Silence

Titel: Silence
Originaltitel: Silence
Regie: Martin Scorsese
Musik: Kim Allen Kluge, Katherine Kluge
Darsteller: Andrew Garfield, Adam Driver, Liam Neeson

Japan, frühes 17. Jahrhundert: Die Christen des Landes leiden unter einer harten und systematischen Verfolgung durch die Regierung. Einer der Missionare, Cristóvão Ferreira (Liam Neeson), soll angeblich dem Christentum abgeschworen haben. Zwei seiner früheren Schüler, Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) und Francisco Garpe (Adam Driver), können dies nicht glauben. Sie reisen selbst nach Japan, um sowohl ihren Mentor zu finden, als auch die japanischen Mitchristen zu unterstützen. Schon bald werden die beiden jungen Priester nicht nur Zeugen von Folter und Verfolgung, was sie an ihrer Mission und ihrem Glauben zweifeln lässt.

Die Verfilmung des 1966 erschienen Romans „Schweigen“ von Shūsaku Endō ist seit Jahrzehnten das Herzensprojekt von Meisterregisseur Martin Scorsese. Nun läuft der Streifen endlich in unseren Kinos – und zwar mit Staraufgebot und einem verhältnismäßig hohen Budget von 40 Millionen Dollar. Dass „Silence“ dennoch an den Kassen floppt, ist meiner Meinung nach keine Überraschung. Trotz bekanntem Regisseur und populären Darstellern ist das Thema einfach zu speziell. Für die meisten dürfte es nachvollziehbare Gründe geben, dem Kinosaal fernzubleiben – doch mich persönlich hat „Silence“ im positivsten Sinne umgeworfen, um mein Fazit vorwegzunehmen.

Für wen ist der Film aber nun gemacht? Ich denke, dass unter bestimmten Umständen auch ein Atheist „Silence“ etwas abgewinnen kann, wenn er die religiösen Glaubensfragen auf etwas Vergleichbares ummünzt. Ohne Frage dürften einem Cineasten auch die tollen Bilder und herausragenden Schauspielleistungen auffallen. Aber dem gegenüber steht die erschlagende Lauflänge von 160 Minuten. Da stelle ich die Behautpung auf, dass „Silence“ für religiöse und gläubige Zuschauer am meisten zu bieten hat.

„Silence“ ist aber keineswegs christliche Propaganda, wodurch das Zielpublikum weiter schrumpft. Natürlich befindet sich das Christentum aufgrund der Verfolgung durch die japanische Regierung – die übrigens sehr detailliert und hart dargestellt wird – in der eher sympathischen Opferrolle. Und natürlich zeigt der Film auch auf, dass es die christliche Religion vermag, einfachen und unterdrückten Bevölkerungsschichten ihren inneren Wert aufzuzeigen, was den damaligen Machthabern Japans ein Dorn im Auge war. Aber trotzdem hat „Silence“ auch auf das Christentum einen differenzierten Blick, der anhand der aufgeworfenen Fragen deutlich wird: Hat nicht die christliche Mission selbst das Leid über die Bürger Japans gebracht? Kann es sein, dass bestimmte Glaubensrichtungen und Ideen in bestimmten Ländern einfach keine Wurzeln schlagen? Und wie christlich ist es eigentlich, Menschen für Jesus Christus in den Tod zu schicken, wenn man ihnen stattdessen das Leben retten könnte?

All diese schweren Fragen – und noch einige mehr – muss sich Hauptfigur Rodrigues stellen. Adam Driver und Liam Neeson mögen in ihren Nebenrollen überzeugen, doch sie haben verhältnismäßig wenig Szenen. Es ist nahezu ausschließlich Andrew Garfields Aufgabe, als Schauspieler den Zuschauer emotional an die Handlung zu binden und ihn auf diese spirituelle Reise mitzunehmen. Garfield mag für „Hacksaw Ridge“ eine Oscar-Nominierung bekommen haben, doch seine Leistung in „Silence“ empfinde ich als immens höher. Er spielt den Priester mit all seinem anfänglichen Enthusiasmus und all seinen späteren Zweifeln absolut glaubwürdig und authentisch. Hierzu möchte ich erwähnen, dass sich Garfield sehr intensiv auf die Rolle vorbereitet und auch viel Zeit bei den Jesuiten verbracht hat.

Ich für meinen Teil konnte „Silence“ von der ersten bis zur letzten Minute aufmerksam verfolgen und fühlte mich sofort in diese Welt mit all ihren Konflikten hineingezogen. Dem Film wird oft vorgeworfen, dass er mehr Fragen stellt, als Antworten liefert. Ich persönlich finde das in diesem Fall nicht unbedingt schlecht. Zum einen thematisiert „Silence“ viele Fragen, auf die es einfach keine verbindliche Antwort gibt. Zum anderen sind die gestellten Fragen wichtig und zeitlos. Mehrmals musste ich zwischen dem Film und heutigen politischen Gegebenheiten Parallelen ziehen. So erinnerten mich die Bemühungen der japanischen Regierung im 17. Jahrhundert, sämtliche westliche Einflüsse aus dem Land zu verbannen, vage an aktuelle rechtsorientierte Gruppen in Europa oder Amerika, die sich allzu sehr vor einer Islamisierung des Westens fürchten. Geschichte wiederholt sich bestimmt nicht eins zu eins – aber der Blick in die Vergangenheit ist sicher nicht verkehrt, wenn man an einer besseren Zukunft interessiert ist.

Fazit: „Silence“ ist ein Film mit einem sehr speziellen und unbequemen Thema. Wenn man sich – wie auch immer – darauf einlassen kann, wird er den Zuschauer aufgewühlt und nachdenklich zurück lassen. Über das Ende möchte ich natürlich keine Details verraten, aber ich fand für mich – trotz aller vordergründigen Grausamkeit und Finsternis – eine tiefe, innere Sicherheit, die „Silence“ neben „Life Of Pi“ zum wohl wichtigsten spirituellen Film der letzten Jahre macht. Es gibt 9 von 10 Popcornguys!

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Ein Kommentar zu “Silence

  1. Pingback: Kritik – Jesuiten-Mönche im Japan des 17. Jahrhunderts. Silence – filmexe

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