The Ritual

Titel: The Ritual
Regie: David Bruckner
Musik: Ben Lovett
Darsteller: Rafe Spall, Arsher Ali, Robert James-Collier, Sam Troughton

Vier Freunde durchwandern auf einem Trip die Wildnis Schwedens. Sie tun dies in Erinnerung an ihren Freund Rob, der wenige Monate zuvor bei einem Überfall getötet wurde und diesen Ausflug geplant hatte. Besonders Luke, der den Überfall miterlebte, wird besonders von Schuldgefühlen gequält, die er unterschwellig von seinen Freunden zugeschoben bekommt. Als sich einer der Freunde am Knie verletzt, beschließen sie eine Abkürzung durch die dichten Wälder zu nehmen. Dort treffen sie jedoch auf Dinge, die ihnen den Verstand rauben.

Horrorfilme unterwerfen sich in der heutigen Zeit einigen Regeln: Spoiler sind ein großes Thema, daher sollte man möglichst wenig über den Inhalt wissen (also auch wenn ich den kürzesten Trailer rausgesucht hab: lieber gar nix gucken!) Und: Horrorfilme sind (meiner subjektiven Ansicht nach) entweder platt und unkreativ, oder subtil und großartig inszeniert. Das mag nach einer eher undifferenzierten Meinung klingen, doch spiegelt das nur mein Empfinden wider, das sich mit jedem weiteren modernen Horrorfilm bestätigt. Glücklicherweise zählt „The Ritual“ zur zweiteren Kategorie.

Die vier Freunde, welche sich durch die wunderschönen Weiten Schwedens bewegen, nehmen klassische, aber nicht zu klischeehafte Positionen ein. Die Hauptperson Luke, von der Vergangenheit verfolgt, Hutch der selbsternannte Anführer, Dom der Nörgler und Phil der Schweigsame. Typen mittleren Alters, die ihrem Alltag entfliehen wollen. Die seltsamen Zeichen, auf die sie im Wald stoßen, nehmen sie vorerst mit Skepsis, aber doch mit überspieltem Humor auf – und das war auch alles, was ich zum Inhalt schreiben möchte.

Was lässt sich also sagen? „The Ritual“ ist hervorragend inszeniert. Langsame Kamerafahrten, düstere Nebelschwaden und ein markerschütternder Soundtrack wecken die tiefsten Ängste und schaffen den größten Horror bei hellstem Tageslicht. Dieses subtile Unbehagen, das mich unruhig auf meinem Stuhl hin und her rücken lässt, ist genau mein Stil. Nichtsdestotrotz scheut sich der Film auch nicht, den Zuschauern Gewalt und Schocker um die Ohren zu hauen – nur ist er dabei stets gut ausgewogen. Gerade in der ersten Hälfte des Films geht „The Ritual“ dabei sehr vorsichtig vor, und lässt unsere Charaktere wie auch uns lange im Dunkeln tappen, bis sich die Grausamkeit in seiner ganzen Pracht offenbart. Über die Auflösung und das Finale lässt sich sicherlich streiten, ich bin jedoch zufrieden mit einem Film, der meine Augen kein einziges Mal von der Mattscheibe wandern ließ.

Fazit: „The Ritual“ ist ein klassischer Horrorfilm, der eigentlich nichts neues macht, dafür aber so ziemlich alles richtig. Perfekt für Freunde von subtilem Horror und harten Überlebenskämpfen. 7 von 10 Popcornguys!

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The Discovery

Titel: The Discovery
Regie: Charlie McDowell
Drehbuch: Charlie McDowell, Justin Lader
Musik: Danny Bensi, Saunder Juriaans
Darsteller: Jason Segel, Rooney Mara, Robert Redford

Dem Wissenschaftler Dr. Thomas Harbor gelang die größte Entdeckung der Menschheit: Er konnte Beweise vorlegen, dass subatomare Wellenlängen den Körper eines Menschen im Augenblick seines Todes verlassen. Damit war die Existenz des Leben nach dem Tod bewiesen. Seine Entdeckung zog folgenschwere Konsequenzen nach sich – innerhalb weniger Jahre nahmen sich mehrere Millionen Menschen in der Hoffnung auf ein friedvolles Jenseits das Leben. Nach heftigen Kontroversen zog sich Dr. Harbor in die Abgeschiedenheit zurück, wo ihn schließlich sein Sohn Will nach Jahren aufsucht, um ihn davon zu überzeugen, die Forschung aufzugeben, um weitere Tote zu verhindern.

Nachdem ich diesen Trailer das erste mal gesehen habe, war ich augenblicklich angefixt. Er schaffte es mit ungemein wenig Information, aber beeindruckenden Bildern einen Gedankengang anzuregen, der sich in etwa so äußerte: „Aha, Netflix-Film mit Marshall und Rooney Mara … sieht nach Liebensfilm aus … ahja Robert Redford spielt auch mit … da ist ja Meth Damon … Moment mal, irgendwie komisch … wtf … ok, BIN DABEI!“
Nun, so sehr ich mich dann drauf gefreut hab, hat es dann doch eine ganze Weile gedauert, bis ich mir den Film ansehen konnte. The Discovery wurde auf dem Sundance Festival uraufgeführt und danach direkt auf Netfilx veröffentlicht. Damit war er einer der ersten Filme, die dieses „Schicksal“ ereilte, aber dazu brauche ich mich jetzt nicht äußern.

Es mag dem ersten Eindruck geschuldet sein, aber ich bin ziemlich begeistert von diesem kleinen, feinen Film. Die Grundthematik – Leben nach dem Tod, wissenschaftliche Experimente an der Grenze der Ethik, philosophische Theorien über das Sterben, ich war grundsätzlich angetan. Dazu schafft es der Film, ein derart trübes Setting zu erzeugen, das es nicht zu verwundern mag, dass sich in dieser Welt unzählige Menschen täglich das Leben nehmen. Jason Segel mimt einen Neurologen, der die große Entdeckung äußerst kritisch betrachtet, und sich in einen Kampf gegen Windmühlen begibt. Sein Vater hat sich in einem irrwitzig großen Haus eine Forschungseinrichtung eingenistet, wo er sich mit labilen Personen umgibt, welche bedürftig nach einer schützenden Umgebung gesucht haben. Dabei kontrolliert er die Kommune wie ein obskurer Sektenführer, der sämtliche Fäden in der Hand hat. Nur auf Wills Seite scheint Isla, eine suizidgefährdete junge Frau, die er auf dem Weg zu seinem Vater getroffen hat. Gemeinsam mit ihr sucht er verzweifelt nach einer Möglichkeit, dem Massensterben in der Welt Einhalt zu gebieten.
Das klingt erstmal seltsam und hätte Potential, unglaubwürdig und cheesy zu wirken. Die düstere Grundstimmung, unterstützt vom tief wummernden Soundtrack beugt dem aber vor, wobei gerade die aufkeimende Beziehung zwischen Will und Isla für so manche komische Momente sorgt.

„The Discovery“ lässt sich viel Zeit, seine Geschichte zu erzählen. Leise und subtil präsentieren sich die Charaktere, deren Beweggründe der Zuschauer eher aus ihrer Mimik erschließt, als durch ihre Dialoge. Hier muss ich besonders Robert Redford betonen, der allein durch seine Präsenz glänzt. Sein langsames Tempo wirft „The Discovery“ zum Ende hin über Bord, und spült die Zuschauer wie eine hohe Welle von den Füßen.

Fazit: „The Discovery“ ist wohl ein Film, den man mögen muss. Sein ruhiges Tempo gibt allerdings genug Möglichkeit, sich in diese seltsame Welt hineinzurätseln, und die undurchsichtigen Charaktere einzuordnen, nur um dann wieder überrascht zu werden. Beeindruckend, nachdenklich stimmend, niederschmetternd: 8 von 10 Popcornguys

Wunder

Originaltitel:y Wonder
Regie: Steven Chbosky
Maske: Arjen Tuiten
Darsteller: Jacob Tremblay, Julia Roberts, Owen Wilson

Der 10-jährige Auggie (Jacob Tremblay) ist aufgrund eines Gendefekts schwer entstellt. Selbst nach zahlreichen Operationen muss er sich unangenehmen Blicken aussetzen, vor denen ihn seine Eltern so gut es geht schützen wollen. Als er nun endlich zum ersten Mal in eine Schule geht, muss er sich und seine Mitmenschen neu kennen lernen.

Ein Drama mit so einem Plot, voll mit nahbaren Charakteren, die ihre Probleme teils offen in die Welt tragen, teils still mit sich herumtragen, läuft schnell Gefahr, allzu schwer auf die Tränendrüse drücken zu wollen. Diesem Vorurteil kann sich „Wunder“ nicht immer erwehren, punktet aber doch mit einer eigenständigen Geschichte, die von konventionellen Erzählmethoden abweicht.

Der Cast wirkt durchweg solide: Jacob Tremblay spielt trotz zentimeterdicker Maske im Gesicht sehr überzeugend und haucht einem Jungen Leben ein, der Tag für Tag auf den Umstand, nicht „normal“ zu sein, erinnert wird. Julia Roberts als fürsorgliche Mutter und Owen Wilson als flippiger Vater passen gut ins Ensemble. Ebenso die restlichen Darsteller, angefangen von Auggies großer Schwester über den Schulrektor hin zu den Schülern. Diese sorgen zwar für manche gar hölzerne Szenen und peinliche Dialoge (mag auch an der deutschen Synchro liegen), aber geben insgesamt ein gutes Bild ab. Interessant ist, dass wir nicht nur Auggie als Hauptperson im Mittelpunkt begleiten, sondern auch Ausflüge in Form von Portraits seiner Familienmitglieder und Freunde hinzukommen. Dies sorgt nicht nur für Abwechslung, sondern gibt den Figuren auch viel Tiefe und überraschende Einsichten in deren Denken und Handeln. Diese Erzählform scheint der Film zum Schluss hin allerdings zu vergessen. Ich kenne die Romanvorlage nicht, könnte aber an dieser liegen – da hätte mir etwas mehr Kontinuität besser gefallen.

Auggies großer Schritt in die Schule und damit in eine größere Umgebung mit regelmäßigen Kontakt zu anderen Menschen wird begleitet von zu vermutenden Themen: Angst vor Fremdem, Neugier, Mobbing, Freundschaft. Dies verpackt der Film äußerst charmant, sodass ich mir den Einsatz dieses Filmes auch sehr gut in Schule und Jugendarbeit vorstellen kann. Auggies Blick auf die Welt – verbunden mit seiner lebhaften Fantasie, eröffnet den Blick auf die Welt eines Außenseiters und lässt uns kritisch auf unser eigenes Verhalten blicken. „Wunder“ schafft es, all das zu bearbeiten, ohne sich völlig in Klischees zu verlieren.
Die vielen Handlungsstränge, welche die vielen Charaktere mit sich bringen, geben der Geschichte viel Tiefe, behindern allerdings auch etwas das Pacing. Zwar würde das der Buchvorlage nicht gerecht werden – aber ein paar Kürzungen hätten dem Film vermutlich ganz gut getan.

Fazit: Charmant, witzig, mit ganz viel Herz. „Wunder“ bringt zum Lachen und berührt den Zuschauer. Zuschauern allen Alters vermittelt er großartige Botschaften zu Familie, Freundschaft und Mobbing – ohne zu moralisieren, sondern schlicht an die Menschlichkeit zu appellieren.

Super Dark Times

Regisseur: Kevin Philips
Kamera: Eli Born
Musik: Ben Frost
Darsteller: Owen Campbell, Charlie Tahan, Elizabeth Cappuccino

Die seit Kindestagen befreundeten Teenager Zach (Owen Campbell) und Josh (Charlie Tahan) schlagen sich mit den üblichen Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens herum, bis ein schrecklicher Unfall ihre Freundschaft auf eine harte Probe stellt. Zach wird fortan nicht nur von der Angst, die Wahrheit komme ans Licht, sondern auch von der Sorge um seinen Freund geplagt. 

Das Spielfilmdebut von Kevin Philips wurde bald nach seinem Erscheinen als Geheimtipp gehandelt. Das Teenager-Drama wurde in einem Atemzug mit „Donnie Darko“, „Stranger Things“ (obwohl Super Dark Times in den 90ern spielt) und „Stand by me“ genannt – und das gar nicht zu unrecht. Schon in der beinahe fesselnden Eröffnungssequenz macht Philips deutlich, was er draufhat. Audiovisuelle Höchstleistung zieht sich durch den kompletten Film – obwohl sich der Regisseur viel Zeit lässt, uns die Charaktere näher kommen zu lassen. Die heranwachsenden Jungs verbringen ihre Tage mit Videospielen und vulgären Witzen, der Suche nach dem eigenem Bild und der großen Liebe. Ein einschneidendes Erlebnis lässt das alles vergessen und versetzt die beiden Freunde in eine Schockstarre, die von bizarren Träumen und Paranoia unterbrochen wird. Hinzu kommt das Mädchen Allison (Elizabeth Cappuccino), die sich für Zach interessiert, und plötzlich ungewollt zwischen die Jugendlichen gerät.

Mit unaufgeregten Bildern schlägt der Film einen großen Bogen von klassischem Coming-of-Age-Drama über subtilem Horro, der an Donnie Darko erinnert, bis hin zu einer Prise Psychothriller. Für ein Debut definitiv eine große Leistung, die gewürdigt werden muss. Ebenso die wirklich gute schauspielerische Leistung der jungen Darsteller, die ihren Figuren glaubhaft Leben einhauchen.

Fazit: Wer Coming of Age-Filme mit einem gewissen Etwas mag, Fan von subtilem Horror ist und sich gerne von großartigen Bildern verzaubern lässt, sollte Super Dark Times auf jeden Fall auf seine Liste setzen! 8 von 10 Popcornguys

Aus dem Nichts

Regisseur: Fatih Akin
Musik: Joshua Homme
Darsteller: Diane Kruger, Denis Moschitto

Das Leben von Katja Sekerci stellt sich mit einem Schlag auf den Kopf, als ihr Mann Nuri und der gemeinsame Sohn Rocco bei einem Bombenanschlag im Büro ihres Mannes ums Leben kommen. Nicht nur die schmerzliche Trauer, sondern der Wunsch nach Gerechtigkeit setzen ihr schwer zu, denn die Ermittler konzentrieren sich auf die kriminelle Vergangenheit Nuris – bis es schließlich zum Prozess kommt, der Katja alle Kräfte kostet.

Ich muss zugeben – würde „Aus dem Nichts“ nicht so viel internationale Aufmerksamkeit einfahren, hätte ich ihn mir vermutlich nicht im Kino angesehen. Auch wenn Fathi Akin schon längst ein großer Name in einer doch eher kargen deutschen Filmlandschaft ist, hat mich dieses Drama nicht unbedingt angesprochen. Nachdem „Aus dem Nichts“ in Cannes gefeiert, und nun sogar in die Auswahl möglicher Oscarkandidaten geraten ist, musste ich nun doch einmal einen Blick riskieren.
Präsentiert wurde mir hier ein tiefgreifendes Drama in drei Akten, das deutlich an die Nieren geht. Der Film lässt kein Detail aus, uns den Schmerz einer Frau in allen Einzelheiten darzulegen, die alles verloren hat. Hier ein großes Lob an Diane Kruger, die ihre Rolle auf so großartige Weise ausfüllt, dass es wehtut hinzusehen.
Der mittlere Teil des Films erzählt den Verlauf der Prozesse, wo die empfindliche Emotionalität einer trauernden Mutter und Ehefrau auf die kalte Amtsssprache eines Gerichtssaals trifft. Fatih Akin hat selbst mehreren NSU-Prozessen zu Recherchezwecken beigewohnt, und das merkt man deutlich. Nicht nur wird ein realistisches Bild eines Prozesses gezeichnet, sondern auch der – völlig zurecht kritisierte – sehr schwierige Umgang der Behörden in den realen NSU-Prozessen.
Schließlich führt der dritte Akt Katja auf ihren ganz persönlichen Weg, mit den Geschehnissen umzugehen. Ohne spoilern zu wollen, muss ich sagen, dass ich mir an dieser Stelle einen etwas anderen Ausgang der Geschichte gewünscht hätte. Möglicherweise ist es so aber auch der nachvollziehbarste Weg, den Katja hier beschreitet.
So oder so hat Fatih Akin hier erneut einen Film geschaffen, der seinem Hauptcharakter so nah kommt, dass man förmlich mitfühlt, und das schaffen nur die wenigsten Filme.

Der Soundtrack begleitete den Film meist unauffällig, doch teils mit einer Mischung aus treibenden, tiefen Bässen und leisen, unangenehm passenden Streichern, die gerne mal die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. Völlig überrascht war ich, als ich in den Credits las, das dafür kein geringerer als der Queens of the Stone Age-Frontmann Josh Homme verantwortlich ist. Fatih Akin hat sich beim Schreiben von dessen Musik inspirieren lassen, sodass er kurzerhand Homme bat, nicht nur einen Song zum Score beizusteuern, sondern gleich den kompletten Soundtrack zu schreiben.

Fazit: Auch wenn „Aus dem Nichts“ nicht in die Geschichtsbücher der Filmlandschaft für eine unkonventionelle Geschichte eingehen wird, bin ich doch tief berührt von seiner emotionalen Wucht und der schauspielerischen Leistung Diane Krugers. Ich gönne Fatih Akin jeden Preis, denn er weiß einfach seine Zuschauerschaft zu fesseln. Klare Empfehlung für alle, die sich auf ein hartes Drama einlassen können. 7 von 10 Popcornguys

Personal Shopper

Titel: Personal Shopper
Regisseur: Olivier Assayas
Kamera: Yorick Le Saux
Darsteller: Kristen Stewart, Lars Eidinger, Sigrid Bouaziz



Die Amerikanerin Maureen (Kristen Stewart) arbeitet in Paris für die Prominente Kyra (Nora von Waldstätten) als Personal Shopper – sie reist durch ganz Europa, um Kleidung, Schmuck und Schuhe für ihre Arbeitgeberin einzukaufen. Eigentlich hasst sie diesen Job, doch ist sie auf ihn angewiesen, um weiter in Paris warten zu können. Genau wie ihr Zwillingsbruder Lewis ist sie ein Medium mit besonderer Sensibilität zum Jenseits. Maureen wartet geduldig am Ort seines Todes, um ein letztes Zeichen von Lewis zu erhalten.

Personal Shopper machte auf sich aufmerksam, als Olivier Assyas in Cannes als bester Regisseur dafür geehrt wurde. Das nachdenklich stimmende, ruhige Drama um eine junge Frau, die sich an die Vergangenheit klammert, um den Schmerz um sich herum ertragen zu können, entstand nach der ersten Zusammenarbeit zwischen Assyas und Stewart in „Die Wolken von Sils Maria“. Dem Drehbuchautor und Regisseur ist damit ein Glücksgriff gelungen, denn Kristen Stewart füllt diese Rolle mit einer unauffälligen, und doch starken Präsenz, sodass man kaum die Augen von ihr abwenden möchte.

Ein ganzes Stück dazu leistet vermutlich die Arbeit des Kameramanns, der in ungewöhnlichen, und doch unaufgeregten Blickwinkeln eine bittere wie schöne Atmosphäre schafft.

Eigentlich ist es ein schweres Stück, dass uns Assyas da vorsetzt: Einerseits begleitet der Zuschauer eine junge Frau in einer schwierigen Phase ihres Lebens, mitten im Versuch, den eigenen Weg ausfindig zu machen. Gleichzeitig werden hier Geisterséancen, Übersinnliche Kunst und Philosophie über Seele und Jenseits ins Spiel gebracht. Heraus kommt ein kalt wirkendes Werk, das den Betrachter unschlüssig zurück-, und doch nicht loslässt.

Fazit: Auf leisen Sohlen dringt diese Geschichte in den Kopf derjenigen ein, die sich darauf einlassen. Personal Shopper ist ein ruhiger Film, der einem beizeiten aber auch auf die Stuhlkante rutschen lässt. Ein Tipp für Kristen Stewart-Fans und alle, die sich auf eine ungewöhnliche Reise einlassen wollen. 8 v0n 10 Popcornguys! 

Killers Bodyguard

Originaltitel: Hitman´s Bodyguard
Regisseur: Patrick Hughes
Musik: Atli Örvarsson
Darsteller: Ryan Reynolds. Samuel L. Jackson, Élodie Yung, Gary Oldman, Salma Hayek

Der ehemalige weissrussische Präsident Vladislav Dukhovich (Gary Oldman) steht wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen vor dem internationalen Gerichtshof. Um ihn zu verurteilen, ist die Aussage des höchst gefährlichen Auftragskillers Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) nötig, welcher unter Schutz einer Interpol-Einheit, angeführt von der Agentin Amelia Roussel (Élodie Yung), beinahe einem Anschlag zum Opfer fällt. Sie sieht nur einen Ausweg, Kincaid sicher zum Gericht zu bringen, und zieht den ehemaligen Nr. 1-Personenschützer Michael Bryce (Ryan Reynolds) hinzu. 

Das Skript zu „Hitmans Bodyguard“ wurde schon vor der Verfilmung gelobt, allerdings handelte es sich da noch eher um ein Drama. Innerhalb kurzer Zeit hat man daraus aber eine Buddy/Roadmovie/Actionkomödie gemacht, die zwar keine ausgetretene Pfade verlässt, sondern sich auf bekannte Formeln verlässt, aber dennoch eine jede Menge Spaß macht.

Der Regisseur Patrick Hughes, der bisher nur für eher zweifelhafte Meisterwerke wie „Expandebles 3“ verantwortlich ist, macht einen grundsoliden Job: Die Charaktere angenehm überzeichnet, das Tempo rasant, und die Action gut inszeniert, feiert „Killers Bodyguard“ jedes Klischee, das man in einer Actionkomödie nur unterbringen kann. Dabei schickt uns der Film durch harte Faustkämpfe, blutige Schießereien und wahnwitzige Verfolgungsjagden, lediglich unterbrochen von kleinlichen Streitereien zwischen den Hauptfiguren.

Dabei ist es die hervorragende Chemie zwischen Reynolds und Jackson, die ihre Hassliebe herrlich ausspielen, und ihre gemeinsame Vergangenheit mit Flashbacks gut ausstatten. So stürzen der korrekte Bodyguard und der spontane, wahnsinnige Auftragskiller von einer verrückten Situation in die nächste, stets hin- und hergerissen sich gegenseitig zu ermorden oder sich doch das Leben zu retten. Sicher könnte man hier Typecast vorwerfen, und ankreiden, dass die beiden nur ihre typischsten Rollen ausfüllen, aber die Harmonie stimmt.
Auch der restliche (groß besetzte) Cast liefert gut ab, wenn auch der ein oder andere Storystrang den Film etwas überfrachtet, und gerade der Showdown dann etwas zu viel für mich war. Nichtsdestotrotz sieht man den Darstellern einfach an, dass der Dreh viel Spaß gemacht haben muss – allein das ist für mich mittlerweile ein bedeutendes Qualitätsmerkmal.

Fazit: Over-the-Top Action, irre Verfolgungsjagden, Gewalt und jede Menge Flüche: Nichts neues, aber jede Menge Spaß! Wer Lust auf einen witzig-abgedrehten Abend hat: Ab ins Kino, Motherfuckers!