Star Wars: Die letzten Jedi

Titel: Star Wars: Die letzten Jedi
Originaltitel: Star Wars: The Last Jedi
Regie: Rian Johnson
Musik: John Williams
Darsteller: Daisy Ridley, Adam Driver, Mark Hamill

Nach der Vernichtung der Starkiller-Basis befinden sich die verbliebenen Streitkräfte des Widerstands auf der verzweifelten Flucht vor der Übermacht der Ersten Ordnung. Zur gleichen Zeit hat die machtsensitive Rey (Daisy Ridley) den alternden Jedi-Meister Luke Skywalker (Mark Hamill) auf seinem Exil-Planeten ausfindig gemacht. Sie möchte ihn dazu bewegen, wieder ins Geschehen einzugreifen und der Galaxis die Hoffnung zurückzugeben.

SPOILER-WARNUNG: Im Gegensatz zu anderen Kritiken werde ich mich bei diesem Film nicht zurückhalten und hemmungslos spoilern. Man sollte den folgenden Text also erst lesen, wenn man bereits im Kino war.

Bevor ich auf „Die letzten Jedi“ eingehe, möchte ich meine allgemeine Gefühlslage hinsichtlich „Star Wars“ ein wenig erläutern. „Das Erwachen der Macht“ halte ich immer noch für einen guten Film. Mir gefällt das erste Drittel, ich mag die neuen Charaktere, Kylo Ren ist ein interessanter Bösewicht und ich rechne J.J. Abrams das Unterfangen, das alte „Star Wars“-Feeling einfangen zu wollen, hoch an. Gerade, weil einem die Prequels doch noch quer im Magen liegen. Dennoch kann ich nicht leugnen, dass „Das Erwachen der Macht“ ab dem Mittelteil so seine erzählerischen Probleme hat, unterm Strich doch etwas zu gehetzt wirkt und mit der Starkiller-Basis ein äußerst schwaches Story-Element bietet. Noch schwächer war für mich dann „Rogue One“, das erste von mehreren geplanten Spin-offs. Der Ausgang dieser Geschichte war ja von vornherein klar, von daher habe ich erwartet, dass einem wenigstens interessante und vor allem sympathische Charaktere präsentiert werden, mit denen man mitfiebern kann. Das war leider überhaupt nicht der Fall und übrig blieb bei „Rogue One“ eine aufgrund von Nostalgie ansprechende Hülse – jedoch ohne nennenswerten Inhalt. Eine gewisse Ernüchterung machte sich bei mir breit. Hinzu kommt die Gewissheit, dass es ab nun jedes Jahr mindestens einen „Star Wars“-Film geben wird. Vermutlich so lange, bis wir alle tot sind. Es ist also nichts besonderes mehr und ein leichtes Gefühl von Übersättigung macht sich so langsam breit. Außerdem wird man selbst ja auch nicht jünger und all das erklärt wohl, warum mein Hype hinsichtlich „Die letzten Jedi“ nicht extrem groß war.

Doch wie ist denn nun der Film an sich? Einen Tag nach der Sichtung sind meine Gefühle immer noch gemischt. Er ist seltsam, unbefriedigend, überraschend, mutig, beeindruckend und groß – manchmal sogar alles zur gleichen Zeit. Von daher ist es nur passend, wenn ich gerade Schwierigkeiten habe, meine Eindrücke zu sortieren. Aber ich möchte mir Mühe geben.

Fangen wir vielleicht mit einem Punkt an, der offensichtlich vielen Fans sauer aufstößt: Der Humor. Subtilität wird man hier eher weniger finden, dafür mehr Klamauk und Slapstick. In vielen Szenen schimmert auch der in dieser zur Zeit so angesagte und für unsere Gesellschaft typische Meta-Humor durch. Das heißt: Eine Szene wird spannend und dramatisch aufgebaut, um dann mit einem ironischen Gag aufgelöst zu werden. Irgendwo passt diese Art von Humor zwar zum Film, denn thematisch geht es stark um Relativierung und das Loslassen der Vergangenheit. Trotzdem muss ich sagen, dass einige Szenen aufgrund von Witzen dieser Art an Kraft einbüßen. Man wird ein Stück weit aus dem Film rausgerissen und fragt sich, ob man gerade wirklich einen „Star Wars“-Film sieht oder nicht eher eine Parodie. Aber eine Entwarnung kann ich trotzdem geben: So schlimm wie bei den meisten Marvel-Filmen ist es mit dem ironisierten Zuzwinkern noch lange nicht.

Die Effekte sind in den meisten Szenen gut und ergeben in Kombination mit der tollen Kameraarbeit beeindruckende Bilder. John Williams Score liefert hier natürlich auch seinen Beitrag. Die Musik ist grundsolide, ich muss den Soundtrack aber nochmal extra hören, um sagen zu können, ob es hier markante neue Töne gibt, die auf Dauer hängen bleiben können. Doch zurück zu den Effekten: Leider sehen sie nicht alle gut aus, ein paar von ihnen (ich denke hierbei zum Beispiel an die Porg-Vogelwesen oder einige Kreaturen auf dem Casino-Planeten) wirken geradezu billig. Vielleicht ist man da inzwischen auch nur zu sehr verwöhnt, aber ich würde meinen, dass „Das Erwachen der Macht“ unterm Strich optisch überzeugender war. Mit der Original-Trilogie möchte ich gar nicht erst das Vergleichen anfangen, da trübt die Nostalgie womöglich auch zu sehr die Wahrnehmung. Aber damals hatten sämtliche Welten und Wesen Charme und einen fühlbaren Charakter, der einem in neueren Filmen größtenteils abgeht. Denn stellt euch mal ganz ehrlich die Frage: Wie viele Namen der neuen Planeten fallen euch denn ein? Mir kein einziger, wenn man mal von Jakku absieht.

Auch bei den Charakteren gibt es sowohl Positives, als auch Negatives zu sagen. Die vermutlich besten Momente sind zwischen Rey und Kylo Ren (Adam Driver). Eine von Oberbösewicht Snoke inszenierte Macht-Verknüpfung sorgt dafür, dass die beiden Figuren miteinander interagieren können, ohne am gleichen Ort sein zu müssen. Das sorgt für interessante Dialoge, in denen man die Spannung zwischen den zwei Charakteren spührt. Mark Hamill kehrt in der Rolle des Luke Skywalker zurück, aber womöglich anders, als man es erwartet hätte. Er ist ein gebrochener, alter Mann, der die Macht und die Jedi hinter sich lassen möchte. Diesbezüglich spielt der Film weitere Stärken aus, wenn es darum geht, bestimmte Ansichten von Gut und Böse zu hinterfragen. Falls diese Ideen von Rian Johnson stammen, verdient der Regisseur Lob für diesen Mut, denn er schafft es, einige tatsächlich neue Elemente ins „Star Wars“-Universum einzubringen. Das ist zum einen das bereits erwähnte Hinterfragen von Gut und Böse, zum anderen weiteres Experimentieren, wie beispielsweise die Macht-Projektion, welche den Showdown des Films ausmacht, oder eine recht ungewöhnliche, aber beeindruckende Visionsszene von Rey.

Doch zurück zu den Charakteren. Poe Dameron (gespielt von Oscar Isaac) hat etwas mehr zu tun als im Vorgänger und muss langsam eine verantwortungsvollere Position innerhalb des Widerstands ausfüllen. Das hat mir gefallen. Auch Finn (John Boyega), hat eine Aufgabe, doch diese ist leider mit einem recht problematischem Story-Element verknüpft. Er lernt eine junge Frau namens Rose (aus Rücksicht auf den chinesischen Markt mit einer Asiatin besetzt) kennen, mit der er zwischendurch auf einem Casino-Planeten nach einem Codeknacker sucht. Dieser wird von Benicio del Toro gespielt, einem Schauspieler, den ich überaus schätze, der hier jedoch in einer stotternden und größtenteils überflüssigen Rolle zu sehen ist. Überhaupt hat der gesamte Finn-Rose-Strang seine Probleme und Längen. Die Zeit, die hier auf unnötige Charaktere, schlechtes CGI und Tierquälerei verwendet wird, hätte man meiner Meinung nach besser für Antworten auf offene und wichtige Fragen nutzen können. Eine weitere neue Figur innerhalb des Widerstands wird von Laura Dern gespielt. Sie funktioniert als eine Art Gegenpart zum eher impulsiven Charakter von Poe Dameron, was mir an und für sich gefallen hat. Auch das Opfer, welches sie letztendlich für den Widerstand bringt und audio-visuell hervorragend präsentiert wird, hat mir zugesagt. Trotzdem stellt sich mir die Frage: Hätte das auch nicht einer der bereits bekannten Charaktere machen können? So wird beispielsweise in einem Nebensatz erwähnt, dass Admiral Ackbar gestorben ist. Hätte es nicht mehr Sinn gemacht, ihn an die Stelle von Laura Dern zu setzen? Vergessen möchte ich natürlich nicht Carrie Fisher. Sie macht in diesem Film als Leia einiges her und hat schöne Szenen, doch leider auch eine der schlechtesten überhaupt. Ich meine jenen Moment, als sie während einer Weltraumschlacht ins All gezogen wird, dies jedoch überlebt und mit Hilfe der Macht zurück ins Schiff schwebt. Mich stört es überhaupt nicht, dass Leia die Macht nutzen kann, das tut sie im Prinzip ja schon seit „Das Imperium schlägt zurück“. Aber die Art und Weise, wie dieser Flug inszeniert war, empfand ich einfach als störend und unnötig.

Recht überflüssig und verschenkt war wieder einmal Captain Phasma (gespielt von Gwendoline Christie). Sie kehrt für ein paar Minuten zurück, um sich einen kurzen Kampf mit Finn zu liefern und anschließend in einer Explosion unterzugehen. Sollte der Charakter im dritten Teil der Trilogie überraschend wieder auftauchen, dürfte sie sich endgültig als Running Gag etabliert haben. Etwas zwiegespalten bin ich auch bei Snoke (Andy Serkis), dem Anführer der Ersten Ordnung. Optisch ist er einwandfrei und macht was her, angefangen von seinem schicken, goldenen Bademantel, bis hin zu seinem stilvollen, roten Thronsaal. Beeindruckend fand ich auch das Ausmaß seiner Macht, welches mindestens an das des Imperators heranreichen dürfte. Es kommt zu einem Treffen zwischen Snoke, Kylo Ren und Rey, welches vom Gefühl her an „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ erinnert, aber nun im Mittelteil der Trilogie steht und überraschenderweise mit dem Tod Snokes endet. Einerseits finde ich das gut, wenn Erwartungen unterlaufen werden. Außerdem ist es ein recht interessantes Aufgreifen von Darth Vaders Plan aus „Das Imperium schlägt zurück“, denn im Gegensatz zu seinem Vorbild schafft es Kylo Ren, seinen Meister zu töten und dessen Platz an der Spitze einzunehmen. Andererseits werden wohl einige Fragen hinsichtlich Snoke unbeantwortet bleiben: Wer ist er eigentlich? Wo kommt er her? Wie hat er Kontakt mit Kylo Ren aufgenommen? Wie hat er die Erste Ordnung aufgebaut? Und wer sind eigentlich die Ritter von Ren? Es mag sein, dass manche dieser Fragen doch noch aufgegriffen werden. Und man kann natürlich auch so argumentieren, dass die Original-Trilogie ebenfalls vieles nie wirklich erklärt hat. Aber trotzdem muss ich einfach sagen, dass mich hier das Fehlen von einigen Hintergrundinformationen einfach stört. Dies hat bereits in „Das Erwachen der Macht“ angefangen.

„Die letzten Jedi“ ist allgemein recht groß darin, Erwartungen zu unterlaufen, beziehungsweise Fans herauszufordern und vor den Kopf zu stoßen: Man ist gespannt auf Snoke und erwartet so einiges – Snoke stirbt und bleibt im Grunde ein Mysterium. Man fragt sich, wer Reys Eltern wohl sein mögen – Reys Eltern sind anscheinend einfach nur irgendwelche Schrotthändler auf Jakku. Man geht davon aus, dass die Jedi ganz klar die Guten sind – die Jedi werden stark hinterfragt und von ihrem Legenden-Podest runtergeholt. Viele dieser unterlaufenen Erwartungen stellen Stärken des Films dar und sorgen etwa ab der Hälfte für einen höchst spannenden und unterhaltsamen Zickzackkurs. Und doch frage ich mich: Steht das Ende des Film in einer angemessenen Relation zu all diesen Bemühungen? Natürlich machen die Charaktere Entwicklungen im Laufe der Geschichte durch: Poe übernimmt Verantwortung, Finn steht klar zum Widerstand, Luke findet (nach einer wirklich großartigen Todesszene) seinen inneren Frieden, Kylo Ren ist der Anführer der Ersten Ordnung und Rey erkennt, dass es auf ihre Zukunft ankommt, nicht auf ihre Vergangenheit. Trotzdem muss man festhalten: Die Erste Ordnung ist weiterhin sehr mächtig, der Widerstand ist weiterhin sehr klein, Kylo Ren ist weiterhin böse und Rey ist weiterhin die gute, letzte Hoffnung. Haben sich all die Relativierungen und das mutige Hinterfragen von Gut und Böse also wirklich rentiert? Hätte man vom Ergebnis her nicht noch ein oder zwei Schritte weitergehen können? Ich persönlich werde das Gefühl nicht los, dass da mehr drin gewesen wäre.

Damit das Ganze hier aber nicht zu negativ klingt, möchte ich zum Schluss noch ein paar Momente betonen, die ganz groß waren und mir wirklich gefallen haben: Die Weltraumschlachten sind mitreißend. Die Zerstörung von Snokes Schiff ist eine Wucht. Kylo Ren und Rey liefern sich eine spannende Konfronation mit Snokes Wachen und haben allgemein sehr starke Szenen miteinander. Luke bekommt einen in jeglicher Hinsicht tollen Abgang. Und Regisseur Rian Johnson erweitert das „Star Wars“-Universum um visuell und inhaltlich neue Aspekte, welche die Vorfreude auf die komplett von ihm geplante Trilogie steigern. Um also zu einem Fazit zu kommen: „Die letzten Jedi“ hat seine Schwachstellen, doch die positiven Momente überwiegen und der mit dem Film verbundene Mut soll von mir gewürdigt werden. Insofern verteile ich starke 7 von 10 Popcornguys – und bin gespannt, ob der Film bei weiteren Sichtungen womöglich stärker punkten kann.

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Rogue One: A Star Wars Story

Titel: Rogue One: A Star Wars Story
Originaltitel: Rogue One: A Star Wars Story
Regie: Gareth Edwards
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Felicity Jones, Diego Luna, Ben Mendelsohn

Der ehemalige Ingenieur Galen Erso (Mads Mikkelsen) lebt zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter Jyn (Felicity Jones) als Farmer. Er hat dem Imperium den Rücken gekehrt, doch seine Vergangenheit holt ihn ein, als er vom imperialen Offizier Orson Krennic (Ben Mendelsohn) zum Bau einer geheimen Superwaffe gezwungen wird. Jyn taucht unter und führt ein Leben ohne großes Interesse an galaktischer Politik. Doch eine Verkettung an Ereignissen führt dazu, dass sie schließlich doch in die Wirren des Bürgerkriegs hineingezogen wird. An der Seite des Rebellenkämpfers Cassian Andor (Diego Luna) versucht sie, die alles entscheidenden Pläne der imperialen Superwaffe – des Todessterns – zu stehlen und den Anführern der Rebellenallianz zukommen zu lassen.

Disney wird so lange „Star Wars“-Filme produzieren, bis wir alle tot sind. Da sich die Produktionszeiten der Hauptepisoden nicht ökonomisch genug verkürzen lassen, müssen die Wartezeiten mit sogenannten Spin-Offs gefüllt werden. Das sind Filme, die kleinere und in sich geschlossene Geschichten abseits der großen Geschehnisse erzählen. Das erste Spin-Off trägt nun den Titel „Rogue One: A Star Wars Story“ und wurde von Regisseur Gareth Edwars („Godzilla“) inszeniert. Im Vorfeld spürte ich bei mir fast keinen Hype, meine Erwartungen waren relativ gering. Allerdings hatte ich folgenden Gedanken: Mit „Rogue One“ wird sich zeigen, ob das „Star Wars“-Universum auch etwas anderes sein kann, als märchenhafte Familiengeschichte im Weltraum.

Ist das Experiment geglückt? Nun, ich würde sagen: Teilweise. Aber erstmal zum Positiven. „Rogue One“ ist für einen „Star Wars“-Film überaus düster, hart und stellenweise fast schon deprimierend. Ich muss sagen, dass mir dieser Tonfall gefallen hat, vor allem deshalb, weil es ja eine Art Kriegsfilm sein soll. Insofern hat mir auch das konsequente Ende zugesagt. Im letzten Drittel häufen sich auch die besten Bilder des Films. „Rogue One“ besticht durch gute Action, wobei besonders die großartige Weltraumschlacht zu nennen ist. In diesem Punkt überflügelt das Spin-Off meiner Meinung nach eindeutig „Das Erwachen der Macht“. Der Film kann den Gesamteindruck der Saga auch um ein bis zwei interessante Facetten ergänzen. Unter anderem steht das Imperium nach „Rogue One“ nicht mehr ganz so dämlich da, wenn es um den Konstruktionsfehler des Todessterns geht. Auch die etwas ambivalente Darstellung der Rebellenallianz hat mir gefallen – die Fronten sind hier nicht mehr nur schwarz und weiß. Die besten Szenen des Films gehören aber ganz klar Darth Vader. Der beste Filmschurke aller Zeiten hat zwar nur wenige Minuten für sich, doch diese nutzt er perfekt. Gerade bei Vaders letzter Szene dürften vielen Fans die Freudentränen kommen.

Leider hat „Rogue One“ auch einige massive Schattenseiten. Negativ aufgefallen ist mir unter anderem die CGI-Darstellung von zwei Charakteren aus der ursprünglichen Trilogie, die ohne Tricktechnik so nicht mehr vorzeigbar gewesen wären. Die Animation ist neutral betrachtet nicht schlecht, in einem Videospiel hätte ich ihre Auftritte großartig gefunden. Doch in einem Spielfilm mit echten Menschen fällt das CGI dann doch noch auf und ich werde als Zuschauer aus der Geschichte gerissen. Der Soundtrack von Michael Giacchino war solide. Altbekannte Themen wurden nicht besonders stark verwendet, doch auf der anderen Seite gelang es dem Komponisten nicht, nennenswerte eigene Akzente zu setzen. Vielleicht hängt dies auch mit der eher kurzfristigen Verpflichtung von Giacchino zusammen. Aufgrund von schlechtem Pacing in der Mitte verliert „Rogue One“ auch etwas an Fahrt und kann nicht durchweg fesseln. Aber das größte Problem des Films sind eindeutig die Charaktere. Ben Mendelsohn mag ein guter Schauspieler sein, doch Orson Krennic agiert im Schatten von Vader und Tarkin und wird nicht lange im Gedächtns bleiben. Die meisten Mitglieder der Rebellentruppe bleiben oberflächlich, lediglich bei Jyn Erso und Cassian Andor geht man charakterlich mehr in die Tiefe. Dennoch wird man mit keinem von beiden sonderlich warm. Im Vergleich dazu benötigte „Das Erwachen der Macht“ nicht einmal eine Viertelstunde, um mir Rey, Finn und Poe Dameron als sympathische Figuren zu verkaufen. Hier wollte ich nicht, dass irgendjemand stirbt. Bei „Rogue One“ habe ich irgendwann angefangen zu hoffen, dass es mit dem Sterben nun endlich losgeht. Sympathisch fand ich eigentlich nur den Droiden K-2SO, was bei einem Film, dessen Ausgang handlungstechnisch mehr als fest steht, ein fatales Problem ist. Doch wie hätte man das vermeiden können? Möglicherweise hätten sich andere Darsteller schneller in mein Herz gespielt. Ich meine aber, dass manche Nebenfiguren komplett unnötig waren. Hierbei sind die Charaktere von Donnie Yen und Jiang Wen zu nennen, die ganz klar deswegen dabei sind, um sich dem chinesischen Filmmarkt anzubiedern. Ökonomisch ist die Entscheidung also nachvollziehbar, aber inhaltlich hätte „Rogue One“ die Kürzung einiger Figuren und die gleichzeitige Fokussierung auf Jyn Erso sicher besser getan.

Hat das erste Spin-Off nun gezeigt, dass „Star Wars“ mehr sein kann, als ein Weltraummärchen für die ganze Familie? Auch, wenn die Rechnung nicht perfekt aufgegangen ist, würde ich die Frage mit Ja beantworten. Das Potential ist da und mit besseren Charakteren hätte „Rogue One“ definitiv eine runde Sache werden können. Ich möchte also die Spin-Offs noch nicht abschreiben und bin gespannt darauf, ob mir das nächste Experiment mehr zusagt. Bei diesem soll es übrigens um die Abenteuer des jungen Han Solo gehen. „Rogue One“ bekommt von mir aber erstmal 7 von 10 Popcornguys.

Star Wars: Das Erwachen der Macht

Titel: Star Wars: Das Erwachen der Macht
Originaltitel: Star Wars: The Force Awakens
Regie: J.J. Abrams
Musik: John Williams
Darsteller: John Boyega, Daisy Ridley, Adam Driver

Rund 30 Jahre sind seit dem Tod des Imperators vergangen. Es kam zum Waffenstillstand mit dem Imperium und die Neue Republik konnte entstehen. Doch das Böse regt sich wieder in der Galaxis. Die Reste des Imperiums formieren sich als Erste Ordnung neu und rüsten gegen die Republik – aber nur wenige erkennen die Gefahr. Unter der Führung von General Leia Organa (Carrie Fisher) macht sich der Widerstand bereit für die Konfrontation. Allerdings ist ein wichtiger Mitstreiter verschwunden: Luke Skywalker (Mark Hamill). Die Suche nach dem Jedi ruft neue Helden, aber auch Schurken auf den Plan, die das Schicksal der Galaxis bestimmen werden.

Für diejenigen, die den Film noch nicht gesehen haben, war möglicherweise diese knappe Inhaltszusammenfassung schon zu viel. Deswegen möchte ich an dieser Stelle in aller Klarheit eine SPOILERWARNUNG aussprechen. Bei diesem Film möchte ich detailliert auf Charaktere und Handlung eingehen – und zwar absolut hemmungslos. Ich warne euch also zum letzten Mal!

Die Geburtsstunde der neuen „Star Wars“-Filme fand im Jahre 2012 statt. Hier verkaufte George Lucas seine Filmrechte an Disney. Die Ankündigung neuer Filme ließ nicht lange auf sich warten. Damals stellte ich mir die Frage: Ist das wirklich nötig? Die Antwort lautete natürlich: Nein! Aber da Disney in erster Linie ein Unternehmen ist und die Filmrechte an „Star Wars“ nicht gerade billig waren, erübrigten sich die Fragen nach Sinn und Zweck der neuen Filme schnell. Mir wurde klar, dass eine neue Trilogie kommen wird – aber wenn sie schon kommt, dann soll sie wenigstens gut werden. Oder zumindest besser als die Prequels. Viele Regisseure in Hollywood wurden von Disney angefragt, aber kaum jemand wollte dieses heiße Eisen anfassen. Doch letztendlich hat sich einer getraut: J.J. Abrams. Vor ihm lag eine Mammutaufgabe und die Skepsis war berechtigt. Aber als nach und nach erste Informationen zu den Dreharbeiten gestreut wurden, wuchs die Zuversicht. Abrams schien verstärkt auf echte Sets und handgemachte Effekte zu setzen. Außerdem gelang es ihm, die Stars der alten Trilogie zu reaktivieren und darüberhinaus vielversprechende Newcomer zu engagieren. Doch trotz der vielen guten Nachrichten blieb mir ein wenig Restzweifel erhalten: Wird „Das Erwachen der Macht“ ein guter Film werden?

Ja, es wurde ein guter Film! Und zu einem großen, wenn nicht sogar größten Teil hängt dies mit den neuen Charakteren zusammen. Jeder einzelne Cast-Neuzugang ist ein absoluter Glücksgriff. Beginnen möchte ich mit Oscar Isaac, der den draufgängerischen Widerstands-Piloten Poe Dameron spielt. Was für eine coole Sau! Gleich zu Beginn des Films bietet er Kylo Ren, dem bedrohlichen Bösewicht des Films, mit einem provozierenden Spruch die Stirn. Da wusste ich gleich, wie der Typ tickt. Schade, dass Isaac verhältnismäßig wenig Szenen hatte, über lange Strecken hinweg gilt seine Figur sogar als tot. Ich wusste es natürlich besser, schließlich habe ich mir die Trailer aufmerksam angesehen. Aber dennoch wurde mir bei Poes vermeintlichem Ableben eine Sache schlagartig klar: Ich will keinen der neuen Charaktere verlieren! Und das ist ein verdammt gutes Zeichen. Zum Vergleich: Die Prequels hatten eine Menge Figuren, die ich nur zu gerne verloren hätte!

Doch nun zu den Hauptcharakteren. John Boyega spielt Finn, einen Ex-Strumtruppler, der das Herz am rechten Fleck hat und die Erste Ordnung hinter sich lässt. Man merkt dem Darsteller in jeder Szene an, wie viel Bock er auf den Film hat. Egal ob Dialog, Schießerei oder Lichtschwertduell, Boyega gibt alles – und hat darüber hinaus ein unglaublich gutes Timing für Humor. Finn trifft auf Rey, die möglicherweise die eigentliche Heldin der neuen Trilogie werden könnte. Sie wird gespielt von Daisy Ridley, ebenfalls ein unbeschriebenes Blatt. Und es tut dermaßen gut, endlich mal eine vernünftige Filmheldin zu sehen. Rey ist keine Kampfamazone, die aus feuchten Männerträumen entspringt und sich über Haare und Brüste definiert. Sie ist ein echter und ernstzunehmender Mensch. Dabei vereint Ridley auf sehr harmonische Weise unterschiedliche Charakterzüge. Man nimmt ihr die taffe Rey ab, aber sie überzeugt genauso als verletzliche und sympathisch-naive Rey.

Zu den neuen Helden zähle ich auch den ballförmigen Droiden BB-8. Man könnte nun denken, dass der süße Roboter vor allem für die ganz jungen Zuschauer gedacht ist – was auch sicherlich stimmt. Aber auch ich muss sagen, dass der Droide bestens funktioniert. Es ist schon erstaunlich, wie ergreifend diese kleine technische Konstruktion Emotionen transportieren kann.

Bei all den neuen Charakteren habe ich mich dabei ertappt, die alte Riege in manchen Szenen überflüssig oder zumindest weniger interessant zu empfinden. Aber dennoch machen die drei Stars aus der klassischen Trilogie zumeist eine gute Figur. Allen voran natürlich Harrison Ford in seiner Rolle als Weltraum-Haudegen Han Solo. Er mag älter geworden sein, doch als sarkastischer Schmuggler funktioniert er immer noch überraschend gut. An Solos Seite fliegt natürlich sein treuer Wookie-Kopilot Chewbacca, dem ein paar graue Strähnen mehr sicher auch gut gestanden hätten. Weniger gelungen empfand ich den Auftritt von Carrie Fisher als Leia Organa. Für die Rolle hat sie wohl Gewicht verloren, dazu aber leider auch einen Großteil ihrer Mimik. Ob das wohl mit einem Face-Lifting zusammenhängt? Gelungen war dafür der Auftritt von Mark Hamill als Luke Skywalker. Der Jedi ist erst in der letzten Szene des Films zu sehen und spricht dabei kein einziges Wort, aber die Optik allein spricht Bände. Genau so muss ein alter und gebrochener Jedi-Meister aussehen!

Kommen wir zur Dunklen Seite. Hier dominiert Maskenträger und Lichtschwertschwinger Kylo Ren. Ich muss sagen, dass ich sein Design von Anfang an super fand. Auch das neuartige und unvollkommen wirkende Lichtschwert empfand ich als perfekt. Im ersten Drittel etabliert sich Kylo Ren als vermeintlicher Badass und spielt auch die ein oder andere imposante Fähigkeit aus. So friert er beispielsweise in einer der ersten Szenen einen abgefeuerten Laserstrahl ein – eine Technik, die er auch bei Personen anwenden kann. Etwas später im Film nimmt Kylo Ren dann erstmals seine Maske ab und Adam Driver zeigt sich dem Publikum – als unsicherer, sehr jung wirkender Emo-Teenie. Ich muss zugeben, dass da erstmal ein gewisser Bruch entsteht. Aber letztendlich muss ich sagen, dass Kylo Ren ein extrem spannender Charakter ist, gerade wegen seiner Schwächen. Er möchte so sein, wie es Darth Vader war – und seine größte Angst ist es, dies nicht zu schaffen, weil er auf seinem Weg dorthin von der hellen Seite verführt wird. Eine interessante und neuartige Perspektive.

Leider sind die restlichen Antagonisten weniger gelungen. Snoke, der mysteriöse Anführer der Ersten Ordnung, entpuppt sich als eine austauschbare CGI-Mischung aus Lord Voldemort und Gollum. Und dann ist er auch noch so riesig! Gut, er war nur als Hologramm zu sehen, weswegen ich im Kino dankbar aufatmete. Möglicherweise wird Snoke ja in den weiteren Episoden interessanter, wenn seine Motivation thematisiert wird. Allerdings muss ich mich schon fragen, ob es sinnvoll war, ihn in diesem Film überhaupt zu zeigen. Relativ sinnlos war auch der Charakter von Captain Phasma, gespielt von Gwendoline Christie. Die Sturmtruppen-Anführerin sieht optisch sehr cool aus, legt aber nur spießige Ausbilder-Sprüche an den Tag und landet ohne eine einzige bemerkenswerte Aktion in einer Müllpresse. Vielleicht war der ganze Charakter ja als Finte im Hinblick auf die Zuschauer-Erwartungen gedacht, aber gelungen fand ich das nicht. Bei Domhnall Gleeson als General Hux bin ich noch unentschlossen. Ich mag den Schauspieler und fand seine Szenen prinzipiell auch gut. Aber wenn sich schon Kylo Ren als (gelungener) Teenie-Bösewicht offenbart, wäre ein Militär mit mehr Dienstjahren an seiner Seite eventuell passender gewesen. So bekommt man schon den Eindruck, die Erste Ordnung wird größtenteils von College-Kids angeführt.

Handwerklich kann man dem Film so gut wie gar nichts ankreiden. Es gab tatsächlich viele echte Sets, Masken und handgemachte Effekte, besonders im ersten Drittel. Natürlich kommt man um CGI bei einem solchen Film nicht herum, aber bis auf zwei oder drei kurze Momente empfand ich dies nicht als störend. John Williams‘ Soundtrack ist absolut solide und punktet dann am meisten, wenn er altbekannte Klänge einfädelt. Leider gibt es kein besonders einprägsames neues Motiv. Zwar sind mir im Hinblick auf Rey und Kylo Ren gewisse Themen aufgefallen, aber ausbaufähig ist das sicher. Hommagen gibt es viele und Humor ist auch reichlich vorhanden, doch bis auf ganz wenige Ausnahmen hat man hier die richtige Balance gefunden.

Nun aber zur Handlung! Das erste Drittel ist nahezu perfekt und das „Star Wars“-Feeling ist sofort da. Wir sehen, wie der Bösewicht etwas wirklich Böses macht und bekommen anschließend die neuen Charaktere präsentiert. Und die Dynamik zwischen den Schauspielern ist köstlich! Auf sehr organisch wirkende Weise entwickeln sich Freundschaften zwischen Poe, Finn und Rey, was den Zuschauer mitfiebern lässt. Vielleicht fallen dadurch die Hommagen an „Eine neue Hoffnung“ im ersten Drittel auch überhaupt nicht störend auf. Mich stört es nicht, dass Rey genau wie Luke auf einem Wüsenplaneten lebt und im Grunde überhaupt keine Ahnung hat. Mich stört es nicht, dass auch sie wie Luke auf einen Droiden trifft, der in seinem Inneren die alles entscheidene Botschaft abgespeichert hat. Und es stört mich auch nicht, dass die Hauptcharaktere durch eine Aneinanderreihung von Zufällen aufeinander treffen und die Reise gemeinsam fortführen – genau das gehört zum Märchen-Charakter, der die alten „Star Wars“-Filme ausgemacht hat.

Ab der Mitte wird der Film dann allerdings zunehmend hektisch. Mit einem mir zu hohen Tempo geht es erst hierhin, dann dorthin, wir treffen Han und Chewbacca, erleben Abenteuer mit Weltraum-Kraken, suchen Zuflucht bei der schrulligen Piratin Maz Kanata, schließen uns dem Widerstand an und planen überhastet die Zerstörung der neuen Superwaffe der Ersten Ordnung. Kürzungen sind zugegebenermaßen schwierig, denn im Film führt eins zum anderen. Aber ein paar Minuten mehr für den ein oder anderen Handlungsfaden wären nicht verkehrt gewesen. Beispielsweise erklärt mir der Film alleine nicht ausreichend, was eigentlich mit dem Imperium geschehen ist, wie genau es zur Neuen Republik kam und warum der Widerstand gegen die Erste Ordnung so klein ist. Das habe ich nach dem Film recherchiert. Ich möchte in „Star Wars“ keinesfalls wieder endlose politische Debatten und Erklärungen haben, aber ein wenig mehr Übersicht wäre schon hilfreich gewesen.

Manches wird im Film zu sehr nebenbei behandelt. Vor allem die Enthüllung von Kylo Ren als Hans Sohn war mir viel zu beiläufig – beziehungsweise gab es zu wenige Szenen, um sich emotional voll darauf einlassen zu können. Insofern war Han Solos überaus theatralischer Tod durch die Hand seines Sohnes weniger schockierend für mich, als er es hätte sein können. Gut, man muss dazu auch sagen, dass sein Ableben vorhersehbar war. Als Regisseur hätte ich mich vermutlich genauso entschieden. Leia funktioniert auch im fortgeschrittenen Alter gut als Politikerin und Luke ist als alter Jedi-Meister ebenfalls passend. Aber den draufgängerischen und charmanten Schmuggler nimmt man selbst einem Harrison Ford nicht ewig ab. Sein Tod war also in vielerlei Hinsicht sinnvoll.

Einen weiteren Kritikpunkt stellt der gesamte Handlungsstrang um die Starkiller-Basis dar. Im Grunde ist das Ding ein aufgeblasener Todesstern. Auch der Film ist sich dieser Tatsache bewusst und spielt mit einem Augenzwinkern darauf an, als Han mehr oder weniger folgendes sagt: „Irgendwie werden wir das auch dieses Mal sprengen können.“ Dieser allzu lockere Umgang mit der Bedrohung hat mir wenig gefallen. Auch entwickelt die Starkiller-Basis trotz ihrer Größe nicht annähernd die Bedrohung des ersten Todessterns. Sie wird eingeführt, einmal verwendet und anschließend zerstört. Wäre es nicht vielleicht interessanter gewesen, wenn die Kampfstation erst am Ende des Films als Kampfstation aufgedeckt wird und auch noch in der nächsten Episode eine bedrohliche Rolle spielt? Hier hätte man entschieden vom Konzept aus „Eine neue Hoffnung“ abweichen sollen.

Der Kern des Showdowns ist aber glücklicherweise die persönliche Auseinandersetzung zwischen Rey und Kylo Ren. Dies hat sich schon im Verlauf des Films mehrfach angedeutet. Besonders beeindruckt hat mich das Psycho-Duell zwischen den beiden. Kylo Ren foltert Rey und setzt dabei seine Macht ein. Sie jedoch wird sich ihrer eigenen Kräfte bewusst und dreht den Spieß um. Rey erkennt, dass es Kylo Rens größte Angst ist, nicht so werden zu können wie Darth Vader – und diese Veränderung im Kräfteverhältnis irritiert unseren Emo-Bösewicht sehr. Das Thema findet im Film sein vorläufiges Ende, wenn sich die beiden im Lichtschwertkampf gegenüber stehen. Und wie sehr stellt dieser Kampf jedes Duell aus den Prequels in den Schatten! Endlich spürt man wieder Emotionen und die Kämpfe sind auch nicht so lächerlich professionell durchchoreographiert. Es ist ein direkter und griffiger Konflikt zwischen zwei jungen Leuten, die aus unterschiedlichen Gründen wütend aufeinander sind.

Fazit: „Das Erwachen der Macht“ ist kein perfekter Film geworden und sicherlich auch nicht der beste Film des Jahres. Aber es ist ein guter Film geworden, der interessante neue Charaktere vorstellt und viele Fragen aufwirft: Wer sind die Eltern von Rey? Was genau ist zwischen Luke und Kylo Ren passiert? Und wer oder was ist Snoke? Ich gebe gerne zu, dass ich heiß auf die Fortsetzung bin und unbedingt wissen möchte, wie die Geschichte von Poe, Finn und Rey weitergeht. Und ein größeres Kompliment kann man dem Auftakt einer neuen „Star Wars“-Trilogie kaum machen. Es gibt 8 von 10 Popcornguys!