Mother!

Titel: Mother!
Originaltitel: Mother!
Regie: Darren Aronofsky
Musik: Jóhann Jóhannsson
Darsteller: Jennifer Lawrence, Javier Bardem, Michelle Pfeiffer

Ein Schriftsteller mit Schreibblockade (Javier Bardem) und dessen bedeutend jüngere Ehefrau (Jennifer Lawrence) bewohnen ein abgeschiedenes Landhaus und führen dort ein zurückgezogenes Leben. Während er auf seine Inspiration wartet, versucht sie das Haus zu verschönern und steckt viel Mühe in die Renovierung. Eines Tages wird die Einsamkeit der beiden gestört: Es tauchen ein Fremder (Ed Harris) und kurze Zeit später dessen Frau auf, die vom Schriftsteller bereitwillig aufgenommen werden. Die junge Dame des Hauses ist von Anfang an skeptisch – und später erst recht, als ihr nach und nach die Kontrolle über die Situation verliert.

Bei vielen Filmen weiß man recht schnell, ob man sie mag oder nicht. Manchen jedoch tut es gut, mal eine Nacht drüber zu schlafen. Doch manchmal bringen selbst mehrere Nächte nichts, wenn es um die Frage geht, wie man einen Film denn nun finden soll. Darren Aronofskys neuester Film „Mother!“ ist einer dieser Fälle.

Aronofsky ist für sperrige und unkonventionelle Werke bekannt. „The Fountain“ habe ich noch nicht gesehen, aber dafür ist mir sein aufwühlender Psycho-Thriller „Black Swan“ noch gut in Erinnerung. „Noah“ ist eine recht eigenwillige Bibelverfilmung, aber lässt sich immerhin als ungewöhnlich bezeichnen. Insofern reiht sich „Mother!“ hier gut ein. Es braucht recht lange, bis man sozusagen im Film angekommen ist – auch wenn es einen die durch die Bank großartigen Schauspieler leichter machen. Jennifer Lawrence, die mir in anderen Filmen in ihren hysterischen Momenten schon gelegentlich too much war, liefert hier eine starke Performance an. Javier Bardem ist ohnehin ein darstellerischer Ungetüm und auch die kleineren Nebenrollen sind mit Ed Harris und Michelle Pfeiffer (die immer noch rassigen Catwoman-Charme versprüht) ideal besetzt.

Was lässt „Mother!“ also so schwierig und unzugänglich werden? Es ist die Geschichte an sich, die einem erst nach und nach klar macht, dass es hier keineswegs um einen realistischen Plot geht. Im Gegenteil. Wenn man dem Film mit dieser Erwartung begegnet, wird man relativ schnell zum Schluss kommen, dass das hier alles wenig Sinn macht und sich die Personen sehr seltsam, ja geradezu unmenschlich verhalten. Eine Zeit lang habe ich trotzdem probiert, den Film auf diese Art zu lesen. Ich dachte mir, dass es möglicherweise um die Schwierigkeiten von Beziehungen mit großen Altersunterschieden geht. Ich dachte mir, dass es auf Dominanz und Unterwerfung in der Liebe hinauslaufen könnte. Ich dachte mir, dass es um die Beziehung zwischen einer relativ normalen Person und einem Künstler gehen könnte. Aber letztendlich führen alle diese Versuche in die Leere. „Mother!“ gibt sich letztendlich komplett einer Welt aus Metaphern und Symbolen hin, die anders gelesen werden wollen. Am Ende sprach mich der Film auf einer geradezu existentiell-religiösen Ebene an – und war auf einmal ziemlich interessant. Die Themen, die aufgeworfen wurden, sind spannend und denkwürdig, Handlung und Charaktere für sich genommen eher nicht. Und das ist möglicherweise die Schwierigkeit, die ich mit „Mother!“ habe. Ich habe Lust, über die mit dem Film zusammenhängenden Themen zu diskutieren und für mich weiter zu philosophieren – aber Lust, den Film direkt nochmal anzusehen, habe ich nicht. Dafür hat er mich dann doch zu wenig gekickt.

Mit einer Bewertung habe ich meine Probleme, denn der Film arbeitet weiter. Ich tendiere zu 7 von 10 Popcornguys, könnte mir aber vorstellen, dass sich dieses Fazit verändern wird, sollte ich „Mother!“ noch einmal sehen. Fest steht: Der Film ist nichts für Leute, die einfach Horror oder Thriller erwarten. Es ist ein herausfordernder, komplexer, stark symbolischer Film, der etwas in einem auslöst – oder einen recht schnell extrem frustrieren, vielleicht sogar anekeln wird, denn gerade im letzten Viertel haben es die Szenen echt in sich.

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A Cure for Wellness

Titel: A Cure for Wellness
Regisseur: Gore Verbinski
Musik: Benjamin Wallfisch
Darsteller: Dane DeHaan, Jason Isaacs, Mia Goth

Der aufstrebende Angestellte Mr. Lockhart (Dane DeHann) wird von seiner Firma beauftragt, das Vorstandsmitglied Mr. Pembroke (Harry Groener) aus einer Kuranstalt in den Schweizer Alpen zurück nach New York zurückzuholen, um eine Fusion mit einer anderen Firma eingehen zu können. Der von Pembroke kryptisch formulierte Brief an den Vorstand lässt vermuten, dass er eine plötzliche Abneigung gegen Kommerz entwickelt hat. Lockharts Aufenthalt in der Kuranstalt wird aufgrund seltsamer Umstände verlängert. Bald schon entdeckt er gemeinsam mit der Patientin Hanna (Mia Goth) nach und nach, dass  der Leiter Dr. Volmer (Jason Isaacs) scheinbar nicht nur das Wohl seiner Patienten im Sinn hat.

Der Trailer zu „A Cure for Wellness“ war mal wieder ein kleines Leckerli, das von Anfang an  mein Interesse weckte. Mit hypnotischen, düsteren Bildern und einer Hauptfigur, die offensichtlich in eine Geschichte verwickelt geht, die seine Vernunft auf den Kopf stellt. Dane DeHaan, bekannt aus „Chronicle“, „The Place Beyond the Pines“ und „Metallica: Through the Never“ mimt den ehrgeizigen Bankier, der mit einem von schlaflosen Nächten gezeichneten Gesicht in die vollkommen entschleunigte Welt der Kuranstalt eintaucht. Diese strahlt mit ihrer altbackenen Einrichtung und den rückständig wirkenden Behandlungsmethoden eine schräge, unheimliche Atmosphäre aus.

Dass in dieser Anstalt offensichtlich etwas nicht stimmt, wird schon beim ersten Eintreffen Lockharts deutlich. Hier wird für mich die Ähnlichkeit zu Shutter Island besonders deutlich. Nicht nur Dane DeHaans äußerliche Ähnlichkeit mit Leonardo DiCaprio, sondern auch die Geschichte muss sich den Vergleich gefallen lassen.

Mit teils großartigen Bildern und guten Schauspielleistungen kann „A Cure for Wellness“ zwar gut unterhalten, doch die Lust am gucken wird durch die eindeutig viel zu lange Laufzeit des Films geschmälert. Mit seinen 146 Minuten hätte der Streifen durch manche Kürzungen den Spannungsbogen wesentlich straffer gestalten können.

Trotzdem kann der Horror-Gothik-Anstalts-Thriller durchaus zwei unterhaltsame Stunden liefern – wenn am Ende auch etwas anderes rauskam, als ich erwartete. Für Fans von weirden Geschichten á la Edgar Allan Poe und unheimlichen Legenden um alte Sanatorien wird mit „A Cure for Wellness“ auf jeden Fall Spaß haben.

Serien Special: Dirk Gentlys holistische Detektei

Originaltitel: Dirk Gently’s Holistic Detective Agency
Autor: Max Landis
Produktion: Wow! Max He Really Did It!!!, AMC
Darsteller: Samuel Barnett, Elijah Wood, Hannah Marks, Jade Eshete

Der erfolglose, depressive Todd (Elijah Wood) hat einen richtig miesen Tag: Der Hotelpage entdeckt im Penthoue mehrere grausig zugerichtete Leichen, gerät ins Zielvisier der Polizei, verliert seinen Job und wird in seiner Wohnung auch noch von dem seltsamen britischen Detektiv Dirk Gently (Samuel Barnett) überrascht, der ihn in ein rasantes Abenteuer voller bizarrer Vorkommnisse verwickelt. Bald schon zweifelt er nicht nur an seinem Verstand, sondern auch an der Welt, in die er plötzlich eingetaucht ist. 

Ziemlich unscheinbar tauchte auf Netflix plötzlich diese Serie auf Netflix auf, die zuvor ihre Premerie auf BBC America gefeiert hatte. Mit Elijah Wood besetzt, erregte die Fantasy/Krimi/Comedy/Drama-Serie schnell meine Aufmerksamkeit. Ein Umstand, dem ich einige Episoden großartiger Unterhaltung verdanke. Die von Max Landis (Chronicle, American Ultra) ins Rollen gebrachte Produktion beruht auf einen Roman von Douglas Adams, der diesen als „Geister-Horror-Wer-ist-der-Täter-Zeitmaschinen-Romanzen-Komödien-Musical-Epos“ bezeichnete. Diese Beschreibung passt auch gut zur Serie, die mit allerlei Überraschungen um die Ecke kommt, und somit unmöglich in eine Schublade gesteckt werden kann. Die wirre Story um den Möchtegern-Detektiv Dirk Gently, seinem Assistenten wider Willen Todd, und die vielen völlig verrückten Begegnungen mag zwar zuerst etwas unübersichtlich wirken, scheut sich aber nicht, interessante Mysterien aufzuwerfen, ohne künstliche Erklärungen abzuliefern. Zudem führt dann letztlich doch irgendwie alles zusammen, denn die Worte „Everything is connected“ hört man in dieser Serie mehr als nur einmal. Ich persönlich mag es ja, wenn ich als Zuschauer auch mal gefordert bin, eigene Interpretationen zu erstellen.

Die große Stärke sind hier allerdings ganz klar die Charaktere. Dirk Gently, ein britischer Detektiv mit einem nie enden wollendem Redeschwall, der offensichtlich mehr weiß und mehr ist, als er vorzugeben scheint, hält die Geschichte gut zusammen, die wahre Größe ist allerdings Todd Brotzman, der wie der Zuschauer völlig überfordert von einer bizarren Situation in die nächste stolpert. Fügen wir hier noch seine Schwester Amanda, die mit einer schwerwiegenden Psychose kämpft, die toughe Farah, die nach einer entführten Person sucht, die Assassine Bart, die sich auf einem vom Schicksal bestimmten Killing-Spree befindet, den Gegenspieler Gordon, dessen Stimme sich unnachahmlich nach Mr. Plinkett von RedLetterMedia anhört, an, dann nenne ich hier nur einen Bruchteil aller interessanten Charaktere, die sich hier über die Mattscheibe tummeln und für einen witzigen, emotionalen, spannenden und rätselhaften Moment nach dem anderen sorgen.

Sicher vermag diese Serie nicht jeden zu fesseln, aber ich hatte viel Freude dabei, eine Geschichte mit kreativen Ideen, toller Inszenierung und nicht wenig Blut zu verfolgen. Ich kann nur hoffen, dass die acht Episoden umfassende erste Staffel bald eine Fortsetzung erhält. Auf jeden Fall einen Blick wert!

Die Fliege

Titel: Die Fliege
Originaltitel: The Fly
Regie: David Cronenberg
Musik: Howard Shore
Darsteller: Jeff Goldblum, Geena Davis, John Getz

Die Journalistin Veronica Quaife (Geena Davis) lernt den brillanten, aber auch exzentrischen Wissenschaftler Seth Brundle (Jeff Goldblum) kennen. Dieser arbeitet an einem Gerät zur Teleportation, um Gegenstände oder auch Lebewesen von einem Ort zum anderen zu versetzen. Nachdem ein Versuch mit einem Pavian glückt, testet Brundle das Gerät an sich selbst. Da sich aber mit ihm eine Stubenfliege in der Teleportationskammer befindet, kommt es zu einem Unfall, bei welchem der Computer Brundles DNS mit der des Insekts verschmelzt. Nach und nach verliert der Wissenschaftler seine Menschlichkeit und verwandelt sich in ein neuartiges und abstoßendes Wesen.

Immer wieder stolpere ich über Klassiker, die ich bisher noch nicht gesehen habe – und dazu gehört auch Cronenbergs kultiger Horror-Streifen „Die Fliege“. Schon länger habe ich mit dem Gedanken gespielt, mich mit dem Film auseinanderzusetzen, doch erst heute habe ich die Blu-ray eingelegt. Das Ergebnis: „Die Fliege“ hat mich derart beeindruckt, dass ich umgehend meine Gedanken dazu aufschreiben möchte.

Der Film stammt aus dem Jahr 1986 und unterscheidet sich in seiner Machart sehr von heutigen Werken. Auffallend ist beispielsweise der recht unvermittelt wirkende Anfang des Films. Der Zuschauer wird quasi in der ersten Einstellung mit den beiden Hauptfiguren, die sich auf einer Art Party treffen, konfrontiert. Da habe ich mir die Frage gestellt, ob sich das nicht negativ auf meinen emotionalen Bezug zu den Charakteren auswirken könnte. Glücklicherweise tat es das nicht, was hauptsächlich an der sehr sympathischen Art von Jeff Goldblum liegt. Er überzeugt als intelligenter, aber auch eigenwilliger Wissenschaftler und wächst einem in der Rolle recht schnell ans Herz. Der Film liefert außerdem das nötige Hintergrundwissen zu seiner Figur. Beispielsweise erfährt man, dass Brundle das Reisen mit herkömmlichen Verkehrsmitteln nicht bekommt – ein banaler, aber einfach netter Grund, einen Teleporter zu erfinden. Auch Geena Davis, deren Charakter sich bald in den Wissenschaftler verliebt, liefert eine zumindest ausreichende Performance ab. Recht früh im Film fiel mir außerdem eine andere Sache auf, die ich der Entstehung in den 80er Jahren zuschreibe: Zu keinem Zeitpunkt macht sich eine der Figuren die Mühe, den Vorgang des Teleportierens ausführlich zu erklären. Stattdessen muss man als Zuschauer die Technik einfach hinnehmen – jedoch kann man sich umso schneller auf die eigentliche Handlung konzentrieren. Das empfand ich gerade im Blick auf heutige Filme, die sich gerne mal zu Tode erklären, als äußerst erfrischend und charmant.

Was ist aber die eigentliche Handlung von „Die Fliege“? Der Film wird in der Regel als Horror-Film bezeichnet. Und es gibt in der Tat einige Szenen, die es diesbezüglich in sich haben. Brundles Mutation wird mit wunderbaren und handgemachten, aber eben sehr expliziten und ekelerregenden Effekten visualisiert. Die dafür verantwortliche Abteilung hat ganze Arbeit geleistet. Allerdings beschränkt sich „Die Fliege“ nicht nur auf diesen Horror-Aspekt. Die eigentliche Stärke liegt in der Tragik der Verwandlung. Brundle spürt direkt nach dem Teleportieren zwar eine Veränderung, doch er nimmt sie zunächst positiv wahr. Er fühlt sich lebendiger und physisch gestärkt. Erst nach und nach fallen ihm und seiner Freundin Veronica die Schattenseiten der Mutation auf. Brundle forscht nach und muss erkennen, dass er den Prozess nicht stoppen kann. Er steuert seinem Tod entgegen und verliert nach und nach alles, was ihn körperlich und seelisch als Mensch ausmacht. Dabei verliert er nicht nur das Leben, wie er es gekannt hat, sondern auch Veronica, in die er sich erst kürzlich verliebt hat. Genau diese Tragik ist es, die meiner Meinung nach „Die Fliege“ über einen einfachen Horror-Film stellt und den Streifen zu etwas Besonderem macht. Positiv trägt auch die Charakterisierung von Stathis Borans bei. Der Ex-Freund und Boss von Veronica wird als unsympathischer Macho eingeführt, agiert aber gegen Ende des Films völlig abseits des Klischees.

Fazit: „Die Fliege“ kann ich jedem empfehlen, der auf charmanten 80er Jahre Horror steht, einen einigermaßen stabilen Magen hat und einen Gefallen an Tragik findet. Von mir bekommt dieser wunderbare Klassiker ganz starke 9 von 10 Popcornguys!

Lights Out

Titel: Lights Out
Regisseur: David F. Sandberg
Musik: Benjamin Wallfisch
Darsteller: Teresa Palmer, Gabriel Bateman, Billy Burke, Maria Bello

ACHTUNG: Spoilerreicher Trailer!

Martin lebt nach dem Tod seines Vaters mit seiner psychisch labilen Mutter allein. Er findet kaum Schlaf, da er von schlimmen Ängsten geplagt wird: Seine Mutter spricht ständig mit sich selbst, und in den Schatten des Hauses scheint sich irgend etwas zu verbergen. Als die Situation unerträglich wird, bittet er seine große Schwester nach Hause zu kommen, da sie die einzige ist, die seinen Worten Glauben schenkt.

Mehr möchte ich nicht zum Inhalt des Films verraten. Gerade bei Horrorfilmen bietet es sich ja an, möglichst wenig im Vorfeld zu wissen. Wer den Trailer zum Film dennoch guckt, könnte meinen bei „Lights Out“ handelt es sich bei einem durchschnittlichen Film wie sie in letzter Zeit oft über die Kinoleinwände flimmern. Filme, die sich auf vorhersehbare Skripte und billige Schockeffekte stützen. Glücklicherweise ist Lights Out ein anderer Film. David F. Sandberg machte 2013 mit einem gleichnamigen Kurzfilm auf sich aufmerksam, der einem in zweieinhalb Minuten gehörig das Fürchten lernt. Dieses Thema durfte Sandberg jetzt in Spielfilmlänge ins Kino bringen, und das macht er ziemlich gut. Die Bedrohung wird sehr dezent und doch visuell extrem gut ins rechte Licht (höhö) gerückt, um den Zuschauer die Schocker eben nicht mit dem Vorschlaghammer ins Gesicht zu klatschen, sondern richtig zu überraschen. Wieder etwas, das Lights Out im Gegensatz zu vielen Genrekollegen richtig macht: Die Gruselelemente kommen nicht wie so oft völlig vorhersehbar, sondern reizen den Spannungsbogen ganz stark aus, um die Zuschauer dann doch noch zu kriegen. Generell bietet der Storyverlauf auch so einige untypische Wendungen, die in anderen 0815-Horrorfilmen sicher einfacher gestrickt wären. Selbst die Charaktere verhalten sich zumeist nicht völlig verblödet, sondern reagieren auf die umgebenden Gefahren mit Instinkt und Intelligenz – im Horrorgenre eher untypisch.

Wie viele andere Horrorstreifen hat auch Lights Out das Bedürfnis, den Hintergrund der Bedrohung genauestens zu beleuchten und detailreich aufzudröseln. Leider fiel Autor Eric Heisserer hier auch nichts besseres ein, als die Charaktere über eine Kiste mit allen wichtigen Infos stolpern zu lassen – dies ist nicht sonderlich clever gelöst, und für mich persönlich auch völlig unnötig. Ich brauche nicht alle Details zu erfahren, und erfreue mich zuweilen auch an der Unwissenheit. Dies ist aber mein persönlicher Geschmack, und hier auch mein einziger Kritikpunkt.

Fazit: Lights Out ist ein großartiger Gruselstreifen mit tollen Schockeffekten und schaurigen Gänsehautmomenten, die mich sicherlich heute Nacht begleiten werden. Horrorfreunde: Ab ins Kino!

Serien-Special: Stranger Things

Titel: Stranger Things
Originaltitel: Stranger Things
Produktion: Netflix
Idee: Matt Duffer, Ross Duffer
Musik: Kyle Dixon, Michael Stein
Darsteller: Winona Ryder, Millie Bobby Brown, Natalia Dyer

Indiana, 1983: Nach einem Dungeons&Dragons-Abend mit seinen Freunden verschwindet der 12jährige Will Byers spurlos. Während Chief Jim Hopper ermittelt, wird Joyce, die verzweifelte Mutter des Verschwundenen, in ihrem Haus mit eigenartigen Phänomenen konfrontiert. Unterdessen machen sich Wills Freunde auf die Suche und finden dabei im Wald ein mysteriöses Mädchen mit kahlrasiertem Kopf und einer auf den Unterarm tätowierten 11. Nach und nach offenbart sie ihre übernatürlichen Fähigkeiten und scheint auch zu wissen, wo sich Will befindet.

So wirklich up to date bin ich serientechnisch nicht. Zum einen hängt das mit der schieren Menge an Serien zusammen, bei welcher man schnell mal den Überblick verliert. Zum anderen bedeuten Serien einen hohen Zeitaufwand, der sich am Ende nicht immer lohnt. Umso glücklicher bin ich, dass ich auf eine Serie aufmerksam gemacht wurde, die sich als echter Glückstreffer entpuppte.

„Stranger Things“ spielt in den frühen 80er Jahren und zelebriert dies zu jedem Moment: Die jungen Protagonisten zitieren aus „Star Wars“, feiern Tolkiens Mittelerde und hängen in ihren Zimmern Plakate von „Der weiße Hai“ auf. Dazu kommt der Soundtrack, der aus Synthie-Klängen und Songs aus der damaligen Zeit besteht. Sofort stellten sich bei mir nostalgische Gefühle ein und ich hatte über weite Strecken das Gefühl, einen guten, alten Spielberg-Film à la „Die Goonies“ zu sehen. Doch „Stranger Things“ bedeutet nicht nur Abenteuer. Mit nahezu perfekter Abstimmung werden hier Elemente aus Mystery, Horror, Thriller und Drama vermischt – und mit einer wunderbar ehrlichen Portion Humor verfeinert.

Die Charaktere entsprechen auf den ersten Blick der typischen Figurenkonstellation eines Kinder-Abenteuer-Films aus den 80er Jahren: Da gibt es die Verlierer-Truppe, hier bestehend aus einem übergewichtigen Lispler, einem Schwarzen, einem kleinen Weirdo und einem Streber. Dort gibt es den älteren Bruder, der einem zeigt, was in Sachen Musik so angesagt ist. Dazu gesellt sich die hübsche, ältere Schwester, die aber irgendwie einen Stock im Arsch hat. Und schließlich gibt es natürlich die obligatorischen Bullys von der Schule. Allerdings ruht sich „Stranger Things“ nicht auf diesem bewährten Schema aus. Die Charaktere machen interessante Entwicklungen durch und werden durch Facetten ergänzt, die man so nicht unbedingt erwartet hätte.

Die Figuren leben natürlich auch von den Schauspielern, die allesamt perfekt gewählt sind – auch die Kinderdarsteller, die zu keinem Zeitpunkt nerven, sondern sich vielmehr sofort ins Herz des Zuschauers spielen. Am bekanntesten dürfte Winona Ryder sein, die als verzweifelte und leicht irre wirkende Mutter tolle Szenen hat. Doch auch die unbekannteren Namen brauchen sich keineswegs verstecken. Besonders hervorheben möchte ich Millie Bobby Brown (das mysteriöse Mädchen mit den übernatürlichen Fähigkeiten) und Natalia Dyer (die große Schwester von Mike Wheeler, dem Hauptcharakter unter den Kindern). Jede Figur und jeder Handlungsfaden ist überdurchschnittlich interessant, alles greift gut ineinander und fügt sich am Ende zu einem stimmungsvollen Gesamtbild. So fühlte sich keine einzige Episode der acht Folgen umfassenden Staffel nach einem Durchhänger an.

Das Finale von „Stranger Things“ beantwortet allerdings nicht alle Fragen und so wäre es geradezu notwendig, dass die Geschichte weitererzählt wird. Da die Serie bei den Kritikern gut ankommt und anscheinend auch schnell Fans findet, darf man wohl auf eine zweite Staffel hoffen. Ich wäre auf jeden Fall dabei. Bislang bekommt „Stranger Things“ von mir richtig starke 9 von 10 Popcornguys!

Black Death

Titel: Black Death
Regisseur: Christopher Smith
Musik: Christian Henson
Darsteller: Eddie Redmayne, Sean Bean, Carice van Houten

England 1348, das Land wird in weiten Teilen von der Pest heimgesucht, die Friedhöfe quillen über und die Menschen verzweifeln angesichts der Todesgefahr. Der junge Mönch Osmund (Eddie Redmayne) zweifelt wegen der Liebe zu einer Frau ob seines Schicksals im Kloster. Er betet inständig darum, ein Zeichen von Gott zu erhalten, als der Ritter Ulfric (Sean Bean) im Kloster ankommt, auf der Suche nach einem Führer in das nahe gelegene Moor. Osmund schließt sich dem Ritter  und seiner Truppe aus raubeinigen Söldnern an, die unterwegs in ein Dorf sind, in dem anscheinend die Pest noch nicht Einzug gehalten hat. Grund dafür soll sein, dass die Dorfbewohner Gott abgeschworen haben und nun einem Dämon Menschenopfer bringen. Ulfric will die Häretiker der gerechten Strafe Gottes unterziehen. 

Ich bin auf diesen Titel aus dem Jahre 2010 aufmerksam geworden, weil er in einer Liste von Serien und Filmen auftauchte, die nun – nach dem 6. Staffelende von Game of Thrones – als potentieller Lückenfüller taugen könnten. Der groß besetzte und detailverliebte Historienfilm trumpft nicht nur mit gutem Schauspiel auf, sondern auch mit brutalen Kampfchoreographien und atmosphärischen Szenenbildern (ich fühlte mich teils an Nicolas Winding Refn´s „Valhalla Rising“ erinnert). Die authentisch und düster gestaltete Welt lädt den Zuschauer sofort in die bedrohliche Zeit der Pestkrankheit ein, die von Angst und religiöser Unsicherheit geprägt, die Verfolgung von angeblichen Hexen vorangetrieben hat. Inmitten dem Chaos stolpert der zaudernde Eddie Redmayne durch das Bild, nicht wissend, was er mit seinem Leben anfangen soll, während Sean Bean als bedächtiger und tief gläubiger Ritter mit seinen Söldnern vor nichts zurückschreckt, was seinem göttlichen Auftrag im Wege steht.

Was die Story so verheißungsvoll beginnt, verliert mittendrin leider etwas an Fahrt, sodass sich der Zuschauer etwas mühsam an die nicht unbedingt sympathische Gruppe heftet, bis sie schließlich das geheimnisumwobene Dorf erreichen, wo mit Langiva (Caraice von Houten) nur eine vieler mysteriöser Charaktere erscheinen. Dort wirds dann richtig interessant, weswegen ich gar nicht mehr zur Story sagen möchte.

Dass sich Christopher Smith in seiner Vergangenheit stark auf Horrorfilme konzentriert hat, merkt man deutlich, denn diverse Horrorelemente sind auch in „Black Death“ zu erkennen. Die düstere Stimmung der hauptsächlich in Deutschland gedrehten Schauorte leisten ihren Beitrag, die Verzweiflung der Charaktere aufzunehmen, auch wenn so manches Storydetail etwas aufgesetzt ankommt.

Fazit: Eine feine Entdeckung, die meines Erachtens unberechtigt unter dem Radar vieler lief, und einen spannenden und schaurigen Abend garantiert!