Fremd in der Welt

Originaltitel: I Don´t Feel At Home In This World Anymore
Regisseur: Macon Blair
Musik: Brooke Blair, Will Blair
Darsteller: Melanie Lynskey, Elijah Wood

Die depressive Ruth (Melanie Lynskey) lässt sich von ihren Mitmenschen gnadenlos umherschubsen, bis ein Einbruch in ihrem Haus alles ändert. Nachdem die Polizei kaum handelt, beginnt sie sich selbst auf die Fährte nach den Dieben, und holt sich dabei Tony (Elijah Wood), den schrägsten Vogel der Nachbarschaft, zu Hilfe. Gemeinsam geraten sie dabei nicht nur den Dieben in die Quere…

Das Erstlingswerk des Regisseurs Macon Blair erschien kürzlich auf Netflix. Der Independentfilm um den gestohlenen Laptop und Großmutters Silberbesteck wirkt erstmal wie ein Studentenprojekt, da die Musik von den jüngeren Brüdern des Regisseurs gemacht wurde. Schon bald wird klar, dass sich hier eine kleine Perle verbirgt. Das Duo Melanie Lynskey (die man in Deutschland vermutlich am besten aus ihrer Nebenrolle der Rose in Two and a half man kennt) und Elijah Wood funktioniert auf ganzer Linie. Die größte Stärke des Film findet sich aber auf jeden Fall in seiner Story:

Die sanfte Ruth wandelt genervt von ihrer Umwelt umher, ignoriert die Vordrängler an der Kasse und verräumt den Hundekot auf ihrem Rasen. Ihre Routine wird jäh unterbrochen, als sie ihre Wohnung durchwühlt und ihren wertvollsten Besitz geraubt vorfindet. Weniger der finanzielle Schaden, sondern mehr das Gefühl, in ihrem persönlichen Bereich verletzt worden zu sein, bringt eine Veränderung ins Rollen. Ruth beginnt mit detektivischem Eifer die Nachforschungen. Zur Seite steht ihr Tony, der den harten Kungfu-Kämpfer gibt, aber eigentlich mit weichem Herzen bald von den Ereignissen überwältigt wird.

Mit einigen wirklich guten Bildern, einer Prise Gewalt und viel schwarzem Humor hat „Fremd in der Welt“ meinen Geschmack zu 100% getroffen. Liebhaber von Indiefilmen sollten auf jeden Fall einmal einen Blick riskieren.

Get Out

Titel: Get Out
Regie & Drehbuch: Jordan Peele
Musik: Michael Abels
Darsteller: Daniel Kaluuya, Allison Williams

Achtung: Der Trailer zeigt schon viel, wenn auch nicht unbedingt zu viel!

Der afroamerikanische Fotograf Chris Washington begibt sich mit seiner Freundin Allison zum ersten Mal zu ihrer Familie, um einer großen Feier beizuwohnen. Seine Besorgnis, Allisons Familie, die ihr zufolge „sehr weiß“ ist, könnte sich rassistisch verhalten, wird bald im Winde zerstreut. Die Eltern geben sich bemüht, möglichst weltoffen und locker zu wirken. Eines macht Chris allerdings äußerst stutzig: Alle Afroamerikaner im Umfeld, besonders die beiden Angestellten Walter und Georgina, legen ein seltsam steifes Verhalten an den Tag. Als die Mutter Catherine, die in ihrer psychotherapeutischen Praxis oftmals Hypnose einsetzt, Chris von einer kleinen Behandlung überzeugen kann, ist er bald fest davon überzeugt, in eine Gesellschaft geraten zu sein, die alles andere als normal ist.

Der Regisseur Jordan Peele, der bislang eher für sein komödiantisches Talent im Duo Key and Peele bekannt ist, hat sich mit seinem Regiedebut an einem Horrorthriller versucht, der sich vor Vergleichen mit Genrevertretern absolut nicht fürchten muss.
Peele verknüpft hier die allzu aktuelle Thematik von neu aufkeimenden Rassismus, der sich oftmals unauffällig in unpassenden Bemerkungen äußert, und eine unheimliche Story voller Geheimnisse und bizarrer Weltanschauungen. Hierbei reizt er alle Möglichkeiten von vielfältigen Kameraeinstellungen und hervorragendem Sounddesign ein, die nicht nur an Klassiker der alten Schule erinnern, sondern ein durchgängig unbehagliches Gefühl erzeugen.
Dabei verzichtet das Drehbuch dankenswerterweise auf unrealistische Gedankenspiele und Kurzschlussreaktionen, sondern lässt den Hauptprotagonist stets besonnen durch eine immer verrückter werdende Welt wandeln, in der er sich hin- und hergerissen fühlt zwischen den Ereignissen um sich und der eigenen Paranoia.

Jordan Peele ist mit „Get out“ der große Wurf gelandet. Ein Psychothriller mit Horrorelementen, der dann und wann auch für einen kleinen Lacher sorgen kann, bewegt sich in einem stets unheimlichen Licht, dass den Zuschauer mitnimmt auf eine Reise in eine unwirkliche Gesellschaft, um ihn dann brutal in die Realität zu zerren. Klare Empfehlung!

Jahresvorschau 2017

So aufregend und stellenweise unglaublich 2016 in politischer und gesellschaftlicher Hinsicht auch gewesen sein mag: Echte Highlights im Kino waren vergleichsweise rar. Insofern schauen wir an dieser Stelle lieber in die Zukunft und setzen uns mit dem Kinoprogramm 2017 auseinander.

Früh im Jahr startet „Passengers“. In diesem teilweise romantisch wirkendem Science-Fiction-Film spielen die sehr populären Darsteller Jennifer Lawrence und Chris Pratt zwei Passagiere eines Raumschiffs, welches sich auf einer 120-jährigen Reise zu einer weit von der Erde entfernten Kolonie befindet. Beide Reisende werden viel zu früh aus ihrem Schlaf geweckt und müssen sich die Zeit vertreiben – allerdings nicht nur mit Däumchen drehen. Der Trailer deutet an, dass es in Sachen Action und Spannung ganz schön zur Sache gehen wird. Als lustig könnte man die derb wirkende Komödie „Why him?“ empfinden. Bryan Cranston spielt hier einen Vater, dessen Tochter mit einer recht dubiosen Gestalt – gespielt von James Franco – zusammen ist. Zwischen den beiden Männern kommt es zu einigen Reibereien und peinlichen Situationen. Ab Mitte Januar häuft sich dann allmählich das Oscar-Material. Den Anfang macht bei uns das Filmmusical „La La Land“. Regie führt Damien Chazelle, der mit „Whiplash“ einen der intensivsten Filme der letzten Jahre abgeliefert hat. In seinem neuesten Werk geht es um die Liebesgeschichte zwischen einem Jazzmusiker (Ryan Gosling) und einer Schauspielerin (Emma Stone), die beide ihr Glück in Los Angeles suchen. Der Trailer war bezaubernd und bereits jetzt häufen sich Auszeichnungen und Nominierungen. Der Historienfilm „The Birth Of A Nation“ dreht sich um einen gebildeten Afroamerikaner, der zur Zeit der Sklaverei einen blutigen Aufstand gegen die Weißen anführt. Allein wegen der letztjährigen Whitewashing-Debatte dürfte der Film bei den diesjährigen Oscars eine Rolle spielen – allerdings muss ich auch zugeben, dass der Trailer für sich gesehen einiges hermacht. Chancen dürfte sich eigentlich auch die opulente Kriegssatire „Die irre Heldentour des Billy Lynn“ ausrechnen. Hierbei geht es um einen jungen amerikanischen Soldaten im zweiten Irakkrieg, der bei seiner Heimkehr als Held gefeiert wird. Regisseur Ang Lee („Life Of Pi“) führt bei diesem Film einige filmische Experimente durch (Stichwort: High frame rate), leider sind die bisherigen Kritiken eher durchwachsen. Ganz hervorragende Kritiken hat dafür „Manchester By The Sea“ erhalten. Es wird die Geschichte eines eigenbrötlerischen Hausmeisters (Casey Affleck) erzählt, dessen verstorbener Bruder ihn zum Vormund seines 15-jährigen Neffen gemacht hat. Für „Hacksaw Ridge“ hat Mel Gibson im Regiestuhl Platz genommen. Andrew Garfield spielt hier einen US-Soldaten, der im Zweiten Weltkrieg den Dienst an der Waffe verweigerte, aber dennoch viele seine Kameraden während einer Schlacht rettete. Ende Januar meldet sich M. Night Shyamalan mit einem Film namens „Split“ zurück. In diesem Psycho-Thriller spielt James McAvoy einen Entführer mit 23 Persönlichkeiten, der einige junge Frauen gefangen hält. Obwohl der Trailer am Ende fast schon zu viel verrät, hofft man doch, dass Shyamalan mit „Split“ zu seinen alten Qualitäten zurück findet.

Der Februar startet mit „Live By Night“, einem Gangsterfilm von und mit Ben Affleck, welcher im Amerika der 1920er und 30er Jahre spielt. Interessant wird sein, welche Akzente Affleck abseits seiner zukünftigen Comic-Verfilmungen setzt. Skandal-Regisseur Paul Verhoeven präsentiert uns „Elle“, in welchem es um eine eiskalte Unternehmerin geht, deren Leben sich nach der Vergewaltigung durch einen Fremden komplett verändert. Etwas lockerer kommt der Trailer von „The Founder“ daher. Michael Keaton spielt in dieser Biographie den Gründer der weltweit erfolgreichen Fast-Food-Kette McDonald’s. Freunde von Dystopien und Weltuntergängen könnten dagegen bei „The Girl With All The Gifts“ auf ihre Kosten kommen. In der Romanverfilmung ist der Großteil der Menschheit von einem Virus befallen, welches die Betroffenen ihrer menschlichen Eigenschaften beraubt. Gemma Arterton spielt hier eine Lehrerin, die infizierte Kinder an einer speziellen Schule einer Militärbasis unterrichtet. Auch bei „Sieben Minuten nach Mitternacht“ handelt es sich um eine Romanverfilmung. Hierbei geht es um einen 13-jährigen Jungen, der von Albträumen geplagt wird und schließlich in einer Beziehung zu einer Art Baummonster steht. Die Trailer lassen auf einen interessanten und kreativen Fantasyfilm hoffen. Mit „The Lego Batman Movie“ kehrt der Dunkle Ritter auf die große Leinwand zurück – natürlich etwas weniger dunkel als gewohnt. Obwohl mir der erste „Lego“-Kinofilm ein wenig zu rasant und vollgepackt vorkam, werde ich dieses Projekt wegen Batman im Auge behalten. Mitte Februar kommt eine Fortsetzung ins Kino, mit der ich ehrlich gesagt überhaupt nicht gerechnet hätte: „T2 Trainspotting“. Regisseur Danny Boyle hat den Cast des Kultfilms rund um Ewan McGregor wieder vereint und schon mal einen sehr stimmungsvollen Trailer präsentiert.

„Silence“, das neueste und mit großer Spannung erwartete Werk von Regisseur Martin Scorsese, hat seinen Starttermin bei uns Anfang März. Andrew Garfield und Adam Driver spielen zwei Jesuiten, die nach Japan reisen um dort ihren anscheinend vom Glauben abgefallenen Mentor (dargestellt von Liam Neeson) zu finden. Auf ihrer Reise werden sie unter anderem mit brutalen Christenverfolgungen konfrontiert. Ich persönlich erwarte von „Silence“ großes Drama und spirituellen Tiefgang. Für einen Blockbuster überdurchschnittlich tiefgründig erscheint der Trailer zu „Logan“. Hugh Jackman schlüpft anscheinend ein letztes Mal in die Rolle des beliebten Mutanten Wolverine. Sämtliche Abenteuer der X-Men in den letzten Jahren konnten mich nicht mehr ins Kino locken, doch der bereits erwähnte und recht interessant gestaltete Trailer ließ mich dann doch aufmerksam werden. Ein weiterer Blockbuster im März ist „Kong: Skull Island“, unter anderem mit Brie Larson, Tom Hiddleston, Samuel L. Jackson und John Goodman. Während der erste Trailer noch ein ziemliches Geheimnis um den titelgebenden Affen macht, geizt der zweite nicht mit Action oder dem ein oder anderen Schenkelklopfer. Das hat dann meine Erwartung wieder auf ein gesundes Maß gesenkt. Allerdings sind die Bilder ohne Frage beeindruckend und mit einer brauchbaren Unterhaltung wird man wohl rechnen dürfen. Mit „Moonlight“ startet im März ein absoluter Kritikerliebling, in welchem es um den Werdegang eines homosexuellen, afroamerikanischen Mannes geht. Zugegeben, der Protagonist vereint so viele Minderheiten in sich, dass man schon von einer Anbiederung hinsichtlich Oscars sprechen könnte. Aber wenn „Moonlight“ als Film überzeugt, soll er jeden Preis bekommen, den er verdient. Im Science-Fiction-Film „God Particle“ hat ein Teilchenbeschleuniger auf einer US-amerikanischen Raumstation eine Fehlfunktion, weswegen die gesamte Erde plötzlich verschwindet. Der Streifen soll anscheinend einen weiterer Teil des „Cloverfield“-Universums darstellen. Ende März startet mit „Ghost In The Shell“ die Verfilmung eines Animes, beziehungsweise Mangas, von welchem ich absolut gar nichts weiß. Doch der Trailer war beeindruckend und Hauptdarstellerin Scarlett Johansson ist im hautengen Anzug selbstverständlich ein absoluter Hingucker. Weniger begeistert war ich von den ersten bewegten Bildern zu Guy Ritchies „King Arthur – Legend Of The Sword“. Kameraführung, Schnitt und Musik wollen für mich einfach nicht zum Mittelalter-Setting passen. Aber ich habe natürlich nichts dagegen, wenn ich am Ende positiv überrascht werden sollte. Einen weiteren Kostümfilm stellt „Tulpenfieber“ dar. Christoph Waltz spielt einen Kaufmann im Amsterdam des 17. Jahrhunderts, dessen junge Frau (Alicia Vikander) eine Affäre mit einem talentierten Maler (Dane DeHaan) eingeht. Ich muss zugeben, dass dieser Film vor allem wegen seines Casts in meiner Liste steht. Märchenhaft wird es mit „Die Schöne und das Biest“. Disney hat spätestens nach „Das Dschungelbuch“ begriffen, dass sich mit Realverfilmungen alter Klassiker viel Geld verdienen lässt. Ob die Neuinterpretation einen vegleichbaren Charme wie das Original entwickeln kann, ist natürlich eine andere Frage. Der Trailer war trotz CGI-Überfluss einigermaßen nett und Emma Watson ist in der Rolle der Belle immerhin schön anzusehen. Für ein bisschen Nostalgie dürfte es reichen.

Und schon ist es April. „Free Fire“ verschlägt uns in die 70er Jahre und zeigt Brie Larson, die bei einem Waffendeal zwischen zwei Gangs vermittelt – doch hierbei geht so einiges schief. In „Gold“ spielt Matthew McConaughey einen Goldgräber, dem in Indonesien der ganz große Wurf gelingt. Doch das viele Geld bringt nicht nur Gutes mit sich. Der rasante Trailer erinnert ein wenig an „The Wolf Of Wall Street“ und verspricht gute Unterhaltung – natürlich nicht zuletzt wegen dem herausragenden Hauptdarsteller. Wie eine Mischung aus „Gravity“ und „Alien“ kommt dagegen der im Mai startende „Life“ daher. Die Besatzung einer Raumstation (unter anderem gespielt von Jake Gyllenhaal und Ryan Reynolds) muss sich mit einer intelligenten und äußerst gefährlichen außerirdischen Lebensform auseinandersetzen. Ob der Streifen gut oder lediglich ein Best Of diverser Sci-Fi-Klassiker ist, wird sich zeigen. In „Fluch der Karibik 5: Salazars Rache“ schlüpft Johnny Depp abermals in die Rolle des trottelig-tuntigen Piraten-Haudegens Jack Sparrow – die Frage ist nur, wer da wirklich darauf gewartet hat. Ich zumindest halte die Reihe für ziemlich ausgelutscht und glaube nicht daran, dass sie mich wieder in ihren Bann ziehen kann. Auch wenn Javier Bardem als Bösewicht natürlich reizvoll ist.

Der Sommer wird wie gewohnt von Blockbustern dominiert, wobei natürlich die Superhelden nicht fehlen dürfen. So startet im Juni mit „Wonder Woman“ ein weiterer Film aus dem DC-Kosmos, welches mit „Batman v Superman“ und „Suicide Squad“ ja nicht gerade auf einem idealen Fundament steht. Der Trailer zum Solo-Abenteuer der Kriegeramazone wirkt solide, doch für mich muss sich Gal Gadot als Hauptdarstellerin erst noch beweisen und mir auch insgesamt die Figur schmackhaft machen. Im Juli krabbelt wieder einmal Spider-Man über die Kinoleinwand. Der Film trägt den Titel „Spider-Man: Homecoming“, aber mindestens ebenso passend wäre „Spider-Man: It’ll Work This Time“. Spidey ist nun wieder Eigentum der heimischen Marvel-Filmstudios und kann aus diesem Grund als Mitglied der Avengers verwendet werden. Dieser Entwicklung stehe ich relativ gleichgültig gegenüber und auch der Trailer hat mich nicht gerade von meinen Ermüdungserscheinungen hinsichtlich Comic-Verfilmungen befreit. Etwas aufregender finde ich da schon den Kinostart von „Bullyparade – Der Film“. Ich habe keine Ahnung, ob sich der Humor der Kultserie nach all der Zeit in einem Spielfilm umsetzen lässt. Doch Michael „Bully“ Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian haben mit der „Bullyparade“ meine Jugend geprägt und allein deswegen ist diese Komödie quasi Pflicht. Ebenfalls im Juli startet „Valerian“, ein Science-Fiction-Film von Luc Besson. Der opulente Trailer bewegt sich irgendwo auf der schmalen Linie zwischen Faszination und Augenkrebs und ich bin unschlüssig, ob ich die Optik nun gut oder schlecht finden soll. Auch die Hauptdarstellerin – bekannt als die wirklich unterirdische Antagonistin aus „Suicide Squad“ – stimmt mich nicht gerade optimistisch. Allerdings gibt es im Hochsommer noch einen Film, auf den ich mich ziemlich freue: „Dunkirk“ von Christopher Nolan. Wie der Titel vermuten lässt, dreht sich der Film um die Rettung britischer, französischer und belgischer Truppen durch die Alliierten im Zweiten Weltkrieg. Nach dem überaus ambitionierten „Interstellar“ finde ich es gut, dass Nolan ein – für seine Verhältnisse – bescheidenes Projekt umsetzt.

Im August kommt mit „Planet der Affen 3: Survival“ der vermeintliche Abschluss der neuen Affen-Trilogie ins Kino. Ich muss sagen, dass mir die ersten beiden Teile der Reihe ziemlich zusagen und ich gespannt darauf bin, ob und wie die Geschichte nun abgeschlossen wird. Neben den sehr guten Effekten, für die sich wieder Andy Serkis verantwortlich zeigt, darf man sich auch auf Woody Harrelson in der Rolle des menschlichen Gegenspielers freuen. Fans von Stephen King dürften dem Kinostart von „Der Dunkle Turm“ entgegen fiebern. Bei den Büchern bin ich nie sonderlich weit gekommen, weswegen ich auch nicht wirklich sagen kann, inwieweit der Film mit der Vorlage konform geht. Der Cast mit Idris Elba und Matthew McConaughey kann sich aber definitiv sehen lassen und auf den ersten Trailer bin ich durchaus neugierig. Apropos Stephen King: Sein Horrorklassiker „Es“, den ich sehr schätze, wird ebenfalls verfilmt. Einen Starttermin gibt es leider noch nicht, aber ich vermute, dass man im Spätsommer mit dem erste Teil des geplanten Zweiteilers rechnen darf. Mit „Es“ verbinde ich hohe Erwartungen, aber gleichzeitig auch tiefe Ängste. Ist dieses großartige Buch überhaupt in wenigen Stunden verfilmbar? Nun, seit der wunderbaren und in ähnlichen Gefilden schwimmenden Serie „Stranger Things“ bin ich da etwas optimistischer. Gespannt erwarte ich auch erstes Bildmaterial zu „Alien: Covenant“. Dieser ist quasi die Fortsetzung zu „Prometheus“, soll aber gleichzeitig wieder stärker in die Richtung der alten „Alien“-Filme gehen. Ridley Scott führt Regie, was leider nicht mehr unbedingt ein Garant für gutes Kino ist, aber hoffnungsvoll bin ich dennoch.

Bei der Fortsetzung eines anderen Sci-Fi-Klassikers hat Scott dagegen auf den Regie-Stuhl verzichtet. Der im Oktober startende „Blade Runner 2049“ wird vom großartigen Denis Villeneuve inszeniert, vor der Kamera sind unter anderem Harrison Ford, Ryan Gosling und Jared Leto zu sehen. Bis dahin muss ich dem etwas sperrigen Erstling nochmal eine Chance geben. Im November versammelt DC seine größten Superhelden auf der großen Leinwand und lässt sie in „Justice League“ von der Leine. Einen wirklichen Trailer gibt es noch nicht, nur etwas lose zusammenhängendes Material von der Comic Con. Darin ist aber schon erkennbar, dass DC auf seine Kritiker reagiert und die bierernste Stimmung, wie man sie aus „Batman v Superman“ kennt, durch Humor auflockern möchte. Ein große Vorfreude empfinde ich deswegen aber nicht. Anders sieht es da schon bei „Star Wars: Episode VIII“ aus. Auch wenn sich „Das Erwachen der Macht“ meiner Meinung nach berechtigte Kritik gefallen lassen muss, hat mich J.J. Abrams „softes Reboot“ doch überzeugt und mir vor allem sympathische Charaktere präsentiert. Ich bin gespannt darauf, wie es mit Rey, Finn, Poe und Kylo Ren weitergeht. Darüberhinaus glaube ich, dass Rian Johnson – im Gegensatz zu Abrams – in Sachen Handlung etwas gewagter inszenieren kann und auch muss.

Neben all diesen mehr oder weniger großen Namen wird 2017 natürlich noch viele Filme mit sich bringen, von denen ich zum jetzigen Zeitpunkt gar nichts weiß. Und wer weiß: Vielleicht verbergen sich gerade hier die letztendlich besten Filme. Die Popcornguys wünschen euch an dieser Stelle schon mal ein besinnliches Weihnachtsfest, einen guten Rutsch ins neue Jahr und dort natürlich viel Spaß im Kino!

Arrival

Titel: Arrival
Regisseur: Denis Villeneuve
Musik: Jóhann Jóhannsson
Darsteller: Amy Addams, Jeremy Renner, Forrest Whitaker

Als zwölf Raumschiffe an verschiedenen Punkten auf der Erde landen, werden Sprachwissenschaftlerin Louise Banks (Amy Addams) und Mathematiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) zu einem der UFOs gerufen, um den ersten Kontakt mit den Aliens aufzunehmen. Dieser Kontakt gestaltet sich schwieriger als gedacht, doch mit Geduld werden langsam Fortschritte gemacht. Nachdem sich andere Länder aus Unsicherheit gegenüber den Ausserirdischen abgrenzen, wird Louise eine ganz andere Form der Kommunikation offenbar. 

Denis Villeneuve hat wieder zugeschlagen. Ich persönlich bin schwer begeistert von diesem Mann. Wo er bislang noch ein ziemliches Nischendasein „fristete“, und seine großartigen Werke allenfalls als Geheimtipp für Kunstfilmliebhaber galten, ist er mittlerweile im großen Kino angekommen. Mit Arrival zeigt er ein weiteres Mal, dass zwischen zahlreichen Sequels, Prequels und schnöden Franchise-Ausschlachtungen noch hochqualitative Filme entstehen können, die wesentlich spannender und packender sind als alle Marvelfilme zusammen (hui, sehr gewagt).

Wer gerade die letzten Filme Villeneuves kennt, hat seine besondere Art für langsame Kamerafahrten, stille Bilder und außergewöhnliches Sounddesign schon erfahren. Dieser Stil findet sich auch in Arrival wieder – und das äußerst passend. Denis Villeneuve hat für meinen Geschmack alles richtig gemacht, was man bei einem Alien-Film 2016 richtig machen kann, ohne ausgelutschte Klischees zu bedienen oder ins Lächerliche abzurutschen.

Die Darsteller liefern durch die Bank einen großartigen Job ab. Amy Addams ist in den letzten Jahren sehr fleißig und liefert nach und nach großartige Jobs ab, auch Jeremy Renner, der für mich immer zwischen öden Rollen und wirklich guten Leistungen hin und her schwankt, passt sehr gut ins Bild. Forrest Whitaker, der m.E. eine etwas klischeebelastete Hauptrolle einnahm, macht seinen Charakter sehr glaubwürdig.

Glaubwürdig ist ohnehin ein Wort, das ich bedenkenlos diesem Film zusprechen würde. Kein anderer Alien-Film kam mir jemals so derart realistisch vor wie Arrival. Dabei kann er definitiv mit einer gehörigen Portion Spannung auftrumpfen, und die Zuschauer am Ende sogar mit einem dumpfen Mindfuck zurücklassen.

Fazit: Arrival ist ein großartiger Film. Villeneuve hat ein super Gefühl dafür, Bild, Ton und Story qualitativ in Einklang zu bringen, und schafft einen Lichtblick in einer immerzu dunkler werdenden Kinolandschaft. Unbedingt angucken!

Die Fliege

Titel: Die Fliege
Originaltitel: The Fly
Regie: David Cronenberg
Musik: Howard Shore
Darsteller: Jeff Goldblum, Geena Davis, John Getz

Die Journalistin Veronica Quaife (Geena Davis) lernt den brillanten, aber auch exzentrischen Wissenschaftler Seth Brundle (Jeff Goldblum) kennen. Dieser arbeitet an einem Gerät zur Teleportation, um Gegenstände oder auch Lebewesen von einem Ort zum anderen zu versetzen. Nachdem ein Versuch mit einem Pavian glückt, testet Brundle das Gerät an sich selbst. Da sich aber mit ihm eine Stubenfliege in der Teleportationskammer befindet, kommt es zu einem Unfall, bei welchem der Computer Brundles DNS mit der des Insekts verschmelzt. Nach und nach verliert der Wissenschaftler seine Menschlichkeit und verwandelt sich in ein neuartiges und abstoßendes Wesen.

Immer wieder stolpere ich über Klassiker, die ich bisher noch nicht gesehen habe – und dazu gehört auch Cronenbergs kultiger Horror-Streifen „Die Fliege“. Schon länger habe ich mit dem Gedanken gespielt, mich mit dem Film auseinanderzusetzen, doch erst heute habe ich die Blu-ray eingelegt. Das Ergebnis: „Die Fliege“ hat mich derart beeindruckt, dass ich umgehend meine Gedanken dazu aufschreiben möchte.

Der Film stammt aus dem Jahr 1986 und unterscheidet sich in seiner Machart sehr von heutigen Werken. Auffallend ist beispielsweise der recht unvermittelt wirkende Anfang des Films. Der Zuschauer wird quasi in der ersten Einstellung mit den beiden Hauptfiguren, die sich auf einer Art Party treffen, konfrontiert. Da habe ich mir die Frage gestellt, ob sich das nicht negativ auf meinen emotionalen Bezug zu den Charakteren auswirken könnte. Glücklicherweise tat es das nicht, was hauptsächlich an der sehr sympathischen Art von Jeff Goldblum liegt. Er überzeugt als intelligenter, aber auch eigenwilliger Wissenschaftler und wächst einem in der Rolle recht schnell ans Herz. Der Film liefert außerdem das nötige Hintergrundwissen zu seiner Figur. Beispielsweise erfährt man, dass Brundle das Reisen mit herkömmlichen Verkehrsmitteln nicht bekommt – ein banaler, aber einfach netter Grund, einen Teleporter zu erfinden. Auch Geena Davis, deren Charakter sich bald in den Wissenschaftler verliebt, liefert eine zumindest ausreichende Performance ab. Recht früh im Film fiel mir außerdem eine andere Sache auf, die ich der Entstehung in den 80er Jahren zuschreibe: Zu keinem Zeitpunkt macht sich eine der Figuren die Mühe, den Vorgang des Teleportierens ausführlich zu erklären. Stattdessen muss man als Zuschauer die Technik einfach hinnehmen – jedoch kann man sich umso schneller auf die eigentliche Handlung konzentrieren. Das empfand ich gerade im Blick auf heutige Filme, die sich gerne mal zu Tode erklären, als äußerst erfrischend und charmant.

Was ist aber die eigentliche Handlung von „Die Fliege“? Der Film wird in der Regel als Horror-Film bezeichnet. Und es gibt in der Tat einige Szenen, die es diesbezüglich in sich haben. Brundles Mutation wird mit wunderbaren und handgemachten, aber eben sehr expliziten und ekelerregenden Effekten visualisiert. Die dafür verantwortliche Abteilung hat ganze Arbeit geleistet. Allerdings beschränkt sich „Die Fliege“ nicht nur auf diesen Horror-Aspekt. Die eigentliche Stärke liegt in der Tragik der Verwandlung. Brundle spürt direkt nach dem Teleportieren zwar eine Veränderung, doch er nimmt sie zunächst positiv wahr. Er fühlt sich lebendiger und physisch gestärkt. Erst nach und nach fallen ihm und seiner Freundin Veronica die Schattenseiten der Mutation auf. Brundle forscht nach und muss erkennen, dass er den Prozess nicht stoppen kann. Er steuert seinem Tod entgegen und verliert nach und nach alles, was ihn körperlich und seelisch als Mensch ausmacht. Dabei verliert er nicht nur das Leben, wie er es gekannt hat, sondern auch Veronica, in die er sich erst kürzlich verliebt hat. Genau diese Tragik ist es, die meiner Meinung nach „Die Fliege“ über einen einfachen Horror-Film stellt und den Streifen zu etwas Besonderem macht. Positiv trägt auch die Charakterisierung von Stathis Borans bei. Der Ex-Freund und Boss von Veronica wird als unsympathischer Macho eingeführt, agiert aber gegen Ende des Films völlig abseits des Klischees.

Fazit: „Die Fliege“ kann ich jedem empfehlen, der auf charmanten 80er Jahre Horror steht, einen einigermaßen stabilen Magen hat und einen Gefallen an Tragik findet. Von mir bekommt dieser wunderbare Klassiker ganz starke 9 von 10 Popcornguys!