Endlich: Der Popcast als Podcast

Nachdem wir unsere gemütlichen Plauderstunden stets in Videoform auf YouTube veröffentlichten, möchten wir unsere Unterhaltungen nun auch allen zugänglich machen, denen YouTube zu umständlich ist oder die ohnehin lieber reine Podcasts hören.

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Viel Spaß beim Reinhören!

Hinweis: Popcornguys go Popcast

Ein kleiner Hinweis für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Seit gut sieben Monaten – also etwa seit dem Beginn der Corona-Pandemie – lassen Flo und David euch via Podcast an ihrem Film- und Serienkonsum teilhaben. Der sogenannte „Popcast“ ist inzwischen schon in die 11. Runde gegangen. Weiter unten findet ihr Zugang zum allerersten Popcast, von dort aus bei Interesse einfach durchklicken. Und selbstverständlich liken, kommentieren, abonnieren, Sektkorken knallen lassen und so weiter und so fort.

Davids Zünftige Zehn – 1960er

Während der Corona-Krise hatte ich die Gelegenheit, einige ältere Filme und Klassiker nachzuholen. Da kam ich auf die Idee, mich etwas mehr mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Ich möchte in den kommenden Wochen und Monaten verschiedene Jahrzehnte betrachten und dabei die – meiner Meinung nach – zehn besten Filme der einzelnen Dekaden herauspicken.

Den Anfang machen die 1960er Jahre. Falls es ältere Leser gibt, dürften sie dieses Jahrzehnt als eine sehr turbulente Zeit in Erinnerung haben: Die Berliner Mauer wurde errichtet. Die Kuba-Krise markierte einen Höhepunkt des Kalten Krieges. Vietnamkrieg, Bürgerrechtsbewegung und Flowerpower bestimmten vor allem die US-amerikanische Politik. John F. Kennedy und Martin Luther King wurden ermordet. Der Sechstagekrieg definierte den Nahen Osten neu. Die Katholische Kirche richtete sich im Zweiten Vatikanischen Konzil an der Moderne aus. Und Neil Armstrong betrat als erster Mensch den Mond.

Auch für die Filmlandschaft waren die 1960er Jahre eine Zeit des Umbruchs und Wandels. Die goldene Ära Hollywoods war vorbei, berühmte Regisseure wie Alfred Hitchcock hatten ihr Hauptwerk abgeschlossen und zahlreiche große Darsteller kamen in die Jahre. Neue kreative Filmströmungen entwickelten sich, größtenteils in Europa, bis der US-amerikanische Film in den 1970er Jahren durch das sogenannte New Hollywood eine Renaissance. Das Jahrzehnt zuvor kann gewissermaßen als Übergangszeit bezeichnet werden. Dennoch kam es hier zu einigen bemerkenswerten Filmen, die oft zur Spitze ihres jeweiligen Genres zählen.

Psycho (1960)

Anfang der 1960er Jahre konnte Alfred Hitchcock bereits auf den Großteil seines Werks zurückblicken. Ich selbst habe bisher leider nur wenige seiner Filme gesehen. Mein persönlicher Favorit zählt dabei definitiv zum Spätwerk des Regisseurs. In „Psycho“ geht es um die Sekretärin Marion Crane, gespielt von der zauberhaften Janet Leigh. Sie unterschlägt ihrem Arbeitgeber Geld, meldet sich krank und verlässt die Stadt, um zu ihrem Geliebten zu fahren. Unterwegs gerät Marion in einen schlimmen Regen und kommt in einem abgelegenen Motel unter. Anthony Perkins spielt Norman Bates, den jungen Eigentümer der Unterkunft. Er wirkt verklemmt und eigenartig, zeigt aber Interesse an der attraktiven Frau. Bates erzählt Marion auch von seiner kranken Mutter, die nebenan in einem alten Haus lebt und auf die er sehr fixiert zu sein scheint. Viel mehr möchte ich über die Handlung nicht verraten, wobei zahlreiche Szenen in die Filmgeschichte eingegangen und bekannt sein dürften. Hitchcocks „Psycho“ ist zurecht ein Klassiker und Meilenstein des Thriller-Genres. Neben handwerklicher Pionierarbeit sind vor allem Wendungen und Entscheidungen hinsichtlich der Charaktere zu loben, die in der damaligen Zeit absolut revolutionär gewesen sein müssen. Selbstverständlich spiele ich auf die immer noch schockierende Duschszene an, doch auch die Freizügigkeit, mit der sich Janet Leigh in den ersten Minuten des Films zeigt, dürfte ziemlich provoziert haben. Jedem, der „Psycho“ noch nicht gesehen hat, möchte ich diesen schaurig-beklemmenden Kultfilm in schwarz-weiß dringend empfehlen.

Spartacus (1960)

Die Zeit der großen Monumental- und Historienfilme waren die 1950er Jahre. Hier dominierten epochale Werke wie „Quo Vadis?“, „Die zehn Gebote“ und „Ben Hur“ das Kino. In den 1960er Jahren hatte das Genre seinen Höhepunkt schon eher überschritten, aber dennoch wurde zu Beginn des Jahrzehnts einer der besten Sandalenfilme überhaupt veröffentlicht. „Spartacus“ orientiert sich an der wahren Geschichte des gleichnamigen Sklaven, der als Gladiator ausgebildet wurde und schließlich einen Sklavenaufstand gegen die Römische Republik führte. Kirk Douglas, dessen markantes Gesicht antiken Heldenbüsten problemlos den Marmor reichen kann, spielte nicht nur die Hauptrolle, sondern war auch der ausführende Produzent. Bereits nach den ersten Drehtagen kam es zu Meinungsverschiedenheiten mit dem Regisseur, weswegen Douglas den damals noch recht unbekannten Stanley Kubrick mit dem Projekt betraute. Obwohl Kubricks künstlerische Freiheit im Vergleich zu seinen späteren Werken wohl eingeschränkt war, wirkt „Spartacus“ bist heute frisch und mutig inszeniert. Dem damaligen Publikum war der Film an manchen Stellen aber zu mutig. So war lange Zeit eine Szene gestrichen, in der zwischen einem römischen Politiker und seinem Sklaven antike Bisexualität angedeutet wird. Neben den umwerfenden Schauwerten und großen Schlachten besticht der Film durch den leidenschaftlichen Kampf um Freiheit und eine sehr gefühlvolle Liebesgeschichte, die sich zwischen den Figuren von Douglas und der wundervollen Jean Simmons abspielt. Eine klare Empfehlung also, besonders in Zeiten, in denen gute Monumental- und Historienfilme im Kino eher Mangelware sind.

Hatari! (1962)

Als Kind ist man ja in der Lage, den gleichen Film immer und immer wieder anzusehen, oft mehrmals in der Woche. So erging es mir mit „Hatari!“, den mein Großvater auf Videokassette hatte. Und tatsächlich bietet dieser Abenteuerfilm so einiges, was ein Kind begeistern dürfte: Coole Typen, Witz und Humor, mitreißende Musik, spannende Actionszenen mit Autos und jede Menge Tiere. Aber zunächst zur Handlung. In „Hatari!“ geht es um die Fangmannschaft einer afrikanischen Großwildstation. Es ist der Beruf der bunten Truppe, Tiere für Zoos einzufangen, was bei großen Säugern wie Büffeln oder Nashörnern durchaus riskant ist. Den Anführer des Teams spielt John Wayne, der einen Großteil seiner Filme bereits während der goldenen Ära Hollywoods abdrehte. In „Hatari!“ gibt er den gewohnt harten und mürrischen Kerl, dessen Leben von der Ankunft der lebhaften Fotografin Dallas (Elsa Martinelli) jedoch gehörig umgekrempelt wird. Die von Sticheleien geprägte Liebesgeschichte der beiden ist unterhaltsam, doch das Herzstück des Films sind natürlich die authentischen und daher äußerst packenden Jagdszenen. Aus Gründen des Tierschutzes wäre ein solcher Dreh heute undenkbar. Ebenso unmöglich erscheint die schiere Menge an Zigaretten und Alkohol, die quasi im Minutentakt konsumiert werden. Doch der Reiz von „Hatari!“ besteht meiner Meinung nach auch darin, ihn als Kind seiner Zeit zu sehen und sich an entsprechend befremdlichen Szenen ein wenig zu reiben.

Lawrence von Arabien (1962)

Nicht jeder Monumentalfilm muss sich mit antikem Stoff beschäftigen. Das zeigt unter anderem „Lawrence von Arabien“, der zur Zeit des Ersten Weltkriegs spielt. Der Film erzählt die Geschichte des britischen Offiziers, Archäologen, Geheimagenten und Schriftstellers Thomas Edward Lawrence. Ein Soldat mit Leib und Seele war er wohl nicht. Sein leidenschaftliches Interesse galt vielmehr dem Nahen Osten und dem Leben der Beduinen in der Wüste. 1916 wurde Lawrence als Verbindungsmann auf die arabische Halbinsel geschickt und wurde dort schnell zu einer Schlüsselfigur des Aufstands der Araber gegen das Osmanische Reich. In der Verfilmung der historischen Ereignisse sind neben Peter O’Toole in der Hauptrolle unter anderem Alec Guinness, Anthony Quinn und Omar Sharif zu sehen. „Lawrence von Arabien“ mag wegen gewisser Freiheiten angreifbar sein, ist jedoch bis heute ein unglaublich aufwendiges und bildgewaltiges Wüstenepos. Allein die Drehorte, die die Crew unter anderem nach Jordanien, Spanien, Marokko und Kalifornien führten, rechtfertigen eine Sichtung dieses majestätischen Werkes.

James Bond 007 – Goldfinger (1964)

Ich gebe es zu, ein Experte in Sachen James Bond bin ich wahrlich nicht. Vermutlich habe ich nur rund zehn Filme der Reihe wirklich gesehen. Insofern füge ich mich wohl ganz dem langweiligen Mainstream, wenn ich sage, dass ich Sean Connery für den besten Darsteller und „Goldfinger“ für den besten Film halte. Vielleicht abgesehen von „Casino Royale“ mit Daniel Craig. In „Goldfinger“ soll der britische Geheimagent den exzentrischen Milliardär Auric Goldfinger (Gerd Fröbe) überwachen. Dieser gefährdet durch illegalen Goldschmuggel das internationale Währungssystem. Zudem möchte er sämtliche Goldreserven der Vereinigten Staaten in Fort Knox radioaktiv verseuchen und daraus Profit schlagen. Viele Szenen des Films haben sich mir für immer ins Gedächtnis gebrannt: Die völlig mit Gold übermalte und dadurch erstickte Frau. Bond und Goldfinger beim Golfen. Der Laserstrahl zwischen Connerys Beinen. Bonds Kampf gegen Goldfingers stummen Leibwächter Oddjob. Und natürlich das Finale im Jet. Gekrönt werden diese magischen Filmmomente von Shirley Basseys krachendem Titelsong, der ironischerweise nie einen größeren Preis gewonnen hat. Doch sie kann sich trösten: Nicht immer wird Qualität mit einem Oscar ausgezeichnet.

Zwei glorreiche Halunken (1966)

Bereits in den 1950er Jahren feierte der Western große Erfolge in Hollywood und prägte die Filmlandschaft. Doch im darauffolgenden Jahrzehnt entwickelte sich mit dem Italo-Western ein Sub-Genre, welches von italienischen Produktionen dominiert wurde. Der mit Abstand wichtigste Regisseur dieser Sparte und auch allgemein einer der besten Filmemacher überhaupt war Sergio Leone. Italowestern – auch als Spaghetti-Western bezeichnet – gingen ironischer, zynischer, brutaler und amoralischer an das Thema heran. Auf diese Weise entstanden einige späte Western, die zu den interessantesten des gesamten Genres zählen. Und ganz an der Spitze steht für mich Sergio Leones „Zwei glorreiche Halunken“. Der englische Titel „The Good, the Bad and the Ugly“ verdeutlicht, dass es die Geschichte dreier Männer ist: Tuco (unterhaltsam: Eli Wallach), Sentenza (bösartig: Lee Van Cleef) und der Blonde (cool: Clint Eastwood) suchen eine mit Goldmünzen gefüllte Kiste, die auf einem Friedhof vergraben wurde. Das Problem: Die drei Männer sind im Besitz unterschiedlicher Informationen, die nur kombiniert zum Schatz führen. Das zwingt die zwielichtigen Kriminellen zur Zusammenarbeit, die natürlich auf äußerst wackligen Beinen steht. Neben den drei Darstellern und der wundervollen Inszenierung Leones ist es natürlich Ennio Morricones perfekter Soundtrack, der „Zwei glorreiche Halunken“ zweifellos in den Klassiker-Olymp aufsteigen lässt.

Das Dschungelbuch (1967)

Es gab eine Zeit, in der Disney nicht durch umfangreiche Firmenübernahmen, Marvel-Blockbuster und das erbarmungslose Melken der „Star Wars“-Marke bekannt war, sondern die guten, alten Zeichentrickfilme veröffentlichte. „Das Dschungelbuch“ ist dabei der letzte abendfüllende Spielfilm, der von Walt Disney selbst produziert wurde. Der Film, der sich an den Dschungelbuch-Erzählungen von Rudyard Kipling orientiert, war enorm populär und ist bis heute der erfolgreichste Film in Deutschland, wenn es nach Anzahl der Kinobesucher geht. Es ist die Geschichte von Mogli, der als Baby im Dschungel ausgesetzt wurde und unter Wölfen aufwächst. Der bösartige, aber sehr eloquente Tiger Shir Khan trachtet dem Menschenkind nach dem Leben. So wird dem schwarzen Panther Baghira die Aufgabe übertragen, Mogli zurück zu den Menschen zu bringen. Der vernünftigen Großkatze steht der gemütliche Bär Balu entgegen, der das Leben in vollen Zügen genießt und das Menschenkind gerne als Freund behalten würde. Hinzu kommen unvergessliche Nebencharaktere, wie die schrullige Riesenschlange Kaa, der Affenkönig King Louie oder Colonel Hathi von der Elefantenpatrouille. Einen Großteil des Charmes macht aber natürlich der Soundtrack mit vielen tollen Songs aus, die zurecht Kultstatus genießen.

Planet der Affen (1968)

Die 1960er Jahre waren geprägt von Kriegen, Rassenunruhen und Attentaten. In einer solchen Lage möchte ein Filmstudio vielleicht nicht unbedingt einen politischen Film ins Kino bringen, sondern das Publikum einfach unterhalten. Doch es gibt ein Genre, welches womöglich besser als alle anderen Unterhaltung mit Politik verknüpfen kann: Science-Fiction. „Planet der Affen“ ist ein Vertreter dieses Genres, und ein sehr guter noch dazu. George Taylor (Charlton Heston) befindet sich mit anderen Astronauten auf einem Raumschiff im All und entkommt dadurch der von Kriegen gebeutelten Erde des 20. Jahrhunderts. Nach monatelangem Tiefschlaf erwachen die Weltraumreisenden, doch ihr Schiff ist auf einen unbekannten Planeten gestürzt. Dort sind Affen die dominante Spezies und leben in einer rustikalen Zivilisation, während Menschen äußerst primitiv sind und wie eine minderwertige Rasse behandelt werden. Taylor verliert seine Stimme und lebt als Gefangener unter den Affen, bis er schließlich Verbündete findet und eine grauenhafte Wahrheit erkennen muss. „Planet der Affen“ ist ein visueller Genuss, der in Sachen Spezialeffekte und Maskenbild neue Maßstäbe setzte. Hinzu kommen zahlreiche gesellschaftskritische Töne, die den Film bis heute inhaltlich interessant und relevant machen.

2001: Odyssee im Weltraum (1968)

Ein schwarzes Bild, unterlegt mit den nervenaufreibenden Klängen des Orchesterwerks „Atmosphères“. Mond, Erde und Sonne in Konjunktion, dazu „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss. Eine Gruppe von Affen, die in der afrikanischen Savanne ums nackte Überleben kämpft. Ein quaderförmiger, schwarzer Monolith, der die Vormenschen dazu bringt, Knochen als Werkzeuge oder Waffen zu verwenden. Zeitsprung. Schnitt in den Weltraum. Raumschiffe und Raumstationen, die sich majestätisch durchs All bewegen, dazu der Walzer „An der schönen blauen Donau“. Das sind die ersten Minuten des Science-Fiction-Films „2001: Odyssee im Weltraum“ von Stanley Kubrick. Gesehen habe ich ihn erstmals 2014. In diesem Jahr brachte Christopher Nolan „Interstellar“ ins Kino, Kubricks Film galt hierbei als wichtige Inspiration. Insofern reizte es mich, die beiden Werke vergleichen zu können. Während „Interstellar“ hier und da wie eine etwas bemühte und zu kopflastige Vorlesung in Astrophysik daherkommt, ist „2001“ eher wie ein Lehrer, der dich in ein Museum für moderne Kunst führt und dich vor dem kompliziertesten und unheimlichsten Gemälde allein lässt. Zwar gibt es in Kubricks Film, der in vier Akte geteilt ist, schon eine klare Handlung. Besonders deutlich ist beispielsweise die Geschichte rund um den Supercomputer HAL 9000, der im Raumschiff seine menschlichen Mitreisenden überlistet und damit für die potentielle Gefahr künstlicher Intelligenz steht. Doch im letzten Akt geht „2001“ komplett in eine psychedelische Symbolwelt über, auf der sich jeder Zuschauer am besten selbst einen Reim machen sollte. In der richtigen Stimmung ist ein unvergesslicher Trip garantiert.

Spiel mir das Lied vom Tod (1968)

Es gibt ja viele Menschen, die sich über die Deutsche Bahn und das Warten auf zu spät kommende Züge aufregen. Die sollten sich vielleicht mal den Western-Klassiker „Spiel mir das Lied vom Tod“ von Sergio Leone ansehen. Mehr als zehn Minuten dauert die stumme Eröffnungssequenz, in der drei zwielichtige Revolvermänner in langen Staubmänteln an einem verlassenen Bahnhof auf einen Zug warten, um dann von einem namenlosen Mundharmonikaspieler erschossen zu werden. Dies ist der Auftakt einer Rachegeschichte, in der Charles Bronson, Henry Fonda und Claudia Cardinale in den Hauptrollen zu sehen sind. Abermals ist es Komponist Ennio Morricone, der einen Soundtrack der Extraklasse liefert. Regisseur Leone bündelt in „Spiel mir das Lied vom Tod“ alles, was den Spaghetti-Western ausmacht, und zelebriert genussvoll die ewig langen Einstellungen und extremen Nahaufnahmen. Das ist man von heutigen Filmen natürlich überhaupt nicht gewohnt, weswegen dieser Klassiker durchaus zu einer Geduldsprobe werden kann. Doch wer in der richtigen Stimmung ist und seine Sehgewohnheiten neu justieren möchte, sollte einen Blick riskieren – es lohnt sich. Auch wenn ich persönlich „Zwei glorreiche Halunken“ einen Tick besser finde, ist „Spiel mir das Lied vom Tod“ ohne jeden Zweifel ein Meilenstein der Filmgeschichte.

Outside In

Titel: Outside In
Regie: Lynn Shelton
Musik: Andrew Bird
Darsteller: Jay Duplass, Edie Falco, Kaitlyn Dever, Ben Schwartz

Der 38-jährige Chris (Jay Duplass) kehrt nach 20 Jahren Gefängnis in seine Heimatstadt zurück. Nur schwer gelingt es ihm, wieder auf die Beine zu kommen – zu überfordernd ist der schnelllebige Zeitgeist und die Blicke der Menschen. Wirklich frei fühlt sich Chris nur, wenn er allein mit seinem Rad durch die Straßen der Kleinstadt fährt. Kaum jemand scheint da zu sein, der ihm Halt gibt. Eine Ausnahme ist Carol (Edie Falco), seine ehemalige Lehrerin, die in den vergangenen 20 Jahren ihre ganze Zeit und Kraft für Chris´ Freilassung geopfert hat. Nun, da sie sich im realen Leben gegenüberstehen, wird ihre Beziehung plötzlich vor harte Proben gestellt.

Die Filmemacherin Lynn Shelton verstarb kürzlich mit nur 54 Jahren viel zu früh und unerwartet. Bekannt war sie zwar eher als Regisseurin an Sets diverser TV-Serien (u.a. GLOW, Love, Master of None), doch hat sie sich auch mit ihren Arbeiten an einigen Indiefilmen einen Namen gemacht. So auch das Drama „Outside In“ um einen ehemaligen Gefängnisinsassen, der sich zwar in Freiheit wähnt, ob seiner Umwelt, die unaufhaltsam an ihm vorbeizieht, aber wie in Ketten liegt. Dabei ist es die unaufgeregte Erzählweise, die mich so nachhaltig beeindruckt hat. In vielen anderen Filmen wäre beispielsweise der Grund für Chris´ Gefängnisstrafe – ein schiefgelaufener Überfall – viel detaillierter behandelt worden. Outside In jedoch wirkt wie der Ausschnitt einer großen Geschichte, der sich auf einen bestimmten Strang bezieht – und das ist hervorragendes Stroytelling.

Die Figuren haben (gemeinsame Vor-)Geschichte. Ob es nun die schwierige Beziehung zwischen Chris und seinem Bruder Ted (Ben Schwartz), der, wie man nur langsam erfährt, auch am Überfall beteilgt war. Oder aber Hildy (Kaitlyn Dever), die Tochter Carols, die mit ihrer eigensinnigen Art auf die Welt blickt, und dabei Chris mit seinem Schmerz und Ungewissheit wahrnimmt. Im Mittelpunkt steht aber seine Beziehung zu Carol, die in den Jahren seines Gefängnisaufenthaltes als einzige für ihn da war. Es scheint für ihn beinahe unvorstellbar, jemals einem anderen Menschen so Nahe zu sein wie ihr. Diese aber hat mit ihrer zerbrechenden Ehe zu kämpfen, und ist sich deshalb ihrer Gefühle gegenüber Chris absolut unsicher, vor allem da die beiden ein großer Altersunterschied trennt.

Outside In besticht aber nicht nur in seiner natürlich erzählten Geschichte, sondern erzeugt mit seinem melancholischen Soundtrack auch eine bittere Atmosphäre, in die sich die geplagten Charaktere nur zu gut einfügen. Ergänzt von schwermütigen Bildern, die in kleinen Blitzlichtern immer wieder die Schönheit des Zerbrochenen sichtbar machen.

Fazit: Mit Outside In gelang Lynn Shelton eine Filmperle, die in unaufgeregter Weise wichtige Fragen aufwirft, etwa „Wie gelingt Resozialisierung nach jahrzehntelanger Isolation?“ oder „Was ist wahre Liebe?“. Der große Pluspunkt: Outside In versucht nicht, diese Fragen in bedeutungsschwangeren, moralischen Weisheiten zu beantworten, sondern bleibt zu jeder Zeit natürlich und lebensnah. Indiefreunde schauen auf jeden Fall rein!

8 von 10 Popcornguys

 

 

Serien-Special: Upload

Titel: Upload
Showrunner: Greg Daniels bei Amazon Studios
Genre: Science-Fiction, Satire
Darsteller: Robbie Arnell, Andy Allo, Allegra Edwards

Im Jahr 2033 dominiert Technik das tägliche Leben der Menschen – Lieferdrohnen, persönliche Bewertungssysteme in Job und Freizeit, und die wohl interessanteste Neuerung: Der Tod hat als Ende des irdischen Lebens seine Bedeutung verloren, denn Erinnerungen – praktisch die ganze Persönlichkeit eines Menschen – lässt sich digitalisieren und in paradiesische Welten wie etwa „Lake View“ übertragen. Dies geschieht mit dem Programmierer Nathan (Robbie Arnell), der sich von seiner Freundin Ingrid (Allegra Edwards) überzeugen lässt, sich hochladen zu lassen, als er nach einem Autounfall im Sterben liegt. Obwohl Lake View alles bietet, was Nathan sich wünscht, braucht er eine Weile um sich an sein ewiges Leben dort zu gewöhnen. Seine Ruhe wird jedoch bald gestört, als sich langsam Hinweise verdichten, dass sein Unfall möglicherweise gar keiner war.

Greg Daniels, der nicht nur als Autor bei den Simpsons und Saturday Night Live gewirkt hat, sondern als Showrunner für die US-amerikanische Adaption von The Office und Parks & Recreation bekannt wurde. Nun hat er ein weiteres Projekt via Amazon Series produziert: Upload, das nicht nur bei einer breiten Zuschauerschaft positiv aufgenommen wird, sondern aufgrund seiner Thematik als ein witziges Black Mirror bezeichnet wird.

Als großer Fan von Parks & Rec habe ich mir dieses neue Machwerk natürlich sofort angeschaut und kann nach den ersten Folgen ein kleines Zwischenfazit ziehen. Der Vergleich mit „Black Mirror“ liegt nah, denn die alles beherrschende Technik, der sich die Menschen bereitwillig ausliefern, dringt nicht nur tief in ihre Privatsphäre ein, sondern erzeugt auch wahnsinnigen gesellschaftlichen Druck. Upload greift diese Themen zwar ebenso verdeckt zynisch aus, bleibt im Gegensatz zu Black Mirror in allem aber wesentlich lockerer. Das eine oder andere Thema – wie etwa die Auseinandersetzung mit einem sterbenden Vater, der sich weigert, hochgeladen zu werden – beschert eine Tiefe, die hoffentlich noch weiter ausgebaut wird.

Tiefe vermisse ich leider noch in mehreren Bereichen: Die Hauptfigur Nathan lässt sich von seiner oberflächlichen Freundin einspannen, und kann dabei nicht grade mit Sympathie punkten. Zwar entwickelt er sich langsam zu einem freundlich grinsenden Idioten, aber wirklich anknüpfen kann ich bei ihm nicht. Anders bei Nora (Andy Allo), die als Mitarbeiterin die Kunden in Lake View betreut, und alle Wünsche erfüllt, während sie im wahren Leben immer wieder an persönliche Grenzen stößt.

Mit viel Kreativität punktet Upload auch mit seinen Dynamiken des digitalen Himmels, ob es nun die roboterartigen Mitarbeiter sind, oder die Tatsache, dass das unfassbar reichhaltige Frühstücksbuffet pünktlich um 10 Uhr verschwindet. Auch gibt es hier in meinen Augen noch Luft nach oben, doch ich bin zuversichtlich weiter gut unterhalten zu werden. Auch der ein oder andere Storystrang, wie etwa der mysteriöse Unfall, der Nathan das Leben gekostet hat, halten die Zuschauer gut an der Stange.

Fazit: Große Begeisterung hat sich nicht sofort eingestellt, doch bin ich bislang gut unterhalten worden, und möchte auch noch mehr über die Charaktere und ihre Welt(en) erfahren. Für Amazon scheint die Sache gut aufzugehen, denn eine 2. Staffel wurde bereits bestellt. Ich bin gespannt auf den Rest der Staffel, nach dessen Ende ich dann eine Punktewertung vergeben werde!

Vampire’s Kiss

Originaltitel: Vampire’s Kiss
Regie: Robert Bierman
Drehbuch: Joseph Minion
Musik: Colin Towns
Darsteller: Nicolas Cage, María Conchita Alonso, Jennifer Beals

New York City, in den späten 80er Jahren: Der im Grunde einsame und beziehungsunfähige Literaturagent Peter Lowe (Nicolas Cage) zieht Nacht für Nacht durch die Clubs Manhattans und ist dabei auf der Suche nach dem besonderen Kick. Eines Abends schleppt er die attraktive Rachel (Jennifer Beals) ab, die ihm während des Vorspiels in den Hals beißt und sein Blut saugt. Die folgenden Wochen durchlebt Loew eine eigenartige Transformation. Dabei wird es ihm immer klarer: Er ist ein Vampir. Unter Loews wollüstigen Aggressionen leidet besonders seine schüchterne Büroangestellte Alva (María Conchita Alonso), die sich mehr und mehr in die Ecke gedrängt fühlt.

Es gibt auf dieser Welt die verschiedensten Filme. Die meisten hinterlassen kaum Spuren und ziehen in ihrer Durchschnittlichkeit an einem vorbei. Hin und wieder erscheint ein kleines Meisterwerk, mit Potential zum Klassiker oder Kult. Manche Filme reifen auch wie ein guter Wein. Und ein paar stellen markante Einschnitte im Leben des Zuschauers dar. „Vampire’s Kiss“ zählt zur letzten Gruppe. Als er 1988 erschien, wurde er von Kritikern und Publikum gleichermaßen als Flop zerrissen. Heute umweht „Vampire’s Kiss“ ein kultiger Hauch, den ich kürzlich selbst erleben durfte. Wenn ich nun also versuche, dieses höchst eigenartige Werk in Worte zu fassen, werde ich den ein oder anderen Spoiler nicht umgehen können. Seid also gewarnt!

Tief im Kern hat „Vampire’s Kiss“ eine interessante, ja sogar gute Story. Schiebt man manch missglückten Dialog und die ein oder andere fragliche Inszenierung beiseite, hat man die zutiefst tragische Geschichte eines einsamen Mannes vor sich. Loew ist nicht in der Lage, sich an eine Frau zu binden, und so sucht er die Befriedigung im schnellen Wechsel der Partnerinnen. Seine Entwicklung zum blutsaugenden Vampir könnte bloße Einbildung sein, denn der Film legt sich hier nicht fest und lässt dem Zuschauer einen Interpretationsspielraum. Nebenher könnte man die Terrorisierung der Büroangestellten Alva als eine Auseinandersetzung mit dem Missbrauchsthema deuten. Alles in allem liegt also durchaus verheißungsvolles Material vor – gäbe es da nicht eine Sache, die man als Zuschauer unmöglich beiseiteschieben kann.

Das Schauspiel des Nicolas Cage, welches oftmals als „mega-acting“ bezeichnet wird, lässt sich kaum beschreiben. Man stelle sich eine Gitarre mit einer Saite vor, die der Musiker so lange ausreizt, bis sie kurz vorm Reißen ist. In dieser Metapher ist „Vampire’s Kiss“ das Instrument, der Protagonist Loew die Gitarrensaite und Cage der wahnsinnige Musiker. Am bekanntesten – und das zu Recht – dürfte durch Memes und Youtube-Ausschnitte wohl der ABC-Anfall sein. Doch das ist längt nicht alles. Völlig aus dem Nichts geht Cage mit der Lautstärke hoch und verwandelt einfachste Sätze in einen befremdlich-hypnotischen Singsang. Ebenso überraschend seine Gestik und Mimik. Cage scheint alles, was er als Schauspieler mitbringt, bis an die Grenzen austesten zu wollen, völlig egal, ob es im Film gerade Sinn macht oder nicht. In einer Szene wollte er laut eigener Aussage ausprobieren, wie weit er eigentlich seine Augen öffnen kann. Das Ergebnis ist in einem Dialog mit Kollegin María Conchita Alonso zu bestaunen. Die Arme muss die Eingeschüchterte spielen, während sie eine unerträglich lange Zeit von den lächerlich weit aufgerissenen Augen Cages angestarrt wird. Man könnte endlos Szenen dieser Grenzwertigkeit aufzählen. Beispielsweise war es laut Drehbuch vorgesehen, dass Cage rohe Eier verspeist. Ihm kam das zu wenig schockierend vor. Also verschlang Cage während des Drehs insgesamt drei Küchenschaben.

In gewisser Weise ähnelt „Vampire’s Kiss“ dem Kultfilm „The Room“: Beide haben irgendwo im Kern ein gut-, beziehungsweise ernstgemeintes Anliegen. Doch beide werden in diesem Anliegen von ihren Hauptdarstellern zerstört. Wo Tommy Wiseau im Grunde gar nicht schauspielern kann, ist Nicolas Cage in jeder Hinsicht „too much“. Der ursprünglichen Intention des Films mag dies schaden, nicht aber dem Unterhaltungswert. Ich kann „Vampire’s Kiss“ jedem empfehlen, dem es nach einer cineastischen Grenzerfahrung verlangt, und verteile auf direktem Wege den Golden Popcornguy.

I’m a vampire! I’m a vampire! I’m a vampire!

Die besten Filme der letzten 10 Jahre

Wer unser Schaffen schon länger verfolgt, weiß nur zu gut, dass wir jedes Jahr liebend gern unsere subjektiv ausgewählten Lieblingsfilme zur Auswahl stellen, um die besten unter den besten zu küren. Dies wollen wir jetzt auf ein großes Ausmaß erweitern, wenn wir euch unsere 70 liebsten Filme der letzten zehn Jahre präsentieren und zur Auswahl stellen. Die Popcornguys gibts ja mittlerweile auch schon seit 2011 – wer also regelmäßig in unseren Rezensionen blättert, hat schon einen guten Überblick über unseren persönlichen Geschmack erhalten.

Wir haben euch die Auswahl gestellt – und ihr habt gewählt. Hier ist das Ergebnis im ausufernden Talk zu den besten Filmen der letzten 10 Jahre: