Rogue One: A Star Wars Story

Titel: Rogue One: A Star Wars Story
Originaltitel: Rogue One: A Star Wars Story
Regie: Gareth Edwards
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Felicity Jones, Diego Luna, Ben Mendelsohn

Der ehemalige Ingenieur Galen Erso (Mads Mikkelsen) lebt zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter Jyn (Felicity Jones) als Farmer. Er hat dem Imperium den Rücken gekehrt, doch seine Vergangenheit holt ihn ein, als er vom imperialen Offizier Orson Krennic (Ben Mendelsohn) zum Bau einer geheimen Superwaffe gezwungen wird. Jyn taucht unter und führt ein Leben ohne großes Interesse an galaktischer Politik. Doch eine Verkettung an Ereignissen führt dazu, dass sie schließlich doch in die Wirren des Bürgerkriegs hineingezogen wird. An der Seite des Rebellenkämpfers Cassian Andor (Diego Luna) versucht sie, die alles entscheidenden Pläne der imperialen Superwaffe – des Todessterns – zu stehlen und den Anführern der Rebellenallianz zukommen zu lassen.

Disney wird so lange „Star Wars“-Filme produzieren, bis wir alle tot sind. Da sich die Produktionszeiten der Hauptepisoden nicht ökonomisch genug verkürzen lassen, müssen die Wartezeiten mit sogenannten Spin-Offs gefüllt werden. Das sind Filme, die kleinere und in sich geschlossene Geschichten abseits der großen Geschehnisse erzählen. Das erste Spin-Off trägt nun den Titel „Rogue One: A Star Wars Story“ und wurde von Regisseur Gareth Edwars („Godzilla“) inszeniert. Im Vorfeld spürte ich bei mir fast keinen Hype, meine Erwartungen waren relativ gering. Allerdings hatte ich folgenden Gedanken: Mit „Rogue One“ wird sich zeigen, ob das „Star Wars“-Universum auch etwas anderes sein kann, als märchenhafte Familiengeschichte im Weltraum.

Ist das Experiment geglückt? Nun, ich würde sagen: Teilweise. Aber erstmal zum Positiven. „Rogue One“ ist für einen „Star Wars“-Film überaus düster, hart und stellenweise fast schon deprimierend. Ich muss sagen, dass mir dieser Tonfall gefallen hat, vor allem deshalb, weil es ja eine Art Kriegsfilm sein soll. Insofern hat mir auch das konsequente Ende zugesagt. Im letzten Drittel häufen sich auch die besten Bilder des Films. „Rogue One“ besticht durch gute Action, wobei besonders die großartige Weltraumschlacht zu nennen ist. In diesem Punkt überflügelt das Spin-Off meiner Meinung nach eindeutig „Das Erwachen der Macht“. Der Film kann den Gesamteindruck der Saga auch um ein bis zwei interessante Facetten ergänzen. Unter anderem steht das Imperium nach „Rogue One“ nicht mehr ganz so dämlich da, wenn es um den Konstruktionsfehler des Todessterns geht. Auch die etwas ambivalente Darstellung der Rebellenallianz hat mir gefallen – die Fronten sind hier nicht mehr nur schwarz und weiß. Die besten Szenen des Films gehören aber ganz klar Darth Vader. Der beste Filmschurke aller Zeiten hat zwar nur wenige Minuten für sich, doch diese nutzt er perfekt. Gerade bei Vaders letzter Szene dürften vielen Fans die Freudentränen kommen.

Leider hat „Rogue One“ auch einige massive Schattenseiten. Negativ aufgefallen ist mir unter anderem die CGI-Darstellung von zwei Charakteren aus der ursprünglichen Trilogie, die ohne Tricktechnik so nicht mehr vorzeigbar gewesen wären. Die Animation ist neutral betrachtet nicht schlecht, in einem Videospiel hätte ich ihre Auftritte großartig gefunden. Doch in einem Spielfilm mit echten Menschen fällt das CGI dann doch noch auf und ich werde als Zuschauer aus der Geschichte gerissen. Der Soundtrack von Michael Giacchino war solide. Altbekannte Themen wurden nicht besonders stark verwendet, doch auf der anderen Seite gelang es dem Komponisten nicht, nennenswerte eigene Akzente zu setzen. Vielleicht hängt dies auch mit der eher kurzfristigen Verpflichtung von Giacchino zusammen. Aufgrund von schlechtem Pacing in der Mitte verliert „Rogue One“ auch etwas an Fahrt und kann nicht durchweg fesseln. Aber das größte Problem des Films sind eindeutig die Charaktere. Ben Mendelsohn mag ein guter Schauspieler sein, doch Orson Krennic agiert im Schatten von Vader und Tarkin und wird nicht lange im Gedächtns bleiben. Die meisten Mitglieder der Rebellentruppe bleiben oberflächlich, lediglich bei Jyn Erso und Cassian Andor geht man charakterlich mehr in die Tiefe. Dennoch wird man mit keinem von beiden sonderlich warm. Im Vergleich dazu benötigte „Das Erwachen der Macht“ nicht einmal eine Viertelstunde, um mir Rey, Finn und Poe Dameron als sympathische Figuren zu verkaufen. Hier wollte ich nicht, dass irgendjemand stirbt. Bei „Rogue One“ habe ich irgendwann angefangen zu hoffen, dass es mit dem Sterben nun endlich losgeht. Sympathisch fand ich eigentlich nur den Droiden K-2SO, was bei einem Film, dessen Ausgang handlungstechnisch mehr als fest steht, ein fatales Problem ist. Doch wie hätte man das vermeiden können? Möglicherweise hätten sich andere Darsteller schneller in mein Herz gespielt. Ich meine aber, dass manche Nebenfiguren komplett unnötig waren. Hierbei sind die Charaktere von Donnie Yen und Jiang Wen zu nennen, die ganz klar deswegen dabei sind, um sich dem chinesischen Filmmarkt anzubiedern. Ökonomisch ist die Entscheidung also nachvollziehbar, aber inhaltlich hätte „Rogue One“ die Kürzung einiger Figuren und die gleichzeitige Fokussierung auf Jyn Erso sicher besser getan.

Hat das erste Spin-Off nun gezeigt, dass „Star Wars“ mehr sein kann, als ein Weltraummärchen für die ganze Familie? Auch, wenn die Rechnung nicht perfekt aufgegangen ist, würde ich die Frage mit Ja beantworten. Das Potential ist da und mit besseren Charakteren hätte „Rogue One“ definitiv eine runde Sache werden können. Ich möchte also die Spin-Offs noch nicht abschreiben und bin gespannt darauf, ob mir das nächste Experiment mehr zusagt. Bei diesem soll es übrigens um die Abenteuer des jungen Han Solo gehen. „Rogue One“ bekommt von mir aber erstmal 7 von 10 Popcornguys.

„Star Wars“-Special 2: Angriff der Klonkrieger

Bald ist der Oktober vorbei. Und bald kommt „Das Erwachen der Macht“ ins Kino. Grund genug, die vorherigen Filme nochmals unter die Lupe zu nehmen. Dieses Mal im Fokus: „Angriff der Klonkrieger“.