Serien Special: Dirk Gentlys holistische Detektei

Originaltitel: Dirk Gently’s Holistic Detective Agency
Autor: Max Landis
Produktion: Wow! Max He Really Did It!!!, AMC
Darsteller: Samuel Barnett, Elijah Wood, Hannah Marks, Jade Eshete

Der erfolglose, depressive Todd (Elijah Wood) hat einen richtig miesen Tag: Der Hotelpage entdeckt im Penthoue mehrere grausig zugerichtete Leichen, gerät ins Zielvisier der Polizei, verliert seinen Job und wird in seiner Wohnung auch noch von dem seltsamen britischen Detektiv Dirk Gently (Samuel Barnett) überrascht, der ihn in ein rasantes Abenteuer voller bizarrer Vorkommnisse verwickelt. Bald schon zweifelt er nicht nur an seinem Verstand, sondern auch an der Welt, in die er plötzlich eingetaucht ist. 

Ziemlich unscheinbar tauchte auf Netflix plötzlich diese Serie auf Netflix auf, die zuvor ihre Premerie auf BBC America gefeiert hatte. Mit Elijah Wood besetzt, erregte die Fantasy/Krimi/Comedy/Drama-Serie schnell meine Aufmerksamkeit. Ein Umstand, dem ich einige Episoden großartiger Unterhaltung verdanke. Die von Max Landis (Chronicle, American Ultra) ins Rollen gebrachte Produktion beruht auf einen Roman von Douglas Adams, der diesen als „Geister-Horror-Wer-ist-der-Täter-Zeitmaschinen-Romanzen-Komödien-Musical-Epos“ bezeichnete. Diese Beschreibung passt auch gut zur Serie, die mit allerlei Überraschungen um die Ecke kommt, und somit unmöglich in eine Schublade gesteckt werden kann. Die wirre Story um den Möchtegern-Detektiv Dirk Gently, seinem Assistenten wider Willen Todd, und die vielen völlig verrückten Begegnungen mag zwar zuerst etwas unübersichtlich wirken, scheut sich aber nicht, interessante Mysterien aufzuwerfen, ohne künstliche Erklärungen abzuliefern. Zudem führt dann letztlich doch irgendwie alles zusammen, denn die Worte „Everything is connected“ hört man in dieser Serie mehr als nur einmal. Ich persönlich mag es ja, wenn ich als Zuschauer auch mal gefordert bin, eigene Interpretationen zu erstellen.

Die große Stärke sind hier allerdings ganz klar die Charaktere. Dirk Gently, ein britischer Detektiv mit einem nie enden wollendem Redeschwall, der offensichtlich mehr weiß und mehr ist, als er vorzugeben scheint, hält die Geschichte gut zusammen, die wahre Größe ist allerdings Todd Brotzman, der wie der Zuschauer völlig überfordert von einer bizarren Situation in die nächste stolpert. Fügen wir hier noch seine Schwester Amanda, die mit einer schwerwiegenden Psychose kämpft, die toughe Farah, die nach einer entführten Person sucht, die Assassine Bart, die sich auf einem vom Schicksal bestimmten Killing-Spree befindet, den Gegenspieler Gordon, dessen Stimme sich unnachahmlich nach Mr. Plinkett von RedLetterMedia anhört, an, dann nenne ich hier nur einen Bruchteil aller interessanten Charaktere, die sich hier über die Mattscheibe tummeln und für einen witzigen, emotionalen, spannenden und rätselhaften Moment nach dem anderen sorgen.

Sicher vermag diese Serie nicht jeden zu fesseln, aber ich hatte viel Freude dabei, eine Geschichte mit kreativen Ideen, toller Inszenierung und nicht wenig Blut zu verfolgen. Ich kann nur hoffen, dass die acht Episoden umfassende erste Staffel bald eine Fortsetzung erhält. Auf jeden Fall einen Blick wert!

Enemy

Titel: Enemy (Originaltitel: Enemy)
Regie: Denis Villeneuve
Musik: Daniel Bensi, Saunder Jurriaans
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Mélanie Laurant, Sarah Gadon

Der Geschichtsprofessor Adam Bell (Jake Gyllenhaal) führt ein eintöniges Leben: Während er tagsüber mit wenig Motivation seine Vorlesungen hält, hat er abends routinierten und gefühlslosen Sex mit seiner Freundin Mary (Mélanie Laurant). Eines Tages wird Adam von einem Kollegen ein Film empfohlen. Überrascht muss er feststellen, dass einer der Statisten ihm bis aufs Haar gleicht. Adam gelingt es, Kontakt zu dem Schauspieler aufzunehmen. Es handelt sich um einen Mann namens Anthony Claire (Jake Gyllenhaal), der mit seiner hochschwangeren Ehefrau Helen (Sarah Gadon) zusammenlebt. Anthony möchte zunächst nicht auf Adams Anrufe eingehen, doch schließlich lässt er sich auf ein Treffen ein. Dies ist der Beginn eines wahnsinnigen Trips in die tiefsten Abgründe der Psyche beider Männer.

Regisseur Denis Villeneuve machte letztes Jahr durch seinen Selbstjustiz-Thriller „Prisoners“ auf sich aufmerksam. „Enemy“ wurde vorher gedreht und eröffnet nun einen weiteren Blick auf das interessante Werk des kanadischen Filmemachers – und was für einen!

Allein der Beginn des Films versetzt den Zuschauer in ein diffuses Gefühl des Unwohlseins: Nackte Frauen räkeln sich in einem dunklen Raum und werden dabei von einigen Männern beobachtet, unter denen sich auch Jake Gyllenhaal befindet. Die Eröffnungsszene endet mit einer Vogelspinne, die auf einem Tablett der anwesenden Gesellschaft präsentiert wird. Das Motiv der Spinne zieht sich auf beunruhigende Weise durch den gesamten Film und sorgt für einige wirklich verstörende Szenen. Kameraführung und gelb-brauner Farbfilter tragen ihren Teil zur stets präsenten Unwirklichkeit und Bedrohung bei. Alles in „Enemy“ wirkt gefährlich, egal, ob es sich um Häuserschluchten, Wohnungen oder einzelne Möbelstücke handelt. Kurze Einschübe mit extrem harten Schnitten und disharmonischen Klängen machen die grausame Stimmung perfekt.

Inmitten dieses finsteren Settings erleben wir Jake Gyllenhaal in einer Doppelrolle. Der Hauptdarsteller macht dabei eine äußerst gute Figur und es gelingt ihm in der ersten Hälfte des Films sehr gut, Adam und Anthony verschiedenartig darzustellen. Gyllenhaal lässt aber dann – wohl ganz im Sinne des Drehbuchs – allmählich die Grenzen zwischen den Charakteren verschwimmen. Ebenso überzeugend spielen die Frauen. Mélanie Laurant (den meisten wohl als jüdische Kinobesitzerin aus Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ bekannt) mimt die attraktive Affäre, während Sarah Gadon mit ihren hinreißenden Augen die schwangere und bedürftig wirkende Ehefrau spielt. Beide Damen sprechen in ihren Rollen unterschiedliche Instinkte eines Mannes ein – ein Punkt, der für die Handlung wohl nicht unwesentlich ist – und werden dementsprechend mit ihren Vorzügen sehr ästhetisch in Szene gesetzt.

Viel mehr möchte ich über die Story aber gar nicht sagen. Der Film nimmt einen mit, spielt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers und fährt mit ein paar wirklich faszinierenden Wendungen auf. Den ein oder anderen zähen Moment gibt es dennoch, was beim Sehen schon strapazieren kann – eine Prise mehr Tempo wäre möglicherweise nicht schlecht gewesen. Mir persönlich kam der Film unmittelbar nach der Sichtung eher durchschnittlich vor, allerdings fällt mir nun auf, dass er rund einen Tag später seine Wirkung entfaltet. Man beginnt, sich seine Gedanken zu machen und eine eigene Interpretation aufzustellen, wobei ich einräumen muss, dass ich es dringend nötig hatte, mir Erklärungen von Regisseur und Schauspielern durchzulesen. Inzwischen würde ich „Enemy“ als komplexe, aber clevere Analyse der menschlichen Psyche sehen und ihn von seiner Art her mit einem Kafka-Roman vergleichen.

Fazit: „Enemy“ trifft sicher nicht jedermanns Geschmack, aber wer bereit ist, sich auf einen anspruchsvollen und künstlerischen Thriller einzulassen, wird mit Sicherheit dafür belohnt werden. Man sollte sich aber darauf einstellen, das Ganze etwas sacken lassen zu müssen – und dies erfordert nicht zwangsweise einen Kinobesuch, sondern kann auch gut im Rahmen eines Heimkinoabends geschehen. Es gibt 8 von 10 Popcornguys!