Serien-Special: Narcos

Titel: Narcos
Produktion: Netflix
Darsteller: Wagner Moura, Pedro Pascal, Boyd Holbrook

Kolumbien in den 80er Jahren: Nachdem sich Marihuana langsam auf dem absteigenden Ast befindet und von Kokain verdrängt wird, wittern die kriminellen Genies ihre Chance auf das große Geld. Der US-amerikanische DEA-Agent Steve Murphy (Boyd Holbrook) begibt sich mit seinem Partner Javier Pena (Pedro Pascal) in den Kampf gegen das Drogenkartell, angeführt von Pablo Escobar (Wagner Moura). Bald müssen die Ermittler aber feststellen, dass sie im von Korruption beherrschten und von Brutalität erschütterten Kolumbien jede Menge Tricks brauchen, um gegen die Drogenbosse vorzugehen.

Mit dem Namen Pablo Escobar kann eigentlich jeder etwas anfangen, aber zum exakten Aufstieg des Drogenmoguls bin auch ich ratlos. Wie gut, dass Netflix hier wieder mit einer aufwändig produzierten Serie in die Bresche springt, die mich von der ersten Folge an gefesselt hat. Für alle, die wie ich um die Geschichte Escobars nicht so gut Bescheid wissen, werde ich auf Storydetails verzichten und einfach schon jetzt eine Empfehlung aussprechen.

Doch auf den einen oder anderen Schwerpunkt der Serie möchte ich doch eingehen: Ganz offensichtlich wurde hier ein beträchtliches Budget in die Hand genommen, was jeder Serie gut tut. Die Schauorte wirken durchweg realistisch und lassen die Zuschauer in die 70er und 80er eintauchen. Der Cast überzeugt auf ganzer Linie, auch wenn ich über Pablo Escobar persönlich nichts weiß, kann ich Wagner Moura für die Darstellung nur loben: Wer diesen stets gleichgültig wirkenden, irgendwie grummlig-sympathischen Kolumbianer, der sich innerhalb einer Millisekunde in einen blutrünstigen Killer wandelt, erlebt, kann nur eine zu gute Vorstellung von diesem Gangster bekommen.

Doch von spannend geschriebenen Drehbuch, überzeugendem Cast und guter Musikauswahl abgesehen sind es zwei Details, die Narcos für mich zu einer herausragenden Serie machen:

Der Realismus der dargestellten Ereignisse wird unterstrichen von tatsächlichen Fernsehaufnahmen und Fotos, die mir beim Betrachten stets einen kleinen Schauer über den Rücken jagen, da bei diesen Bildern sich dann doch plötzlich der Gedanke einstellt: Was ich dort sehe, ist wirklich passiert!
Gerade in Anbetracht dessen, wie aberwitzig viel Geld Escobar verdient hat, und mit welch brutaler Konsequenz er gegen seine Gegner vorgegangen ist, ist das Einspielen von echten Aufnahmen noch erschütternder.

Der zweite Punkt ist die Sprache: Steve Murphy als US-Amerikaner spricht mit seinen Kollegen und seiner Familie natürlich englisch, davon abgesehen ist die Sprachausgabe fast komplett in spanisch gehalten. Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, nämlich dass Escobar und seine Partner, die kolumbianische Regierung und Polizei, und alle Einwohner des Landes in ihrer Sprache sprechen, wird von den Serienmachern konsequent durchgesetzt. Für mich fördert dies die Atmosphäre der Serie ungemein, und ich würde mir wünschen dass sich mehr Filme und Serien solch eine Konsequenz zutrauen.

Narcos startete Ende August auf Netflix – die zweite Staffel wurde schon bestellt, was mich sehr glücklich macht. Euch allen kann ich nur raten, gebt der Serie mal eine Chance – wer sich für organisierte Kriminalität und Drogenkriege interessiert, kann hier nichts falsch machen!

Advertisements

Serien-Special: Dexter (Staffel 1)

Titel: Dexter
Produktion: Showtime
Genre: Krimi, Drama
Darsteller: Michael C. Hall, Jennifer Carpenter, Julie Benz

Dexter, erfolgreicher Gerichtsmediziner im Auftrag der Polizei von Miami ist ein Meister seines Fachs. Besonders auf Blutspuren spezialisiert kann er allein aufgrund von Spritzern den Tathergang schlussfolgern. Nicht nur seine berufliche Kompetenz, sondern sein ungemeiner Charme machen ihn nicht nur bei Kollegen sehr beliebt. Auch privat läuft es für Dexter gut – er unterhält einen vertrauten Umgang zu seiner Stiefschwester und Polizistin Debra, und führt eine glänzende Beziehung zu seiner Freundin Rita und ihren Kindern. Hinter der nett lächelnden Fassade verbirgt sich aber eine ganz andere Person: Dexters wahres Ich ist ein gefühlsloser, eiskalter Killer. Mit dem nötigen Fachwissen ausgestattet gelingt es ihm, grausame Morde zu verüben ohne je in Gefahr zu schweben, erwischt zu werden. Ein verquerer Gerechtigkeitssinn lässt Dexter seine Opfer unter jenen aussuchen, die vom Rechtssystem nicht belangt werden. Seine Sammlung von Bluttropfen aufstockend, begegnet er schließlich einem Serienmörder, der ihm ebenbürtig erscheint. 

Die vielfach besprochene und allerorts gelobte Serie „Dexter“ habe ich nun endlich auch begonnen, und lasse mich schon zu einem Urteil hinreissen. Die ausschweifenden Gedankengänge Dexters, ob sie sich nun auf sein Essen konzentrieren, auf sein Unvermögen, andere Menschen zu verstehen oder auf seine Begeisterung gegenüber der Mordfälle, es macht ungemein viel Spaß ihn zu begleiten. Der visuelle und dramaturgische Aufbau der Serie lässt uns zwar sehr nah an Dexter heran, bietet aber eine unverfälschte Identifikationsmöglichkeit. Auch wenn wir seine Beweggründe teilweise nachvollziehen können, verschließt die Serie die Tatsache, dass Dexter ein krankhaft gestörter Mensch ist, nicht vor uns. Auch wenn seine heillose Hilflosigkeit im Umgang mit anderen Menschen, die sich in seiner perfekt geschauspielerten Lässigkeit ausdrückt, Mitleid mit ihm hervorruft, schreckt seine kaltblütige Mordtechnik den Zuschauer doch immer wieder auf. Das erfordert durchaus viel Können von Hauptdarsteller Michael C. Hall, was aber m.E. durchaus sehr gut erbracht wird.

Auch die anderen Figuren in diesem blutigen Theater haben durchaus viel Tiefe, wenngleich wir sie nie so stark kennenlernen wie Dexter. Ob es nun die engagierte und ehrliche Stiefschwester Debbie, die emotional etwas labile Freundin Rita, die Kollegen in der Pathologie oder die Detectives im Morddezernat sind – die meisten Figuren werden ziemlich glaubwürdig dargestellt.

Rein visuell besitzt „Dexter“ äußerst schöne Momente, und man merkt, dass durchaus talentierte Menschen hinter den Kameras und den Drehbüchern sitzen – das äußert sich schlicht in einer spannend erzählten Geschichte.

Für Freunde von Krimiserien bietet Dexter zwar durchaus Stoff, doch liegt der Fokus hier in der Psyche Dexters. Der Zuschauer versucht zu verstehen, was in ihm vorgeht, was seine Motivation ist und fiebert seinen Werdegang mit. Natürlich, da die Staffeln durchgehend ohne Jugendfreigabe erscheinen, darf man sich auf die eine oder andere blutige Szene vorbereiten, doch übertreiben die Macher hier nicht. Was an Gewalt selbst geschieht, zeigen sie meist recht subtil – das Ergebnis muss dann aber geduldig betrachtet werden.

„Dexter“ lief  bereits im Free-TV, doch die ungekürzte DVD-Fassung ist zu empfehlen, vor allem da die ersten Staffeln inzwischen zu einem sehr günstigen Preis zu erwerben sind. Im Übrigen steht schon jetzt fest, dass die noch zu produzierende 8. Staffel die letzte der Serie sein wird. Ich habe noch einen langen Weg vor mir..

popcornguy+8von10

Serien-Special: Castle (Staffel 1 & 2)

Titel: Castle
Produktion: ABC
Genre: Dramedy
Darsteller: Nathan Fillion, Stana Katić, Seamus Dever, Javier Huertas

(c) castle.wikia.com

Der erfolgreiche Romanautor Richard Castle verlebt durch seine Krimis, die sich stets auf einem schmalen Grat zwischen Kunst und Kitsch befinden, ein Dasein in der High Society New Yorks. Nachdem die Polizei in Mordfällen ermittelt, die offensichtlich von seinen Büchern inspiriert sind, wird Castle den Ermittlungen als Berater zur Seite gestellt. Mit der zielstrebigen Ermittlerin Det. Kate Beckett kann er nicht nur die Fälle lösen, sondern er entdeckt auch neue Inspiration für seine Bücher. Mit seinen guten Beziehungen zum Bürgermeister kann er erwirken, dauerhaft als Berater an der Seite von Det. Beckett zu fungieren – die davon gar nicht begeistert ist. Vor allem, da sie als Vorlage für seine neue Romanfigur Nikki Heat dient.

Nathan Fillion ist meines Erachtens einer der meist unterschätzten Schauspieler, die sich über die Schirme tummeln. Viele Serien dürfen sich seiner charismatischen Art erfreuen, so auch die Serie Castle. Eigentlich bin ich kein großer Freund von Krimiserien, doch bei Castle erlag ich wohl dem Umstand, dem viele Fans der Sci-Fi-Serie Firefly erliegen – der Hauptdarsteller, der nicht mit Anspielungen auf seine Rolle in Firefly geizt. Subtile Anspielungen auf zahlreiche Filme uns Serien – auch ohne das Mitwirken von Nathan Fillion – kommt bei mir gut an.

Nach Sichtung der ersten beiden Staffeln kann ich nun endlich ein Resümee ziehen:
Die stets mit einem Lächeln auf den Lippen gehaltenen, hitzigen Wortgefechte zwischen Castle und Beckett, die von Anfang an Ausdruck ihrer Hassliebe ist, harmonieren wunderbar mit dem durchaus düsteren Grundton der Serie: Ungewöhnliche und rätselhafte Mordfälle nehmen in jeder Folge nicht nur einen columboesken Anfang, sondern stricken sich stets zu einem mehr oder weniger überraschenden Finale weiter. Ganz klar dominiert die Beziehung zwischen Castle und Beckett die Serie, doch leisten auch andere Schauspieler, darunter die Kollegen Esposito und Ryan sowie Castles Tochter und seine Mutter überzeugende Arbeit.

Zugegeben, so fesselnd wie The Wire wird diese Krimiserie nie werden, doch habe ich längst über die nerdige Suche nach Anspielungen hinaus großes Interesse an der die Fälle überspannenden Geschichte entwickelt, sodass ich die momentan fünf Staffeln umfassende Serie auf jeden Fall weiter gucken werde. Über die manchmal weniger spannenden Folgen hinweg lässt sich doch eine Story ausmachen, der es sich zu folgen lohnt, und dafür erhält Castle von mir 7 von 10 Popcornguys!

popcornguy+7von10

Der Tatortreiniger (Serien-Special)

Titel: Der Tatortreiniger
Produktion: Studio Hamburg
Genre: Comedy
Darsteller: Bjarne Mädel

Hier ein Teaser vom offiziellen Youtubekanal (der einen Besuch wert ist!)

Die staatlich geprüfte Reinigungskraft Heiko „Schotty“ Schotte hat sich auf ein ganz bestimmtes Arbeitsfeld konzentriert: Schauplätze blutiger Taten. Der als Tatortreiniger beschäftigte HSV-Fan stellt sich nicht nur überall mit seinem Slogan „Meine Arbeit fängt da an, wo sich andere vor Entsetzen übergeben“ vor, sondern hat während seiner Arbeit auch so manch skurrile Begegnung.

Schotty hats nicht leicht, in der deutschen Serie „Der Tatortreiniger“. Obwohl er mit einer unglaublich gelassenen und bodenständigen Art durch das Leben stolpert, muss er sich doch mit allerlei schwierigen Mitmenschen auseinandersetzen: Da wären exzentrische Schriftsteller, unheimliche Senioren und pfiffige Prostituierte, die mehr oder weniger zufällig an jenem Tatort auftauchen, den Schotty zu reinigen gedenkt.
Leider umfasst die erste von mir gesehene Staffel nur vier Folgen, doch die Produktion der zweiten Staffel, und die vor allem im Internet schnell aufgekommene Beliebtheit spricht für sich: Hier wird uns Qualitätsfernsehen im Form einer kammerspielartigen Serie, angesiedelt zwischen Krimi und Komödie, geboten. Schotty ist ein ursympathischer, etwas proletischer Zeitgenosse, dessen verständnisloses „Wa?“, welches er seinen Mitmenschen gerne entgegenwirft, wir nur zu gut nachvollziehen können.

Über deutsche Produktionen kann man sagen, was man will, aber „Der Tatortreiniger“ brilliert. Subtiler Witz und Situationskomik spielen sich gekonnt in die Hände, ohne auf billigen Slapstick zurückgreifen zu müssen. Unter der Regie von Arne Feldhusen, der sich u.a. für Produktionen wie Stromberg und Ladykracher verantwortlich zeigt, entstand somit eine nette Serie, die zwar weder das Rad neu erfindet, noch als der heißeste Shit seit Monty Python in die Geschichte eingehen wird, aber dennoch für 25 Minuten sehr gut unterhält – und das ist alles, was man von dieser Serie erwartet!

7 von 10 Popcornguys

Serienspecial: The Wire (Staffel 1)

Titel: The Wire
Produktion: David Simon, Robert F. Colesberry
Musik: Tom Waits
Schauspieler: Dominic West, Larry Gilliard Jr., Sonja Sohn

Hier der Trailer

Auf den von Drogen verseuchten Straßen von West-Baltimore braucht man manchmal mehr als nur eine Dienstmarke um zu unterscheiden, wer auf welcher Seite des Gesetzes steht. Eine große Ermittlung in einem Drogen- und Mordfall entwickelt sich bald zu einer komplexen Überwachungsaktion mit Abhörgeräten. Die Polizisten tauchen ein in die Welt der Kriminellen – eine Welt, in der Gut und Böse in einer Grauzone untrennbar verschwimmen. Schuld und Sühne sind keine Begriffe mehr, die dieser Situationen gerecht werden.

Das der Name HBO für US-amerikanische Serien hoher Qualität steht, ist inzwischen auch diesseits des großen Teichs angekommen. Gerade läuft im deutschen Free-TV die überall bejubelte Serie „Game of Thrones“. Das Erfolgsrezept von HBO liegt meines Erachtens in der Tatsache, dass sie sich nicht davor scheuen, für ein gutes Konzept richtig Geld in die Hand zu nehmen, und eine teure Serie zu produzieren. Das kann natürlich auch mal schief gehen, wie „Rom“ gezeigt hat, wobei das Einstellen der Serie inzwischen bereut wird. Wie dem auch sei – mit „The Wire“ wurde von HBO eine qualitativ hochwertige wie in sich geistreich und spannend erzählte Serie geschaffen. Dass die Story und die damit zusammenhängende Charakterentwicklung recht komplex ist, ist zu erwarten, weswegen das Verpassen einer Folge ähnlich fatale Folgen haben kann wie bei „Lost“.

Kommen wir zum Inhalt: Jim McNaulty, seines Zeichens Detective bei der Mordkommission von Baltimore, mag nicht mehr. Obwohl es seinen Arbeitsbereich nur nebensächlich tangiert, stinkt ihm der blühende Drogenhandel in West-Baltimore gewaltig. Besonders die Unfähigkeit der Polizei, gegen das kleine Drogenimperium des Kriminellen Avon Barksdale vorzugehen, stört ihn. So informiert er einen Richter über die Umstände in den sog. Sozialbauten. Damit tritt er eine Lawine los. Nicht nur sein direkter Vorgesetzter, sondern auch deren Vorgesetzte sind über McNaultys Eingreifen verärgert: Sie sind nun gezwungen, im Fall „Barksdale“ zu ermitteln. Dazu muss die Polizei aus ihren Alltagstrott erwachen und eine eigene Sondereinheit gründen, die nicht nur äußerst schlecht mit Geldmitteln ausgestattet wird, sondern auch mit allen unbeliebten Kollegen besetzt wird, die die Polizei zu bieten hat. Dass diese Truppe wenig Motivation hat, diesen Fall zu bearbeiten, liegt auf der Hand. McNaulty ist jedoch voller Eifer, diese Sache anzupacken. Je weiter die Sondereinheit in die Welt des Drogenhandels und den damit einhergehenden Mordfällen eintaucht, umso interessierter wird sie, und so beginnt ein verzweifelter Kampf, den Verbrecherring zu sprengen.
Damit habe ich aber nur eine Hälfte der Serie beschrieben. Auf der anderen Seite steht besonders D’Angelo Barksdale, der Neffe des „Drogenkönigs“. Frisch von der Anklagebank freigesprochen, muss er nun den Drogenhandel im sog. „Pit“, einer heruntergekommenen Reihenhausanlage übernehmen. Auch hier brummt der Handel mit Heroin, denn die Nachfrage besteht immer. Auffällig ist, dass „D“ immer wieder Anzeichen von Milde zeigt. Besonders gegenüber den brutalen Methoden seines Onkels und dessen rechter Hand „Stringer“ zeigt er oftmals Unverständnis. Das macht deutlich, welchen Blick die Serie auf die Drogenhändler eröffnet: Auch die Kriminellen sind Menschen.

„The Wire“ verzichtet ganz und gar auf Schwarz-Weiß-Malerei. Die Verbrecher sind nicht gleich die Bösen, und die Polizisten sind alles andere als gerecht. Auf beiden Seiten sind starke Gefühle und emotionale Handlungen zu beobachten, auf beiden Seiten geschieht Gutes und Schlechtes.
Das macht für mich die Serie so interessant. Ich bin wirklich nie ein Fan von Krimiserien gewesen, doch „The Wire“ schafft etwas, was die kriminaltechnischen Aspekte in den Hintergrund drängt: Emotionale Nähe zu den Charakteren. Wenn jemand in Gefahr gerät, ist man schockiert, die Figuren werden persönlich. Die große Stärke von „The Wire“ ist Realismus. Nichts wirkt total gekünstelt oder aufgesetzt, diese Geschichten sind echt. Kritiker bemängelten, dass die Polizei zu primitiv dargestellt werde. Besonders der Gebrauch von Flüchen sei unrealistisch. Die Autoren bauten daraufhin diese Szene ein, um ihre Meinung zu festigen. Für sie ist grundsätzlich klar: Polizisten sind nicht unbedingt bessere Menschen. Manchmal unterscheiden sie sich von den Kriminellen nur insofern, dass letztere in jeden zweiten Satz ein „yo“ einbauen.

Zugegeben: Viel Spannung und viel Action darf man nicht erwarten. Der Schwerpunkt liegt auf Dialogen. Dennoch hat mich die Serie Folge um Folge mehr gefesselt, bis hin zum Höhepunkt. Den gibt es nämlich auch in der ersten Staffel. Die einzelnen Staffeln sind in sich geschlossene Geschichten, und so gibt es auch ein richtiges Staffelende. Das vermeidet nicht nur einen unangenehmen Cliffhanger, sondern zieht auch die Story nicht unendlich in die Länge. Somit kann man sich die aus 13 Episoden bestehende erste Staffel ruhig gönnen, ohne gleich ein Fan der kompletten Serie werden zu müssen (was mir aber schwer fallen würde 🙂 ). Die 1. Staffel ist übrigens für günstige 15 Euro zu ergattern, und bei einer Laufzeit von 13 Stunden hat man damit einen mehr als guten Deal abgeschlossen.

„The Wire“ wird oft die beste Serie aller Zeiten genannt. Ich kann das nicht bestätigen, weil ich in Sachen Serien nicht so bewandert bin. Dennoch bin ich hiervon hellauf begeistert, und die zweite Staffel steht bei mir schon in den Startlöchern. Für Freunde von starken, komplexen Stories und interesanter Polizeiarbeit spreche ich eine höchste Empfehlung aus!

Mystic River

Titel: Mystic River (Originaltitel: Mystic River)
Regisseur: Clint Eastwood
Musik: Clint Eastwood
Darsteller: Sean Penn, Tim Robbins, Kevin Bacon

Hier der Trailer.

Jimmy. Dave. Sean. Die Freunde sind gemeinsam im Arbeiterviertel von Boston aufgewachsen, bis eine furchtbare Tragödie sie getrennt hat. Jahre später führt ein grausiges Ereignis sie wieder zusammen: Jimmys 19-jährige Tochter ist kaltblütig ermordet worden. Dave steht unter Verdacht. Und Sean, inzwischen Polizist, bemüht sich das Verbrechen aufzuklären, bevor der aufgebrachte Jimmy das Gesetz in die eigene Hand nimmt.

Wenn man wissen will, wie große Schauspielkunst aussieht, sollte man sich „Mystic River“ ansehen. Der fantastische Clint Eastwood (möge er noch viele Filme drehen) hat hier in Sachen Drama ein wahres Meisterwerk auf die Leinwand gezaubert. „Mystic River“ basiert letztlich auf dem gleichnamigen Roman Dennis Lehane. Dieser war zunächst strikt dagegen, die Filmrechte abzugeben – bis er ein Gespräch mit Clint Eastwood führte. Zusammen mit Brian Helgeland wurde ein Drehbuch geschrieben, welches sich nahe an der Vorlage orientierte und in einer Besetzung mündete, die ihresgleichen sucht.

Das fürchterliche Ereignis, welches die Kindheit der drei Hauptprotagonisten verdunkelte, war die Entführung und die mehrtägige Misshandlung Daves, der als Erwachsener herrlich düster und verstörend von Tim Robbins dargestellt wird. An mehreren Stellen im Film wird es angesprochen: Dave stieg in das Auto der Entführer und die Person, die ihren Peinigern entkam, war nicht mehr Dave. Trotz der tiefen Wunden der Vergangenheit konnte er eine Familie gründen und widmet sich Jahre später liebevoll seinem Sohn. Sean – gespielt von Kevin Bacon – wurde Polizist und lebt später getrennt von seiner Frau, was ihn stark belastet. Jimmy schlug zunächst eine kleinkriminelle Laufbahn ein und hält diesbezügliche Kontakte noch aufrecht. In erster Linie ist er nun jedoch Besitzer eines kleinen Ladens und sorgt sich um seine Familie. Besonders wertvoll ist ihm dabei seine 19-jährige Tochter Katie.

Katies gewaltsamer Tod führt die Jugendfreunde Sean, Dave und Jimmy wieder zusammen. Während Sean zusammen mit seinem Partner – dargestellt von Laurence Fishburne – an dem Fall arbeitet, macht sich Dave zunehmend verdächtig: In der Nacht von Katies Tod kommt er spätnachts nach Hause, voll mit fremdem Blut. Die Aussagen über seine Erlebnisse wandeln sich des öfteren, weswegen auch Daves Ehefrau Celeste allmählich an der Unschuld ihres Gatten zweifelt. Ebenso verdächtig erscheint ein junger Mann namens Brendan, der mit Katie nach Las Vegas durchbrennen wollte und dessen verschwundener Vater eine ansehnliche Kriminalakte vorzuweisen hat. Als jedoch Celeste dem verzweifelten Jimmy von ihrem Verdacht gegenüber Dave erzählt, überlässt dieser den Fall nicht mehr länger der Polizei. Er wärmt stattdessen die Kontakte zu seinen verbrecherischen Freunden wieder auf und sinnt auf Rache.

„Mystic River“ ist eine gekonnte Mischung aus Drama und Krimi auf schauspielerisch höchstem Niveau. Die Oscars „Bester Hauptdarsteller“ für Sean Penn und „Bester Nebendarsteller“ für Tim Robbins sind mehr als berechtigt. Im Grunde ist es eine durchgängige Aneinanderreihung an überzeugenden Szenen, aber besonders hervorheben möchte ich zwei Momente des Films. Den ersten kann man kurz im Trailer sehen, als Jimmy die Polizeisperre im Park durchbricht und schreiend von seinem Freund Sean wissen will, ob die gefundene Tote seine Tochter ist. Die zweite Szene ist ein Dialog zwischen Dave und Jimmy, bei welchem Sean Penn gekonnt die Maske des abgebrühten Ex-Kriminellen Stück für Stück fallen und daraufhin den Zuschauer tiefste väterliche Trauer spüren lässt. Was mich nach mehrmaligem Sichten jedoch immer etwas ins Grübeln bringt, ist die Düsternis des Endes – oder vielleicht ist sie auch nur vermeintlich. Ich würde allerdings behaupten, dass sich optimistisch stimmende Aspekte der Tragik nicht so rasch finden lassen wie beispielsweise in Eastwoods „Gran Torino“.

Ohne viele weitere Worte verteile ich 10 von 10 Popcornguys – und kann jedem, der „Mystic River“ noch nicht gesehen hat, nahe legen, dies nachzuholen.