GOLDEN POPCORNGUY 2019 – Die Ergebnisse sind da!

Die Gewinner unserer diesjährigen Preisverleihung stehen fest! In diesem Podcast könnt ihr alles dazu ablauschen:

Falls ihr nicht ganz so viel Zeit habt, findet ihr eine Liste mit den diesjährigen und auch früheren Gewinnern auf unserem Blog. Nochmals vielen Dank für euer Zutun!

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Vice – Der zweite Mann

Originaltitel: Vice
Regie: Adam McKay
Drehbuch: Adam McKay
Musik: Nicholas Britell
Darsteller: Christian Bale, Amy Adams, Steve Carell

„Vice“ erzählt die Geschichte des US-Politikers Dick Cheney (Christian Bale), der von einem Taugenichts mit Alkoholproblem zum Vizepräsidenten aufsteigt und über viele Jahre hinweg maßgeblich die Weltpolitik vom Weißen Haus aus beeinflusst. Angespornt wird er dabei von Ehefrau Lynne (Amy Adams), während ihm Republikaner wie Donald Rumsfeld (Steve Carell) und George W. Bush (Sam Rockwell) als Inspiration, beziehungsweise nützliche Marionetten dienen. Cheney baut als schweigsamer Mann der zweiten Reihe unaufgeregt und heimlich seine Macht weiter aus und koordiniert US-Interventionen in Afghanistan und im Irak, die bis heute dortige Krisenherde bestimmen.

Das Kinojahr 2019 hat mich bisher relativ enttäuscht. Eine kurze Rekapitulation fällt daher ernüchternd aus: „Capernaum“ – geht an die Nieren, verlässt sich aber zu sehr darauf, sich im Elend zu suhlen. „Maria Stuart, Königin von Schottland“ – die meiner Meinung nach fragwürdige Aussage, dass mit Frauen in Machtpositionen alles besser wäre, in hübsch-historischem Gewand. „Glass“ – die Zusammenführung von „Unbreakable“ und „Split“, die nicht so wirklich aufgehen mag. „Creed II“ – eine ordentliche Fortsetzung, die dem Vorgänger aber nicht das Schweißtuch reichen kann. „The Favourite“ – der neue Film des großartigen Yorgos Lanthimos, der bei mir aber trotzdem nicht so richtig zünden wollte. „The Mule“ – ein solides Drama von und mit Clint Eastwood, das man in Form von „Gran Torino“ aber schon besser gesehen hat. „Green Book“ – nett und wegen der Schauspieler sehenswert, aber ein wenig zu oberflächlich und nicht nachhaltig genug. Und schließlich „Drachenzähmen leicht gemacht 3“, der als Trilogie-Abschluss zwar gelungen ist, aber meiner Meinung nach nicht die gleiche Qualität wie die beiden vorherigen Teile hat.

„Vice“ ist der erste Spielfilm 2019, der sich aus meiner Sicht die Bewertung „gut“ verdient hat. Im Vorfeld war das für mich aber keineswegs klar. Für Drehbuch und Regie zeigt sich Adam McKay verantwortlich, der vor ein paar Jahren mit seinem Finanzkrise-Streifen „The Big Short“ auf sich aufmerksam machte. Der wurde ja von vielen sehr gefeiert. Mir persönlich hat er weniger gefallen. Denn obwohl einem da Margot Robbie aus einer Badewanne heraus krumme Bankgeschäfte erklärt, habe ich nicht wirklich mehr von der Materie verstanden. Und da ich das Gefühl hatte, dass man bei diesem Thema eigentlich mehr kapieren sollte, hat sich bei „The Big Short“ irgendwann ein gewisser Frust eingestellt, der dem an und für sich innovativ gestalteten Film einige Punkte gekostet hat.

Bei „Vice“ habe ich nun das Gefühl, mehr verstanden zu haben, was angenehm ist. Adam McKays innovative Einfälle springen einem auch bei diesem Werk ins Auge. Da werden einem politische Winkelzüge in Form einer Speisekarte vorgetragen, zwei Charaktere verfallen auf einmal in einen Shakespeare-Monolog oder mitten im Film wird einem ein Abspann präsentiert. Diese filmischen Kniffe bewegen sich hier und da hart der Grenze zu einem „Schaut mal her, was für ein geiler Regisseur ich bin“, aber mich haben sie eigentlich immer amüsiert und an der Stange gehalten – was hier und da auch nötig ist, denn gerade in der ersten Hälfte zieht sich die Handlung gelegentlich. Kaschiert wird das – neben der besagten filmischen Kniffe – vom großartigen Schauspiel aller Beteiligten. Natürlich muss vor allem Christian Bale genannt werden, der komplett in der Rolle des Dick Cheney aufgeht. Einerseits mag das an Maske und Fatsuit liegen, doch auf der anderen Seite wird man nicht bestreiten können, dass Bale einfach ein genialer Schauspieler ist. Neben ihm fällt vor allem Sam Rockwell auf, der wie die Faust auf Auge zum Cowboy-Präsidenten George W. Bush passt (wobei ich sagen muss, dass seine Darstellung nicht so überzogen ist, wie man das vielleicht befürchten könnte). Loben möchte ich aber fast noch mehr Steve Carell, der in der Rolle des Donald Rumsfeld kaum wiederzuerkennen ist.

In der zweiten Hälfte des Films dreht sich die Handlung verstärkt um die Anschläge von 9/11 und die daraus resultierenden Kriege in Afghanistan und im Irak. Hier nimmt die Handlung an Fahrt auf und widmet sich Zeitabschnitten, die mich persönlich auch ziemlich interessieren. Eine wertende Haltung von Seiten der Filmschaffenden wird spätestens hier offensichtlich. Man könnte „Vice“ als einen Film mit ziemlich liberaler Gesinnung einstufen, allerdings gesteht er hier und da Cheney auch positive Charakterzüge zu. Beispielsweise wird gezeigt, wie der an und für sich machthungrige Politiker auf eine Präsidentschaftskandidatur verzichtet, um seine homosexuelle Tochter zu schützen. Diese Szenen empfand ich als positiv, wobei „Vice“ deswegen noch kein wirklich differenzierter Film ist. Auf eine kritische Spielfilm-Auseinandersetzung mit Demokraten wie Barack Obama sollte man sich aber eh nicht einstellen. Wer hier etwas Neues erfahren möchte, dem sei Michael Moores Doku „Fahrenheit 11/9“ ans Herz gelegt.

„Vice“ erhält von mir knappe 8 von 10 Popcornguys!

Serien-Special: After Life

Idee & Produktion: Ricky Gervais
Plattform: Netflix
Darsteller: Ricky Gervais, Tony Way, Asley Jensen, David Bradley

Nach dem Tod seiner Frau wandelt der Journalist Tony (Ricky Gervais) ohne jeglichen Lebenswillen durch den Alltag. Allen Aufmunterungsversuchen seines Schwagers (Tom Basden) zum Trotz lässt Tony keine Gelegenheit aus, seine Mitmenschen mit zynischen Kommentaren zu irritieren, oder mögliche Selbstmordversuche ausgiebig mitzuteilen. Völlig ignorant schleppt er sich kraftlos durch sein Leben, einzig angetrieben von der Erinnerung an seine geliebte Frau. Je mehr er den Blick aber auf seine Mitmenschen richtet, umso mehr erfährt er über die Vielschichtigkeit des Lebens.

Ricky Gervais, der kreative Kopf hinter dem britischen Original „The Office“ und „Derek“, eine Persönlichkeit, die mit aller derbstem Humor die Gemüter spaltet und so manchen Shitstorm auslöst und aushält, ist mit einer neuen Serie auf Netflix am Start. Der Grundton ist äußerst depressiv: Ein Witwer, der ohne seine Frau kaum lebensfähig umherwandelt, und es gerade noch so hinkriegt, Futter für seinen Hund zu besorgen, erregt unser tiefstes Mitleid – bis zu dem Zeitpunkt, indem er sämtliche Mitmenschen in einer arrogant-zynischen Art vor den Kopf stößt. Wie diese verkneift sich der Zuschauer den bissigen Gegenkommentar, ist der arme Tony ja sichtlich von seiner Situation geplagt. Wer Ricky Gervais kennt – diese Rolle füllt er selbstverständlich bis zur Perfektion aus.

Diese gegensätzlichen Komponenten geben der Serie eine schöne Würze: Auf der einen Seite die gewohnt bissigen Wortwechsel, die bei Ricky Gervais einfach immer Spaß machen. Auf der anderen Seite aber auch sanfte, melancholische Momente, etwa wenn Tony Videos seiner Frau ansieht, die ihm kurz vor ihrem Tod eine vielzahl von Gedanken mitgibt. Oder wenn er wohlverdiente Ruhe beim Spaziergang mit seinem Hund sucht, und dabei wundervolle Augenblicke in der Natur verweilt.

Tony ist ein interessanter Charakter mit Biss, der eine Weile braucht, aus seinem Schema auszubrechen – Hilfe leisten ihm dabei eine ganze Reihe von skurilen Charakteren, angefangen von seinem gutherzigen Schwager, über die verschrobenen Kollegen, bis hin zu einer Krankenschwester, die ihn mit ihrer positiven Art nahezu überrumpelt. Am wenigsten hilfreich ist dabei wohl sein Psychologe, der wohl unfähigste Vertreter seiner Art.
Zwischen aller Leichtigkeit, mit der die Serie dieses schwere Thema doch verpacken kann, gibt es doch Gelegenheiten, die uns einen gewaltigen Kloß im Hals bescheren: Etwa Tonys Umgang mit seinem demenzkranken Vater, oder ein heroinabhängiger Bekannter, den das Schicksal noch viel schwerer getroffen zu haben scheint, als Tony selbst. So schickt uns „After Life“ auf eine wahre – ja ich schreibe es – Achterbahn der Gefühle, die keinen Zuschauer kalt lässt.

Fazit: Wer eine gute Mischung aus schwarzem Humor und Drama schätzt, ist mit „After Life“ sicherlich nicht falsch beraten. Die kurze Laufzeit von sechs Folgen á 30 Minuten macht das Ganze auch zu einem recht kurzen Vergnügen – reinschauen lohnt sich also!

Fahrenheit 11/9

Originaltitel: Fahrenheit 11/9
Regie: Michael Moore
Drehbuch: Michael Moore
Darsteller: Donald Trump, Rick Snyder, Barack Obama

Mit seiner neuen Dokumentation „Fahrenheit 11/9“ widmet sich Michael Moore den USA unter der Präsidentschaft Donald Trumps. Er beleuchtet die menschenverachtenden Seiten des milliardenschweren Geschäftsmannes, schreckt aber gleichzeitig nicht davor zurück, die Schuld bei seinen Vorgängern zu suchen. Heraus kommt eine scharfzüngige Abrechnung mit der politischen Klasse und eine düstere Warnung vor der Zukunft der USA.

Donald John Trump ist der 45. Präsident der Vereinigten Staaten – was soll man dazu sagen? Ich muss ja gestehen, dass ich Ende 2016 über diese Meldung doch einigermaßen überrascht war. Die ersten Wochen und Monate rechnete ich eigentlich damit, dass jeden Moment Alec Baldwin die Maske fallen und das Ganze zu einem riesengroßen TV-Gag erklären wird. Doch das ist ja bekanntlich nicht passiert. Noch viel überraschter als ich scheinen jedoch die Demokraten gewesen zu sein. Deren Veranstaltung am Wahlabend bildet den Einstieg in Michael Moores neue Doku „Fahrenheit 11/9“. Siegessicher und selbstgefällig lässt sich Hillary Clinton als erste weibliche Präsidentin des Landes feiern und schmückt sich, um möglichst cool und hip zu wirken, mit entsprechenden Celebrities. Doch das Erwachen bei der Ergebnisverkündung muss ein böses gewesen sein.

Wie zu erwarten steht Trump im Fokus der Dokumentation. Moore scheut sich nicht, die rassistischen und sexistischen Facetten des Präsidenten zu beleuchten. In beunruhigenden Zusammenschnitten verdeutlicht er außerdem den Zusammenhang zwischen verbaler und physischer Gewalt. Äußerungen Trumps – die sich beispielsweise gegen Schwarze richten oder wie ein Testballon in Richtung Präsidentschaft auf Lebenszeit vorfühlen – enthemmen seine Wählerschaft und führen zu erschreckenden Übergriffen in Wort und Tat. In den letzten Minuten des Films zieht Moore sogar Parallelen zu Hitler und Nazi-Deutschland der 30er Jahre. Historische Muster mögen sich wiederholen, das mag ich nicht bestreiten, allerdings wirken die Vergleiche hier und da recht dick aufgetragen. Aber provokant war Moore ja schon immer. Allerdings würde ich vermerken, dass man meistens dann mit Hitler-Vergleichen über den Gegner herzieht, wenn einem sonst nichts mehr einfällt. Saddam Hussein könnte ein Lied davon singen – hätten sie ihm damals den Strick nicht ganz so eng um den Hals gezogen.

„Fahrenheit 11/9“ ist jedoch keine bloße Trump-Kritik. Das würde dem Thema auch keinesfalls gerecht werden. Wenn man sich so umhört, könnte man ja den Eindruck bekommen, dass Trump für viele das Böse schlechthin ist, das vor allem plötzlich über die USA gekommen ist und nun nicht nur Amerika, sondern die ganze Welt bedroht. Wenn der Feind so dunkel erscheint, müssen die Helden umso heller gezeichnet werden. Und hier reicht ein Blick in die Twitter-Kanäle mancher Celebrities, um zu erkennen, wie das funktioniert: Die Medien, denen Trump regelmäßig den Krieg erklärt, werden zu Anstalten von Vernunft und Wahrheit erklärt, während man Barack Obama, den viele zu ihrem „true president“ erklären, total heroisiert. Beides ist falsch. Zu den Medien sei gesagt, dass sie Trump während des Wahlkampfs profitgierig ausgeschlachtet haben. Und zu Obama komme ich ein paar Zeilen später.

Moore widmet in seiner Doku einem lokal anmutenden Ereignis besondere Aufmerksamkeit: Der Trinkwasservergiftung in Flint, Michigan. Verantwortung hierfür trägt ein gieriger, republikanischer Gouverneur namens Rick Snyder, der die Schweinerei nicht nur in die Wege leitete, sondern über lange Zeit hinweg auch kaschierte. Die Bleivergiftung von hunderten – zumeisten schwarzen – Kindern und Erwachsenen wurde in Kauf genommen. Die Bewohner von Flint fühlten sich von ihrem republikanischem Gouverneur verraten und hintergegangen. Da waren die Hoffnungen groß, als schließlich der republikanische Obama – damals noch im Amt – anreiste und sich der Sache annehmen wollte. Umso größer war die Enttäuschung, als Obama im Grunde nur das Spielchen mitspielte: Während einer Rede verlangte der Präsident nach einem Glas Flint-Trinkwasser, um die gute Qualität desselben unter Beweis zu stellen. Ein scheues Nippen war alles, was sich Obama traute – und die Nummer wiederholte er während seines Besuchs in Flint einige Male. Moore streut Szenen dieser Tragödie immer wieder ein und macht damit klar, dass es in Amerika nicht unbedingt ein Konflikt zwischen Republikanern und Demokraten ist. Das Land ist gespalten, da ein Großteil der verarmenden Bevölkerung von einer kleinen, elitären Klasse ausgenutzt und abgehängt wird. Man könnte sozusagen Kapitalismus im Endstadium diagnostizieren.

Moore macht deutlich, dass Trump nur das hässliche Ergebnis einer langen Entwicklung ist, die spätestens mit George W. Bushs Irakkrieg begann und zu welcher auch die Demokraten entscheidend beigetragen haben. Doch die Dokumentation bietet auch Szenen der Hoffnung, wenn es beispielsweise um junge Demokraten geht, die aus dem Volk heraus Politik fürs Volk machen wollen. Optimistisch stimmen auch Schülerproteste, die sich gegen das unheilige Bündnis zwischen politischer Elite und Waffenlobby richten. Ob das jedoch reicht, um die Demokratie in den USA zu retten, kann Moore natürlich nicht beantworten. Man merkt ihm als Zuschauer allerdings an, dass es ihm eine Herzensangelenheit ist und er Angst davor hat, dass sein Land in bürgerkriegsähnlichen Zuständen versinkt. Ich persönlich denke mir – um wieder auf die Wiederholung historischer Muster zurückzukommen – dass wir womöglich gerade Zeuge des Niedergangs eines Imperiums werden, wie es in der Geschichte ja schon oft passiert ist.

Für „Fahrenheit 11/9“ als politische Doku, die sich den USA unter Trump und größeren Zusammenhängen widmet, vergebe ich gute 8 von 10 Popconguys und spreche damit eine Empfehlung aus.

Jahresvorschau 2019

In einem Punkt ist das Jahr 2018 wie alle anderen zuvor: Es geht zu Ende. Grund genug, einen Blick voraus ins Kinojahr 2019 zu werfen. Wie immer sind alle terminlichen Angaben ohne Gewähr und einen Anspruch auf Vollständigkeit hat dieser Artikel nicht. Es handelt sich lediglich um jene Filme, auf die ich mich persönlich mehr oder weniger freue und die ich aktuell auf dem Schirm habe.

Der Januar beginnt historisch. In „Maria Stuart, Königin von Schottland“ trifft Saoirse Ronan als schottische Königin Maria Stuart auf Margot Robbie in der Rolle der englischen Monarchin Elisabeth I. Der Film basiert natürlich auf den geschichtlichen Figuren, aber auch auf einer Romanvorlage. Obwohl die ersten Kritiken eher durchwachsen sind, wird man sich wohl auf zwei starke Hauptdarstellerinnen und ein opulentes Kostümfest freuen können. Weniger farbenfroh kommt „Capernaum – Stadt der Hoffnung“ daher. Im Kritikerliebling geht es um einen kleinen, libanesischen Jungen, der aus einer Jugendhaftanstalt heraus seine Eltern verklagt. Einem ganz anderen Kampf muss sich Michael B. Jordan in „Creed 2“ stellen. Obwohl ich kein ausgesprochenes Faible für Boxerfilme oder das Rocky-Franchise habe, hat mir der erste Teil vor ein paar Jahren recht gut gefallen. Ich bin gespannt, was die Fortsetzung zu bieten hat. Ein weiteres Sequel stellt „Glass“ dar. M. Night Shyamaln spinnt die Geschichte zu „Split“ weiter und verknüpft diese mit „Unbreakable“, einem seiner starken Werke aus früheren Zeiten. Zuletzt ging es mit der Qualität von Shyamalan-Filmen wieder bergauf, insofern darf man wegen „Glass“ vielleicht auch auf Gutes hoffen.

Für einen sicherlich denkwürdigen Kinoabend wird der griechische Regisseur Giorgos Lanthimos sorgen. Der Macher von „The Lobster“ und „The Killing Of A Sacred Deer“ macht 2019 mit „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ einen Ausflug Richtung Kostümfilm. Hier dürfen sich Olivia Colman, Rachel Weisz und Emma Stone am englischen Königshof des 18. Jahrhunderts angiften und bekriegen. Wer im Anschluss einen Film mit einem echten Kerl braucht, wird vielleicht mit „The Mule“ glücklich. Hier wirkt Legende Clint Eastwood nicht nur hinter, sondern auch wieder vor der Kamera: Er spielt einen alten Kriegsveteranen, der Drogen über die mexikanische Grenze schmuggelt. Ende Januar hat auch „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ einen Starttermin. Der Film spielt in den 60er Jahren und handelt von einem weißen Türsteher aus der Arbeiterklasse (Viggo Mortensen), der als Fahrer mit einem erfolgreichen, schwarzen Jazz-Musiker (Mahershala Ali) durch das Land tourt.

Anfang Februar kommt eine ganz wunderbare Trilogie zu einem hoffentlich schönen Abschluss: In „Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt“ wird die Geschichte von Wikinger Hicks und seinem Drachen Ohnezahn zu Ende erzählt. Wem der Animationsfilm nicht hart genug ist, könnte beim Gangsterfilm „White Boy Rick“ eher auf seine Kosten kommen. Hier ist unter anderem Matthew McConaughey in einer tragenden Rolle zu sehen – doch 2019 kann einem der sympathische Texaner noch an einigen anderen Stellen begegnen. Politisch und womöglich etwas satirisch wird es in „Vice – Der zweite Mann“. Christian Bale spielt (mal wieder kaum zu erkennen) den ehemaligen US-Vizepräsidenten Dick Cheney. Der Trailer zeigt einen mindesten ebenso genialen Sam Rockwell in der Rolle des George W. Bush. Und wäre das alles noch nicht genug, spielt auch noch die großartige Amy Adams als Ehefrau Dick Cheneys mit.

Im März geht es lustig weiter: „The Sisters Brothers“ ist eine hochkarätig besetzte Westernkomödie, in der sich unter anderem Joaquin Phoenix, John C. Reilly und Jake Gyllenhaal die Klinke in die Hand geben. „High Life“ bedient dagegen die Sci-Fi-Fans: Robert Pattinson (der sich seit „Twilight“ tatsächlich stark gemausert hat) ist hier alleine mit seiner kleinen Tochter auf einem Raumschiff, welches ein Schwarzes Loch ansteuert. Der Trailer lässt auf eine gehörige Portion Psycho-Thriller schließen. Im April kommt das Reboot „Hellboy“ auf uns zu. Als rothäutiger Teufel darf sich dieses Mal David Harbour austoben, den man als coolen Cop in „Stranger Things“ kennen könnte. Die älteren „Hellboy“-Filme kenne ich persönlich noch gar nicht, aber ich habe vor, mit dem Reboot die Figur unter die Lupe zu nehmen.

Im Mai empfängt uns Matthew McConaughey gleich zwei Mal im Kino: Zum einen im Thriller „Im Netz der Versuchung“ (an der Seite von Anne Hathaway), zum anderen in der Kiffer-Komödie „Beach Bum“ (von Regisseur Harmony Korine). Der Blödelfilm gibt McConaughey anscheinend die Chance, zu seinen Wurzeln zurückzukehren – hoffenlich mit Erfolg. Ebenfalls im Mai startet „BrightBurn“. Der Trailer bewegt sich auffällig nah an „Man Of Steel“, doch tatsächlich scheint es ausschließlich um ein Kind mit abnormalen Fähigkeiten inmitten normaler Menschen zu gehen. Produziert wird das Ganze von „Guardians Of The Galaxy“-Regisseur James Gunn, der dieses Jahr ziemlich in Ungnade gefallen ist.

Im Juli bietet uns Disney eine Neuauflage des Zeichentrick-Klassikers „Der König der Löwen“ an. Nun sind die afrikanischen Tiere allerdings nicht mehr gezeichnet, sondern animiert. Ob dieser Film wirklich notwendig ist, bleibt abzuwarten, denn „The Jungle Book“ war es meiner Meinung nach nicht. Über die Effekte wird man aber sicher staunen können. Ebenfalls im Sommer ist endlich mal wieder Quentin Tarantino am Start. Er hat das Western-Genre verlassen und widmet sich in „Once Upon A Time In Hollywood“ den Morden der Manson-Familie. Ob dieses ernste Thema zu Tarantino passt, wird sich zeigen. Allerdings hat der Mann sogar den Zweiten Weltkrieg auf seine Weise verpackt und versammelt auch 2019 einen Cast der allerhöchsten Güte – unter anderem Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie, Bruce Dern und Al Pacino.

Im Spätsommer kann man sich wieder von Clown Pennywise gruseln lassen, wenn „Es 2“ im Kino startet. Regisseur Andy Muschietti erzählt die Geschichte des Clubs der Verlierer weiter, dieses Mal jedoch mit erwachsenen Darstellern wie Jessica Chastain, James McAvoy und Bill Hader. Ich persönlich hoffe auf einen etwas subtileren Horror, der auch Raum für die übernatürlichen und transzendenten Elemente von Stephen Kings Romanvorlage lässt. Im Oktober soll die Horror-Komödie „Zombieland 2“ starten. Viel weiß ich über die Fortsetzung zwar nicht, doch der Cast des ersten Teils, den ich sehr mag, ließ sich anscheinend erneut gewinnen. 2019 kommen mit Sicherheit viele Comicverfilmungen ins Kino, doch wirklich wichtig erscheint mir momentan nur eine: „Joker“ mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle. Das DC-Filmuniversum ist ja mehr oder weniger an die Wand gefahren, was nun die Möglichkeit für kleinere, eigenständige Filmprojekte eröffnet. „Joker“ scheint eine solche Geschichte abseits des großen Justice-League-Brimboriums zu erzählen und ich hoffe, dass das Ganze was wird. Ohne sonderlich große Erwartungshaltung blicke ich „Star Wars: Episode IX“ entgegen. „Die letzten Jedi“ kann wohl als der schwierigste Film der gesamten Sternen-Saga bezeichnet werden. Ich persönlich finde ihn keinesfalls abgrundtief schlecht, allerdings hat er auch nicht gerade neugierig auf das Finale der neuen Trilogie gemacht. Man wird sehen, ob Hype-Künstler J.J. Abrams bis zum Dezember daran noch etwas ändern kann.

2019 stehen außerdem – mal mit mehr, mal mit weniger Wahrscheinlichkeit – einige Filme an, die bisher noch keinen Starttermin haben. Zum Beispiel die zusammenhängenden Titel „Best F(r)iends: Volume One“ und „Best F(r)iends: Volume Two“ vom einzigartigen Chaos-Duo Tommy Wiseau und Greg Sestero. Wer „The Room“ kennt, dürfte eigentlich sehr neugierig darauf sein, was die beiden inzwischen auf die Beine stellen können. In der romantischen Tragikomödie „Columbus“ lernt eine architekturbegeisterte Bibliothekarin (Haley Lu Richardson) einen koreanischen Architektur-Professor (John Cho) kennen. Ein Film, der 2019 aber erst so richtig in Produktion gehen dürfte, ist der Auftakt des Sci-Fi-Epos „Dune“. Kein geringerer als Denis Villeneuve, einer der besten aktuellen Regisseure, zeigt sich hierfür verantwortlich. Man darf also auf erstes Bildmaterial gespannt sein.

„Eighth Grade“ erzählt die Geschichte einer Teenagerin, die kurz vorm Wechsel in die High School steht und mit allerlei Problemen zu kämpfen hat. Diese verarbeitet sie in ihren Youtube-Videos. Hauptdarstellerin Elsie Fisher wirkt im Trailer sehr authentisch und auch wegen der guten Kritiken sollte man den Film auf dem Zettel haben. In „Fighting With My Family“ spielt Nick Frost (bekannt aus den Komödien mit Simon Pegg) einen Ex-Wrestler. Die Geschichte basiert auf realen Persönlichkeiten, aber da ich in Sachen Wrestling nicht sonderlich bewandert bin, reizt mich an dem Projekt eher Hauptdarstellerin Florence Pugh. Schwerer Stoff dürfte einen in „First Reformed“ erwarten. Ethan Hawke spielt hier einen ehemaligen Militärpriester, der eine schrumpfende Kirchengemeinde betreut und von Glaubenszweifeln geplagt ist. Er steht einer Frau aus seiner Gemeinde bei, deren Mann ein radikaler Umweltaktivist ist und die Meinung vertritt, dass man in diese Welt keine Kinder mehr setzen darf.

Mit „Fonzo“ meldet sich Regisseur Josh Trank nach dem „Fantastic Four“-Debakel zurück. Für das Biopic zum berühmten Gangster Al Capone konnte er Tom Hardy in der Hauptrolle gewinnen. „Luz“ ist ein recht experimentell und extrem wirkender Horror-Mystery-Streifen aus Deutschland, für den sich eher unbekannte Leute verantwortlich zeigen. Allerdings finde ich, dass man solche Projekte durchaus unterstützen sollte. Populärer wird es da eher mit „Stan & Ollie“. Im Biopic zu den Slapstick-Ikonen Dick und Doof schlüpfen Steve Coogan und John C. Reilly in die übergroßen Rollen. Auch Martin Scorsese mischt 2019 mit. Für den Gangsterfilm „The Irishman“ hat der Meister-Regisseur alte Haudegen wie Robert De Niro, Al Pacino, Joe Pesci und Harvey Keitel vor der Kamera versammelt. Eigentlich sollte der Film über Netflix laufen, doch nun heißt es, dass es auch einen Kinostart gibt. Wie großflächig der sein wird, bleibt abzuwarten. Erwähnenswert sind außerdem noch „The Outlaw Johnny Black“ (die Fortsetzung zum kongenialen „Black Dynamite“), sowie „World War Z 2“ von David Fincher, wobei man von letzterem schon länger nichts mehr gehört hat.

Ich hoffe, dass dieser Artikel für den ein oder anderen ein bisschen Orientierung bietet. Mit Sicherheit wird einem 2019 auch wieder viel Durchschnitt im Kino begegnen, aber ich bin optimistisch, dass doch auch einige Perlen aufploppen werden. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!

Bohemian Rhapsody

Originaltitel: Bohemian Rhapsody
Regie: Bryan Singer, Dexter Fletcher
Drehbuch: Anthony MacCarten, Peter Morgan
Musik: John Ottman, Brian May, Roger Taylor
Darsteller: Rami Malek, Gwilym Lee, Lucy Boynton

London, 1970: Der musikalische Design-Student Farrokh Bulsara – besser bekannt unter dem Namen Freddie – lauscht begeistert den Klängen einer jungen Rockband namens Smile. Dieser fehlt allerdings bald der Sänger, woraufhin Freddie mit seinem ausgefallenen Stil und seiner einprägsamen Bühnenpräsenz einspringt. Smile wird zu Queen und erobert innerhalb weniger Jahre die Radiocharts, auch mit eher experimentellen und gegen den Mainstream schwimmenden Songs. Sänger Freddie Mercury ist nun einer der populärsten Künstler des Planeten und führt ein turbulentes Leben zwischen kreativen Höhenflügen, wilden Partys und der Suche nach seiner Sexualität. Doch dann wird alles von einer niederschmetternden Diagnose erschüttert: Freddie hat Aids.

So ziemlich jeder dürfte aus dem Stand fünf Queen-Songs aufzählen können. Ein ausgesprochener Fan war ich persönlich nie, obwohl ich ja sagen muss, dass ich jeden mir bekannten Titel gut, einige sogar sehr gut finde. Mein Lieblingssong war lange Zeit „Another One Bites The Dust“ – wegen der phänomenalen Bassline. Und schließlich wird auch so ziemlich jeder zustimmen müssen, wenn Freddie Mercury als einer der größten Performer aller Zeiten betitelt wird.

Dementsprechend war ich auf den Queen-Film schon gespannt, nicht zuletzt wegen der starken Trailer. Skeptisch wurde ich, als man von den Turbulenzen hinter der Bühne erfahren hat. Ursprünglich sollte Sacha Baron Cohen die Hauptrolle spielen, doch er wurde von Rami Malek ersetzt. Gehen musste mittendrin auch Regisseur Bryan Singer. Und ein guter Trailer, der auf Queen-Musik getrimmt ist, muss noch kein Garant für einen guten Film sein. Siehe „Suicide Squad“.

Bekommen habe ich am Ende aber doch einen guten Film, der in hohem Maße unterhält. Handwerklich ist er einwandfrei. Das beginnt bei den schönen Kameraeinstellungen und hört bei der liebevollen Gestaltung des Soundtracks auf. Verwendet werden ausschließlich originale Queen-Liveaufnahmen, die man den Schauspielern rund um Rami Malek in den Mund, beziehungsweise aufs Instrument legt. So gesehen ist „Bohemian Rhapsody“ möglicherweise die beste und überzeugendste Mini Playback Show, die es gibt. Passenderweise liegt der Fokus des Films auf der Band und der Musik. Besonders gelungen finde ich jene Szenen, die – sicherlich gestrafft und etwas romantisierend – die Entstehungsprozesse von Songs wie „Bohemian Rhapsody“, „We Will Rock You“ oder „Another One Bites The Dust“ veranschaulichen. Hier merkt man auch die gute Chemie zwischen den durchweg perfekt gewählten Darstellern. Als Finale wird der Auftritt bei Live Aid 1985 gewählt, bei welchem das Wembley Stadion und das dazugehörige Konzert auf beeindruckende Weise dargestellt werden. Bestimmt hätte man auch aus der eigentlichen Abschiedstour und dem tragischen Tod von Freddie Mercury ein denkwürdiges Filmende machen können. Doch die hier gewählte Variante ist gut und passend, denn sie zeigt, dass Queen als Band funktionert – und das war für mich ein wichtiges Thema des Films.

Unumstritten ist „Bohemian Rhapsody“ allerdings nicht. Kritiker bemängeln, dass Themen wie Drogenkonsum oder Homosexualität höchstens angeschnitten und nicht ausreichend vertieft werden. Ich persönlich bin diesbezüglich weniger enttäuscht, weil ich es wie gesagt gut finde, dass der Fokus eher auf Band und Musik liegt. Es ist möglich, dass man auf anderen Wegen die Person Freddie Mercury vielleicht besser kennengelernt hätte. Andererseits: Ist das bei einer solchen Ikone denn wirklich notwendig? Queen-Fans könnten Probleme damit haben, dass chronologisch gesehen einiges durcheinander kommt. Viele Songs entstanden zu anderen Zeitpunkten und auch die Aids-Diagnose wurde vorgezogen, um das Finale emotional aufladen zu können. Sicherlich, bei einem Spielfilm sind derartige Kniffe im Sinne der Dramaturgie notwendig. Trotzdem habe ich für diejenigen Fans Verständnis, die wegen dieser Ungereimtheiten enttäuscht sind.

Alles in allem ein unterhaltsames Musikdrama mit starker Mukke, überzeugenden Darstellern, guten Lachern und einer Prise Tragik. Ach ja, und wenn es um Live Aid 1985 geht, kommt man natürlich auch als U2-Fan auf seine Kosten. Zumindest ein paar Sekunden lang. 8 von 10 Popcornguys!