösewicht und ich rechne J.J. Abrams das Unterfangen, das alte „Star Wars“-Feeling einfangen zu wollen, hoch an. Gerade, weil einem die Prequels doch noch quer im Magen liegen. Dennoch kann ich nicht leugnen, dass „Das Erwachen der Macht“ ab dem Mittelteil so seine erzählerischen Probleme hat, unterm Strich doch etwas zu gehetzt wirkt und mit der Starkiller-Basis ein äußerst schwaches Story-Element bietet. Noch schwächer war für mich dann „Rogue One“, das erste von mehreren geplanten Spin-offs. Der Ausgang dieser Geschichte war ja von vornherein klar, von daher habe ich erwartet, dass einem wenigstens interessante und vor allem sympathische Charaktere präsentiert werden, mit denen man mitfiebern kann. Das war leider überhaupt nicht der Fall und übrig blieb bei „Rogue One“ eine aufgrund von Nostalgie ansprechende Hülse – jedoch ohne nennenswerten Inhalt. Eine gewisse Ernüchterung machte sich bei mir breit. Hinzu kommt die Gewissheit, dass es ab nun jedes Jahr mindestens einen „Star Wars“-Film geben wird. Vermutlich so lange, bis wir alle tot sind. Es ist also nichts besonderes mehr und ein leichtes Gefühl von Übersättigung macht sich so langsam breit. Außerdem wird man selbst ja auch nicht jünger und all das erklärt wohl, warum mein Hype hinsichtlich „Die letzten Jedi“ nicht extrem groß war.

Doch wie ist denn nun der Film an sich? Einen Tag nach der Sichtung sind meine Gefühle immer noch gemischt. Er ist seltsam, unbefriedigend, überraschend, mutig, beeindruckend und groß – manchmal sogar alles zur gleichen Zeit. Von daher ist es nur passend, wenn ich gerade Schwierigkeiten habe, meine Eindrücke zu sortieren. Aber ich möchte mir Mühe geben.

Fangen wir vielleicht mit einem Punkt an, der offensichtlich vielen Fans sauer aufstößt: Der Humor. Subtilität wird man hier eher weniger finden, dafür mehr Klamauk und Slapstick. In vielen Szenen schimmert auch der in dieser zur Zeit so angesagte und für unsere Gesellschaft typische Meta-Humor durch. Das heißt: Eine Szene wird spannend und dramatisch aufgebaut, um dann mit einem ironischen Gag aufgelöst zu werden. Irgendwo passt diese Art von Humor zwar zum Film, denn thematisch geht es stark um Relativierung und das Loslassen der Vergangenheit. Trotzdem muss ich sagen, dass einige Szenen aufgrund von Witzen dieser Art an Kraft einbüßen. Man wird ein Stück weit aus dem Film rausgerissen und fragt sich, ob man gerade wirklich einen „Star Wars“-Film sieht oder nicht eher eine Parodie. Aber eine Entwarnung kann ich trotzdem geben: So schlimm wie bei den meisten Marvel-Filmen ist es mit dem ironisierten Zuzwinkern noch lange nicht.

Die Effekte sind in den meisten Szenen gut und ergeben in Kombination mit der tollen Kameraarbeit beeindruckende Bilder. John Williams Score liefert hier natürlich auch seinen Beitrag. Die Musik ist grundsolide, ich muss den Soundtrack aber nochmal extra hören, um sagen zu können, ob es hier markante neue Töne gibt, die auf Dauer hängen bleiben können. Doch zurück zu den Effekten: Leider sehen sie nicht alle gut aus, ein paar von ihnen (ich denke hierbei zum Beispiel an die Porg-Vogelwesen oder einige Kreaturen auf dem Casino-Planeten) wirken geradezu billig. Vielleicht ist man da inzwischen auch nur zu sehr verwöhnt, aber ich würde meinen, dass „Das Erwachen der Macht“ unterm Strich optisch überzeugender war. Mit der Original-Trilogie möchte ich gar nicht erst das Vergleichen anfangen, da trübt die Nostalgie womöglich auch zu sehr die Wahrnehmung. Aber damals hatten sämtliche Welten und Wesen Charme und einen fühlbaren Charakter, der einem in neueren Filmen größtenteils abgeht. Denn stellt euch mal ganz ehrlich die Frage: Wie viele Namen der neuen Planeten fallen euch denn ein? Mir kein einziger, wenn man mal von Jakku absieht.

Auch bei den Charakteren gibt es sowohl Positives, als auch Negatives zu sagen. Die vermutlich besten Momente sind zwischen Rey und Kylo Ren (Adam Driver). Eine von Oberbösewicht Snoke inszenierte Macht-Verknüpfung sorgt dafür, dass die beiden Figuren miteinander interagieren können, ohne am gleichen Ort sein zu müssen. Das sorgt für interessante Dialoge, in denen man die Spannung zwischen den zwei Charakteren spührt. Mark Hamill kehrt in der Rolle des Luke Skywalker zurück, aber womöglich anders, als man es erwartet hätte. Er ist ein gebrochener, alter Mann, der die Macht und die Jedi hinter sich lassen möchte. Diesbezüglich spielt der Film weitere Stärken aus, wenn es darum geht, bestimmte Ansichten von Gut und Böse zu hinterfragen. Falls diese Ideen von Rian Johnson stammen, verdient der Regisseur Lob für diesen Mut, denn er schafft es, einige tatsächlich neue Elemente ins „Star Wars“-Universum einzubringen. Das ist zum einen das bereits erwähnte Hinterfragen von Gut und Böse, zum anderen weiteres Experimentieren, wie beispielsweise die Macht-Projektion, welche den Showdown des Films ausmacht, oder eine recht ungewöhnliche, aber beeindruckende Visionsszene von Rey.

Doch zurück zu den Charakteren. Poe Dameron (gespielt von Oscar Isaac) hat etwas mehr zu tun als im Vorgänger und muss langsam eine verantwortungsvollere Position innerhalb des Widerstands ausfüllen. Das hat mir gefallen. Auch Finn (John Boyega), hat eine Aufgabe, doch diese ist leider mit einem recht problematischem Story-Element verknüpft. Er lernt eine junge Frau namens Rose (aus Rücksicht auf den chinesischen Markt mit einer Asiatin besetzt) kennen, mit der er zwischendurch auf einem Casino-Planeten nach einem Codeknacker sucht. Dieser wird von Benicio del Toro gespielt, einem Schauspieler, den ich überaus schätze, der hier jedoch in einer stotternden und größtenteils überflüssigen Rolle zu sehen ist. Überhaupt hat der gesamte Finn-Rose-Strang seine Probleme und Längen. Die Zeit, die hier auf unnötige Charaktere, schlechtes CGI und Tierquälerei verwendet wird, hätte man meiner Meinung nach besser für Antworten auf offene und wichtige Fragen nutzen können. Eine weitere neue Figur innerhalb des Widerstands wird von Laura Dern gespielt. Sie funktioniert als eine Art Gegenpart zum eher impulsiven Charakter von Poe Dameron, was mir an und für sich gefallen hat. Auch das Opfer, welches sie letztendlich für den Widerstand bringt und audio-visuell hervorragend präsentiert wird, hat mir zugesagt. Trotzdem stellt sich mir die Frage: Hätte das auch nicht einer der bereits bekannten Charaktere machen können? So wird beispielsweise in einem Nebensatz erwähnt, dass Admiral Ackbar gestorben ist. Hätte es nicht mehr Sinn gemacht, ihn an die Stelle von Laura Dern zu setzen? Vergessen möchte ich natürlich nicht Carrie Fisher. Sie macht in diesem Film als Leia einiges her und hat schöne Szenen, doch leider auch eine der schlechtesten überhaupt. Ich meine jenen Moment, als sie während einer Weltraumschlacht ins All gezogen wird, dies jedoch überlebt und mit Hilfe der Macht zurück ins Schiff schwebt. Mich stört es überhaupt nicht, dass Leia die Macht nutzen kann, das tut sie im Prinzip ja schon seit „Das Imperium schlägt zurück“. Aber die Art und Weise, wie dieser Flug inszeniert war, empfand ich einfach als störend und unnötig.

Recht überflüssig und verschenkt war wieder einmal Captain Phasma (gespielt von Gwendoline Christie). Sie kehrt für ein paar Minuten zurück, um sich einen kurzen Kampf mit Finn zu liefern und anschließend in einer Explosion unterzugehen. Sollte der Charakter im dritten Teil der Trilogie überraschend wieder auftauchen, dürfte sie sich endgültig als Running Gag etabliert haben. Etwas zwiegespalten bin ich auch bei Snoke (Andy Serkis), dem Anführer der Ersten Ordnung. Optisch ist er einwandfrei und macht was her, angefangen von seinem schicken, goldenen Bademantel, bis hin zu seinem stilvollen, roten Thronsaal. Beeindruckend fand ich auch das Ausmaß seiner Macht, welches mindestens an das des Imperators heranreichen dürfte. Es kommt zu einem Treffen zwischen Snoke, Kylo Ren und Rey, welches vom Gefühl her an „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ erinnert, aber nun im Mittelteil der Trilogie steht und überraschenderweise mit dem Tod Snokes endet. Einerseits finde ich das gut, wenn Erwartungen unterlaufen werden. Außerdem ist es ein recht interessantes Aufgreifen von Darth Vaders Plan aus „Das Imperium schlägt zurück“, denn im Gegensatz zu seinem Vorbild schafft es Kylo Ren, seinen Meister zu töten und dessen Platz an der Spitze einzunehmen. Andererseits werden wohl einige Fragen hinsichtlich Snoke unbeantwortet bleiben: Wer ist er eigentlich? Wo kommt er her? Wie hat er Kontakt mit Kylo Ren aufgenommen? Wie hat er die Erste Ordnung aufgebaut? Und wer sind eigentlich die Ritter von Ren? Es mag sein, dass manche dieser Fragen doch noch aufgegriffen werden. Und man kann natürlich auch so argumentieren, dass die Original-Trilogie ebenfalls vieles nie wirklich erklärt hat. Aber trotzdem muss ich einfach sagen, dass mich hier das Fehlen von einigen Hintergrundinformationen einfach stört. Dies hat bereits in „Das Erwachen der Macht“ angefangen.

„Die letzten Jedi“ ist allgemein recht groß darin, Erwartungen zu unterlaufen, beziehungsweise Fans herauszufordern und vor den Kopf zu stoßen: Man ist gespannt auf Snoke und erwartet so einiges – Snoke stirbt und bleibt im Grunde ein Mysterium. Man fragt sich, wer Reys Eltern wohl sein mögen – Reys Eltern sind anscheinend einfach nur irgendwelche Schrotthändler auf Jakku. Man geht davon aus, dass die Jedi ganz klar die Guten sind – die Jedi werden stark hinterfragt und von ihrem Legenden-Podest runtergeholt. Viele dieser unterlaufenen Erwartungen stellen Stärken des Films dar und sorgen etwa ab der Hälfte für einen höchst spannenden und unterhaltsamen Zickzackkurs. Und doch frage ich mich: Steht das Ende des Film in einer angemessenen Relation zu all diesen Bemühungen? Natürlich machen die Charaktere Entwicklungen im Laufe der Geschichte durch: Poe übernimmt Verantwortung, Finn steht klar zum Widerstand, Luke findet (nach einer wirklich großartigen Todesszene) seinen inneren Frieden, Kylo Ren ist der Anführer der Ersten Ordnung und Rey erkennt, dass es auf ihre Zukunft ankommt, nicht auf ihre Vergangenheit. Trotzdem muss man festhalten: Die Erste Ordnung ist weiterhin sehr mächtig, der Widerstand ist weiterhin sehr klein, Kylo Ren ist weiterhin böse und Rey ist weiterhin die gute, letzte Hoffnung. Haben sich all die Relativierungen und das mutige Hinterfragen von Gut und Böse also wirklich rentiert? Hätte man vom Ergebnis her nicht noch ein oder zwei Schritte weitergehen können? Ich persönlich werde das Gefühl nicht los, dass da mehr drin gewesen wäre.

Damit das Ganze hier aber nicht zu negativ klingt, möchte ich zum Schluss noch ein paar Momente betonen, die ganz groß waren und mir wirklich gefallen haben: Die Weltraumschlachten sind mitreißend. Die Zerstörung von Snokes Schiff ist eine Wucht. Kylo Ren und Rey liefern sich eine spannende Konfronation mit Snokes Wachen und haben allgemein sehr starke Szenen miteinander. Luke bekommt einen in jeglicher Hinsicht tollen Abgang. Und Regisseur Rian Johnson erweitert das „Star Wars“-Universum um visuell und inhaltlich neue Aspekte, welche die Vorfreude auf die komplett von ihm geplante Trilogie steigern. Um also zu einem Fazit zu kommen: „Die letzten Jedi“ hat seine Schwachstellen, doch die positiven Momente überwiegen und der mit dem Film verbundene Mut soll von mir gewürdigt werden. Insofern verteile ich starke 7 von 10 Popcornguys – und bin gespannt, ob der Film bei weiteren Sichtungen womöglich stärker punkten kann.

Jahresvorschau 2018

Bevor das Jahr 2017 mit „Star Wars: Die letzten Jedi“ cineastisch abgerundet wird, lohnt es sich, den Blick in die Zukunft zu richten – und zwar ins Filmjahr 2018. Hierbei stechen natürlich die potentiellen Blockbuster-Titel besonders hervor, wie beispielsweise „Aquaman“, „Avengers 3: Infinity War“, „Black Panther“, „Jurassic World 2: Das gefallene Königreich“, „Maze Runner 3: Die Auserwählten in der Todeszone“, „Pacific Rim 2: Uprising“, „X-Men: Dark Phoenix“ und – wenn man es so richtig hart mag – „Fifty Shades Of Grey 3 – Befreiende Lust“. Alle diese Titel interessieren mich wenig bis gar nicht und ich kann momentan nicht sagen, ob ich ein paar davon im Kino sehen werde oder nicht. Sicher bin ich mir da eher bei anderen Filmen, die ich im Folgenden etwas genauer unter die Lupe nehmen möchte.

Den Anfang im Januar macht der Indie-Horrorfilm „It Comes At Night“ mit Joel Edgerton in einer der Hauptrollen. Es scheint auf eine Geschichte im kleinen Rahmen mit apokalyptischem Hintergrund hinauszulaufen, doch bis auf einen ersten recht verstörenden Trailer habe ich mich bisher von allen weiteren Informationen fernhalten können. Mein Interesse ist dennoch geweckt, zum einen wegen der guten Kritiken, zum anderen wegen dem verantwortlichen Filmverleih. „It Comes At Night“ wird von A24 präsentiert, welches die letzten Jahre mit kleinen Filmperlen wie „Enemy“, „Under The Skin“, „Ex Machina“, „Raum“, „The Witch“, „The Lobster“ und „Swiss Army Man“ auf sich aufmerksam machte. Ähnlich mysteriös ist ein Film mit dem vorläufigen Titel „God Particle“, der im Februar starten soll. In dem Sci-Fi-Thriller scheint es um einen Teilchenbeschleuniger zu gehen, dessen Fehlfunktion dazu führt, dass die Erde verschwindet. Noch dazu soll „God Particle“ in einem engen Zusammenhang mit „Cloverfield“ stehen. Die Informationslage ist – ähnlich wie damals bei „10 Cloverfield Lane“ – sehr spärlich, doch genau das macht vermutlich den gewissen Reiz des Projekts aus. Ebenfalls im Februar läuft eine Komödie an, welche eine Art Making-of zu „The Room“ ist, einem der offiziell schlechtesten Filme aller Zeiten. Die Rede ist von „The Disaster Artist“. James Franco schlüpft hierbei in die Rolle des Ausnahme-Filmschaffenden Tommy Wiseau, der mit seinem in jeglicher Hinsicht miserablen Film Kultstatus erreicht hat. Mit an Bord sind außerdem James Francos Bruder Dave und Seth Rogen. Besonders lustig ist die Tatsache, dass „The Disaster Artist“ als Film über einen der schlechtesten Filme aller Zeiten nun realistische Chancen auf Oscar-Nominierungen hat.

Hochkarätig und oscarwürdig geht es im Februar weiter, schließlich befindet man sich hier mitten in der Award Season. In „Wind River“ geht es um einen Wildtierjäger (gespielt von Jeremy Renner), der in einem verschneiten Indianerreservat in Wyoming einen grausigen Fund macht. Interessant ist hierbei vor allem Regisseur Taylor Sheridan, der die Drehbücher zu den überaus guten Filmen „Sicario“ und „Hell Or High Water“ schrieb und nun im Regie-Stuhl Platz nimmt. Ein weiterer heißer Oscar-Kandidat könnte die Fantasy-Romanze „The Shape Of Water: Das Flüstern des Wassers“ sein. Regisseur Guillermo del Toro („Pans Labyrinth“) erzählt die Geschichte einer jungen, stummen Frau (Sally Hawkins), die sich in einem Labor zur Zeit des Kalten Kriegs mit einem Fischwesen (Doug Jones) anfreundet und auch tiefere Gefühle für die Kreatur entwickelt. Ein effekttechnisch überragender, aber auch emotional daherkommender Trailer hat hierbei mein Interesse geweckt. Mein Sci-Fi-Herz wird weiterhin von „Auslöschung“ bedient, bei welchem ein Team von Wissenschaftlern ein gefährliches Sperrgebiet erforscht. Vor der Kamera sind unter anderem Natalie Portman und Oscar Isaac zu sehen, während sich Alex Garland als Regisseur verantwortlich zeigt. Dieser lieferte bereits mit „Ex Machina“ einen großartigen Sci-Fi-Film ab, weswegen ich gespannt auf den neuen Streifen bin.

Der März beginnt mit „I, Tonya“, welcher die auf realen Ereignissen basierende Konkurrenz der Eiskunstläuferinnen Tonya Harding und Nancy Kerrigan beleuchtet. Ich muss gestehen, dass mich Eiskunstlauf ja kein bisschen interessiert. Doch der Trailer ist schön bissig und für Hauptdarstellerin Margot Robbie habe ich doch eine gewisse Schwäche. In „Alpha“ geht es um einen jungen Jäger, der während der letzten Eiszeit eine schwere Verletzung erfährt und sich mit einem wilden Wolf verbünden muss, um in seiner harten Welt überleben zu können. Ebenfalls im März startet „Tomb Raider“, bei welchem die hinreißende Alicia Vikander in die Rolle der Computerspiel-Ikone Lara Croft schlüpft. Man orientiert sich beim Film offensichtlich an den letzten Spielen, die eine junge Grabräuberin mit weniger Vorbau, dafür mit mehr charakterlichem Hintergrund zeigten. Eine Vorfreude meinerseits ist da, obwohl ich ja sagen muss, dass mich der Trailer nicht gänzlich überzeugt hat. Passend zur Osterzeit startet mit „Maria Magdalena“ ein Film zu einer der bekanntesten biblischen Frauengestalten. Die Hauptrolle übernimmt die von mir hoch geschätzte Rooney Mara, ein erster Trailer konnte mich überzeugen und ich hoffe, dass man der Person und vor allem dem damaligen sozialen Kontext gerecht wird.

Im April meldet sich Steven Spielberg mit der Roman-Verfilmung „Ready Player One“ zurück. Die Sci-Fi-Geschichte beschreibt eine nicht allzu weit entfernte Zukunft, in welcher die Erde ziemlich heruntergekommen ist. Über spezielle VR-Brillen flüchten sich die Menschen in eine Art virtuelle Gaming-Welt, um dem Alltag zu entkommen. Ich kenne die Romanvorlage nicht, denke aber, dass sich der Stoff für den ein oder anderen gesellschafs- und technikkritischen Ton anbietet. Der mit CGI vollgestopfte Trailer wirkt einerseits interessant, andererseits blinkt dabei mein Augenkrebs-Alarmlicht regelmäßig auf. Optisch entspannter sieht da das bisherige Material zu „Lady Bird“ mit Saoirse Ronan aus. Es geht um eine junge Frau, die ihrem konservativen Kleinstadt-Nest entfliehen und sich in mehrerer Hinsicht neu ausprobieren möchte. Der Film scheint ein absoluter Kritikerliebling zu sein und hat daher mein Interesse geweckt. Im Thriller „A Beautiful Day“ spielt Joaquin Phoenix einen abgehalfterten Kriegsveteran, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Frauen aus dem kriminalisierten Sexhandel zu retten.

Die Blockbuster-Zeit dürfte spätestens im Mai eröffent werden. Den Anfang könnte „Solo: A Star Wars Story“ machen. Alden Ehrenreich schlüpft hierbei in die übergroßen Stiefel des ikonischen „Star Wars“-Schmugglers und zeigt, was der Pilot des Millenium Falken in seinen jungen Jahren so erlebt hat. Ihm zur Seite stehen unter anderem Emilia Clarke und Woody Harrelson. Einen Starttermin im Mai zweifle ich persönlich stark an, nicht zuletzt wegen diverser Komplikationen am Set. So wurden die ursprünglichen Regisseure Phil Lord und Chris Miller aufgrund kreativer Differenzen mit der Führungsetage durch Ron Howard ersetzt – und zwar zu einem Zeitpunkt, an welchem der Film schon größtenteils im Kasten war! Man darf gespannt sein, was mit „Solo: A Star Wars Story“ letztendlich auf den Zuschauer zukommt. Anfang August präsentiert uns Regisseur Shane Black „The Predator“, den neuen Film der berühmten Alien-Reihe. Ich muss gestehen, dass ich mit dem Franchise überhaupt nicht vertraut bin, wenn man mal von ein paar Schwarzenegger-Zitaten absieht. Doch der Cast liest sich interessant und vermutlich kann ein bisschen Sci-Fi-Action zwischendurch nicht schaden. Höhere Erwartungen habe ich allerdings an „Sicario 2: Soldado“. Im Prinzip ist das eine dieser Fortsetzungen, nach denen ich niemals verlangt hätte, erst recht nicht, da mein aktueller Lieblings-Regisseur Denis Villeneuve nicht involviert ist. Doch Filmemacher Stefano Sollima ist für den hervorragenden italienischen Mafia-Thriller „Suburra“ verantwortlich und wird mit einem Drehbuch von Taylor Sheridan versorgt. Hinzu kommt, dass sich die Geschichte um Benicio del Toros Charakter aus „Sicario“ drehen wird – und diesen Schauspieler sehe ich einfach zu gerne.

Im Oktober startet „Venom“, in welchem Tom Hardy den berühmten Spider-Man-Gegenspieler mimen wird. Hardy selbst ist natürlich eine Bank und der Erfolg anderer R-Rated-Filme wie „Deadpool“ und „Logan“ könnte uns tatsächlich einen harten und kompromisslosen Venom bescheren. Skeptisch macht mich allerdings der allgemeine Comicfilm-Dschungel, welcher mich noch nicht erkennen lässt, ob und inwiefern „Venom“ in einem engeren Zusammenhang zum Marvel Cinematic Universe oder einem anderen Filmuniversum steht. Ohne jegliche Vorbelastungen kommt dagegen „A Star Is Born“ daher. Lady Gaga und Bradley Cooper spielen hierbei ein Country-Pärchen, bei welchem sich die musikalischen Karrieren sehr unterschiedlich entwickeln, was wiederum die Liebesbeziehung zwischen den Künstlern belastet. Im Herbst 2018 soll angeblich eine weitere Verfilmung von „Das Dschungelbuch“ starten, dieses mal jedoch von Regisseur Andy Serkis und ohne die Schirmherrschaft Disneys. Ein anderer, möglicherweise konsequent düsterer Ansatz wäre denkbar – doch in jedem Fall ist dank Serkis‘ Beteiligung von großartigen Effekten auszugehen. Historisch wird es dagegen in „Mary Queen Of Scots“, welcher Saoirse Ronan und Margot Robbie in den Hauptrollen zeigt. Als Produzent und Drehbuchautor meldet sich im Dezember schließlich Peter Jackson zurück, und zwar mit der Verfilmung des Sci-Fi-Romans „Mortal Engines: Krieg der Städte“. Hierbei geht es um riesige, mobile Städte, die sich um die letzten Ressourcen der Erde streiten.

Einige Filme, die 2018 starten sollen, haben bisher noch keinen konkreten Starttermin. So zum Beispiel der von A24 präsentierte Boxerfilm „A Prayer Before Dawn“, die Wrestler-Komödie „Fighting With My Family“ mit Florence Pugh („Lady Macbeth“) oder der Western „Hostiles“ mit Christian Bale und Rosamund Pike. Mit „Creed 2“, „Deadpool 2“ und „World War Z 2“ stehen einige Fortsetzungen an, während es sich bei „Pottersville“ um eine nette Bigfoot-Komödie mit einem nicht gerade typisch besetzten Michael Shannon zu handeln scheint. Streaming-Plattformen werden 2018 wohl weiter an Bedeutung gewinnen, was bedeutet, dass man interessantes Projekt gar nicht mehr auf der großen Leinwand zu sehen sein wird. So trumpft Netflix nicht nur mit Serien, sondern auch eigens produzierten Filmen auf. Gleich drei Streifen könnten hierbei interessant sein: „Apostle“ (ein Thriller über einen religiösen Kult von Gareth Edwards), „Mute“ (ein deutsch-britischer Sci-Fi-Film von Duncan Jones), sowie natürlich „The Irishman“ (ein Gangsterfilm von Regie-Legende Martin Scorsese, der vor der Kamera unter anderem Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci versammelt). Letzterer wird aber vermutlich erst 2019 zu sehen sein.

Das kommende Jahr löst bei mir persönlich vielleicht nicht den allergrößten Hype aus, aber das Angebot ist vielfältig und es dürfte für jeden etwas dabei sein. Und in den meisten Fällen sind es doch gerade die Filme, die quasi im allerletzten Moment auftauchen und für den größten Filmgenuss sorgen. In diesem Sinne: 2018 kann kommen!