Battle Royale

Titel: Battle Royale
Originaltitel: Batoru Rowaiaru
Regie: Kinji Fukasaku
Musik: Masamichi Amano
Darsteller: Aki Maeda, Takeshi Kitano, Tatsuya Fujiwara

Zur Jahrtausendwende herrschen im Land hohe Arbeitslosigkeit und Jugendkriminalität. Als Reaktion darauf wird die “Milleniums-Bildungsreform”, kurz das “BR-Gesetz”, verabschiedet. Im Zuge dieses “Spiels” verfrachtet man ausgewählte Schulklassen auf eine einsame Insel. Dort werden sie mit verschiedenen Waffen ausgerüstet und dazu aufgefordert, sich gegenseitig umzubringen. Sollte es nach drei Tagen keinen alleinigen “Gewinner” geben, detonieren sämtliche Halsbänder, die den Schülern angelegt werden. Diesen gnadenlosen Regeln ist auch die Klasse 3-B der Shiroiwa-Mittelschule unterworfen, wobei Kitano (Takeshi Kitano), ein ehemaliger Lehrer, als “Spielleiter” die Fäden in der Hand hält. Noriko Nakagawa (Aki Maeda) und Shuya Nanahara (Tatsuya Fujiwara), beide 15 Jahre alt, müssen um ihr Überleben kämpfen und dabei schockiert feststellen, wie schnell ihr Klassenverband brüchig wird.

Der japanische Kultfilm “Battle Royale” stammt aus dem Jahr 2000 und gilt als geistiger Vater der massenkompatiblen “Tribute von Panem”-Reihe. Im Jahr seiner Erscheinung sorgte er für viel Aufsehen und Diskussion. Japanische Politiker und Pädagogen nahmen Anstoß an der Darstellung expliziter Gewalt unter Minderjährigen und wollten die Veröffentlichung verhindern, was jedoch erfolglos blieb. In Deutschland erschien der Film zunächst nur in einer stark geschnittenen Fassung, bevor er vollständig indiziert wurde. Nun ist “Battle Royale” wieder frei erhältlich – und ich habe mir den Streifen angesehen.

Im Vorfeld soll gesagt sein, dass ich an der “Tribute von Panem”-Reihe die Kernidee der Hungerspiele immer am faszinierendsten fand. Elemente wie die Dreiecksbeziehung und der Fashion-Aspekt waren für mich immer allzu offensichtliche und öde Zugeständnisse an das Zielpublikum dieser Filme. Zum Glück gibt es das bei “Battle Royale” nicht, beziehungsweise kaum. Hier geht es schlichtweg darum, wie sich Jugendliche gegenseitig töten. Und das ist nichts für schwache Nerven: Armbrüste, Maschinengewehre, Katanas, Granaten, Äxte und explodierende Halsbänder sorgen für einige sehr blutige Momente. Dabei ist es allerdings so, dass sich der Film meiner Meinung nach nicht zu sehr am Gore ergötzt. So bleibt das Töten hart und eindringlich, geht jedoch nie in die Richtung eines Splatter-Fests.

Noch wichtiger als die äußere Gewaltdarstellung ist natürlich das Innenleben der betroffenen Schüler. Hierbei werden sämtliche Möglichkeiten abgegrast. Einige Jugendliche wählen den Selbstmord, um sich dem “Spiel” zu entziehen. Andere legen die Waffen nieder und appelieren an die Menschlichkeit ihrer Mitschüler. Einige setzen ihre technischen Fähigkeiten ein und starten den Versuch, das Computersystem der Spielemacher zu hacken. Und wieder andere offenbaren ihren blutrünstigen Charakter und laufen Amok. So ergibt sich eine breite Palette an Motivationen und Entwicklungen, die den Zuschauer gut an die Handlung bindet.

Allerdings haben mich einige Inszenierungen im Detail dann doch gestört. Da wäre zum einen der Soundtrack zu erwähnen, der – durchsetzt mit bekannten klassischen Stücken – für sich genommen großartig ist. Doch bei einigen Szenen drückt etwas zu sehr auf die Tube und gemeinsam mit dem phasenweise vorkommenden Overacting ergibt das dann doch eine unfreiwillige Komik. Es mag sein, dass dies typisch für den japanischen Film ist. Man kann diese Szenen auch teilweise unter ironischer Satire verbuchen. Doch ich emfand entsprechende Stellen manchmal als unpassend und fühlte mich aus dem Film gerissen. Auffällig waren auch die etwas plump wirkenden Teenie-Liebesgeschichten: Wer will etwas von wem und warum und wie viel. Mir ist klar, dass diese Themen zum Alter der Protagonisten passen, aber das hätte man sicherlich auch geschmeidiger in Szene setzen können. Ungut ist im Grunde auch die hohe Anzahl an Figuren. Zwar kristallisieren sich einige Personen heraus – im Kopf bezeichnete ich diese Leute beispielsweise als “die irre Lady”, “der kranke Psycho”, “die Nerd-Gang” oder “der Stirnband-Typ” – aber wirklich in die Tiefe geht man bei keinem. Selbst die Hauptfiguren bleiben relativ oberflächlich und so verhält es sich dann auch mit der emotionalen Bindung zum Zuschauer. Vielleicht wäre hier weniger mehr gewesen.

Aber dennoch: “Battle Royale” ist ein guter Film, der durch seine harte und kompromisslose Grundidee von Anfang bis Ende fesselt. Der Streifen wirkt lange nach und wirft dank seiner Satire-Funktion auch die ein oder andere Fragen bezüglich unserer Leistungsgesellschaft und unseres Schulsystems auf. Wer es außerdem mal hart mag, sollte hier zugreifen. Von mir gibt es 8 von 10 Popcornguys!

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Die Fliege

Titel: Die Fliege
Originaltitel: The Fly
Regie: David Cronenberg
Musik: Howard Shore
Darsteller: Jeff Goldblum, Geena Davis, John Getz

Die Journalistin Veronica Quaife (Geena Davis) lernt den brillanten, aber auch exzentrischen Wissenschaftler Seth Brundle (Jeff Goldblum) kennen. Dieser arbeitet an einem Gerät zur Teleportation, um Gegenstände oder auch Lebewesen von einem Ort zum anderen zu versetzen. Nachdem ein Versuch mit einem Pavian glückt, testet Brundle das Gerät an sich selbst. Da sich aber mit ihm eine Stubenfliege in der Teleportationskammer befindet, kommt es zu einem Unfall, bei welchem der Computer Brundles DNS mit der des Insekts verschmelzt. Nach und nach verliert der Wissenschaftler seine Menschlichkeit und verwandelt sich in ein neuartiges und abstoßendes Wesen.

Immer wieder stolpere ich über Klassiker, die ich bisher noch nicht gesehen habe – und dazu gehört auch Cronenbergs kultiger Horror-Streifen „Die Fliege“. Schon länger habe ich mit dem Gedanken gespielt, mich mit dem Film auseinanderzusetzen, doch erst heute habe ich die Blu-ray eingelegt. Das Ergebnis: „Die Fliege“ hat mich derart beeindruckt, dass ich umgehend meine Gedanken dazu aufschreiben möchte.

Der Film stammt aus dem Jahr 1986 und unterscheidet sich in seiner Machart sehr von heutigen Werken. Auffallend ist beispielsweise der recht unvermittelt wirkende Anfang des Films. Der Zuschauer wird quasi in der ersten Einstellung mit den beiden Hauptfiguren, die sich auf einer Art Party treffen, konfrontiert. Da habe ich mir die Frage gestellt, ob sich das nicht negativ auf meinen emotionalen Bezug zu den Charakteren auswirken könnte. Glücklicherweise tat es das nicht, was hauptsächlich an der sehr sympathischen Art von Jeff Goldblum liegt. Er überzeugt als intelligenter, aber auch eigenwilliger Wissenschaftler und wächst einem in der Rolle recht schnell ans Herz. Der Film liefert außerdem das nötige Hintergrundwissen zu seiner Figur. Beispielsweise erfährt man, dass Brundle das Reisen mit herkömmlichen Verkehrsmitteln nicht bekommt – ein banaler, aber einfach netter Grund, einen Teleporter zu erfinden. Auch Geena Davis, deren Charakter sich bald in den Wissenschaftler verliebt, liefert eine zumindest ausreichende Performance ab. Recht früh im Film fiel mir außerdem eine andere Sache auf, die ich der Entstehung in den 80er Jahren zuschreibe: Zu keinem Zeitpunkt macht sich eine der Figuren die Mühe, den Vorgang des Teleportierens ausführlich zu erklären. Stattdessen muss man als Zuschauer die Technik einfach hinnehmen – jedoch kann man sich umso schneller auf die eigentliche Handlung konzentrieren. Das empfand ich gerade im Blick auf heutige Filme, die sich gerne mal zu Tode erklären, als äußerst erfrischend und charmant.

Was ist aber die eigentliche Handlung von „Die Fliege“? Der Film wird in der Regel als Horror-Film bezeichnet. Und es gibt in der Tat einige Szenen, die es diesbezüglich in sich haben. Brundles Mutation wird mit wunderbaren und handgemachten, aber eben sehr expliziten und ekelerregenden Effekten visualisiert. Die dafür verantwortliche Abteilung hat ganze Arbeit geleistet. Allerdings beschränkt sich „Die Fliege“ nicht nur auf diesen Horror-Aspekt. Die eigentliche Stärke liegt in der Tragik der Verwandlung. Brundle spürt direkt nach dem Teleportieren zwar eine Veränderung, doch er nimmt sie zunächst positiv wahr. Er fühlt sich lebendiger und physisch gestärkt. Erst nach und nach fallen ihm und seiner Freundin Veronica die Schattenseiten der Mutation auf. Brundle forscht nach und muss erkennen, dass er den Prozess nicht stoppen kann. Er steuert seinem Tod entgegen und verliert nach und nach alles, was ihn körperlich und seelisch als Mensch ausmacht. Dabei verliert er nicht nur das Leben, wie er es gekannt hat, sondern auch Veronica, in die er sich erst kürzlich verliebt hat. Genau diese Tragik ist es, die meiner Meinung nach „Die Fliege“ über einen einfachen Horror-Film stellt und den Streifen zu etwas Besonderem macht. Positiv trägt auch die Charakterisierung von Stathis Borans bei. Der Ex-Freund und Boss von Veronica wird als unsympathischer Macho eingeführt, agiert aber gegen Ende des Films völlig abseits des Klischees.

Fazit: „Die Fliege“ kann ich jedem empfehlen, der auf charmanten 80er Jahre Horror steht, einen einigermaßen stabilen Magen hat und einen Gefallen an Tragik findet. Von mir bekommt dieser wunderbare Klassiker ganz starke 9 von 10 Popcornguys!