Gravity

Titel: Gravity (Gravity)
Regie: Alfonso Cuarón
Musik: Steven Price
Darsteller: Sandra Bullock, George Clooney

Für die Ingenieurin Dr. Ryan Stone ist es der erste Flug ins All, weswegen sie bei routinemäßigen Reparaturarbeiten an einem Weltraumteleskop gehörig aufgeregt ist. Ihr zur Seite steht der erfahrene Astronaut Matt Kowalsky, für welchen es der letzte Einsatz ist. Kurz bevor die Arbeiten beendet sind, kommt über Funk die Meldung, dass ein russischer Satellit zerstört wurde, dessen Trümmer nun unberechenbar und mit hoher Geschwindigkeit in der Erdumlaufbahn rasen. Die Reperaturarbeiten werden abgebrochen, doch es ist zu spät: Die Trümmer des Satelliten zerstören nicht nur das Weltraumteleskop, sondern auch das Space Shuttle der Astronauten. Stone und Kowalsky sind die einzigen Überlebenden. Mit einem Gurt verbunden und mit einem Jetpack ausgestattet versuchen die beiden, zur Internationalen Raumstation ISS zu gelangen. Doch die Sauerstoffvorräte sind knapp…

Zugegeben: Die Story klingt recht simpel und auch im weiteren Verlauf fährt das Drehbuch mit keinen großen Wendungen auf. Doch gerade diese Geradlinigkeit ist angesichts der vielen Blockbuster, die lächerliche Twists oder pseudo-intelligente Handlungen entwerfen, wunderbar erfrischend. „Gravity“ erzählt eine einfache Geschichte, in welcher sich unglaublich ruhige Momente mit starker und spektakulärer Action in guter Balance abwechseln. Und damit schafft das Drehbuch den Grundstein für das, was im Film als erstes auffällt: Die sagenhafte Kamerarbeit.

Für gewöhnlich heimst der Regisseur einen Großteil des Lobes ein, wenn es um technische Aspekte eines Films geht. Und obwohl Alfonso Cuarón mit Sicherheit ein sehr gutes Auge für bahnbrechende Bilder hat, habe ich nach dem Namen des verantwortlichen Kameramanns geforscht, um ihn nun nennen zu können: Emmanuel Lubezki. Dieser arbeitete unter anderem schon mit Terrence Malick („The Tree Of Life“) zusammen, dessen Filme ebenfalls stets eine starke Bildsprache bieten. Doch nichts, was ich in letzter Zeit gesehen habe, reicht an die Kameraarbeit in „Gravity“ heran: Minutenlange Plansequenzen ohne Schnitt, die die Schönheit des Alls, aber auch die chaotischsten Explosionen und Unfälle wunderbar übersichtlich einfangen. Kombiniert mit dem 3D-Effekt, der hierbei wirklich hervorragend passt, schaffte es „Gravity“, den Zuschauer in die schaurig-schöne Tiefe des Weltalls zu entführen. Hier lohnt sich die Investition von jedem Cent.

Aber nicht nur Kameraarbeit und Schauwerte machen „Gravity“ zu einem nahezu perfekten Film. Schauspielerin Sandra Bullock heimst zur Zeit absolut berechtigt Lobeshymnen ein. Die Frau hat leider sehr oft kein glückliches Händchen bei der Rollenwahl (das letzte Fremdschäm-Fiasko war „Taffe Mädels“), doch hin und wieder findet auch sie sich im richtigen Film und blüht wahrlich auf. Bullock zeigt in „Gravity“ ganz viele Facetten: Nervosität, Panik, Schwäche, Stärke, Demut. Es ist auch eine physisch anspruchsvolle Rolle, die vom Drehbuch her mit nicht besonders viel Background versorgt wird, was es dem Zuschauer allerdings ermöglicht, den Charakter mit eigenen Gedanken und Identifikationen zu füllen. An der Seite von Sandra Bullock spielt George Clooney, der den attraktiven und sympathischen Weltraumromantiker gibt, welcher stets einen lockeren Spruch auf den Lippen hat. Im Grunde spielt er also sich selbst und man rechnet fast damit, dass er mit einer Tasse Kaffee um die Ecke geflogen kommt. Aber wegen seiner Art mag man ihn ja und seine Rolle ist es auch, die im Film hin und wieder für wohltuendes Schmunzeln sorgt.

Am Ende möchte ich noch auf Ton und Soundtrack eingehen, welche eine perfekte Symbiose bilden und maßgeblich zur Atmosphäre des Films beitragen. Die Musik von Steven Price ist sowohl ruhig, als auch unterschwellig bedrohend. In den entsprechenden Momenten explodiert sie geradezu und untermalt die umwerfenden Bilder in optimaler Weise. An vielen Stellen des Films nimmt sich der Soundtrack aber ganz zurück und lässt den Zuschauer die Stille des Weltraums spüren. Wegen dieser Szenen wäre es ideal, einen Kinosaal mit älterem, beziehungsweise andächtig ruhigem Publikum zu erwischen. Blödes Kichern, Rascheln von Verpackungen oder auch völlig unnötige Unterhaltungen können bei „Gravity“ vieles kaputt machen – und bei mir eine bedrohliche Punish-Haltung auslösen.

Um ein Fazit zu ziehen: „Gravity“ ist einer der besten Filme des Jahres und hat das Potential, ein Klassiker zu werden. Jeder, der auf Science-Fiction-Filme oder Survival-Dramen steht, sollte schnellstmöglich eine Kinokarte lösen. Nun, eigentlich sollte jeder „Gravity“ sehen, der generell gute Filme schätzt. Ich verteile stolze 9 von 10 Popcornguys – mit der Tendenz nach oben.

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