Lady Macbeth

Titel: Lady Macbeth
Originaltitel: Lady Macbeth
Regie: William Oldroyd
Musik: Dan Jones
Darsteller: Florence Pugh, Cosmo Jarvis, Naomi Ackie

England, 1865: Die junge Katherine (Florence Pugh) wird mit dem reichen, aber bedeutend älteren Minenbesitzer Alexander (Paul Hilton) verheiratet. Es zeigt sich schnell, dass dieser von der Ehe nicht sonderlich begeistert ist und wenig Interesse an seiner Gemahlin hat. Gemäß des damaligen Frauenbildes behandelt er Katherine wie seinen Besitz und untersagt ihr, das Haus zu verlassen. Die junge Frau ist in der sozialen und auch räumlichen Enge gefangen und verfällt in einen eintönigen Trott. Erst als Ehemann und Schwiegervater Boris (Christopher Fairbank) das Haus aus beruflichen Gründen verlassen, kann sie durchatmen und ihrem Hausarrest entkommen. Draußen trifft sie auf Sebastian (Cosmo Jarvis), einen Arbeiter auf Alexanders Anwesen, der wegen seiner rohen und direkten Art sehr anziehend auf Katherine wirkt. Die beiden beginnen eine stürmische Affäre.

Wenn man das Wort „Kostümfilm“ hört, mag der ein oder andere gähnen und abwinken. Und ja, „Lady Macbeth“ ist ein Film der ruhigen Sorte – doch er hat es in sich. Und zwar so richtig. Von den guten Kritiken angelockt, habe ich mich ins Kino begeben und mir das Spielfilm-Debut von Regisseur William Oldroy angesehen. Dieser hat vorher einige Kurzfilme gedreht, vor allem aber Erfahrung am Theater gesammelt. Insofern scheint der Filmtitel perfekt zu passen, doch Shakespeare sollte man nicht direkt erwarten. „Lady Macbeth“ ist vielmehr die Verfilmung der russischen Novelle „Die Lady Macbeth von Mzensk“, die als wichtiges Werk der Emanzipation gilt. Gekonnt lässt Oldroy mit der starren Kamera schöne, aber gleichzeitig auffällig unterkühlte Bilder einfangen, die gut zur Enge der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts passen. Alles hat seinen Platz, nicht nur das Mobiliar, sondern auch die Menschen, die mehr oder weniger leblos ihre vorgebene Rolle spielen. Eine jedoch bringt das Gefüge durcheinander: Katherine.

Und hier ist man beim Dreh- und Angelpunkt des Films angelangt. Katherine, von der Newcomerin Florcence Pugh wunderbar nuanciert gespielt, möchte aus dem gesellschaftlichen Korsett ausbrechen und sich selbst verwirklichen. Dass sie rebelliert, merkt der Zuschauer recht schnell. Und als aufgeklärter Mensch des 21. Jahrhunderts wünscht man dieser jungen und mutigen Dame auf der Kinoleinwand natürlich jeden Erfolg. Dabei ist es erwähnenswert, dass Katherine nicht aus der Zeit gefallen erscheint, sondern trotz ihres unzeitgemäßen Bestrebens fest in ihrer Epoche verwurzelt ist. Sie wirkt realistisch und nicht wie ein innerfilmischer Fremdkörper, der in bizarrer oder aufdringlicher Weise eine moderne Anschauung präsentieren. Das fand ich sehr angenehm. Doch meine Sympathien gegenüber Katherine verflogen während des Films zunehmend. Wer davon ausgeht, dass wir hier eine Filmheldin haben, die sich in bewunderswerter und vorbildhafter Weise ihre Rechte erkämpft, wird schnell eines Besseren belehrt. Katherine entpuppt sich als eiskalt und berechnend, sie spielt die Menschen in ihrem Umfeld bitterböse gegeneinander aus und profitiert in ihrer Emanzipation ironischerweise davon, dass andere nicht aus ihrer sozialen Position ausbrechen können. Ich möchte auf keine weiteren Details eingehen, aber letztendlich haben wir es hier meiner Meinung nach mit einer waschechten Antiheldin zu tun, deren Verhalten zwar nachvollziehbar, aber alles andere moralisch ist. Ein Film, der seine Protagonistin nach und nach zu einer Unsympathin macht, ist in jedem Fall mutig und riskiert viel. Doch glücklicherweise ist die Rechnung in „Lady Macbeth“ aufgegangen und liefert darüberhinaus einige Denkanstöße. Beispielsweise könnte man sich nun fragen, ob die moralischen Vergehen Katherines nicht auch einfach nur ein Ergebnis der engen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts ist.

Fazit: Das Drama „Lady Macbeth“ ist die Charakterstudie einer höchst interessanten, aber auch abschreckenden Frau, welche provokant und mutig mit den Zuschauererwartungen spielt. Die schönen, aber kühlen Bilder unterstützen den Inhalt, doch getragen wird der Film hauptsächlich von der beeindruckenden Darstellung von Florence Pugh. Ich vergebe 8 von 10 Popcornguys an diese starke Überraschung im ausgehenden Kinojahr.

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Atomic Blonde

Titel: Atomic Blonde
Regisseur: David Leitch
Musik: Tyler Bates
Dasteller: Charlize Theron, James McAvoy, John Goodman

Berlin 1989. Kurz vor dem Fall der Mauer spitzt sich die Situation in der geteilten Stadt immer mehr zu. Während die Öffentlichkeit ihre Aufmerksamkeit auf die Proteste in Ostberlin richtet, kämpfen die verschiedenen Geheimdienste um wertvolle Informationen auf beiden Seiten der Mauer. Als ein MI6-Agent erschossen wird und eine wertvolle Liste mit ihm verschwindet, wird die Agentin Lorraine Broughton (Charlize Theron) angesetzt, um gemeinsam mit ihrem exzentrischen Kollegen David Percival (James McAvoy) die gestohlenen Informationen wieder zu beschaffen, bevor sie größeren Schaden anrichten können.

David Leitch, der in der Vergangenheit hauptsächlich als Stuntman vor der Kamera stand, versucht sich nun seit einigen Jahren im Regiestuhl. Mit seiner Mitarbeit an JohnWick und als Second-Unit-Director für diverse Blockbuster hat er sich schon einen Namen gemacht, sodass er den Teaser für Deadpool 2, und schließlich auch den ganzen Film inszenieren durfte. Vorher nahm er sich jedoch noch der Verfilmung einer Graphic Novel an: The Coldest City bzw. Atomic Blonde.

Seine Erfahrungen in Sachen Stunt und Action kommen ihm hierbei nur allzu gelegen, denn diese ist – das kann man ohne Zögern sagen – wirklich gut gestaltet, und gipfelt in einer knallharten Actionsequenz, die mich nicht nur an „The Raid“ erinnerte, sondern in ihrer Härte und Offenheit zu einem direkten Vergleich herangezogen werden kann.

Ein ebenso gutes Händchen beweisen die Macher bei Atmosphäre und Kamerastil. Immer wieder lässt sich der Film ein wenig Zeit, Momente gekonnt einzufangen und mit dem richtigen 80er-Song zu untermalen. Auch wenn das alles etwas gar hochpoliert wirkt, und mehr wie eine 80er-Hommage als das tatsächliche Berlin der 1980er Jahre wirkt, versprüht der Film dennoch einen gewissen Charme.

Nicht nur Charzlize Theron glänzt als knallharte, attraktive Agentin auf ganzer Linie. Auch der restliche Cast (u.a. Toby Jones, Bill Skarsgard, Sofia Boutella, Eddie Marsan, Til Schweiger (!!!)) überzeugt voll und gibt uns mehr oder weniger interessante Charaktere an die Hand, über deren zusammenwirken wir uns immer wieder den Kopf zerbrechen. Hier offenbart sich die Schwäche des Films: Agententhriller sind selten einfach gestrickt, doch zwischen allen von Misstrauen geprägten Gesprächen zwischen den Figuren, ihren Beweggründen und überraschenden Wendungen verliert man irgendwann schlicht den Überblick. So ganz wollte sich die komplizierte Geschichte uns nicht erschließen. Grob konnten wir uns allerdings schon gut damit anfreunden, und die anderen Reize des Films konnten gut darüber hinweg trösten.

Fazit: Atomic Blonde ist ein guter, unterhaltsamer Agententhriller mit einigen ikonischen Bildern, perfekt inszenierter Aktion und mitreißendem Soundtrack. Auch wenn er nicht in die Geschichte eingehen wird, unterhält er auf beste Weise – klare Empfehlung mit 7 von 10 Popcornguys!

The Witch

Titel: The Witch
Originaltitel: The Witch
Regie: Robert Eggers
Musik: Mark Korven
Darsteller: Anya Taylor-Joy, Ralph Ineson, Kate Dickie

Neuengland im 17. Jahrhundert: Der strenggläubige William (Ralph Ineson) verlässt mit seiner schwangeren Frau und seinen vier Kindern die Siedlung, da ihm die Menschen dort nicht christlich genug leben. Die Familie baut in der Wildnis einen Hof auf und möchte das Land zähmen bewirtschaften. Katherine (Kate Dickie) bringt schließlich einen weiteren Sohn auf die Welt. Einige Zeit später passt die älteste Tochter Thomasin (Anya Taylor-Joy) auf das Baby auf, doch plötzlich und unerklärlich verschwindet das Kind im Wald. Die trauernde Familie geht zunächst von einem Wolfsangriff aus. Doch dann sprechen die jüngsten Kinder Williams einen anderen Verdacht aus, der immer mehr Fuß fassen kann: Eine Hexe hat das Baby gestohlen.

Es gibt kaum eine Begebenheit in der Geschichte, die interessanter und erschreckender ist als die der Hexenverfolgung. Zu keinem anderen Zeitpunkt vermischten sich Aberglaube, religiöser Fanatismus, Angst, Machtinteresse und Denunziation zu einem tödlicheren Cocktail. Die düstere Faszination für das Thema hält bis heute an. So werden Hexen auch immer wieder Gegenstand in Film und Fernsehen, allerdings häufig auf einer sehr oberflächlichen und plumpen Ebene. Der Trailer zu „The Witch“ versprach mir eine andere Herangehensweise – und ich wurde nicht enttäuscht.

Allerdings muss ich auch eine Warnung aussprechen: „The Witch“ ist alles andere als ein normaler Horrorfilm. Für gewöhnlich arbeitet das Genre ja mit billigen, aber effektiven Jump-Scares und Protagonisten, die mit einer übernatürlichen Macht konfrontiert werden, sich aufgrund ihrer Normalität aber so verhalten, wie es der Zuschauer auch tun würde. All das ist bei „The Witch“ nicht der Fall. Wer mit den falschen Erwartungen hinein geht, wird schnell enttäuscht werden. So lautete das Fazit meine Sitznachbarn: „Das war der beschissenste Horrofilm, den ich je gesehen habe.“

Man kann „The Witch“ nur genießen, wenn man sich von Anfang an auf einen Fakt einlassen kann: Die Menschen in dieser Zeit waren felsenfest davon überzeugt, dass es einen Teufel gibt, der mit Menschen Bündnisse eingeht und sie zu Hexen macht. Wenn man diese Denkweise nicht annehmen kann, bleibt der Film unnachvollziehbar und wirkt vielleicht sogar stellenweise komisch. Insofern ist der Film in erster Linie etwas für diejenigen Zuschauer, die sich für die tatsächlichen Umstände des Hexenglaubens interessieren – oder in anderen Worten: Etwas für Historiker und Theologen. Und bei diesem Publikum kann „The Witch“ so richtig punkten. Egal, ob es sich um Flugsalben, Tierzauber oder Hexensabbat handelt – der Film findet Mittel und Wege, diese abergläubischen Vorstellungen beklemmend und faszinierend zu visualisieren. Dabei vermischt sich die tatsächliche Handlung zunehmend mit der Einbildung der Charaktere. Auch der Zuschauer muss sich die Frage stellen, was nun wirklich geschieht und was nicht. Beziehungsweise bildet „The Witch“ gekonnt die Vorstellungen ab, die sich wirklich in den Köpfen der damaligen Menschen abspielten. Auch psychologisch Interessierte dürften auf ihre Kosten kommen, denn der Film lässt sich auch als komplexes Familiendrama verstehen.

Viele Elemente tragen zur hohen Authentizität von „The Witch“ bei. Die Dialoge bedienen sich bei historischen Dokumenten und Protokollen, was die Sprache zwar sperrig, aber auch echt wirken lässt. Die Schauspieler waren mir – bis auf Kate Dickie aus der Serie „Game of Thrones“ – gänzlich unbekannt, doch sie waren allesamt gut gewählt. Besonders loben möchte ich die ausdrucksstarke Anya Taylor-Joy, aber auch die jüngeren Kinderdarsteller, die eine absolut glaubwürdige Darstellung ablieferten. Der Look des Films ist düster und dreckig, Kamera und Soundtrack tragen ihren Teil zur unbehaglichen Stimmung bei. Insgesamt ist das Tempo eher gemächlich, für viele vermutlich zu langsam, doch ich empfand es inmitten all der gehetzt wirkenden Blockbuster als angenehme Abwechslung. Dennoch hätte ich mir den Plot an manchen Stellen etwas kerniger und komprimierter gewünscht.

Fazit: „The Witch“ ist kein schneller Schocker, sondern eine Arthouse-Perle, die ihr Publikum unter denjenigen finden wird, die sich gerne mit dem Thema Hexen aus historischer, theologischer oder psychologischer Perspektive beschäftigen. Es gibt ganz starke 8 von 10 Popcornguys!

Legend

Titel: Legend
Regisseur: Brian Helgeland
Musik: Carter Burwell
Darsteller: Tom Hardy, Emily Browning, David Thewlis

Die Zwillinge Reginald und Ronald Kray (Tom Hardy) sind die Könige des Londoner East End. Mit intelligenten Geschäften, aber auch mit brutaler Härte gehen die Gangster vor, um Rivalen auszuschalten und Geld einzutreiben. Ihr gefährliches Treiben wird nicht nur von Scotland Yard genau beobachtet, sondern auch von Frances (Emily Browning), die unsterblich in Reggie verliebt ist, und sich nichts als ein ruhiges, ehrliches Leben wünscht.

Die auf Tatsachen beruhende Geschichte der Kray-Zwillinge verfilmen, und dabei einen Schauspieler wie Tom Hardy in einer Doppelrolle besetzen – das kann man schonmal als Geniestreich bezeichnen. Regisseur Brain Helgeland, der sich in der Vergangenheit vor allem als Drehbuchautor für Filme wie L.A. Confidental, Mystic River und Man on Fire verdient gemacht hat, hatte genau das richtige Händchen dafür, Hardy in seine Rollen einzustimmen. Wobei sich alle Darsteller sehen lassen können, geht Hardy hier richtig auf, und so hat man beim Zusehen tatsächlich das Gefühl, bei Ronnie und Reggie ständig zwei verschiedene Personen vor sich zu haben. Reggie, der eher besonnene, konsequente und coole Geschäftsmann, und Ronnie, ein Psychopath, der in der Wut sofort zur Waffe greift, doch im nächsten Moment wieder in kindlichem Sanftmut nach dem Schutz seines Bruders sucht. Eine explosive Mischung, die Tom Hardy hier erfolgreich Leben einhaucht. Diese Charaktere machen die ganze Geschichte, die an sich doch eher banal ist, erst zu einer Geschichte, die man erzählt bekommen will.

Und hier offenbart sich leider auch die Schwäche des Films: Stellenweise fehlt es stark an Tempo und Spannung. Auch wenn der Zuschauer in die stimmige Atmosphäre der Unterwelt des 60er-Jahre Londons eintaucht – so richtig nah kommt man den Charakteren nicht. Selbst in der schwierigen Beziehung zwischen Frances und Reggie fiel es mir verhältnismäßig schwer, richtig viel Empathie aufzubringen. Das ist sehr schade, denn in den temporeichen Gangstermomenten fährt der Streifen richtig auf. Angesichts der historischen Vorlage wäre es natürlich schwierig gewesen, den Fokus mehr darauf zu legen, doch raubt die Kombination aus Gangsterfilm und Beziehungsdrama leider einiges.
Fazit: Nichtsdestotrotz darf man sich von Legend gut unterhalten fühlen. Szenenbilder, Soundtrack und das unglaubliche Schauspiel Tom Hardys tun alles, um die Zuschauer in diese harte Welt eintauchen zu lassen. Und das ist schon viel mehr, als viele andere Filme je Zustande bringen.

7 von 10 Popcornguys

The Revenant

Titel: The Revenant
Regisseur: Alejandro Gonzales Iñárritu
Musik: Bryce Dessner, Carsten Nicolai, Ryūichi Sakamoto
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Will Poulter

Hugh Glass (Leonardo DiCaprio), ein erfahrener Trapper, zieht mit seinem Sohn in einer Gruppe Pelzjäger durch die wilde Berglandschaft des Missouri River, bis er von einem Grizzlybären angefallen und schwer verletzt wird. Nachdem seine Kameraden feststellen müssen, dass sie Glass nicht weiter mitnehmen können, lassen sie ihn sterbend zurück. Er überlebt jedoch, wird fortan angetrieben von Überlebenswillen und Rache, und schleppt sich hunderte Kilometer im Kampf gegen Stämme von Ureinwohnern und den Kältetod voran.

Der vom zurecht gefeierten Alejandro Gonzales Iñárritu inzenierte Historienfilm hat vom ersten Trailer an meine volle Aufmerksamkeit beansprucht. Leonardi DiCaprio liefert sich einen Überlebenskampf in lebensfeindlichen Schneelandschaften, mit Iñárritu auf dem Regiestuhl und Emmanuel Lubezki (Children of Men, Gravity, Birdman) an der Kamera. Was kann da schon schief laufen? Die Antwort: Nichts!

Es kann zwar mitunter gefährlich sein, die Erwartungen an einen Regisseur im Vorfeld so zu steigern, doch im Fall von Iñárritu mache ich gern eine Ausnahme. Er schafft es, eine im Grunde simple Geschichte mit wenigen Worten, aber umso in bildgewaltiger Brutalität und einer derart nah in Szene gesetzter Kamera zu inszenieren, dass sich der Zuschauer in der dreistündigen Laufzeit zu keiner Zeit langweilt, sondern sich stets mitten im Geschehen wähnt. Sowohl die aufregendsten Kampfszenen als auch die ruhigen Landschaftsaufnahmen sind mit explosiver Spannung gefüllt, die meine Augen nahezu an die Kinoleinwand hefteten.

Die Darsteller, Tom Hardy als Antagonist John Fitzgerald, Will Boulter als junger Kamerad Jim Bridger, Domhnhall Gleeson als Anführer Andrew Henry und nicht zuletzt Leonardo DiCaprio tun ihr übriges den Zuschauer mit hinein in diese unbarmherzige Welt zu nehmen, wenn sie auf Händen und Füßen durch Dreck, Schnee und eiskalte Flüsse kriechen. Selbst mit den Vorzügen, die ein modernes Filmset bietet – der Dreh muss die Hölle gewesen sein. Natürlich liefert DiCaprio als Hauptdarsteller die intensivste Leistung ab. Allein für diesen Film kann man ihm beruhigt zwei Oscars hinstellen.

Fazit: The Revenant hat mich mit klopfendem Herzen im Kinosessel zurückgelassen und mir den intensivsten Einstieg ins Kinojahr meines Lebens beschert. Was ein bisschen Schade ist: Vielleicht habe ich den besten Film des Jahres schon gesehen…

Django Unchained

Titel: Django Unchained (Original: Django Unchained)
Regisseur: Quentin Tarantino
Musik: Verschiedene
Darsteller: Jaimie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio

Texas, zwei Jahre vor dem Bürgerkrieg: Django (Jamie Foxx) ist ein Sklave und wird getrennt von seiner Ehefrau Broomhilda (Kerry Washington) verkauft. Er wird von einem deutschen Kopfgeldjäger namens Dr. King Schultz (Christoph Waltz) befreit und soll seinem Retter dabei helfen, die verbrecherischen Brittle-Brüder aufzuspüren. Diese sind Django nämlich bekannt, da sie einst seine Frau und ihn selbst gepeinigt haben. Nachdem die Brittle-Brüder niedergestreckt sind, kommt es zwischen dem ehemaligem Sklaven und dem Kopfgeldjäger zu einem weiteren Abkommen: Django arbeitet über den Winter als Schultz‘ Partner, bevor sie sich schließlich gemeinsam auf die Suche nach Broomhilda machen wollen. Sie finden die Sklavin auf der Plantage des exzentrischen Calvin Candie (Leonardo DiCaprio) und tüfteln an einem Plan zur Rettung der Schönen.

Eines muss im Voraus gesagt werden: Ich bin kein Tarantino-Experte. Um ehrlich zu sein habe ich den überragenden Streifen „Reservoir Dogs“ vor gerade mal drei Jahren erstmals gesehen. Und auch die Sichtung des Klassikers „Pulp Fiction“ erfolgt zu einem relativ späten Zeitpunkt. Allerdings kann ich dennoch behaupten, dass mir die charakteristische Handschrift Tarantinos sehr gefällt. Zu seinen Markenzeichen gehören coole Charaktere, clevere Nonsense-Dialoge und äußerst blutige Gewalttaten. Und wenn Tarantino einen Western macht, erwartet man nicht einfach einen Western. Man erwartet einen Tarantino-Western, der mit dem üblichen Augenzwinkern an die Thematik ran geht. Doch diese Erwartung wurde – zumindest meiner Meinung nach – nur teilweise erfüllt.

Ein großes Problem von „Django Unchained“ liegt in den Grundzügen der Handlung. Im ersten Viertel des Films werden die sogenannten Brittle-Brüder vorgestellt: Rücksichtslose Kriminelle, die den Titelhelden und seine Ehefrau in der Vergangenheit aufs Äußerste misshandelten. Hier schlummert in meinen Augen enormes Potential, denn die großen Antagonisten und der damit verbundene Rachefeldzug drängen sich ja geradezu auf. Stattdessen wird die Story rund um die Brittle-Brüder sehr schnell abgehandelt und die gesuchte Broonhilda befindet sich auf einer Plantage, dessen Besitzer ansonsten gar nichts mit Djangos Vergangenheit zu tun hat. Und der Plan der Protagonisten, sich als Sklavenhändler einzuschmuggeln und die Sklavin auf diesem Wege freizukaufen, ist keinesfalls so spannend, wie es eine durchgängig von Rache motivierte Handlung gewesen wäre. Nun, sie wäre es vielleicht gewesen, wenn die Dialoge und Wortgefechte auf einem ähnlich hohen Niveau wie in „Pulp Fiction“ oder „Inglourious Basterds“ gewesen wären. Doch das waren sie nicht und so bleibt „Django Unchained“ zwar unterhaltsam, aber keineswegs so spritzig und flott wie Tarantinos frühere Werke. Von der Dramaturgie fehlt mir übrigens auch der klassische Western-Showdown, in dem sich alles zuspitzt und es zum Duell zwischen Held und Bösewicht kommt.

Grundsätzlich Positives lässt sich aber beim Blick auf den Cast feststellen. Jamie Foxx spielt den coolen Typen ein wenig stoisch, aber da er die Filmhandlung fast nie eigenständig tragen muss, fällt das nicht weiter ins Gewicht. Von seinen Kollegen wird der Gute allerdings deutlich gegen die Wand gespielt. Leonardo DiCaprios Figur ist – wohl aufgrund der Drehbuchmängel – leider nicht so kultig geworden wie von mir gewünscht, doch er hat sichtlich Spaß daran, der Fiesling zu sein und sollte dazu viel öfter die Gelegenheit erhalten. Das schauspielerische Highlight des Films stellt natürlich Christoph Waltz dar, dem der Löwenanteil der witzigen und cleveren Dialogszenen zufällt. Dennoch tut er hier nichts, was ein Hans Landa nicht besser gemacht hätte, von daher sollte man in Sachen Lob den Bogen auch nicht zu sehr überspannen. Überzeugend war außerdem die Musik, welche an den meisten Stellen überzeugend gewählt, beziehungsweise komponiert wurde. An Gewalt wurde nicht gegeizt, aber zu einem Tarantino-Film gehört ordentlich Blut, von daher passt das.

Fazit: „Django Unchained“ ist für Tarantino-Verhältnisse ein eher schwächerer Film, weiß aber dennoch zu unterhalten und ist einen Abstecher ins Kino allemal wert. Vielleicht wäre es aber dennoch mal interessant, wenn Tarantino es probieren würde, keinen Tarantino-Film im klassischen Sinne zu produzieren, welcher sich ja automatisch an den kultigen Vorgängern messen muss.

7 von 10 Popcornguys!

Eine dunkle Begierde

Kinostart: 10. November 2011
Regisseur: David Cronenberg
Darsteller: Michael Fassbender, Keira Knightley, Viggo Mortensen

Hier der Trailer.

Der aufstrebende Psychiater Carl Gustav Jung wendet Sigmund Freuds Methode der Psychoanalyse an einer jungen und hübschen Patientin an. Er verliebt sich in sie und beginnt eine Affäre, die seine Ehe bedroht und letztendlich große Auswirkungen auf die gesamte moderne Denkweise der Psychologie haben wird.

Hier haben wir einen Film, der mich allein vom Thema her brennend interessiert. Ich stelle es mir überaus faszinierend vor, historische Persönlichkeiten wie Carl Gustav Jung und Sigmund Freud in einem Spielfilm präsentiert zu bekommen, der auch noch auf Tatsachen beruht. Und wen die reine Thematik nicht reizt, wird in „Eine dunkle Begierde“ eine Menge ausgezeichneter Schauspieler betrachten können.