Alien: Covenant

Titel: Alien: Covenant
Originaltitel: Alien: Covenant
Regie: Ridley Scott
Musik: Jed Kurzel
Darsteller: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Danny McBride

Warnung: Diese Kritik enthält leichte Spoiler zum Film „Prometheus“!

Im Jahr 2104 erwacht die Crew des Kolonieschiffs Covenant aufgrund eines Unfalls frühzeitig aus dem Schlaf. An Bord befinden sich weitere 2000 schlafende Menschen, die den noch mehrere Jahre entfernten Planeten Origae-6 besiedeln sollen. Doch nun empfängt die Crew Signale von einem näheren und paradiesisch wirkenden Planeten. Die Covenant setzt sich ein neues Ziel, wird dort aber mit einem unvorstellbarem Grauen konfrontiert.

„Alien: Covenant“ geht – mehr oder weniger – als Fortsetzung zum 2012 veröffentlichten „Prometheus“ durch. Dieser stieß damals besonders unter Fans der „Alien“-Filmreihe auf scharfe Kritik. Ich habe mir den Streifen erst kürzlich wieder angesehen und muss sagen, dass er – vor allem im Vergleich mit „Alien: Covenant“ – doch einige Stärken hat. Natürlich, die Charaktere sind teilweise strohdumm und am Ende wird es mit den vielen Alien-Mutationen recht unübersichtlich. Aber die Grundidee, dass der Mensch seinen Schöpfer im All sucht und findet, um dann festzustellen, dass dieser ihn auslöschen möchte, ist beängstigend und ziemlich genial. Mir gefällt also der philosophische und theologische Touch von „Prometheus“. Möglicherweise ist es ja das größte Problem von diesem Film, dass er am Ende krampfhaft zu einem Teil der „Alien“-Filmreihe verbogen wird. Es hätte auch ein eigenständiger und ziemlich guter Sci-Fi-Streifen werden können. Nun, dem ist nicht so. Stattdessen war da am Ende eine Art Alien und eine große, offene Frage – um die es in der Fortsetzung hätte gehen können. Theoretisch.

Tatsächlich hat es den Anschein, als würde „Alien: Covenant“ die losen Enden von „Prometheus“ unter den Tisch kehren wollen, damit man sich möglichst schnell wieder in gewohnten „Alien“-Gewässern befindet. Die von mir angedeutete große, offene Frage wird dementsprechend nicht beantwortet. Überhaupt wird die Lücke zwischen „Prometheus“ und „Alien: Covenant“ mehr oder weniger in ein paar Rückblenden geschlossen. Bis auf den Androiden David ist auch keine bereits bekannte Person ein entscheidender Teil der Handlung. Stattdessen präsentiert uns der Film neue und wieder einmal reichlich dumme Charaktere. Diese stolpern ohne nennenswerte Motivationen durch eine Handlung, die sich vor allem durch Vorhersehbarkeit und fehlende Spannung auszeichnet. Um mir die erinnerungswürdigen Szenen an den Fingern abzählen zu können, würde mir die Hand eines T-Rex reichen. Es gibt im Grunde kaum intensive Momente, kaum eine Todesszene, die schockt oder mulmig stimmt, kaum Stimmung, die wegen des zu hastigen Tempos gar nicht erst aufkommen kann.

Katherine Waterston spielt die neue Hauptfigur, deren Namen ich mir schon während des Films kaum merken konnte. Emotional ist am Anfang des Films einiges bei ihr los, aber so wirklich kann man dafür kein Gefühl entwickeln, weil man quasi unvermittelt in ihre Tragödie hineingeworfen wird. Allerdings verflüchtigt sich das Thema im Laufe des Films, phasenweise war mir ihr Charakter überhaupt nicht präsent und ich habe sie fast schon ausgeblendet. Um sie herum tummeln sich wie bereits erwähnt haufenweise austauschbare Figuren, deren Ableben sich oftmals ziemlich platt andeutet. In anderen Worten: Wenn sich ein Charakter in diesem Film mal „frisch machen“ möchte, hätte er sich in den meisten Fällen die Blasenentleerung sparen können. Eine kleine Ausnahme bildet Danny McBride, dessen Figur einen kurzen Moment hatte, in welchem ich eine emotionale Regung bei mir gespürt habe. Ansonsten herrscht leider darstellerische Fehlanzeige, natürlich abgesehen von Michael Fassbender. Er ist in einer nicht ganz leichten Doppelrolle zu sehen und sorgt dadurch für die unbehaglichsten Momente – in denen übrigens nie ein Alien involviert ist, was auch zu Denken geben sollte. Ich würde behaupten, dass Fassbender und seine Rollen dafür sorgen, dass der Film nicht komplett absäuft, denn mit seiner Figur ist eine Sci-Fi-Thematik verbunden, die ein klein wenig an „Prometheus“ erinnert und interessant erscheint. Leider wird diese nicht ausreichend oder stimmungsvoll genug in den Fokus gerückt, weswegen der Film sich eben nur knapp über dem Durchschnitt halten und nicht gut werden kann.

Auch bei den restlichen Aspekten des Films habe ich nicht viel Gutes zu berichten. Einige der realen Raumschiff-Kulissen sind schön und manche Außenaufnahmen machen etwas her. Aber viele der restlichen Effekte wirken für einen Film dieser Größenordnung nicht angemessen. Und gerade das CGI, mit welchem die Aliens dargestellt werden, kommt oftmals ziemlich billig rüber. Letztendlich muss auch aus technischer Sicht gesagt werden, dass „Alien: Covenant“ nichts besser macht als die bisherigen Teile der „Alien“-Filmreihe. Selbst der Soundtrack kann keine einzige neue markante Note setzen. Stattdessen bedient sich Komponist Jed Kurzel schamlos und ungeschickt an der Musik von „Alien“ aus 1979 und „Prometheus“.

Fazit: Gemessen an der Vorgeschichte des Franchise ist “Alien: Covenant” eine ziemliche Enttäuschung. Eine Empfehlung kann ich nicht aussprechen, stattdessen würde ich sogar “Life” als den besseren Alien-Film aus diesem Jahr hervorheben. Regisseur Ridley Scott verspielt sich langsam aber sicher den Rest seines Bonus, denn meiner Meinung nach hat er seit “Gladiator” keinen wirklich guten Film mehr auf die Reihe gebracht. Von daher bin ich froh, dass er bei “Blade Runner 2049” – welcher ja quasi ein weiteres seiner Sci-Fi-Babys darstellt – weder im Regiestuhl sitzt, noch das Drehbuch verfasst hat. Zumindest nach allem, was ich weiß. “Alien: Covenant” erhält von mir nüchterne 6 von 10 Popcornguys.

Frank

Titel: Frank
Originaltitel: Frank
Regie: Lenny Abrahamson
Musik: Stephen Rennicks
Darsteller: Michael Fassbender, Domhnall Gleeson, Maggie Gyllehaal

Jon (Domhnall Gleeson) wäre gerne ein erfolgreicher Musiker – doch ihm fehlt jegliche Inspiration. Auf der verzweifelten Suche nach einer kreativen Quelle lernt er die Rockband Soronpfbrs kennen. Deren Keyboarder ist nach einem missglückten Selbstmordversuch erstmal ausgeschaltet, weswegen Jon spontan für einen Gig einspringt. Die Soronpfbrs entpuppen sich als eine wahrlich skurrile Truppe. Sie besteht aus der jähzornigen Clara (Maggie Gyllenhaal), den arroganten Franzosen Nana und Baraque (Carla Azar und François Civil), sowie Don (Scotot McNairy), der gerne mal Geschlechtsverkehr mit Schaufensterpuppen praktiziert. Doch die seltsamste Erscheinung ist Frank (Michael Fassbender), der Sänger der Band. Auch abseits der Bühne trägt er stets einen überdimensionalen Pappmaché-Kopf und nicht einmal seine Bandkollegen wissen, wie er wirklich aussieht. Dons erster Auftritt mit den Soronpfbrs lässt sich nicht gerade als gelungen bezeichnen. Dennoch erzählt er am nächsten Tag einen Anruf und begleitet die Band nach Irland, in der Annahme, dort einen weiteren Gig zu spielen. Tatsächlich quartieren sich die Soronpfbrs über Monate in einer einsam gelegenen Hütte ein, um dort mit allen Mitteln ihr Album aufzunehmen.

Eines muss im Voraus gesagt werden: „Frank“ ist als bizarre und ziemlich verrückte Indie-Musikkomödie sicher nicht jedermanns Geschmack. Ich persönlich habe aber seit langer Zeit keinen so witzigen und gleichzeitig charmanten Film mehr gesehen. Ganz entscheidend trägt dazu natürlich der Cast bei. Es dauert nicht lange und jedes einzelne gestörte Bandmitglied ist einem ans Herz gewachsen. Der sympathische Domhnall Gleeson gerät – ganz ähnlich wie in „Ex Machina“, nur mit einem gänzlich anderen Ton – mal wieder in eine für ihn völlig neuartige Situation und macht als perplexer, aber durchaus vielschichtiger Charakter einen verdammt guten Job. Maggie Gyllenhaal als undurchsichtige und innerlich stets brodelnde Frau hatte sichtlich ebenso großes Vergnügen beim Dreh. Michael Fassbender mag wegen des großen Pappmaché-Kopfes seiner eindrucksvollen Mimik beraubt sein, aber dennoch gelingt es seiner Figur, den emotionalen Kern der Geschichte zu bilden.

Der Film, durch den Domhnall Gleesons Figur als Erzähler führt, konstruiert einen komischen Moment nach dem anderen. „Frank“ ist damit sehr unterhaltend, doch es gelingt ihm ebenso gut, die emotionalen Töne anzuschlagen, die mich merkwürdigerweise auf einer sehr tiefen Ebene erreicht haben. Der Film arbeitet in mir weiter und so werden für mich auch die gewichtigeren Themen der Geschichte deutlich. Denn auf der einen Seite steht der aufstrebende, aber im Grunde talentlose Möchtegern-Musiker Jon, der jedes noch so kleine seiner Tönchen über Youtube und Twitter präsentiert und verzweifelt nach Klicks, Followern und Fans lechzt. Und auf der anderen Seite steht Frank, ein psychisch gestörter, aber genialer Musiker, dessen Vorstellung von Kunst aber niemals ein breites Publikum erreichen wird. Der Film wirft also die Frage auf, ob Erfolg durch Anpassung für einen Musiker – oder einen Menschen im Allgemeinen – erstrebenswert ist oder nicht. Und die Auflösung in „Frank“ hat mich richtig gerührt.

Ich empfehle diesen Film allen, die sich für Musik interessieren und viel für Außenseiter-Kino übrig haben. Denn die werden mit „Frank“ sehr glücklich werden. Mindestens 8 von 10 Popcornguys!