Wonder Woman

Titel: Wonder Woman
Originaltitel: Wonder Woman
Regie: Patty Jenkins
Musik: Rupert Gregson-Williams
Darsteller: Gal Gadot, Chris Pine, Connie Nielsen

Während einer Auseinandersetzung mit dem klingonischem Imperium muss Captain James T. Kirk (Chris Pine) in einer Rettungskapsel die Enterprise verlassen. Der junge Sternenflotten-Kapitän gerät in ein Wurmloch und landet auf der Erde zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Trotz seiner amerikanischen Wurzeln kann sich Kirk als Brite tarnen und sogar als Spion die deutsche Wehrmacht infiltrieren. Der Zeitreisende beobachtet mit wachsender Sorge die Aktivitäten eines deutschen Generals namens Erich Ludendorff (Danny Huston), der zusammen mit der Chemikerin Isabel Maru (Elena Anaya) ein neues, unglaublich tödliches Giftgas entwickelt. Kirks Tarnung fliegt letztendlich auf und er muss fliehen. In der Nähe einer Mittelmeer-Insel stürzt sein Flugzeug ab und der Sternenflotten-Kapitän wird von einer jungen Amazone namens Diana (Gal Gadot) gerettet. Kirk betritt eine ihm fremde, aber optisch recht ansprechende Welt: Starke, von Göttervater Zeus abstammende Frauen üben sich in der Kriegskunst und warten auf die Rückkehr von Kriegsgott Ares, ihrem alten Feind. Kirk erzählt den Amazonen vom Krieg, woraufhin Diana eine Entscheidung fällt. Sie verlässt ihre Insel und begleitet den Mann nach London, da sie in all den Geschehnissen das böse Wirken von Ares sieht. Der Sternenflotten-Kapitän kann seine attraktive Retterin nicht an diesem Plan hindern, und doch muss er sich allmählich fragen, ob nicht sein eigenes Verhalten in der Vergangenheit eine massive Verletzung der Obersten Direktive darstellt.

Das Drama mit DC

DC hat es nicht leicht mit seinem Filmuniversum. Angefangen hat es ja vor einigen Jahren mit „Man Of Steel“, der neuen und realistischen Interpretation von Superman. Leider beschäftigte sich der Film hauptsächlich damit, Henry Cavill – ausgestattet mit maximal zwei Gesichtsausdrücken – durch eine relativ lieblose Handlung zu manövrieren, um sich dann am Ende in brachialer Action selbst zu ertränken. Zack Snyders realistischer Ansatz ging nicht ganz auf. Ein wenig später folgte mit „Batman v Superman“ das Aufeinandertreffen von Batman und Superman, Dcs größter Helden. Dank Ben Affleck war dieser Film ein wenig besser als „Man Of Steel“, allerdings war er am Ende zu überladen und litt immer noch unter der ungünstigen Charakterauslegung des Stählernen. „Batman v Superman“ lässt sich vielleicht mit einem an und für sich vielversprechenden Typen vergleichen, der sich beim Wohnungsumzug einfach um zwei oder drei Kartons verschätzt und deswegen die Treppen runterfällt – allerdings in Slow Motion und mit einem Badass-Spruch auf den Lippen. Der letzte Film aus dem DC-Filmuniversum war dann „Suicide Squad“, bei welchem es phasenweise schwer war, überhaupt eine anständige Filmstruktur zu erkennen.

Wonder Woman – Das Vorfeld

„Wonder Woman“ soll es also nun richten. Mein Problem: Eigentlich mag ich Wonder Woman nicht besonders. Das fängt beim Kostüm an, geht bei der seltsamen Verwurstelung griechischer Mythologie weiter und hört bei Dingen wie dem „Lasso der Wahrheit“ oder dem „Unsichtbaren Flugzeug“ auf. Gal Gadots erster Auftritt als Wonder Woman in „Batman v Superman“ hat mich nun auch nicht gerade heiß auf ihr Solo-Abenteuer gemacht. Sie war zwar nicht nervig, wie befürchtet, dafür aber überflüssig. Trotzdem wollte ich dem Charakter in einem anderen Medium noch eine Chance geben und habe es mit dem einsteigerfreundlichen Comic aus der „Earth One“-Reihe probiert. Mit Superman hat das damals funktioniert – mit Wonder Woman leider nicht.

Als schließlich die ersten seriösen Kritiken zu „Wonder Woman“ eintrudelten, war meinerseits die Überraschung recht groß. Der Film kam sehr gut an, wurde stellenweise sogar in den Himmel gelobt und kam als eine Art Messias für das – zumindest aus Kritiker-Sicht – gebeutelte DC-Filmuniversum rüber. An der Stelle konnte man sich viele Fragen stellen, denn die Fronten zwischen Filmkritikern und den „echten“ DC-Fans waren in der Internet-Diskussion ja recht verhärtet. Was war nun los? Wer hat Recht? Aus Fan-Perspektive haben die Kritiker doch sämtliche DC-Filme in der Luft zerrissen. Sollte „Wonder Woman“ dem „echten“ DC-Fan dann nicht logischerweise gar nicht gefallen? Und hängen die guten Kritiken denn wirklich mit der Qualität des Films zusammen? Oder gibt es – da es eine Comicverfilmung von einer Frau mit einer Frau und mit einem potentiellen weiblichen Publikum ist – eine Art Kritiker-Bonus? Ich muss zugeben, ganz uninteressant sind diese Fragen nicht, beziehungsweise können sie dem persönlichen Amusement dienlich sein.Trotzdem wollte ich mich vor dem Kinobesuch ganz bewusst von dieser politischen Aufladung distanzieren und den Film als solchen wahrnehmen. Ich hoffe, dass mir das gelungen ist.

Wonder Woman – Die grobe Struktur

Was genau haben wir denn nun mit „Wonder Woman“? Auf den ersten Blick ist der Film eine recht klassische Origin-Geschichte und insofern gefällig strukturiert. Am Anfang lernt man Diana und die Welt der Amazonen kennen. Im weiteren Verlauf des Films wird die Hauptfigur mit der realen Härte des Ersten Weltkriegs konfroniert. Charaktere verändern ihre Beziehungen zueinander, Nebencharaktere werden vorgestellt, es gibt ein paar Entwicklungen, den ein oder anderen gelungenen Witz und sogar ein paar wirklich emotionale Momente. Am Schluss steht der obligatorische CGI-Showdown, wobei dieser nicht ganz so schlimm ist, wie man es von anderen Genre-Vertretern kennt. Die Effekte sind mal mehr, mal weniger gut, der Soundtrack ist relativ klassisch und unterstützt die Bilder passend, fällt aber ansonsten nicht weiter auf – wenn man mal von diesem rockigen Riff absieht, welches bereits aus „Batman v Superman“ bekannt ist. Die Action ist befriedigend inszeniert, wobei es für meinen Geschmack die Slow Motion nicht gebraucht hätte. So viel also zur Struktur, die oberflächlich betrachtet Hand und Fuß hat.

Charaktere, Gal Gadot und Ideale

Die Nebenfiguren auf der Seite unserer Helden bleiben für mein Empfinden relativ blass und ziehen den Film in der Mitte ein wenig in die Länge. Zumindest war ich hier gedanklich ein paar Mal ganz woanders. Einen recht glaubwüdigen Auftritt legt dagegen Chris Pine in der Rolle des Steve Trevor hin. Auffällig ist auch die gute Chemie zwischen ihm und der Hauptdarstellerin, womit ich bei einem der wichtigsten Punkte dieser Kritik angekommen wäre: Gal Gadot. Ganz offensichtlich ist sie eine bildhübsche und unheimlich attraktive Frau. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, aber in diesem Fall verweigere ich eine Diskussion. Allerdings macht eine gute Optik allein ja noch keine gute Schauspielerin. Und hier muss man meiner Meinung nach differenziert herangehen. Auch durch „Wonder Woman“ kann ich in Gal Gadot noch keine Darstellerin erkennen, die eines Tages für eine innerlich zerrissene oder wahnsinnig anspruchsvolle Rolle verdient mit dem Oscar ausgezeichnet wird. Doch das stört an dieser Stelle so gut wie gar nicht. Wonder Womans Charakter begegnet der Welt außerhalb der Amazonen-Insel überrascht, geschockt, stoisch und gewissermaßen naiv. Insofern kommt die vermeintlich einfach gestrickte Rolle Gal Gadots durchschnittlicher Schauspielkunst gut entgegen. Man nimmt ihr den Charakter ab und hat eine Freude dabei, mit ihr durch die Handlung zu gehen. Und allein dadurch schlägt „Wonder Woman“ die Konkurrenz im Hause DC schon mal deutlich.

Weniger glücklich bin ich mit den meisten Figuren auf der Seite der Gegenspieler. An der Stelle muss ich mich fragen, wann es denn überhaupt den letzten wirklich geilen Bösewicht in einer Superheldenverfilmung gab. War das denn tatsächlich der Joker in „The Dark Knight“? Wie dem auch sei, die menschlichen Antagonisten in „Wonder Woman“ erhalten kaum Hintergrund oder Substanz und sind daher austauschbar. Kriegsgott Ares wird aufgrund seiner optischen Inszenierung auch nicht lange im Gedächtnis bleiben. Allerdings zeigt der Showdown mit ihm Aspekte des Films auf, die „Wonder Woman“ für mich besser als die meisten Marvel-Abenteuer machen. Zunächst einmal vertritt Ares eine Philosophie, an der sich die Ideale Wonder Womans messen müssen. Er ist also nicht nur eine physische, sondern vor allem eine psychologische Herausforderung. Ares zwingt Wonder Woman dazu, zu dem zu stehen, was sie als Charakter ausmacht, nämlich ihr Glaube an die Liebe und an das Gute in jedem Menschen. Natürlich muss sie im Film die Erfahrung machen, dass das mit Gut und Böse nicht immer so einfach ist. Wonder Woman werden die vielen Graustufen in der Moral des Menschen bewusst gemacht. Und natürlich stößt eine Figur wie sie auf den vermeintlich abgeklärten Realismus, beziehungsweise Zynismus des Publikums. Da ist die Gefahr groß, dass ein idealistischer Charakter wie Wonder Woman schnell als naiv oder gar dumm abgestempelt wird. Vor allem, wenn der Protagonist – im Gegensatz zu Marvel – eben nicht die eigenen Ideale durch augenzwinkernden Sarkasmus oder witzige One-Liner relativiert. Das Ganze hätte also leicht schief gehen können, aber ich würde sagen, dass die Rechnung aufgegangen ist. „Wonder Woman“ geht das Risiko ein, aber steht am Ende mit einer ehrlichen und optimistischen Heldin da, der man ihre Ideale ansieht und abnimmt. Also genau das, was Henry Cavills Superman meiner Meinung nach gebraucht hätte.

Fazit

„Wonder Woman“ ist ein überaus unterhaltsamer und auch wichtiger Blockbuster, wenn es um die Gleichberechtigung im Filmgeschäft geht – nicht in erster Linie, was Frauen vor der Kamera betrifft, sondern eher, was Frauen dahinter angeht. Regisseurin Patty Jenkins hat es geschafft, mit einem hohen Budget einen Blockbuster zu drehen, der die meiste vergleichbare Konkurrenz hinter sich lässt. Sicherlich ist es Quatsch, zu sagen, dass Frauen nun allgemein die besseren Superheldenverfilmungen liefern. Schließlich gab es dieses Jahr ja auch „Logan“. Allerdings würde ich hinter der Aussage stehen, dass uns Jenkins im Gegensatz zu Zack Snyder den besseren Superman geliefert hat – nur eben mit Rock und Brüsten. Es gibt von mir knappe, aber verdiente 8 von 10 Popcornguys.

Suburra

Titel: Suburra – 7 Tage bis zur Apokalypse
Originaltitel: Suburra
Regie: Stefano Sollima
Musik: M83
Darsteller: Pierfrancesco Favino, Greta Scarano, Alessandro Borghi

Rom, 2011: Der Küstenvorort Ostia soll in eine Art Las Vegas umgewandelt werden, wobei hinter den Kulissen ein berüchtigter römischer Gangster die Fäden zieht. Ein Abgeordneter, der als Politiker in die Prozesse verwickelt ist, verbringt eine Nacht mit zwei Prostituierten und Drogen. Eine der Frauen überlebt den Abend nicht, ihre Leiche muss verschwinden. Die löst eine Reihe von Ereignissen aus, bei welchen die verschiedensten kriminellen Kräfte Roms aneinander geraten und sich bekriegen. Die Lage spitzt sich immer weiter zu, und gerade die kleinen Nummern, die nicht viel mehr als Bauern im Schachspiel der Mächtigen sind, müssen ums Überleben kämpfen.

Es fällt mir immer häufiger auf, dass viele der wirklich guten Kinofilme im Jahr total unter dem Radar der breiten Masse laufen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist “Suburra”. Der italienische Mafia-Thriller wurde in der herausragenden Sendung “Kino+” empfohlen, was mich zum Kauf der Blu-ray bewegt hat. Ich sollte es nicht bereuen.

“Suburra” mag eine italienische Produktion sein, schließt aber mühelos an die großen Hollywood-Thriller eines Martin Scorseses an. Die Handlung ist einigermaßen komplex und erfordert die Aufmerksamkeit des Zuschauers. Verschiedenste Personen geraten in ein verwirrendes und oftmals tödliches Netz aus Intrigen, Korruption, Rache und Macht. Obwohl sämtliche Charaktere Dreck am Stecken haben, bekommt nahezu jede Figur auch ihre menschlichen Momente und wird damit nachvollziehbar. Einigen drückt man sogar die Daumen, man wünscht sich, dass sie irgendwie heil aus der Sache rauskommen. Die Schauspieler – mir durch die Bank unbekannt, da es Italiener sind – liefern allesamt eindrucksvolle, intensive und glaubwürdige Darstellungen ab. Regisseur Sefano Sollima inszeniert die Geschichte, die sich in einem Zeitraum von sieben Tagen abspielt, mit großer Spannung. Bereits am Anfang des Films wird in Schriftzügen angekündigt, dass am Ende die Apokalypse steht. Und so darf man sich auf einen Schluss voller Härte und Brutalität einstellen. Dabei bleibt die wohl dosierte Action allerdings immer Mittel zum Zweck, die Charaktere und die Handlung geraten nie aus dem Fokus.

Der Look des Films ist großartig. Sollima hat zusammen mit Kameramann Paolo Carnera eindrucksvolle Bilder und Fahrten voll von betörender Schönheit entworfen. Die äußerst ästhetische Optik wird perfekt von vielen Songs der französischen Electronic- und Dreampop-Band M83 unterstüzt. Die sphärischen Klänge dieser Musik vermitteln Größe und Magie, wobei sie oft im krassen Gegensatz zur eigentlichen Grausamkeit von “Suburra” stehen. Doch genau dieser Kontrast trägt wohl dazu bei, dass der Film – wie bereits erwähnt – trotz aller Härte seltsam menschlich und gefühlvoll wirkt.

Fazit: Ich spreche für “Suburra” eine klare Empfehlung aus und verteile starke 9 von 10 Popcornguys. Alle Fans von guten Thrillern – oder vielleicht sogar allgemein Fans guter Filme – sollten hier zugreifen und diesen wunderbaren Film aus Italien unterstützen.

The Skeleton Twins

Titel: The Skeleton Twins
Regisseur: Craig Johnson
Musik: Nathan Larson
Darsteller: Kristen Wiig, Bill Hader, Luke Wilson

Nach einem Selbstmordversuch trifft Milo (Bill Hader) nach zehn Jahren seine Zwillingsschwester Maggie (Kristen Wiig) wieder. Der depressive junge Mann wird von ihr und ihrem Mann (Luke Wilson) aufgenommen, um wieder ins Leben zurück zu finden. Dabei ziehen sich beide gegenseitig aus den tiefen Löchern, die sich in ihren Leben aufgetan haben.

Als großer Saturday Night Live-Fan hatte ich „The Skeleton Twins“ bald auf der Liste. Nachdem Kristen Wiig und Bill Hader nicht nur innerhalb des SNL-Ensembles zu meinen Schauspielfavoriten gehören, sehe ich sie in jedem Genre gerne – gerade da ich um ihre gute Chemie weiß. So auch in dieser Tragikomödie, die auf so manchen Indiefestivals zahlreiche Preise abräumte.

Bill Hader brilliert hier als homosexueller Mann, der von vergangenen Beziehungen und traumatischen Erlebnissen gebeutelt, keinen echten Ausweg mehr aus seinem verkorksten Leben findet. Das erneute Zusammenleben mit seiner Schwester weckt Kindheitserinnerungen – dies sorgt für witzige und tragische Szenen – und stellt den wichtigsten Schritt im Heilungsprozess dar. Einen fast schon kultartigen Status nimmt hier eine berühmte Lipsinc-Szene ein.
The Skeleton Twins besticht durch seine Chemie zwischen den Figuren – durch die ruhigen Dialoge transportiert Craig Johnson vor allem Gefühle, und verzichtet dafür auf große Storylines und Wendungen. Das macht den Film zu einem kleinen Streifen, der vielleicht nicht überrascht, aber sehr zum Nachdenken anregt.

Grundsätzlich ist es für Schauspieler, die eher aus dem Comedygenre bekannt sind, immer ein Drahtseilakt, sich auf dramatische Rollen einzulassen. Im Falle von Bill Hader und Kristen Wiig klappt es hier sehr gut.

GEWINNSPIEL:
Kommentiert unter dem Artikel, welche Schauspieler es eurer Meinung nach geschafft haben, mit einer guten Rolle mit ihrem Ruf gebrochen haben! Unter allen Kommentatoren verlose ich einen Digital Download-Code für „The Skeleton Twins“. Teilnahme bis 02.06.17

Alien: Covenant

Titel: Alien: Covenant
Originaltitel: Alien: Covenant
Regie: Ridley Scott
Musik: Jed Kurzel
Darsteller: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Danny McBride

Warnung: Diese Kritik enthält leichte Spoiler zum Film „Prometheus“!

Im Jahr 2104 erwacht die Crew des Kolonieschiffs Covenant aufgrund eines Unfalls frühzeitig aus dem Schlaf. An Bord befinden sich weitere 2000 schlafende Menschen, die den noch mehrere Jahre entfernten Planeten Origae-6 besiedeln sollen. Doch nun empfängt die Crew Signale von einem näheren und paradiesisch wirkenden Planeten. Die Covenant setzt sich ein neues Ziel, wird dort aber mit einem unvorstellbarem Grauen konfrontiert.

„Alien: Covenant“ geht – mehr oder weniger – als Fortsetzung zum 2012 veröffentlichten „Prometheus“ durch. Dieser stieß damals besonders unter Fans der „Alien“-Filmreihe auf scharfe Kritik. Ich habe mir den Streifen erst kürzlich wieder angesehen und muss sagen, dass er – vor allem im Vergleich mit „Alien: Covenant“ – doch einige Stärken hat. Natürlich, die Charaktere sind teilweise strohdumm und am Ende wird es mit den vielen Alien-Mutationen recht unübersichtlich. Aber die Grundidee, dass der Mensch seinen Schöpfer im All sucht und findet, um dann festzustellen, dass dieser ihn auslöschen möchte, ist beängstigend und ziemlich genial. Mir gefällt also der philosophische und theologische Touch von „Prometheus“. Möglicherweise ist es ja das größte Problem von diesem Film, dass er am Ende krampfhaft zu einem Teil der „Alien“-Filmreihe verbogen wird. Es hätte auch ein eigenständiger und ziemlich guter Sci-Fi-Streifen werden können. Nun, dem ist nicht so. Stattdessen war da am Ende eine Art Alien und eine große, offene Frage – um die es in der Fortsetzung hätte gehen können. Theoretisch.

Tatsächlich hat es den Anschein, als würde „Alien: Covenant“ die losen Enden von „Prometheus“ unter den Tisch kehren wollen, damit man sich möglichst schnell wieder in gewohnten „Alien“-Gewässern befindet. Die von mir angedeutete große, offene Frage wird dementsprechend nicht beantwortet. Überhaupt wird die Lücke zwischen „Prometheus“ und „Alien: Covenant“ mehr oder weniger in ein paar Rückblenden geschlossen. Bis auf den Androiden David ist auch keine bereits bekannte Person ein entscheidender Teil der Handlung. Stattdessen präsentiert uns der Film neue und wieder einmal reichlich dumme Charaktere. Diese stolpern ohne nennenswerte Motivationen durch eine Handlung, die sich vor allem durch Vorhersehbarkeit und fehlende Spannung auszeichnet. Um mir die erinnerungswürdigen Szenen an den Fingern abzählen zu können, würde mir die Hand eines T-Rex reichen. Es gibt im Grunde kaum intensive Momente, kaum eine Todesszene, die schockt oder mulmig stimmt, kaum Stimmung, die wegen des zu hastigen Tempos gar nicht erst aufkommen kann.

Katherine Waterston spielt die neue Hauptfigur, deren Namen ich mir schon während des Films kaum merken konnte. Emotional ist am Anfang des Films einiges bei ihr los, aber so wirklich kann man dafür kein Gefühl entwickeln, weil man quasi unvermittelt in ihre Tragödie hineingeworfen wird. Allerdings verflüchtigt sich das Thema im Laufe des Films, phasenweise war mir ihr Charakter überhaupt nicht präsent und ich habe sie fast schon ausgeblendet. Um sie herum tummeln sich wie bereits erwähnt haufenweise austauschbare Figuren, deren Ableben sich oftmals ziemlich platt andeutet. In anderen Worten: Wenn sich ein Charakter in diesem Film mal „frisch machen“ möchte, hätte er sich in den meisten Fällen die Blasenentleerung sparen können. Eine kleine Ausnahme bildet Danny McBride, dessen Figur einen kurzen Moment hatte, in welchem ich eine emotionale Regung bei mir gespürt habe. Ansonsten herrscht leider darstellerische Fehlanzeige, natürlich abgesehen von Michael Fassbender. Er ist in einer nicht ganz leichten Doppelrolle zu sehen und sorgt dadurch für die unbehaglichsten Momente – in denen übrigens nie ein Alien involviert ist, was auch zu Denken geben sollte. Ich würde behaupten, dass Fassbender und seine Rollen dafür sorgen, dass der Film nicht komplett absäuft, denn mit seiner Figur ist eine Sci-Fi-Thematik verbunden, die ein klein wenig an „Prometheus“ erinnert und interessant erscheint. Leider wird diese nicht ausreichend oder stimmungsvoll genug in den Fokus gerückt, weswegen der Film sich eben nur knapp über dem Durchschnitt halten und nicht gut werden kann.

Auch bei den restlichen Aspekten des Films habe ich nicht viel Gutes zu berichten. Einige der realen Raumschiff-Kulissen sind schön und manche Außenaufnahmen machen etwas her. Aber viele der restlichen Effekte wirken für einen Film dieser Größenordnung nicht angemessen. Und gerade das CGI, mit welchem die Aliens dargestellt werden, kommt oftmals ziemlich billig rüber. Letztendlich muss auch aus technischer Sicht gesagt werden, dass „Alien: Covenant“ nichts besser macht als die bisherigen Teile der „Alien“-Filmreihe. Selbst der Soundtrack kann keine einzige neue markante Note setzen. Stattdessen bedient sich Komponist Jed Kurzel schamlos und ungeschickt an der Musik von „Alien“ aus 1979 und „Prometheus“.

Fazit: Gemessen an der Vorgeschichte des Franchise ist “Alien: Covenant” eine ziemliche Enttäuschung. Eine Empfehlung kann ich nicht aussprechen, stattdessen würde ich sogar “Life” als den besseren Alien-Film aus diesem Jahr hervorheben. Regisseur Ridley Scott verspielt sich langsam aber sicher den Rest seines Bonus, denn meiner Meinung nach hat er seit “Gladiator” keinen wirklich guten Film mehr auf die Reihe gebracht. Von daher bin ich froh, dass er bei “Blade Runner 2049” – welcher ja quasi ein weiteres seiner Sci-Fi-Babys darstellt – weder im Regiestuhl sitzt, noch das Drehbuch verfasst hat. Zumindest nach allem, was ich weiß. “Alien: Covenant” erhält von mir nüchterne 6 von 10 Popcornguys.

Fremd in der Welt

Originaltitel: I Don´t Feel At Home In This World Anymore
Regisseur: Macon Blair
Musik: Brooke Blair, Will Blair
Darsteller: Melanie Lynskey, Elijah Wood

Die depressive Ruth (Melanie Lynskey) lässt sich von ihren Mitmenschen gnadenlos umherschubsen, bis ein Einbruch in ihrem Haus alles ändert. Nachdem die Polizei kaum handelt, beginnt sie sich selbst auf die Fährte nach den Dieben, und holt sich dabei Tony (Elijah Wood), den schrägsten Vogel der Nachbarschaft, zu Hilfe. Gemeinsam geraten sie dabei nicht nur den Dieben in die Quere…

Das Erstlingswerk des Regisseurs Macon Blair erschien kürzlich auf Netflix. Der Independentfilm um den gestohlenen Laptop und Großmutters Silberbesteck wirkt erstmal wie ein Studentenprojekt, da die Musik von den jüngeren Brüdern des Regisseurs gemacht wurde. Schon bald wird klar, dass sich hier eine kleine Perle verbirgt. Das Duo Melanie Lynskey (die man in Deutschland vermutlich am besten aus ihrer Nebenrolle der Rose in Two and a half man kennt) und Elijah Wood funktioniert auf ganzer Linie. Die größte Stärke des Film findet sich aber auf jeden Fall in seiner Story:

Die sanfte Ruth wandelt genervt von ihrer Umwelt umher, ignoriert die Vordrängler an der Kasse und verräumt den Hundekot auf ihrem Rasen. Ihre Routine wird jäh unterbrochen, als sie ihre Wohnung durchwühlt und ihren wertvollsten Besitz geraubt vorfindet. Weniger der finanzielle Schaden, sondern mehr das Gefühl, in ihrem persönlichen Bereich verletzt worden zu sein, bringt eine Veränderung ins Rollen. Ruth beginnt mit detektivischem Eifer die Nachforschungen. Zur Seite steht ihr Tony, der den harten Kungfu-Kämpfer gibt, aber eigentlich mit weichem Herzen bald von den Ereignissen überwältigt wird.

Mit einigen wirklich guten Bildern, einer Prise Gewalt und viel schwarzem Humor hat „Fremd in der Welt“ meinen Geschmack zu 100% getroffen. Liebhaber von Indiefilmen sollten auf jeden Fall einmal einen Blick riskieren.

Sieben Minuten nach Mitternacht

Titel: Sieben Minuten nach Mitternacht
Originaltitel: A Monster Calls
Regie: Juan Antonio Bayona
Musik: Fernando Velázquez
Darsteller: Lewis MacDougall, Felicity Jones, Sigourney Weaver

Conor O’Malley (Lewis McDougall) ist 12 Jahre alt und lebt zusammen mit seiner krebskranken Mutter (Felicity Jones). Diese ist durch die Behandlungen sehr angeschlagen, weswegen Conor sich viel um sie und den Haushalt kümmern muss. Doch das sind nicht die einzigen Probleme des Jungen. Er vermisst seinen Vater (Toby Kebbell), der mit einer neuen Frau in Amerika lebt und nur selten zu Besuch kommt. Conors Großmutter (Sigourney Weaver) ist wahnsinnig bestimmend und streng, und in der Schule wird der Junge von seinen Klassenkameraden verprügelt. Und als wäre das nicht schon genug, wird Conor seit vielen Tagen von einem grausamen Albtraum heimgesucht. In einer Nacht, und zwar genau sieben Minuten nach Mitternacht, geschieht etwas Unglaubliches: Die große Eibe, die auf einem Hügel neben einer alten Kirche in Sichtweite von Conors Haus steht, verwandet sich in ein knorriges Monster. Das Ungeheuer spricht mit dem Jungen und möchte ihm drei Geschichten erzählen, bevor Conor in einer vierten Geschichte seine eigene Wahrheit preisgeben soll.

“Geschichten sind das Gefährlichste von der Welt. Sie jagen, beißen und verfolgen dich.” Dieses Zitat stammt aus Patrick Ness‘ Romanvorlage und fasst die schiere Wucht des Films “Sieben Minuten nach Mitternacht” perfekt zusammen. Die Geschichte geht auf eine Idee der Autorin Siobhan Dowd zurück, welche von Ness aufgegriffen und in einen Bestseller verwandelt wurde. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich von dem Buch rein gar nichts wusste – doch das werde ich nach dem Film nun ändern.

Ness ist auch für das Drehbuch verantwortlich, welches vom Regisseur Juan Antonio Bayona (“The Impossible”) visuell höchst beeindruckend umgesetzt wurde. Das Monster – im Original von Liam Neeson gesprochen – zieht den Zuschauer in jeder Szene in seinen Bann und überzeugt auf ganzer Linie. Die drei Geschichten, die es Conor erzählt, werden von wunderbar stimmigen Animationen unterstütz, die den Film über weite Phasen zu einem echten Kunstwerk werden lassen. Sämtliche Schauspieler verkörpern ihre Rollen mit genau der richtigen Intensivität und Glaubwürdigkeit. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle Felicity Jones, die ich in “Rogue One” als relativ langweilig empfand, die aber hier wunderbar warm und ehrlich spielt. Der darstellerische Star des Films ist aber Lewis MacDougall, der die äußerst schwierige Hauptrolle des Conor bravourös meistert.

Was den Film aber zu einem der besten des bisherigen Kinojahrs macht, sind die Themen, die er behandelt. Die Geschichten, die das Monster erzählt, sind wie Märchen und führen den Zuschauer anfangs gerne in die Irre. Man erwartet schnell einen klischeehaften Ausgang der Erzählungen, doch dann wird man eines Besseren belehrt. Die Märchen des Monsters umgehen die Klischees, fahren mit unerwarteten Wendungen auf und beinhalten dadurch sehr reflektierte und realistische Weisheiten und Wahrheiten. Allein über diese drei Geschichten innerhalb des Films könnte man lange Zeit philosophieren. Der Zuschauer wird in eine nachdenkliche Stimmung versetzt und muss sich mit einer ganzen Reihe interessanter Fragen auseinander setzen: Was ist gut und was ist böse? Wie wichtig ist der Glaube? Was bedeutet es, erwachsen zu werden? Und welche Bedeutung im Leben hat das Loslassen? Allmählich und mit dem nahezu perfekten Tempo schaukelt sich der Film über diese Themen hoch in emotionale Höhen, die eigentlichen keinen kalt lassen dürften. Tatsächlich glaube ich, dass “Sieben Minuten nach Mitternacht” bei einem Großteil der Zuschauer Tränen fließen lassen wird.

Fazit: An der Schwelle zum obligatorischem Krach-Bumm-Sommer-Blockbuster-Kino kommt ein Film daher, der einem die wahre Kraft einer guten Geschichte aufzeigt und einem direkt ins Herz stößt. Ich spreche eine klare Empfehlung aus und verteile starke 8 von 10 Popcornguys, mit einer Tendenz nach oben!

Battle Royale

Titel: Battle Royale
Originaltitel: Batoru Rowaiaru
Regie: Kinji Fukasaku
Musik: Masamichi Amano
Darsteller: Aki Maeda, Takeshi Kitano, Tatsuya Fujiwara

Zur Jahrtausendwende herrschen im Land hohe Arbeitslosigkeit und Jugendkriminalität. Als Reaktion darauf wird die “Milleniums-Bildungsreform”, kurz das “BR-Gesetz”, verabschiedet. Im Zuge dieses “Spiels” verfrachtet man ausgewählte Schulklassen auf eine einsame Insel. Dort werden sie mit verschiedenen Waffen ausgerüstet und dazu aufgefordert, sich gegenseitig umzubringen. Sollte es nach drei Tagen keinen alleinigen “Gewinner” geben, detonieren sämtliche Halsbänder, die den Schülern angelegt werden. Diesen gnadenlosen Regeln ist auch die Klasse 3-B der Shiroiwa-Mittelschule unterworfen, wobei Kitano (Takeshi Kitano), ein ehemaliger Lehrer, als “Spielleiter” die Fäden in der Hand hält. Noriko Nakagawa (Aki Maeda) und Shuya Nanahara (Tatsuya Fujiwara), beide 15 Jahre alt, müssen um ihr Überleben kämpfen und dabei schockiert feststellen, wie schnell ihr Klassenverband brüchig wird.

Der japanische Kultfilm “Battle Royale” stammt aus dem Jahr 2000 und gilt als geistiger Vater der massenkompatiblen “Tribute von Panem”-Reihe. Im Jahr seiner Erscheinung sorgte er für viel Aufsehen und Diskussion. Japanische Politiker und Pädagogen nahmen Anstoß an der Darstellung expliziter Gewalt unter Minderjährigen und wollten die Veröffentlichung verhindern, was jedoch erfolglos blieb. In Deutschland erschien der Film zunächst nur in einer stark geschnittenen Fassung, bevor er vollständig indiziert wurde. Nun ist “Battle Royale” wieder frei erhältlich – und ich habe mir den Streifen angesehen.

Im Vorfeld soll gesagt sein, dass ich an der “Tribute von Panem”-Reihe die Kernidee der Hungerspiele immer am faszinierendsten fand. Elemente wie die Dreiecksbeziehung und der Fashion-Aspekt waren für mich immer allzu offensichtliche und öde Zugeständnisse an das Zielpublikum dieser Filme. Zum Glück gibt es das bei “Battle Royale” nicht, beziehungsweise kaum. Hier geht es schlichtweg darum, wie sich Jugendliche gegenseitig töten. Und das ist nichts für schwache Nerven: Armbrüste, Maschinengewehre, Katanas, Granaten, Äxte und explodierende Halsbänder sorgen für einige sehr blutige Momente. Dabei ist es allerdings so, dass sich der Film meiner Meinung nach nicht zu sehr am Gore ergötzt. So bleibt das Töten hart und eindringlich, geht jedoch nie in die Richtung eines Splatter-Fests.

Noch wichtiger als die äußere Gewaltdarstellung ist natürlich das Innenleben der betroffenen Schüler. Hierbei werden sämtliche Möglichkeiten abgegrast. Einige Jugendliche wählen den Selbstmord, um sich dem “Spiel” zu entziehen. Andere legen die Waffen nieder und appelieren an die Menschlichkeit ihrer Mitschüler. Einige setzen ihre technischen Fähigkeiten ein und starten den Versuch, das Computersystem der Spielemacher zu hacken. Und wieder andere offenbaren ihren blutrünstigen Charakter und laufen Amok. So ergibt sich eine breite Palette an Motivationen und Entwicklungen, die den Zuschauer gut an die Handlung bindet.

Allerdings haben mich einige Inszenierungen im Detail dann doch gestört. Da wäre zum einen der Soundtrack zu erwähnen, der – durchsetzt mit bekannten klassischen Stücken – für sich genommen großartig ist. Doch bei einigen Szenen drückt etwas zu sehr auf die Tube und gemeinsam mit dem phasenweise vorkommenden Overacting ergibt das dann doch eine unfreiwillige Komik. Es mag sein, dass dies typisch für den japanischen Film ist. Man kann diese Szenen auch teilweise unter ironischer Satire verbuchen. Doch ich emfand entsprechende Stellen manchmal als unpassend und fühlte mich aus dem Film gerissen. Auffällig waren auch die etwas plump wirkenden Teenie-Liebesgeschichten: Wer will etwas von wem und warum und wie viel. Mir ist klar, dass diese Themen zum Alter der Protagonisten passen, aber das hätte man sicherlich auch geschmeidiger in Szene setzen können. Ungut ist im Grunde auch die hohe Anzahl an Figuren. Zwar kristallisieren sich einige Personen heraus – im Kopf bezeichnete ich diese Leute beispielsweise als “die irre Lady”, “der kranke Psycho”, “die Nerd-Gang” oder “der Stirnband-Typ” – aber wirklich in die Tiefe geht man bei keinem. Selbst die Hauptfiguren bleiben relativ oberflächlich und so verhält es sich dann auch mit der emotionalen Bindung zum Zuschauer. Vielleicht wäre hier weniger mehr gewesen.

Aber dennoch: “Battle Royale” ist ein guter Film, der durch seine harte und kompromisslose Grundidee von Anfang bis Ende fesselt. Der Streifen wirkt lange nach und wirft dank seiner Satire-Funktion auch die ein oder andere Fragen bezüglich unserer Leistungsgesellschaft und unseres Schulsystems auf. Wer es außerdem mal hart mag, sollte hier zugreifen. Von mir gibt es 8 von 10 Popcornguys!