Buddymoon

Regie: Alex Simmons
Musik: Gabriel Feenberg
Kamera: Peter Alton, Michael Lockridge
Darsteller: David Giuntoli, Flula Borg, Jeanne Syquia

Schauspieler David (David Giuntoli) wird kurz vor der Hochzeit von seiner Verlobten sitzengelassen. Ohne seinen besten Freund Flula (Flula Borg) droht er völlig in die Depression abzugleiten. Die beiden beschließen, die geplante Hochzeitsreise gemeinsam zu machen, und wandern durch die unberührten Weiten Nordamerikas. Dabei treten die Honeybuddys nicht nur in die Fußstapfen der großen Entdecker Lewis und Clarke, sondern sondern ordnen ihre Freundschaft neu.

Wieder mal so ein Film, der beim obligatorischen durchscrollen auf Netflix ins Auge fällt. Die Indiekomödie aus der Feder von Alex Simmons und den beiden Hauptdarstellern David Giuntoli und Flula Borg kommt einerseits wie ein konventioneller Buddy-Roadtrip daher, andererseits überrascht sie mit irrwitzigen Dialogen und stillen, nachdenklichen Momenten.

David, ein gebrochener Typ, der sich verzweifelt an seine Karriere klammert und sich selbst dabei im Wege steht, und Flula, der deutscheste Verrückte, den die USA zu bieten haben, ergeben ein gegensätzliches wie sich ergänzendes Team, das zwar nicht ohne das ein oder andere Buddyklischee auskommen kann, dafür aber zu jeder Zeit amüsiert. Zwischen großartig eingefangenen Naturaufnahmen sehen wir einem manisch herumtänzelnden Flula, während David nachdenklich in die Ferne starrt und missmutig hinterhertrottet.

„Buddymoon“ hat keine besonderen Überraschungen parat, ist selbst aber als Gesamtwerk ein richtiger Geheimtipp. Zwischen allem (nicht zu blödsinnigem) Klamauk schlägt der Film ernsthafte, gut durchdachte Töne zum Umgang mit Enttäuschungen, Liebe und Freundschaft von sich.

Fazit: Für einen netten Nachmittag oder einen witzigen Filmabend mit dem besten Kumpel ist „Buddymoon“ absolut geeignet. Wer schräge Komödien mag, greift hier nicht daneben! 8 von 10 Popcornguys

Advertisements

Unersetzlich

Originaltitel: Irreplaceable You
Regie: Stephanie Laing
Produktion: Netflix
Darsteller: Gugu Mbatha-Raw, Michiel Huisman, Christopher Walken

Abbie (Gugu Mbatha-Raw) und Sam (Michiel Huisman) sind das perfekte Paar. Schon von Kindheitstagen an sind die beiden aller Unterschiede zum Trotz unzertrennlich. Für beide beginnen die großen Themen der Beziehung: Hochzeit, Kind, die neue Familie. Doch da lässt eine Diagnose alles ins Wanken geraten und das sorglose und schöne Leben in tiefe Dunkelheit tauchen: Abbie hat Krebs, eine Chance auf Heilung besteht kaum. Nun stellt sie sich nicht nur die Frage, wie sie mit ihrem bevorstehenden Tod umgehen soll, sondern wie sie auch ihren Verlobten Sam darauf vorbereiten kann, allein zu sein.

Schon mit der ersten Szene macht Regisseurin Stephanie Laing klar, dass „Unersetzlich“ keine leichte Komödie mit Happy End sein wird. Trotzdem gehen ihre Charaktere Abbie und Sam, die uns von grundauf positiv und humorvoll präsentiert werden, äußerst locker mit dem ernsten Thema um – nicht ohne immer wieder an der bitteren Wahrheit zu verzweifeln und uns als Zuschauer mit in diese Hoffnungslosigkeit reißen. Ihre Chemie ist wundervoll mit anzusehen, wobei Gug Mbatha-Raw eine unbeschwerte Glanzleistung hinlegt. Obwohl es für Abbie keine Hoffnung gibt, ist es doch ein Film voller Hoffnung, denn wir begleiten sie auf ihrer unwirklichen Reise, die traurige Wahrheit, dass Sam ohne sie nicht derselbe sein wird, so lange es geht hinauszuzögern.
An Abbies Seite steht nicht nur Sam, der stets optimistisch alle Spiele mitspielt, sondern auch eine tragisch-komische Selbsthilfegruppe voller skurriler Charaktere, allen voran Christopher Walken, der schrullig Weisheiten von sich gibt, und dabei der wichtigste Wegbegleiter für Abbie wird.

Nun, mögen die Kritiker anführen: Ein perfektes Liebespaar, ein zum Tode verurteilter junger Mensch und nachdenklich stimmende Dialoge sind ein sicheres Rezept für einen Film, der auf die Tränendrüse drückt und dabei nur gewinnen kann. Sicherlich spricht „Unersetzlich“ nicht Alle an. Ich jedoch erinnerte mich an letzte Worte, die ich mit Menschen gewechselt habe, bevor sie gestorben sind. Ich dachte darüber nach, was ich mit meinem Leben anfange, ich stellte mir vor, wie die Welt ohne mich wäre, ob und welche Lücke ich hinterlassen würde. Wenn das ein Film auslösen kann, hat er es verdient von vielen Menschen angeschaut zu werden.

Fazit: „Unersetzlich“ ist eine tragische Liebesgeschichte, die, zärtlich verfilmt, mit liebevollen Charaktern und bewegenden Momenten das Herz wärmt und die Augen befeuchtet. 7 von 10 Popcornguys

Hungrig

Originaltitel: Les Affamés
Regie: Robin Aubert
Musik: Peter Henry Phillips
Darsteller: Marc-André Grondin, Monia Chokri, Brigitte Poupart

Ein fürchterliches Virus hat die Menschheit fest im Griff, welches einst liebevolle und rational denkende Wesen in apathische Menschenfresser verwandelt. In der kanadischen Provinz trotzen die wenigen Überlebenden den geifernden Horden, wobei der stille Bonin (Marc-André Grondin) nur durch höchste Achtsamkeit und Vorsicht überleben kann. Auf seiner Reise trifft er Tania (Monia Chokri) und das Mädchen Zoé (Charlotte St-Martin), die nicht nur einen Weg um die Zombiehorden suchen, sondern auch versuchen ein Rätsel um die Infizierten zu lösen.

„Hungrig“ wurde auf diversen Filmfestivals, unter anderem in Toronto, aber auch auf dem deutschen Fantasy Filmfest von den Kritikern gefeiert. Endlich mal wieder ein Zombiehorror, der so ganz genreuntypisch daherkommt und auf die großen Klischees verzichtet, dafür ein atmosphärisch dichtes, unangenehm hoffnungsloses Bild einer schleichenden Zombieapokalypse zeichnet. Die frankokanadische Produktion von Robin Aubert, der auch das Drehbuch zu „Hungrig“ lieferte, unterscheidet sich in ganz wesentlichen Punkten von den üblichen Zombiefilmen. Langsame Kamerafahrten über unheimlich still daliegende Wälder, Closeups auf die Protagonisten, die schweigsam ihren Weg durch eine meist hell und freundlich, aber umso bitter trostlose Welt suchen. Die Truppe stützt sich mit Marc-André Grondin nicht nur auf einen recht untypischen Anführer, der nur sehr widerwillig die Position des Anführers einnimmt, sondern setzt sich auch aus äußerst schwach und menschlich wirkenden Personen zusammen.

Auch die Antagonisten sind ganz und gar nicht das Abbild der trägen Zombiehorden, die sich langsam und bedrohlich gurgelnd auf die übrig gebliebenen Menschen stürzen. Teilweise stehen die Infizierten wie versteinert in der Landschaft herum, etwas fixierend, das nur sie sehen können, nur um dann unter fürchterlichem Geschrei auf die Menschen loszurasen. Dabei wirft der Film ein Geheimnis über die Zombies auf, die sie nur noch unheimlicher wirken lassen. Da offenbart sich aber auch eine Schwäche des Films: Ein riesiges Fragezeichen, das leider einfach stehen gelassen wird.

Versteht mich nicht falsch: Ich finde es grandios, dass „Hungrig“ auf überflüssige Dialoge und künstliche Erklärungsversuche verzichtet. Ich mochte die langen, bedeutungsschwangeren Blicke der Darsteller, die stillen Momente, der pure Horror einer Gruppe unbeweglich herumstehender Zombies. All das ist eingewoben in den ungewöhnlichsten Zombiefilm der letzten Jahre. Leider spielt er aber sein Potential nicht aus, sondern verliert sich eine etwas belanglos dahinwabernde Sequenz, die mich nicht komplett an der Stange halten konnte. Nichtsdestotrotz beweist „Hungrig“, wie gut innovative Ideen mit wenig Budget etwas ganz neues abseits vom Mainstream schaffen kann.

Fazit: Wer von „The Walking Dead“ schon lange enttäuscht, und Lust auf einen Zombiefilm der ganz anderen Art hat, ist mit „Hungrig“ sehr gut beraten. 7 von 10 Popcornguys!

Molly´s Game

Titel: Molly´s Game: Alles auf eine Karte
Regie: Aaron Sorkin
Schnitt: David Rosenbloom
Darsteller: Jessica Chastain, Idris Elba, Michael Cera, Kevin Costner

Die ehemalige Profisportlerin Molly Bloom (Jessica Chastain) ist die geborene Gewinnerin. Während sie sich auf eine Karriere als Anwältin vorbereitet, entdeckt sie zufällig die geheimen Pokerspielrunden der reichsten Stars von Los Angeles. Ohne einen eigenen Anteil zu nehmen, sondern lediglich ein Trinkgeld einzustreichen, bewegt sie sich mit der Organisation der Pokerrunden stets auf legalem Boden. Je größer die Runden, je höher die Einsätze und je durchtriebener die Spieler werden, umso gefährlicher wird es für Molly – bis sie sich schließlich vor Gericht für ihre Glücksspielrunden verantworten muss. 

Poker: Kaum ein Spiel hat einen solchen verruchten Ruf und steht gleichzeitig für die Klasse der feinen Gesellschaft. Dass solche Spiele nervenaufreibend sein können, habe ich in den vielen virtuellen Runden in Red Dead Redemption gelernt (wenn auch meist recht erfolglos). Genau dieses Gefühl vermittelt auch „Molly´s Game“, wenn es in schnell geschnittenen Szenerien Pokerrunden erzählt, in denen Millionen über den Tisch gehen.

Die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte (es ist äußerst spannend nachzulesen, wer denn tatsächlich an diesen Pokerspielen teilgenommen hat) wurde von Aaron Sorkin geschrieben und verfilmt, der in der Vergangenheit die Drehbücher für „The Social Network“, „Moneyball“ und „Steve Jobs“ lieferte. Seine rasche Erzählweise äußert sich nicht nur in Edgar Wright-esquen Schnittsequenzen, sondern auch in klugen und gewitzten Dialogen, die manchmal so komplex und schnell ablaufen, dass sie dem Zuschauer alle Aufmerksamkeit abverlangen. Diese Dialoge finden meist zwischen Jessica Chastain und Idris Elba, der ihren Anwalt Charlie Jaffey mimt, statt, welcher ihrer Geschichte lauscht, um sie vor Gericht verteidigen zu können. Diese wird uns in solch einer rasenden Geschwindigkeit präsentiert, dass die Laufzeit von über zwei Stunden ohne Längen verfliegt. Die temporeiche Erzählweise verwehrt den Charakteren leider eine ausreichende Entwicklung, kann das aber durch den hohen Unterhaltungswert ausgleichen. Kleine, feine Nebenstränge, wie etwa das schwierige Verhältnis zu ihrem Vater oder Spieler, die kommen und gehen, geben der Story Tiefe, die uns als Zuschauer mitnimmt und eintauchen lässt. An dieser Stelle muss man einfach die Glanzleistung von Jessica Chastain erwähnen, die den Film allein trägt und ihrer Figur eine zerbrechliche wie kämpferische Hülle gibt.

Fazit: Erfrischend anders, klug und mit viel Witz wird uns eine Geschichte erzählt, die so unerhört ist, dass sie wahr sein muss. Nicht nur für Pokerkenner, sondern für alle Freunde von Krimithrillern kann ich eine Empfehlung aussprechen. „Molly´s Game“ macht Spaß, fesselt und unterhält auf ganzer Line! 8 von 10 Popcornguys!

The Ritual

Titel: The Ritual
Regie: David Bruckner
Musik: Ben Lovett
Darsteller: Rafe Spall, Arsher Ali, Robert James-Collier, Sam Troughton

Vier Freunde durchwandern auf einem Trip die Wildnis Schwedens. Sie tun dies in Erinnerung an ihren Freund Rob, der wenige Monate zuvor bei einem Überfall getötet wurde und diesen Ausflug geplant hatte. Besonders Luke, der den Überfall miterlebte, wird besonders von Schuldgefühlen gequält, die er unterschwellig von seinen Freunden zugeschoben bekommt. Als sich einer der Freunde am Knie verletzt, beschließen sie eine Abkürzung durch die dichten Wälder zu nehmen. Dort treffen sie jedoch auf Dinge, die ihnen den Verstand rauben.

Horrorfilme unterwerfen sich in der heutigen Zeit einigen Regeln: Spoiler sind ein großes Thema, daher sollte man möglichst wenig über den Inhalt wissen (also auch wenn ich den kürzesten Trailer rausgesucht hab: lieber gar nix gucken!) Und: Horrorfilme sind (meiner subjektiven Ansicht nach) entweder platt und unkreativ, oder subtil und großartig inszeniert. Das mag nach einer eher undifferenzierten Meinung klingen, doch spiegelt das nur mein Empfinden wider, das sich mit jedem weiteren modernen Horrorfilm bestätigt. Glücklicherweise zählt „The Ritual“ zur zweiteren Kategorie.

Die vier Freunde, welche sich durch die wunderschönen Weiten Schwedens bewegen, nehmen klassische, aber nicht zu klischeehafte Positionen ein. Die Hauptperson Luke, von der Vergangenheit verfolgt, Hutch der selbsternannte Anführer, Dom der Nörgler und Phil der Schweigsame. Typen mittleren Alters, die ihrem Alltag entfliehen wollen. Die seltsamen Zeichen, auf die sie im Wald stoßen, nehmen sie vorerst mit Skepsis, aber doch mit überspieltem Humor auf – und das war auch alles, was ich zum Inhalt schreiben möchte.

Was lässt sich also sagen? „The Ritual“ ist hervorragend inszeniert. Langsame Kamerafahrten, düstere Nebelschwaden und ein markerschütternder Soundtrack wecken die tiefsten Ängste und schaffen den größten Horror bei hellstem Tageslicht. Dieses subtile Unbehagen, das mich unruhig auf meinem Stuhl hin und her rücken lässt, ist genau mein Stil. Nichtsdestotrotz scheut sich der Film auch nicht, den Zuschauern Gewalt und Schocker um die Ohren zu hauen – nur ist er dabei stets gut ausgewogen. Gerade in der ersten Hälfte des Films geht „The Ritual“ dabei sehr vorsichtig vor, und lässt unsere Charaktere wie auch uns lange im Dunkeln tappen, bis sich die Grausamkeit in seiner ganzen Pracht offenbart. Über die Auflösung und das Finale lässt sich sicherlich streiten, ich bin jedoch zufrieden mit einem Film, der meine Augen kein einziges Mal von der Mattscheibe wandern ließ.

Fazit: „The Ritual“ ist ein klassischer Horrorfilm, der eigentlich nichts neues macht, dafür aber so ziemlich alles richtig. Perfekt für Freunde von subtilem Horror und harten Überlebenskämpfen. 7 von 10 Popcornguys!

The Discovery

Titel: The Discovery
Regie: Charlie McDowell
Drehbuch: Charlie McDowell, Justin Lader
Musik: Danny Bensi, Saunder Juriaans
Darsteller: Jason Segel, Rooney Mara, Robert Redford

Dem Wissenschaftler Dr. Thomas Harbor gelang die größte Entdeckung der Menschheit: Er konnte Beweise vorlegen, dass subatomare Wellenlängen den Körper eines Menschen im Augenblick seines Todes verlassen. Damit war die Existenz des Leben nach dem Tod bewiesen. Seine Entdeckung zog folgenschwere Konsequenzen nach sich – innerhalb weniger Jahre nahmen sich mehrere Millionen Menschen in der Hoffnung auf ein friedvolles Jenseits das Leben. Nach heftigen Kontroversen zog sich Dr. Harbor in die Abgeschiedenheit zurück, wo ihn schließlich sein Sohn Will nach Jahren aufsucht, um ihn davon zu überzeugen, die Forschung aufzugeben, um weitere Tote zu verhindern.

Nachdem ich diesen Trailer das erste mal gesehen habe, war ich augenblicklich angefixt. Er schaffte es mit ungemein wenig Information, aber beeindruckenden Bildern einen Gedankengang anzuregen, der sich in etwa so äußerte: „Aha, Netflix-Film mit Marshall und Rooney Mara … sieht nach Liebensfilm aus … ahja Robert Redford spielt auch mit … da ist ja Meth Damon … Moment mal, irgendwie komisch … wtf … ok, BIN DABEI!“
Nun, so sehr ich mich dann drauf gefreut hab, hat es dann doch eine ganze Weile gedauert, bis ich mir den Film ansehen konnte. The Discovery wurde auf dem Sundance Festival uraufgeführt und danach direkt auf Netfilx veröffentlicht. Damit war er einer der ersten Filme, die dieses „Schicksal“ ereilte, aber dazu brauche ich mich jetzt nicht äußern.

Es mag dem ersten Eindruck geschuldet sein, aber ich bin ziemlich begeistert von diesem kleinen, feinen Film. Die Grundthematik – Leben nach dem Tod, wissenschaftliche Experimente an der Grenze der Ethik, philosophische Theorien über das Sterben, ich war grundsätzlich angetan. Dazu schafft es der Film, ein derart trübes Setting zu erzeugen, das es nicht zu verwundern mag, dass sich in dieser Welt unzählige Menschen täglich das Leben nehmen. Jason Segel mimt einen Neurologen, der die große Entdeckung äußerst kritisch betrachtet, und sich in einen Kampf gegen Windmühlen begibt. Sein Vater hat sich in einem irrwitzig großen Haus eine Forschungseinrichtung eingenistet, wo er sich mit labilen Personen umgibt, welche bedürftig nach einer schützenden Umgebung gesucht haben. Dabei kontrolliert er die Kommune wie ein obskurer Sektenführer, der sämtliche Fäden in der Hand hat. Nur auf Wills Seite scheint Isla, eine suizidgefährdete junge Frau, die er auf dem Weg zu seinem Vater getroffen hat. Gemeinsam mit ihr sucht er verzweifelt nach einer Möglichkeit, dem Massensterben in der Welt Einhalt zu gebieten.
Das klingt erstmal seltsam und hätte Potential, unglaubwürdig und cheesy zu wirken. Die düstere Grundstimmung, unterstützt vom tief wummernden Soundtrack beugt dem aber vor, wobei gerade die aufkeimende Beziehung zwischen Will und Isla für so manche komische Momente sorgt.

„The Discovery“ lässt sich viel Zeit, seine Geschichte zu erzählen. Leise und subtil präsentieren sich die Charaktere, deren Beweggründe der Zuschauer eher aus ihrer Mimik erschließt, als durch ihre Dialoge. Hier muss ich besonders Robert Redford betonen, der allein durch seine Präsenz glänzt. Sein langsames Tempo wirft „The Discovery“ zum Ende hin über Bord, und spült die Zuschauer wie eine hohe Welle von den Füßen.

Fazit: „The Discovery“ ist wohl ein Film, den man mögen muss. Sein ruhiges Tempo gibt allerdings genug Möglichkeit, sich in diese seltsame Welt hineinzurätseln, und die undurchsichtigen Charaktere einzuordnen, nur um dann wieder überrascht zu werden. Beeindruckend, nachdenklich stimmend, niederschmetternd: 8 von 10 Popcornguys

Wunder

Originaltitel:y Wonder
Regie: Steven Chbosky
Maske: Arjen Tuiten
Darsteller: Jacob Tremblay, Julia Roberts, Owen Wilson

Der 10-jährige Auggie (Jacob Tremblay) ist aufgrund eines Gendefekts schwer entstellt. Selbst nach zahlreichen Operationen muss er sich unangenehmen Blicken aussetzen, vor denen ihn seine Eltern so gut es geht schützen wollen. Als er nun endlich zum ersten Mal in eine Schule geht, muss er sich und seine Mitmenschen neu kennen lernen.

Ein Drama mit so einem Plot, voll mit nahbaren Charakteren, die ihre Probleme teils offen in die Welt tragen, teils still mit sich herumtragen, läuft schnell Gefahr, allzu schwer auf die Tränendrüse drücken zu wollen. Diesem Vorurteil kann sich „Wunder“ nicht immer erwehren, punktet aber doch mit einer eigenständigen Geschichte, die von konventionellen Erzählmethoden abweicht.

Der Cast wirkt durchweg solide: Jacob Tremblay spielt trotz zentimeterdicker Maske im Gesicht sehr überzeugend und haucht einem Jungen Leben ein, der Tag für Tag auf den Umstand, nicht „normal“ zu sein, erinnert wird. Julia Roberts als fürsorgliche Mutter und Owen Wilson als flippiger Vater passen gut ins Ensemble. Ebenso die restlichen Darsteller, angefangen von Auggies großer Schwester über den Schulrektor hin zu den Schülern. Diese sorgen zwar für manche gar hölzerne Szenen und peinliche Dialoge (mag auch an der deutschen Synchro liegen), aber geben insgesamt ein gutes Bild ab. Interessant ist, dass wir nicht nur Auggie als Hauptperson im Mittelpunkt begleiten, sondern auch Ausflüge in Form von Portraits seiner Familienmitglieder und Freunde hinzukommen. Dies sorgt nicht nur für Abwechslung, sondern gibt den Figuren auch viel Tiefe und überraschende Einsichten in deren Denken und Handeln. Diese Erzählform scheint der Film zum Schluss hin allerdings zu vergessen. Ich kenne die Romanvorlage nicht, könnte aber an dieser liegen – da hätte mir etwas mehr Kontinuität besser gefallen.

Auggies großer Schritt in die Schule und damit in eine größere Umgebung mit regelmäßigen Kontakt zu anderen Menschen wird begleitet von zu vermutenden Themen: Angst vor Fremdem, Neugier, Mobbing, Freundschaft. Dies verpackt der Film äußerst charmant, sodass ich mir den Einsatz dieses Filmes auch sehr gut in Schule und Jugendarbeit vorstellen kann. Auggies Blick auf die Welt – verbunden mit seiner lebhaften Fantasie, eröffnet den Blick auf die Welt eines Außenseiters und lässt uns kritisch auf unser eigenes Verhalten blicken. „Wunder“ schafft es, all das zu bearbeiten, ohne sich völlig in Klischees zu verlieren.
Die vielen Handlungsstränge, welche die vielen Charaktere mit sich bringen, geben der Geschichte viel Tiefe, behindern allerdings auch etwas das Pacing. Zwar würde das der Buchvorlage nicht gerecht werden – aber ein paar Kürzungen hätten dem Film vermutlich ganz gut getan.

Fazit: Charmant, witzig, mit ganz viel Herz. „Wunder“ bringt zum Lachen und berührt den Zuschauer. Zuschauern allen Alters vermittelt er großartige Botschaften zu Familie, Freundschaft und Mobbing – ohne zu moralisieren, sondern schlicht an die Menschlichkeit zu appellieren.