Fahrenheit 11/9

Originaltitel: Fahrenheit 11/9
Regie: Michael Moore
Drehbuch: Michael Moore
Darsteller: Donald Trump, Rick Snyder, Barack Obama

Mit seiner neuen Dokumentation „Fahrenheit 11/9“ widmet sich Michael Moore den USA unter der Präsidentschaft Donald Trumps. Er beleuchtet die menschenverachtenden Seiten des milliardenschweren Geschäftsmannes, schreckt aber gleichzeitig nicht davor zurück, die Schuld bei seinen Vorgängern zu suchen. Heraus kommt eine scharfzüngige Abrechnung mit der politischen Klasse und eine düstere Warnung vor der Zukunft der USA.

Donald John Trump ist der 45. Präsident der Vereinigten Staaten – was soll man dazu sagen? Ich muss ja gestehen, dass ich Ende 2016 über diese Meldung doch einigermaßen überrascht war. Die ersten Wochen und Monate rechnete ich eigentlich damit, dass jeden Moment Alec Baldwin die Maske fallen und das Ganze zu einem riesengroßen TV-Gag erklären wird. Doch das ist ja bekanntlich nicht passiert. Noch viel überraschter als ich scheinen jedoch die Demokraten gewesen zu sein. Deren Veranstaltung am Wahlabend bildet den Einstieg in Michael Moores neue Doku „Fahrenheit 11/9“. Siegessicher und selbstgefällig lässt sich Hillary Clinton als erste weibliche Präsidentin des Landes feiern und schmückt sich, um möglichst cool und hip zu wirken, mit entsprechenden Celebrities. Doch das Erwachen bei der Ergebnisverkündung muss ein böses gewesen sein.

Wie zu erwarten steht Trump im Fokus der Dokumentation. Moore scheut sich nicht, die rassistischen und sexistischen Facetten des Präsidenten zu beleuchten. In beunruhigenden Zusammenschnitten verdeutlicht er außerdem den Zusammenhang zwischen verbaler und physischer Gewalt. Äußerungen Trumps – die sich beispielsweise gegen Schwarze richten oder wie ein Testballon in Richtung Präsidentschaft auf Lebenszeit vorfühlen – enthemmen seine Wählerschaft und führen zu erschreckenden Übergriffen in Wort und Tat. In den letzten Minuten des Films zieht Moore sogar Parallelen zu Hitler und Nazi-Deutschland der 30er Jahre. Historische Muster mögen sich wiederholen, das mag ich nicht bestreiten, allerdings wirken die Vergleiche hier und da recht dick aufgetragen. Aber provokant war Moore ja schon immer. Allerdings würde ich vermerken, dass man meistens dann mit Hitler-Vergleichen über den Gegner herzieht, wenn einem sonst nichts mehr einfällt. Saddam Hussein könnte ein Lied davon singen – hätten sie ihm damals den Strick nicht ganz so eng um den Hals gezogen.

„Fahrenheit 11/9“ ist jedoch keine bloße Trump-Kritik. Das würde dem Thema auch keinesfalls gerecht werden. Wenn man sich so umhört, könnte man ja den Eindruck bekommen, dass Trump für viele das Böse schlechthin ist, das vor allem plötzlich über die USA gekommen ist und nun nicht nur Amerika, sondern die ganze Welt bedroht. Wenn der Feind so dunkel erscheint, müssen die Helden umso heller gezeichnet werden. Und hier reicht ein Blick in die Twitter-Kanäle mancher Celebrities, um zu erkennen, wie das funktioniert: Die Medien, denen Trump regelmäßig den Krieg erklärt, werden zu Anstalten von Vernunft und Wahrheit erklärt, während man Barack Obama, den viele zu ihrem „true president“ erklären, total heroisiert. Beides ist falsch. Zu den Medien sei gesagt, dass sie Trump während des Wahlkampfs profitgierig ausgeschlachtet haben. Und zu Obama komme ich ein paar Zeilen später.

Moore widmet in seiner Doku einem lokal anmutenden Ereignis besondere Aufmerksamkeit: Der Trinkwasservergiftung in Flint, Michigan. Verantwortung hierfür trägt ein gieriger, republikanischer Gouverneur namens Rick Snyder, der die Schweinerei nicht nur in die Wege leitete, sondern über lange Zeit hinweg auch kaschierte. Die Bleivergiftung von hunderten – zumeisten schwarzen – Kindern und Erwachsenen wurde in Kauf genommen. Die Bewohner von Flint fühlten sich von ihrem republikanischem Gouverneur verraten und hintergegangen. Da waren die Hoffnungen groß, als schließlich der republikanische Obama – damals noch im Amt – anreiste und sich der Sache annehmen wollte. Umso größer war die Enttäuschung, als Obama im Grunde nur das Spielchen mitspielte: Während einer Rede verlangte der Präsident nach einem Glas Flint-Trinkwasser, um die gute Qualität desselben unter Beweis zu stellen. Ein scheues Nippen war alles, was sich Obama traute – und die Nummer wiederholte er während seines Besuchs in Flint einige Male. Moore streut Szenen dieser Tragödie immer wieder ein und macht damit klar, dass es in Amerika nicht unbedingt ein Konflikt zwischen Republikanern und Demokraten ist. Das Land ist gespalten, da ein Großteil der verarmenden Bevölkerung von einer kleinen, elitären Klasse ausgenutzt und abgehängt wird. Man könnte sozusagen Kapitalismus im Endstadium diagnostizieren.

Moore macht deutlich, dass Trump nur das hässliche Ergebnis einer langen Entwicklung ist, die spätestens mit George W. Bushs Irakkrieg begann und zu welcher auch die Demokraten entscheidend beigetragen haben. Doch die Dokumentation bietet auch Szenen der Hoffnung, wenn es beispielsweise um junge Demokraten geht, die aus dem Volk heraus Politik fürs Volk machen wollen. Optimistisch stimmen auch Schülerproteste, die sich gegen das unheilige Bündnis zwischen politischer Elite und Waffenlobby richten. Ob das jedoch reicht, um die Demokratie in den USA zu retten, kann Moore natürlich nicht beantworten. Man merkt ihm als Zuschauer allerdings an, dass es ihm eine Herzensangelenheit ist und er Angst davor hat, dass sein Land in bürgerkriegsähnlichen Zuständen versinkt. Ich persönlich denke mir – um wieder auf die Wiederholung historischer Muster zurückzukommen – dass wir womöglich gerade Zeuge des Niedergangs eines Imperiums werden, wie es in der Geschichte ja schon oft passiert ist.

Für „Fahrenheit 11/9“ als politische Doku, die sich den USA unter Trump und größeren Zusammenhängen widmet, vergebe ich gute 8 von 10 Popconguys und spreche damit eine Empfehlung aus.

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Jahresvorschau 2019

In einem Punkt ist das Jahr 2018 wie alle anderen zuvor: Es geht zu Ende. Grund genug, einen Blick voraus ins Kinojahr 2019 zu werfen. Wie immer sind alle terminlichen Angaben ohne Gewähr und einen Anspruch auf Vollständigkeit hat dieser Artikel nicht. Es handelt sich lediglich um jene Filme, auf die ich mich persönlich mehr oder weniger freue und die ich aktuell auf dem Schirm habe.

Der Januar beginnt historisch. In „Maria Stuart, Königin von Schottland“ trifft Saoirse Ronan als schottische Königin Maria Stuart auf Margot Robbie in der Rolle der englischen Monarchin Elisabeth I. Der Film basiert natürlich auf den geschichtlichen Figuren, aber auch auf einer Romanvorlage. Obwohl die ersten Kritiken eher durchwachsen sind, wird man sich wohl auf zwei starke Hauptdarstellerinnen und ein opulentes Kostümfest freuen können. Weniger farbenfroh kommt „Capernaum – Stadt der Hoffnung“ daher. Im Kritikerliebling geht es um einen kleinen, libanesischen Jungen, der aus einer Jugendhaftanstalt heraus seine Eltern verklagt. Einem ganz anderen Kampf muss sich Michael B. Jordan in „Creed 2“ stellen. Obwohl ich kein ausgesprochenes Faible für Boxerfilme oder das Rocky-Franchise habe, hat mir der erste Teil vor ein paar Jahren recht gut gefallen. Ich bin gespannt, was die Fortsetzung zu bieten hat. Ein weiteres Sequel stellt „Glass“ dar. M. Night Shyamaln spinnt die Geschichte zu „Split“ weiter und verknüpft diese mit „Unbreakable“, einem seiner starken Werke aus früheren Zeiten. Zuletzt ging es mit der Qualität von Shyamalan-Filmen wieder bergauf, insofern darf man wegen „Glass“ vielleicht auch auf Gutes hoffen.

Für einen sicherlich denkwürdigen Kinoabend wird der griechische Regisseur Giorgos Lanthimos sorgen. Der Macher von „The Lobster“ und „The Killing Of A Sacred Deer“ macht 2019 mit „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ einen Ausflug Richtung Kostümfilm. Hier dürfen sich Olivia Colman, Rachel Weisz und Emma Stone am englischen Königshof des 18. Jahrhunderts angiften und bekriegen. Wer im Anschluss einen Film mit einem echten Kerl braucht, wird vielleicht mit „The Mule“ glücklich. Hier wirkt Legende Clint Eastwood nicht nur hinter, sondern auch wieder vor der Kamera: Er spielt einen alten Kriegsveteranen, der Drogen über die mexikanische Grenze schmuggelt. Ende Januar hat auch „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ einen Starttermin. Der Film spielt in den 60er Jahren und handelt von einem weißen Türsteher aus der Arbeiterklasse (Viggo Mortensen), der als Fahrer mit einem erfolgreichen, schwarzen Jazz-Musiker (Mahershala Ali) durch das Land tourt.

Anfang Februar kommt eine ganz wunderbare Trilogie zu einem hoffentlich schönen Abschluss: In „Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt“ wird die Geschichte von Wikinger Hicks und seinem Drachen Ohnezahn zu Ende erzählt. Wem der Animationsfilm nicht hart genug ist, könnte beim Gangsterfilm „White Boy Rick“ eher auf seine Kosten kommen. Hier ist unter anderem Matthew McConaughey in einer tragenden Rolle zu sehen – doch 2019 kann einem der sympathische Texaner noch an einigen anderen Stellen begegnen. Politisch und womöglich etwas satirisch wird es in „Vice – Der zweite Mann“. Christian Bale spielt (mal wieder kaum zu erkennen) den ehemaligen US-Vizepräsidenten Dick Cheney. Der Trailer zeigt einen mindesten ebenso genialen Sam Rockwell in der Rolle des George W. Bush. Und wäre das alles noch nicht genug, spielt auch noch die großartige Amy Adams als Ehefrau Dick Cheneys mit.

Im März geht es lustig weiter: „The Sisters Brothers“ ist eine hochkarätig besetzte Westernkomödie, in der sich unter anderem Joaquin Phoenix, John C. Reilly und Jake Gyllenhaal die Klinke in die Hand geben. „High Life“ bedient dagegen die Sci-Fi-Fans: Robert Pattinson (der sich seit „Twilight“ tatsächlich stark gemausert hat) ist hier alleine mit seiner kleinen Tochter auf einem Raumschiff, welches ein Schwarzes Loch ansteuert. Der Trailer lässt auf eine gehörige Portion Psycho-Thriller schließen. Im April kommt das Reboot „Hellboy“ auf uns zu. Als rothäutiger Teufel darf sich dieses Mal David Harbour austoben, den man als coolen Cop in „Stranger Things“ kennen könnte. Die älteren „Hellboy“-Filme kenne ich persönlich noch gar nicht, aber ich habe vor, mit dem Reboot die Figur unter die Lupe zu nehmen.

Im Mai empfängt uns Matthew McConaughey gleich zwei Mal im Kino: Zum einen im Thriller „Im Netz der Versuchung“ (an der Seite von Anne Hathaway), zum anderen in der Kiffer-Komödie „Beach Bum“ (von Regisseur Harmony Korine). Der Blödelfilm gibt McConaughey anscheinend die Chance, zu seinen Wurzeln zurückzukehren – hoffenlich mit Erfolg. Ebenfalls im Mai startet „BrightBurn“. Der Trailer bewegt sich auffällig nah an „Man Of Steel“, doch tatsächlich scheint es ausschließlich um ein Kind mit abnormalen Fähigkeiten inmitten normaler Menschen zu gehen. Produziert wird das Ganze von „Guardians Of The Galaxy“-Regisseur James Gunn, der dieses Jahr ziemlich in Ungnade gefallen ist.

Im Juli bietet uns Disney eine Neuauflage des Zeichentrick-Klassikers „Der König der Löwen“ an. Nun sind die afrikanischen Tiere allerdings nicht mehr gezeichnet, sondern animiert. Ob dieser Film wirklich notwendig ist, bleibt abzuwarten, denn „The Jungle Book“ war es meiner Meinung nach nicht. Über die Effekte wird man aber sicher staunen können. Ebenfalls im Sommer ist endlich mal wieder Quentin Tarantino am Start. Er hat das Western-Genre verlassen und widmet sich in „Once Upon A Time In Hollywood“ den Morden der Manson-Familie. Ob dieses ernste Thema zu Tarantino passt, wird sich zeigen. Allerdings hat der Mann sogar den Zweiten Weltkrieg auf seine Weise verpackt und versammelt auch 2019 einen Cast der allerhöchsten Güte – unter anderem Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie, Bruce Dern und Al Pacino.

Im Spätsommer kann man sich wieder von Clown Pennywise gruseln lassen, wenn „Es 2“ im Kino startet. Regisseur Andy Muschietti erzählt die Geschichte des Clubs der Verlierer weiter, dieses Mal jedoch mit erwachsenen Darstellern wie Jessica Chastain, James McAvoy und Bill Hader. Ich persönlich hoffe auf einen etwas subtileren Horror, der auch Raum für die übernatürlichen und transzendenten Elemente von Stephen Kings Romanvorlage lässt. Im Oktober soll die Horror-Komödie „Zombieland 2“ starten. Viel weiß ich über die Fortsetzung zwar nicht, doch der Cast des ersten Teils, den ich sehr mag, ließ sich anscheinend erneut gewinnen. 2019 kommen mit Sicherheit viele Comicverfilmungen ins Kino, doch wirklich wichtig erscheint mir momentan nur eine: „Joker“ mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle. Das DC-Filmuniversum ist ja mehr oder weniger an die Wand gefahren, was nun die Möglichkeit für kleinere, eigenständige Filmprojekte eröffnet. „Joker“ scheint eine solche Geschichte abseits des großen Justice-League-Brimboriums zu erzählen und ich hoffe, dass das Ganze was wird. Ohne sonderlich große Erwartungshaltung blicke ich „Star Wars: Episode IX“ entgegen. „Die letzten Jedi“ kann wohl als der schwierigste Film der gesamten Sternen-Saga bezeichnet werden. Ich persönlich finde ihn keinesfalls abgrundtief schlecht, allerdings hat er auch nicht gerade neugierig auf das Finale der neuen Trilogie gemacht. Man wird sehen, ob Hype-Künstler J.J. Abrams bis zum Dezember daran noch etwas ändern kann.

2019 stehen außerdem – mal mit mehr, mal mit weniger Wahrscheinlichkeit – einige Filme an, die bisher noch keinen Starttermin haben. Zum Beispiel die zusammenhängenden Titel „Best F(r)iends: Volume One“ und „Best F(r)iends: Volume Two“ vom einzigartigen Chaos-Duo Tommy Wiseau und Greg Sestero. Wer „The Room“ kennt, dürfte eigentlich sehr neugierig darauf sein, was die beiden inzwischen auf die Beine stellen können. In der romantischen Tragikomödie „Columbus“ lernt eine architekturbegeisterte Bibliothekarin (Haley Lu Richardson) einen koreanischen Architektur-Professor (John Cho) kennen. Ein Film, der 2019 aber erst so richtig in Produktion gehen dürfte, ist der Auftakt des Sci-Fi-Epos „Dune“. Kein geringerer als Denis Villeneuve, einer der besten aktuellen Regisseure, zeigt sich hierfür verantwortlich. Man darf also auf erstes Bildmaterial gespannt sein.

„Eighth Grade“ erzählt die Geschichte einer Teenagerin, die kurz vorm Wechsel in die High School steht und mit allerlei Problemen zu kämpfen hat. Diese verarbeitet sie in ihren Youtube-Videos. Hauptdarstellerin Elsie Fisher wirkt im Trailer sehr authentisch und auch wegen der guten Kritiken sollte man den Film auf dem Zettel haben. In „Fighting With My Family“ spielt Nick Frost (bekannt aus den Komödien mit Simon Pegg) einen Ex-Wrestler. Die Geschichte basiert auf realen Persönlichkeiten, aber da ich in Sachen Wrestling nicht sonderlich bewandert bin, reizt mich an dem Projekt eher Hauptdarstellerin Florence Pugh. Schwerer Stoff dürfte einen in „First Reformed“ erwarten. Ethan Hawke spielt hier einen ehemaligen Militärpriester, der eine schrumpfende Kirchengemeinde betreut und von Glaubenszweifeln geplagt ist. Er steht einer Frau aus seiner Gemeinde bei, deren Mann ein radikaler Umweltaktivist ist und die Meinung vertritt, dass man in diese Welt keine Kinder mehr setzen darf.

Mit „Fonzo“ meldet sich Regisseur Josh Trank nach dem „Fantastic Four“-Debakel zurück. Für das Biopic zum berühmten Gangster Al Capone konnte er Tom Hardy in der Hauptrolle gewinnen. „Luz“ ist ein recht experimentell und extrem wirkender Horror-Mystery-Streifen aus Deutschland, für den sich eher unbekannte Leute verantwortlich zeigen. Allerdings finde ich, dass man solche Projekte durchaus unterstützen sollte. Populärer wird es da eher mit „Stan & Ollie“. Im Biopic zu den Slapstick-Ikonen Dick und Doof schlüpfen Steve Coogan und John C. Reilly in die übergroßen Rollen. Auch Martin Scorsese mischt 2019 mit. Für den Gangsterfilm „The Irishman“ hat der Meister-Regisseur alte Haudegen wie Robert De Niro, Al Pacino, Joe Pesci und Harvey Keitel vor der Kamera versammelt. Eigentlich sollte der Film über Netflix laufen, doch nun heißt es, dass es auch einen Kinostart gibt. Wie großflächig der sein wird, bleibt abzuwarten. Erwähnenswert sind außerdem noch „The Outlaw Johnny Black“ (die Fortsetzung zum kongenialen „Black Dynamite“), sowie „World War Z 2“ von David Fincher, wobei man von letzterem schon länger nichts mehr gehört hat.

Ich hoffe, dass dieser Artikel für den ein oder anderen ein bisschen Orientierung bietet. Mit Sicherheit wird einem 2019 auch wieder viel Durchschnitt im Kino begegnen, aber ich bin optimistisch, dass doch auch einige Perlen aufploppen werden. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!

Bohemian Rhapsody

Originaltitel: Bohemian Rhapsody
Regie: Bryan Singer, Dexter Fletcher
Drehbuch: Anthony MacCarten, Peter Morgan
Musik: John Ottman, Brian May, Roger Taylor
Darsteller: Rami Malek, Gwilym Lee, Lucy Boynton

London, 1970: Der musikalische Design-Student Farrokh Bulsara – besser bekannt unter dem Namen Freddie – lauscht begeistert den Klängen einer jungen Rockband namens Smile. Dieser fehlt allerdings bald der Sänger, woraufhin Freddie mit seinem ausgefallenen Stil und seiner einprägsamen Bühnenpräsenz einspringt. Smile wird zu Queen und erobert innerhalb weniger Jahre die Radiocharts, auch mit eher experimentellen und gegen den Mainstream schwimmenden Songs. Sänger Freddie Mercury ist nun einer der populärsten Künstler des Planeten und führt ein turbulentes Leben zwischen kreativen Höhenflügen, wilden Partys und der Suche nach seiner Sexualität. Doch dann wird alles von einer niederschmetternden Diagnose erschüttert: Freddie hat Aids.

So ziemlich jeder dürfte aus dem Stand fünf Queen-Songs aufzählen können. Ein ausgesprochener Fan war ich persönlich nie, obwohl ich ja sagen muss, dass ich jeden mir bekannten Titel gut, einige sogar sehr gut finde. Mein Lieblingssong war lange Zeit „Another One Bites The Dust“ – wegen der phänomenalen Bassline. Und schließlich wird auch so ziemlich jeder zustimmen müssen, wenn Freddie Mercury als einer der größten Performer aller Zeiten betitelt wird.

Dementsprechend war ich auf den Queen-Film schon gespannt, nicht zuletzt wegen der starken Trailer. Skeptisch wurde ich, als man von den Turbulenzen hinter der Bühne erfahren hat. Ursprünglich sollte Sacha Baron Cohen die Hauptrolle spielen, doch er wurde von Rami Malek ersetzt. Gehen musste mittendrin auch Regisseur Bryan Singer. Und ein guter Trailer, der auf Queen-Musik getrimmt ist, muss noch kein Garant für einen guten Film sein. Siehe „Suicide Squad“.

Bekommen habe ich am Ende aber doch einen guten Film, der in hohem Maße unterhält. Handwerklich ist er einwandfrei. Das beginnt bei den schönen Kameraeinstellungen und hört bei der liebevollen Gestaltung des Soundtracks auf. Verwendet werden ausschließlich originale Queen-Liveaufnahmen, die man den Schauspielern rund um Rami Malek in den Mund, beziehungsweise aufs Instrument legt. So gesehen ist „Bohemian Rhapsody“ möglicherweise die beste und überzeugendste Mini Playback Show, die es gibt. Passenderweise liegt der Fokus des Films auf der Band und der Musik. Besonders gelungen finde ich jene Szenen, die – sicherlich gestrafft und etwas romantisierend – die Entstehungsprozesse von Songs wie „Bohemian Rhapsody“, „We Will Rock You“ oder „Another One Bites The Dust“ veranschaulichen. Hier merkt man auch die gute Chemie zwischen den durchweg perfekt gewählten Darstellern. Als Finale wird der Auftritt bei Live Aid 1985 gewählt, bei welchem das Wembley Stadion und das dazugehörige Konzert auf beeindruckende Weise dargestellt werden. Bestimmt hätte man auch aus der eigentlichen Abschiedstour und dem tragischen Tod von Freddie Mercury ein denkwürdiges Filmende machen können. Doch die hier gewählte Variante ist gut und passend, denn sie zeigt, dass Queen als Band funktionert – und das war für mich ein wichtiges Thema des Films.

Unumstritten ist „Bohemian Rhapsody“ allerdings nicht. Kritiker bemängeln, dass Themen wie Drogenkonsum oder Homosexualität höchstens angeschnitten und nicht ausreichend vertieft werden. Ich persönlich bin diesbezüglich weniger enttäuscht, weil ich es wie gesagt gut finde, dass der Fokus eher auf Band und Musik liegt. Es ist möglich, dass man auf anderen Wegen die Person Freddie Mercury vielleicht besser kennengelernt hätte. Andererseits: Ist das bei einer solchen Ikone denn wirklich notwendig? Queen-Fans könnten Probleme damit haben, dass chronologisch gesehen einiges durcheinander kommt. Viele Songs entstanden zu anderen Zeitpunkten und auch die Aids-Diagnose wurde vorgezogen, um das Finale emotional aufladen zu können. Sicherlich, bei einem Spielfilm sind derartige Kniffe im Sinne der Dramaturgie notwendig. Trotzdem habe ich für diejenigen Fans Verständnis, die wegen dieser Ungereimtheiten enttäuscht sind.

Alles in allem ein unterhaltsames Musikdrama mit starker Mukke, überzeugenden Darstellern, guten Lachern und einer Prise Tragik. Ach ja, und wenn es um Live Aid 1985 geht, kommt man natürlich auch als U2-Fan auf seine Kosten. Zumindest ein paar Sekunden lang. 8 von 10 Popcornguys!

In aller Kürze: „Searching“, „Venom“ und „A Star Is Born“

SEARCHING

David Kim (John Cho) ist der alleinerziehende Vater der 16-jährigen Margot (Michelle La). Seit dem Tod der Mutter ist die Beziehung zwischen den beiden schwierig. Sie kommunizieren überwiegend online, sehen sich dabei kaum und entfremden sich voneinander. Eines Abends ist Margot auswärts bei einer Lerngruppe, kommt nachts jedoch nicht nach Hause. David verständigt die Polizei und die Suche beginnt. Der verzweifelte Vater arbeitet von Anfang an eng mit Detective Rosemary Vick (Debra Messing) zusammen und durchforstet sämtliche soziale Medien nach Hinweisen. Als die Ermittlungen zu keinem Erfolg führen, handelt David zunehmend auf eigene Faust.

Das offensichtlichste Merkmal von „Searching“ ist seine ungewöhnliche Inszenierung. Die komplette Handlung wird dem Zuschauer über Skype-Konferenzen, Google-Suchen, Instagram-Bilder oder Youtube-Videos präsentiert. Man ist sozusagen ständig vor dem Bildschirm eines Computers oder Smartphones. Dass dies einen Film nicht nur tragen, sondern im Falle von „Searching“ richtig gut werden lässt, ist faszinierend – aber gleichzeitig auch ein wenig erschreckend. Ziemlich subtil und ausgewogen schwingen die Pros und Cons unser heutigen digitalen Welt mit. Gleichzeitig ist die Inszenierung nicht nur ein Gimmick. „Searching“ ist tatsächlich ein überaus spannender Thriller, mit unerwarteten Wendungen und einem intensiven, charaktergetragenen Ende. Ein feiner, herausstechender Film, den ich unbedingt empfehlen möchte. 8 von 10 Popcornguys!

VENOM

Der investigative Journalist Eddie Brock (Tom Hardy) ist an einer ganz heißen Sache dran: Die „Life Foundation“, ein milliardenschwerer Konzern, experimentiert mit außerirdischen Symbionten und riskiert dabei das Leben von Testpersonen. Bei seinen Recherchen setzt Eddie nicht nur seine Karriere, sondern auch seine Beziehung aufs Spiel. Schließlich kommt er mit einer der gefährlichen Lebensformen in Kontakt und wird zu Venom, einer enorm starken und unberechenbaren Kreatur.

Venom ist der vermutlich intimste Feind von Spider-Man. Er setzt sich aus einem Journalisten, der Peter Parker hasst, und einem außerirdischen Symbionten, der sich von Spidey betrogen fühlt, zusammen. Zumindest ist das Venoms Origin in den Comics. Der aktuelle Blockbuster jedoch kommt zunächst ganz ohne Spider-Man aus. Als Fan der Vorlage war ich also gespannt, ob der Film mir eine ähnlich interessante Origin bieten kann. Anfangs sah es ganz danach aus. Das Drehbuch liefert einige interessante Ansätze – investigativer Journalismus, Silicon-Valley-Kritik, Überbevölkerung, Armut und gesellschaftliche Spannungen sind hier zu nennen. Dazu beginnt „Venom“ relativ geerdet und hat mit Tom Hardy ein schauspielerisches Ass im Ärmel. Allerdings kann der Film im weiteren Verlauf nicht allzu viel mit seinen interessanen Bausteinen anfangen. Die Beziehung zwischen Eddie und dem Symbionten wird nicht ausreichend erklärt, hinzu kommen die übliche CGI-Action (die sowohl langweilig, als auch unübersichtlich ist), ein nicht gut genug ausgearbeiteter Bösewicht und Gags, die nicht allesamt zünden. „Venom“ hat Potential, schöpft es aber leider nicht aus. 5 von 10 Popcornguys!

A STAR IS BORN

Rockstar Jackson Maine (Bradley Cooper) ist auf der Bühne ein Star, leidet abseits davon aber unter massiven Alkoholproblemen. Nach einem Konzert entdeckt er in einer Bar die Kellnerin Ally (Lady Gaga), die mit einer unglaublichen Stimme einen Song präsentiert. Die beiden kommen sich näher, schreiben zusammen Lieder und treten gemeinsam auf. Doch während Ally berühmter und erfolgreicher wird, befindet sich Jackson wegen seiner Sucht auf dem absteigenden Ast.

Bradley Coopers Regiedebut „A Star Is Born“ ist momentan in aller Munde und wird als heißer Favorit für die bevorstehende Award-Season gehandelt. Mich allerdings konnte er nicht überzeugen. Er beginnt relativ verheißungsvoll und kann insbesondere während der atmosphärischen Konzertaufnahmen überzeugen. Cooper ist nicht nur ein guter Schauspieler, sondern auch ein passabler Sänger – hierbei muss jedoch erwähnt werden, dass die Musikrichtung seines Charakters grob meinem Musikgeschmack entspricht. Sein Gegenpart ist Lady Gaga. Die Frau ist mir persönlich zu schrill und mit ihrem Musikstil löst sie bei mir eher weniger aus, obgleich ich trotzdem zugeben muss, dass sie objektiv betrachtet eine starke Stimme hat. Ohne allzu viel Schminke sieht sie sogar sehr hübsch aus. Als Schauspielerin liefert sie solide ab, wobei ihr das Drehbuch auch keine subtilen Entwicklungen abverlangt. Der Film ist stattdessen relativ ruckartig und obwohl die Chemie zwischen Cooper und Gaga stimmt, kam bei mir nicht sonderlich viel an. Langweilig und ohne viel Biss plätschert die Handlung dahin, aus den Konflikten wird zu wenig gemacht. Recht schnell kommt einem „A Star Is Born“ viel zu lange vor und man muss sich bis zum Ende durchkämpfen. Hier passiert zwar etwas, was einen mitnehmen müsste, aber emotional wurde für mich einfach zu wenig Vorarbeit geleistet. Es würde mich nicht überraschen wenn der Film bei den nächsten Oscars eine große Rolle spielt, aber Preise kann ich ihm nicht so wirklich gönnen. 6 von 10 Popcornguys!

Avatar: Der Herr der Elemente

Originaltitel: Avatar: The Last Airbender
Idee: Michael Dante DiMartino, Bryan Konitzko
Musik: Benjamin Wynn, Jeremy Zuckerman
Synchronsprecher: Zach Tyler Eisen, Mae Whitman, Jack DeSena

Die Welt steht am Abgrund: Eigentlich lebten die vier Nationen, welche sich besonders mit den Elementen Wasser, Feuer, Erde und Luft verbunden fühlen, stets in Harmonie miteinander. Der Wächter dieser Welt, und Herr über alle vier Elemente, der Avatar, hielt über Jahrhunderte hinweg alles im Gleichgewicht. Doch als die Feuernation den Krieg ausrief, verschwand der Avatar spurlos. 100 Jahre später entdecken die Wasserbändigerin Katara (Mae Whitman) und ihr Bruder Sokka (Jack DeSena) aus dem Wasserstamm einen im Eis eingeschlossenen Jungen, der sich als der verschwundene Avatar entpuppt.

Nachdem kürzlich von Netflix die Produktion einer Live-Action-Serie, gemeinsam mit den ursprünglichen Machern, angekündigt wurde, und ich die großartige Cartoonserie aus den Jahren 2005-2008 aktuell wieder binge, ist es Zeit, „Avatar: Der Herr der Elemente“ hier vorzustellen. Ich erinnere mich gerne an so manche Nachmittage, die ich gelangweilt durch das Fernsehprogramm zappte, und bei dieser wirklich coolen Serie hängen blieb. Eine glaubwürdige, asiatisch angehauchte Welt, mit Menschen, die ihre Kampfkünste mit der Kontrolle über die Elemente paaren können, einer Figur des Avatar, der in einem Zyklus immer wieder wiedergeboren das Gleichgewicht in der Welt halten muss, interessante und witzige Charaktere und eine überaus spannend erzählte Geschichte. Avatar hat mich fasziniert, vor allem weil die Serienschöpfer zwar vordergründig eine klassische Saga über den Kampf des Guten gegen das Böse erzählen, dabei aber immer mehr Nuancen einwebten, die gerade den Menschen der gegnerischen Feuernation viel Tiefe verleiht. Oder um es mit Arthur Neville Chamberlaine zu sagen: „Im Krieg gibt keine Gewinner, sondern alle sind Verlierer.“ Am besten gelingt dies mit dem Portrait des Prinz Zuko (Dance Basco), der vom Feuerlord Ozai (Mark Hamill) ausgestoßen, seine Ehre und die Gunst seines Vaters wiedererlangen möchte, und sich dabei auf die Jagd nach dem Avatar begibt. Seine Reise, sein sich verändernder Blick auf die Vergangenheit und die Erkenntnis seiner Bestimmung verleihen seinem Charakter eine Tiefe, die wohl kaum einem Serienantagonisten zuteil wird.

Auch die Gruppe um Aang, die sich nach und nach in größere Abenteuer stürzt und den Avatar auf seinem Weg unterstützt, wächst ans Herz. Dabei scheut sich die Serie nicht, ihren einzelnen Charakteren viel Zeit einzuräumen und einzelne Episoden zu widmen. Ebenso experimentierfreudig verhält es sich mit der Gestaltung einzelner Episoden, die mal einen tragischeren, mal einen humorvollen oder einen gruseligen Ton erhalten.

„Avatar: Der Herr der Elemente“ fährt mit einer bunten, aber ernsten Welt auf, in die man gerne eintaucht. Die Charaktere stellen sich immer wieder ihren Ängsten, was nicht nur zu wichtigen Entscheidungen führt, sondern auch ihren Weg formt. Und nicht zuletzt entführt die Serie den Zuschauer in eine zwar kindgerechte, aber durchaus erwachsene Geschichte, die Werte wie Freundschaft, Liebe und Vergebung hoch hält.

Egal was die neue Netflixproduktion bringt – ein Blick auf die herzliche, aber faszinierend spannende Cartoonserie lohnt sich auf jeden Fall!

P.S.: Manche mögen sich erinnern, dass M. Night Shyamalan 2010 einen Realfilm produziert hat, der schon kurz nach Erscheinen als größte Grütze des Jahres gebrandmarkt wurde. Also ja, hab ich nie gesehen, daher auch hier nicht erwähnt.

Thelma

Originaltitel: Thelma
Regie: Joachim Trier
Drehbuch: Joachim Trier, Eskil Vogt
Musik: Ola Fløttum
Darsteller: Eili Harboe, Kaya Wilkins, Henrik Rafaelsen

Die Norwegerin Thelma (Eili Harboe) studiert Biologie an der Universität in Oslo. Ihrem neuen sozialen Umfeld begegnet die konservativ und streng christlich erzogene junge Frau schüchtern und introvertiert. Am liebsten hält sie sich alleine in der eigenen Wohnung auf, wo jeden Abend Kontrollanrufe der überfürsorglichen Eltern erfolgen. Die Dinge ändern sich, als Thelma Anja (Kaya Wilkins) kennenlernt, sich mit ihr anfreundet und ihr allmählich näher kommt. Allerdings leidet die Biologie-Studentin immer wieder unter Anfällen, die mit beunruhigenden und übernatürlichen Erscheinungen einhergehen.

Filme mit Protagonisten, die mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattet sind, beschränken sich in der breiten Wahrnehmung zumeist auf zwei Comicfilm-Ketten: Marvel und DC. Ähnlich wie die Fastfood-Konzerne McDonald’s und Burger King liefern die beiden Comic-Riesen Jahr für Jahr mehr oder weniger die gleiche Soße ab. Und ähnlich wie bei den Burger-Konzernen ist auch bei Marvel und DC einer der beiden erfolgreicher als der andere. Angesichts dieser lautstarken Giganten kommen die wenigen kleinen Filme, die sich ebenfalls dem Thema der übernatürlichen Fähigkeiten widmen, notgedrungen sehr leise daher. Ich denke jetzt beispielsweise an „Midnight Special“ aus dem Jahr 2016. Ebenso leise – doch meiner Meinung nach ein Stückchen stärker – hat sich nun „Thelma“ in mein Heimkino geschlichen.

Zunächst bietet der Film in Sachen Story nichts Neues oder großartig Interessantes: Schüchternes Mädchen vom Land, streng religiös und konservativ erzogen, trifft in der großen Stadt auf moderne Jugendliche, die sich in Form von Partys, Alkohol und Drogen Zwängen der anderen Art hingeben. Nach und nach verlässt Thelma dabei ihr bisheriges Schema und testet die Grenzen neu aus – wobei die Freundschaft zu Anja durchaus als Katalysator zu sehen ist. Die Schauspieler machen dabei ihre Sache sehr gut, besonders die Präsenz von Hauptdarstellerin Eili Harbour ist hervorzuheben. Und trotzdem ist der Film bis hierhin nicht sonderlich aufregend. Ehrlich gesagt hat mich die plakative Ausgangslage sogar ein wenig gestört, denn anscheinend sehen sich die meisten Filmemacher nicht in der Lage, die Christen in ihren Geschichten anders als fanatisch oder weltfremd darzustellen. Aber ich sollte von „Thelma“ noch überrascht werden – und zwar in vielerlei Hinsicht.

Relativ früh mischen sich in das Drama Elemente von Thriller, Mystery und Horror. Dies wird spätestens dann deutlich, wenn Thelma in der Universitätsbibliothek ihren ersten Anfall hat, im Zuge dessen mehrere Vögel an die Fensterscheiben schlagen. Hitchcock lässt grüßen. Die junge Frau fühlt sich nun nicht nur aufgrund ihres sozialen Hintergrunds als Außenseiterin. Sie scheint darüberhinaus gewisse Fähigkeiten zu haben, die sie zu etwas Besonderem machen, ob sie das nun will oder nicht. Die übernatürlichen Elemente nehmen nach und nach zu und erzeugen – unterstützt vom Soundtrack und einer hervorragenden Kameraführung – einen fast schon hypnotischen Sog. Der Film hält die Spannung quasi über seine gesamte Laufzeit, auch wenn das Tempo hinten raus ein wenig nachlässt. Hier erfolgen allerdings Wendungen und Auflösungen, die Thelmas Emanzipation auf eine andere Ebene hieven und vieles in einem neuen Licht erscheinen lassen – unter anderem die allzu streng-religiösen Eltern, was für mich persönlich ein angenehmer Kniff war. Gekrönt wird das Ganze von ein paar wirklich harten Szenen, die einem stark unter die Haut gehen. Und zwar ganz ohne Blut und Gore.

Das Ende hat durchaus einen offenen Charakter und lädt zu der ein oder anderen Spekulation ein. Aber mehr in die Details soll es an dieser Stelle nicht gehen, denn ich möchte für „Thelma“ eine klare Empfehlung aussprechen. Für diese ruhige, aber doch recht intensive und wunderschön gemachte Filmperle gibt es stolze 8 von 10 Popcornguys!

Serien-Special: Gravity Falls

Deutscher Titel: Willkommen in Gravity Falls
Idee: Alex Hirsch
Synchonsprecher: Kristen Schaal, Jason Ritter, Alex, Hirsch, J.K. Simmons

Die ungleichen Zwillinge Mabel (Kristen Schaal) und Dipper (Jason Ritter) verbringen ihre Sommerferien bei ihrem Großonkel Stan (Alex Hirsch), der in dem verschlafenen Städtchen Gravity Falls in Oregon lebt. Während der mürrische Grunkle Stan tagtäglich überlegt, wie er mit seinem Kuriositätenmuseum „Mystery Shack“ mehr Touristen anlocken kann, um seine gefälschten Ausstellungsgegenstände zu Geld zu machen, entdecken Mabel und Dipper bald, dass Gravity Falls keineswegs so langweilig ist, wie es scheint. Nachdem sie ein mysteriöses Tagebuch voller Hinweise auf seltsame Vorgänge und noch seltsamere Wesen entdecken, stellen sie fest, dass die Wälder um die Stadt von Fabelwesen und Kreaturen aus anderen Welten bevölkert werden. Noch ahnen sie nicht, dass dieses Tagebuch der Schlüssel zu einem viel größeren Geheimnis ist. 

Kindgerechte Zeichentrickserien mit tiefgründigem Humor sorgen nicht erst seit Spongebob Schwammkopf für gute Unterhaltung. Sicher, derbe Witze und anzügliche Anspielungen vermisst man in Gravity Falls schon, doch sind es gerade die subtile Komik und die wahnwitzigen Charaktere, die eine nicht nur interessante Geschichte erzählen, sondern dem Städtchen viel Charme und Leben einhaucht.

Angefangen bei Dipper, der möglichst jedem Hinweis zur Lösung der großen Geheimnisse nachgeht – wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, vor der Angestellten seines Onkels, Wendy (Linda Cardellini), einen guten Eindruck zu machen. Seine Zwillingsschwester Mabel jedoch lässt ihren kindlichen Launen freien Lauf und erfüllt das Haus mit purer Lebensfreude. Das hat die Mystery Shack auch bitter nötig, denn „Grunkle“ Stan ist ein mürrischer, geldgieriger Herr mit fragwürdigem Geschäftssinn und wenig Interesse für die paranormalen Vorgänge. Und so stellen sich Mabel und Dipper immer wieder ihrem Kampf gegen Zwerge, Multi-Bären, Zombies und Dämonen, nicht ohne jedoch auf die noch skurilleren Bewohner von Gravity Falls zu treffen, die in diese Welt passen wie die Faust aufs Auge. Je näher sie ihrem Ziel, den Autor der Tagebücher zu finden, kommen, umso gefährlicher wird es für die beiden.

Durch Runninggags, kreatives Storywriting und eine hervorragende Vertonung fesselt „Gravity Falls“ von der ersten Minute an, und zieht mit jeder Folge tiefer in eine verrückte Welt. Diese stehen teils für sich, bauen aber auch eine große Geschichte auf, die nach leider nur zwei Staffeln in einem fulminanten Finale ihren Höhepunkt erreicht.

Wer also Lust auf ein (leider sehr) überschaubares Serienerlebnis mit witzigen Charakteren, interessanten Entwicklungen und einer guten Prise Grusel hat, sollte Gravity Falls definitiv eine Chance geben. Und wer dann noch nicht genug hat, kann sich den fortführenden Comics zuwenden. Ich werde das jetzt jedenfalls tun. Uneingeschränkte Empfehlung!