Coconut Hero

Titel: Coconut Hero
Regisseur: Florian Cossen
Musik: Matthias Klein
Darsteller: Alex Ozerov, Bea Santos, Krista Bridges, Sebastian Schipper

Der 16-jährige Mike Tyson (Alex Ozerov) ist des Lebens überdrüssig: Das triste Kleinstadtleben, die Hänseleien wegen seines Namens oder seine desinteressierte Mutter (Krista Bridges) – es wird ihm zu viel, weswegen er beschließt sich selbst zu töten. Laut Statistik gelingt es 99% der Menschen, die versuchen sich mit einem Gewehr zu erschießen. Mike gehört zu den 1%. Mit einer Kopfwunde erwacht er, nur um dann festzustellen, dass er wegen eines Hirntumors doch sterben zu müssen. Für Mike geht der Plan also auf – bis er sich plötzlich mit seinem Vater (Sebastian Schipper) und der lebensfrohen Miranda (Bea Santos) auseinandersetzen muss. 

Schon der Trailer zu Coconut Hero hat mich sofort angesprochen: Ich habe einfach eine kleine Schwäche für Coming-of-Age-Dramen. Mike ist der absolute Stereotyp des depressiven, von den Wirrungen des Jugendalters gebeutelten Teenagers. Fast könnte man seinen Todeswunsch verstehen, wenn man seinen Alltag erlebt: Eine nervende Mutter, nervende Mitschüler, nervende Langeweile. Nach seinem Selbstmordversuch ändert sich plötzlich vieles: Sein Vater Frank (Sebastian Schipper, übrigens Regisseur des großartigen „Victoria“), den er jahrelang nicht gesehen hat, taucht plötzlich auf und möchte sich mit ihm anfreunden. Außerdem muss er auf ärztliche Anweisung an einem lebensbejahenden Kurs teilnehmen, der von der quirligen Miranda geleitet wird. Gerade diese Begegnung erschüttert seinen Todeswunsch auf die Grundfesten…

Coconut Hero erzählt die Geschichte eines eher durchschnittlichen Jugendlichen, der mit einem gewissen Hang zur Dramatik den Problemen seines Lebens entfliehen möchte. Dabei präsentiert uns der Film sympathische wie sehr unsympathische Charaktere, bezaubernde Bilder, gefühlvollen Soundtrack und eine ungewöhnliche Wendung, die Coconut Hero deutlich von Genrekollegen abhebt.

Sicher nicht die Entdeckung des Jahres, aber ein schöner, trauriger, kleiner Film, der auf die eigene Jugendzeit zurückblicken lässt. Nachdrückliche Empfehlung meinerseits!

Margos Spuren

Originaltitel: Paper Towns
Regisseur: Jake Schreier
Musik: John Debney, Son Lux
Darsteller: Nat Wolff, Cara Delevingne, Austin Abrams, Justice Smith

Der unauffällige Jugendliche Quentin (Nat Wolff) ist schon seit Kindheitstagen in seine Nachbarin Margo Roth Spiegelman (Cara Delevingne) verliebt. Margo ist für ihn ein einziges rätselhaftes Konstrukt, das er bedingungslos anhimmelt. Leider haben die beiden nicht allzuviel miteinander zu tun, bis zu einer folgenschweren Nacht, als er von Margo an seinem Schlafzimmerfenster überrascht und zu einer abenteuerlichen Nacht eingeladen wird. Mit neuer Hoffnung in sich muss Quentin am nächsten Tag aber feststellen, dass Margo verschwunden ist. Als er schließlich Hinweise auf ihren Verbleib findet, ist ihm klar, dass er sich auf die Suche begeben muss.

Der inzwischen recht bekannte Autor John Green hat sich, was Jugendromane angeht, einen Namen gemacht. Vor nicht allzu langer Zeit wurde sein Bestseller „The Fault In Our Stars“, in Deutschland: „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ überraschend gut verfilmt. Mit „Margos Spuren“ kommt nun eine zweite Coming of Age-Story, die meines Erachtens brillant auf Film gebannt wurde.

Quentin und seine Freunde sind die typischen ruhigen, etwas verrückten Jugendlichen an der Highschool, die nach außen hin wenig beliebt, und gewiss auf keiner Party zu finden sind, doch durch ein untrennbares Band der Freundschaft verknüpft sind. Obwohl Quentin als Hauptfigur im Mittelpunkt steht, schafft es der Film, allen drei Charakteren eine gewisse Tiefe bzw. einen Einblick in deren speziellen Sehnsüchte zu geben. Auch die titelgebende Margo wird als verträumtes, selbstbestimmtes und spontanes Mädchen perfekt in Szene gesetzt, sodass die Zuschauer sich ohne Umschweife in Quentins anschmachtenden Blick wiederfinden können.

Sowohl in Bildern, Dialogen als auch in der Musikauswahl reizt der Film alles aus und macht „Margos Spuren“ zu einem mal humorvollen, mal nachdenklich stimmenden Film, der sich vor Genrekollegen nicht im geringsten verstecken muss, vielmehr in der höchsten Liga mitspielt. Den Buchfans sei gesagt, dass der Regisseur in enger Zusammenarbeit mit John Green versucht hat, die Essenz des Buches bestmöglich in einen Film zu pressen, was ihm aus meiner Sicht sehr gut gelungen ist. Die Abstriche bzw. Änderungen wurden an den richtigen Stellen angewandt, und so konnte ich so manche fehlende Szene recht gut verkraften.

Fazit: Wer einen leichtfüßigen Film mit Witz, Charme und doch starker Botschaft guckt, sich gerne in seine Teenagerzeit zurückversetzen möchte (oder grade Teenager ist), und auf Geschichten abseits vom üblichen Mainstream steht, kann mit „Margos Spuren“ sicherlich nichts falsch machen! 8 von 10 Popcornguys

P.S.: Wer sowohl „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, als auch „Margos Spuren“ mag, sollte sich auf jeden Fall Zeit für John Greens andere Werke nehmen.

Boyhood

Titel: Boyhood (Originaltitel: Boyhood)
Regie: Richard Linklater
Musik: Verschiedene
Darsteller: Ellar Coltrane, Patricia Arquette, Ethan Hawke

Von der Grundschulzeit bis hin zum Eintritt ins College zeigt „Boyhood“ 12 Jahre aus dem Leben von Mason (Ellar Coltrane) aus Austin. Seine Eltern leben geschieden. Während Masons Vater (Ethan Hawke) im Kopf selbst noch ein Kind ist und erst lernen muss, für andere Menschen Verantwortung zu übernehmen, gerät die Mutter (Patricia Arquette) immer wieder an die falschen Männer. Zudem muss sich Mason mit Kindheitsproblemen, dem ersten Verliebtsein, der Pubertät und seiner nervigen Schwester Samantha (Lorelei Linklater) auseinandersetzen.

Besonders mehr möchte ich über die Handlung nicht verraten, doch das muss man bei „Boyhood“ auch nicht. Es handelt sich um eine einfache und alltägliche Geschichte, die zwar unaufdringlich, aber dennoch so eindringlich inszeniert wird, als würde man einem guten Freund beim Erzählen seiner Lebensgeschichte lauschen. Der Film präsentiert herrliche Charaktere, die einem innerhalb weniger Minuten allesamt ans Herz wachsen. Unter anderem möchte ich hierbei Ethan Hawke erwähnen. Vor allem in der ersten Hälfte von „Boyhood“ mimt er auf herrliche Art und Weise den hippen Vater, der seinen Kindern möglichst coole und unkomplizierte Erlebnisse bieten möchte. Auf der anderen Seite steht Patricia Arquette, die als Mutter die meiste Erziehungsarbeit leistet, daneben aber auch ihre Karriere voran bringen will. Weniger glücklich ist dabei ihr Händchen für neue Freunde, die sich in den meisten Fällen als Alkoholiker entpuppen. Zwischen diesen Fronten wachsen Mason und Samantha auf und versuchen, ihren Weg zu gehen. Der Zuschauer hat bei „Boyhood“ das Vergnügen, neben den inneren Entwicklungen der Kinderdarsteller auch die körperlichen Veränderungen beobachten zu können, da es keinen Austausch der Schauspieler gibt.

Hier fällt auch die größte Stärke des Films auf, nämlich der Hintergrund seiner Entstehung. Regisseur Richard Linklater gelang es, seinen Cast über einen Zeitraum von 12 Jahren zusammenzuhalten und auf sehr authentische Art und Weise die Geschichte eines Heranwachsenden zu erzählen. Dies erforderte sicherlich einen ungeheuren Organisationsaufwand, doch es gehörte wohl auch eine gehörige Portion Glück dazu. Schließlich hätten sich gerade die Kinderdarsteller im höheren Alter als nicht besonders fähig erweisen können. Doch das war nicht der Fall und insbesondere Ellar Coltrane erwies sich in seinem dezenten, aber faszinierenden Spiel als ausgezeichnete Wahl. Eine Oscarnominierung für Richard Linklater wäre aufgrund dieser Planung und Weitsicht mehr als angebracht.

„Boyhood“ schwelgt darüber hinaus in nostalgischen Erinnerungen und lässt den ein oder anderen Zuschauer seine eigene Jungend erneut durchleben. Besonders mochte ich die Diskussionen über die Lieblingsfiguren aus „Star Wars“, Masons coole Dragonball-Bettwäsche, diverse Videospiele oder die Verwendung zeitlich passender Musik. Allgemein hat „Boyhood“ einen großartigen Soundtrack, zu welchem Interpreten wie Arcade Fire, Bob Dylan, Coldplay, Gnarls Barkley, Gotye, Paul McCartney und The Hives ihren Teil beigesteuert haben. Nicht vergessen sollte man auch die zum Brüllen komische Version von „Oops! I Did It Again“, die von Masons Schwester Samantha mitten in der Nacht im gemeinsamen Schlafzimmer dargebracht wird.

Der Coming of Age-Film balanciert Humor und Tragik mit brillantem Fingerspitzengefühl und entlässt den Zuschauer mit einem wohligen Bauchgefühl. „Boyhood“ wird dabei nie überspitzt oder gekünstelt dramatisch, sondern bleibt seiner authentischen und geradezu unaufgeregt-aufregenden Linie bis zum Schluss treu. Diese Filmperle erhält von mir 9 von 10 Popcornguys und zählt für mich zu den besten Filmen des bisherigen Kinojahres.