The Skeleton Twins

Titel: The Skeleton Twins
Regisseur: Craig Johnson
Musik: Nathan Larson
Darsteller: Kristen Wiig, Bill Hader, Luke Wilson

Nach einem Selbstmordversuch trifft Milo (Bill Hader) nach zehn Jahren seine Zwillingsschwester Maggie (Kristen Wiig) wieder. Der depressive junge Mann wird von ihr und ihrem Mann (Luke Wilson) aufgenommen, um wieder ins Leben zurück zu finden. Dabei ziehen sich beide gegenseitig aus den tiefen Löchern, die sich in ihren Leben aufgetan haben.

Als großer Saturday Night Live-Fan hatte ich „The Skeleton Twins“ bald auf der Liste. Nachdem Kristen Wiig und Bill Hader nicht nur innerhalb des SNL-Ensembles zu meinen Schauspielfavoriten gehören, sehe ich sie in jedem Genre gerne – gerade da ich um ihre gute Chemie weiß. So auch in dieser Tragikomödie, die auf so manchen Indiefestivals zahlreiche Preise abräumte.

Bill Hader brilliert hier als homosexueller Mann, der von vergangenen Beziehungen und traumatischen Erlebnissen gebeutelt, keinen echten Ausweg mehr aus seinem verkorksten Leben findet. Das erneute Zusammenleben mit seiner Schwester weckt Kindheitserinnerungen – dies sorgt für witzige und tragische Szenen – und stellt den wichtigsten Schritt im Heilungsprozess dar. Einen fast schon kultartigen Status nimmt hier eine berühmte Lipsinc-Szene ein.
The Skeleton Twins besticht durch seine Chemie zwischen den Figuren – durch die ruhigen Dialoge transportiert Craig Johnson vor allem Gefühle, und verzichtet dafür auf große Storylines und Wendungen. Das macht den Film zu einem kleinen Streifen, der vielleicht nicht überrascht, aber sehr zum Nachdenken anregt.

Grundsätzlich ist es für Schauspieler, die eher aus dem Comedygenre bekannt sind, immer ein Drahtseilakt, sich auf dramatische Rollen einzulassen. Im Falle von Bill Hader und Kristen Wiig klappt es hier sehr gut.

GEWINNSPIEL:
Kommentiert unter dem Artikel, welche Schauspieler es eurer Meinung nach geschafft haben, mit einer guten Rolle mit ihrem Ruf gebrochen haben! Unter allen Kommentatoren verlose ich einen Digital Download-Code für „The Skeleton Twins“. Teilnahme bis 02.06.17

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Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Originaltitel: The Fault in Our Stars
Regisseur: Josh Boone
Musik: Various Artists
Darsteller: Shailene Woodley, Ansel Elgort

 TRAILER

Hazel Lancester bezeichnet sich wohl als ein durchschnittliches 16-jähriges Mädchen mit allen Problemen, die dieses Alter so mit sich bringt. Was sie jedoch von anderen Mädchen unterscheidet: Hazel leidet an Schilddrüsenkrebs, ihr Tod steht unvermeidlich bevor. Die Selbsthilfegruppe, die sie auf Wunsch ihrer Eltern besucht, hilft ihr nicht wirklich weiter, bis sie dort Augustus Waters kennenlernt, der sich in Remission befindet. Der arrogant wirkende Freigeist hat eine wunderbare Ausstrahlung auf Hazel, und so entwickelt sich bald eine innige Freundschaft. Augustus‘ Zuneigung ist so groß, dass er alles dafür geben will, um Hazel ihren großen Herzenswunsch zu erfüllen.

Tja, schon die Beschreibung lässt vermuten, dass wir uns in „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ nicht um besonders leichte Kost annehmen. Das Thema Krebs begleitet den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Sekunde in einer offenen und alle Härte zeigenden Weise. Gleichzeitig gelingt es dem Film sehr gut, mit einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte und schwarzem Humor, der sich grade in der Figur des Augustus zeigt, ein gut gemischtes Spannungsfeld zwischen Tragik und Komödie zu geben. Nichtsdestotrotz fühlt sich der Zuschauer hineingenommen in die Schwere des Themas, die mir persönlich auch jetzt noch, beim Schreiben des Artikels, anlastet.

Nicht nur von der Geschichte selbst, sondern besonders von seinen beiden Hauptdarstellern lebt „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“. Ansel Elgort ist ein Jungschauspieler, der erst seit kurzem im Geschäft ist, aber sehr solide Arbeit leistet. Die leichte Art und der bittere Galgenhumor, mit dem Augustus durch das Leben schreitet, ist sehr gut eingefangen. Daneben glänzt Shailene Woodley geradezu phänomenal in ihrer Hauptrolle, die der Figur Hazel Lancester unglaublich viel Tiefe verleiht. Bisher kannte ich Woodley nur aus The Descendants – nach dieser Meisterleistung bin ich sehr gespannt auf weitere Rollen.

Obwohl ich die Buchvorlage nicht gelesen habe (was ich schnellstmöglich nachholen werde), hat mir der Film die Einzigartigkeit der Geschichte, die John Green mit seinem Roman geschaffen hat, vermittelt. Geschichten, die zum Lachen und zum Weinen bringen gibt es schon, dennoch ist „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ für mich eine Liebesgeschichte, die ich so noch nicht gesehen habe – definitiv die beste, die ich seit langem gesehen habe. Die zahlreichen Taschentücher, die beim Abspann im Kinosaal gezückt wurden, sprechen dafür: Eine absolute Empfehlung für einen tief berührenden Film!

Tage voller Tiefgang

Filme sind Kunst. Nun, nicht jeder Film, da sind wir uns sicher einig. Aber dennoch sind Filme ein Medium, das – seit der erste Streifen über eine Leinwand flimmerte – die Menschen fasziniert. Besonders gute Werke, die sowohl eine packende wie interessante Geschichte erzählen, als auch handwerklich perfekt inszenierte Szenen ineinander fließen lassen, erwecken nicht nur unsere Begeisterung, sondern erfüllen unser Herz mit Emotionen. Das Medium Film ist ausgesprochen wirkungsvoll – wenn es denn richtig eingesetzt wird.

Wir Popcornguys haben uns mit einem Freund und Kollegen ein paar Tage Zeit genommen, uns künstlerisch wertvollen, sich bestimmten persönlichen wie philosophischen Themen behandelnden Filmen zu widmen. Hintergrund des ganzen ist ein geplantes Filmwochenende, welches im Rahmen der Jugendarbeit verschiedene Themen an junge Menschen heranbringen soll. Und welche Medien eignen sich dazu besser als Filme?

Um eine geeignete Auswahl zu treffen, haben wir uns mit sieben Filmen auseinandergesetzt, die in ihrer Machart zwar sehr unterschiedlich sind, eines jedoch gemeinsam haben: Wenn sich die Zuschauer darauf einlassen, können diese Werke ganz tief gehen.

The Game 

Als erstes widmeten wir uns einen für dieses Vorhaben eher ungewöhnlichen Actionthriller. Nicholas van Orton (Michael Douglas) ist ein reicher, hochnäsiger Geschäftsmann wie er im Buche steht. Eines Tages schenkt ihm sein Bruder Conrad (Sean Penn) einen Gutschein für ein Spiel, welches von einer Firma inszeniert und das Leben des Klienten grundlegend ändern soll. Skeptisch lässt sich Nicholas darauf ein, bis das Spiel plötzlich grausame Realität annimmt. Sein Leben gerät völlig aus den Fugen, bis Nicholas beschließt alles zu tun, um sein altes Leben zurückzugewinnen. 

Der 1997 von David Fincher (!) gedrehte Thriller besticht durch seine Spannung und grandiose Inszenierung. Mehr braucht man dazu auch gar nicht erwähnen. Wieso sollte dieser Film aber zentrale Fragen Jugendlicher ansprechen? Im weiteren Sinne fasst der Film Fragen auf, die der Zuschauer bald sich selbst stellt: Wie sieht mein Leben aus, bin ich damit zufrieden?

Adams Äpfel

Der Neonazi Adam (Ulrich Thomsen) wird zur Rehabilitation in die Obhut des schrägen Pfarrers Ivan (Mads Mikkelsen) übergeben, wo er die Aufsicht über den Apfelbaum des Gartens erhält, um letztlich einen Apfelkuchen zu backen. Adam ist nicht nur von den weiteren Bewohnern genervt, sondern muss sich auch dem unverbesserlichen Gutmenschentum des Priesters stellen, das ihn an seine Grenzen bringt.

Eine äußerst seltsame, herzerwärmende und schockierende Geschichte. Adams Äpfel gehört definitiv zu den schwärzesten Komödien, die ich kenne. Herrlich absurde Situationen und genial gespielte Charaktere erklären den internationalen Erfolg und die vielen Preise, die dieser Film zurecht eingeheimst hat. Mitunter werden immer wieder Gedanken aufgeworfen, die nach dem Handeln und Willen Gottes fragen. Wie lange kann der Glaube an einen liebenden Gott zahllosen Schicksalsschlägen standhalten?

L.A. Crash

Was wie ein Actionfilm klingt, ist ein berührendes Episodendrama, das die turbulenten Erlebnisse grundverschiedener Menschen miteinander verschmilzen lässt. Hochkarätig besetzt mit Don Cheadle, Sandra Bullock, Brendan Frasier, Matt Dillon, Ryan Phillipe u.v.m. unterhält Vermeintliche Stereotypen treffen hier aufeinander, die wir lieben oder hassen, nur um bald darauf eines Besseren belehrt zu werden. L.A. Crash den Zuschauer nicht nur, sondern lässt ihn an unglaublicher Charakterentwicklung teilhaben, die wiederum das eigene Leben hinterfragen lässt.

Life of Pi

Ein Schriftsteller lässt sich eine unglaubliche Geschichte erzählen: Pi, der mit seiner Familie und deren Zoo auf dem Weg von Indien nach Kanada ist, erleidet Schiffbruch. Einzige Überlebende sind der Junge und der bengalische Tiger des Zoos, Richard Parker. Dem Ozean und dem Raubtier ausgeliefert, beginnt die unfassbare Überlebensgeschichte von Pi. 

Zugegeben, auf den ersten Blick hört sich die von Ang Lee 2012 gedrehte Geschichte etwas seltsam an. Dennoch verzaubert der Film durch optische Nuancen wie auch durch eine schöne Erzählweise von Anfang an. Dem eigentlichen Plot vorausgehend berichtet Pi von seiner Kindheit und seiner groß angelegten Suche nach Gott, wo er vom Hinduismus über dem Christentum hin zum Islam fündig wurde. Im Film wird seine Lebensgeschichte als „Geschichte, die einem dem Glauben an Gott wieder gibt“ bezeichnet. Ob das stimmt, überlasse ich dem Zuschauer selbst. Nichtsdestotrotz lässt sich festhalten: Diese seltsame wie beeindruckende Geschichte geht gehörig in die Tiefe..

21 Gramm

21 Gramm beleuchtet das Leben dreier Personen, deren Schicksale sich durch einen dramatischen Vorfall verbinden. Der schwer erkrankte Paul Rivers (Sean Penn) hofft auf ein Spenderherz, das sein Leben retten soll. Der ehemalige Gefängnisinsasse Jack Jordan (Benicio del Toro) will sein Leben grundlegend ändern: Einzig seine Familie und sein unbändiger Glaube an Gott bestimmen sein Tun. Die Ehefrau und Mutter Cristina Peck sieht sich in einer glücklichen Phase ihres Lebens, als sich plötzlich alles in einen Albtraum verwandelt. 

Wenn ich unter den vielen Dramen die ich kenne und schätze, das beste auswählen müsste, würde ich wohl 21 Gramm nennen. Kein anderer Film hat mich je so sehr mitgenommen. Ob es nun an der anspruchsvollen Erzählweise oder der unfassbaren Schauspielleistung aller drei Hauptpersonen liegt: 21 Gramm nimmt den Zuschauer mit. Wir sehen uns schwerer Schicksalsschläge und Lebensbahnen ausgesetzt, die unser aller Leben aus den Fugen werfen würden.

Little Miss Sunshine

Die kleine Olive (Abigail Breslin) versucht ihr Bestes, in der wirren Welt von Schönheitswettbewerben einen Platz zu finden. Als sie wegen eines Formfehlers nachrückt und am großen Wettbewerb „Little Miss Sunshine“ teilnehmen darf, macht sie sich auf den Weg nach Kalifornien. Begleitet wird sie von ihrer mehr als schrulligen Familie: Der unerschütterliche, aber erfolglose Vater Richard (Greg Kinnear), die gestresste Mutter Sheryl (Toni Collette), ihr misanthropischer Bruder Dwayne (Paul Dano), der drogenabhängige Großvater (Alan Arkin) und der suizidgefährdete, homosexuelle Onkel Frank (Steve Carell). 

Ich sage oft, dass Little Miss Sunshine der beste Film ist, der je gedeht wurde. Ich glaube ich habe recht. Es gibt keine Tragikomödie, die ihrem Namen so gerecht wird. Wer diesen Film sieht muss lachen und weinen. Ehrlich.

Dein Weg

Thomas Avery (Martin Sheen) lebt ein zufriedenes Leben als Augenarzt in den USA, als ihn eine erschütternde Nachricht erreicht: Sein Sohn Daniel (Emilio Estevez) ist in Frankreich auf dem Jakobsweg ums Leben gekommen. Er macht sich sofort auf den Weg, um den Leichnam seines Sohnes zu holen. Dort angekommen beschließt er jedoch, einen radikalen Schritt zu wagen. Mit der Asche seines Sohnes im Gepäck will er den restlichen Weg nach Santiago de Compostela zurücklegen. Als unerfahrender wie wenig frommer Pilger muss er mit diversen Widrigkeiten kämpfen, trifft aber auch auf weitere Gefährten, die jeder für sich eine andere Lebensgeschichte und einen anderen Grund mitbringen, diesen Weg zu gehen. 

Die Zusammenarbeit zwischen Regisseur Estevez und Schauspieler Sheen gründet nicht nur im Film auf einer Vater-Sohn-Beziehung, sondern auch im echten Leben. Umso bewegender ist dieses Drama, das uns mit stillen, erschütternden Momenten und ebenso erheiternden Szenen beglückt. Viele Menschen machen sich auf dem berühmten Pilgerweg auf den Weg, um sich selbst, Gott, oder eine Antwort aufs Leben zu finden. Ob Thomas Avery und seine Mitstreiter eine Antwort finden, darf der einzelne Zuschauer selbst herausfinden. Fest steht aber: Wer diesen Film sieht, verspürt den Drang aufzubrechen.

Das sind sie nun, unsere sieben Perlen. Ohne Zweifel gehören sie zu jener Art Film, die einen tiefen Eindruck im Herzen des Zuschauers hinterlassen. Schon während dieses Wochenendes haben wir festgestellt, dass es noch viele viele mehr solcher Filme gibt, die es sich anzuschauen lohnt, um einen tiefen, beglückenden, froh machenden, Zweifel erweckenden, traurig stimmenden, nachdenklichen oder einreißenden Einfluss auf das eigene Leben zuzulassen.

Ed Wood

Titel: Ed Wood
Regisseur: Tim Burton
Musik: Howard Shore
Darsteller: Johnny Depp, Martin Landau, Sarah Jessica Parker, Bill Murray

Der erfolglose, aber sehr ehrgeizige Nachwuchsregisseur Edward D. Wood (Johnny Depp) gibt nicht auf: Unermüdlich kämpft er um die Unterstützung verschiedener Produktionsfirmen, um seine unzähligen Filmideen zu realisieren. Dabei schenkt er der Tatsache, dass alle seine Filme alles andere als erfolgreich sind, keine Beachtung. Dass sich seine Werke im zweifelhaften Titel „schlechtester Film aller Zeiten“ immer wieder nur übertreffen, spornt ihn mehr an, seine Visionen umzusetzen und in die Fußstapfen seines großen Vorbilds Orson Welles zu treten. Als er den alternden Star Bela Lugosi (Martin Landau) für seine Projekte gewinnen kann, wittert er die große Chance, als Filmregisseur in die Geschichte einzugehen.

Die Geschichte von Edward D. Wood ist wahrlich traurig – ein gescheiterter Schauspieler, Regisseur und Autor, der es immer wieder versucht, und nach seinem Tod als „schlechtester Regisseur aller Zeiten“ in die Geschichte einging. So hatte er es sich wohl bestimmt nicht gewünscht, doch Tim Burton schafft es, seine Lebensgeschichte zwar lose am wahren Geschehen, dafür aber mit viel Herz für den jungen Regisseur zu verfilmen. Der stets optimistische, aber ziemlich schräge Vogel Ed fällt mit Feuereifer über seine Mitmenschen her und versucht sie von seinen seltsamen Ideen zu überzeugen. Mit der Faszination eines Kindes stolpert er von einer Lebenssituation in die nächste und holt sich dort seine Inspiration für seine Filme. Dabei ist die Tatsache, dass er im Geheimen gerne mal Damenkleidung trägt, nicht nur ein Problem für seine Freundin Dolores Fuller (Sarah Jessica Parker), sondern auch für seine Geldgeber. Ed denkt aber gar nicht ans aufgeben, und so steckt er alles Herzblut in seine Ideen, mögen sie noch so schlecht umgesetzt werden.

Als Zuschauer dürfen wir nun beobachten, wie Ed Wood verzweifelt versucht, aus seinen Flops „Glen oder Glenda“, „Die Rache des Würgers“ und „Plan 9 aus dem Weltall“ Blockbuster zu machen. Auch wenn seine Filme nie kommerziell erfolgreich waren, erwärmen sie heute die Herzen aller Trash-Freunde. Tim Burton spielt in seinem schwarz-weiß Streifen mit den Nuancen der 50er-Jahre B-Movies, was dem ganzen nur noch mehr Charme verleiht.

Mit „Ed Wood“ wurde diesem liebenswürdigem Regisseur ein Denkmal gesetzt, das trotz seiner Talentlosigkeit seinem unermüdlichen Eifer, sowie seine Fürsorge für seinen Freund Bela Lugosi in frischer Form Tribut zollt, ohne auf seinen großen Schwächen herumzureiten. Für Freunde des Films allgemein, und besonders für Kenner diverser Trash-Perlen bietet uns „Ed Wood“ ein schönes Portrait eines unverstandenen Künstlers – 8 von 10 Popcornguys!

Lars und die Frauen

Originaltitel: Lars and the real women
Regisseur: Craig Gillespie
Musik: David Torn
Darsteller: Ryan Gosling, Emiliy Mortimer, Paul Schneider

Hier der Trailer

Der ruhige, introvertierte Lars lebt in der ausgebauten Garage seines Elternhauses. Obwohl sein Bruder Gus und dessen Frau Karen immer wieder versuchen, ihn ins gesellschaftliche Leben einzubinden, zieht sich Lars zunehmend zurück. Selbst am Arbeitsplatz geht Lars dem Kontakt mit anderen Menschen, vor allem Frauen, soweit es nur geht aus dem Weg, bis er eines Tages sein Umfeld schockt, als er allen seine neue Freundin vorstellt: Bianca. Sie ist Brasilianerin, war als Missionarin tätig, sitzt im Rollstuhl und ist eine lebensgroße Puppe. Lars‘ Umfeld ist vollkommen hilflos, denn dieser weigert sich, Bianca nicht als echt anzuerkennen. So müssen Familie, Freunde und Bekannte den einzigen Weg wählen, der Lars weiterhelfen kann: Sie müssen Bianca akzeptieren.

Es ist wohl kein Geheimnis mehr, dass ich Ryan Gosling als Schauspieler sehr schätze. Ich bin immer wieder überrascht, in welch unterschiedliche Rollen dieser Mann schlüpfen kann, ohne gestellt und unecht zu wirken. Zugeben muss man aber schon: Besonders die Rolle ruhiger, zurückgezogener Typen entspricht ihm sehr. Da ist der schreckhafte Lars mit seiner sauberen Frisur und dem Oberlippenbart beim sonntäglichen Kirchgang genau die richtige Rolle. Selbst das seltsame Verhalten von Lars gegenüber der Puppe Bianca, die er in allen Situationen wie einen lebendigen Menschen behandelt, bekommt Gosling hin.

Aus dem Making Of geht hervor, dass Ryan Gosling in der Vorbereitung auf den Film mit der Puppe in die Wohnung von Lars gezogen ist. Er wollte die Einsamkeit spüren, wollte das Lebensumfeld von Lars zu 100% erleben. Nun, diese Figur überzeugend auf die Leinwand zu bringen, ist ihm sehr gut gelungen. Lars bleibt für den Zuschauer ein wandelndes Rätsel – gleichsam verstehen wir ihn so gut, können alle seine Taten nachvollziehen.
Ryan Gosling ist der funkelnde Stern in diesem ohnehin großartigen Drehbuch, das nicht nur die Menschen innerhalb des Films verändert, sondern auch diejenigen vor dem Bildschirm. Auch wenn „Lars und die Frauen“ in seiner ruhigen Machart nicht allen Geschmäckern entspricht, kann wohl jeder die tiefen Emotionen, die hier hervortreten, nachspüren und verstehen.

Leider hat „Lars und die Frauen“ nie die breite Aufmerksamkeit erhalten, die er verdient. Ryan Gosling hat für seine geniale Arbeit 2007 den Saturn Award erhalten, und es bleibt fürm ich zu hoffen, dass die aufstrebende Karriere Goslings die Aufmerksamkeit der Fans auch auf diese frühen Perlen seiner Filmgeschickte lenkt.
9 von 10 Popcornguys für diese herzerwärmende Tragikomödie!

The Artist

Titel: The Artist (Originaltitel: The Artist)
Regisseur: Michael Hazanavicius
Musik: Ludovic Bource
Darsteller: Jean Dujardin, Bérénice Bejo, James Cromwell

Hier der Trailer.

Hollywood im Jahr 1927: Der Stummfilmschauspieler George Valentin (Jean Dujardin) ist der unbestrittene Star der Filmszene. Die Zuschauer liegen dem Charmeur zu Füßen, ebenso die Damenwelt. Durch eine zufällig erscheinende Begegnung fördert Valentin die Filmkarriere seines weiblichen Fans Peppy Miller, für die er schnell tiefere Gefühle entwickelt.Doch mit dem Übergang vom Stumm- zum Tonfilm beginnt   das Ende des Erfolgs von George Valentin.

Ein schwarz-weißer Stummfilm im Jahre 2012? Das werden sich wohl viele Fragen, die erstmals von „The Artist“ hören. Auch ich war anfangs eher distanziert. Schließlich fehlt mir aufgrund meines Alters völlig der Bezug zur Stummfilmära und nostalgische Gefühle würden aus diesem Grund überhaupt nicht aufkommen. Die ältesten Filme, die ich bisher bewusst gesehen habe, dürften „Moby Dick“ (1956), „King Kong und die weiße Frau“ (1933) und „Im Westen nichts Neues“ (1930) sein. Für einen Großteil der breiten Masse haben diese Streifen wohl Fossilien-Charakter, doch immerhin weisen sie bereits Ton auf.

Was hat mich schließlich doch dazu gebracht, mir „The Artist“ anzusehen? Nun, ich denke, dass es zum einen meine Neugier auf ein doch recht mutiges Filmprojekt war. Zum anderen hat der Film bei der diesjährigen Oscarverleihung einige Preise abgeräumt, unter anderem in der Königsdisziplin „Bester Film“. Auch wenn man nicht kritiklos den Oscars vertrauen sollte (denn schließlich sind sie ja keine goldenen Popcornguys), können solche Erfolge einen Vertrauensvorschuss bewirken. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Wie gesagt, Nostalgie kann es nicht gewesen sein, was ich während des Films spürte. Aber es gab Momente in „The Artist“, die mich wirklich tief berührten und die es mit Ton kaum besser geschafft hätten – höchstwahrscheinlich sogar weniger gut. Das Fehlen von Geräuschen und Stimmen gibt den oftmals hörgeschädigten Zuschauer des 21. Jahrhunderts die Chance, sich ungestört auf andere Elemente des Films zu konzentrieren: Bild, Musik und Gestik, beziehungsweise Mimik der Schauspieler.

Die Musik erscheint – ohne jedoch altbacken zu wirken – wie aus einer anderen Zeit. Das Hollywood der 30er Jahre tut sich einem in zahlreichen Facetten auf und dem Soundtrack gelingt es, die verschiedenen Stimmungen perfekt einzufangen, beziehungsweise zu transportieren. Auch die Bildkompositionen werden zu Kunstwerken, die man – wie bereits erwähnt – aufgrund der fehlenden Stimmen viel bewusster wahrnimmt. Als Beispiel fällt mir eine Szene ein, in der George Valentin bei einem Tiefpunkt seiner Karriere angekommen ist und niedergeschlagen an einem Kino vorbeigeht. Dort wird gerade ein Film mit dem Titel „Lonely Star“ beworben. Diese Bildanordnung in Kombination mit der Musik ergibt ein meiner Meinung nach perfektes und absolut stimmiges Stückchen Kunst. Der Schnitt und die Kameraeinstellungen sind allerdings – zumindest würde ich das so sehen – den heutigen Kinogewohnheiten größtenteils angepasst.

Natürlich lebt „The Artist“ aber auch von seinen Schausspielern. Jean Dujardin brilliert in seiner Rolle, in der er sowohl charismatisch-komisch-überheblich, als auch tragisch-niedergeschlagen überzeugt. Die Verleihung des Oscars ist hier in jedem Fall gerechtfertigt, es gelingt ihm als männliche Hauptfigur den Zuschauer vom ersten Moment an zu faszinieren. Doch da ich ein Mann bin, muss ich einfach die Leistung von Bérénice Bejo erwähnen. Selten hat mich ein weibliches Geschöpf auf der Kinoleinwand so verzaubert. Sie spielt witzig, frech und kess, bewegt sich mit viel Charme und Tanz über die Bildfläche, hat aber ebenso Momente, in denen sie unglaublich zerbrechlich wirkt und man sie einfach nur in den Arm nehmen will. Dass sie den Oscar für die beste Nebenrolle nicht bekommen hat, ist meiner Meinung nach eine Frechheit und sollte mit der Verleihung des goldenen Popcornguy im nächsten Jahr berichtigt werden.

Die Handlung an und für sich ist nicht besonders originell und komplex, aber das muss sie auch nicht sein. „The Artist“ ist eine Tragikomödie mit genügend anderen unkonventionellen Stilmitteln. Die Schlichtheit des Plots erzeugt eine unheimlich angenehme Wärme und es ist einfach nur ein Vergnügen, diesen Film und den Werdegang der beiden Hauptfiguren bis zum Ende zu verfolgen. Als besonders trickreicher Kniff erscheint mir, die Thematik des Endes der Stummfilmära mit einem Stummfilm zu thematisieren. An vielen Stellen spielt „The Artist“ auch mit der Konkurrenz der beiden Epochen. Beispielsweise leidet der durch den Tonfilm bedrohte George Valentin unter einem schlimmen Traum, in welchem auf einmal Geräusche zu hören sind.

Um zum Schluss zu kommen: „The Artist“ ist ein großartiger Film aus französischer Produktion, den man als Filmfan keinesfalls verpassen sollte – auch, wenn einem sonst der Bezug zum Stummfilm fehlt. Ich verteile vorerst 9 von 10 Popcornguys.

Noch ein kleiner Hinweis zum Schluss: Bitte wählt eure Favoriten für die Verleihung der Golden Popcornguys! Weitere Infos gibt es..

Adams Äpfel

Bevor ich mich in eine kurzzeitige Internetlosigkeit begebe, möchte ich noch schnell einen kleinen Insidertipp loswerden. Für die nächste Zeit müssen sich die eifrigen Leser des Blogs allein auf die hoffentlich zahlreichen Beiträge von prestophisto freuen 😉

Titel: Adams Äpfel
Regisseur: Anders Thomas Jensen
Musik: Jeppe Kaas
Darsteller: Ulrich Thomsen, Mads Mikkelsen

Hier der Trailer

Adams Äpfel – so nennt Ivan, Landpfarrer irgendwo im dänischen Nirgendwo, die Äpfel im Gemeindegarten, seit Adam sich die Aufgabe gestellt hat, aus ihnen einen Apfelkuchen zu backen. Adam ist der Neuzugang in Ivans Oase der Nächstenliebe, in der er Straffällige zu resozialisieren versucht. Seine derzeitigen Schäfchen sind neben dem gewalttätigen Neonazi Adam der Trinker und Triebtäter Gunnar und der arabische Tankstellenräuber Khalid. Auf den ersten Blick ein überzeugter Gutmensch, entpuppt sich Ivans Barmherzigkeit jedoch bald als Besessenheit, die keine Widerrede aufzunehmen duldet. Adam beschließt, den Kampf aufzunehmen und Ivans poitiver Sicht der Dinge einen Schuss böse Realität zu verpassen.

Diese mehrfach preisgekrönte Perle aus Dänkemark erweichte schon vor Jahren mein Herz. Anders Thomas Jensen, der Filme wie „In China essen sie Hunde“ und „Dänische Delikatessen“ gedreht hat, liefert hiermit seine vermutlich beste Arbeit ab.  Vollkommen absurd, lustig, traurig, emotional, wunderbar. So und noch weiter könnte ich diesen Film beschreiben. Einfach genial gespielt und nahezu irrwitzig sind die Rollen: Ulrich Thomsen gibt einen tollen Naziskin, welcher sich in der kleinen Gemeinde in seinem schlimmsten Alpträumen wiederfindet: Ein absoluter Gutmensch von Pfarrer, sowie ein Araber und ein Tollpatsch als Mitbewohner des kleinen Paradieses. Die lächerliche Aufgabe, sich um den Apfelbaum zu kümmern (als Antwort auf Adams sarkastische Aussage, er würde gern einen Apfelkuchen backen) und sein liebevoll aufgehängtes Bildnis von Hitler, welches bei jedem morgendlichen Geläut der Glocken von der Wand fällt. Adam ist schier in der Hölle gefangen. Dabei wird die Rolle des Pfarrers Ivan (perfekt dargestellt von Mads Mikkelsen, bekannt als Gegenspieler von James Bond in Casino Royale) langsam klarer. So gut ist das Leben nicht, wie Ivan es darstellt. Er selbst muss sogar mit einer ganzen Reihe von Widrigkeiten kämpfen, die er mit einer einstudierten Gelassenheit und einer gehörigen Portion Optimismus überspielt. Adam beginnt an diesem Kartenhaus zu rütteln – und beginnt sich selbst zu verändern.
Alles in allem ist dieser Film schlicht brilliant. Makaber und böse, komisch, tiefschwarzer Humor und traurige wie herzerwärmende Szenen, Adams Äpfel fehlt es an nichts. Die Indie-Produktion ist kein großes Popcornkino, sondern ein tiefgängiger, schöner Film. Die Charaktere wachsen einem trotz ihrer schweren Fehler ans Herz – selbst der fiese Neonazi, der irgendwann doch beginnt, sich um seinen Apfelbaum und das damit verbundene Ziel, einen Apfelkuchen zu backen, kümmert.

Adams Äpfel kratzt nicht an der Oberfläche, sondern geht tief in die Materie, geht tief hinein in menschliche Fehler und Abgründe, aber auch in Möglichkeiten, Träume und zweite Chancen. Ohne jeglichen Kritikpunkt erlaube ich mir, diesen Film wärmstens zu empfehlen.
Und bevor ich mir nun ein Stück Apfelkuchen gönne, vergebe ich 10 von 10 Popcornguys!