Killers Bodyguard

Originaltitel: Hitman´s Bodyguard
Regisseur: Patrick Hughes
Musik: Atli Örvarsson
Darsteller: Ryan Reynolds. Samuel L. Jackson, Élodie Yung, Gary Oldman, Salma Hayek

Der ehemalige weissrussische Präsident Vladislav Dukhovich (Gary Oldman) steht wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen vor dem internationalen Gerichtshof. Um ihn zu verurteilen, ist die Aussage des höchst gefährlichen Auftragskillers Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) nötig, welcher unter Schutz einer Interpol-Einheit, angeführt von der Agentin Amelia Roussel (Élodie Yung), beinahe einem Anschlag zum Opfer fällt. Sie sieht nur einen Ausweg, Kincaid sicher zum Gericht zu bringen, und zieht den ehemaligen Nr. 1-Personenschützer Michael Bryce (Ryan Reynolds) hinzu. 

Das Skript zu „Hitmans Bodyguard“ wurde schon vor der Verfilmung gelobt, allerdings handelte es sich da noch eher um ein Drama. Innerhalb kurzer Zeit hat man daraus aber eine Buddy/Roadmovie/Actionkomödie gemacht, die zwar keine ausgetretene Pfade verlässt, sondern sich auf bekannte Formeln verlässt, aber dennoch eine jede Menge Spaß macht.

Der Regisseur Patrick Hughes, der bisher nur für eher zweifelhafte Meisterwerke wie „Expandebles 3“ verantwortlich ist, macht einen grundsoliden Job: Die Charaktere angenehm überzeichnet, das Tempo rasant, und die Action gut inszeniert, feiert „Killers Bodyguard“ jedes Klischee, das man in einer Actionkomödie nur unterbringen kann. Dabei schickt uns der Film durch harte Faustkämpfe, blutige Schießereien und wahnwitzige Verfolgungsjagden, lediglich unterbrochen von kleinlichen Streitereien zwischen den Hauptfiguren.

Dabei ist es die hervorragende Chemie zwischen Reynolds und Jackson, die ihre Hassliebe herrlich ausspielen, und ihre gemeinsame Vergangenheit mit Flashbacks gut ausstatten. So stürzen der korrekte Bodyguard und der spontane, wahnsinnige Auftragskiller von einer verrückten Situation in die nächste, stets hin- und hergerissen sich gegenseitig zu ermorden oder sich doch das Leben zu retten. Sicher könnte man hier Typecast vorwerfen, und ankreiden, dass die beiden nur ihre typischsten Rollen ausfüllen, aber die Harmonie stimmt.
Auch der restliche (groß besetzte) Cast liefert gut ab, wenn auch der ein oder andere Storystrang den Film etwas überfrachtet, und gerade der Showdown dann etwas zu viel für mich war. Nichtsdestotrotz sieht man den Darstellern einfach an, dass der Dreh viel Spaß gemacht haben muss – allein das ist für mich mittlerweile ein bedeutendes Qualitätsmerkmal.

Fazit: Over-the-Top Action, irre Verfolgungsjagden, Gewalt und jede Menge Flüche: Nichts neues, aber jede Menge Spaß! Wer Lust auf einen witzig-abgedrehten Abend hat: Ab ins Kino, Motherfuckers!

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The LEGO Batman Movie

Titel: The LEGO Batman Movie
Originaltitel: The LEGO Batman Movie
Regie: Chris McKay
Musik: Lorne Balfe
Sprecher: Will Arnett, Michael Cera, Zach Galifianakis

Batman ist der geilste Typ überhaupt – das denken nicht nur viele Bürger in Gotham City, sondern auch er selbst. So ist es ihm ein Leichtes, seinen alten Widersacher Joker mal wieder hinter die Gitter des Arkham Asylum zu bringen. Dabei schafft es Batman, die Gefühle des psychopathischen Clowns ernsthaft zu verletzen, indem er dem Joker einen besonderen Platz innerhalb seiner Gegnerschaft abspricht. Doch hinter der ultracoolen Fassade des Dunklen Ritters brodeln schwere emotionale Konflikte. Seine größte Angst ist es, Teil einer neuen Familie zu werden – eine Angst, die ihm lediglich sein treuer Butler Alfred anmerkt. Im sozialen Umfeld des maskierten Helden bahnen sich unterdessen weitreichende Veränderungen an. Barbara Gordon, die Tochter von Comissioner Gordon, übernimmt den Posten ihres Vaters und verdreht dem Mitternachtsdetektiv gehörig den Kopf – bis sie sich für einen anderen Kurs in der Kooperation zwischen dem Dunklen Ritter und der Polizei ausspricht. Hinzu kommt, dass Bruce Wayne von nun an einen Waisenjungen namens Dick Grayson an der Backe hat. Und der sehnt sich unheimlich nach einer Vaterfigur.

Als 2014 „The LEGO Movie“ in die Kinos kam, fühlte ich mich auf einmal ziemlich alt. Der Streifen war unterhaltsam, glich aber in seinem Tempo einem epileptischem Anfall in Filmform. Wegen der ganzen Rasanz konnte dann die angebliche Emotionalität des Endes auch nicht so richtig an mich heran kommen – und das, obwohl ich als Kind sehr viel mit Lego gespielt habe. Von daher habe ich mir von „The LEGO Batman Movie“ nicht allzu viel erwartet. Aber wegen Batman bin ich natürlich dann doch ins Kino gegangen – und wurde äußerst positiv überrascht.

Um gleich zum Fazit zu kommen: „The LEGO Batman Movie“ ist besser und nicht ganz so gehetzt wie sein LEGO-Vorgänger. Und, was natürlich viel wichtiger ist: Er ist meiner Meinung nach der beste Batman-Film seit „The Dark Knight“. Das liegt nun nicht unbedingt daran, dass der Streifen lustig ist. Natürlich muss das Gagfeuerwerk erwähnt werden, bei welchem nahezu jeder Witz zumindest funktioniert und ich manchmal sogar richtig lachen musste. Am lustigsten ist der Film übrigens dann, wenn er aus der umfangreichen Batman-Geschichte rezitiert. Aber das, was mich an „The LEGO Batman Movie“ wirklich mitgerissen hat, war der sehr genaue und psychologische Blick auf die Charaktere. Allein die Prämisse, dass Batman Angst davor hat, sich aufgrund seines Verlustes auf neue, familiäre Bindungen einzulassen, ist ziemlich genial und auch absolut nachvollziehbar hinsichtlich der Figur. Daneben wird auch die Hassliebe zwischen dem Dunklen Ritter und dem Joker von interessanten Seiten beleuchtet. Auch hier gibt es klare Parallelen zum „echten“ Batman, denn in gewisser Weise ist er ja tatsächlich vom Clownprinzen des Verbrechens besessen und man kann definitiv von einer Beziehung sprechen. „The LEGO Batman Movie“ bleibt am Ende selbstverständlich eine Komödie, die sich primär an Kinder und augenzwinkernd-ironisch an Erwachsene richtet. Doch ich habe mich hier als Batman-Fan sehr wohl gefühlt und weiß es zu schätzen, dass die Macher die Figuren des DC-Universums ernst nehmen.

Ein paar kleinere Kritikpunkte und Hänger gibt es trotzdem. Doch das, was mich am meisten gestört hat, kann man dem eigentlichen Film wohl nicht mal wirklich ankreiden. In der deutschen Fassung wurde der Joker von keinem Profi, sondern von einem Youtube-Star namens Gronkh synchronisiert. Ich kenne den Mann nicht und möchte ihm nichts Böses. Aber gerade inmitten der perfekt passenden und aus anderen Batman-Filmen bekannten Stimmen fiel er schon sehr negativ auf. In seiner Stimme lag nichts psychopathisch-narzisstisches, was den Joker eigentlich ausmachen sollte, was den Gesamteindruck dann doch geschmälert hat. Insofern wäre eine Sichtung im Original wohl empfehlenswert.

Nichtsdestotrotz möchte ich „The LEGO Batman Movie“ allen Batman-Fans ans Herz legen und verteile starke 8 von 10 Popcornguys.

Captain Fantastic

Titel: Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück
Originaltitel: Captain Fantastic
Regie: Matt Ross
Musik: Alex Somers
Darsteller: Viggo Mortensen, George MacKay, Frank Langella

In einem nordamerikanischen Wald lebt der überzeugte Aussteiger Ben (Viggo Mortensen) zusammen mit seiner Familie. Als Kritiker gesellschaftlicher Zwänge und des westlichen Konsumverhaltens erzieht er seine Kinder auf seine Weise. Dazu gehören einerseits das Jagen wilder Tiere und hartes, körperliches Training, andererseits aber auch die Lektüre geschichtlicher, philosopischer oder politischer Bücher. Bens Kinder – drei Söhne und drei Töchter – sind also nicht nur physisch in guter Verfassung, sondern in gewisser Hinsicht auch sehr gebildet und intelligent. Bei ihren seltenen Ausflügen in die Zivilistation zeigt sich allerdings, dass die Familie mit vielen modernen Erscheinungen überfordert ist, beziehungsweise Schwierigkeiten im sozialen Umgang mit anderen hat. Als Bens Frau Leslie Selbstmord begeht und ihr Leichnam – entgegen ihrem eigenen Willen – in einer christlichen Zeremonie beigesetzt werden soll, müssen die Aussteiger in ihrem umgebauten Schulbus ihre Idylle verlassen. Es gilt, Leslies letzten Willen zu erfüllen und sich der realen Welt zu stellen. Dabei entwickelt sich ein skurril-komischer, aber auch nachdenklich stimmender Road Trip.

Jetzt, im ausklingenden Sommer, fiel mir diese kleine Filmperle vor die Füße. „Captain Fantastic“ erinnert in vielerlei Hinsicht an „Litte Miss Sunshine“: Eigenwillige Charaktere, die nicht wirklich in eine Schublade passen, verfolgen gemeinsam ein relativ absonderliches Ziel und müssen sich dabei mit ihrem Umfeld auseinandersetzen. Dem Film gelingt es dabei sehr schnell, Sympathien zu den ausgefallenen, aber doch auch verständlichen Figuren aufzubauen. Erwähnt werden müssen auf jeden Fall die Kinder und Jugendlichen, die allesamt wunderbar besetzt sind. Ich musste im Film mehrmals lachen, wenn Bens jüngste Kinder – beide dürften nicht älter als acht Jahre sein – in aller Ausführlichkeit beschreiben, an was genau ein Mensch stirbt, wenn er beim Besteigen einer Felswand in die Tiefe stürzt. Schauspielerisch herausstechend ist natürlich Viggo Mortensen (Aragorn aus „Der Herr der Ringe“), der allein durch seine bloße Präsenz zu faszinieren weiß. Schade, dass dieser Mann nicht öfter im Kino zu sehen ist, beziehungsweise keinem breiteren Publikum gezeigt wird – wobei ich mir vorstellen könnte, dass das gar nicht in seinem Interesse liegt. Neben den darstellerischen Stärken kann „Captain Fantastic“ auch mit einem zumeist guten Tempo punkten, er wird nie langweilig und weiß durch mehrere kleine Wendungen bis zum Ende zu unterhalten. Die Kamera fängt teilweise traumhafte Bilder ein und auch der Soundtrack – angereichert durch ein paar von den Schauspielern dargebrachte Lieder – weiß zu überzeugen.

Die eigentliche Kraft von „Captain Fantastic“ liegt aber in seiner Botschaft. Hierbei ist auffällig, dass der Film nicht in einem billigen Schwarz-Weiß-Denken verharrt. Natürlich ist Bens Kritik an Konsumverhalten, Ökonomie, Kapitalismus und institutionalisierter Religion nachvollziehbar. Und da die Familie ja sehr sympathisch dargestellt wird, erfreut man sich auch an den vielen kleinen „Siegen“ gegenüber der realen Welt. Andererseits zeigt der Film auch, wie Bens System bröckelt und einschränkend, ja sogar gefährlich werden kann. Seine Kinder setzen sich mit dem, was sie während des gemeinsamen Trips so erleben, auseinander und so werden beim Zuschauer verschiedene Fragen ausgelöst: Ist der Rückzug aus der modernen Welt die Antwort auf die Probleme? Kann ein solcher Rückzug überhaupt gelingen? Führt eine vermeintlich befreiende Erziehung von Kindern nicht einfach nur zu Zwängen und Einschränkungen anderer Art? Gibt es überhaupt Freiheit? Und was genau macht das Wohl seiner eigenen Kinder überhaupt aus? „Captain Fantastic“ löst beim Zuschauer also viele Denkprozesse aus und fordert auch dazu auf, Stellung zu Bens Entscheidungen, beziehungsweise seinem charakterlichen Wandel zu beziehen. Insofern lässt sich über das Ende – welches ich jetzt natürlich nicht verrate – auch gut diskutieren.

„Captain Fantastic“ ist ein kleiner, aber äußerst feiner Film, der durch seine witzige Art gut unterhält, aber auch zum Nachdenken anregt. Von mir bekommt der Streifen, der bisher zu den besten Filmen des Jahres zählt, starke 8 von 10 Popcornguys.

Ghostbusters

Titel: Ghostbusters
Originaltitel: Ghostbusters
Regie: Paul Feig
Musik: Theodore Shapiro
Darsteller: Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Kate McKinnon, Leslie Jones

New York: Es häufen sich übernatürliche Erscheinungen von Geistern, die von den meisten Bewohnern der Stadt jedoch nicht ernst genommen werden. Drei in Ungnade gefallene Wissenschaftlerinnen (Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Kate McKinnon) tun sich mit einer U-Bahn-Arbeiterin (Leslie Jones) zusammen, um den paranormalen Phänomenen auf den Grund zu gehen. Fragliche Unterstützung bekommen sie dabei von ihrer attraktiven, aber geistig minderbemittelten männlichen Sekretärin Kevin (Chris Hemsworth). Das als Ghostbusters bekannt werdende Team bekommt bald den Verdacht, dass hinter all den Geister-Erscheinungen ein Mastermind stecken könnte.

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich bin kein großer „Ghostbusters“-Fan. Dafür habe ich die Filme etwa 10 Jahre zu spät gesehen. Ohne eine große emotionale Bindung kann ich aber trotzdem sagen, dass es sich beim ersten Teil um einen komischen und schrulligen Film handelt, dessen Kultpotential ich erkenne und würdige. Die Fortsetzung dagegen halte ich für nicht sonderlich gelungen. Vermutlich ist „Ghostbusters“ so ein Film, der nur zu einer ganz bestimmten Zeit, unter einer ganz bestimmten Regie und mit ganz bestimmten Schauspielern gut werden konnte. Jedenfalls sehe ich mich aufgrund meiner fehlenden emotionalen Bindung zum Franchise in der Lage, relativ neutral an das Remake herangehen zu können. Wobei das mit der Neutralität in diesem Fall so eine Sache ist.

Erstmal zum Positiven: Die Charaktere sind nicht so furchtbar, wie es der Trailer vermuten ließ. Melissa McCarthy, normalerweise penetrant und laut, spielt hier angenehm dezent. Kristen Wiig als biedere Physikerin mit Stock im Arsch ist zumindest am Anfang sympathisch – bis ihre Libido zu mehreren peinlichen Momenten führt. Kate McKinnon ist in ihrer Rolle zwar hoffnungslos überzeichnet, sticht aber womöglich gerade deswegen heraus und ist gelegentlich fast schon cool. Und Leslie Jones kommt überraschend geerdet daher und nervt lediglich dann, wenn sie brüllt. Alles in allem scheinen es doch Frauen mit komödiantischem Potential zu sein. Dass eben jenes nicht ausgeschöpft oder in sinnvolle Wege geleitet wird, hat ja eher mit Regie und Drehbuch zu tun.

Positiv ist außerdem der Umstand, dass einen die Story – so flach und abgekupfert sie auch sein mag – nie komplett verliert. Die Facepalm-Momente halten sich in Grenzen und so mochte sich bei mir das Gefühl von Hass nie so recht einstellen. Eventuell mögen das Fans der alten Filme aber anders sehen. Apropos alte Filme: Die noch lebenden Ghostbusters aus dem Original haben allesamt kleine Cameo-Auftritte. Gut, insbesondere Bill Murray wirkt so, als hätte er auf das Ganze überhaupt keinen Bock. Aber dennoch stellen die Auftritte der alten Garde kleine Highlights dar, weil sie an einen besseren Film erinnern. Jedoch sollte man sich darauf gefasst machen, dass die früheren Rollen nicht aufgegriffen werden – Murray & Co. spielen gänzlich andere Charaktere.

Mehr positive Aspekte des Films mögen mir ab nun nicht mehr einfallen. Mein größter Kritikpunkt – und vielleicht der einzig wichtige – ist folgender: „Ghostbusters“ funktioniert für mich nicht als Komödie. Die eine Hälfte der Gags dreht sich um Fürze, Pisse oder Kacke, während die andere Hälfte gewzungen, angestrengt und schlecht improvisiert wirkt. Subtilität und Ironie sind nicht zu finden. Selten konnte ich schmunzeln, kein einziges Mal konnte ich Lachen. Im Grunde könnte ich mit dem Schreiben an der Stelle aufhören, weil man auch nicht mehr wissen muss, wenn man den Film bewerten will. Aber auf ein paar Details möchte ich trotzdem noch eingehen.

Zunächst möchte ich ein paar Worte zu Chris Hemsworth verlieren. Sein grenzdebiler Charakter bewegt sich scharf an der Grenze zur geistigen Behinderung. Klar, man kann das lustig finden und in seiner Darstellung womöglich eine amüsante Überspitzung seines ja auch nicht besonders hellen Thor-Charakters sehen. Aber mir persönlich ist eine Figur, die mehrere Male probiert, ein Telefon hinter einem Aquariumsglas zu berühren, einfach too much. Das wäre übrigens auch mit einer Frau nicht komisch gewesen. Und da wären wir auch schon bei jenem brisanten Thema, welches das Vorfeld von „Ghostbusters“ von Anfang an bestimmt hat: Frauenfeindlichkeit.

Was gab es da nicht alles für Diskussionen! Können Frauen denn wirklich Ghostbusters sein? Beziehungsweise: Können Frauen denn überhaupt witzig sein? Ja, manche Menschen haben sich tatsächlich diese Fragen gestellt. Aber besonders viele waren es nicht. Interessant ist hierbei folgender Fakt: Sony hat unter seinem Trailer jene Youtube-Kommentare entfernt, in denen – zu Recht – festgestellt wurde, dass der Trailer einfach nicht lustig ist. Stehen geblieben sind lediglich die frauenfeindlichen Kommentare. Sony hat damit Kritikern eine perfide Falle gestellt: Wenn du „Ghostbusters“ nicht lustig findest, bist du automatisch frauenfeindlich. Ich möchte dagegen halten, dass es absolut in Ordnung ist, diesen Film durchschnittlich, schlecht oder gar scheiße zu finden, denn das Problem liegt nicht bei den Darstellerinnen oder den weiblichen Charakteren. Er ist schlichtweg nicht komisch.

Es ist außerdem auffallend, mit was für einer trotzigen Haltung „Ghostbusters“ zwischen den Zeilen daher kommt. So haben die Wissenschaftlerinnen im Film mit kritischen Youtube-Kommentaren unter ihren eigenen Videos zu kämpfen, während es sich bei ihrem männlichen Gegenspieler mehr oder weniger um einen eigenbrötlerischen Nerd handelt. Viel offensichtlicher kann man nicht gegen das ohnehin schon verärgerte Kernpublikum treten – und ob das sonderlich klug und diplomatisch ist, wage ich zu bezweifeln. Letztendlich würde ich bei „Ghostbusters“ auch von einer Art umgedrehten Sexismus sprechen: Nahezu jede männliche Rolle ist entweder böse oder dämlich. Dass daneben die weiblichen Rollen automatisch besser aussehen, liegt auf der Hand. Ob der Film damit dem Feminismus einen wertvollen Dienst erweist, sei mal dahin gestellt. „Ghostbusters“ kann meiner Meinung nach nicht mit starken Frauenrollen auffahren. Er hat lediglich bewiesen, dass auch Frauen problemlos die Protagonisten in schlechten Komödien sein können und dafür keine Männer brauchen.

Fazit: „Ghostbusters“ ist für mich nicht wirklich hassenswert, dafür aber überhaupt nicht komisch, total unnötig und absolut belanglos. Ich kann euch nur raten, euer Geld anders zu investieren und um diesen Film einen Bogen zu machen. Anders lässt sich die Filmlandschaft ja nur schwer mitgestalten. Es gibt knappe 5 von 10 Popcornguys.

The Lobster – Eine unkonventionelle Liebesgeschichte

Titel: The Lobster – Eine unkonventionelle Liebesgeschichte
Originaltitel: The Lobster
Regie: Yorgos Lanthimos
Musik: Amy Ashworth
Darsteller: Colin Farrell, Rachel Weisz, Léa Seydoux

David (Colin Farrell) wurde von seiner Frau wegen einem anderen Mann verlassen. In der Stadt dürfen sich nur registrierte Ehepaare mit einem gültigen Zertifikat aufhalten. Als Single wird David in ein Hotel gebracht, wo sich weitere Alleinstehende aufhalten. In dieser Einrichtung hat man 45 Tage Zeit, um einen Partner zu finden. Bleibt man Single, wird man in ein Tier verwandelt. David gibt an, dass er im Fall eines Misserfolgs ein Hummer werden möchte. Im Hotel gibt es strenge Regeln und strikte Abläufe. Propaganda-Vorträge wechseln sich mit vorgeschriebenen Tanzabenden. Masturbation auf den Zimmern ist verboten, wohingegen sexuelle Stimulation durch das Zimmermädchen vorgeschrieben ist. Eine besondere Bedeutung hat die Jagd auf unregistrierte Singles, die sich in den Wäldern aufhalten. Wenn ein Hotelgast einen Alleinstehenden mit Hilfe eines Betäubungspfeils fängt, kann er damit die Frist, binnen welcher er einen Partner finden muss, verlängern. David fügt sich in die Abläufe des Hotels ein und hält unter den weiblichen Gästen Ausschau nach einer möglichen Partnerin.

Diese europäische Produktion aus dem Jahre 2015 hatte keinen deutschen Kinostart. Wegen dem skurrilen, aber interessant wirkenden Trailer, sowie den positiven Kritiken wurde ich aber doch neugierig und legte mir kürzlich die DVD zu. Ich wurde nicht enttäuscht: „The Lobster“ ist einer der gestörtesten, seltsamsten und lustigsten Filme der letzten Zeit.

Der Cast ist bis in die kleinsten Rollen wunderbar gewählt. Colin Farrell führt einen als etwas bedröppelt wirkender Protagonist gut durch die Handlung. Ihm zur Seite stehen unter anderem John C. Reilly und Ben Whishaw, zwei weiter Hotelgäste, die mit unterschiedlichen Handicaps belastet sind – der eine lispelt, der andere humpelt. Auch für Schauspielerinnen wie Rachel Weisz oder Léa Seydoux bietet der Film Charaktere mit Ecken und Kanten. Letztere hinterlässt als gefährlich-kühle Anführerin der im Wald lebenden Singles sicher nicht nur bei mir Eindruck. Überhaupt fällt auf, dass viele Figuren in „The Lobster“ zunächst über einen einzigen prägnanten Charakterzug eingeführt werden: Von der herzlosen Frau, über die Biscuit-liebenden Frau, bis hin zur Frau, die ständig Nasenbluten hat. Als Zuschauer wachsen einem diese seltsamen Gestalten überraschend schnell ans Herz. Man möchte wissen, was es mit ihnen auf sich hat, wie sie zueinander stehen und ob sich zwischen ihnen Beziehungen entwickeln können.

Auch handwerklich bietet „The Lobster“ keinerlei Angriffsfläche. Die Kamerarbeit ist spannend und der Soundtrack trägt viel zur verstörenden Atmosphäre des Films bei. Im Drehbuch liegt aber die wahre Stärke des Films. Die auf den ersten Blick gestört wirkende Idee, dass Singles zur Strafe in Tiere verwandelt werden, ist bei näherer Betrachtung absolut genial. „The Lobster“ entwickelt einen wunderbar schwarzen Humor, wirft zwischen den Zeilen einen satirischen Blick auf die Gesellschaft und regt zum Philosophieren über die Liebe ein. Einen einzigen Kritikpunkt kann ich im Blick auf die zweite Filmhälfte anbringen. Zu diesem Zeitpunkt ist das Hotel mit all seinen Eigenheiten vorgestellt und der Film macht in seiner Handlung eine gewisse Wende. Es wird ein wenig träger und nicht mehr ganz so kreativ, doch das Ende an sich rundet „The Lobster“ schön ab.

Dass dieser Film keinen deutschen Kinostart hatte, ist in gewisser Weise ein Armutszeugnis. Auch die Tatsache, dass es hierzulande keine Bluray-, sondern lediglich eine DVD-Auswertung gab, spricht Bände. Sicherlich ist „The Lobster“ kein Film für jedermann – aber bestimmt ist er eine Bereicherung für jeden, der einen unkonventionellen Film abseits des Mainstream zu schätzen weiß. Von mir gibt es starke 8 von 10 Popcornguys!

Serien-Special: Flaked

Titel: Flaked
Produktion: Netflix
Darsteller: Will Arnett, David Sullivan, Ruth Kearney

Venice Beach: Inmitten der traumhaften Kulisse des kalifornischen Stadtteils wandelt Chip (Will Arnett) zwischen seinen Alkoholikertreffen, seinem Arbeitsplatz in einer kleinen Schreinerei, und zwischen den Menschen, die ihm etwas bedeuten, umher. Nicht wissend, ob die Lügen, mit denen er sich umgibt, mittlerweile sein Leben sind, muss er sich entscheiden sich den Problemen zu stellen oder weiterhin lächelnd zurückzuweichen.

Flaked hat ziemlich gemischte Kritiken abbekommen. Vielerorts wurde die Geschichte als dumpf, sinnlos und nichtssagend abgeschrieben. Sicherlich steckt in aller Kritik auch immer ein kleines Fünkchen Wahrheit. Warum ich Flaked aber trotzdem mag, will ich mit zwei Dingen erklären:

  1. Ich mag Will Arnett. Für mich sind seine Charaktere der Prototyp des ewigen Verlierers, der selbstüberschätzt und lügend durch das Leben streift, sich wie ein Kind vor Verantwortung drückt und dabei innerlich zerbrochen sich des eigenen Scheiterns ganz bewusst ist. Diese Rolle scheint Will Arnett anzuhaften, ob es nun in Arrested Development, Bojack Horseman oder nun Flaked ist. Viele scheint das zu stören, für mich ist es der Faktor, der Will Arnett für mich so besonders macht. Der gebrochene Chip stellt für mich im Umgang mit seinem besten Freund oder der Frau, in die er sich verliebt hat, alles dar, was durch eigenes Versagen schief laufen kann.
  2. Ich liebe die Kulisse. Ich habe einfach ein Ding für dramatische Geschichten, die sich in vermeintlich heilen Welten abspielen. Hawaii: Das Paradies auf Erden (The Descendants); Florida: Meer, Sonne und Keys (Dexter, Bloodline); Venice Beach: Ort der Künstler und Surfer (Flaked), wer kann an all diesen Orten unglücklich sein? Natürlich ist klar, dass es überall auf der Welt Drama und Unglück gibt. Das Setting macht es für mich nochmal interessanter.

Diese beiden Dinge bilden für mich die Grundlage zu einer kurzen Serie, die mir in meinem Leben persönliche Anstöße und Fragen mitgibt, die es für mich selbst zu beantworten gilt.

Sicher mögen die Kritikpunkte stichhaltig sein. Sicher kann man das von Chip produzierte Frauenbild als furchtbar bezeichnen. Sicher mag das Bild der Gemeinschaft von Venice heutzutage anders aussehen. Ich fand all das aber im Kontext von Flaked sehr stimmig. Ohne also allzu viel erwarten zu müssen, diese Geschichte eines eigentlich bemitleidenswerten (oder auch nicht?) Mannes zu folgen: Das kann schon unterhaltsam und spannend sein. Für mich war es das.

 

Coconut Hero

Titel: Coconut Hero
Regisseur: Florian Cossen
Musik: Matthias Klein
Darsteller: Alex Ozerov, Bea Santos, Krista Bridges, Sebastian Schipper

Der 16-jährige Mike Tyson (Alex Ozerov) ist des Lebens überdrüssig: Das triste Kleinstadtleben, die Hänseleien wegen seines Namens oder seine desinteressierte Mutter (Krista Bridges) – es wird ihm zu viel, weswegen er beschließt sich selbst zu töten. Laut Statistik gelingt es 99% der Menschen, die versuchen sich mit einem Gewehr zu erschießen. Mike gehört zu den 1%. Mit einer Kopfwunde erwacht er, nur um dann festzustellen, dass er wegen eines Hirntumors doch sterben zu müssen. Für Mike geht der Plan also auf – bis er sich plötzlich mit seinem Vater (Sebastian Schipper) und der lebensfrohen Miranda (Bea Santos) auseinandersetzen muss. 

Schon der Trailer zu Coconut Hero hat mich sofort angesprochen: Ich habe einfach eine kleine Schwäche für Coming-of-Age-Dramen. Mike ist der absolute Stereotyp des depressiven, von den Wirrungen des Jugendalters gebeutelten Teenagers. Fast könnte man seinen Todeswunsch verstehen, wenn man seinen Alltag erlebt: Eine nervende Mutter, nervende Mitschüler, nervende Langeweile. Nach seinem Selbstmordversuch ändert sich plötzlich vieles: Sein Vater Frank (Sebastian Schipper, übrigens Regisseur des großartigen „Victoria“), den er jahrelang nicht gesehen hat, taucht plötzlich auf und möchte sich mit ihm anfreunden. Außerdem muss er auf ärztliche Anweisung an einem lebensbejahenden Kurs teilnehmen, der von der quirligen Miranda geleitet wird. Gerade diese Begegnung erschüttert seinen Todeswunsch auf die Grundfesten…

Coconut Hero erzählt die Geschichte eines eher durchschnittlichen Jugendlichen, der mit einem gewissen Hang zur Dramatik den Problemen seines Lebens entfliehen möchte. Dabei präsentiert uns der Film sympathische wie sehr unsympathische Charaktere, bezaubernde Bilder, gefühlvollen Soundtrack und eine ungewöhnliche Wendung, die Coconut Hero deutlich von Genrekollegen abhebt.

Sicher nicht die Entdeckung des Jahres, aber ein schöner, trauriger, kleiner Film, der auf die eigene Jugendzeit zurückblicken lässt. Nachdrückliche Empfehlung meinerseits!