Wind River

Titel: Wind River
Regie: Taylor Sheridan
Drehbuch: Taylor Sheridan
Musik: Nick Cave, Warren Ellis
Darsteller: Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Gil Birmingham

Ein eiskalter Winter in einem Indianerreservat in Wyoming: Wildtierjäger Cory Lambert (Jeremy Renner) entdeckt in der Wildnis die Leiche einer jungen indigenen Frau. FBI-Agentin Jane Banner (Elizabeth Olsen) wird in den unwirtlichen Norden geschickt, um den Fall zu bearbeiten. Ihrer Meinung nach liegt ein Mordfall vor, doch Banner sieht sich bei ihren Ermittlungen einer für sie fremdartigen Welt ausgesetzt. Sie baut auf die Hilfe des erfahrenen und ortskundigen Lambert, der sie auch unterstützt, sich aber gleichzeitig den eigenen traumatischen Erlebnissen stellen muss.

Taylor Sheridan ist ein ziemlich cooler Typ. Er gilt momentan als einer der heißesten Drehbuchautoren Hollywoods, was sich durch Filme wie „Sicario“ und „Hell Or High Water“ belegen lässt. „Wind River“ stammt ebenfalls aus Sheridans Feder, doch hier übernimmt er auch die Regie. Der Film ist außerdem der Abschluss seiner sogenannten American-Frontier-Trilogie, welche sich quasi um Grenzland-Geschichten dreht. „Wind River“ passt hierbei perfekt ins Bild. Der Zuschauer wird an einen verschneiten und einsamen Ort geführt, an welchem die wenigen Gesetzeshüter ihre eigenen Methoden und Mentalitäten an den Tag legen, um mit der rauen Wirklichkeit fertig zu werden. Das Leben im Indianerreservat ist von Armut, Drogenkonsum, Rassismus und sexualisierter Gewalt geprägt. Durch all diese Komponenten entwickelt „Wind River“ schnell eine Sogwirkung und erinnert – ganz wie „Hell Or High Water“ – an einen Western in modernem Gewand.

Größtenteils wird der Film ziemlich ruhig und subtil erzählt, doch passend zu einem Western ist der Härtegrad recht hoch. Die Spannung, die sich im Verlauf des Films immer weiter aufbaut, gipfelt – punktuell und ausgezeichnet inszeniert – in einigen elektrisierenden Szenen, in denen auch mit Brutalität nicht gegeizt wird. Mehr als einmal musste ich tief durchatmen und meine Anspannungen loswerden. Geradezu unangenehm furchtbar ist eine Rückblende gegen Ende des Films, welcher der Geschichte nochmal mehr Gewicht gibt.

Doch „Wind River“ zeichnet sich nicht nur durch Spannung und Gewalt aus. In überraschend vielen Momenten war der Film gefühlvoll, traurig, ja geradezu melancholisch. Dass mich die Geschichte auch emotional gepackt hat, ist größtenteils der tollen Darstellerarbeit zu verdanken. Elizabeth Olsen spielt eine junge und engagierte, aber auch gewissermaßen überforderte FBI-Agentin. Ein wenig fühlt man sich hier an Emily Blunts Charakter in „Sicario“ erinnert, der damals eine gewisse Passivität vorgeworfen wurde. Doch das hat mich damals nicht gestört und das tut es nun bei „Wind River“ auch nicht. Olsen spielt ihre Rolle sehr glaubhaft und ich habe kein Problem damit, ihr gegenüber Mitleid zu empfinden. Jeremy Renner (der sehr gut mit seiner „Avengers“-Kollegin harmoniert) muss die Hauptrolle stemmen und es gelingt ihm problemlos, den Film zu tragen. Er überzeugt einerseits als erfahrener Naturbursche, der alles mögliche über Tierspuren und Erfrierungen weiß, bringt aber andererseits auch die emotionalen Momente und Verletzlichkeiten seines Charakters gut rüber.

Über all dem schwebt der traurige Zustand der Eingeborenen, was auch mit den realen Hintergründen zu tun hat, welche Sheridan zu „Wind River“ inspirierten. Aus Spoiler-Gründen kann ich darauf natürlich nicht weiter eingehen, aber so viel kann ich wohl sagen: Die abschließenden Schriftzüge im Film stimmen einen doch sehr nachdenklich.

Fazit: Ich spreche eine klare Empfehlung für „Wind River“ aus und vergebe starke 8 von 10 Popcornguys an diesen ausgezeichneten Thriller und Neo-Western.

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