HELL

Titel: Hell
Regie: Tim Fehlbaum
Musik: Lorenz Dangel
Darsteller: Hannah Herzsprung, Lars Eidinger, Stipe Erceg, Lisa Vicari

Hier der Trailer

Einst spendete sie Leben, Licht und Wärme. Doch nun hat die Sonne die Erde mit ihrer entfesselten Strahlkraft in verdörrtes, lebloses Ödland verwandelt. Deutschland ist nicht verschont geblieben. Wälder sind versengt, Tierkadaver säumen die Straßen. Nur wer sich gegen das blendende Licht der Sonne schützt, hat eine Chance zu überleben. Wie Marie, die mit ihrer kleinen Schwester Leonie und Philip in einem abgedunkelten Auto Richtung Gebirge fährt: Dort, so heißt es, soll es noch Wasser geben. Unterwegs schließt sich der Gruppe der mysteriöse Tom an. Er erweist sich als unentbehrlich, denn sie lernen bald, dass das grelle Sonnenlicht nicht das einzige ist, wovor es sich zu fürchten gilt.

Der Schweizer Tim Fehlbaum lieferte mit „Hell“ kurz nach seinem Studienabschluss sein Spielfilmdebüt ab. Nun, also: Ein Endzeitthriller aus deutscher Produktion, auch noch in deutschem Setting – funktioniert das? Ich sage das funktioniert hervorragend. Ein derart stimmiges Setting erlebt man nicht oft – die Drehorte passen wie die Faust aufs Auge. Das ist für mich umso überraschender, da ich nach dem Film die Drehorte ausgecheckt habe, und feststellen musste, dass der Streifen hauptsächlich im Bayerischen Wald gedreht wurde – meiner Heimat.
Hier wurde also ganze Arbeit geleistet, der Rahmen passt schonmal. Schauspielerisch glänzt zwar keiner der wenigen Charaktere besonders hervor, doch leisten alle solide Arbeit, die man auch abnimmt. Das düstere Setting, der Kampf ums Überleben, die letzten Hoffnungsfunken, all das steht den Figuren ins geschundene Gesicht geschrieben – eine Atmosphäre, die im Film vorherrscht.

Nicht nur das gleißende Sonnenlicht und der stetige Wassermangel sind das Problem, sondern auch die Menschen. Die Gier nach Überleben bringt das tiefste, dunkelste der menschlichen Seele hervor – das müssen unsere Protagonisten nur allzu schmerzlich erfahren.

„Hell“ erfuhr im deutschsprachigen Raum großen Zuspruch – und das kann ich nur begrüßen! Viele Projekte aus deutscher Hand, vor allem diverse Fernsehproduktionen übernehmen sich oft mit übergroßen Themen – und vertiefen nur ihr Bild als billiger Abklatsch großer Hollywoodblockbuster. Nicht so „Hell“ – dieser Film kann sich – trotz oder gerade wegen seiner schlichten Machart mit den großen Genrevertretern messen.
Natürlich erreicht er nicht den actionreichen Anspruch eines „Book of Eli„, auch nicht die tief bedrückende Atmosphäre eines „The Road„, aber er liefert uns spannende Unterhaltung, und das verdient

7 von 10 Popcornguys!

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Invasion

Titel: Invasion
Regisseur: Oliver Hirschbiegel
Musik: John Ottman
Darsteller: Nicole Kidman, Daniel Craig

Hier der Trailer

Eine gewaltige Explosion zerreißt den Himmel zwischen Dallas und Washington D.C. Die Trümmer des zerborstenen Spaceshuttles Patriot regnen auf die USA herab. Die Behörden bekommen die Katastrophe zwar sofort unter Kontrolle, doch bald tauchen Gerüchte auf, dass an den Wrackteilen eine merkwürdige Substanz klebt: Sie hat die extreme Kälte des Weltraums ebenso überstanden wie die glühende Hitze beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und wer mit ihr in Berührung kommt, ist nicht mehr derselbe. Die Psychaterin Caroll Bennell (Nicole Kidman) und ihr Kollege Ben (Daniel Craig) kommen einer extraterrestrischen Epidimie auf die Spur: Sporen unbekannter Herkunft verändern die Menschen, während sie schlafen. Die Infizierten verlieren jedes menschliche Gefühl, ohne sich dabei äußerlich zu verändern. Carols verschwundener Sohn könnte der Schlüssel zur Rettung sein.

„Invasion“ war an den Kinokassen alles andere als erfolgreich. Von Kritikern förmlich zerrissen konnte dem Streifen von anfang an wenig Chancen zugerechnet werden. Warum das so ist, kann ich persönlich nicht recht beurteilen. Meines Erachtens lieferte uns der deutsche Regisseur Hirschbiegel nämlich einen Actionthriller, der sich sehen lassen kann. Nicht nur die Action stimmt, auch die nötige Prise Horror ist hier vorhanden. Da ich momentan wieder einmal in meinem Zombie-Hype (The Walking Dead!!) bin, fällt es mir nicht schwer einen Vergleich zur Zombieapokalypse zu ziehen. Die letzten „Überlebenden“, sprich die normal gebliebenen, müssen um jeden Preis verhindern, einzuschlafen. Um zu überleben, müssen sie sich so unauffällig wie möglich durch die willenlos gewordene Masse bewegen. Freunde und Familie sind Teil der emotionslosen Gestalten geworden – niemandem ist mehr zu vertrauen. Beklemmung pur, die der Film wirklich gut spüren lässt. Gleichzeitig wird uns eine gute Alternative zum üblichen Ausserirdischen-Einheitsbrei serviert. Der Feind tritt auf in Form einer unauffälligen, klebrigen Masse. Keine schleimigen Aliens hocken in ihren Schiffen, polieren ihre Laserwaffen und schmieden Pläne, das Universum zu erobern. Gleich einer Infektion verbreitet sich diese unheimliche Substanz unter den Menschen, welche sich nach und nach selber zum Feind werden. Dies ist nämlich die große Gefahr: Wer sich nicht anpasst wird gnadenlos infiziert – es gibt kein Entkommen.

Der Horror scheint kein Ende zu nehmen: Carol muss mitansehen, wie nach und nach jeder aus ihrem Bekanntenkreis dem Virus zum Opfer fällt. Dennoch tut sie, was jede verzweifelte Mutter tut – sie kämpft weiter, um ihren Sohn zu retten.
In diesem Sci-Fi-Thriller stimmt fast alles, und besonders der Schluss lässt uns mit einer erschütternden Frage sitzen, welcher aus dem Inhalt des Films nicht nur exzellente Unterhaltung macht, sondern wesentliche Probleme menschlichen Zusammenlebens thematisiert.

9 von 10 Punkten!

Cloverfield

Titel: Cloverfield (Originaltitel: Cloverfield)
Regisseur: Matt Reeves
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Michael Stahl-David, Odette Yustman, Lizzy Caplan

Hier der Trailer.

Der visionäre Produzent J.J. Abrams (Lost) und Regisseur Matt Reeves schufen die weltweite Sensation, über die jedermann redet: Adrenalinschübe und Spannung nonstop!

Selten löste ein Film einen derartigen Internet-Hype aus wie „Cloverfield“. J.J. Abrams, der spätestens seit „Lost“ als ein Meister der Geheimhaltung bezeichnet werden kann, schürte über vielerlei Medien eine Marketingkampagne, durch welche die zahlreichen Fans der Online-Gemeinschaften in wilde Spekulationen darüber verfielen, um was es denn in „Cloverfield“ eigentlich geht. Doch ob der Film dem Hype gerecht werden konnte, musste sich erst zeigen.

In „Cloverfield“ geht es in erster Linie um Rob Hawkins, der wegen einem Stellenangebot New York verlassen und nach Japan ziehen will. Seine Freunde organisieren für ihn eine Abschiedsparty, welche die ersten Minuten des Films einnimmt und zur Einführung der Charaktere dient. Neben Rob Hawkins lernt man seinen besten Freund Hud, Robs Bruder Jason, dessen Freundin Lily und die Bekannte Marlena kennen. Hud bekommt noch im Vorfeld der Party eine Kamera in die Hand gedrückt, mit welcher er den Abend festhalten soll. Somit sieht der Zuschauer den gesamten Film aus der Perspektive des Amateurfilmers. Die Party wird vom Konflikt zwischen Rob und seiner großen Liebe Beth getrübt, die zunächst mit ihrem neuen Partner auftaucht, die Feier dann jedoch wieder verlässt. Nach diesem anfänglichen Hin und Her nimmt der Film aber rasend an Tempo auf: New York erbebt, die Lichter der Stadt fallen aus, eine Explosion ist im Hafen zu sehen und der abgerissene Kopf der Freiheitsstatue wird durch die Straßen geschleudert. Eine riesige Kreatur ist aufgetaucht und beginnt zu toben. Die Menschen in Manhattan werden vom machtlosen Militär evakuiert, doch die bekannte Gruppe verfolgt einen anderen Plan: Beth, die die Abschiedsfeier verlassen hat, wurde in ihrer Wohnung verletzt und kann nicht fliehen. Rob möchte alles daran setzen, seine große Liebe zu retten – und muss dabei permanent um sein Leben laufen, während sich der Kampf des Militärs gegen das Monster weiter zuspitzt.

So groß der Hype um „Cloverfield“ auch war, die Meinungen und Kritiken gingen dennoch weit auseinander. Oft ist zu lesen, dass der Handkamerastil bemängelt wird – doch dies ist meiner Meinung nach der wirklich große Pluspunkt des Films. Die eigentliche Handlung ist nämlich sehr einfach und macht an und für sich nicht viel her, denn Monster- und Katastrophenfilme gibt es schon genug. Aber dadurch, dass man die gesamte Geschichte nur durch die Perspektive Huds mitbekommt, ergeben sich einige erfrischende Aspekte abseits der Hollywood-Klischees. So möchte „Cloverfield“ in keinster Weise eine Erklärung liefern, was genau es mit diesem Monster und seiner Herkunft auf sich hat – der Zuschauer tappt bis zum Schluss ebenso im Dunkeln wie die Protagonisten. Ein weiterer Vorteil, den die Handkamera mit sich bringt, ist die dichte und realistische Atmosphäre. Man kann sich an der Stelle natürlich fragen, ob es denn wahrscheinlich ist, dass ein Typ Schmerz, Leid und Tod seiner Freunde in einer solchen Situation bis ins letzte Detail filmt, aber irgendetwas möchte man im Film ja schließlich doch sehen.

Auch wenn der Handkamerastil bereits in Filmen wie „Blair Witch Project“ verwendet wurde, erschuf Produzent J.J. Abrams einen meiner Meinung nach sehr gelungenen Katastrophenfilm mit erfrischenden Elementen und ausreichend Raum zu eigener Spekulation. Ein wenig Abzug gibt es deswegen, da es die Machart und das Tempo des Films es nicht ermöglichen, ausreichend Empathie mit den Hauptfiguren zu entwickeln – trotz sympathischer Schauspielleistung. Erwähnt werden sollte außerdem noch Michael Giacchinos Soundtrack, der konsequenterweise erst während des Abspanns ertönt – dafür aber ebenso gewaltig wie das Monster ist. Ich verteile acht von 10 Popcornguys.