Unersetzlich

Originaltitel: Irreplaceable You
Regie: Stephanie Laing
Produktion: Netflix
Darsteller: Gugu Mbatha-Raw, Michiel Huisman, Christopher Walken

Abbie (Gugu Mbatha-Raw) und Sam (Michiel Huisman) sind das perfekte Paar. Schon von Kindheitstagen an sind die beiden aller Unterschiede zum Trotz unzertrennlich. Für beide beginnen die großen Themen der Beziehung: Hochzeit, Kind, die neue Familie. Doch da lässt eine Diagnose alles ins Wanken geraten und das sorglose und schöne Leben in tiefe Dunkelheit tauchen: Abbie hat Krebs, eine Chance auf Heilung besteht kaum. Nun stellt sie sich nicht nur die Frage, wie sie mit ihrem bevorstehenden Tod umgehen soll, sondern wie sie auch ihren Verlobten Sam darauf vorbereiten kann, allein zu sein.

Schon mit der ersten Szene macht Regisseurin Stephanie Laing klar, dass „Unersetzlich“ keine leichte Komödie mit Happy End sein wird. Trotzdem gehen ihre Charaktere Abbie und Sam, die uns von grundauf positiv und humorvoll präsentiert werden, äußerst locker mit dem ernsten Thema um – nicht ohne immer wieder an der bitteren Wahrheit zu verzweifeln und uns als Zuschauer mit in diese Hoffnungslosigkeit reißen. Ihre Chemie ist wundervoll mit anzusehen, wobei Gug Mbatha-Raw eine unbeschwerte Glanzleistung hinlegt. Obwohl es für Abbie keine Hoffnung gibt, ist es doch ein Film voller Hoffnung, denn wir begleiten sie auf ihrer unwirklichen Reise, die traurige Wahrheit, dass Sam ohne sie nicht derselbe sein wird, so lange es geht hinauszuzögern.
An Abbies Seite steht nicht nur Sam, der stets optimistisch alle Spiele mitspielt, sondern auch eine tragisch-komische Selbsthilfegruppe voller skurriler Charaktere, allen voran Christopher Walken, der schrullig Weisheiten von sich gibt, und dabei der wichtigste Wegbegleiter für Abbie wird.

Nun, mögen die Kritiker anführen: Ein perfektes Liebespaar, ein zum Tode verurteilter junger Mensch und nachdenklich stimmende Dialoge sind ein sicheres Rezept für einen Film, der auf die Tränendrüse drückt und dabei nur gewinnen kann. Sicherlich spricht „Unersetzlich“ nicht Alle an. Ich jedoch erinnerte mich an letzte Worte, die ich mit Menschen gewechselt habe, bevor sie gestorben sind. Ich dachte darüber nach, was ich mit meinem Leben anfange, ich stellte mir vor, wie die Welt ohne mich wäre, ob und welche Lücke ich hinterlassen würde. Wenn das ein Film auslösen kann, hat er es verdient von vielen Menschen angeschaut zu werden.

Fazit: „Unersetzlich“ ist eine tragische Liebesgeschichte, die, zärtlich verfilmt, mit liebevollen Charaktern und bewegenden Momenten das Herz wärmt und die Augen befeuchtet. 7 von 10 Popcornguys

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Hungrig

Originaltitel: Les Affamés
Regie: Robin Aubert
Musik: Peter Henry Phillips
Darsteller: Marc-André Grondin, Monia Chokri, Brigitte Poupart

Ein fürchterliches Virus hat die Menschheit fest im Griff, welches einst liebevolle und rational denkende Wesen in apathische Menschenfresser verwandelt. In der kanadischen Provinz trotzen die wenigen Überlebenden den geifernden Horden, wobei der stille Bonin (Marc-André Grondin) nur durch höchste Achtsamkeit und Vorsicht überleben kann. Auf seiner Reise trifft er Tania (Monia Chokri) und das Mädchen Zoé (Charlotte St-Martin), die nicht nur einen Weg um die Zombiehorden suchen, sondern auch versuchen ein Rätsel um die Infizierten zu lösen.

„Hungrig“ wurde auf diversen Filmfestivals, unter anderem in Toronto, aber auch auf dem deutschen Fantasy Filmfest von den Kritikern gefeiert. Endlich mal wieder ein Zombiehorror, der so ganz genreuntypisch daherkommt und auf die großen Klischees verzichtet, dafür ein atmosphärisch dichtes, unangenehm hoffnungsloses Bild einer schleichenden Zombieapokalypse zeichnet. Die frankokanadische Produktion von Robin Aubert, der auch das Drehbuch zu „Hungrig“ lieferte, unterscheidet sich in ganz wesentlichen Punkten von den üblichen Zombiefilmen. Langsame Kamerafahrten über unheimlich still daliegende Wälder, Closeups auf die Protagonisten, die schweigsam ihren Weg durch eine meist hell und freundlich, aber umso bitter trostlose Welt suchen. Die Truppe stützt sich mit Marc-André Grondin nicht nur auf einen recht untypischen Anführer, der nur sehr widerwillig die Position des Anführers einnimmt, sondern setzt sich auch aus äußerst schwach und menschlich wirkenden Personen zusammen.

Auch die Antagonisten sind ganz und gar nicht das Abbild der trägen Zombiehorden, die sich langsam und bedrohlich gurgelnd auf die übrig gebliebenen Menschen stürzen. Teilweise stehen die Infizierten wie versteinert in der Landschaft herum, etwas fixierend, das nur sie sehen können, nur um dann unter fürchterlichem Geschrei auf die Menschen loszurasen. Dabei wirft der Film ein Geheimnis über die Zombies auf, die sie nur noch unheimlicher wirken lassen. Da offenbart sich aber auch eine Schwäche des Films: Ein riesiges Fragezeichen, das leider einfach stehen gelassen wird.

Versteht mich nicht falsch: Ich finde es grandios, dass „Hungrig“ auf überflüssige Dialoge und künstliche Erklärungsversuche verzichtet. Ich mochte die langen, bedeutungsschwangeren Blicke der Darsteller, die stillen Momente, der pure Horror einer Gruppe unbeweglich herumstehender Zombies. All das ist eingewoben in den ungewöhnlichsten Zombiefilm der letzten Jahre. Leider spielt er aber sein Potential nicht aus, sondern verliert sich eine etwas belanglos dahinwabernde Sequenz, die mich nicht komplett an der Stange halten konnte. Nichtsdestotrotz beweist „Hungrig“, wie gut innovative Ideen mit wenig Budget etwas ganz neues abseits vom Mainstream schaffen kann.

Fazit: Wer von „The Walking Dead“ schon lange enttäuscht, und Lust auf einen Zombiefilm der ganz anderen Art hat, ist mit „Hungrig“ sehr gut beraten. 7 von 10 Popcornguys!

Auslöschung

Titel: Auslöschung
Originaltitel: Annihilation
Regie: Alex Garland
Drehbuch: Alex Garland
Musik: Ben Salisbury, Geoff Barrow
Darsteller: Natalie Portman, Oscar Isaac, Jennifer Jason Leigh

Ein Himmelskörper trifft die Erde und erzeugt ein schimmerndes, elektromagnetisches Feld, welches sich immer weiter ausbreitet. Die US-Regierung versucht, das Phänomen so lange wie möglich geheim zu halten. Gleichzeitig werden Expeditionsteams in die sogenannte Area X geschickt, um die eigenartige Erscheinung zu untersuchen. Allerdings kehrte bisher keines von diesen Teams zurück. Die Biologin Lena (Natalie Portman) betritt nun zusammen mit einer Psychologin, einer Physikerin, einer Geomorphologin und einer Sanitäterin die schimmernde Blase und sieht sich darin mit außergewöhnlichen Naturprozessen konfrontiert. Allerdings hat die Wissenschaftlerin auch einen persönlichen Antrieb: Ihr Mann Kane (Oscar Isaac), der als Soldat in einer Spezialeinheit diente, ging vor einem Jahr in die Area X.

Zu den stärksten Vertretern des Science-Fiction-Genres der letzten Jahre zählen Filme wie „Her“, „Ex Machina“, „Arrival“ und „Blade Runner 2049“. Zwar kann „Auslöschung“ diesen nicht ganz das Wasser reichen, ist aber dennoch gute und intelligente Sci-Fi-Kost mit ein paar äußerst unbequemen Horror-Elementen. Das klingt nun nach einem vorgezogenen Fazit. Nun, das ist es auch. Dies hängt aber damit zusammen, dass ich am Ende dieser Kritik über die Veröffentlichung von „Auslöschung“ sprechen möchte. Und die wirft im Grunde noch interessantere Fragen auf als der eigentliche Inhalt des Films. Es könnte sich also lohnen, bis zum Ende zu lesen.

Aber zunächst mal zum Inhalt. Es gelingt „Auslöschung“, das Interesse des Zuschauers im Grunde immer aufrecht zu erhalten. Recht schnell wird – eingebettet in eine bizarre, teilweise schöne, aber größtenteils beklemmende Atmosphäre – ein gewisses Mysterium aufgebaut und man möchte einfach wissen, was es mit diesem schimmernden Feld und den Prozessen, die darin geschehen, auf sich hat. Hier und dort mag es etwas zähere Minuten oder Passagen geben, aber der Spannung tut dies keinen größeren Abbruch. Zusammen mit den Protagonisten dringt man tiefer und tiefer in das Geheimnis vor und muss dabei auch die ein oder andere eklige oder geradezu verstörende Szene durchleben. Das hat mir gut gefallen – und da stört es auch nicht groß, dass mancher Spezialeffekt vielleicht nicht ganz so überzeugend wirkt. Mehrmals saß ich angespannt vor meinem Fernseher und gerade das Ende hat ein Mindfuck-Potential, welches schon herausfordernd sein kann. Aber es ist möglich, sich einen Reim auf das Ganze zu machen. Und es schadet ja nicht, von einem Film gefordert zu werden, möchte man meinen – aber dazu später mehr.

Die Schauspieler sind hochkarätig und machen durchweg einen guten Job. Wenn man Natalie Portman sieht, denkt man vielleicht nicht unbedingt an eine Biologie-Professorin, aber ich halte sie für eine gute Darstellerin und sie stemmt die Hauptrolle überaus ordentlich. Ihr stehen mit Tessa Thompson, Jennifer Jason Leigh und einigen anderen weitere Frauen zur Seite, die ihr Fach verstehen. Und hier zeigt sich ein interessanter Punkt: Es sind ausschließlich Wissenschaftlerinnen (und eine Sanitäterin), die das Expeditionsteam bilden. Anfangs dachte ich mir noch, dass mir der Film sicherlich irgendwann einen Grund dafür liefern wird. Doch das war nicht wirklich der Fall. Stattdessen geht der Film mit der Zusammensetzung seiner Protagonisten ganz natürlich um und hat es auch nicht nötig, plump mit dem Finger drauf zu zeigen, dass das nun allesamt Frauen sind. Dafür macht er eine andere Sache richtig, er stattet seine Charaktere nämlich mit genügend Fleisch und Hintergrund aus, das man als Zuschauer doch ausreichend mitfühlen kann. Man hat also einfach funktionierende Filmfiguren, die im Marketing nicht als emanzipatorische Rettung des Kinos (ich erinnere mich mit Schaudern an „Ghostbusters“) herhalten müssen. Das empfand ich als angenehm. Oscar Isaac möchte ich aber dennoch lobend erwähnen, auch wenn er definitiv ein Mann ist.

Leider veranlasst mich der Film jetzt nicht im allergrößten Maße dazu, mir über existenzielle Fragen den Kopf zu zerbrechen. Dafür hat mir irgendetwas gefehlt. Zum Schluss möchte ich mich aber der recht denkwürdigen Veröffentlichungspolitik von „Auslöschung“ widmen. Eigentlich sollte er ursprünglich einen ganz normalen, internationalen Kinostart bekommen. Allerdings gab es Streitigkeiten zwischen zwei beteiligten Produzenten. Der eine empfand den Film als zu intellektuell und kompliziert für ein breites Kinopublikum. Da muss ich nun doch etwas stutzen. Heißt das nun, dass ich zu blöd bin, weil der Film mich nicht komplett überzeugt hat? Oder ist es eher so, dass dem breiten Kinopublikum inzwischen nur noch sehr wenig zugetraut wird? Ein anderer Produzent des Films hat sich jedenfalls am Ende durchgesetzt und Regisseur Alex Garland konnte den Film in seinem Sinne abschließen. Dies führte zu einer eingeschränkten Kinoveröffentlichung. Auf die große Leinwand schafft es der Film nur in den USA, Kanada und China. Alle restlichen Länder, also auch wir, müssen sich „Auslöschung“ über Netflix ansehen. Was soll das nun bedeuten? Geht man tatsächlich davon aus, dass das amerikanische Publikum (der Argumentation des skeptischen Produzenten folgend) intelligenter ist als jenes in Europa? Daran hätte ich aber einige Zweifel. Fest steht für mich folgendes: Wenn man einen Film wie „Auslöschung“, der ordentliche Charaktere, eine spannende Geschichte und einen gewissen Anspruch vorzuweisen hat, nicht mehr auf ein breites Publikum loslassen kann, steht es wirklich schlecht um Zukunft und Qualität des großen Kinos. Doch das Traurige ist wohl, dass ich dem ersten Produzenten zähneknirschend Recht geben muss: Ja, „Auslöschung“ hätte es auch in Europa schwer gehabt, sein Publikum zu finden. Da muss man sich ja nur an „Blade Runner 2049“ erinnern, der in den deutschen Kinocharts 2017 irgendwo nach dem 30. Platz auftaucht.

Aber da ich weiß, dass viele Leute Netflix haben, verknüpfe ich meine Empfehlung mit einem Appell: Schaut euch „Auslöschung“ an. Der Film ist meiner Meinung nach kein Meisterwerk, ja vielleicht nicht mal sehr gut, aber er ist gut und ich halte es für wichtig, das mit einer entsprechenden Zuschauerzahl zu verdeutlichen. Es gibt von mir 8 von 10 Popcornguys!

The Ritual

Titel: The Ritual
Regie: David Bruckner
Musik: Ben Lovett
Darsteller: Rafe Spall, Arsher Ali, Robert James-Collier, Sam Troughton

Vier Freunde durchwandern auf einem Trip die Wildnis Schwedens. Sie tun dies in Erinnerung an ihren Freund Rob, der wenige Monate zuvor bei einem Überfall getötet wurde und diesen Ausflug geplant hatte. Besonders Luke, der den Überfall miterlebte, wird besonders von Schuldgefühlen gequält, die er unterschwellig von seinen Freunden zugeschoben bekommt. Als sich einer der Freunde am Knie verletzt, beschließen sie eine Abkürzung durch die dichten Wälder zu nehmen. Dort treffen sie jedoch auf Dinge, die ihnen den Verstand rauben.

Horrorfilme unterwerfen sich in der heutigen Zeit einigen Regeln: Spoiler sind ein großes Thema, daher sollte man möglichst wenig über den Inhalt wissen (also auch wenn ich den kürzesten Trailer rausgesucht hab: lieber gar nix gucken!) Und: Horrorfilme sind (meiner subjektiven Ansicht nach) entweder platt und unkreativ, oder subtil und großartig inszeniert. Das mag nach einer eher undifferenzierten Meinung klingen, doch spiegelt das nur mein Empfinden wider, das sich mit jedem weiteren modernen Horrorfilm bestätigt. Glücklicherweise zählt „The Ritual“ zur zweiteren Kategorie.

Die vier Freunde, welche sich durch die wunderschönen Weiten Schwedens bewegen, nehmen klassische, aber nicht zu klischeehafte Positionen ein. Die Hauptperson Luke, von der Vergangenheit verfolgt, Hutch der selbsternannte Anführer, Dom der Nörgler und Phil der Schweigsame. Typen mittleren Alters, die ihrem Alltag entfliehen wollen. Die seltsamen Zeichen, auf die sie im Wald stoßen, nehmen sie vorerst mit Skepsis, aber doch mit überspieltem Humor auf – und das war auch alles, was ich zum Inhalt schreiben möchte.

Was lässt sich also sagen? „The Ritual“ ist hervorragend inszeniert. Langsame Kamerafahrten, düstere Nebelschwaden und ein markerschütternder Soundtrack wecken die tiefsten Ängste und schaffen den größten Horror bei hellstem Tageslicht. Dieses subtile Unbehagen, das mich unruhig auf meinem Stuhl hin und her rücken lässt, ist genau mein Stil. Nichtsdestotrotz scheut sich der Film auch nicht, den Zuschauern Gewalt und Schocker um die Ohren zu hauen – nur ist er dabei stets gut ausgewogen. Gerade in der ersten Hälfte des Films geht „The Ritual“ dabei sehr vorsichtig vor, und lässt unsere Charaktere wie auch uns lange im Dunkeln tappen, bis sich die Grausamkeit in seiner ganzen Pracht offenbart. Über die Auflösung und das Finale lässt sich sicherlich streiten, ich bin jedoch zufrieden mit einem Film, der meine Augen kein einziges Mal von der Mattscheibe wandern ließ.

Fazit: „The Ritual“ ist ein klassischer Horrorfilm, der eigentlich nichts neues macht, dafür aber so ziemlich alles richtig. Perfekt für Freunde von subtilem Horror und harten Überlebenskämpfen. 7 von 10 Popcornguys!

The Discovery

Titel: The Discovery
Regie: Charlie McDowell
Drehbuch: Charlie McDowell, Justin Lader
Musik: Danny Bensi, Saunder Juriaans
Darsteller: Jason Segel, Rooney Mara, Robert Redford

Dem Wissenschaftler Dr. Thomas Harbor gelang die größte Entdeckung der Menschheit: Er konnte Beweise vorlegen, dass subatomare Wellenlängen den Körper eines Menschen im Augenblick seines Todes verlassen. Damit war die Existenz des Leben nach dem Tod bewiesen. Seine Entdeckung zog folgenschwere Konsequenzen nach sich – innerhalb weniger Jahre nahmen sich mehrere Millionen Menschen in der Hoffnung auf ein friedvolles Jenseits das Leben. Nach heftigen Kontroversen zog sich Dr. Harbor in die Abgeschiedenheit zurück, wo ihn schließlich sein Sohn Will nach Jahren aufsucht, um ihn davon zu überzeugen, die Forschung aufzugeben, um weitere Tote zu verhindern.

Nachdem ich diesen Trailer das erste mal gesehen habe, war ich augenblicklich angefixt. Er schaffte es mit ungemein wenig Information, aber beeindruckenden Bildern einen Gedankengang anzuregen, der sich in etwa so äußerte: „Aha, Netflix-Film mit Marshall und Rooney Mara … sieht nach Liebensfilm aus … ahja Robert Redford spielt auch mit … da ist ja Meth Damon … Moment mal, irgendwie komisch … wtf … ok, BIN DABEI!“
Nun, so sehr ich mich dann drauf gefreut hab, hat es dann doch eine ganze Weile gedauert, bis ich mir den Film ansehen konnte. The Discovery wurde auf dem Sundance Festival uraufgeführt und danach direkt auf Netfilx veröffentlicht. Damit war er einer der ersten Filme, die dieses „Schicksal“ ereilte, aber dazu brauche ich mich jetzt nicht äußern.

Es mag dem ersten Eindruck geschuldet sein, aber ich bin ziemlich begeistert von diesem kleinen, feinen Film. Die Grundthematik – Leben nach dem Tod, wissenschaftliche Experimente an der Grenze der Ethik, philosophische Theorien über das Sterben, ich war grundsätzlich angetan. Dazu schafft es der Film, ein derart trübes Setting zu erzeugen, das es nicht zu verwundern mag, dass sich in dieser Welt unzählige Menschen täglich das Leben nehmen. Jason Segel mimt einen Neurologen, der die große Entdeckung äußerst kritisch betrachtet, und sich in einen Kampf gegen Windmühlen begibt. Sein Vater hat sich in einem irrwitzig großen Haus eine Forschungseinrichtung eingenistet, wo er sich mit labilen Personen umgibt, welche bedürftig nach einer schützenden Umgebung gesucht haben. Dabei kontrolliert er die Kommune wie ein obskurer Sektenführer, der sämtliche Fäden in der Hand hat. Nur auf Wills Seite scheint Isla, eine suizidgefährdete junge Frau, die er auf dem Weg zu seinem Vater getroffen hat. Gemeinsam mit ihr sucht er verzweifelt nach einer Möglichkeit, dem Massensterben in der Welt Einhalt zu gebieten.
Das klingt erstmal seltsam und hätte Potential, unglaubwürdig und cheesy zu wirken. Die düstere Grundstimmung, unterstützt vom tief wummernden Soundtrack beugt dem aber vor, wobei gerade die aufkeimende Beziehung zwischen Will und Isla für so manche komische Momente sorgt.

„The Discovery“ lässt sich viel Zeit, seine Geschichte zu erzählen. Leise und subtil präsentieren sich die Charaktere, deren Beweggründe der Zuschauer eher aus ihrer Mimik erschließt, als durch ihre Dialoge. Hier muss ich besonders Robert Redford betonen, der allein durch seine Präsenz glänzt. Sein langsames Tempo wirft „The Discovery“ zum Ende hin über Bord, und spült die Zuschauer wie eine hohe Welle von den Füßen.

Fazit: „The Discovery“ ist wohl ein Film, den man mögen muss. Sein ruhiges Tempo gibt allerdings genug Möglichkeit, sich in diese seltsame Welt hineinzurätseln, und die undurchsichtigen Charaktere einzuordnen, nur um dann wieder überrascht zu werden. Beeindruckend, nachdenklich stimmend, niederschmetternd: 8 von 10 Popcornguys

Serien-Special: Was man sich zur Zeit so bei Netflix ansehen kann

Seit ein paar Tagen bin ich nun offiziell bei Netflix. Und damit sich das rechnet, habe ich mich natürlich mal umgesehen. Und siehe da: Es gibt tatsächlich viel Gutes zu entdecken. Daher möchte ich euch nun kurz drei Serien über vermisste Kinder, eine Westernstadt voller Frauen und ein psychopathisches Teenie-Pärchen vorstellen.

Dark

Den Anfang macht „Dark“, die große deutsche Serie bei Netflix. Der Satz „Für eine deutsche Serie nicht schlecht!“ hat ja einen recht faden Beigeschmack, von daher gibt es von mir ein anderes Statement: Keine andere Serie 2017 (und dazu zählen bei mir immerhin die aktuellen Staffeln von „Game Of Thrones“ und „Stranger Things“) hat mich so positiv überrascht wie „Dark“. Zugegeben, in dieses Fazit mischt sich meine Freude darüber, dass es nun auch bei uns serientechnisch in eine gute Richtung geht, kräftig mit rein. Doch um was geht es eigentlich bei „Dark“? Die Serie spielt in der Kleinstadt Winden, in deren Nähe ein für die Story wichtiges Atomkraftwerk steht. Winden wird von mehreren Familien bewohnt, bei denen allesamt mehr oder weniger die Kacke am Dampfen ist. Doch zunächst sind die Konflikte und schmutzigen Geheimnisse eher unter der Oberfläche, denn jeder kennt jeden und hält lieber erstmal den Mund. Kleinstadtmilieu eben. Aufgewühlt wird die ganze Suppe jedoch wegen einiger vermisster Kinder, was unter anderem Polizist Ulrich (gespielt von Oliver Masucci aus „Er ist wieder da“) nahe geht. Schließlich hat er einen Bruder zu beklagen, der in den 80er Jahren verschwunden ist. Allmählich kommen Ulrich und die anderen Bewohner Windens einem großen Mysterium auf die Spur, denn die Fälle der vermissten Kinder – egal ob aktuell oder vergangen – hängen zusammen. Kleinstadt? Mystery? Vermisste Kinder? 80er Jahre? Wenn man das so auf dem Papier liest, drängen sich die Parallelen zu „Stranger Things“ förmlich auf. Doch da sollte man an mehreren Punkten einhaken. Das Drehbuch der deutschen Serie war anscheinend lange vor dem populären amerikanischen Kollegen fertig. Noch dazu bedient sich „Stranger Things“ gerne selbst an früheren Werken. Und der sicherlich wichtigste Punkt: „Dark“ entwickelt sehr schnell einen ganz eigenen, meiner Meinung nach sehr faszinierenden Charakter. Klar, manche Dialoge sind etwas holprig, hin und wieder ist man in gewohnt deutscher Manier etwas verkopft und mit all den vielen Charakteren verliert man schon mal gerne den Überblick. Doch „Dark“ ist interessant, düster, überraschend, mitreißend und stark süchtig machend. Ich spreche eine klare Empfehlung aus und rate, bis zum Ende der Staffel dran zu bleiben. Es lohnt sich – 8 von 10 Popcornguys!

Godless

Meine nächste Serie, die ich innerhalb von ein paar Tagen verschlungen habe, ist „Godless“. Es würde mich nicht überraschen, wenn sie sich als eine der bisher teuersten Netflix-Serien entpuppt, denn das Western-Setting sieht von vorne bis hinten großartig aus. Es geht um eine kleine Minenstadt mit dem Namen La Belle, in welcher fast ausschließlich Frauen leben. Wieso ist das so? Es gab Männer, doch die sind fast allesamt bei einem Minenunglück ums Leben gekommen. Die Frauen von La Belle kommen einigermaßen zurecht, doch natürlich leben sie in einer rauen Welt und müssen sich um ihre Zukunft sorgen. Sie haben noch einen Sheriff (Scoot McNairy), doch dieser gilt – im Gegensatz zu seiner taffen Schwester (Merritt Wever) – als Feigling und ist am Erblinden. Ein wenig außerhalb der Minenstadt gibt es eine Farm, die von einer störrischen Witwe (Michelle Dockery) zusammen mit ihrem Sohn und ihrer Schwiegermutter bewohnt wird. Hier taucht eines Tages ein Fremder (Jack O’Connell) auf. Dieser gehörte einst zur Bande eines berüchtigten Verbrechers (Jeff Daniels) und bringt durch seine Anwesenheit La Belle und all ihre Einwohner in große Gefahr. Vielleicht könnte man „Godless“ vorwerfen, hier und da etwas zu gemächlich zu sein. Möglicherweise ist es auch so, dass nicht alle Charaktere oder Nebenhandlungen absolut stimmig zu Ende gedacht werden. Aber alles in allem präsentiert „Godless“ eine Western-Welt, in welche ich nur zu gerne abgetaucht bin. Sehr viele Punkte haben mir richtig gut gefallen. Da wäre zum einen der bereits erwähnte und fantastische Look, zum anderen das ruhige Erzähltempo, welches Zeit für gefühlvolle Momente lässt, die auch schön musikalisch untermalt werden. Zum anderen halte ich die Ausgangslage der Story – eine Minenstadt, in welcher aus nachvollziehbaren Gründen fast nur Frauen leben – für sehr clever. Ganz natürlich ergeben sich dadurch Frauenrollen, die genreuntypisch interessanter und verantwortungsvoller sind, als man es für gewöhnlich aus Western kennt. Andererseits wird der Bogen nie wirklich überspannt und die recht ernste Serie behält ihre historische Authentizität. Ein absolutes Highlight ist natürlich Jeff Daniels in der Rolle des Bösewichts. Er tritt auf als eine Art Mischung aus Bandit und Prediger, wirkt in manchen Szenen religiös-fanatisch und abgrundtief böse, überrascht jedoch in anderen Szenen durch diverse moralisch überzeugende Handlungen. Ein sehr spannender Charakter! „Godless“ erhält von mir 8 von 10 Popcornguys!

The End Of The F***cking World

Zum Schluss gibt es noch was zu Lachen – vorausgesetzt man steht auf rabenschwarzen Humor. „The End Of The F***cking World“ erzählt die Geschichte der 17-jährigen Teenager James (Alex Lawther) und Alyssa (Jessica Barden aus „The Lobster“). Er ist ein selbsterklärter Psychopath, dem das Töten von Tieren nicht mehr genug ist. Er nimmt sich vor, demnächst einen Menschen umzubringen, wartet aber noch auf den passenden Moment und das richtige Opfer. Sie ist neu an der Schule, furchtbar vorlaut, selbstgerecht und absolut respektlos gegenüber allen anderen Menschen. James und Alyssa laufen sich in der Schule über den Weg – sie findet ihn interessant, er erwählt sie zu seinem zukünftigen Todesopfer. Die beiden werden zu einem kuriosen Paar und beschließen, miteinander durchzubrennen. Wenn man den Trailer zu „The End Of The F***cking World“ gesehen hat, wird man recht schnell merken, ob einem der Humor liegt oder nicht. In meinem Fall hat es sofort gezündet und ich habe die acht 20-minütigen Folgen innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Ein wenig wirkt die Serie, als hätten sich die Macher von „The Lobster“ an einem Coming-of-age-Stoff versucht – und dabei auch nicht an Blut gespart. Allerdings ist die Serie nicht nur lustig. Eine überraschend große emotionale Fallhöhe wird erzeugt, wenn man schließlich mit den Hintergründen und Ängsten der Protagonisten konfroniert. Dies steht gelegentlich in einem scharfen Kontrast zu den Comedy-Aspekten der Serie. Das muss man mögen, doch wenn man sich nicht daran stört, dürfte man enormen Spaß mit „The End Of The F***cking World“ haben. Ich verteile 8 von 10 Popcornguys!

Serien Special: Dirk Gentlys holistische Detektei

Originaltitel: Dirk Gently’s Holistic Detective Agency
Autor: Max Landis
Produktion: Wow! Max He Really Did It!!!, AMC
Darsteller: Samuel Barnett, Elijah Wood, Hannah Marks, Jade Eshete

Der erfolglose, depressive Todd (Elijah Wood) hat einen richtig miesen Tag: Der Hotelpage entdeckt im Penthoue mehrere grausig zugerichtete Leichen, gerät ins Zielvisier der Polizei, verliert seinen Job und wird in seiner Wohnung auch noch von dem seltsamen britischen Detektiv Dirk Gently (Samuel Barnett) überrascht, der ihn in ein rasantes Abenteuer voller bizarrer Vorkommnisse verwickelt. Bald schon zweifelt er nicht nur an seinem Verstand, sondern auch an der Welt, in die er plötzlich eingetaucht ist. 

Ziemlich unscheinbar tauchte auf Netflix plötzlich diese Serie auf Netflix auf, die zuvor ihre Premerie auf BBC America gefeiert hatte. Mit Elijah Wood besetzt, erregte die Fantasy/Krimi/Comedy/Drama-Serie schnell meine Aufmerksamkeit. Ein Umstand, dem ich einige Episoden großartiger Unterhaltung verdanke. Die von Max Landis (Chronicle, American Ultra) ins Rollen gebrachte Produktion beruht auf einen Roman von Douglas Adams, der diesen als „Geister-Horror-Wer-ist-der-Täter-Zeitmaschinen-Romanzen-Komödien-Musical-Epos“ bezeichnete. Diese Beschreibung passt auch gut zur Serie, die mit allerlei Überraschungen um die Ecke kommt, und somit unmöglich in eine Schublade gesteckt werden kann. Die wirre Story um den Möchtegern-Detektiv Dirk Gently, seinem Assistenten wider Willen Todd, und die vielen völlig verrückten Begegnungen mag zwar zuerst etwas unübersichtlich wirken, scheut sich aber nicht, interessante Mysterien aufzuwerfen, ohne künstliche Erklärungen abzuliefern. Zudem führt dann letztlich doch irgendwie alles zusammen, denn die Worte „Everything is connected“ hört man in dieser Serie mehr als nur einmal. Ich persönlich mag es ja, wenn ich als Zuschauer auch mal gefordert bin, eigene Interpretationen zu erstellen.

Die große Stärke sind hier allerdings ganz klar die Charaktere. Dirk Gently, ein britischer Detektiv mit einem nie enden wollendem Redeschwall, der offensichtlich mehr weiß und mehr ist, als er vorzugeben scheint, hält die Geschichte gut zusammen, die wahre Größe ist allerdings Todd Brotzman, der wie der Zuschauer völlig überfordert von einer bizarren Situation in die nächste stolpert. Fügen wir hier noch seine Schwester Amanda, die mit einer schwerwiegenden Psychose kämpft, die toughe Farah, die nach einer entführten Person sucht, die Assassine Bart, die sich auf einem vom Schicksal bestimmten Killing-Spree befindet, den Gegenspieler Gordon, dessen Stimme sich unnachahmlich nach Mr. Plinkett von RedLetterMedia anhört, an, dann nenne ich hier nur einen Bruchteil aller interessanten Charaktere, die sich hier über die Mattscheibe tummeln und für einen witzigen, emotionalen, spannenden und rätselhaften Moment nach dem anderen sorgen.

Sicher vermag diese Serie nicht jeden zu fesseln, aber ich hatte viel Freude dabei, eine Geschichte mit kreativen Ideen, toller Inszenierung und nicht wenig Blut zu verfolgen. Ich kann nur hoffen, dass die acht Episoden umfassende erste Staffel bald eine Fortsetzung erhält. Auf jeden Fall einen Blick wert!