Killers Bodyguard

Originaltitel: Hitman´s Bodyguard
Regisseur: Patrick Hughes
Musik: Atli Örvarsson
Darsteller: Ryan Reynolds. Samuel L. Jackson, Élodie Yung, Gary Oldman, Salma Hayek

Der ehemalige weissrussische Präsident Vladislav Dukhovich (Gary Oldman) steht wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen vor dem internationalen Gerichtshof. Um ihn zu verurteilen, ist die Aussage des höchst gefährlichen Auftragskillers Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) nötig, welcher unter Schutz einer Interpol-Einheit, angeführt von der Agentin Amelia Roussel (Élodie Yung), beinahe einem Anschlag zum Opfer fällt. Sie sieht nur einen Ausweg, Kincaid sicher zum Gericht zu bringen, und zieht den ehemaligen Nr. 1-Personenschützer Michael Bryce (Ryan Reynolds) hinzu. 

Das Skript zu „Hitmans Bodyguard“ wurde schon vor der Verfilmung gelobt, allerdings handelte es sich da noch eher um ein Drama. Innerhalb kurzer Zeit hat man daraus aber eine Buddy/Roadmovie/Actionkomödie gemacht, die zwar keine ausgetretene Pfade verlässt, sondern sich auf bekannte Formeln verlässt, aber dennoch eine jede Menge Spaß macht.

Der Regisseur Patrick Hughes, der bisher nur für eher zweifelhafte Meisterwerke wie „Expandebles 3“ verantwortlich ist, macht einen grundsoliden Job: Die Charaktere angenehm überzeichnet, das Tempo rasant, und die Action gut inszeniert, feiert „Killers Bodyguard“ jedes Klischee, das man in einer Actionkomödie nur unterbringen kann. Dabei schickt uns der Film durch harte Faustkämpfe, blutige Schießereien und wahnwitzige Verfolgungsjagden, lediglich unterbrochen von kleinlichen Streitereien zwischen den Hauptfiguren.

Dabei ist es die hervorragende Chemie zwischen Reynolds und Jackson, die ihre Hassliebe herrlich ausspielen, und ihre gemeinsame Vergangenheit mit Flashbacks gut ausstatten. So stürzen der korrekte Bodyguard und der spontane, wahnsinnige Auftragskiller von einer verrückten Situation in die nächste, stets hin- und hergerissen sich gegenseitig zu ermorden oder sich doch das Leben zu retten. Sicher könnte man hier Typecast vorwerfen, und ankreiden, dass die beiden nur ihre typischsten Rollen ausfüllen, aber die Harmonie stimmt.
Auch der restliche (groß besetzte) Cast liefert gut ab, wenn auch der ein oder andere Storystrang den Film etwas überfrachtet, und gerade der Showdown dann etwas zu viel für mich war. Nichtsdestotrotz sieht man den Darstellern einfach an, dass der Dreh viel Spaß gemacht haben muss – allein das ist für mich mittlerweile ein bedeutendes Qualitätsmerkmal.

Fazit: Over-the-Top Action, irre Verfolgungsjagden, Gewalt und jede Menge Flüche: Nichts neues, aber jede Menge Spaß! Wer Lust auf einen witzig-abgedrehten Abend hat: Ab ins Kino, Motherfuckers!

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Atomic Blonde

Titel: Atomic Blonde
Regisseur: David Leitch
Musik: Tyler Bates
Dasteller: Charlize Theron, James McAvoy, John Goodman

Berlin 1989. Kurz vor dem Fall der Mauer spitzt sich die Situation in der geteilten Stadt immer mehr zu. Während die Öffentlichkeit ihre Aufmerksamkeit auf die Proteste in Ostberlin richtet, kämpfen die verschiedenen Geheimdienste um wertvolle Informationen auf beiden Seiten der Mauer. Als ein MI6-Agent erschossen wird und eine wertvolle Liste mit ihm verschwindet, wird die Agentin Lorraine Broughton (Charlize Theron) angesetzt, um gemeinsam mit ihrem exzentrischen Kollegen David Percival (James McAvoy) die gestohlenen Informationen wieder zu beschaffen, bevor sie größeren Schaden anrichten können.

David Leitch, der in der Vergangenheit hauptsächlich als Stuntman vor der Kamera stand, versucht sich nun seit einigen Jahren im Regiestuhl. Mit seiner Mitarbeit an JohnWick und als Second-Unit-Director für diverse Blockbuster hat er sich schon einen Namen gemacht, sodass er den Teaser für Deadpool 2, und schließlich auch den ganzen Film inszenieren durfte. Vorher nahm er sich jedoch noch der Verfilmung einer Graphic Novel an: The Coldest City bzw. Atomic Blonde.

Seine Erfahrungen in Sachen Stunt und Action kommen ihm hierbei nur allzu gelegen, denn diese ist – das kann man ohne Zögern sagen – wirklich gut gestaltet, und gipfelt in einer knallharten Actionsequenz, die mich nicht nur an „The Raid“ erinnerte, sondern in ihrer Härte und Offenheit zu einem direkten Vergleich herangezogen werden kann.

Ein ebenso gutes Händchen beweisen die Macher bei Atmosphäre und Kamerastil. Immer wieder lässt sich der Film ein wenig Zeit, Momente gekonnt einzufangen und mit dem richtigen 80er-Song zu untermalen. Auch wenn das alles etwas gar hochpoliert wirkt, und mehr wie eine 80er-Hommage als das tatsächliche Berlin der 1980er Jahre wirkt, versprüht der Film dennoch einen gewissen Charme.

Nicht nur Charzlize Theron glänzt als knallharte, attraktive Agentin auf ganzer Linie. Auch der restliche Cast (u.a. Toby Jones, Bill Skarsgard, Sofia Boutella, Eddie Marsan, Til Schweiger (!!!)) überzeugt voll und gibt uns mehr oder weniger interessante Charaktere an die Hand, über deren zusammenwirken wir uns immer wieder den Kopf zerbrechen. Hier offenbart sich die Schwäche des Films: Agententhriller sind selten einfach gestrickt, doch zwischen allen von Misstrauen geprägten Gesprächen zwischen den Figuren, ihren Beweggründen und überraschenden Wendungen verliert man irgendwann schlicht den Überblick. So ganz wollte sich die komplizierte Geschichte uns nicht erschließen. Grob konnten wir uns allerdings schon gut damit anfreunden, und die anderen Reize des Films konnten gut darüber hinweg trösten.

Fazit: Atomic Blonde ist ein guter, unterhaltsamer Agententhriller mit einigen ikonischen Bildern, perfekt inszenierter Aktion und mitreißendem Soundtrack. Auch wenn er nicht in die Geschichte eingehen wird, unterhält er auf beste Weise – klare Empfehlung mit 7 von 10 Popcornguys!

Die Hochzeit

Originaltitel: The Wedding
Produktion: A&C Productions
Musik: Pianissimo

Zwei suchende Seelen, die sich auf den ersten Blick gar nicht finden lassen wollten: Andrea und Christian blicken zurück auf eine nicht immer leichte Zeit, und voraus in eine gemeinsame Zukunft – mitten im wohl wichtigsten Tag ihres Lebens. Ein Tag, der viele Nerven und viel Arbeit gekostet hat. Ein Tag, der in seiner Schönheit gegen nichts aufzuwiegen sein wird. Ein Tag, der ihnen für immer in Erinnerung bleiben wird.

Klassische Liebesfilme sind nicht mein stärkstes Gebiet, wobei ich durchaus eine große Schwäche für gut erzählte Beziehungsgeschichten haben. Irgendwo treffen sie uns doch in unserem innersten Herzen. Auch mich, wenn sie nicht gerade voller Kitsch triefen, sondern das gewisse Extra an Realismus mit sich bringen.
Einen Volltreffer hat daher dieser Streifen aus dem neu gegründeten Hause „A&C Productions“ gelandet, der sich vor Vergleichen mit Genrevertretern nicht scheuen braucht, sondern vielmehr in seiner Einzigartigkeit glänzt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht das Liebespaar – zwei Gestalten, die mit höchster Liebenswürdigkeit nicht nur sich gegenseitig, sondern auch alle um sich herum glücklich machen. Dabei verblassen sie zu keiner Sekunde, sondern zeigen – wenn notwendig – sympathische Ecken und Kanten. Besonders hervorheben möchte ich hier die Leistung dieser Darsteller: Wirklich selten sieht man solch eine Chemie auf der großen Leinwand!
Interessanterweise ist die Geschichte zwar nah an diesen beiden Protagonisten, doch wird sie erzählt aus den Augen zweier Junggesellen, die sich fest vorgenommen haben, als die größten Hochzeitscrasher aller Zeiten in die Geschichte einzugehen. Ihre sympathisch-unbeholfene Art versetzt dem ganzen eine gewisse Würze, und sorgt im Kinosaal für ein gutes Maß an Lachern.

Aber nicht nur die Darsteller nehmen den Zuschauer hier mitten hinein ins Geschehen: Von Set über Ausstattung und Musik ist in jeder Szene eine absolute Detailverliebtheit spürbar, wie sie nur in Produktionen mit 100% Herzblut zu sehen ist. Dabei lässt sich „Die Hochzeit“ grob in zwei größere Szenarien einteilen: Der erste Teil des Films beleuchtet die Trauung in der Kirche, welche dank guter Regieleistung und eines hervorragenden Monologs geschickt Rückblicke auf die Vergangenheit der Protagonisten mit den Geschehnissen der Gegenwart und den Hoffnungen der Zukunft verbindet.
Im zweiten Teil des Films stellt sich eine wesentlich gelassenere, aber nicht weniger spannende Partyatmosphäre ein. Hierbei schlägt „Die Hochzeit“ ganz neue Wege ein, und traut sich beispielsweise mit Indiana Jones-Reminiszenzen in genrefremde Gewässer. Eine Formel, die voll aufgeht, denn die Zuschauer werden stets mitten hinein genommen in den angenehmen Mix von tiefen Gefühlen, überschäumender Freude und ausgelassenem Spaß. Aus einer unaufhörlichen Linie voller Höhepunkte sticht das berührende Finale am meisten vor, das auch die härtesten Liebesfilmmuffel dahinschmelzen lässt.

Fazit: Mit dem eigentlich unbeschreiblichen Gefühl, Teil eines wunderbaren, etwas großartigen gewesen zu sein, verharren die Zuschauer im Kinosessel und die Popcornguys im Autositz, und lassen nochmal die wunderschönen Stunden einer ganz besonderen Premerie an sich vorbei ziehen. 10 von 10 Popcornguys!

Liebe Andrea, lieber Christian! Wir wünschen Euch alles Liebe für eure gemeinsame Zukunft!

The Skeleton Twins

Titel: The Skeleton Twins
Regisseur: Craig Johnson
Musik: Nathan Larson
Darsteller: Kristen Wiig, Bill Hader, Luke Wilson

Nach einem Selbstmordversuch trifft Milo (Bill Hader) nach zehn Jahren seine Zwillingsschwester Maggie (Kristen Wiig) wieder. Der depressive junge Mann wird von ihr und ihrem Mann (Luke Wilson) aufgenommen, um wieder ins Leben zurück zu finden. Dabei ziehen sich beide gegenseitig aus den tiefen Löchern, die sich in ihren Leben aufgetan haben.

Als großer Saturday Night Live-Fan hatte ich „The Skeleton Twins“ bald auf der Liste. Nachdem Kristen Wiig und Bill Hader nicht nur innerhalb des SNL-Ensembles zu meinen Schauspielfavoriten gehören, sehe ich sie in jedem Genre gerne – gerade da ich um ihre gute Chemie weiß. So auch in dieser Tragikomödie, die auf so manchen Indiefestivals zahlreiche Preise abräumte.

Bill Hader brilliert hier als homosexueller Mann, der von vergangenen Beziehungen und traumatischen Erlebnissen gebeutelt, keinen echten Ausweg mehr aus seinem verkorksten Leben findet. Das erneute Zusammenleben mit seiner Schwester weckt Kindheitserinnerungen – dies sorgt für witzige und tragische Szenen – und stellt den wichtigsten Schritt im Heilungsprozess dar. Einen fast schon kultartigen Status nimmt hier eine berühmte Lipsinc-Szene ein.
The Skeleton Twins besticht durch seine Chemie zwischen den Figuren – durch die ruhigen Dialoge transportiert Craig Johnson vor allem Gefühle, und verzichtet dafür auf große Storylines und Wendungen. Das macht den Film zu einem kleinen Streifen, der vielleicht nicht überrascht, aber sehr zum Nachdenken anregt.

Grundsätzlich ist es für Schauspieler, die eher aus dem Comedygenre bekannt sind, immer ein Drahtseilakt, sich auf dramatische Rollen einzulassen. Im Falle von Bill Hader und Kristen Wiig klappt es hier sehr gut.

GEWINNSPIEL:
Kommentiert unter dem Artikel, welche Schauspieler es eurer Meinung nach geschafft haben, mit einer guten Rolle mit ihrem Ruf gebrochen haben! Unter allen Kommentatoren verlose ich einen Digital Download-Code für „The Skeleton Twins“. Teilnahme bis 02.06.17

Fremd in der Welt

Originaltitel: I Don´t Feel At Home In This World Anymore
Regisseur: Macon Blair
Musik: Brooke Blair, Will Blair
Darsteller: Melanie Lynskey, Elijah Wood

Die depressive Ruth (Melanie Lynskey) lässt sich von ihren Mitmenschen gnadenlos umherschubsen, bis ein Einbruch in ihrem Haus alles ändert. Nachdem die Polizei kaum handelt, beginnt sie sich selbst auf die Fährte nach den Dieben, und holt sich dabei Tony (Elijah Wood), den schrägsten Vogel der Nachbarschaft, zu Hilfe. Gemeinsam geraten sie dabei nicht nur den Dieben in die Quere…

Das Erstlingswerk des Regisseurs Macon Blair erschien kürzlich auf Netflix. Der Independentfilm um den gestohlenen Laptop und Großmutters Silberbesteck wirkt erstmal wie ein Studentenprojekt, da die Musik von den jüngeren Brüdern des Regisseurs gemacht wurde. Schon bald wird klar, dass sich hier eine kleine Perle verbirgt. Das Duo Melanie Lynskey (die man in Deutschland vermutlich am besten aus ihrer Nebenrolle der Rose in Two and a half man kennt) und Elijah Wood funktioniert auf ganzer Linie. Die größte Stärke des Film findet sich aber auf jeden Fall in seiner Story:

Die sanfte Ruth wandelt genervt von ihrer Umwelt umher, ignoriert die Vordrängler an der Kasse und verräumt den Hundekot auf ihrem Rasen. Ihre Routine wird jäh unterbrochen, als sie ihre Wohnung durchwühlt und ihren wertvollsten Besitz geraubt vorfindet. Weniger der finanzielle Schaden, sondern mehr das Gefühl, in ihrem persönlichen Bereich verletzt worden zu sein, bringt eine Veränderung ins Rollen. Ruth beginnt mit detektivischem Eifer die Nachforschungen. Zur Seite steht ihr Tony, der den harten Kungfu-Kämpfer gibt, aber eigentlich mit weichem Herzen bald von den Ereignissen überwältigt wird.

Mit einigen wirklich guten Bildern, einer Prise Gewalt und viel schwarzem Humor hat „Fremd in der Welt“ meinen Geschmack zu 100% getroffen. Liebhaber von Indiefilmen sollten auf jeden Fall einmal einen Blick riskieren.

Get Out

Titel: Get Out
Regie & Drehbuch: Jordan Peele
Musik: Michael Abels
Darsteller: Daniel Kaluuya, Allison Williams

Achtung: Der Trailer zeigt schon viel, wenn auch nicht unbedingt zu viel!

Der afroamerikanische Fotograf Chris Washington begibt sich mit seiner Freundin Allison zum ersten Mal zu ihrer Familie, um einer großen Feier beizuwohnen. Seine Besorgnis, Allisons Familie, die ihr zufolge „sehr weiß“ ist, könnte sich rassistisch verhalten, wird bald im Winde zerstreut. Die Eltern geben sich bemüht, möglichst weltoffen und locker zu wirken. Eines macht Chris allerdings äußerst stutzig: Alle Afroamerikaner im Umfeld, besonders die beiden Angestellten Walter und Georgina, legen ein seltsam steifes Verhalten an den Tag. Als die Mutter Catherine, die in ihrer psychotherapeutischen Praxis oftmals Hypnose einsetzt, Chris von einer kleinen Behandlung überzeugen kann, ist er bald fest davon überzeugt, in eine Gesellschaft geraten zu sein, die alles andere als normal ist.

Der Regisseur Jordan Peele, der bislang eher für sein komödiantisches Talent im Duo Key and Peele bekannt ist, hat sich mit seinem Regiedebut an einem Horrorthriller versucht, der sich vor Vergleichen mit Genrevertretern absolut nicht fürchten muss.
Peele verknüpft hier die allzu aktuelle Thematik von neu aufkeimenden Rassismus, der sich oftmals unauffällig in unpassenden Bemerkungen äußert, und eine unheimliche Story voller Geheimnisse und bizarrer Weltanschauungen. Hierbei reizt er alle Möglichkeiten von vielfältigen Kameraeinstellungen und hervorragendem Sounddesign ein, die nicht nur an Klassiker der alten Schule erinnern, sondern ein durchgängig unbehagliches Gefühl erzeugen.
Dabei verzichtet das Drehbuch dankenswerterweise auf unrealistische Gedankenspiele und Kurzschlussreaktionen, sondern lässt den Hauptprotagonist stets besonnen durch eine immer verrückter werdende Welt wandeln, in der er sich hin- und hergerissen fühlt zwischen den Ereignissen um sich und der eigenen Paranoia.

Jordan Peele ist mit „Get out“ der große Wurf gelandet. Ein Psychothriller mit Horrorelementen, der dann und wann auch für einen kleinen Lacher sorgen kann, bewegt sich in einem stets unheimlichen Licht, dass den Zuschauer mitnimmt auf eine Reise in eine unwirkliche Gesellschaft, um ihn dann brutal in die Realität zu zerren. Klare Empfehlung!

A Cure for Wellness

Titel: A Cure for Wellness
Regisseur: Gore Verbinski
Musik: Benjamin Wallfisch
Darsteller: Dane DeHaan, Jason Isaacs, Mia Goth

Der aufstrebende Angestellte Mr. Lockhart (Dane DeHann) wird von seiner Firma beauftragt, das Vorstandsmitglied Mr. Pembroke (Harry Groener) aus einer Kuranstalt in den Schweizer Alpen zurück nach New York zurückzuholen, um eine Fusion mit einer anderen Firma eingehen zu können. Der von Pembroke kryptisch formulierte Brief an den Vorstand lässt vermuten, dass er eine plötzliche Abneigung gegen Kommerz entwickelt hat. Lockharts Aufenthalt in der Kuranstalt wird aufgrund seltsamer Umstände verlängert. Bald schon entdeckt er gemeinsam mit der Patientin Hanna (Mia Goth) nach und nach, dass  der Leiter Dr. Volmer (Jason Isaacs) scheinbar nicht nur das Wohl seiner Patienten im Sinn hat.

Der Trailer zu „A Cure for Wellness“ war mal wieder ein kleines Leckerli, das von Anfang an  mein Interesse weckte. Mit hypnotischen, düsteren Bildern und einer Hauptfigur, die offensichtlich in eine Geschichte verwickelt geht, die seine Vernunft auf den Kopf stellt. Dane DeHaan, bekannt aus „Chronicle“, „The Place Beyond the Pines“ und „Metallica: Through the Never“ mimt den ehrgeizigen Bankier, der mit einem von schlaflosen Nächten gezeichneten Gesicht in die vollkommen entschleunigte Welt der Kuranstalt eintaucht. Diese strahlt mit ihrer altbackenen Einrichtung und den rückständig wirkenden Behandlungsmethoden eine schräge, unheimliche Atmosphäre aus.

Dass in dieser Anstalt offensichtlich etwas nicht stimmt, wird schon beim ersten Eintreffen Lockharts deutlich. Hier wird für mich die Ähnlichkeit zu Shutter Island besonders deutlich. Nicht nur Dane DeHaans äußerliche Ähnlichkeit mit Leonardo DiCaprio, sondern auch die Geschichte muss sich den Vergleich gefallen lassen.

Mit teils großartigen Bildern und guten Schauspielleistungen kann „A Cure for Wellness“ zwar gut unterhalten, doch die Lust am gucken wird durch die eindeutig viel zu lange Laufzeit des Films geschmälert. Mit seinen 146 Minuten hätte der Streifen durch manche Kürzungen den Spannungsbogen wesentlich straffer gestalten können.

Trotzdem kann der Horror-Gothik-Anstalts-Thriller durchaus zwei unterhaltsame Stunden liefern – wenn am Ende auch etwas anderes rauskam, als ich erwartete. Für Fans von weirden Geschichten á la Edgar Allan Poe und unheimlichen Legenden um alte Sanatorien wird mit „A Cure for Wellness“ auf jeden Fall Spaß haben.