Lady Macbeth

Titel: Lady Macbeth
Originaltitel: Lady Macbeth
Regie: William Oldroyd
Musik: Dan Jones
Darsteller: Florence Pugh, Cosmo Jarvis, Naomi Ackie

England, 1865: Die junge Katherine (Florence Pugh) wird mit dem reichen, aber bedeutend älteren Minenbesitzer Alexander (Paul Hilton) verheiratet. Es zeigt sich schnell, dass dieser von der Ehe nicht sonderlich begeistert ist und wenig Interesse an seiner Gemahlin hat. Gemäß des damaligen Frauenbildes behandelt er Katherine wie seinen Besitz und untersagt ihr, das Haus zu verlassen. Die junge Frau ist in der sozialen und auch räumlichen Enge gefangen und verfällt in einen eintönigen Trott. Erst als Ehemann und Schwiegervater Boris (Christopher Fairbank) das Haus aus beruflichen Gründen verlassen, kann sie durchatmen und ihrem Hausarrest entkommen. Draußen trifft sie auf Sebastian (Cosmo Jarvis), einen Arbeiter auf Alexanders Anwesen, der wegen seiner rohen und direkten Art sehr anziehend auf Katherine wirkt. Die beiden beginnen eine stürmische Affäre.

Wenn man das Wort „Kostümfilm“ hört, mag der ein oder andere gähnen und abwinken. Und ja, „Lady Macbeth“ ist ein Film der ruhigen Sorte – doch er hat es in sich. Und zwar so richtig. Von den guten Kritiken angelockt, habe ich mich ins Kino begeben und mir das Spielfilm-Debut von Regisseur William Oldroy angesehen. Dieser hat vorher einige Kurzfilme gedreht, vor allem aber Erfahrung am Theater gesammelt. Insofern scheint der Filmtitel perfekt zu passen, doch Shakespeare sollte man nicht direkt erwarten. „Lady Macbeth“ ist vielmehr die Verfilmung der russischen Novelle „Die Lady Macbeth von Mzensk“, die als wichtiges Werk der Emanzipation gilt. Gekonnt lässt Oldroy mit der starren Kamera schöne, aber gleichzeitig auffällig unterkühlte Bilder einfangen, die gut zur Enge der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts passen. Alles hat seinen Platz, nicht nur das Mobiliar, sondern auch die Menschen, die mehr oder weniger leblos ihre vorgebene Rolle spielen. Eine jedoch bringt das Gefüge durcheinander: Katherine.

Und hier ist man beim Dreh- und Angelpunkt des Films angelangt. Katherine, von der Newcomerin Florcence Pugh wunderbar nuanciert gespielt, möchte aus dem gesellschaftlichen Korsett ausbrechen und sich selbst verwirklichen. Dass sie rebelliert, merkt der Zuschauer recht schnell. Und als aufgeklärter Mensch des 21. Jahrhunderts wünscht man dieser jungen und mutigen Dame auf der Kinoleinwand natürlich jeden Erfolg. Dabei ist es erwähnenswert, dass Katherine nicht aus der Zeit gefallen erscheint, sondern trotz ihres unzeitgemäßen Bestrebens fest in ihrer Epoche verwurzelt ist. Sie wirkt realistisch und nicht wie ein innerfilmischer Fremdkörper, der in bizarrer oder aufdringlicher Weise eine moderne Anschauung präsentieren. Das fand ich sehr angenehm. Doch meine Sympathien gegenüber Katherine verflogen während des Films zunehmend. Wer davon ausgeht, dass wir hier eine Filmheldin haben, die sich in bewunderswerter und vorbildhafter Weise ihre Rechte erkämpft, wird schnell eines Besseren belehrt. Katherine entpuppt sich als eiskalt und berechnend, sie spielt die Menschen in ihrem Umfeld bitterböse gegeneinander aus und profitiert in ihrer Emanzipation ironischerweise davon, dass andere nicht aus ihrer sozialen Position ausbrechen können. Ich möchte auf keine weiteren Details eingehen, aber letztendlich haben wir es hier meiner Meinung nach mit einer waschechten Antiheldin zu tun, deren Verhalten zwar nachvollziehbar, aber alles andere moralisch ist. Ein Film, der seine Protagonistin nach und nach zu einer Unsympathin macht, ist in jedem Fall mutig und riskiert viel. Doch glücklicherweise ist die Rechnung in „Lady Macbeth“ aufgegangen und liefert darüberhinaus einige Denkanstöße. Beispielsweise könnte man sich nun fragen, ob die moralischen Vergehen Katherines nicht auch einfach nur ein Ergebnis der engen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts ist.

Fazit: Das Drama „Lady Macbeth“ ist die Charakterstudie einer höchst interessanten, aber auch abschreckenden Frau, welche provokant und mutig mit den Zuschauererwartungen spielt. Die schönen, aber kühlen Bilder unterstützen den Inhalt, doch getragen wird der Film hauptsächlich von der beeindruckenden Darstellung von Florence Pugh. Ich vergebe 8 von 10 Popcornguys an diese starke Überraschung im ausgehenden Kinojahr.

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Blade Runner 2049

Titel: Blade Runner 2049
Originaltitel: Blade Runner 2049
Regie: Denis Villeneuve
Musik: Hans Zimmer, Benjamin Wallfisch
Darsteller: Ryan Gosling, Harrison Ford, Ana de Armas

Los Angeles, im Jahr 2049: Die überbevölkerte Stadt versinkt abwechselnd in Smog, Regen und Schnee. Vieles hat die Erde in den letzten Jahrzehnten erlebt. Insbesondere der Zusammenbruch des Ökosystems und Rebellionen künstlich erschaffener Menschen haben ihre Spuren hinterlassen. Die neuen Replikanten, kreiert von einem Großindustriellen namens Niander Wallace (Jared Leto), sind ihren Erschaffern jedoch wohlgesonnen und verrichten jene Dienste in der Gesellschaft, die niemand sonst übernehmen kann oder will. Allerdings sind noch einige Modelle aus alten Zeiten am Leben. Es ist die Aufgabe von Blade Runnern wie Officer K (Ryan Gosling) diese Replikanten zu finden und auszuschalten. Bei einem seiner Aufträge macht K jedoch eine Entdeckung, die das fragile gesellschaftliche Gefüge zum Einsturz bringen könnte.

„Blade Runner“ ist schon ein komischer Klassiker. Als ich ihn das erste Mal gesehen habe, war ich entschieden zu jung, beim zweiten Mal zu müde und nicht aufmerksam genug. Irgendwann drifteten meine Gedanken ab und nach etwa einer halben Stunde hatte ich keine Ahnung mehr, was Harrison Ford gerade macht. Und nach seinem Gesichtsausdruck zu urteilen wusste er das auch nicht so genau. Aber verwunderlich ist so eine Reaktion auf „Blade Runner“ wohl nicht. Der Film ist atmosphärisch extrem stark und sieht auch heute noch fantastisch aus – aber gleichzeitig ist er auch recht zäh, man könnte sogar sagen: Langweilig. Erst bei meiner dritten Sichtung vor ein paar Tagen hat sich die Wahrnehmung allmählich verschoben und ich würde nun sagen, dass dieser Klassiker mit der Zeit wachsen kann. Aber was genau rechtfertigt eine Fortsetzung? Meine erste Reaktion gegenüber der Ankündigung eines zweiten Teils war von daher: Braucht es das? Und ich muss sagen, meine Skepsis wäre weiter gewachsen, hätte Ridley Scott, der Macher des ersten „Blade Runner“, den Film gedreht. Seine Filmographie hat in letzter Zeit nämlich entschieden an Überzeugung eingebüßt. Doch auf dem Regie-Stuhl nahm zum Glück jemand anders Platz: Denis Villenveuve, der sich mit Filmen wie „Prisoners“, „Enemy“, „Sicario“ und „Arrival“ ganz nach vorne in meiner Gunst gespielt hat. Und mit „Blade Runner 2049“ ist wiederum ein großartiger Streifen entstanden, der – zumindest meiner Meinung nach – den Erstling in den meisten Punkten überflügelt.

Aber alles der Reihe nach. Zunächst fällt einem bei „Blade Runner 2049“ der Look auf, ähnlich wie beim ersten Teil also. Visuell ist der Film eine Wucht. Eine erhabene Kameraführung, ein ruhiges Tempo und absolut stimmig eingesetzte Effekte erschaffen eine Science-Fiction-Welt, die sich sehr echt anfühlt. Hier sollten einige Oscarnominierungen drin sein. Der Film steckt darüberhinaus voller interessanter technischer Ideen. Hierbei ist erwähnenswert, dass sich die Welt von „Blade Runner 2049“ nicht durch Überfrachtung oder allgegenwärtige Touchscreens auszeichnet, wie man das vielleicht von einem Zukunftsfilm erwarten würde. Stattdessen weist die Technik stets handfeste, physische Elemente auf, die das Ganze nicht nur angenehm erden, sondern auch eine glaubwürdige Brücke zum ersten „Blade Runner“ schlagen. Der Soundtrack unterstützt die Bilder ideal, auch wenn er nicht diesen eigenwilligen und sphärischen Charakter der Musik von Vangelis erreicht. Andererseits ist aber auch der Film an sich weniger verträumt.

„Blade Runner 2049“ ist bis in die Nebenrollen gut besetzt. Darsteller wie Robin Wright, Dave Bautista und Jared Leto haben manchmal zwar kleine, aber dafür feine und denkwürdige Auftritte. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle Sylvia Hoeks, die in ihrer Rolle der Luv eine faszinierende und eiskalte Präsenz entwickelt. Ryan Gosling spielt Officer K in seiner gewohnt zurückhaltenden Art, doch das ist im Fall von diesem Film genau richtig. Seine Figur hat einiges an Detektivarbeit zu tun und kann darüberhinaus eine interessante Charakterentwicklung aufweisen, wodurch sie für mich zu einem stärkeren Protagonisten als Harrison Ford im ersten Teil wird. Apropos, der ist natürlich auch mit dabei, wie man schon in den Trailern sehen konnte. Und er hat spürbar Bock. An Ryan Goslings Seite spielt außerdem Ana de Armas, die als Joi eine Beziehung der besonderen Art mit K führt. Diese gipfelt in einer recht bizarren, aber gleichzeitig wunderschönen Szene, die zu meinen liebsten im ganzen Film zählt. Aber mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

Die Geschichte des Films ist – wenn man am Ende alles gesehen hat – vielleicht nicht allzu ungewöhnlich oder komplex, aber es ist auf jeden Fall mehr los als im ersten Teil. Außerdem kommt mir die Handlung etwas klarer und griffiger vor. Interessante philosophische Fragen werden angeschnitten und unter Sci-Fi-Aspekten ist das alles absolut ordentlich. Villeneuve gelingt es auch – ähnlich wie bei „Arrival“ – genau die richtige Portion Gefühl einzubringen, sodass einem die Geschichte trotz der fast schon deprimierenden Welt ans Herz geht. Hut ab dafür!

Fazit: „Blade Runner 2049“ ist sicherlich kein Film, den man mal eben zwischendurch reinschiebt. Es ist bildgewaltige, ruhige, nachdenkliche und nur pointiert actionreiche Sci-Fi-Kost, die sich im Umfeld anderer Produktionen mit ähnlich hohem Budget positiv durch seine Andersartigkeit abhebt. Für mich ist er einer der besten Filme des Jahres und ich verteile starke 9 von 10 Popcornguys!

Es

Titel: Es
Originaltitel: It
Regie: Andy Muschietti
Musik: Benjamin Wallfisch
Darsteller: Jaeden Lieberher, Sophia Lillis, Bill Skarsgård

Es ist ein heißer Sommer Ende der 80er Jahre in der amerikanischen Kleinstadt Derry. Sieben Teenager mit verschiedensten Hintergründen finden zueinander: Der Stotterer Bill (Jaeden Lieberher), der übergewichtige Ben (Jeremy Ray Taylor), der kränkliche Eddie (Jack Dylan Grazer), der Jude Stan (Wyatt Olef), der schwarze Waisenjunge Mike (Chosen Jacobs), Labersack Richie (Finn Wolfhard) und die von ihrem Vater missbrauchte Bev (Sophia Lillis). Zusammen gründen sie, sich ihrer eigenen Probleme und Handicaps bewusst, den Club der Verlierer. So schaffen sie es sogar, der angriffslustigen Gang rund um Henry Bowers (Nicholas Hamilton) zu trotzen. Doch assoziale Jugendliche sind längst nicht das einzige Problem des Verlierer-Clubs. In Derry verschwinden Kinder, unter anderem auch Georige (Jackson Robert Scott), der jüngere Bruder Bills. Nach und nach wird dem Club auch klar, was dahinter steckt: Es, eine alte, böse Macht, die sich seinen Opfern oft in der Gestalt des teuflischen Clowns Pennywise (Bill Skarsgård) zeigt. Die Teenager müssen all ihren Mut zusammennehmen, um sich Es und ihren eigenen, tiefsten Ängsten zu stellen.

An keinen anderen Film 2017 habe ich höhere oder klarere Erwartungen gerichtet als an „Es“, nicht einmal an die nächste Episode von „Star Wars“. Und da war ich sicher nicht der einzige. Viele Menschen verbindet mit „Es“ nostalgische Erinnerungen an die TV-Verfilmung aus den 90er Jahren, mit Tim Curry in der Rolle des Clowns. Bei mir ist das eher nicht der Fall. Ich habe während des Studiums den Roman von Stephen King gelesen und mich in das Buch verliebt. Eine ähnlich intensive Leseerfahrung hatte ich bisher lediglich mit Tolkiens „Der Herr der Ringe“. Kings Werk ist vergleichbar umfangreich und nicht einfach nur ein Horror-Buch. Es ist eine Geschichte über Freundschaft und das Erwachsenwerden, welche auf einer komplexen und mysteriös abstrakten Mythologie beruht. Von daher drängt sich einem als Buchkenner eine Frage durchaus auf: Lässt sich dieser Stoff überhaupt perfekt verfilmen? Für mich lautet die Antwort: Nein, zumindest nicht in einem Spielfilm. Ich persönlich hätte ja eine Mini-Serie mit 8 bis 10 Folgen empfohlen, um die Komplexität der Vorlage einzufangen. Aber anscheinend hat niemand mit ausreichend Geld ähnlich gedacht, weswegen wir nun vorerst mit dem Kinofilm leben müssen. Die Frage lautet also: Lässt sich damit gut leben?

Ich möchte mit dem Lob beginnen und der geht zu großen und entscheidenden Teilen Richtung Cast. Hier haben die Verantwortlichen ein wirklich glückliches Händchen bewiesen, denn sämtliche Kinderdarsteller sind gut besetzt und liefern glaubwürdige Performances ab. Besonders hervorheben möchte ich jedoch zwei. Zum einen Jaeden Lieberher, der als Verlierer-Anführer Bill eine Art Hauptrolle ausfüllen muss. Zum anderen Sophia Lillis, deren Charakter Bev den meiner Meinung nach schwierigsten und unangenehmsten Hintergrund hat. Doch die junge Dame meistert ihre Aufgabe mit Bravour und setzt in ihrer Darstellung vielseitige Akzente. Hut ab dafür, ich wünsche ihr eine große Zukunft in Hollywood! Lillis und Lieberher bilden zusammen mit den anderen Kinderdarsteller das Herz des Films. Die Freundschaft der Gruppe wird in jeder Szene deutlich, egal, ob die Teenager schimpfend Schulgänge entlang schlurfen, mit ihren Fahrrädern durch Derry heizen oder das einzige Mädchen in ihrer Mitte anschmachten. Die Chemie ist wunderbar, die zwischenmenschliche Botschaft wird deutlich, und damit ist eine meiner wichtigsten Erwartungen erfüllt worden.

Eine weitere wichtige Säule des Films stellt Bill Skarsgård in der Rolle des Pennywise dar. Er musste in große Fußstapfen treten, bedenkt man die treue Fan-Anhängerschaft von Tim Curry. Doch auch Skarsgård hat geliefert. Sein Pennywise ist anders als der von Curry und den Sehgewohnheiten von 2017 angemessen. Mir hat seine Darstellung besonders in den Details gefallen, wenn er sich auf abartige, aber doch auch amüsante Art über die Ängste seiner Opfer lustig macht. Da ist es fast schade, dass Pennywise im Film relativ wenig Screentime hat, beziehungsweise kaum in Dialoge verwickelt ist. Dafür wird jedoch gut verständlich, dass Es nicht einfach nur ein Clown ist, sondern ein Wesen, welches – je nach Situation – verschiedenste Gestalten annehmen kann. Buchfans müssen sich aber trotzdem auf die ein oder andere Änderung gefasst machen, die für mich aber meistens in Ordnung gehen. Außer vielleicht am Ende. Der Showdown mit Pennywise sah in meinem Kopf einfach ein bisschen geiler und abstrakter aus, als es auf der Leinwand schließlich kam.

Weitere Probleme des Films liegen meiner Meinung nach in den Horrorszenen. Hier soll man mich nicht falsch verstehen, vieles ist Geschmackssache und die einzelnen Settings sind gut durchdacht, spannend und interessant – aber eben oft nicht wirklich gruselig. Das liegt meiner Meinung nach an der Inszenierung. Die Horrorszenen verlaufen häufig nach einem bestimmten Muster, welches in einer lauten Mischung aus Krach, Musik und Jumpscare endet. Das nutzt sich leider irgendwann ab und wird ein Stück weit vorhersehbar. Da hätte mir der Einsatz von subtilerem Horror mehr gefallen. Aber nun ja, auch wenn man Regisseur Andy Muschietti schon auf die Schultern klopfen kann, wird man doch feststellen, dass er beispielsweise kein Stanley Kubrick ist. Dennoch, ein paar Szenen sind trotz dieser Defizite überaus geglückt – an der Stelle lasse ich mal lediglich die Stichworte „Projektor“ und „Waschbecken“ fallen.

Fazit: „Es“ ist sicher nicht der beste Film des Jahres, aber einer der unterhaltsamsten. Er trägt sein Herz am rechten Fleck, was die Geschichte gut zusammenhält, selbst wenn man einiges an den Schock-Momenten kritisieren kann. Ich habe „Es“ sehr genossen und freue mich mittelfristig auf das Sequel in etwa zwei Jahren. Langfristig hoffe ich weiterhin auf eine Mini-Serie – vielleicht ja in 27 Jahren. Vorerst vergebe ich 8 von 10 Popcornguys.

Mother!

Titel: Mother!
Originaltitel: Mother!
Regie: Darren Aronofsky
Musik: Jóhann Jóhannsson
Darsteller: Jennifer Lawrence, Javier Bardem, Michelle Pfeiffer

Ein Schriftsteller mit Schreibblockade (Javier Bardem) und dessen bedeutend jüngere Ehefrau (Jennifer Lawrence) bewohnen ein abgeschiedenes Landhaus und führen dort ein zurückgezogenes Leben. Während er auf seine Inspiration wartet, versucht sie das Haus zu verschönern und steckt viel Mühe in die Renovierung. Eines Tages wird die Einsamkeit der beiden gestört: Es tauchen ein Fremder (Ed Harris) und kurze Zeit später dessen Frau auf, die vom Schriftsteller bereitwillig aufgenommen werden. Die junge Dame des Hauses ist von Anfang an skeptisch – und später erst recht, als ihr nach und nach die Kontrolle über die Situation verliert.

Bei vielen Filmen weiß man recht schnell, ob man sie mag oder nicht. Manchen jedoch tut es gut, mal eine Nacht drüber zu schlafen. Doch manchmal bringen selbst mehrere Nächte nichts, wenn es um die Frage geht, wie man einen Film denn nun finden soll. Darren Aronofskys neuester Film „Mother!“ ist einer dieser Fälle.

Aronofsky ist für sperrige und unkonventionelle Werke bekannt. „The Fountain“ habe ich noch nicht gesehen, aber dafür ist mir sein aufwühlender Psycho-Thriller „Black Swan“ noch gut in Erinnerung. „Noah“ ist eine recht eigenwillige Bibelverfilmung, aber lässt sich immerhin als ungewöhnlich bezeichnen. Insofern reiht sich „Mother!“ hier gut ein. Es braucht recht lange, bis man sozusagen im Film angekommen ist – auch wenn es einen die durch die Bank großartigen Schauspieler leichter machen. Jennifer Lawrence, die mir in anderen Filmen in ihren hysterischen Momenten schon gelegentlich too much war, liefert hier eine starke Performance an. Javier Bardem ist ohnehin ein darstellerischer Ungetüm und auch die kleineren Nebenrollen sind mit Ed Harris und Michelle Pfeiffer (die immer noch rassigen Catwoman-Charme versprüht) ideal besetzt.

Was lässt „Mother!“ also so schwierig und unzugänglich werden? Es ist die Geschichte an sich, die einem erst nach und nach klar macht, dass es hier keineswegs um einen realistischen Plot geht. Im Gegenteil. Wenn man dem Film mit dieser Erwartung begegnet, wird man relativ schnell zum Schluss kommen, dass das hier alles wenig Sinn macht und sich die Personen sehr seltsam, ja geradezu unmenschlich verhalten. Eine Zeit lang habe ich trotzdem probiert, den Film auf diese Art zu lesen. Ich dachte mir, dass es möglicherweise um die Schwierigkeiten von Beziehungen mit großen Altersunterschieden geht. Ich dachte mir, dass es auf Dominanz und Unterwerfung in der Liebe hinauslaufen könnte. Ich dachte mir, dass es um die Beziehung zwischen einer relativ normalen Person und einem Künstler gehen könnte. Aber letztendlich führen alle diese Versuche in die Leere. „Mother!“ gibt sich letztendlich komplett einer Welt aus Metaphern und Symbolen hin, die anders gelesen werden wollen. Am Ende sprach mich der Film auf einer geradezu existentiell-religiösen Ebene an – und war auf einmal ziemlich interessant. Die Themen, die aufgeworfen wurden, sind spannend und denkwürdig, Handlung und Charaktere für sich genommen eher nicht. Und das ist möglicherweise die Schwierigkeit, die ich mit „Mother!“ habe. Ich habe Lust, über die mit dem Film zusammenhängenden Themen zu diskutieren und für mich weiter zu philosophieren – aber Lust, den Film direkt nochmal anzusehen, habe ich nicht. Dafür hat er mich dann doch zu wenig gekickt.

Mit einer Bewertung habe ich meine Probleme, denn der Film arbeitet weiter. Ich tendiere zu 7 von 10 Popcornguys, könnte mir aber vorstellen, dass sich dieses Fazit verändern wird, sollte ich „Mother!“ noch einmal sehen. Fest steht: Der Film ist nichts für Leute, die einfach Horror oder Thriller erwarten. Es ist ein herausfordernder, komplexer, stark symbolischer Film, der etwas in einem auslöst – oder einen recht schnell extrem frustrieren, vielleicht sogar anekeln wird, denn gerade im letzten Viertel haben es die Szenen echt in sich.

Planet der Affen: Survival

Titel: Planet der Affen: Survival
Originaltitel: War for the Planet of the Apes
Regie: Matt Reeves
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Andy Serkis, Woody Harrelson, Amiah Miller

Einige Jahre nach dem Ausbruch der sogenannten Affengrippe scheint eine Koexistenz zwischen Affen und Menschen unmöglich – erst recht nach dem brutalen Angriff des rachsüchtigen Koba (Toby Kebbell) auf die Überlebenden in San Franciso. Doch Koba ist tot und der Schimpanse Caesar (Andy Serkis) führt nach wie vor seine Gruppen Affen an. Inzwischen droht Gefahr von einer anderen Seite: Eine Militäreinheit namens „Alpha-Omega“ versucht, die Affen in den Wäldern aufzuspüren und zu töten. Angeführt werden die Militärs von einem fanatischen Colonel (Woody Harrelson), der in dem Konflikt eine schier religiöse Verpflichtung sieht. Caesar, bislang um Frieden und Toleranz bemüht, wird vor schwere Prüfungen und Entscheidungen gestellt.

Die aktuelle Blockbusterlandschaft ist von eher trostlosem Charakter – und ähnlich spritzig war der diesjährige Kinosommer. Doch hin und wieder gibt es Lichtblicke. Einer davon ist der dritte Teil der neuen „Planet der Affen“-Trilogie. Bereits die beiden vorherigen Filme habe ich sehr genossen und dementsprechend habe ich mich auf den Abschluss der Trilogie gefreut. Ich wurde nicht enttäuscht.

Zunächst muss das angesprochen werden, was von der ersten Sequenz an ins Auge sticht: Die Technik. Bereits die Vorgänger haben 2011 und 2014 für Aufsehen gesorgt. Doch 2017 übertrifft sich Weta Digital (die Effekt-Firma wurde vor allem durch die „Herr der Ringe“-Trilogie bekannt) nochmal selbst. Realistischer sahen die Affen, aufwendig durch Motion-Capture-Verfahren zum Leben erweckt, noch nie aus. Die Details – beispielsweise die Mimik oder das nasse Fell – haben mich stark verblüfft. Besser kann es eigentlich nicht werden, doch das dachte man 2011 und 2014 ja auch schon. Der optische Genuss wird durch eine gelungene Kameraführung und den wie immer guten Soundtrack von Michael Giacchino unterstützt. Die Musik vermittelt Größe, überzeugt aber vor allem in den persönlichen und emotionalen Szenen zwischen einzelnen Charakteren. Überhaupt ist der Film eher ruhiger und lässt sich Zeit, die Action wird wohl dosiert eingesetzt, dann aber durchaus knackig.

In Sachen Story könnten die Trailer auf eine falsche Fährte führen: Auf der einen Seite Affen, auf der anderen Menschen, alles spielt irgendwie im Wald – das kennt man doch schon. Doch das täuscht. Ich möchte aus Spoilergründen nicht zu viel verraten, doch die Handlung bietet einen Twist, welcher die gesamte Science-Fiction-Thematik der Filmreihe auf ein neues Level hebt. Eben jenen Twist fand ich derart interessant, dass ich aus der Richtung gerne noch mehr erfahren hätte. Womöglich hat man es sogar verpasst, am Ende des Films einen entsprechenden Wow-Effekt zu präsentieren. Aber nichtsdestotroz bin ich mit der Handlung zufrieden. Mindestens ebenso wichtig wie die Story sind die Charaktere im finalen Affen-Film. Egal ob Hauptfigur Caesar, der unverwüstliche Rocket (Terry Notary) oder Orang-Utan Maurice (Karin Konoval), die gute Seele der Trilogie – irgendwie hat man sie alle ins Herz geschlossen. Und obwohl es eigentlich nur animierte Affen sind, geht man als Zuschauer emotional mit und hofft, dass alle am Ende noch leben. Da es in erster Linie Caesars Reise ist, wird seinem Charakter natürlich besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Seine Situation ist derart schwer, dass er sich zwischen Toleranz oder Zorn entscheiden muss – aber mehr soll an dieser Stelle nicht gesagt werden.

Die Probleme des Films sind eher kleinerer Natur und auch eine Frage des Geschmacks. Beispielsweise gibt es einen Charakter namens Böser Affe (Steve Zahn), der in seiner schusseligen Art die zugegeben recht depressive Stimmung auflockern soll. Manchmal funktioniert das auch – manchmal aber auch gar nicht. Das sind dann so Momente, die zumindest mich etwas aus dem Film reißen. Hinzu kommen ein paar kleinere Längen im Mittelteil, aber im Grunde ist das nichts, was man dem Film mächtig ankreiden könnte.

Fazit: Alles in allem hat uns Regisseur Matt Reeves wieder einen guten Blockbuster geliefert – und darüber hinaus die Trilogie absolut zufriedenstellend abgeschlossen. Besonders oft passiert das Filmreihen ja nicht. Zwar lässt man sich auch hier ein paar gar nicht mal so uninteressante Hintertürchen offen, aber in erster Linie ist es doch die Geschichte Caesars, die hier zum Abschluss kommt. Ich verteile starke 8 von 10 Popcornguys und empfehle den Gang ins Kino – falls der Film bei euch noch läuft.

Wonder Woman

Titel: Wonder Woman
Originaltitel: Wonder Woman
Regie: Patty Jenkins
Musik: Rupert Gregson-Williams
Darsteller: Gal Gadot, Chris Pine, Connie Nielsen

Während einer Auseinandersetzung mit dem klingonischem Imperium muss Captain James T. Kirk (Chris Pine) in einer Rettungskapsel die Enterprise verlassen. Der junge Sternenflotten-Kapitän gerät in ein Wurmloch und landet auf der Erde zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Trotz seiner amerikanischen Wurzeln kann sich Kirk als Brite tarnen und sogar als Spion die deutsche Wehrmacht infiltrieren. Der Zeitreisende beobachtet mit wachsender Sorge die Aktivitäten eines deutschen Generals namens Erich Ludendorff (Danny Huston), der zusammen mit der Chemikerin Isabel Maru (Elena Anaya) ein neues, unglaublich tödliches Giftgas entwickelt. Kirks Tarnung fliegt letztendlich auf und er muss fliehen. In der Nähe einer Mittelmeer-Insel stürzt sein Flugzeug ab und der Sternenflotten-Kapitän wird von einer jungen Amazone namens Diana (Gal Gadot) gerettet. Kirk betritt eine ihm fremde, aber optisch recht ansprechende Welt: Starke, von Göttervater Zeus abstammende Frauen üben sich in der Kriegskunst und warten auf die Rückkehr von Kriegsgott Ares, ihrem alten Feind. Kirk erzählt den Amazonen vom Krieg, woraufhin Diana eine Entscheidung fällt. Sie verlässt ihre Insel und begleitet den Mann nach London, da sie in all den Geschehnissen das böse Wirken von Ares sieht. Der Sternenflotten-Kapitän kann seine attraktive Retterin nicht an diesem Plan hindern, und doch muss er sich allmählich fragen, ob nicht sein eigenes Verhalten in der Vergangenheit eine massive Verletzung der Obersten Direktive darstellt.

Das Drama mit DC

DC hat es nicht leicht mit seinem Filmuniversum. Angefangen hat es ja vor einigen Jahren mit „Man Of Steel“, der neuen und realistischen Interpretation von Superman. Leider beschäftigte sich der Film hauptsächlich damit, Henry Cavill – ausgestattet mit maximal zwei Gesichtsausdrücken – durch eine relativ lieblose Handlung zu manövrieren, um sich dann am Ende in brachialer Action selbst zu ertränken. Zack Snyders realistischer Ansatz ging nicht ganz auf. Ein wenig später folgte mit „Batman v Superman“ das Aufeinandertreffen von Batman und Superman, Dcs größter Helden. Dank Ben Affleck war dieser Film ein wenig besser als „Man Of Steel“, allerdings war er am Ende zu überladen und litt immer noch unter der ungünstigen Charakterauslegung des Stählernen. „Batman v Superman“ lässt sich vielleicht mit einem an und für sich vielversprechenden Typen vergleichen, der sich beim Wohnungsumzug einfach um zwei oder drei Kartons verschätzt und deswegen die Treppen runterfällt – allerdings in Slow Motion und mit einem Badass-Spruch auf den Lippen. Der letzte Film aus dem DC-Filmuniversum war dann „Suicide Squad“, bei welchem es phasenweise schwer war, überhaupt eine anständige Filmstruktur zu erkennen.

Wonder Woman – Das Vorfeld

„Wonder Woman“ soll es also nun richten. Mein Problem: Eigentlich mag ich Wonder Woman nicht besonders. Das fängt beim Kostüm an, geht bei der seltsamen Verwurstelung griechischer Mythologie weiter und hört bei Dingen wie dem „Lasso der Wahrheit“ oder dem „Unsichtbaren Flugzeug“ auf. Gal Gadots erster Auftritt als Wonder Woman in „Batman v Superman“ hat mich nun auch nicht gerade heiß auf ihr Solo-Abenteuer gemacht. Sie war zwar nicht nervig, wie befürchtet, dafür aber überflüssig. Trotzdem wollte ich dem Charakter in einem anderen Medium noch eine Chance geben und habe es mit dem einsteigerfreundlichen Comic aus der „Earth One“-Reihe probiert. Mit Superman hat das damals funktioniert – mit Wonder Woman leider nicht.

Als schließlich die ersten seriösen Kritiken zu „Wonder Woman“ eintrudelten, war meinerseits die Überraschung recht groß. Der Film kam sehr gut an, wurde stellenweise sogar in den Himmel gelobt und kam als eine Art Messias für das – zumindest aus Kritiker-Sicht – gebeutelte DC-Filmuniversum rüber. An der Stelle konnte man sich viele Fragen stellen, denn die Fronten zwischen Filmkritikern und den „echten“ DC-Fans waren in der Internet-Diskussion ja recht verhärtet. Was war nun los? Wer hat Recht? Aus Fan-Perspektive haben die Kritiker doch sämtliche DC-Filme in der Luft zerrissen. Sollte „Wonder Woman“ dem „echten“ DC-Fan dann nicht logischerweise gar nicht gefallen? Und hängen die guten Kritiken denn wirklich mit der Qualität des Films zusammen? Oder gibt es – da es eine Comicverfilmung von einer Frau mit einer Frau und mit einem potentiellen weiblichen Publikum ist – eine Art Kritiker-Bonus? Ich muss zugeben, ganz uninteressant sind diese Fragen nicht, beziehungsweise können sie dem persönlichen Amusement dienlich sein.Trotzdem wollte ich mich vor dem Kinobesuch ganz bewusst von dieser politischen Aufladung distanzieren und den Film als solchen wahrnehmen. Ich hoffe, dass mir das gelungen ist.

Wonder Woman – Die grobe Struktur

Was genau haben wir denn nun mit „Wonder Woman“? Auf den ersten Blick ist der Film eine recht klassische Origin-Geschichte und insofern gefällig strukturiert. Am Anfang lernt man Diana und die Welt der Amazonen kennen. Im weiteren Verlauf des Films wird die Hauptfigur mit der realen Härte des Ersten Weltkriegs konfroniert. Charaktere verändern ihre Beziehungen zueinander, Nebencharaktere werden vorgestellt, es gibt ein paar Entwicklungen, den ein oder anderen gelungenen Witz und sogar ein paar wirklich emotionale Momente. Am Schluss steht der obligatorische CGI-Showdown, wobei dieser nicht ganz so schlimm ist, wie man es von anderen Genre-Vertretern kennt. Die Effekte sind mal mehr, mal weniger gut, der Soundtrack ist relativ klassisch und unterstützt die Bilder passend, fällt aber ansonsten nicht weiter auf – wenn man mal von diesem rockigen Riff absieht, welches bereits aus „Batman v Superman“ bekannt ist. Die Action ist befriedigend inszeniert, wobei es für meinen Geschmack die Slow Motion nicht gebraucht hätte. So viel also zur Struktur, die oberflächlich betrachtet Hand und Fuß hat.

Charaktere, Gal Gadot und Ideale

Die Nebenfiguren auf der Seite unserer Helden bleiben für mein Empfinden relativ blass und ziehen den Film in der Mitte ein wenig in die Länge. Zumindest war ich hier gedanklich ein paar Mal ganz woanders. Einen recht glaubwüdigen Auftritt legt dagegen Chris Pine in der Rolle des Steve Trevor hin. Auffällig ist auch die gute Chemie zwischen ihm und der Hauptdarstellerin, womit ich bei einem der wichtigsten Punkte dieser Kritik angekommen wäre: Gal Gadot. Ganz offensichtlich ist sie eine bildhübsche und unheimlich attraktive Frau. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, aber in diesem Fall verweigere ich eine Diskussion. Allerdings macht eine gute Optik allein ja noch keine gute Schauspielerin. Und hier muss man meiner Meinung nach differenziert herangehen. Auch durch „Wonder Woman“ kann ich in Gal Gadot noch keine Darstellerin erkennen, die eines Tages für eine innerlich zerrissene oder wahnsinnig anspruchsvolle Rolle verdient mit dem Oscar ausgezeichnet wird. Doch das stört an dieser Stelle so gut wie gar nicht. Wonder Womans Charakter begegnet der Welt außerhalb der Amazonen-Insel überrascht, geschockt, stoisch und gewissermaßen naiv. Insofern kommt die vermeintlich einfach gestrickte Rolle Gal Gadots durchschnittlicher Schauspielkunst gut entgegen. Man nimmt ihr den Charakter ab und hat eine Freude dabei, mit ihr durch die Handlung zu gehen. Und allein dadurch schlägt „Wonder Woman“ die Konkurrenz im Hause DC schon mal deutlich.

Weniger glücklich bin ich mit den meisten Figuren auf der Seite der Gegenspieler. An der Stelle muss ich mich fragen, wann es denn überhaupt den letzten wirklich geilen Bösewicht in einer Superheldenverfilmung gab. War das denn tatsächlich der Joker in „The Dark Knight“? Wie dem auch sei, die menschlichen Antagonisten in „Wonder Woman“ erhalten kaum Hintergrund oder Substanz und sind daher austauschbar. Kriegsgott Ares wird aufgrund seiner optischen Inszenierung auch nicht lange im Gedächtnis bleiben. Allerdings zeigt der Showdown mit ihm Aspekte des Films auf, die „Wonder Woman“ für mich besser als die meisten Marvel-Abenteuer machen. Zunächst einmal vertritt Ares eine Philosophie, an der sich die Ideale Wonder Womans messen müssen. Er ist also nicht nur eine physische, sondern vor allem eine psychologische Herausforderung. Ares zwingt Wonder Woman dazu, zu dem zu stehen, was sie als Charakter ausmacht, nämlich ihr Glaube an die Liebe und an das Gute in jedem Menschen. Natürlich muss sie im Film die Erfahrung machen, dass das mit Gut und Böse nicht immer so einfach ist. Wonder Woman werden die vielen Graustufen in der Moral des Menschen bewusst gemacht. Und natürlich stößt eine Figur wie sie auf den vermeintlich abgeklärten Realismus, beziehungsweise Zynismus des Publikums. Da ist die Gefahr groß, dass ein idealistischer Charakter wie Wonder Woman schnell als naiv oder gar dumm abgestempelt wird. Vor allem, wenn der Protagonist – im Gegensatz zu Marvel – eben nicht die eigenen Ideale durch augenzwinkernden Sarkasmus oder witzige One-Liner relativiert. Das Ganze hätte also leicht schief gehen können, aber ich würde sagen, dass die Rechnung aufgegangen ist. „Wonder Woman“ geht das Risiko ein, aber steht am Ende mit einer ehrlichen und optimistischen Heldin da, der man ihre Ideale ansieht und abnimmt. Also genau das, was Henry Cavills Superman meiner Meinung nach gebraucht hätte.

Fazit

„Wonder Woman“ ist ein überaus unterhaltsamer und auch wichtiger Blockbuster, wenn es um die Gleichberechtigung im Filmgeschäft geht – nicht in erster Linie, was Frauen vor der Kamera betrifft, sondern eher, was Frauen dahinter angeht. Regisseurin Patty Jenkins hat es geschafft, mit einem hohen Budget einen Blockbuster zu drehen, der die meiste vergleichbare Konkurrenz hinter sich lässt. Sicherlich ist es Quatsch, zu sagen, dass Frauen nun allgemein die besseren Superheldenverfilmungen liefern. Schließlich gab es dieses Jahr ja auch „Logan“. Allerdings würde ich hinter der Aussage stehen, dass uns Jenkins im Gegensatz zu Zack Snyder den besseren Superman geliefert hat – nur eben mit Rock und Brüsten. Es gibt von mir knappe, aber verdiente 8 von 10 Popcornguys.

Suburra

Titel: Suburra – 7 Tage bis zur Apokalypse
Originaltitel: Suburra
Regie: Stefano Sollima
Musik: M83
Darsteller: Pierfrancesco Favino, Greta Scarano, Alessandro Borghi

Rom, 2011: Der Küstenvorort Ostia soll in eine Art Las Vegas umgewandelt werden, wobei hinter den Kulissen ein berüchtigter römischer Gangster die Fäden zieht. Ein Abgeordneter, der als Politiker in die Prozesse verwickelt ist, verbringt eine Nacht mit zwei Prostituierten und Drogen. Eine der Frauen überlebt den Abend nicht, ihre Leiche muss verschwinden. Die löst eine Reihe von Ereignissen aus, bei welchen die verschiedensten kriminellen Kräfte Roms aneinander geraten und sich bekriegen. Die Lage spitzt sich immer weiter zu, und gerade die kleinen Nummern, die nicht viel mehr als Bauern im Schachspiel der Mächtigen sind, müssen ums Überleben kämpfen.

Es fällt mir immer häufiger auf, dass viele der wirklich guten Kinofilme im Jahr total unter dem Radar der breiten Masse laufen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist “Suburra”. Der italienische Mafia-Thriller wurde in der herausragenden Sendung “Kino+” empfohlen, was mich zum Kauf der Blu-ray bewegt hat. Ich sollte es nicht bereuen.

“Suburra” mag eine italienische Produktion sein, schließt aber mühelos an die großen Hollywood-Thriller eines Martin Scorseses an. Die Handlung ist einigermaßen komplex und erfordert die Aufmerksamkeit des Zuschauers. Verschiedenste Personen geraten in ein verwirrendes und oftmals tödliches Netz aus Intrigen, Korruption, Rache und Macht. Obwohl sämtliche Charaktere Dreck am Stecken haben, bekommt nahezu jede Figur auch ihre menschlichen Momente und wird damit nachvollziehbar. Einigen drückt man sogar die Daumen, man wünscht sich, dass sie irgendwie heil aus der Sache rauskommen. Die Schauspieler – mir durch die Bank unbekannt, da es Italiener sind – liefern allesamt eindrucksvolle, intensive und glaubwürdige Darstellungen ab. Regisseur Sefano Sollima inszeniert die Geschichte, die sich in einem Zeitraum von sieben Tagen abspielt, mit großer Spannung. Bereits am Anfang des Films wird in Schriftzügen angekündigt, dass am Ende die Apokalypse steht. Und so darf man sich auf einen Schluss voller Härte und Brutalität einstellen. Dabei bleibt die wohl dosierte Action allerdings immer Mittel zum Zweck, die Charaktere und die Handlung geraten nie aus dem Fokus.

Der Look des Films ist großartig. Sollima hat zusammen mit Kameramann Paolo Carnera eindrucksvolle Bilder und Fahrten voll von betörender Schönheit entworfen. Die äußerst ästhetische Optik wird perfekt von vielen Songs der französischen Electronic- und Dreampop-Band M83 unterstüzt. Die sphärischen Klänge dieser Musik vermitteln Größe und Magie, wobei sie oft im krassen Gegensatz zur eigentlichen Grausamkeit von “Suburra” stehen. Doch genau dieser Kontrast trägt wohl dazu bei, dass der Film – wie bereits erwähnt – trotz aller Härte seltsam menschlich und gefühlvoll wirkt.

Fazit: Ich spreche für “Suburra” eine klare Empfehlung aus und verteile starke 9 von 10 Popcornguys. Alle Fans von guten Thrillern – oder vielleicht sogar allgemein Fans guter Filme – sollten hier zugreifen und diesen wunderbaren Film aus Italien unterstützen.