Golden Popcornguy 2017: Die Gewinner stehen fest

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Golden Popcornguy 2017

Alle Jahre wieder ist es soweit. Der wichtigste internationale Filmpreis wird verliehen. Golden Globes? Oscar? Oh nein! Die Rede ist vom Goldenen Popcornguy 2017. Die Popcornguys haben nominiert, ihr könnt entscheiden. Das Ergebnis wird in wenigen Wochen veröffentlicht. Viel Spaß!

Hier geht es zur Wahl…

Die Hochzeit

Originaltitel: The Wedding
Produktion: A&C Productions
Musik: Pianissimo

Zwei suchende Seelen, die sich auf den ersten Blick gar nicht finden lassen wollten: Andrea und Christian blicken zurück auf eine nicht immer leichte Zeit, und voraus in eine gemeinsame Zukunft – mitten im wohl wichtigsten Tag ihres Lebens. Ein Tag, der viele Nerven und viel Arbeit gekostet hat. Ein Tag, der in seiner Schönheit gegen nichts aufzuwiegen sein wird. Ein Tag, der ihnen für immer in Erinnerung bleiben wird.

Klassische Liebesfilme sind nicht mein stärkstes Gebiet, wobei ich durchaus eine große Schwäche für gut erzählte Beziehungsgeschichten haben. Irgendwo treffen sie uns doch in unserem innersten Herzen. Auch mich, wenn sie nicht gerade voller Kitsch triefen, sondern das gewisse Extra an Realismus mit sich bringen.
Einen Volltreffer hat daher dieser Streifen aus dem neu gegründeten Hause „A&C Productions“ gelandet, der sich vor Vergleichen mit Genrevertretern nicht scheuen braucht, sondern vielmehr in seiner Einzigartigkeit glänzt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht das Liebespaar – zwei Gestalten, die mit höchster Liebenswürdigkeit nicht nur sich gegenseitig, sondern auch alle um sich herum glücklich machen. Dabei verblassen sie zu keiner Sekunde, sondern zeigen – wenn notwendig – sympathische Ecken und Kanten. Besonders hervorheben möchte ich hier die Leistung dieser Darsteller: Wirklich selten sieht man solch eine Chemie auf der großen Leinwand!
Interessanterweise ist die Geschichte zwar nah an diesen beiden Protagonisten, doch wird sie erzählt aus den Augen zweier Junggesellen, die sich fest vorgenommen haben, als die größten Hochzeitscrasher aller Zeiten in die Geschichte einzugehen. Ihre sympathisch-unbeholfene Art versetzt dem ganzen eine gewisse Würze, und sorgt im Kinosaal für ein gutes Maß an Lachern.

Aber nicht nur die Darsteller nehmen den Zuschauer hier mitten hinein ins Geschehen: Von Set über Ausstattung und Musik ist in jeder Szene eine absolute Detailverliebtheit spürbar, wie sie nur in Produktionen mit 100% Herzblut zu sehen ist. Dabei lässt sich „Die Hochzeit“ grob in zwei größere Szenarien einteilen: Der erste Teil des Films beleuchtet die Trauung in der Kirche, welche dank guter Regieleistung und eines hervorragenden Monologs geschickt Rückblicke auf die Vergangenheit der Protagonisten mit den Geschehnissen der Gegenwart und den Hoffnungen der Zukunft verbindet.
Im zweiten Teil des Films stellt sich eine wesentlich gelassenere, aber nicht weniger spannende Partyatmosphäre ein. Hierbei schlägt „Die Hochzeit“ ganz neue Wege ein, und traut sich beispielsweise mit Indiana Jones-Reminiszenzen in genrefremde Gewässer. Eine Formel, die voll aufgeht, denn die Zuschauer werden stets mitten hinein genommen in den angenehmen Mix von tiefen Gefühlen, überschäumender Freude und ausgelassenem Spaß. Aus einer unaufhörlichen Linie voller Höhepunkte sticht das berührende Finale am meisten vor, das auch die härtesten Liebesfilmmuffel dahinschmelzen lässt.

Fazit: Mit dem eigentlich unbeschreiblichen Gefühl, Teil eines wunderbaren, etwas großartigen gewesen zu sein, verharren die Zuschauer im Kinosessel und die Popcornguys im Autositz, und lassen nochmal die wunderschönen Stunden einer ganz besonderen Premerie an sich vorbei ziehen. 10 von 10 Popcornguys!

Liebe Andrea, lieber Christian! Wir wünschen Euch alles Liebe für eure gemeinsame Zukunft!

Fremd in der Welt

Originaltitel: I Don´t Feel At Home In This World Anymore
Regisseur: Macon Blair
Musik: Brooke Blair, Will Blair
Darsteller: Melanie Lynskey, Elijah Wood

Die depressive Ruth (Melanie Lynskey) lässt sich von ihren Mitmenschen gnadenlos umherschubsen, bis ein Einbruch in ihrem Haus alles ändert. Nachdem die Polizei kaum handelt, beginnt sie sich selbst auf die Fährte nach den Dieben, und holt sich dabei Tony (Elijah Wood), den schrägsten Vogel der Nachbarschaft, zu Hilfe. Gemeinsam geraten sie dabei nicht nur den Dieben in die Quere…

Das Erstlingswerk des Regisseurs Macon Blair erschien kürzlich auf Netflix. Der Independentfilm um den gestohlenen Laptop und Großmutters Silberbesteck wirkt erstmal wie ein Studentenprojekt, da die Musik von den jüngeren Brüdern des Regisseurs gemacht wurde. Schon bald wird klar, dass sich hier eine kleine Perle verbirgt. Das Duo Melanie Lynskey (die man in Deutschland vermutlich am besten aus ihrer Nebenrolle der Rose in Two and a half man kennt) und Elijah Wood funktioniert auf ganzer Linie. Die größte Stärke des Film findet sich aber auf jeden Fall in seiner Story:

Die sanfte Ruth wandelt genervt von ihrer Umwelt umher, ignoriert die Vordrängler an der Kasse und verräumt den Hundekot auf ihrem Rasen. Ihre Routine wird jäh unterbrochen, als sie ihre Wohnung durchwühlt und ihren wertvollsten Besitz geraubt vorfindet. Weniger der finanzielle Schaden, sondern mehr das Gefühl, in ihrem persönlichen Bereich verletzt worden zu sein, bringt eine Veränderung ins Rollen. Ruth beginnt mit detektivischem Eifer die Nachforschungen. Zur Seite steht ihr Tony, der den harten Kungfu-Kämpfer gibt, aber eigentlich mit weichem Herzen bald von den Ereignissen überwältigt wird.

Mit einigen wirklich guten Bildern, einer Prise Gewalt und viel schwarzem Humor hat „Fremd in der Welt“ meinen Geschmack zu 100% getroffen. Liebhaber von Indiefilmen sollten auf jeden Fall einmal einen Blick riskieren.

Get Out

Titel: Get Out
Regie & Drehbuch: Jordan Peele
Musik: Michael Abels
Darsteller: Daniel Kaluuya, Allison Williams

Achtung: Der Trailer zeigt schon viel, wenn auch nicht unbedingt zu viel!

Der afroamerikanische Fotograf Chris Washington begibt sich mit seiner Freundin Allison zum ersten Mal zu ihrer Familie, um einer großen Feier beizuwohnen. Seine Besorgnis, Allisons Familie, die ihr zufolge „sehr weiß“ ist, könnte sich rassistisch verhalten, wird bald im Winde zerstreut. Die Eltern geben sich bemüht, möglichst weltoffen und locker zu wirken. Eines macht Chris allerdings äußerst stutzig: Alle Afroamerikaner im Umfeld, besonders die beiden Angestellten Walter und Georgina, legen ein seltsam steifes Verhalten an den Tag. Als die Mutter Catherine, die in ihrer psychotherapeutischen Praxis oftmals Hypnose einsetzt, Chris von einer kleinen Behandlung überzeugen kann, ist er bald fest davon überzeugt, in eine Gesellschaft geraten zu sein, die alles andere als normal ist.

Der Regisseur Jordan Peele, der bislang eher für sein komödiantisches Talent im Duo Key and Peele bekannt ist, hat sich mit seinem Regiedebut an einem Horrorthriller versucht, der sich vor Vergleichen mit Genrevertretern absolut nicht fürchten muss.
Peele verknüpft hier die allzu aktuelle Thematik von neu aufkeimenden Rassismus, der sich oftmals unauffällig in unpassenden Bemerkungen äußert, und eine unheimliche Story voller Geheimnisse und bizarrer Weltanschauungen. Hierbei reizt er alle Möglichkeiten von vielfältigen Kameraeinstellungen und hervorragendem Sounddesign ein, die nicht nur an Klassiker der alten Schule erinnern, sondern ein durchgängig unbehagliches Gefühl erzeugen.
Dabei verzichtet das Drehbuch dankenswerterweise auf unrealistische Gedankenspiele und Kurzschlussreaktionen, sondern lässt den Hauptprotagonist stets besonnen durch eine immer verrückter werdende Welt wandeln, in der er sich hin- und hergerissen fühlt zwischen den Ereignissen um sich und der eigenen Paranoia.

Jordan Peele ist mit „Get out“ der große Wurf gelandet. Ein Psychothriller mit Horrorelementen, der dann und wann auch für einen kleinen Lacher sorgen kann, bewegt sich in einem stets unheimlichen Licht, dass den Zuschauer mitnimmt auf eine Reise in eine unwirkliche Gesellschaft, um ihn dann brutal in die Realität zu zerren. Klare Empfehlung!