Killers Bodyguard

Originaltitel: Hitman´s Bodyguard
Regisseur: Patrick Hughes
Musik: Atli Örvarsson
Darsteller: Ryan Reynolds. Samuel L. Jackson, Élodie Yung, Gary Oldman, Salma Hayek

Der ehemalige weissrussische Präsident Vladislav Dukhovich (Gary Oldman) steht wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen vor dem internationalen Gerichtshof. Um ihn zu verurteilen, ist die Aussage des höchst gefährlichen Auftragskillers Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) nötig, welcher unter Schutz einer Interpol-Einheit, angeführt von der Agentin Amelia Roussel (Élodie Yung), beinahe einem Anschlag zum Opfer fällt. Sie sieht nur einen Ausweg, Kincaid sicher zum Gericht zu bringen, und zieht den ehemaligen Nr. 1-Personenschützer Michael Bryce (Ryan Reynolds) hinzu. 

Das Skript zu „Hitmans Bodyguard“ wurde schon vor der Verfilmung gelobt, allerdings handelte es sich da noch eher um ein Drama. Innerhalb kurzer Zeit hat man daraus aber eine Buddy/Roadmovie/Actionkomödie gemacht, die zwar keine ausgetretene Pfade verlässt, sondern sich auf bekannte Formeln verlässt, aber dennoch eine jede Menge Spaß macht.

Der Regisseur Patrick Hughes, der bisher nur für eher zweifelhafte Meisterwerke wie „Expandebles 3“ verantwortlich ist, macht einen grundsoliden Job: Die Charaktere angenehm überzeichnet, das Tempo rasant, und die Action gut inszeniert, feiert „Killers Bodyguard“ jedes Klischee, das man in einer Actionkomödie nur unterbringen kann. Dabei schickt uns der Film durch harte Faustkämpfe, blutige Schießereien und wahnwitzige Verfolgungsjagden, lediglich unterbrochen von kleinlichen Streitereien zwischen den Hauptfiguren.

Dabei ist es die hervorragende Chemie zwischen Reynolds und Jackson, die ihre Hassliebe herrlich ausspielen, und ihre gemeinsame Vergangenheit mit Flashbacks gut ausstatten. So stürzen der korrekte Bodyguard und der spontane, wahnsinnige Auftragskiller von einer verrückten Situation in die nächste, stets hin- und hergerissen sich gegenseitig zu ermorden oder sich doch das Leben zu retten. Sicher könnte man hier Typecast vorwerfen, und ankreiden, dass die beiden nur ihre typischsten Rollen ausfüllen, aber die Harmonie stimmt.
Auch der restliche (groß besetzte) Cast liefert gut ab, wenn auch der ein oder andere Storystrang den Film etwas überfrachtet, und gerade der Showdown dann etwas zu viel für mich war. Nichtsdestotrotz sieht man den Darstellern einfach an, dass der Dreh viel Spaß gemacht haben muss – allein das ist für mich mittlerweile ein bedeutendes Qualitätsmerkmal.

Fazit: Over-the-Top Action, irre Verfolgungsjagden, Gewalt und jede Menge Flüche: Nichts neues, aber jede Menge Spaß! Wer Lust auf einen witzig-abgedrehten Abend hat: Ab ins Kino, Motherfuckers!

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Planet der Affen: Survival

Titel: Planet der Affen: Survival
Originaltitel: War for the Planet of the Apes
Regie: Matt Reeves
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Andy Serkis, Woody Harrelson, Amiah Miller

Einige Jahre nach dem Ausbruch der sogenannten Affengrippe scheint eine Koexistenz zwischen Affen und Menschen unmöglich – erst recht nach dem brutalen Angriff des rachsüchtigen Koba (Toby Kebbell) auf die Überlebenden in San Franciso. Doch Koba ist tot und der Schimpanse Caesar (Andy Serkis) führt nach wie vor seine Gruppen Affen an. Inzwischen droht Gefahr von einer anderen Seite: Eine Militäreinheit namens „Alpha-Omega“ versucht, die Affen in den Wäldern aufzuspüren und zu töten. Angeführt werden die Militärs von einem fanatischen Colonel (Woody Harrelson), der in dem Konflikt eine schier religiöse Verpflichtung sieht. Caesar, bislang um Frieden und Toleranz bemüht, wird vor schwere Prüfungen und Entscheidungen gestellt.

Die aktuelle Blockbusterlandschaft ist von eher trostlosem Charakter – und ähnlich spritzig war der diesjährige Kinosommer. Doch hin und wieder gibt es Lichtblicke. Einer davon ist der dritte Teil der neuen „Planet der Affen“-Trilogie. Bereits die beiden vorherigen Filme habe ich sehr genossen und dementsprechend habe ich mich auf den Abschluss der Trilogie gefreut. Ich wurde nicht enttäuscht.

Zunächst muss das angesprochen werden, was von der ersten Sequenz an ins Auge sticht: Die Technik. Bereits die Vorgänger haben 2011 und 2014 für Aufsehen gesorgt. Doch 2017 übertrifft sich Weta Digital (die Effekt-Firma wurde vor allem durch die „Herr der Ringe“-Trilogie bekannt) nochmal selbst. Realistischer sahen die Affen, aufwendig durch Motion-Capture-Verfahren zum Leben erweckt, noch nie aus. Die Details – beispielsweise die Mimik oder das nasse Fell – haben mich stark verblüfft. Besser kann es eigentlich nicht werden, doch das dachte man 2011 und 2014 ja auch schon. Der optische Genuss wird durch eine gelungene Kameraführung und den wie immer guten Soundtrack von Michael Giacchino unterstützt. Die Musik vermittelt Größe, überzeugt aber vor allem in den persönlichen und emotionalen Szenen zwischen einzelnen Charakteren. Überhaupt ist der Film eher ruhiger und lässt sich Zeit, die Action wird wohl dosiert eingesetzt, dann aber durchaus knackig.

In Sachen Story könnten die Trailer auf eine falsche Fährte führen: Auf der einen Seite Affen, auf der anderen Menschen, alles spielt irgendwie im Wald – das kennt man doch schon. Doch das täuscht. Ich möchte aus Spoilergründen nicht zu viel verraten, doch die Handlung bietet einen Twist, welcher die gesamte Science-Fiction-Thematik der Filmreihe auf ein neues Level hebt. Eben jenen Twist fand ich derart interessant, dass ich aus der Richtung gerne noch mehr erfahren hätte. Womöglich hat man es sogar verpasst, am Ende des Films einen entsprechenden Wow-Effekt zu präsentieren. Aber nichtsdestotroz bin ich mit der Handlung zufrieden. Mindestens ebenso wichtig wie die Story sind die Charaktere im finalen Affen-Film. Egal ob Hauptfigur Caesar, der unverwüstliche Rocket (Terry Notary) oder Orang-Utan Maurice (Karin Konoval), die gute Seele der Trilogie – irgendwie hat man sie alle ins Herz geschlossen. Und obwohl es eigentlich nur animierte Affen sind, geht man als Zuschauer emotional mit und hofft, dass alle am Ende noch leben. Da es in erster Linie Caesars Reise ist, wird seinem Charakter natürlich besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Seine Situation ist derart schwer, dass er sich zwischen Toleranz oder Zorn entscheiden muss – aber mehr soll an dieser Stelle nicht gesagt werden.

Die Probleme des Films sind eher kleinerer Natur und auch eine Frage des Geschmacks. Beispielsweise gibt es einen Charakter namens Böser Affe (Steve Zahn), der in seiner schusseligen Art die zugegeben recht depressive Stimmung auflockern soll. Manchmal funktioniert das auch – manchmal aber auch gar nicht. Das sind dann so Momente, die zumindest mich etwas aus dem Film reißen. Hinzu kommen ein paar kleinere Längen im Mittelteil, aber im Grunde ist das nichts, was man dem Film mächtig ankreiden könnte.

Fazit: Alles in allem hat uns Regisseur Matt Reeves wieder einen guten Blockbuster geliefert – und darüber hinaus die Trilogie absolut zufriedenstellend abgeschlossen. Besonders oft passiert das Filmreihen ja nicht. Zwar lässt man sich auch hier ein paar gar nicht mal so uninteressante Hintertürchen offen, aber in erster Linie ist es doch die Geschichte Caesars, die hier zum Abschluss kommt. Ich verteile starke 8 von 10 Popcornguys und empfehle den Gang ins Kino – falls der Film bei euch noch läuft.

Atomic Blonde

Titel: Atomic Blonde
Regisseur: David Leitch
Musik: Tyler Bates
Dasteller: Charlize Theron, James McAvoy, John Goodman

Berlin 1989. Kurz vor dem Fall der Mauer spitzt sich die Situation in der geteilten Stadt immer mehr zu. Während die Öffentlichkeit ihre Aufmerksamkeit auf die Proteste in Ostberlin richtet, kämpfen die verschiedenen Geheimdienste um wertvolle Informationen auf beiden Seiten der Mauer. Als ein MI6-Agent erschossen wird und eine wertvolle Liste mit ihm verschwindet, wird die Agentin Lorraine Broughton (Charlize Theron) angesetzt, um gemeinsam mit ihrem exzentrischen Kollegen David Percival (James McAvoy) die gestohlenen Informationen wieder zu beschaffen, bevor sie größeren Schaden anrichten können.

David Leitch, der in der Vergangenheit hauptsächlich als Stuntman vor der Kamera stand, versucht sich nun seit einigen Jahren im Regiestuhl. Mit seiner Mitarbeit an JohnWick und als Second-Unit-Director für diverse Blockbuster hat er sich schon einen Namen gemacht, sodass er den Teaser für Deadpool 2, und schließlich auch den ganzen Film inszenieren durfte. Vorher nahm er sich jedoch noch der Verfilmung einer Graphic Novel an: The Coldest City bzw. Atomic Blonde.

Seine Erfahrungen in Sachen Stunt und Action kommen ihm hierbei nur allzu gelegen, denn diese ist – das kann man ohne Zögern sagen – wirklich gut gestaltet, und gipfelt in einer knallharten Actionsequenz, die mich nicht nur an „The Raid“ erinnerte, sondern in ihrer Härte und Offenheit zu einem direkten Vergleich herangezogen werden kann.

Ein ebenso gutes Händchen beweisen die Macher bei Atmosphäre und Kamerastil. Immer wieder lässt sich der Film ein wenig Zeit, Momente gekonnt einzufangen und mit dem richtigen 80er-Song zu untermalen. Auch wenn das alles etwas gar hochpoliert wirkt, und mehr wie eine 80er-Hommage als das tatsächliche Berlin der 1980er Jahre wirkt, versprüht der Film dennoch einen gewissen Charme.

Nicht nur Charzlize Theron glänzt als knallharte, attraktive Agentin auf ganzer Linie. Auch der restliche Cast (u.a. Toby Jones, Bill Skarsgard, Sofia Boutella, Eddie Marsan, Til Schweiger (!!!)) überzeugt voll und gibt uns mehr oder weniger interessante Charaktere an die Hand, über deren zusammenwirken wir uns immer wieder den Kopf zerbrechen. Hier offenbart sich die Schwäche des Films: Agententhriller sind selten einfach gestrickt, doch zwischen allen von Misstrauen geprägten Gesprächen zwischen den Figuren, ihren Beweggründen und überraschenden Wendungen verliert man irgendwann schlicht den Überblick. So ganz wollte sich die komplizierte Geschichte uns nicht erschließen. Grob konnten wir uns allerdings schon gut damit anfreunden, und die anderen Reize des Films konnten gut darüber hinweg trösten.

Fazit: Atomic Blonde ist ein guter, unterhaltsamer Agententhriller mit einigen ikonischen Bildern, perfekt inszenierter Aktion und mitreißendem Soundtrack. Auch wenn er nicht in die Geschichte eingehen wird, unterhält er auf beste Weise – klare Empfehlung mit 7 von 10 Popcornguys!

Wonder Woman

Titel: Wonder Woman
Originaltitel: Wonder Woman
Regie: Patty Jenkins
Musik: Rupert Gregson-Williams
Darsteller: Gal Gadot, Chris Pine, Connie Nielsen

Während einer Auseinandersetzung mit dem klingonischem Imperium muss Captain James T. Kirk (Chris Pine) in einer Rettungskapsel die Enterprise verlassen. Der junge Sternenflotten-Kapitän gerät in ein Wurmloch und landet auf der Erde zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Trotz seiner amerikanischen Wurzeln kann sich Kirk als Brite tarnen und sogar als Spion die deutsche Wehrmacht infiltrieren. Der Zeitreisende beobachtet mit wachsender Sorge die Aktivitäten eines deutschen Generals namens Erich Ludendorff (Danny Huston), der zusammen mit der Chemikerin Isabel Maru (Elena Anaya) ein neues, unglaublich tödliches Giftgas entwickelt. Kirks Tarnung fliegt letztendlich auf und er muss fliehen. In der Nähe einer Mittelmeer-Insel stürzt sein Flugzeug ab und der Sternenflotten-Kapitän wird von einer jungen Amazone namens Diana (Gal Gadot) gerettet. Kirk betritt eine ihm fremde, aber optisch recht ansprechende Welt: Starke, von Göttervater Zeus abstammende Frauen üben sich in der Kriegskunst und warten auf die Rückkehr von Kriegsgott Ares, ihrem alten Feind. Kirk erzählt den Amazonen vom Krieg, woraufhin Diana eine Entscheidung fällt. Sie verlässt ihre Insel und begleitet den Mann nach London, da sie in all den Geschehnissen das böse Wirken von Ares sieht. Der Sternenflotten-Kapitän kann seine attraktive Retterin nicht an diesem Plan hindern, und doch muss er sich allmählich fragen, ob nicht sein eigenes Verhalten in der Vergangenheit eine massive Verletzung der Obersten Direktive darstellt.

Das Drama mit DC

DC hat es nicht leicht mit seinem Filmuniversum. Angefangen hat es ja vor einigen Jahren mit „Man Of Steel“, der neuen und realistischen Interpretation von Superman. Leider beschäftigte sich der Film hauptsächlich damit, Henry Cavill – ausgestattet mit maximal zwei Gesichtsausdrücken – durch eine relativ lieblose Handlung zu manövrieren, um sich dann am Ende in brachialer Action selbst zu ertränken. Zack Snyders realistischer Ansatz ging nicht ganz auf. Ein wenig später folgte mit „Batman v Superman“ das Aufeinandertreffen von Batman und Superman, Dcs größter Helden. Dank Ben Affleck war dieser Film ein wenig besser als „Man Of Steel“, allerdings war er am Ende zu überladen und litt immer noch unter der ungünstigen Charakterauslegung des Stählernen. „Batman v Superman“ lässt sich vielleicht mit einem an und für sich vielversprechenden Typen vergleichen, der sich beim Wohnungsumzug einfach um zwei oder drei Kartons verschätzt und deswegen die Treppen runterfällt – allerdings in Slow Motion und mit einem Badass-Spruch auf den Lippen. Der letzte Film aus dem DC-Filmuniversum war dann „Suicide Squad“, bei welchem es phasenweise schwer war, überhaupt eine anständige Filmstruktur zu erkennen.

Wonder Woman – Das Vorfeld

„Wonder Woman“ soll es also nun richten. Mein Problem: Eigentlich mag ich Wonder Woman nicht besonders. Das fängt beim Kostüm an, geht bei der seltsamen Verwurstelung griechischer Mythologie weiter und hört bei Dingen wie dem „Lasso der Wahrheit“ oder dem „Unsichtbaren Flugzeug“ auf. Gal Gadots erster Auftritt als Wonder Woman in „Batman v Superman“ hat mich nun auch nicht gerade heiß auf ihr Solo-Abenteuer gemacht. Sie war zwar nicht nervig, wie befürchtet, dafür aber überflüssig. Trotzdem wollte ich dem Charakter in einem anderen Medium noch eine Chance geben und habe es mit dem einsteigerfreundlichen Comic aus der „Earth One“-Reihe probiert. Mit Superman hat das damals funktioniert – mit Wonder Woman leider nicht.

Als schließlich die ersten seriösen Kritiken zu „Wonder Woman“ eintrudelten, war meinerseits die Überraschung recht groß. Der Film kam sehr gut an, wurde stellenweise sogar in den Himmel gelobt und kam als eine Art Messias für das – zumindest aus Kritiker-Sicht – gebeutelte DC-Filmuniversum rüber. An der Stelle konnte man sich viele Fragen stellen, denn die Fronten zwischen Filmkritikern und den „echten“ DC-Fans waren in der Internet-Diskussion ja recht verhärtet. Was war nun los? Wer hat Recht? Aus Fan-Perspektive haben die Kritiker doch sämtliche DC-Filme in der Luft zerrissen. Sollte „Wonder Woman“ dem „echten“ DC-Fan dann nicht logischerweise gar nicht gefallen? Und hängen die guten Kritiken denn wirklich mit der Qualität des Films zusammen? Oder gibt es – da es eine Comicverfilmung von einer Frau mit einer Frau und mit einem potentiellen weiblichen Publikum ist – eine Art Kritiker-Bonus? Ich muss zugeben, ganz uninteressant sind diese Fragen nicht, beziehungsweise können sie dem persönlichen Amusement dienlich sein.Trotzdem wollte ich mich vor dem Kinobesuch ganz bewusst von dieser politischen Aufladung distanzieren und den Film als solchen wahrnehmen. Ich hoffe, dass mir das gelungen ist.

Wonder Woman – Die grobe Struktur

Was genau haben wir denn nun mit „Wonder Woman“? Auf den ersten Blick ist der Film eine recht klassische Origin-Geschichte und insofern gefällig strukturiert. Am Anfang lernt man Diana und die Welt der Amazonen kennen. Im weiteren Verlauf des Films wird die Hauptfigur mit der realen Härte des Ersten Weltkriegs konfroniert. Charaktere verändern ihre Beziehungen zueinander, Nebencharaktere werden vorgestellt, es gibt ein paar Entwicklungen, den ein oder anderen gelungenen Witz und sogar ein paar wirklich emotionale Momente. Am Schluss steht der obligatorische CGI-Showdown, wobei dieser nicht ganz so schlimm ist, wie man es von anderen Genre-Vertretern kennt. Die Effekte sind mal mehr, mal weniger gut, der Soundtrack ist relativ klassisch und unterstützt die Bilder passend, fällt aber ansonsten nicht weiter auf – wenn man mal von diesem rockigen Riff absieht, welches bereits aus „Batman v Superman“ bekannt ist. Die Action ist befriedigend inszeniert, wobei es für meinen Geschmack die Slow Motion nicht gebraucht hätte. So viel also zur Struktur, die oberflächlich betrachtet Hand und Fuß hat.

Charaktere, Gal Gadot und Ideale

Die Nebenfiguren auf der Seite unserer Helden bleiben für mein Empfinden relativ blass und ziehen den Film in der Mitte ein wenig in die Länge. Zumindest war ich hier gedanklich ein paar Mal ganz woanders. Einen recht glaubwüdigen Auftritt legt dagegen Chris Pine in der Rolle des Steve Trevor hin. Auffällig ist auch die gute Chemie zwischen ihm und der Hauptdarstellerin, womit ich bei einem der wichtigsten Punkte dieser Kritik angekommen wäre: Gal Gadot. Ganz offensichtlich ist sie eine bildhübsche und unheimlich attraktive Frau. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, aber in diesem Fall verweigere ich eine Diskussion. Allerdings macht eine gute Optik allein ja noch keine gute Schauspielerin. Und hier muss man meiner Meinung nach differenziert herangehen. Auch durch „Wonder Woman“ kann ich in Gal Gadot noch keine Darstellerin erkennen, die eines Tages für eine innerlich zerrissene oder wahnsinnig anspruchsvolle Rolle verdient mit dem Oscar ausgezeichnet wird. Doch das stört an dieser Stelle so gut wie gar nicht. Wonder Womans Charakter begegnet der Welt außerhalb der Amazonen-Insel überrascht, geschockt, stoisch und gewissermaßen naiv. Insofern kommt die vermeintlich einfach gestrickte Rolle Gal Gadots durchschnittlicher Schauspielkunst gut entgegen. Man nimmt ihr den Charakter ab und hat eine Freude dabei, mit ihr durch die Handlung zu gehen. Und allein dadurch schlägt „Wonder Woman“ die Konkurrenz im Hause DC schon mal deutlich.

Weniger glücklich bin ich mit den meisten Figuren auf der Seite der Gegenspieler. An der Stelle muss ich mich fragen, wann es denn überhaupt den letzten wirklich geilen Bösewicht in einer Superheldenverfilmung gab. War das denn tatsächlich der Joker in „The Dark Knight“? Wie dem auch sei, die menschlichen Antagonisten in „Wonder Woman“ erhalten kaum Hintergrund oder Substanz und sind daher austauschbar. Kriegsgott Ares wird aufgrund seiner optischen Inszenierung auch nicht lange im Gedächtnis bleiben. Allerdings zeigt der Showdown mit ihm Aspekte des Films auf, die „Wonder Woman“ für mich besser als die meisten Marvel-Abenteuer machen. Zunächst einmal vertritt Ares eine Philosophie, an der sich die Ideale Wonder Womans messen müssen. Er ist also nicht nur eine physische, sondern vor allem eine psychologische Herausforderung. Ares zwingt Wonder Woman dazu, zu dem zu stehen, was sie als Charakter ausmacht, nämlich ihr Glaube an die Liebe und an das Gute in jedem Menschen. Natürlich muss sie im Film die Erfahrung machen, dass das mit Gut und Böse nicht immer so einfach ist. Wonder Woman werden die vielen Graustufen in der Moral des Menschen bewusst gemacht. Und natürlich stößt eine Figur wie sie auf den vermeintlich abgeklärten Realismus, beziehungsweise Zynismus des Publikums. Da ist die Gefahr groß, dass ein idealistischer Charakter wie Wonder Woman schnell als naiv oder gar dumm abgestempelt wird. Vor allem, wenn der Protagonist – im Gegensatz zu Marvel – eben nicht die eigenen Ideale durch augenzwinkernden Sarkasmus oder witzige One-Liner relativiert. Das Ganze hätte also leicht schief gehen können, aber ich würde sagen, dass die Rechnung aufgegangen ist. „Wonder Woman“ geht das Risiko ein, aber steht am Ende mit einer ehrlichen und optimistischen Heldin da, der man ihre Ideale ansieht und abnimmt. Also genau das, was Henry Cavills Superman meiner Meinung nach gebraucht hätte.

Fazit

„Wonder Woman“ ist ein überaus unterhaltsamer und auch wichtiger Blockbuster, wenn es um die Gleichberechtigung im Filmgeschäft geht – nicht in erster Linie, was Frauen vor der Kamera betrifft, sondern eher, was Frauen dahinter angeht. Regisseurin Patty Jenkins hat es geschafft, mit einem hohen Budget einen Blockbuster zu drehen, der die meiste vergleichbare Konkurrenz hinter sich lässt. Sicherlich ist es Quatsch, zu sagen, dass Frauen nun allgemein die besseren Superheldenverfilmungen liefern. Schließlich gab es dieses Jahr ja auch „Logan“. Allerdings würde ich hinter der Aussage stehen, dass uns Jenkins im Gegensatz zu Zack Snyder den besseren Superman geliefert hat – nur eben mit Rock und Brüsten. Es gibt von mir knappe, aber verdiente 8 von 10 Popcornguys.

The Shallows

Titel: The Shallows
Regisseur: Jaume Collet-Serra
Musik: Marco Beltrami
Darsteller: Blake Lively

Die Medizinstudentin Nancy findet auf ihrem Selbstfindungstrip einen sozusagen geheimen Srand: Ein unbekanntes Stück Surferparadies, dass ihr von ihrer verstorbenen Mutter als zu findendes Erbe mitgegeben wurde. Dort angekommen genießt sie die unberührte Natur, bis sie von einem gigantischen Hai angegriffen wird, und sich in allerletzter Not auf einen kleinen Felsen retten kann.

Nach dem oben verlinkten Teaser war ich an „The Shallows“ sehr interessiert, wenngleich ich weder von Blake Lively, die wohl für Gossip Girl relativ bekannt ist, noch von Regisseur Collet-Serra, der sich in der Vergangenheit eher auf Horrorstreifen konzentriert hat, groß etwas gesehen hatte. Mir schwante hier ein interessanter Thriller, der sich – so hoffte ich – stark auf die Schauspielleistung einer einzelnen Person stützen würde. Das ist natürlich immer ein Wagnis, aber im Falle von „The Shallows“ geht diese Rechnung zu großen Teilen auf.

Der Film führt die Figur Nancy ein bisschen cheesy, aber nicht ganz unsympathisch ein. Die junge Studentin flieht aus ihrem Alltag, fühlt sich einem Strand hingezogen, den sie nur von einem Foto her kennt. Die passionierte Surferin findet dieses Paradies an der Küste Mexikos, trifft ein paar nette Typen und surft galant ein paar Tubes. Hierbei möchte ich die hervorragende Arbeit des Kameramanns Flavio Labiano hervorheben: Damn, der weiß wirklich wie man großartige Bilder schafft, die in den Zuschauern augenblicklich tiefste Sehnsucht nach Sonne und Meer erwecken. Geniale Unterwasseraufnahmen wechseln sich ab mit wunderschönen Panoramablicken über Strand und Meer – und auch in den Thrill-Momenten ist es die Kamera, die hier den wahren Gänsehautfaktor ausmacht. Das „Monster“ – ein riesengroßer weißer Hai – tritt in alter Jaws-Manier nur selten völlig in Erscheinung, was per se ein für mich kluger Schachzug ist und wesentlich mehr Spannung erzeugt als eine Ergötzung an Effekten.

Blake Lively wird völlig zurecht für ihre gute Performance gelobt. Mit „The Shallows“ hat sie sich jedenfalls Tür und Tor geöffnet und bewiesen, dass sie zu großen schauspielerischen Leistungen fähig ist. Das atmosphärische i-Tüpfelchen bildet zudem noch die Maske, die ihre Verletzungen auffällig gut in Szene setzte.

Bei all dem Lob gibt es dennoch etwas, dass die Suppe trübt. Sicher, über die m.E. unnötige Hintergrundstory kann man hinwegsehen, auch über so manche künstliche Selbstgespräche, oder sogar über die peinlichen Popsongs im sonst soliden Soundtrack (welcher Chef der Produktionsfirma hatte die morgens im Radio gehört?) kann man verkraften. Aber im Laufe des gut inszenierten Überlebenskampfes kommt es zu einer inhaltlichen Wendung, die ich an dieser Stelle gerne den 10Cloverfield Lane-Faktor taufen würde. Wer diesen Film gesehen hat, wird wissen, dass ein solider, atmosphärisch dichter Thriller beinahe von einem plötzlichen Fast-and-Furious-Action-Gedöns kaputt gemacht wurde. So leider auch in „The Shallows“, wo ein beinharter Kampf ums nackte Überleben plötzlich in Over-the-Top-Action verwandelt wird.

Das ist schade, mindert aber den Spaß am Rest des Films nur bedingt, sodass man das Ende dann doch einigermaßen versöhnt genießen kann. Mein Fazit: Ein kleiner Film, der mit einer zwar nicht neuen Idee, aber mit frischem Gesicht und großartigen Bildern aufwarten kann, etwas übers Ziel hinausschießt, dabei aber trotzdem noch Spaß macht.

 

Star Trek Beyond

Titel: Star Trek Beyond
Originaltitel: Star Trek Beyond
Regie: Justin Lin
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Chris Pine, Zachary Quinto, Karl Urban

Die Crew der „USS Enterprise“ befindet sich mitten in ihrer 5-Jahres-Mission, auf welcher sie fremde Welten erforschen und im Namen der Sternenflotte agieren soll. Kapitän James T. Kirk (Chris Pine) leidet unter Ermüdungserscheinungen und fragt sich, wo eigentlich sein Platz im Universum ist. Während er also überlegt, seinen Posten an den ersten Offizier Spock (Zachary Quinto) abzugeben, spielt dieser mit dem Gedanken, als Botschafter nach Neu-Vulkan zu gehen. Auf einer gigantischen Raumstation erbittet unterdessen eine Kapitänin die Hilfe der „Enterprise“: Schiff und Crew der Fremden gingen angeblich in einem Weltraumnebel verloren. Kirk befehligt die Rettungsmission, doch die „Enterprise“ wird vom fremdartigen Raumschiff des mysteriöse Krall (Idris Elba) angegriffen. Die Crew strandet schließlich auf einem fremden Planeten und muss dort schnell ums Überleben kämpfen.

Mit „Star Trek“ sorgte J.J. Abrams 2009 für eine Wiederbelebung des „Star Trek“-Franchises. Seine beiden Filme waren zwar keine wirkliche Science-Fiction, doch er produzierte unterhaltsame Action-Abenteuer im Weltraum, in denen eine recht gute Balance zwischen Krawall und Charakteren herrschte. Da die Filme erfolgreich ein breiteres Publikum ansprachen, konnte die „Enterprise“ im Kino mit weiteren Abenteuern rechnen. Allerdings verließ Abrams zugunsten von „Star Wars“ den Regie-Stuhl und Justin Lin sprang ein. Da schaltete meine imaginäre Brücke gleich mal auf Alarmstufe Rot. Die Gefahr, dass „Star Trek“ nun endgültig too fast und too furious werden könnte, erschien mir groß.

Dabei beginnt „Star Trek Beyond“ überraschend ruhig. Wir sehen einen nachdenklichen Kirk mit Selbstzweifeln, wodurch Chris Pine eine dezent andere Seite ausspielen kann. Das ist einerseits angenehm, andererseits aber auch etwas aufgesetzt, da ein Typ Mitte 30 anscheinend nicht einfach mal „nur“ Kapitän eines Raumschiffs sein kann – gerade, nachdem es in den letzten beiden Filmen ja genau darum ging, diese Position einzunehmen. Mit dem Überfall von Film-Bösewicht Krall nimmt der Film dann an Fahrt auf. Dabei nimmt die Action glücklicherweise niemals Brechreiz auslösende Exzesse à la „Man of Steel“ an. Dennoch muss ich sagen, dass mir das Tempo dann doch zu hoch ist und es sich keine bedrohliche Dramaturgie entwickeln kann. Die emotionale Fallhöhe ist also nicht hoch genug, weswegen an und für sich schlimme Ereignisse lediglich an der Oberfläche berühren. Und weil wir gerade bei der Action sind: Der Film spielt angenehmerweise zur Abwechslung mal nicht auf der Erde. Dennoch wird für den Showdown eine stadtähnliche Location gewählt, damit mal wieder recht viel kaputt gehen und an die Terrorismus-Ängste des Zuschauers angeknüpft werden kann. Da hätte ich gerne mal etwas anderes gesehen.

Überzeugend war für mich aber das Zusammenspiel der Charaktere, was dann auch zu dem Punkt führt, der „Star Trek Beyond“ positiv von den meisten anderen Action-Blockbustern abhebt: Es gibt sympathische Figuren. Teilweise liegt das am Einsatz der Schauspieler, zu einem anderen – und womöglich größeren – Teil am Nostalgie-Faktor. Hervorheben möchte ich Karl Urban in der Rolle von Schiffsarzt Leonard „Pille“ McCoy, der schon immer mein Liebling in der Crew war. Seine gemeinsamen Szenen mit Spock-Darsteller Zachary Quinto sorgen für die lustigsten Sprüche des Films. Aber auch Sofia Boutella als exotische Kriegerin Jaylah wird mir im Gedächtnis bleiben. Kostüm und Maske lieferten hierbei eine tolle Arbeit ab. Idris Elba als Gegenspieler Krall ist dagegen eher ein Schwachpunkt des Films. Dass man den Schauspieler unter der reptilienhaften Maskierung kaum erkennt, ist dabei nicht mal so entscheidend. Ungünstiger ist vielmehr, dass Kralls Motivation viel zu spät gelüftet und dann auch nicht ausreichend thematisiert wird. Dabei würde hier im Kern ein Thema stecken, welches möglicherweise mehr für „Star Trek“ steht, als es Abrams‘ Filme tun. Aber anstatt einer intellektuellen Ausarbeitung dieses Themas wird der Fokus ganz klar auf Action und Zerstörung gelegt, sodass der eigentliche Grund der Story bestenfalls als Randnotiz wahrgenommen wird.

Den Soundtrack zum liefert Michael Giacchino, der hier wie gewöhnlich einen guten Job macht. Ich mag seine Theme-Melodie, die bereits in den Vorgängern zu hören war, sehr gerne. Neue Elemente im Soundtrack sind mir allerdings nicht aufgefallen, wobei das auch einfach mit dem rasanten Tempo des Films zusammenhängen kann. Musik ist allgemein ein wichtiges Thema in „Star Trek Beyond“ und wird auch handlungsrelevant eingesetzt. Ich muss für mich noch entscheiden, ob ich die entsprechenden Stellen nun cool oder peinlich finden soll. Allerdings bin ich sehr erleichtert, dass Rihannas Song „Sledgehammer“ nicht im Film eingearbeitet wurde.

Fazit: „Star Trek Beyond“ ist nicht so schlimm geworden, wie ich es nach den Trailern befürchtet habe. Intellektuell lässt sich nicht viel mit ihm anfangen und auch emotional hat er mich an nicht allzu vielen Stellen angesprochen, doch unterhaltungstechnisch befindet er sich überraschenderweise auf einem ähnlichen Niveau wie die „Star Trek“-Filme von Abrams. So gebe ich dem Streifen, der übrigens den verstorbenen Schauspielern Anton Yelchin und Leonard Nimoy gewidmet ist, gute 7 von 10 Popcornguys.

The Hateful Eight

Titel: The Hateful Eight
Originaltitel: The Hateful Eight
Regie: Quentin Tarantino
Musik: Ennio Morricone
Darsteller: Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh, Samuel L. Jackson

Wyoming, kurz nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg: Kopfgeldjäger John Ruth (Kurt Russell) ist als Passagier einer Kutsche durch die verschneite Landschaft unterwegs. Er führt eine Kriminelle namens Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) mit sich. In der Stadt Red Rock soll sie dem Gesetz und dem Galgen übergeben werden. Major Maquis Warren (Samuel L. Jackson), ebenfalls Kopfgeldjäger, wird ebenfalls Passagier in der Kutsche. Doch allmählich kommt ein gewaltiger Schneesturm auf und die Gruppe muss Zuflucht in „Minnies Miederwarenladen“ suchen, einer kleinen, abgelegenen Hütte. Dort halten sich weitere zwielichtige Gestalten auf und John Ruth muss sich bald mit einer unangenehmen Frage auseinandersetzen: Welcher der anderen Gäste steckt mit seiner Gefangenen unter einer Decke?

Ein Tarantino-Film ist für mich Pflichtprogramm. Da halten mich auch durchwachsene Kritiken nicht davon ab. Aber eines muss ich dennoch zugeben: Ein besonders eingängiger Film ist „The Hateful Eight“ nicht. Einen Großteil der drei Stunden langen Laufzeit nehmen Landschaftsaufnahmen, Charakterexpositionen und Dialoge ein. Die für Tarantino typische Action lässt dagegen lange auf sich warten. Der Zuschauer muss also viel Sitzfleisch und Geduld mitbringen – doch „The Hateful Eight“ fährt mit ausreichend Elementen auf, die zumindest mir das Warten leicht gemacht haben.

An erster Stelle möchte ich den Soundtrack von Ennio Morricone nennen. Was für eine geile Musik! Meistens zielen heutige Soundtracks lediglich darauf ab, die Bilder passend zu unterlegen. Gut, wenn das gelingt, dann ist das eigentliche Ziel bereits erreicht. Doch Morricones Soundtrack geht einen Schritt weiter und entwickelt einen von den Bildern unabhängigen Charakter. Dabei kam mir die Musik wie eine düstere Variante seiner alten Western-Hits vor. Stellenweise klingt der Soundtrack dermaßen makaber, dass er auch zu einem Burton-Film passen würde. Alles in allem ein musikalischer Hochgenuss, dem ich den diesjährigen Oscar von Herzen gönne.

Für Tarantino typisch sind natürlich auch die einmaligen Dialoge. Wie gewohnt beherbergen die Wortwechsel allerlei Flüche und wüste Beschimpfungen, doch sie kommen den Darstellern ganz natürlich und ungezwungen über die Lippen. Tarantino zitiert dabei aus allerlei cineastischen Ecken und lässt aus den Dialogen regelrechte Wortduelle werden. Ein paar mal war mir das rhetorische Nachfragen zu repetitiv, aber ich konnte es verkraften.

Die Darsteller liefern allesamt tolle Leistungen und es wäre quasi unfair, einzelne Schauspieler heraus zu picken – aber ich mache es dennoch. Zunächst möchte ich Samuel L. Jackson nennen, der in der Rolle des bad mother fucker logischerweise aufblüht. Jennifer Jason Leigh als gefangene Kriminelle dürfte einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sie ist schwer einzuschätzen und bewegt sich in ihrer Darstellung irgendwo zwischen mitleiderregendem Opfer und hassenswürdigem Biest. Tim Roth spielt einen Pseudo-Gentleman und erinnert in seiner ganzen Art an Christoph Waltz. Dies ist anfangs etwas irritierend, doch auch diese Darstellung war großartig – und das ist es doch, was letztendlich zählt.

Tarantino zeigt in „The Hateful Eight“ Charaktere, die durch die Bank hassenswert sind – womit der Titel des Films Programm wird. Hin und wieder fühlt man sich der ein oder anderen Figur vielleicht hingezogen und fühlt dabei den Anflug einer wohligen Wärme in der Bauchgegend. Doch dann wird man im nächsten Dialog eines besseren belehrt, wenn sich die entsprechende Figur als verabscheuungswürdiges Monster offenbart. Sympathieträger gibt es in „The Hateful Eight“ also nicht. So gut wie jedem anderen Film dürfte dies das Genick brechen. Doch Tarantino wäre nicht Tarantino, wenn er es nicht schaffen würde, selbst die größten Verkommenheiten interessant, faszinierend und unterhaltsam darzustellen.

Gegen Ende spitzt sich die Situation in „Minnies Miederwarenladen“ gehörig zu und es kommt zu einer regelrechten Explosion aus Action, Gewalt und Splatter. Der Härtegrad ist dabei ziemlich hoch und zu sensibel darf man als Zuschauer nicht sein. Andererseits wartet man bei einem Tarantino-Film doch auf genau solche Szenen, die in all ihrer Grausamkeit doch auch gehörig Spaß machen. Die letztendliche Auflösung hat mir gut gefallen, wenn man auch sagen muss, dass die Handlung nicht frei von diversen Logiklöchern ist.

Mein Fazit: „The Hateful Eight“ dürfte Tarantinos bisher sperrigster Film sein – doch meiner Meinung nach ist es ein guter Streifen, der auch besser als „Django Unchained“ ist. Wenn man geduldig ist, nichts gegen lange Charaktereinführungen hat und gut geschriebene Dialoge genießen kann, wird man mit diesem Western-Kammerspiel seine Freude haben. Ich verteile 8 von 10 Popcornguys!