Suburra

Titel: Suburra – 7 Tage bis zur Apokalypse
Originaltitel: Suburra
Regie: Stefano Sollima
Musik: M83
Darsteller: Pierfrancesco Favino, Greta Scarano, Alessandro Borghi

Rom, 2011: Der Küstenvorort Ostia soll in eine Art Las Vegas umgewandelt werden, wobei hinter den Kulissen ein berüchtigter römischer Gangster die Fäden zieht. Ein Abgeordneter, der als Politiker in die Prozesse verwickelt ist, verbringt eine Nacht mit zwei Prostituierten und Drogen. Eine der Frauen überlebt den Abend nicht, ihre Leiche muss verschwinden. Die löst eine Reihe von Ereignissen aus, bei welchen die verschiedensten kriminellen Kräfte Roms aneinander geraten und sich bekriegen. Die Lage spitzt sich immer weiter zu, und gerade die kleinen Nummern, die nicht viel mehr als Bauern im Schachspiel der Mächtigen sind, müssen ums Überleben kämpfen.

Es fällt mir immer häufiger auf, dass viele der wirklich guten Kinofilme im Jahr total unter dem Radar der breiten Masse laufen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist “Suburra”. Der italienische Mafia-Thriller wurde in der herausragenden Sendung “Kino+” empfohlen, was mich zum Kauf der Blu-ray bewegt hat. Ich sollte es nicht bereuen.

“Suburra” mag eine italienische Produktion sein, schließt aber mühelos an die großen Hollywood-Thriller eines Martin Scorseses an. Die Handlung ist einigermaßen komplex und erfordert die Aufmerksamkeit des Zuschauers. Verschiedenste Personen geraten in ein verwirrendes und oftmals tödliches Netz aus Intrigen, Korruption, Rache und Macht. Obwohl sämtliche Charaktere Dreck am Stecken haben, bekommt nahezu jede Figur auch ihre menschlichen Momente und wird damit nachvollziehbar. Einigen drückt man sogar die Daumen, man wünscht sich, dass sie irgendwie heil aus der Sache rauskommen. Die Schauspieler – mir durch die Bank unbekannt, da es Italiener sind – liefern allesamt eindrucksvolle, intensive und glaubwürdige Darstellungen ab. Regisseur Sefano Sollima inszeniert die Geschichte, die sich in einem Zeitraum von sieben Tagen abspielt, mit großer Spannung. Bereits am Anfang des Films wird in Schriftzügen angekündigt, dass am Ende die Apokalypse steht. Und so darf man sich auf einen Schluss voller Härte und Brutalität einstellen. Dabei bleibt die wohl dosierte Action allerdings immer Mittel zum Zweck, die Charaktere und die Handlung geraten nie aus dem Fokus.

Der Look des Films ist großartig. Sollima hat zusammen mit Kameramann Paolo Carnera eindrucksvolle Bilder und Fahrten voll von betörender Schönheit entworfen. Die äußerst ästhetische Optik wird perfekt von vielen Songs der französischen Electronic- und Dreampop-Band M83 unterstüzt. Die sphärischen Klänge dieser Musik vermitteln Größe und Magie, wobei sie oft im krassen Gegensatz zur eigentlichen Grausamkeit von “Suburra” stehen. Doch genau dieser Kontrast trägt wohl dazu bei, dass der Film – wie bereits erwähnt – trotz aller Härte seltsam menschlich und gefühlvoll wirkt.

Fazit: Ich spreche für “Suburra” eine klare Empfehlung aus und verteile starke 9 von 10 Popcornguys. Alle Fans von guten Thrillern – oder vielleicht sogar allgemein Fans guter Filme – sollten hier zugreifen und diesen wunderbaren Film aus Italien unterstützen.

Battle Royale

Titel: Battle Royale
Originaltitel: Batoru Rowaiaru
Regie: Kinji Fukasaku
Musik: Masamichi Amano
Darsteller: Aki Maeda, Takeshi Kitano, Tatsuya Fujiwara

Zur Jahrtausendwende herrschen im Land hohe Arbeitslosigkeit und Jugendkriminalität. Als Reaktion darauf wird die “Milleniums-Bildungsreform”, kurz das “BR-Gesetz”, verabschiedet. Im Zuge dieses “Spiels” verfrachtet man ausgewählte Schulklassen auf eine einsame Insel. Dort werden sie mit verschiedenen Waffen ausgerüstet und dazu aufgefordert, sich gegenseitig umzubringen. Sollte es nach drei Tagen keinen alleinigen “Gewinner” geben, detonieren sämtliche Halsbänder, die den Schülern angelegt werden. Diesen gnadenlosen Regeln ist auch die Klasse 3-B der Shiroiwa-Mittelschule unterworfen, wobei Kitano (Takeshi Kitano), ein ehemaliger Lehrer, als “Spielleiter” die Fäden in der Hand hält. Noriko Nakagawa (Aki Maeda) und Shuya Nanahara (Tatsuya Fujiwara), beide 15 Jahre alt, müssen um ihr Überleben kämpfen und dabei schockiert feststellen, wie schnell ihr Klassenverband brüchig wird.

Der japanische Kultfilm “Battle Royale” stammt aus dem Jahr 2000 und gilt als geistiger Vater der massenkompatiblen “Tribute von Panem”-Reihe. Im Jahr seiner Erscheinung sorgte er für viel Aufsehen und Diskussion. Japanische Politiker und Pädagogen nahmen Anstoß an der Darstellung expliziter Gewalt unter Minderjährigen und wollten die Veröffentlichung verhindern, was jedoch erfolglos blieb. In Deutschland erschien der Film zunächst nur in einer stark geschnittenen Fassung, bevor er vollständig indiziert wurde. Nun ist “Battle Royale” wieder frei erhältlich – und ich habe mir den Streifen angesehen.

Im Vorfeld soll gesagt sein, dass ich an der “Tribute von Panem”-Reihe die Kernidee der Hungerspiele immer am faszinierendsten fand. Elemente wie die Dreiecksbeziehung und der Fashion-Aspekt waren für mich immer allzu offensichtliche und öde Zugeständnisse an das Zielpublikum dieser Filme. Zum Glück gibt es das bei “Battle Royale” nicht, beziehungsweise kaum. Hier geht es schlichtweg darum, wie sich Jugendliche gegenseitig töten. Und das ist nichts für schwache Nerven: Armbrüste, Maschinengewehre, Katanas, Granaten, Äxte und explodierende Halsbänder sorgen für einige sehr blutige Momente. Dabei ist es allerdings so, dass sich der Film meiner Meinung nach nicht zu sehr am Gore ergötzt. So bleibt das Töten hart und eindringlich, geht jedoch nie in die Richtung eines Splatter-Fests.

Noch wichtiger als die äußere Gewaltdarstellung ist natürlich das Innenleben der betroffenen Schüler. Hierbei werden sämtliche Möglichkeiten abgegrast. Einige Jugendliche wählen den Selbstmord, um sich dem “Spiel” zu entziehen. Andere legen die Waffen nieder und appelieren an die Menschlichkeit ihrer Mitschüler. Einige setzen ihre technischen Fähigkeiten ein und starten den Versuch, das Computersystem der Spielemacher zu hacken. Und wieder andere offenbaren ihren blutrünstigen Charakter und laufen Amok. So ergibt sich eine breite Palette an Motivationen und Entwicklungen, die den Zuschauer gut an die Handlung bindet.

Allerdings haben mich einige Inszenierungen im Detail dann doch gestört. Da wäre zum einen der Soundtrack zu erwähnen, der – durchsetzt mit bekannten klassischen Stücken – für sich genommen großartig ist. Doch bei einigen Szenen drückt etwas zu sehr auf die Tube und gemeinsam mit dem phasenweise vorkommenden Overacting ergibt das dann doch eine unfreiwillige Komik. Es mag sein, dass dies typisch für den japanischen Film ist. Man kann diese Szenen auch teilweise unter ironischer Satire verbuchen. Doch ich emfand entsprechende Stellen manchmal als unpassend und fühlte mich aus dem Film gerissen. Auffällig waren auch die etwas plump wirkenden Teenie-Liebesgeschichten: Wer will etwas von wem und warum und wie viel. Mir ist klar, dass diese Themen zum Alter der Protagonisten passen, aber das hätte man sicherlich auch geschmeidiger in Szene setzen können. Ungut ist im Grunde auch die hohe Anzahl an Figuren. Zwar kristallisieren sich einige Personen heraus – im Kopf bezeichnete ich diese Leute beispielsweise als “die irre Lady”, “der kranke Psycho”, “die Nerd-Gang” oder “der Stirnband-Typ” – aber wirklich in die Tiefe geht man bei keinem. Selbst die Hauptfiguren bleiben relativ oberflächlich und so verhält es sich dann auch mit der emotionalen Bindung zum Zuschauer. Vielleicht wäre hier weniger mehr gewesen.

Aber dennoch: “Battle Royale” ist ein guter Film, der durch seine harte und kompromisslose Grundidee von Anfang bis Ende fesselt. Der Streifen wirkt lange nach und wirft dank seiner Satire-Funktion auch die ein oder andere Fragen bezüglich unserer Leistungsgesellschaft und unseres Schulsystems auf. Wer es außerdem mal hart mag, sollte hier zugreifen. Von mir gibt es 8 von 10 Popcornguys!

A Cure for Wellness

Titel: A Cure for Wellness
Regisseur: Gore Verbinski
Musik: Benjamin Wallfisch
Darsteller: Dane DeHaan, Jason Isaacs, Mia Goth

Der aufstrebende Angestellte Mr. Lockhart (Dane DeHann) wird von seiner Firma beauftragt, das Vorstandsmitglied Mr. Pembroke (Harry Groener) aus einer Kuranstalt in den Schweizer Alpen zurück nach New York zurückzuholen, um eine Fusion mit einer anderen Firma eingehen zu können. Der von Pembroke kryptisch formulierte Brief an den Vorstand lässt vermuten, dass er eine plötzliche Abneigung gegen Kommerz entwickelt hat. Lockharts Aufenthalt in der Kuranstalt wird aufgrund seltsamer Umstände verlängert. Bald schon entdeckt er gemeinsam mit der Patientin Hanna (Mia Goth) nach und nach, dass  der Leiter Dr. Volmer (Jason Isaacs) scheinbar nicht nur das Wohl seiner Patienten im Sinn hat.

Der Trailer zu „A Cure for Wellness“ war mal wieder ein kleines Leckerli, das von Anfang an  mein Interesse weckte. Mit hypnotischen, düsteren Bildern und einer Hauptfigur, die offensichtlich in eine Geschichte verwickelt geht, die seine Vernunft auf den Kopf stellt. Dane DeHaan, bekannt aus „Chronicle“, „The Place Beyond the Pines“ und „Metallica: Through the Never“ mimt den ehrgeizigen Bankier, der mit einem von schlaflosen Nächten gezeichneten Gesicht in die vollkommen entschleunigte Welt der Kuranstalt eintaucht. Diese strahlt mit ihrer altbackenen Einrichtung und den rückständig wirkenden Behandlungsmethoden eine schräge, unheimliche Atmosphäre aus.

Dass in dieser Anstalt offensichtlich etwas nicht stimmt, wird schon beim ersten Eintreffen Lockharts deutlich. Hier wird für mich die Ähnlichkeit zu Shutter Island besonders deutlich. Nicht nur Dane DeHaans äußerliche Ähnlichkeit mit Leonardo DiCaprio, sondern auch die Geschichte muss sich den Vergleich gefallen lassen.

Mit teils großartigen Bildern und guten Schauspielleistungen kann „A Cure for Wellness“ zwar gut unterhalten, doch die Lust am gucken wird durch die eindeutig viel zu lange Laufzeit des Films geschmälert. Mit seinen 146 Minuten hätte der Streifen durch manche Kürzungen den Spannungsbogen wesentlich straffer gestalten können.

Trotzdem kann der Horror-Gothik-Anstalts-Thriller durchaus zwei unterhaltsame Stunden liefern – wenn am Ende auch etwas anderes rauskam, als ich erwartete. Für Fans von weirden Geschichten á la Edgar Allan Poe und unheimlichen Legenden um alte Sanatorien wird mit „A Cure for Wellness“ auf jeden Fall Spaß haben.

The Shallows

Titel: The Shallows
Regisseur: Jaume Collet-Serra
Musik: Marco Beltrami
Darsteller: Blake Lively

Die Medizinstudentin Nancy findet auf ihrem Selbstfindungstrip einen sozusagen geheimen Srand: Ein unbekanntes Stück Surferparadies, dass ihr von ihrer verstorbenen Mutter als zu findendes Erbe mitgegeben wurde. Dort angekommen genießt sie die unberührte Natur, bis sie von einem gigantischen Hai angegriffen wird, und sich in allerletzter Not auf einen kleinen Felsen retten kann.

Nach dem oben verlinkten Teaser war ich an „The Shallows“ sehr interessiert, wenngleich ich weder von Blake Lively, die wohl für Gossip Girl relativ bekannt ist, noch von Regisseur Collet-Serra, der sich in der Vergangenheit eher auf Horrorstreifen konzentriert hat, groß etwas gesehen hatte. Mir schwante hier ein interessanter Thriller, der sich – so hoffte ich – stark auf die Schauspielleistung einer einzelnen Person stützen würde. Das ist natürlich immer ein Wagnis, aber im Falle von „The Shallows“ geht diese Rechnung zu großen Teilen auf.

Der Film führt die Figur Nancy ein bisschen cheesy, aber nicht ganz unsympathisch ein. Die junge Studentin flieht aus ihrem Alltag, fühlt sich einem Strand hingezogen, den sie nur von einem Foto her kennt. Die passionierte Surferin findet dieses Paradies an der Küste Mexikos, trifft ein paar nette Typen und surft galant ein paar Tubes. Hierbei möchte ich die hervorragende Arbeit des Kameramanns Flavio Labiano hervorheben: Damn, der weiß wirklich wie man großartige Bilder schafft, die in den Zuschauern augenblicklich tiefste Sehnsucht nach Sonne und Meer erwecken. Geniale Unterwasseraufnahmen wechseln sich ab mit wunderschönen Panoramablicken über Strand und Meer – und auch in den Thrill-Momenten ist es die Kamera, die hier den wahren Gänsehautfaktor ausmacht. Das „Monster“ – ein riesengroßer weißer Hai – tritt in alter Jaws-Manier nur selten völlig in Erscheinung, was per se ein für mich kluger Schachzug ist und wesentlich mehr Spannung erzeugt als eine Ergötzung an Effekten.

Blake Lively wird völlig zurecht für ihre gute Performance gelobt. Mit „The Shallows“ hat sie sich jedenfalls Tür und Tor geöffnet und bewiesen, dass sie zu großen schauspielerischen Leistungen fähig ist. Das atmosphärische i-Tüpfelchen bildet zudem noch die Maske, die ihre Verletzungen auffällig gut in Szene setzte.

Bei all dem Lob gibt es dennoch etwas, dass die Suppe trübt. Sicher, über die m.E. unnötige Hintergrundstory kann man hinwegsehen, auch über so manche künstliche Selbstgespräche, oder sogar über die peinlichen Popsongs im sonst soliden Soundtrack (welcher Chef der Produktionsfirma hatte die morgens im Radio gehört?) kann man verkraften. Aber im Laufe des gut inszenierten Überlebenskampfes kommt es zu einer inhaltlichen Wendung, die ich an dieser Stelle gerne den 10Cloverfield Lane-Faktor taufen würde. Wer diesen Film gesehen hat, wird wissen, dass ein solider, atmosphärisch dichter Thriller beinahe von einem plötzlichen Fast-and-Furious-Action-Gedöns kaputt gemacht wurde. So leider auch in „The Shallows“, wo ein beinharter Kampf ums nackte Überleben plötzlich in Over-the-Top-Action verwandelt wird.

Das ist schade, mindert aber den Spaß am Rest des Films nur bedingt, sodass man das Ende dann doch einigermaßen versöhnt genießen kann. Mein Fazit: Ein kleiner Film, der mit einer zwar nicht neuen Idee, aber mit frischem Gesicht und großartigen Bildern aufwarten kann, etwas übers Ziel hinausschießt, dabei aber trotzdem noch Spaß macht.

 

Lights Out

Titel: Lights Out
Regisseur: David F. Sandberg
Musik: Benjamin Wallfisch
Darsteller: Teresa Palmer, Gabriel Bateman, Billy Burke, Maria Bello

ACHTUNG: Spoilerreicher Trailer!

Martin lebt nach dem Tod seines Vaters mit seiner psychisch labilen Mutter allein. Er findet kaum Schlaf, da er von schlimmen Ängsten geplagt wird: Seine Mutter spricht ständig mit sich selbst, und in den Schatten des Hauses scheint sich irgend etwas zu verbergen. Als die Situation unerträglich wird, bittet er seine große Schwester nach Hause zu kommen, da sie die einzige ist, die seinen Worten Glauben schenkt.

Mehr möchte ich nicht zum Inhalt des Films verraten. Gerade bei Horrorfilmen bietet es sich ja an, möglichst wenig im Vorfeld zu wissen. Wer den Trailer zum Film dennoch guckt, könnte meinen bei „Lights Out“ handelt es sich bei einem durchschnittlichen Film wie sie in letzter Zeit oft über die Kinoleinwände flimmern. Filme, die sich auf vorhersehbare Skripte und billige Schockeffekte stützen. Glücklicherweise ist Lights Out ein anderer Film. David F. Sandberg machte 2013 mit einem gleichnamigen Kurzfilm auf sich aufmerksam, der einem in zweieinhalb Minuten gehörig das Fürchten lernt. Dieses Thema durfte Sandberg jetzt in Spielfilmlänge ins Kino bringen, und das macht er ziemlich gut. Die Bedrohung wird sehr dezent und doch visuell extrem gut ins rechte Licht (höhö) gerückt, um den Zuschauer die Schocker eben nicht mit dem Vorschlaghammer ins Gesicht zu klatschen, sondern richtig zu überraschen. Wieder etwas, das Lights Out im Gegensatz zu vielen Genrekollegen richtig macht: Die Gruselelemente kommen nicht wie so oft völlig vorhersehbar, sondern reizen den Spannungsbogen ganz stark aus, um die Zuschauer dann doch noch zu kriegen. Generell bietet der Storyverlauf auch so einige untypische Wendungen, die in anderen 0815-Horrorfilmen sicher einfacher gestrickt wären. Selbst die Charaktere verhalten sich zumeist nicht völlig verblödet, sondern reagieren auf die umgebenden Gefahren mit Instinkt und Intelligenz – im Horrorgenre eher untypisch.

Wie viele andere Horrorstreifen hat auch Lights Out das Bedürfnis, den Hintergrund der Bedrohung genauestens zu beleuchten und detailreich aufzudröseln. Leider fiel Autor Eric Heisserer hier auch nichts besseres ein, als die Charaktere über eine Kiste mit allen wichtigen Infos stolpern zu lassen – dies ist nicht sonderlich clever gelöst, und für mich persönlich auch völlig unnötig. Ich brauche nicht alle Details zu erfahren, und erfreue mich zuweilen auch an der Unwissenheit. Dies ist aber mein persönlicher Geschmack, und hier auch mein einziger Kritikpunkt.

Fazit: Lights Out ist ein großartiger Gruselstreifen mit tollen Schockeffekten und schaurigen Gänsehautmomenten, die mich sicherlich heute Nacht begleiten werden. Horrorfreunde: Ab ins Kino!

Serien-Special: Stranger Things

Titel: Stranger Things
Originaltitel: Stranger Things
Produktion: Netflix
Idee: Matt Duffer, Ross Duffer
Musik: Kyle Dixon, Michael Stein
Darsteller: Winona Ryder, Millie Bobby Brown, Natalia Dyer

Indiana, 1983: Nach einem Dungeons&Dragons-Abend mit seinen Freunden verschwindet der 12jährige Will Byers spurlos. Während Chief Jim Hopper ermittelt, wird Joyce, die verzweifelte Mutter des Verschwundenen, in ihrem Haus mit eigenartigen Phänomenen konfrontiert. Unterdessen machen sich Wills Freunde auf die Suche und finden dabei im Wald ein mysteriöses Mädchen mit kahlrasiertem Kopf und einer auf den Unterarm tätowierten 11. Nach und nach offenbart sie ihre übernatürlichen Fähigkeiten und scheint auch zu wissen, wo sich Will befindet.

So wirklich up to date bin ich serientechnisch nicht. Zum einen hängt das mit der schieren Menge an Serien zusammen, bei welcher man schnell mal den Überblick verliert. Zum anderen bedeuten Serien einen hohen Zeitaufwand, der sich am Ende nicht immer lohnt. Umso glücklicher bin ich, dass ich auf eine Serie aufmerksam gemacht wurde, die sich als echter Glückstreffer entpuppte.

„Stranger Things“ spielt in den frühen 80er Jahren und zelebriert dies zu jedem Moment: Die jungen Protagonisten zitieren aus „Star Wars“, feiern Tolkiens Mittelerde und hängen in ihren Zimmern Plakate von „Der weiße Hai“ auf. Dazu kommt der Soundtrack, der aus Synthie-Klängen und Songs aus der damaligen Zeit besteht. Sofort stellten sich bei mir nostalgische Gefühle ein und ich hatte über weite Strecken das Gefühl, einen guten, alten Spielberg-Film à la „Die Goonies“ zu sehen. Doch „Stranger Things“ bedeutet nicht nur Abenteuer. Mit nahezu perfekter Abstimmung werden hier Elemente aus Mystery, Horror, Thriller und Drama vermischt – und mit einer wunderbar ehrlichen Portion Humor verfeinert.

Die Charaktere entsprechen auf den ersten Blick der typischen Figurenkonstellation eines Kinder-Abenteuer-Films aus den 80er Jahren: Da gibt es die Verlierer-Truppe, hier bestehend aus einem übergewichtigen Lispler, einem Schwarzen, einem kleinen Weirdo und einem Streber. Dort gibt es den älteren Bruder, der einem zeigt, was in Sachen Musik so angesagt ist. Dazu gesellt sich die hübsche, ältere Schwester, die aber irgendwie einen Stock im Arsch hat. Und schließlich gibt es natürlich die obligatorischen Bullys von der Schule. Allerdings ruht sich „Stranger Things“ nicht auf diesem bewährten Schema aus. Die Charaktere machen interessante Entwicklungen durch und werden durch Facetten ergänzt, die man so nicht unbedingt erwartet hätte.

Die Figuren leben natürlich auch von den Schauspielern, die allesamt perfekt gewählt sind – auch die Kinderdarsteller, die zu keinem Zeitpunkt nerven, sondern sich vielmehr sofort ins Herz des Zuschauers spielen. Am bekanntesten dürfte Winona Ryder sein, die als verzweifelte und leicht irre wirkende Mutter tolle Szenen hat. Doch auch die unbekannteren Namen brauchen sich keineswegs verstecken. Besonders hervorheben möchte ich Millie Bobby Brown (das mysteriöse Mädchen mit den übernatürlichen Fähigkeiten) und Natalia Dyer (die große Schwester von Mike Wheeler, dem Hauptcharakter unter den Kindern). Jede Figur und jeder Handlungsfaden ist überdurchschnittlich interessant, alles greift gut ineinander und fügt sich am Ende zu einem stimmungsvollen Gesamtbild. So fühlte sich keine einzige Episode der acht Folgen umfassenden Staffel nach einem Durchhänger an.

Das Finale von „Stranger Things“ beantwortet allerdings nicht alle Fragen und so wäre es geradezu notwendig, dass die Geschichte weitererzählt wird. Da die Serie bei den Kritikern gut ankommt und anscheinend auch schnell Fans findet, darf man wohl auf eine zweite Staffel hoffen. Ich wäre auf jeden Fall dabei. Bislang bekommt „Stranger Things“ von mir richtig starke 9 von 10 Popcornguys!

10 Cloverfield Lane

Titel: 10 Cloverfield Lane
Originaltitel: 10 Cloverfield Lane
Regie: Dan Trachtenberg
Musik: Bear McCreary
Darsteller: Mary Elizabeth Winstead, John Goodman, John Gallagher Jr.

Eine junge Frau namens Michelle (Mary Elizabeth Winstead) hat Streit mit ihrem Freund und verlässt ihre städtische Wohnung, um mit dem Auto durchs ländliche Louisiana zu fahren. In der Nacht erleidet sie einen Verkehrsunfall, überschlägt sich in ihrem Wagen und wird bewusstlos. Kurze Zeit später erwacht sie in einem Bunker. Ein älterer Mann namens Howard (John Goodman) stellt sich ihr als ihr Retter vor und erzählt von einem chemischen oder atomaren Angriff, der sich draußen ereignet. Aus diesem Grund ist eine Rückkehr in die Außenwelt vorerst unmöglich. Neben Howard leistet auch ein jüngerer Mann namens Emmett (John Gallagher Jr.) Michelle Gesellschaft. Er hat damals geholfen, den Bunker zu bauen. Die drei Personen machen es sich – den strikten Regelungen Howards folgend – so gemütlich wie möglich. Doch schon bald beginnt Michelle an den Worten ihres Retters und des angeblichen Angriffs zu zweifeln.

Heutzutage ist es die Regel, dass ich Monate, wenn nicht sogar Jahre vor einem Kinostart Informationen, Bilder und Bewegtmaterial aus dem Internet beziehen kann. Umso überraschender war es, als ein Film namens „10 Cloverfield Lane“ total unvermittelt auf wirklich jedermanns Schirm auftauchte. Ein gut geschnittener und mysteriöser Teaser machte sofort Lust auf mehr – und der Titel ließ auf Verbindungen zu einem anderen Film schließen.

Es gibt wohl kaum einen Film, der mehr an seiner aufregenden Marketingstrategie profitierte wie „Cloverfield“. Ich persönlich habe den Film erst im Nachhinein gesehen und finde ihn immer noch gut. Die Idee eines Monsters in New York, über dessen Hintergründe man so gut wie nichts erfährt, und dem sich Protagonisten ohne wissenschaftliche oder militärische Lösungsansätze stellen müssen, ist faszinierend. Als zweischneidiges Schwert erweist sich dagegen der Found-Footage-Stil des Films. Einerseits führt dieser Stil dazu, dass ich als Zuschauer sehr nah am Wahrnehmungsbereich der Protagonisten bin. Andererseits muss ich mich bei einigen Szenen doch stark fragen, ob ich in einer solchen Situation weiter gefilmt hätte. Der Found-Footage-Stil sorgt also gleichzeitig für die Entstehung und die Zerstörung eines Empfindens von Realismus. Doch genug von „Cloverfield“ – schließlich geht es hier ja um „10 Cloverfield Lane“.

Für mich ist der Film größtenteils perfekt. Als Thriller und Kammerspiel funktioniert er tadellos. Ein Film, der im Grunde nur einen einzigen Schauplatz hat, muss in erster Linie mit guten Darstellern punkten können – und das ist bei „10 Cloverfield Lane“ absolut der Fall. Mary Elizabeth Winstead spielt die hin- und hergerissene Protagonistin sehr gut. Man nimmt ihr ihre Ängste und Zweifel ab, fiebert mit ihr mit und kann im Laufe des Films eine kleine, aber äußerst gelungene Charakterentwicklung beobachten. Die Figur von John Gallagher Jr. bleibt im direkten Vergleich zu den beiden anderen Figuren ein wenig blass, doch auch er macht seine Sache sehr gut und sorgt sowohl für unterhaltsame Lacher, als auch für das ein oder andere Fragezeichen. Der Star des Films ist aber ohne Zweifel John Goodman. Sein Charakter bewegt sich irgendwo zwischen schrulligem Opa, verrücktem Verschwörungstheoretiker und absolutem Psychopathen. Goodman meistert jede dieser Facetten und switcht problemlos hin und her. Genau wie Michelle weiß auch der Zuschauer nicht, woran er eigentlich bei diesem Typen ist und was in Wahrheit passiert. Zu keiner Sekunde hat mich die Handlung verloren und hält die Spannung mit Hilfe vieler Wendungen, interessanter Kameraeinfälle und einem aufregenden Soundtrack aufrecht.

Zu etwa 90 Prozent haben wir es meiner Meinung nach mit einem grandiosen Film zu tun. Leider – und das bedauere ich wirklich sehr – macht sich „10 Cloverfield Lane“ in den letzten 10 bis 15 Minuten ein Stück weit selbst kaputt. Es ist nicht ganz leicht, über das Ende zu reden und dabei Spoiler zu vermeiden, doch ich möchte es dennoch probieren. Der Großteil des Films ist clever, spannend und interessant inszeniert. Man hat als Zuschauer schnell das Gefühl, hier etwas ganz Besonderes zu sehen. Auch die Auflösung der Frage, was nun eigentlich außerhalb des Bunkers abgeht, finde ich im Grunde völlig okay. Absolut störend ist für mich allerdings die Art und Weise der Auflösung. Innerhalb weniger Sekunden ist von Cleverness und Feinfühligkeit nichts mehr zu spüren. Stattdessen serviert der Film Bilder, die aus einem beliebigen 0815-Actionfilm stammen könnten. Dieses dumme, plumpe und auf Effekthascherei ausgelegte Ende schadet einerseits dem Film und kann andererseits nicht wirklich Verbindungen zu „Cloverfield“ herstellen. Meiner Meinung nach bewegt man sich hier allerhöchstens auf Easteregg-Niveau, was das Ende nur noch sinnloser und beklagenswerter macht.

„10 Cloverfield Lane“ ist wie ein verdammt guter Wurf beim Bowling, wo jedoch der letzte Pin nach kurzem Wackeln stehen bleibt. Wie bewertet man nun einen solchen Film? Selten hat mich das Ende eines Films derart enttäuscht. Aber ich darf nun nicht den Fehler machen und die herausragende Qualität des Großteils des Streifens vergessen. Aus diesem Grund kann ich gerade noch so 8 von 10 Popcornguys verteilen – und hoffe inständig auf die Existenz eines alternativen Endes.