Super Dark Times

Regisseur: Kevin Philips
Kamera: Eli Born
Musik: Ben Frost
Darsteller: Owen Campbell, Charlie Tahan, Elizabeth Cappuccino

Die seit Kindestagen befreundeten Teenager Zach (Owen Campbell) und Josh (Charlie Tahan) schlagen sich mit den üblichen Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens herum, bis ein schrecklicher Unfall ihre Freundschaft auf eine harte Probe stellt. Zach wird fortan nicht nur von der Angst, die Wahrheit komme ans Licht, sondern auch von der Sorge um seinen Freund geplagt. 

Das Spielfilmdebut von Kevin Philips wurde bald nach seinem Erscheinen als Geheimtipp gehandelt. Das Teenager-Drama wurde in einem Atemzug mit „Donnie Darko“, „Stranger Things“ (obwohl Super Dark Times in den 90ern spielt) und „Stand by me“ genannt – und das gar nicht zu unrecht. Schon in der beinahe fesselnden Eröffnungssequenz macht Philips deutlich, was er draufhat. Audiovisuelle Höchstleistung zieht sich durch den kompletten Film – obwohl sich der Regisseur viel Zeit lässt, uns die Charaktere näher kommen zu lassen. Die heranwachsenden Jungs verbringen ihre Tage mit Videospielen und vulgären Witzen, der Suche nach dem eigenem Bild und der großen Liebe. Ein einschneidendes Erlebnis lässt das alles vergessen und versetzt die beiden Freunde in eine Schockstarre, die von bizarren Träumen und Paranoia unterbrochen wird. Hinzu kommt das Mädchen Allison (Elizabeth Cappuccino), die sich für Zach interessiert, und plötzlich ungewollt zwischen die Jugendlichen gerät.

Mit unaufgeregten Bildern schlägt der Film einen großen Bogen von klassischem Coming-of-Age-Drama über subtilem Horro, der an Donnie Darko erinnert, bis hin zu einer Prise Psychothriller. Für ein Debut definitiv eine große Leistung, die gewürdigt werden muss. Ebenso die wirklich gute schauspielerische Leistung der jungen Darsteller, die ihren Figuren glaubhaft Leben einhauchen.

Fazit: Wer Coming of Age-Filme mit einem gewissen Etwas mag, Fan von subtilem Horror ist und sich gerne von großartigen Bildern verzaubern lässt, sollte Super Dark Times auf jeden Fall auf seine Liste setzen! 8 von 10 Popcornguys

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Aus dem Nichts

Regisseur: Fatih Akin
Musik: Joshua Homme
Darsteller: Diane Kruger, Denis Moschitto

Das Leben von Katja Sekerci stellt sich mit einem Schlag auf den Kopf, als ihr Mann Nuri und der gemeinsame Sohn Rocco bei einem Bombenanschlag im Büro ihres Mannes ums Leben kommen. Nicht nur die schmerzliche Trauer, sondern der Wunsch nach Gerechtigkeit setzen ihr schwer zu, denn die Ermittler konzentrieren sich auf die kriminelle Vergangenheit Nuris – bis es schließlich zum Prozess kommt, der Katja alle Kräfte kostet.

Ich muss zugeben – würde „Aus dem Nichts“ nicht so viel internationale Aufmerksamkeit einfahren, hätte ich ihn mir vermutlich nicht im Kino angesehen. Auch wenn Fathi Akin schon längst ein großer Name in einer doch eher kargen deutschen Filmlandschaft ist, hat mich dieses Drama nicht unbedingt angesprochen. Nachdem „Aus dem Nichts“ in Cannes gefeiert, und nun sogar in die Auswahl möglicher Oscarkandidaten geraten ist, musste ich nun doch einmal einen Blick riskieren.
Präsentiert wurde mir hier ein tiefgreifendes Drama in drei Akten, das deutlich an die Nieren geht. Der Film lässt kein Detail aus, uns den Schmerz einer Frau in allen Einzelheiten darzulegen, die alles verloren hat. Hier ein großes Lob an Diane Kruger, die ihre Rolle auf so großartige Weise ausfüllt, dass es wehtut hinzusehen.
Der mittlere Teil des Films erzählt den Verlauf der Prozesse, wo die empfindliche Emotionalität einer trauernden Mutter und Ehefrau auf die kalte Amtsssprache eines Gerichtssaals trifft. Fatih Akin hat selbst mehreren NSU-Prozessen zu Recherchezwecken beigewohnt, und das merkt man deutlich. Nicht nur wird ein realistisches Bild eines Prozesses gezeichnet, sondern auch der – völlig zurecht kritisierte – sehr schwierige Umgang der Behörden in den realen NSU-Prozessen.
Schließlich führt der dritte Akt Katja auf ihren ganz persönlichen Weg, mit den Geschehnissen umzugehen. Ohne spoilern zu wollen, muss ich sagen, dass ich mir an dieser Stelle einen etwas anderen Ausgang der Geschichte gewünscht hätte. Möglicherweise ist es so aber auch der nachvollziehbarste Weg, den Katja hier beschreitet.
So oder so hat Fatih Akin hier erneut einen Film geschaffen, der seinem Hauptcharakter so nah kommt, dass man förmlich mitfühlt, und das schaffen nur die wenigsten Filme.

Der Soundtrack begleitete den Film meist unauffällig, doch teils mit einer Mischung aus treibenden, tiefen Bässen und leisen, unangenehm passenden Streichern, die gerne mal die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. Völlig überrascht war ich, als ich in den Credits las, das dafür kein geringerer als der Queens of the Stone Age-Frontmann Josh Homme verantwortlich ist. Fatih Akin hat sich beim Schreiben von dessen Musik inspirieren lassen, sodass er kurzerhand Homme bat, nicht nur einen Song zum Score beizusteuern, sondern gleich den kompletten Soundtrack zu schreiben.

Fazit: Auch wenn „Aus dem Nichts“ nicht in die Geschichtsbücher der Filmlandschaft für eine unkonventionelle Geschichte eingehen wird, bin ich doch tief berührt von seiner emotionalen Wucht und der schauspielerischen Leistung Diane Krugers. Ich gönne Fatih Akin jeden Preis, denn er weiß einfach seine Zuschauerschaft zu fesseln. Klare Empfehlung für alle, die sich auf ein hartes Drama einlassen können. 7 von 10 Popcornguys

Serien-Special: Was man sich zur Zeit so bei Netflix ansehen kann

Seit ein paar Tagen bin ich nun offiziell bei Netflix. Und damit sich das rechnet, habe ich mich natürlich mal umgesehen. Und siehe da: Es gibt tatsächlich viel Gutes zu entdecken. Daher möchte ich euch nun kurz drei Serien über vermisste Kinder, eine Westernstadt voller Frauen und ein psychopathisches Teenie-Pärchen vorstellen.

Dark

Den Anfang macht „Dark“, die große deutsche Serie bei Netflix. Der Satz „Für eine deutsche Serie nicht schlecht!“ hat ja einen recht faden Beigeschmack, von daher gibt es von mir ein anderes Statement: Keine andere Serie 2017 (und dazu zählen bei mir immerhin die aktuellen Staffeln von „Game Of Thrones“ und „Stranger Things“) hat mich so positiv überrascht wie „Dark“. Zugegeben, in dieses Fazit mischt sich meine Freude darüber, dass es nun auch bei uns serientechnisch in eine gute Richtung geht, kräftig mit rein. Doch um was geht es eigentlich bei „Dark“? Die Serie spielt in der Kleinstadt Winden, in deren Nähe ein für die Story wichtiges Atomkraftwerk steht. Winden wird von mehreren Familien bewohnt, bei denen allesamt mehr oder weniger die Kacke am Dampfen ist. Doch zunächst sind die Konflikte und schmutzigen Geheimnisse eher unter der Oberfläche, denn jeder kennt jeden und hält lieber erstmal den Mund. Kleinstadtmilieu eben. Aufgewühlt wird die ganze Suppe jedoch wegen einiger vermisster Kinder, was unter anderem Polizist Ulrich (gespielt von Oliver Masucci aus „Er ist wieder da“) nahe geht. Schließlich hat er einen Bruder zu beklagen, der in den 80er Jahren verschwunden ist. Allmählich kommen Ulrich und die anderen Bewohner Windens einem großen Mysterium auf die Spur, denn die Fälle der vermissten Kinder – egal ob aktuell oder vergangen – hängen zusammen. Kleinstadt? Mystery? Vermisste Kinder? 80er Jahre? Wenn man das so auf dem Papier liest, drängen sich die Parallelen zu „Stranger Things“ förmlich auf. Doch da sollte man an mehreren Punkten einhaken. Das Drehbuch der deutschen Serie war anscheinend lange vor dem populären amerikanischen Kollegen fertig. Noch dazu bedient sich „Stranger Things“ gerne selbst an früheren Werken. Und der sicherlich wichtigste Punkt: „Dark“ entwickelt sehr schnell einen ganz eigenen, meiner Meinung nach sehr faszinierenden Charakter. Klar, manche Dialoge sind etwas holprig, hin und wieder ist man in gewohnt deutscher Manier etwas verkopft und mit all den vielen Charakteren verliert man schon mal gerne den Überblick. Doch „Dark“ ist interessant, düster, überraschend, mitreißend und stark süchtig machend. Ich spreche eine klare Empfehlung aus und rate, bis zum Ende der Staffel dran zu bleiben. Es lohnt sich – 8 von 10 Popcornguys!

Godless

Meine nächste Serie, die ich innerhalb von ein paar Tagen verschlungen habe, ist „Godless“. Es würde mich nicht überraschen, wenn sie sich als eine der bisher teuersten Netflix-Serien entpuppt, denn das Western-Setting sieht von vorne bis hinten großartig aus. Es geht um eine kleine Minenstadt mit dem Namen La Belle, in welcher fast ausschließlich Frauen leben. Wieso ist das so? Es gab Männer, doch die sind fast allesamt bei einem Minenunglück ums Leben gekommen. Die Frauen von La Belle kommen einigermaßen zurecht, doch natürlich leben sie in einer rauen Welt und müssen sich um ihre Zukunft sorgen. Sie haben noch einen Sheriff (Scoot McNairy), doch dieser gilt – im Gegensatz zu seiner taffen Schwester (Merritt Wever) – als Feigling und ist am Erblinden. Ein wenig außerhalb der Minenstadt gibt es eine Farm, die von einer störrischen Witwe (Michelle Dockery) zusammen mit ihrem Sohn und ihrer Schwiegermutter bewohnt wird. Hier taucht eines Tages ein Fremder (Jack O’Connell) auf. Dieser gehörte einst zur Bande eines berüchtigten Verbrechers (Jeff Daniels) und bringt durch seine Anwesenheit La Belle und all ihre Einwohner in große Gefahr. Vielleicht könnte man „Godless“ vorwerfen, hier und da etwas zu gemächlich zu sein. Möglicherweise ist es auch so, dass nicht alle Charaktere oder Nebenhandlungen absolut stimmig zu Ende gedacht werden. Aber alles in allem präsentiert „Godless“ eine Western-Welt, in welche ich nur zu gerne abgetaucht bin. Sehr viele Punkte haben mir richtig gut gefallen. Da wäre zum einen der bereits erwähnte und fantastische Look, zum anderen das ruhige Erzähltempo, welches Zeit für gefühlvolle Momente lässt, die auch schön musikalisch untermalt werden. Zum anderen halte ich die Ausgangslage der Story – eine Minenstadt, in welcher aus nachvollziehbaren Gründen fast nur Frauen leben – für sehr clever. Ganz natürlich ergeben sich dadurch Frauenrollen, die genreuntypisch interessanter und verantwortungsvoller sind, als man es für gewöhnlich aus Western kennt. Andererseits wird der Bogen nie wirklich überspannt und die recht ernste Serie behält ihre historische Authentizität. Ein absolutes Highlight ist natürlich Jeff Daniels in der Rolle des Bösewichts. Er tritt auf als eine Art Mischung aus Bandit und Prediger, wirkt in manchen Szenen religiös-fanatisch und abgrundtief böse, überrascht jedoch in anderen Szenen durch diverse moralisch überzeugende Handlungen. Ein sehr spannender Charakter! „Godless“ erhält von mir 8 von 10 Popcornguys!

The End Of The F***cking World

Zum Schluss gibt es noch was zu Lachen – vorausgesetzt man steht auf rabenschwarzen Humor. „The End Of The F***cking World“ erzählt die Geschichte der 17-jährigen Teenager James (Alex Lawther) und Alyssa (Jessica Barden aus „The Lobster“). Er ist ein selbsterklärter Psychopath, dem das Töten von Tieren nicht mehr genug ist. Er nimmt sich vor, demnächst einen Menschen umzubringen, wartet aber noch auf den passenden Moment und das richtige Opfer. Sie ist neu an der Schule, furchtbar vorlaut, selbstgerecht und absolut respektlos gegenüber allen anderen Menschen. James und Alyssa laufen sich in der Schule über den Weg – sie findet ihn interessant, er erwählt sie zu seinem zukünftigen Todesopfer. Die beiden werden zu einem kuriosen Paar und beschließen, miteinander durchzubrennen. Wenn man den Trailer zu „The End Of The F***cking World“ gesehen hat, wird man recht schnell merken, ob einem der Humor liegt oder nicht. In meinem Fall hat es sofort gezündet und ich habe die acht 20-minütigen Folgen innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Ein wenig wirkt die Serie, als hätten sich die Macher von „The Lobster“ an einem Coming-of-age-Stoff versucht – und dabei auch nicht an Blut gespart. Allerdings ist die Serie nicht nur lustig. Eine überraschend große emotionale Fallhöhe wird erzeugt, wenn man schließlich mit den Hintergründen und Ängsten der Protagonisten konfroniert. Dies steht gelegentlich in einem scharfen Kontrast zu den Comedy-Aspekten der Serie. Das muss man mögen, doch wenn man sich nicht daran stört, dürfte man enormen Spaß mit „The End Of The F***cking World“ haben. Ich verteile 8 von 10 Popcornguys!

Personal Shopper

Titel: Personal Shopper
Regisseur: Olivier Assayas
Kamera: Yorick Le Saux
Darsteller: Kristen Stewart, Lars Eidinger, Sigrid Bouaziz



Die Amerikanerin Maureen (Kristen Stewart) arbeitet in Paris für die Prominente Kyra (Nora von Waldstätten) als Personal Shopper – sie reist durch ganz Europa, um Kleidung, Schmuck und Schuhe für ihre Arbeitgeberin einzukaufen. Eigentlich hasst sie diesen Job, doch ist sie auf ihn angewiesen, um weiter in Paris warten zu können. Genau wie ihr Zwillingsbruder Lewis ist sie ein Medium mit besonderer Sensibilität zum Jenseits. Maureen wartet geduldig am Ort seines Todes, um ein letztes Zeichen von Lewis zu erhalten.

Personal Shopper machte auf sich aufmerksam, als Olivier Assyas in Cannes als bester Regisseur dafür geehrt wurde. Das nachdenklich stimmende, ruhige Drama um eine junge Frau, die sich an die Vergangenheit klammert, um den Schmerz um sich herum ertragen zu können, entstand nach der ersten Zusammenarbeit zwischen Assyas und Stewart in „Die Wolken von Sils Maria“. Dem Drehbuchautor und Regisseur ist damit ein Glücksgriff gelungen, denn Kristen Stewart füllt diese Rolle mit einer unauffälligen, und doch starken Präsenz, sodass man kaum die Augen von ihr abwenden möchte.

Ein ganzes Stück dazu leistet vermutlich die Arbeit des Kameramanns, der in ungewöhnlichen, und doch unaufgeregten Blickwinkeln eine bittere wie schöne Atmosphäre schafft.

Eigentlich ist es ein schweres Stück, dass uns Assyas da vorsetzt: Einerseits begleitet der Zuschauer eine junge Frau in einer schwierigen Phase ihres Lebens, mitten im Versuch, den eigenen Weg ausfindig zu machen. Gleichzeitig werden hier Geisterséancen, Übersinnliche Kunst und Philosophie über Seele und Jenseits ins Spiel gebracht. Heraus kommt ein kalt wirkendes Werk, das den Betrachter unschlüssig zurück-, und doch nicht loslässt.

Fazit: Auf leisen Sohlen dringt diese Geschichte in den Kopf derjenigen ein, die sich darauf einlassen. Personal Shopper ist ein ruhiger Film, der einem beizeiten aber auch auf die Stuhlkante rutschen lässt. Ein Tipp für Kristen Stewart-Fans und alle, die sich auf eine ungewöhnliche Reise einlassen wollen. 8 v0n 10 Popcornguys! 

Star Wars: Die letzten Jedi

Titel: Star Wars: Die letzten Jedi
Originaltitel: Star Wars: The Last Jedi
Regie: Rian Johnson
Musik: John Williams
Darsteller: Daisy Ridley, Adam Driver, Mark Hamill

Nach der Vernichtung der Starkiller-Basis befinden sich die verbliebenen Streitkräfte des Widerstands auf der verzweifelten Flucht vor der Übermacht der Ersten Ordnung. Zur gleichen Zeit hat die machtsensitive Rey (Daisy Ridley) den alternden Jedi-Meister Luke Skywalker (Mark Hamill) auf seinem Exil-Planeten ausfindig gemacht. Sie möchte ihn dazu bewegen, wieder ins Geschehen einzugreifen und der Galaxis die Hoffnung zurückzugeben.

SPOILER-WARNUNG: Im Gegensatz zu anderen Kritiken werde ich mich bei diesem Film nicht zurückhalten und hemmungslos spoilern. Man sollte den folgenden Text also erst lesen, wenn man bereits im Kino war.

Bevor ich auf „Die letzten Jedi“ eingehe, möchte ich meine allgemeine Gefühlslage hinsichtlich „Star Wars“ ein wenig erläutern. „Das Erwachen der Macht“ halte ich immer noch für einen guten Film. Mir gefällt das erste Drittel, ich mag die neuen Charaktere, Kylo Ren ist ein interessanter Bösewicht und ich rechne J.J. Abrams das Unterfangen, das alte „Star Wars“-Feeling einfangen zu wollen, hoch an. Gerade, weil einem die Prequels doch noch quer im Magen liegen. Dennoch kann ich nicht leugnen, dass „Das Erwachen der Macht“ ab dem Mittelteil so seine erzählerischen Probleme hat, unterm Strich doch etwas zu gehetzt wirkt und mit der Starkiller-Basis ein äußerst schwaches Story-Element bietet. Noch schwächer war für mich dann „Rogue One“, das erste von mehreren geplanten Spin-offs. Der Ausgang dieser Geschichte war ja von vornherein klar, von daher habe ich erwartet, dass einem wenigstens interessante und vor allem sympathische Charaktere präsentiert werden, mit denen man mitfiebern kann. Das war leider überhaupt nicht der Fall und übrig blieb bei „Rogue One“ eine aufgrund von Nostalgie ansprechende Hülse – jedoch ohne nennenswerten Inhalt. Eine gewisse Ernüchterung machte sich bei mir breit. Hinzu kommt die Gewissheit, dass es ab nun jedes Jahr mindestens einen „Star Wars“-Film geben wird. Vermutlich so lange, bis wir alle tot sind. Es ist also nichts besonderes mehr und ein leichtes Gefühl von Übersättigung macht sich so langsam breit. Außerdem wird man selbst ja auch nicht jünger und all das erklärt wohl, warum mein Hype hinsichtlich „Die letzten Jedi“ nicht extrem groß war.

Doch wie ist denn nun der Film an sich? Einen Tag nach der Sichtung sind meine Gefühle immer noch gemischt. Er ist seltsam, unbefriedigend, überraschend, mutig, beeindruckend und groß – manchmal sogar alles zur gleichen Zeit. Von daher ist es nur passend, wenn ich gerade Schwierigkeiten habe, meine Eindrücke zu sortieren. Aber ich möchte mir Mühe geben.

Fangen wir vielleicht mit einem Punkt an, der offensichtlich vielen Fans sauer aufstößt: Der Humor. Subtilität wird man hier eher weniger finden, dafür mehr Klamauk und Slapstick. In vielen Szenen schimmert auch der in dieser zur Zeit so angesagte und für unsere Gesellschaft typische Meta-Humor durch. Das heißt: Eine Szene wird spannend und dramatisch aufgebaut, um dann mit einem ironischen Gag aufgelöst zu werden. Irgendwo passt diese Art von Humor zwar zum Film, denn thematisch geht es stark um Relativierung und das Loslassen der Vergangenheit. Trotzdem muss ich sagen, dass einige Szenen aufgrund von Witzen dieser Art an Kraft einbüßen. Man wird ein Stück weit aus dem Film rausgerissen und fragt sich, ob man gerade wirklich einen „Star Wars“-Film sieht oder nicht eher eine Parodie. Aber eine Entwarnung kann ich trotzdem geben: So schlimm wie bei den meisten Marvel-Filmen ist es mit dem ironisierten Zuzwinkern noch lange nicht.

Die Effekte sind in den meisten Szenen gut und ergeben in Kombination mit der tollen Kameraarbeit beeindruckende Bilder. John Williams Score liefert hier natürlich auch seinen Beitrag. Die Musik ist grundsolide, ich muss den Soundtrack aber nochmal extra hören, um sagen zu können, ob es hier markante neue Töne gibt, die auf Dauer hängen bleiben können. Doch zurück zu den Effekten: Leider sehen sie nicht alle gut aus, ein paar von ihnen (ich denke hierbei zum Beispiel an die Porg-Vogelwesen oder einige Kreaturen auf dem Casino-Planeten) wirken geradezu billig. Vielleicht ist man da inzwischen auch nur zu sehr verwöhnt, aber ich würde meinen, dass „Das Erwachen der Macht“ unterm Strich optisch überzeugender war. Mit der Original-Trilogie möchte ich gar nicht erst das Vergleichen anfangen, da trübt die Nostalgie womöglich auch zu sehr die Wahrnehmung. Aber damals hatten sämtliche Welten und Wesen Charme und einen fühlbaren Charakter, der einem in neueren Filmen größtenteils abgeht. Denn stellt euch mal ganz ehrlich die Frage: Wie viele Namen der neuen Planeten fallen euch denn ein? Mir kein einziger, wenn man mal von Jakku absieht.

Auch bei den Charakteren gibt es sowohl Positives, als auch Negatives zu sagen. Die vermutlich besten Momente sind zwischen Rey und Kylo Ren (Adam Driver). Eine von Oberbösewicht Snoke inszenierte Macht-Verknüpfung sorgt dafür, dass die beiden Figuren miteinander interagieren können, ohne am gleichen Ort sein zu müssen. Das sorgt für interessante Dialoge, in denen man die Spannung zwischen den zwei Charakteren spührt. Mark Hamill kehrt in der Rolle des Luke Skywalker zurück, aber womöglich anders, als man es erwartet hätte. Er ist ein gebrochener, alter Mann, der die Macht und die Jedi hinter sich lassen möchte. Diesbezüglich spielt der Film weitere Stärken aus, wenn es darum geht, bestimmte Ansichten von Gut und Böse zu hinterfragen. Falls diese Ideen von Rian Johnson stammen, verdient der Regisseur Lob für diesen Mut, denn er schafft es, einige tatsächlich neue Elemente ins „Star Wars“-Universum einzubringen. Das ist zum einen das bereits erwähnte Hinterfragen von Gut und Böse, zum anderen weiteres Experimentieren, wie beispielsweise die Macht-Projektion, welche den Showdown des Films ausmacht, oder eine recht ungewöhnliche, aber beeindruckende Visionsszene von Rey.

Doch zurück zu den Charakteren. Poe Dameron (gespielt von Oscar Isaac) hat etwas mehr zu tun als im Vorgänger und muss langsam eine verantwortungsvollere Position innerhalb des Widerstands ausfüllen. Das hat mir gefallen. Auch Finn (John Boyega), hat eine Aufgabe, doch diese ist leider mit einem recht problematischem Story-Element verknüpft. Er lernt eine junge Frau namens Rose (aus Rücksicht auf den chinesischen Markt mit einer Asiatin besetzt) kennen, mit der er zwischendurch auf einem Casino-Planeten nach einem Codeknacker sucht. Dieser wird von Benicio del Toro gespielt, einem Schauspieler, den ich überaus schätze, der hier jedoch in einer stotternden und größtenteils überflüssigen Rolle zu sehen ist. Überhaupt hat der gesamte Finn-Rose-Strang seine Probleme und Längen. Die Zeit, die hier auf unnötige Charaktere, schlechtes CGI und Tierquälerei verwendet wird, hätte man meiner Meinung nach besser für Antworten auf offene und wichtige Fragen nutzen können. Eine weitere neue Figur innerhalb des Widerstands wird von Laura Dern gespielt. Sie funktioniert als eine Art Gegenpart zum eher impulsiven Charakter von Poe Dameron, was mir an und für sich gefallen hat. Auch das Opfer, welches sie letztendlich für den Widerstand bringt und audio-visuell hervorragend präsentiert wird, hat mir zugesagt. Trotzdem stellt sich mir die Frage: Hätte das auch nicht einer der bereits bekannten Charaktere machen können? So wird beispielsweise in einem Nebensatz erwähnt, dass Admiral Ackbar gestorben ist. Hätte es nicht mehr Sinn gemacht, ihn an die Stelle von Laura Dern zu setzen? Vergessen möchte ich natürlich nicht Carrie Fisher. Sie macht in diesem Film als Leia einiges her und hat schöne Szenen, doch leider auch eine der schlechtesten überhaupt. Ich meine jenen Moment, als sie während einer Weltraumschlacht ins All gezogen wird, dies jedoch überlebt und mit Hilfe der Macht zurück ins Schiff schwebt. Mich stört es überhaupt nicht, dass Leia die Macht nutzen kann, das tut sie im Prinzip ja schon seit „Das Imperium schlägt zurück“. Aber die Art und Weise, wie dieser Flug inszeniert war, empfand ich einfach als störend und unnötig.

Recht überflüssig und verschenkt war wieder einmal Captain Phasma (gespielt von Gwendoline Christie). Sie kehrt für ein paar Minuten zurück, um sich einen kurzen Kampf mit Finn zu liefern und anschließend in einer Explosion unterzugehen. Sollte der Charakter im dritten Teil der Trilogie überraschend wieder auftauchen, dürfte sie sich endgültig als Running Gag etabliert haben. Etwas zwiegespalten bin ich auch bei Snoke (Andy Serkis), dem Anführer der Ersten Ordnung. Optisch ist er einwandfrei und macht was her, angefangen von seinem schicken, goldenen Bademantel, bis hin zu seinem stilvollen, roten Thronsaal. Beeindruckend fand ich auch das Ausmaß seiner Macht, welches mindestens an das des Imperators heranreichen dürfte. Es kommt zu einem Treffen zwischen Snoke, Kylo Ren und Rey, welches vom Gefühl her an „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ erinnert, aber nun im Mittelteil der Trilogie steht und überraschenderweise mit dem Tod Snokes endet. Einerseits finde ich das gut, wenn Erwartungen unterlaufen werden. Außerdem ist es ein recht interessantes Aufgreifen von Darth Vaders Plan aus „Das Imperium schlägt zurück“, denn im Gegensatz zu seinem Vorbild schafft es Kylo Ren, seinen Meister zu töten und dessen Platz an der Spitze einzunehmen. Andererseits werden wohl einige Fragen hinsichtlich Snoke unbeantwortet bleiben: Wer ist er eigentlich? Wo kommt er her? Wie hat er Kontakt mit Kylo Ren aufgenommen? Wie hat er die Erste Ordnung aufgebaut? Und wer sind eigentlich die Ritter von Ren? Es mag sein, dass manche dieser Fragen doch noch aufgegriffen werden. Und man kann natürlich auch so argumentieren, dass die Original-Trilogie ebenfalls vieles nie wirklich erklärt hat. Aber trotzdem muss ich einfach sagen, dass mich hier das Fehlen von einigen Hintergrundinformationen einfach stört. Dies hat bereits in „Das Erwachen der Macht“ angefangen.

„Die letzten Jedi“ ist allgemein recht groß darin, Erwartungen zu unterlaufen, beziehungsweise Fans herauszufordern und vor den Kopf zu stoßen: Man ist gespannt auf Snoke und erwartet so einiges – Snoke stirbt und bleibt im Grunde ein Mysterium. Man fragt sich, wer Reys Eltern wohl sein mögen – Reys Eltern sind anscheinend einfach nur irgendwelche Schrotthändler auf Jakku. Man geht davon aus, dass die Jedi ganz klar die Guten sind – die Jedi werden stark hinterfragt und von ihrem Legenden-Podest runtergeholt. Viele dieser unterlaufenen Erwartungen stellen Stärken des Films dar und sorgen etwa ab der Hälfte für einen höchst spannenden und unterhaltsamen Zickzackkurs. Und doch frage ich mich: Steht das Ende des Film in einer angemessenen Relation zu all diesen Bemühungen? Natürlich machen die Charaktere Entwicklungen im Laufe der Geschichte durch: Poe übernimmt Verantwortung, Finn steht klar zum Widerstand, Luke findet (nach einer wirklich großartigen Todesszene) seinen inneren Frieden, Kylo Ren ist der Anführer der Ersten Ordnung und Rey erkennt, dass es auf ihre Zukunft ankommt, nicht auf ihre Vergangenheit. Trotzdem muss man festhalten: Die Erste Ordnung ist weiterhin sehr mächtig, der Widerstand ist weiterhin sehr klein, Kylo Ren ist weiterhin böse und Rey ist weiterhin die gute, letzte Hoffnung. Haben sich all die Relativierungen und das mutige Hinterfragen von Gut und Böse also wirklich rentiert? Hätte man vom Ergebnis her nicht noch ein oder zwei Schritte weitergehen können? Ich persönlich werde das Gefühl nicht los, dass da mehr drin gewesen wäre.

Damit das Ganze hier aber nicht zu negativ klingt, möchte ich zum Schluss noch ein paar Momente betonen, die ganz groß waren und mir wirklich gefallen haben: Die Weltraumschlachten sind mitreißend. Die Zerstörung von Snokes Schiff ist eine Wucht. Kylo Ren und Rey liefern sich eine spannende Konfronation mit Snokes Wachen und haben allgemein sehr starke Szenen miteinander. Luke bekommt einen in jeglicher Hinsicht tollen Abgang. Und Regisseur Rian Johnson erweitert das „Star Wars“-Universum um visuell und inhaltlich neue Aspekte, welche die Vorfreude auf die komplett von ihm geplante Trilogie steigern. Um also zu einem Fazit zu kommen: „Die letzten Jedi“ hat seine Schwachstellen, doch die positiven Momente überwiegen und der mit dem Film verbundene Mut soll von mir gewürdigt werden. Insofern verteile ich starke 7 von 10 Popcornguys – und bin gespannt, ob der Film bei weiteren Sichtungen womöglich stärker punkten kann.

Jahresvorschau 2018

Bevor das Jahr 2017 mit „Star Wars: Die letzten Jedi“ cineastisch abgerundet wird, lohnt es sich, den Blick in die Zukunft zu richten – und zwar ins Filmjahr 2018. Hierbei stechen natürlich die potentiellen Blockbuster-Titel besonders hervor, wie beispielsweise „Aquaman“, „Avengers 3: Infinity War“, „Black Panther“, „Jurassic World 2: Das gefallene Königreich“, „Maze Runner 3: Die Auserwählten in der Todeszone“, „Pacific Rim 2: Uprising“, „X-Men: Dark Phoenix“ und – wenn man es so richtig hart mag – „Fifty Shades Of Grey 3 – Befreiende Lust“. Alle diese Titel interessieren mich wenig bis gar nicht und ich kann momentan nicht sagen, ob ich ein paar davon im Kino sehen werde oder nicht. Sicher bin ich mir da eher bei anderen Filmen, die ich im Folgenden etwas genauer unter die Lupe nehmen möchte.

Den Anfang im Januar macht der Indie-Horrorfilm „It Comes At Night“ mit Joel Edgerton in einer der Hauptrollen. Es scheint auf eine Geschichte im kleinen Rahmen mit apokalyptischem Hintergrund hinauszulaufen, doch bis auf einen ersten recht verstörenden Trailer habe ich mich bisher von allen weiteren Informationen fernhalten können. Mein Interesse ist dennoch geweckt, zum einen wegen der guten Kritiken, zum anderen wegen dem verantwortlichen Filmverleih. „It Comes At Night“ wird von A24 präsentiert, welches die letzten Jahre mit kleinen Filmperlen wie „Enemy“, „Under The Skin“, „Ex Machina“, „Raum“, „The Witch“, „The Lobster“ und „Swiss Army Man“ auf sich aufmerksam machte. Ähnlich mysteriös ist ein Film mit dem vorläufigen Titel „God Particle“, der im Februar starten soll. In dem Sci-Fi-Thriller scheint es um einen Teilchenbeschleuniger zu gehen, dessen Fehlfunktion dazu führt, dass die Erde verschwindet. Noch dazu soll „God Particle“ in einem engen Zusammenhang mit „Cloverfield“ stehen. Die Informationslage ist – ähnlich wie damals bei „10 Cloverfield Lane“ – sehr spärlich, doch genau das macht vermutlich den gewissen Reiz des Projekts aus. Ebenfalls im Februar läuft eine Komödie an, welche eine Art Making-of zu „The Room“ ist, einem der offiziell schlechtesten Filme aller Zeiten. Die Rede ist von „The Disaster Artist“. James Franco schlüpft hierbei in die Rolle des Ausnahme-Filmschaffenden Tommy Wiseau, der mit seinem in jeglicher Hinsicht miserablen Film Kultstatus erreicht hat. Mit an Bord sind außerdem James Francos Bruder Dave und Seth Rogen. Besonders lustig ist die Tatsache, dass „The Disaster Artist“ als Film über einen der schlechtesten Filme aller Zeiten nun realistische Chancen auf Oscar-Nominierungen hat.

Hochkarätig und oscarwürdig geht es im Februar weiter, schließlich befindet man sich hier mitten in der Award Season. In „Wind River“ geht es um einen Wildtierjäger (gespielt von Jeremy Renner), der in einem verschneiten Indianerreservat in Wyoming einen grausigen Fund macht. Interessant ist hierbei vor allem Regisseur Taylor Sheridan, der die Drehbücher zu den überaus guten Filmen „Sicario“ und „Hell Or High Water“ schrieb und nun im Regie-Stuhl Platz nimmt. Ein weiterer heißer Oscar-Kandidat könnte die Fantasy-Romanze „The Shape Of Water: Das Flüstern des Wassers“ sein. Regisseur Guillermo del Toro („Pans Labyrinth“) erzählt die Geschichte einer jungen, stummen Frau (Sally Hawkins), die sich in einem Labor zur Zeit des Kalten Kriegs mit einem Fischwesen (Doug Jones) anfreundet und auch tiefere Gefühle für die Kreatur entwickelt. Ein effekttechnisch überragender, aber auch emotional daherkommender Trailer hat hierbei mein Interesse geweckt. Mein Sci-Fi-Herz wird weiterhin von „Auslöschung“ bedient, bei welchem ein Team von Wissenschaftlern ein gefährliches Sperrgebiet erforscht. Vor der Kamera sind unter anderem Natalie Portman und Oscar Isaac zu sehen, während sich Alex Garland als Regisseur verantwortlich zeigt. Dieser lieferte bereits mit „Ex Machina“ einen großartigen Sci-Fi-Film ab, weswegen ich gespannt auf den neuen Streifen bin.

Der März beginnt mit „I, Tonya“, welcher die auf realen Ereignissen basierende Konkurrenz der Eiskunstläuferinnen Tonya Harding und Nancy Kerrigan beleuchtet. Ich muss gestehen, dass mich Eiskunstlauf ja kein bisschen interessiert. Doch der Trailer ist schön bissig und für Hauptdarstellerin Margot Robbie habe ich doch eine gewisse Schwäche. In „Alpha“ geht es um einen jungen Jäger, der während der letzten Eiszeit eine schwere Verletzung erfährt und sich mit einem wilden Wolf verbünden muss, um in seiner harten Welt überleben zu können. Ebenfalls im März startet „Tomb Raider“, bei welchem die hinreißende Alicia Vikander in die Rolle der Computerspiel-Ikone Lara Croft schlüpft. Man orientiert sich beim Film offensichtlich an den letzten Spielen, die eine junge Grabräuberin mit weniger Vorbau, dafür mit mehr charakterlichem Hintergrund zeigten. Eine Vorfreude meinerseits ist da, obwohl ich ja sagen muss, dass mich der Trailer nicht gänzlich überzeugt hat. Passend zur Osterzeit startet mit „Maria Magdalena“ ein Film zu einer der bekanntesten biblischen Frauengestalten. Die Hauptrolle übernimmt die von mir hoch geschätzte Rooney Mara, ein erster Trailer konnte mich überzeugen und ich hoffe, dass man der Person und vor allem dem damaligen sozialen Kontext gerecht wird.

Im April meldet sich Steven Spielberg mit der Roman-Verfilmung „Ready Player One“ zurück. Die Sci-Fi-Geschichte beschreibt eine nicht allzu weit entfernte Zukunft, in welcher die Erde ziemlich heruntergekommen ist. Über spezielle VR-Brillen flüchten sich die Menschen in eine Art virtuelle Gaming-Welt, um dem Alltag zu entkommen. Ich kenne die Romanvorlage nicht, denke aber, dass sich der Stoff für den ein oder anderen gesellschafs- und technikkritischen Ton anbietet. Der mit CGI vollgestopfte Trailer wirkt einerseits interessant, andererseits blinkt dabei mein Augenkrebs-Alarmlicht regelmäßig auf. Optisch entspannter sieht da das bisherige Material zu „Lady Bird“ mit Saoirse Ronan aus. Es geht um eine junge Frau, die ihrem konservativen Kleinstadt-Nest entfliehen und sich in mehrerer Hinsicht neu ausprobieren möchte. Der Film scheint ein absoluter Kritikerliebling zu sein und hat daher mein Interesse geweckt. Im Thriller „A Beautiful Day“ spielt Joaquin Phoenix einen abgehalfterten Kriegsveteran, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Frauen aus dem kriminalisierten Sexhandel zu retten.

Die Blockbuster-Zeit dürfte spätestens im Mai eröffent werden. Den Anfang könnte „Solo: A Star Wars Story“ machen. Alden Ehrenreich schlüpft hierbei in die übergroßen Stiefel des ikonischen „Star Wars“-Schmugglers und zeigt, was der Pilot des Millenium Falken in seinen jungen Jahren so erlebt hat. Ihm zur Seite stehen unter anderem Emilia Clarke und Woody Harrelson. Einen Starttermin im Mai zweifle ich persönlich stark an, nicht zuletzt wegen diverser Komplikationen am Set. So wurden die ursprünglichen Regisseure Phil Lord und Chris Miller aufgrund kreativer Differenzen mit der Führungsetage durch Ron Howard ersetzt – und zwar zu einem Zeitpunkt, an welchem der Film schon größtenteils im Kasten war! Man darf gespannt sein, was mit „Solo: A Star Wars Story“ letztendlich auf den Zuschauer zukommt. Anfang August präsentiert uns Regisseur Shane Black „The Predator“, den neuen Film der berühmten Alien-Reihe. Ich muss gestehen, dass ich mit dem Franchise überhaupt nicht vertraut bin, wenn man mal von ein paar Schwarzenegger-Zitaten absieht. Doch der Cast liest sich interessant und vermutlich kann ein bisschen Sci-Fi-Action zwischendurch nicht schaden. Höhere Erwartungen habe ich allerdings an „Sicario 2: Soldado“. Im Prinzip ist das eine dieser Fortsetzungen, nach denen ich niemals verlangt hätte, erst recht nicht, da mein aktueller Lieblings-Regisseur Denis Villeneuve nicht involviert ist. Doch Filmemacher Stefano Sollima ist für den hervorragenden italienischen Mafia-Thriller „Suburra“ verantwortlich und wird mit einem Drehbuch von Taylor Sheridan versorgt. Hinzu kommt, dass sich die Geschichte um Benicio del Toros Charakter aus „Sicario“ drehen wird – und diesen Schauspieler sehe ich einfach zu gerne.

Im Oktober startet „Venom“, in welchem Tom Hardy den berühmten Spider-Man-Gegenspieler mimen wird. Hardy selbst ist natürlich eine Bank und der Erfolg anderer R-Rated-Filme wie „Deadpool“ und „Logan“ könnte uns tatsächlich einen harten und kompromisslosen Venom bescheren. Skeptisch macht mich allerdings der allgemeine Comicfilm-Dschungel, welcher mich noch nicht erkennen lässt, ob und inwiefern „Venom“ in einem engeren Zusammenhang zum Marvel Cinematic Universe oder einem anderen Filmuniversum steht. Ohne jegliche Vorbelastungen kommt dagegen „A Star Is Born“ daher. Lady Gaga und Bradley Cooper spielen hierbei ein Country-Pärchen, bei welchem sich die musikalischen Karrieren sehr unterschiedlich entwickeln, was wiederum die Liebesbeziehung zwischen den Künstlern belastet. Im Herbst 2018 soll angeblich eine weitere Verfilmung von „Das Dschungelbuch“ starten, dieses mal jedoch von Regisseur Andy Serkis und ohne die Schirmherrschaft Disneys. Ein anderer, möglicherweise konsequent düsterer Ansatz wäre denkbar – doch in jedem Fall ist dank Serkis‘ Beteiligung von großartigen Effekten auszugehen. Historisch wird es dagegen in „Mary Queen Of Scots“, welcher Saoirse Ronan und Margot Robbie in den Hauptrollen zeigt. Als Produzent und Drehbuchautor meldet sich im Dezember schließlich Peter Jackson zurück, und zwar mit der Verfilmung des Sci-Fi-Romans „Mortal Engines: Krieg der Städte“. Hierbei geht es um riesige, mobile Städte, die sich um die letzten Ressourcen der Erde streiten.

Einige Filme, die 2018 starten sollen, haben bisher noch keinen konkreten Starttermin. So zum Beispiel der von A24 präsentierte Boxerfilm „A Prayer Before Dawn“, die Wrestler-Komödie „Fighting With My Family“ mit Florence Pugh („Lady Macbeth“) oder der Western „Hostiles“ mit Christian Bale und Rosamund Pike. Mit „Creed 2“, „Deadpool 2“ und „World War Z 2“ stehen einige Fortsetzungen an, während es sich bei „Pottersville“ um eine nette Bigfoot-Komödie mit einem nicht gerade typisch besetzten Michael Shannon zu handeln scheint. Streaming-Plattformen werden 2018 wohl weiter an Bedeutung gewinnen, was bedeutet, dass man interessantes Projekt gar nicht mehr auf der großen Leinwand zu sehen sein wird. So trumpft Netflix nicht nur mit Serien, sondern auch eigens produzierten Filmen auf. Gleich drei Streifen könnten hierbei interessant sein: „Apostle“ (ein Thriller über einen religiösen Kult von Gareth Edwards), „Mute“ (ein deutsch-britischer Sci-Fi-Film von Duncan Jones), sowie natürlich „The Irishman“ (ein Gangsterfilm von Regie-Legende Martin Scorsese, der vor der Kamera unter anderem Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci versammelt). Letzterer wird aber vermutlich erst 2019 zu sehen sein.

Das kommende Jahr löst bei mir persönlich vielleicht nicht den allergrößten Hype aus, aber das Angebot ist vielfältig und es dürfte für jeden etwas dabei sein. Und in den meisten Fällen sind es doch gerade die Filme, die quasi im allerletzten Moment auftauchen und für den größten Filmgenuss sorgen. In diesem Sinne: 2018 kann kommen!

Lady Macbeth

Titel: Lady Macbeth
Originaltitel: Lady Macbeth
Regie: William Oldroyd
Musik: Dan Jones
Darsteller: Florence Pugh, Cosmo Jarvis, Naomi Ackie

England, 1865: Die junge Katherine (Florence Pugh) wird mit dem reichen, aber bedeutend älteren Minenbesitzer Alexander (Paul Hilton) verheiratet. Es zeigt sich schnell, dass dieser von der Ehe nicht sonderlich begeistert ist und wenig Interesse an seiner Gemahlin hat. Gemäß des damaligen Frauenbildes behandelt er Katherine wie seinen Besitz und untersagt ihr, das Haus zu verlassen. Die junge Frau ist in der sozialen und auch räumlichen Enge gefangen und verfällt in einen eintönigen Trott. Erst als Ehemann und Schwiegervater Boris (Christopher Fairbank) das Haus aus beruflichen Gründen verlassen, kann sie durchatmen und ihrem Hausarrest entkommen. Draußen trifft sie auf Sebastian (Cosmo Jarvis), einen Arbeiter auf Alexanders Anwesen, der wegen seiner rohen und direkten Art sehr anziehend auf Katherine wirkt. Die beiden beginnen eine stürmische Affäre.

Wenn man das Wort „Kostümfilm“ hört, mag der ein oder andere gähnen und abwinken. Und ja, „Lady Macbeth“ ist ein Film der ruhigen Sorte – doch er hat es in sich. Und zwar so richtig. Von den guten Kritiken angelockt, habe ich mich ins Kino begeben und mir das Spielfilm-Debut von Regisseur William Oldroy angesehen. Dieser hat vorher einige Kurzfilme gedreht, vor allem aber Erfahrung am Theater gesammelt. Insofern scheint der Filmtitel perfekt zu passen, doch Shakespeare sollte man nicht direkt erwarten. „Lady Macbeth“ ist vielmehr die Verfilmung der russischen Novelle „Die Lady Macbeth von Mzensk“, die als wichtiges Werk der Emanzipation gilt. Gekonnt lässt Oldroy mit der starren Kamera schöne, aber gleichzeitig auffällig unterkühlte Bilder einfangen, die gut zur Enge der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts passen. Alles hat seinen Platz, nicht nur das Mobiliar, sondern auch die Menschen, die mehr oder weniger leblos ihre vorgebene Rolle spielen. Eine jedoch bringt das Gefüge durcheinander: Katherine.

Und hier ist man beim Dreh- und Angelpunkt des Films angelangt. Katherine, von der Newcomerin Florcence Pugh wunderbar nuanciert gespielt, möchte aus dem gesellschaftlichen Korsett ausbrechen und sich selbst verwirklichen. Dass sie rebelliert, merkt der Zuschauer recht schnell. Und als aufgeklärter Mensch des 21. Jahrhunderts wünscht man dieser jungen und mutigen Dame auf der Kinoleinwand natürlich jeden Erfolg. Dabei ist es erwähnenswert, dass Katherine nicht aus der Zeit gefallen erscheint, sondern trotz ihres unzeitgemäßen Bestrebens fest in ihrer Epoche verwurzelt ist. Sie wirkt realistisch und nicht wie ein innerfilmischer Fremdkörper, der in bizarrer oder aufdringlicher Weise eine moderne Anschauung präsentieren. Das fand ich sehr angenehm. Doch meine Sympathien gegenüber Katherine verflogen während des Films zunehmend. Wer davon ausgeht, dass wir hier eine Filmheldin haben, die sich in bewunderswerter und vorbildhafter Weise ihre Rechte erkämpft, wird schnell eines Besseren belehrt. Katherine entpuppt sich als eiskalt und berechnend, sie spielt die Menschen in ihrem Umfeld bitterböse gegeneinander aus und profitiert in ihrer Emanzipation ironischerweise davon, dass andere nicht aus ihrer sozialen Position ausbrechen können. Ich möchte auf keine weiteren Details eingehen, aber letztendlich haben wir es hier meiner Meinung nach mit einer waschechten Antiheldin zu tun, deren Verhalten zwar nachvollziehbar, aber alles andere moralisch ist. Ein Film, der seine Protagonistin nach und nach zu einer Unsympathin macht, ist in jedem Fall mutig und riskiert viel. Doch glücklicherweise ist die Rechnung in „Lady Macbeth“ aufgegangen und liefert darüberhinaus einige Denkanstöße. Beispielsweise könnte man sich nun fragen, ob die moralischen Vergehen Katherines nicht auch einfach nur ein Ergebnis der engen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts ist.

Fazit: Das Drama „Lady Macbeth“ ist die Charakterstudie einer höchst interessanten, aber auch abschreckenden Frau, welche provokant und mutig mit den Zuschauererwartungen spielt. Die schönen, aber kühlen Bilder unterstützen den Inhalt, doch getragen wird der Film hauptsächlich von der beeindruckenden Darstellung von Florence Pugh. Ich vergebe 8 von 10 Popcornguys an diese starke Überraschung im ausgehenden Kinojahr.