Wind River

Titel: Wind River
Regie: Taylor Sheridan
Drehbuch: Taylor Sheridan
Musik: Nick Cave, Warren Ellis
Darsteller: Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Gil Birmingham

Ein eiskalter Winter in einem Indianerreservat in Wyoming: Wildtierjäger Cory Lambert (Jeremy Renner) entdeckt in der Wildnis die Leiche einer jungen indigenen Frau. FBI-Agentin Jane Banner (Elizabeth Olsen) wird in den unwirtlichen Norden geschickt, um den Fall zu bearbeiten. Ihrer Meinung nach liegt ein Mordfall vor, doch Banner sieht sich bei ihren Ermittlungen einer für sie fremdartigen Welt ausgesetzt. Sie baut auf die Hilfe des erfahrenen und ortskundigen Lambert, der sie auch unterstützt, sich aber gleichzeitig den eigenen traumatischen Erlebnissen stellen muss.

Taylor Sheridan ist ein ziemlich cooler Typ. Er gilt momentan als einer der heißesten Drehbuchautoren Hollywoods, was sich durch Filme wie „Sicario“ und „Hell Or High Water“ belegen lässt. „Wind River“ stammt ebenfalls aus Sheridans Feder, doch hier übernimmt er auch die Regie. Der Film ist außerdem der Abschluss seiner sogenannten American-Frontier-Trilogie, welche sich quasi um Grenzland-Geschichten dreht. „Wind River“ passt hierbei perfekt ins Bild. Der Zuschauer wird an einen verschneiten und einsamen Ort geführt, an welchem die wenigen Gesetzeshüter ihre eigenen Methoden und Mentalitäten an den Tag legen, um mit der rauen Wirklichkeit fertig zu werden. Das Leben im Indianerreservat ist von Armut, Drogenkonsum, Rassismus und sexualisierter Gewalt geprägt. Durch all diese Komponenten entwickelt „Wind River“ schnell eine Sogwirkung und erinnert – ganz wie „Hell Or High Water“ – an einen Western in modernem Gewand.

Größtenteils wird der Film ziemlich ruhig und subtil erzählt, doch passend zu einem Western ist der Härtegrad recht hoch. Die Spannung, die sich im Verlauf des Films immer weiter aufbaut, gipfelt – punktuell und ausgezeichnet inszeniert – in einigen elektrisierenden Szenen, in denen auch mit Brutalität nicht gegeizt wird. Mehr als einmal musste ich tief durchatmen und meine Anspannungen loswerden. Geradezu unangenehm furchtbar ist eine Rückblende gegen Ende des Films, welcher der Geschichte nochmal mehr Gewicht gibt.

Doch „Wind River“ zeichnet sich nicht nur durch Spannung und Gewalt aus. In überraschend vielen Momenten war der Film gefühlvoll, traurig, ja geradezu melancholisch. Dass mich die Geschichte auch emotional gepackt hat, ist größtenteils der tollen Darstellerarbeit zu verdanken. Elizabeth Olsen spielt eine junge und engagierte, aber auch gewissermaßen überforderte FBI-Agentin. Ein wenig fühlt man sich hier an Emily Blunts Charakter in „Sicario“ erinnert, der damals eine gewisse Passivität vorgeworfen wurde. Doch das hat mich damals nicht gestört und das tut es nun bei „Wind River“ auch nicht. Olsen spielt ihre Rolle sehr glaubhaft und ich habe kein Problem damit, ihr gegenüber Mitleid zu empfinden. Jeremy Renner (der sehr gut mit seiner „Avengers“-Kollegin harmoniert) muss die Hauptrolle stemmen und es gelingt ihm problemlos, den Film zu tragen. Er überzeugt einerseits als erfahrener Naturbursche, der alles mögliche über Tierspuren und Erfrierungen weiß, bringt aber andererseits auch die emotionalen Momente und Verletzlichkeiten seines Charakters gut rüber.

Über all dem schwebt der traurige Zustand der Eingeborenen, was auch mit den realen Hintergründen zu tun hat, welche Sheridan zu „Wind River“ inspirierten. Aus Spoiler-Gründen kann ich darauf natürlich nicht weiter eingehen, aber so viel kann ich wohl sagen: Die abschließenden Schriftzüge im Film stimmen einen doch sehr nachdenklich.

Fazit: Ich spreche eine klare Empfehlung für „Wind River“ aus und vergebe starke 8 von 10 Popcornguys an diesen ausgezeichneten Thriller und Neo-Western.

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Serien-Special: Was man sich zur Zeit so bei Netflix ansehen kann

Seit ein paar Tagen bin ich nun offiziell bei Netflix. Und damit sich das rechnet, habe ich mich natürlich mal umgesehen. Und siehe da: Es gibt tatsächlich viel Gutes zu entdecken. Daher möchte ich euch nun kurz drei Serien über vermisste Kinder, eine Westernstadt voller Frauen und ein psychopathisches Teenie-Pärchen vorstellen.

Dark

Den Anfang macht „Dark“, die große deutsche Serie bei Netflix. Der Satz „Für eine deutsche Serie nicht schlecht!“ hat ja einen recht faden Beigeschmack, von daher gibt es von mir ein anderes Statement: Keine andere Serie 2017 (und dazu zählen bei mir immerhin die aktuellen Staffeln von „Game Of Thrones“ und „Stranger Things“) hat mich so positiv überrascht wie „Dark“. Zugegeben, in dieses Fazit mischt sich meine Freude darüber, dass es nun auch bei uns serientechnisch in eine gute Richtung geht, kräftig mit rein. Doch um was geht es eigentlich bei „Dark“? Die Serie spielt in der Kleinstadt Winden, in deren Nähe ein für die Story wichtiges Atomkraftwerk steht. Winden wird von mehreren Familien bewohnt, bei denen allesamt mehr oder weniger die Kacke am Dampfen ist. Doch zunächst sind die Konflikte und schmutzigen Geheimnisse eher unter der Oberfläche, denn jeder kennt jeden und hält lieber erstmal den Mund. Kleinstadtmilieu eben. Aufgewühlt wird die ganze Suppe jedoch wegen einiger vermisster Kinder, was unter anderem Polizist Ulrich (gespielt von Oliver Masucci aus „Er ist wieder da“) nahe geht. Schließlich hat er einen Bruder zu beklagen, der in den 80er Jahren verschwunden ist. Allmählich kommen Ulrich und die anderen Bewohner Windens einem großen Mysterium auf die Spur, denn die Fälle der vermissten Kinder – egal ob aktuell oder vergangen – hängen zusammen. Kleinstadt? Mystery? Vermisste Kinder? 80er Jahre? Wenn man das so auf dem Papier liest, drängen sich die Parallelen zu „Stranger Things“ förmlich auf. Doch da sollte man an mehreren Punkten einhaken. Das Drehbuch der deutschen Serie war anscheinend lange vor dem populären amerikanischen Kollegen fertig. Noch dazu bedient sich „Stranger Things“ gerne selbst an früheren Werken. Und der sicherlich wichtigste Punkt: „Dark“ entwickelt sehr schnell einen ganz eigenen, meiner Meinung nach sehr faszinierenden Charakter. Klar, manche Dialoge sind etwas holprig, hin und wieder ist man in gewohnt deutscher Manier etwas verkopft und mit all den vielen Charakteren verliert man schon mal gerne den Überblick. Doch „Dark“ ist interessant, düster, überraschend, mitreißend und stark süchtig machend. Ich spreche eine klare Empfehlung aus und rate, bis zum Ende der Staffel dran zu bleiben. Es lohnt sich – 8 von 10 Popcornguys!

Godless

Meine nächste Serie, die ich innerhalb von ein paar Tagen verschlungen habe, ist „Godless“. Es würde mich nicht überraschen, wenn sie sich als eine der bisher teuersten Netflix-Serien entpuppt, denn das Western-Setting sieht von vorne bis hinten großartig aus. Es geht um eine kleine Minenstadt mit dem Namen La Belle, in welcher fast ausschließlich Frauen leben. Wieso ist das so? Es gab Männer, doch die sind fast allesamt bei einem Minenunglück ums Leben gekommen. Die Frauen von La Belle kommen einigermaßen zurecht, doch natürlich leben sie in einer rauen Welt und müssen sich um ihre Zukunft sorgen. Sie haben noch einen Sheriff (Scoot McNairy), doch dieser gilt – im Gegensatz zu seiner taffen Schwester (Merritt Wever) – als Feigling und ist am Erblinden. Ein wenig außerhalb der Minenstadt gibt es eine Farm, die von einer störrischen Witwe (Michelle Dockery) zusammen mit ihrem Sohn und ihrer Schwiegermutter bewohnt wird. Hier taucht eines Tages ein Fremder (Jack O’Connell) auf. Dieser gehörte einst zur Bande eines berüchtigten Verbrechers (Jeff Daniels) und bringt durch seine Anwesenheit La Belle und all ihre Einwohner in große Gefahr. Vielleicht könnte man „Godless“ vorwerfen, hier und da etwas zu gemächlich zu sein. Möglicherweise ist es auch so, dass nicht alle Charaktere oder Nebenhandlungen absolut stimmig zu Ende gedacht werden. Aber alles in allem präsentiert „Godless“ eine Western-Welt, in welche ich nur zu gerne abgetaucht bin. Sehr viele Punkte haben mir richtig gut gefallen. Da wäre zum einen der bereits erwähnte und fantastische Look, zum anderen das ruhige Erzähltempo, welches Zeit für gefühlvolle Momente lässt, die auch schön musikalisch untermalt werden. Zum anderen halte ich die Ausgangslage der Story – eine Minenstadt, in welcher aus nachvollziehbaren Gründen fast nur Frauen leben – für sehr clever. Ganz natürlich ergeben sich dadurch Frauenrollen, die genreuntypisch interessanter und verantwortungsvoller sind, als man es für gewöhnlich aus Western kennt. Andererseits wird der Bogen nie wirklich überspannt und die recht ernste Serie behält ihre historische Authentizität. Ein absolutes Highlight ist natürlich Jeff Daniels in der Rolle des Bösewichts. Er tritt auf als eine Art Mischung aus Bandit und Prediger, wirkt in manchen Szenen religiös-fanatisch und abgrundtief böse, überrascht jedoch in anderen Szenen durch diverse moralisch überzeugende Handlungen. Ein sehr spannender Charakter! „Godless“ erhält von mir 8 von 10 Popcornguys!

The End Of The F***cking World

Zum Schluss gibt es noch was zu Lachen – vorausgesetzt man steht auf rabenschwarzen Humor. „The End Of The F***cking World“ erzählt die Geschichte der 17-jährigen Teenager James (Alex Lawther) und Alyssa (Jessica Barden aus „The Lobster“). Er ist ein selbsterklärter Psychopath, dem das Töten von Tieren nicht mehr genug ist. Er nimmt sich vor, demnächst einen Menschen umzubringen, wartet aber noch auf den passenden Moment und das richtige Opfer. Sie ist neu an der Schule, furchtbar vorlaut, selbstgerecht und absolut respektlos gegenüber allen anderen Menschen. James und Alyssa laufen sich in der Schule über den Weg – sie findet ihn interessant, er erwählt sie zu seinem zukünftigen Todesopfer. Die beiden werden zu einem kuriosen Paar und beschließen, miteinander durchzubrennen. Wenn man den Trailer zu „The End Of The F***cking World“ gesehen hat, wird man recht schnell merken, ob einem der Humor liegt oder nicht. In meinem Fall hat es sofort gezündet und ich habe die acht 20-minütigen Folgen innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Ein wenig wirkt die Serie, als hätten sich die Macher von „The Lobster“ an einem Coming-of-age-Stoff versucht – und dabei auch nicht an Blut gespart. Allerdings ist die Serie nicht nur lustig. Eine überraschend große emotionale Fallhöhe wird erzeugt, wenn man schließlich mit den Hintergründen und Ängsten der Protagonisten konfroniert. Dies steht gelegentlich in einem scharfen Kontrast zu den Comedy-Aspekten der Serie. Das muss man mögen, doch wenn man sich nicht daran stört, dürfte man enormen Spaß mit „The End Of The F***cking World“ haben. Ich verteile 8 von 10 Popcornguys!

Kinoauftakt 2017

PASSENGERS

Begonnen hat mein Kinojahr mit der Sci-Fi-Romanze „Passengers“. Auf dem Raumschiff „Avalon“, welches sich auf einer 120 Jahre dauernden Reise zur Kolonie Homestead II auf einem weit entfernten Planeten befindet, erwacht Passagier Jim Preston (Chris Pratt) viel zu früh aus dem Kälteschlaf. Eigentlich sollte der Maschinenbauingenieur erst kurz vor der Ankunft zu sich kommen, um sich dann auf sein neues Leben vorzubereiten. Aber da Homestead II noch etwa 90 Jahre entfernt ist und Preston nicht wirklich etwas an seiner verzwickten Situation ändern kann, muss er sich mit dem Gedanken anfreunden, die Kolonie niemals zu sehen. Anfangs ist er allein auf dem Raumschiff, abgesehen vom Roboterbarkeeper Arthur (Michael Sheen). Doch dann gesellt sich eine weitere Passagierin, die frühzeitig aufgewacht ist, zu ihm: Die Journalistin Aurora, dargestellt von Jennifer Lawrence. Zwischen den beiden entwickelt sich allmählich eine Liebschaft, die jedoch von verschiedenen äußeren Umständen und auch inneren Konflikten bedroht wird.

„Passengers“ kam bei vielen Kritikern nicht besonders gut an. So ganz kann ich das nicht verstehen, denn über weite Strecken fühlte ich mich vom Film, an dessen Optik nichts auszusetzen ist, ordentlich unterhalten. Bedenken hatte ich anfangs beim Cast: Chris Pratt erschien mir zu lustig und zu attraktiv, als dass ich ihn in einem – augenscheinlich – seriösen Sci-Fi-Film ernst nehmen könnte. Und genau wie er läuft auch die omnipräsente Jennifer Lawrence Gefahr, eher als Promi denn als Schauspielerin wahrgenommen zu werden. Doch gerade Chris Pratt hat mich im ersten Drittel des Films überzeugt. Hier habe ich ihm den verzweifelten Einsamen abgenommen, wobei es auch geholfen hat, dass er mit ungepflegtem Bart und verfilzten Haaren ganz schön heruntergekommen ausgesehen hat. Auch Lawrence hat nicht groß gestört, wenn man mal von ihren hysterischen Anfällen absieht, die mich langsam aber sicher etwas nerven. Darüberhinaus kommt „Passengers“ mit einer ethischen Fragestellung daher, die man so im Trailer nicht erahnen kann – die aber meiner Meinung nach das Interessanteste im ganzen Film darstellt. Leider wird jenes Thema nicht zur Gänze ausgearbeitet, beziehungsweise bleibt „Passengers“ in vielerlei Hinsicht eher oberflächlich. Er manövriert sich zwar passabel durch verschiedene Genre-Stimmungen (von Science-Fiction über Drama und Komödie bis hin zum kurzen Psycho-Thriller ist so gut wie alles dabei) und hält den Zuschauer gut bei der Stange, aber am Ende ist „Passengers“ nichts Halbes und nichts Ganzes. Allerdings reicht es gut und gerne für 7 von 10 Popcornguys!

HELL OR HIGH WATER

David Mackenzie ist der Regisseur des Neo-Westerns „Hell or High Water“, dessen Drehbuch aus der Feder von Taylor Sheridan („Sicario“) stammt. Der Film spielt in Texas und handelt von den zwei Brüdern Tanner und Toby Howard (Ben Foster und Chris Pine), deren hochverschuldeter Besitz von einer Bank zwangsversteigert werden soll. Die beiden beginnen also, mehrere Filialen eben dieser Bank auszurauben. Dabei werden sie vom kurz vor der Rente stehenden Texas Ranger Marcus Hamilton (Jeff Bridges) und dessen indianisch-mexikanischen Partner Alberto Parker (Gil Birmingham) verfolgt.

Auf „Hell or High Water“ wurde ich recht spontan aufmerksam, doch um den Kinobesuch bin ich sehr froh. Er erzählt eine in allen Bereichen gut überzeugende Geschichte, angefangen bei den Charakteren bis hin zum tristen und eigentümlich schönen Texas-Look. Mark Foster spielt den hitzköpfigen und unberechenbaren Bruder, was man ihm problemlos abnimmt. Chris Pine ist inmitten des restlichen Casts eigentlich viel zu attraktiv, doch mit Hilfe seines Barts und einer guten Performance kämpft er erfolgreich gegen dieses Problem an. Besonders unterhaltsam waren aber die Szenen zwischen Jeff Bridges und Gil Birmingham. Die beiden Ranger ziehen sich gegenseitig auf, wobei von Seiten Jeff Bridges auch nicht mit rassistischen Bemerkungen gegeizt wird. Trotzdem vermitteln die beiden auf der Leinwand, dass ihre beiden Figuren im Grunde durch Respekt und Freundschaft verbunden sind. An den entscheidenden Stellen fährt der Film mit der nötigen Härte auf und am Ende wird die Geschichte rund und stimmungsvoll zu Ende erzählt. „Hell or High Water“ erhält demnach von mir starke 8 von 10 Popcornguys und ist im noch jungen Kinojahr 2017 mein bisheriges Highlight.

LA LA LAND

Damien Chazelle (der Regisseur des großartigen „Whiplash“) bringt uns das Filmmusical „La La Land“ ins Kino. Es geht darin um den ehrgeizigen Jazzpianisten Sebastian (Ryan Gosling) und die aufstrebende Schauspielerin Mia (Emma Stone), die sich in Los Angeles über den Weg laufen und sich eigentlich anfangs gar nicht riechen können. Allerdings entwickelt sich zwischen den beiden allmählich eine schöne Romanze, die in fantastischen Bildern eingefangen und mit ergreifend-mitreißender Musik unterlegt wird. Allerdings stellt das, was Mia und Sebastian zusammengebracht hat – nämlich die Kunst an sich – ihre Beziehung auch auf die Probe.

„La La Land“ wurde derart gefeiert, dass ich unheimlich neugierig auf den Film war und Probleme hatte, meine Erwartungen niedrig zu halten. Die Tatsache, dass es sich um ein Filmmusical handelt, hat mich dabei jedoch nichts ins Kino gelockt. Eigentlich mag ich Musicals nicht besonders. Mir hat es sich noch nicht so wirklich erschlossen, dass eine Geschichte über Gesang und Tanz besser erzählt werden kann, als auf herkömmliche Art und Weise. Genau genommen empfinde ich viele Musicals als unnötig aufgeblasen und überdramatisiert. An „La La Land“ haben mich im Vorfeld also eher der Regisseur und die beiden Hauptdarsteller interessiert – und von Stone und Gosling wurde ich auch nicht enttäuscht. Ich mag beide sehr und empfand die Chemie zwischen den beiden als stimmig. Um die Songs – die zugegebenermaßen grandios inszeniert waren – kam ich natürlich nicht herum, wobei ich sagen muss, dass die eigentlichen Musical-Szenen eher rar sind. Herkömmliche Dialog-Szenen überwiegen und ich glaube, dass man die Geschichte letztendlich auch nicht als Musical hätte erzählen müssen. Allerdings kann ich den Reiz, den Musik und Tanz in „La La Land“ ausmachen, schon auch verstehen und will da nicht zu sehr meckern. Lieber würde ich noch eine bestimmte Fragestellung erwähnen, die meiner Meinung nach den Antrieb für die Handlung des Films darstellet: Muss man als Künstler seine Vorstellungen von der eigenen perfekten Kunst zu Gunsten des Geschmacks der breiten Masse opfern, um davon leben zu können? Die Figuren von Gosling und Stone haben zu dieser Frage verschiedene Meinungen, wodurch Reibereien enstehen, die für mich interessant waren und mich auch ein wenig zum Nachdenken anregten. Hinzu kommt das wunderbar verschachtelte Ende, welches auf fast schon fiese Art und Weise mit den Erwartungen des Zuschauers spielt. Alles in allem ist „La La Land“ also nicht so herausragend wie „Whiplash“, aber 8 von 10 Popcornguys sind absolut verdient.

The Hateful Eight

Titel: The Hateful Eight
Originaltitel: The Hateful Eight
Regie: Quentin Tarantino
Musik: Ennio Morricone
Darsteller: Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh, Samuel L. Jackson

Wyoming, kurz nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg: Kopfgeldjäger John Ruth (Kurt Russell) ist als Passagier einer Kutsche durch die verschneite Landschaft unterwegs. Er führt eine Kriminelle namens Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) mit sich. In der Stadt Red Rock soll sie dem Gesetz und dem Galgen übergeben werden. Major Maquis Warren (Samuel L. Jackson), ebenfalls Kopfgeldjäger, wird ebenfalls Passagier in der Kutsche. Doch allmählich kommt ein gewaltiger Schneesturm auf und die Gruppe muss Zuflucht in „Minnies Miederwarenladen“ suchen, einer kleinen, abgelegenen Hütte. Dort halten sich weitere zwielichtige Gestalten auf und John Ruth muss sich bald mit einer unangenehmen Frage auseinandersetzen: Welcher der anderen Gäste steckt mit seiner Gefangenen unter einer Decke?

Ein Tarantino-Film ist für mich Pflichtprogramm. Da halten mich auch durchwachsene Kritiken nicht davon ab. Aber eines muss ich dennoch zugeben: Ein besonders eingängiger Film ist „The Hateful Eight“ nicht. Einen Großteil der drei Stunden langen Laufzeit nehmen Landschaftsaufnahmen, Charakterexpositionen und Dialoge ein. Die für Tarantino typische Action lässt dagegen lange auf sich warten. Der Zuschauer muss also viel Sitzfleisch und Geduld mitbringen – doch „The Hateful Eight“ fährt mit ausreichend Elementen auf, die zumindest mir das Warten leicht gemacht haben.

An erster Stelle möchte ich den Soundtrack von Ennio Morricone nennen. Was für eine geile Musik! Meistens zielen heutige Soundtracks lediglich darauf ab, die Bilder passend zu unterlegen. Gut, wenn das gelingt, dann ist das eigentliche Ziel bereits erreicht. Doch Morricones Soundtrack geht einen Schritt weiter und entwickelt einen von den Bildern unabhängigen Charakter. Dabei kam mir die Musik wie eine düstere Variante seiner alten Western-Hits vor. Stellenweise klingt der Soundtrack dermaßen makaber, dass er auch zu einem Burton-Film passen würde. Alles in allem ein musikalischer Hochgenuss, dem ich den diesjährigen Oscar von Herzen gönne.

Für Tarantino typisch sind natürlich auch die einmaligen Dialoge. Wie gewohnt beherbergen die Wortwechsel allerlei Flüche und wüste Beschimpfungen, doch sie kommen den Darstellern ganz natürlich und ungezwungen über die Lippen. Tarantino zitiert dabei aus allerlei cineastischen Ecken und lässt aus den Dialogen regelrechte Wortduelle werden. Ein paar mal war mir das rhetorische Nachfragen zu repetitiv, aber ich konnte es verkraften.

Die Darsteller liefern allesamt tolle Leistungen und es wäre quasi unfair, einzelne Schauspieler heraus zu picken – aber ich mache es dennoch. Zunächst möchte ich Samuel L. Jackson nennen, der in der Rolle des bad mother fucker logischerweise aufblüht. Jennifer Jason Leigh als gefangene Kriminelle dürfte einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sie ist schwer einzuschätzen und bewegt sich in ihrer Darstellung irgendwo zwischen mitleiderregendem Opfer und hassenswürdigem Biest. Tim Roth spielt einen Pseudo-Gentleman und erinnert in seiner ganzen Art an Christoph Waltz. Dies ist anfangs etwas irritierend, doch auch diese Darstellung war großartig – und das ist es doch, was letztendlich zählt.

Tarantino zeigt in „The Hateful Eight“ Charaktere, die durch die Bank hassenswert sind – womit der Titel des Films Programm wird. Hin und wieder fühlt man sich der ein oder anderen Figur vielleicht hingezogen und fühlt dabei den Anflug einer wohligen Wärme in der Bauchgegend. Doch dann wird man im nächsten Dialog eines besseren belehrt, wenn sich die entsprechende Figur als verabscheuungswürdiges Monster offenbart. Sympathieträger gibt es in „The Hateful Eight“ also nicht. So gut wie jedem anderen Film dürfte dies das Genick brechen. Doch Tarantino wäre nicht Tarantino, wenn er es nicht schaffen würde, selbst die größten Verkommenheiten interessant, faszinierend und unterhaltsam darzustellen.

Gegen Ende spitzt sich die Situation in „Minnies Miederwarenladen“ gehörig zu und es kommt zu einer regelrechten Explosion aus Action, Gewalt und Splatter. Der Härtegrad ist dabei ziemlich hoch und zu sensibel darf man als Zuschauer nicht sein. Andererseits wartet man bei einem Tarantino-Film doch auf genau solche Szenen, die in all ihrer Grausamkeit doch auch gehörig Spaß machen. Die letztendliche Auflösung hat mir gut gefallen, wenn man auch sagen muss, dass die Handlung nicht frei von diversen Logiklöchern ist.

Mein Fazit: „The Hateful Eight“ dürfte Tarantinos bisher sperrigster Film sein – doch meiner Meinung nach ist es ein guter Streifen, der auch besser als „Django Unchained“ ist. Wenn man geduldig ist, nichts gegen lange Charaktereinführungen hat und gut geschriebene Dialoge genießen kann, wird man mit diesem Western-Kammerspiel seine Freude haben. Ich verteile 8 von 10 Popcornguys!