Black Death

Titel: Black Death
Regisseur: Christopher Smith
Musik: Christian Henson
Darsteller: Eddie Redmayne, Sean Bean, Carice van Houten

England 1348, das Land wird in weiten Teilen von der Pest heimgesucht, die Friedhöfe quillen über und die Menschen verzweifeln angesichts der Todesgefahr. Der junge Mönch Osmund (Eddie Redmayne) zweifelt wegen der Liebe zu einer Frau ob seines Schicksals im Kloster. Er betet inständig darum, ein Zeichen von Gott zu erhalten, als der Ritter Ulfric (Sean Bean) im Kloster ankommt, auf der Suche nach einem Führer in das nahe gelegene Moor. Osmund schließt sich dem Ritter  und seiner Truppe aus raubeinigen Söldnern an, die unterwegs in ein Dorf sind, in dem anscheinend die Pest noch nicht Einzug gehalten hat. Grund dafür soll sein, dass die Dorfbewohner Gott abgeschworen haben und nun einem Dämon Menschenopfer bringen. Ulfric will die Häretiker der gerechten Strafe Gottes unterziehen. 

Ich bin auf diesen Titel aus dem Jahre 2010 aufmerksam geworden, weil er in einer Liste von Serien und Filmen auftauchte, die nun – nach dem 6. Staffelende von Game of Thrones – als potentieller Lückenfüller taugen könnten. Der groß besetzte und detailverliebte Historienfilm trumpft nicht nur mit gutem Schauspiel auf, sondern auch mit brutalen Kampfchoreographien und atmosphärischen Szenenbildern (ich fühlte mich teils an Nicolas Winding Refn´s „Valhalla Rising“ erinnert). Die authentisch und düster gestaltete Welt lädt den Zuschauer sofort in die bedrohliche Zeit der Pestkrankheit ein, die von Angst und religiöser Unsicherheit geprägt, die Verfolgung von angeblichen Hexen vorangetrieben hat. Inmitten dem Chaos stolpert der zaudernde Eddie Redmayne durch das Bild, nicht wissend, was er mit seinem Leben anfangen soll, während Sean Bean als bedächtiger und tief gläubiger Ritter mit seinen Söldnern vor nichts zurückschreckt, was seinem göttlichen Auftrag im Wege steht.

Was die Story so verheißungsvoll beginnt, verliert mittendrin leider etwas an Fahrt, sodass sich der Zuschauer etwas mühsam an die nicht unbedingt sympathische Gruppe heftet, bis sie schließlich das geheimnisumwobene Dorf erreichen, wo mit Langiva (Caraice von Houten) nur eine vieler mysteriöser Charaktere erscheinen. Dort wirds dann richtig interessant, weswegen ich gar nicht mehr zur Story sagen möchte.

Dass sich Christopher Smith in seiner Vergangenheit stark auf Horrorfilme konzentriert hat, merkt man deutlich, denn diverse Horrorelemente sind auch in „Black Death“ zu erkennen. Die düstere Stimmung der hauptsächlich in Deutschland gedrehten Schauorte leisten ihren Beitrag, die Verzweiflung der Charaktere aufzunehmen, auch wenn so manches Storydetail etwas aufgesetzt ankommt.

Fazit: Eine feine Entdeckung, die meines Erachtens unberechtigt unter dem Radar vieler lief, und einen spannenden und schaurigen Abend garantiert!

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The Witch

Titel: The Witch
Originaltitel: The Witch
Regie: Robert Eggers
Musik: Mark Korven
Darsteller: Anya Taylor-Joy, Ralph Ineson, Kate Dickie

Neuengland im 17. Jahrhundert: Der strenggläubige William (Ralph Ineson) verlässt mit seiner schwangeren Frau und seinen vier Kindern die Siedlung, da ihm die Menschen dort nicht christlich genug leben. Die Familie baut in der Wildnis einen Hof auf und möchte das Land zähmen bewirtschaften. Katherine (Kate Dickie) bringt schließlich einen weiteren Sohn auf die Welt. Einige Zeit später passt die älteste Tochter Thomasin (Anya Taylor-Joy) auf das Baby auf, doch plötzlich und unerklärlich verschwindet das Kind im Wald. Die trauernde Familie geht zunächst von einem Wolfsangriff aus. Doch dann sprechen die jüngsten Kinder Williams einen anderen Verdacht aus, der immer mehr Fuß fassen kann: Eine Hexe hat das Baby gestohlen.

Es gibt kaum eine Begebenheit in der Geschichte, die interessanter und erschreckender ist als die der Hexenverfolgung. Zu keinem anderen Zeitpunkt vermischten sich Aberglaube, religiöser Fanatismus, Angst, Machtinteresse und Denunziation zu einem tödlicheren Cocktail. Die düstere Faszination für das Thema hält bis heute an. So werden Hexen auch immer wieder Gegenstand in Film und Fernsehen, allerdings häufig auf einer sehr oberflächlichen und plumpen Ebene. Der Trailer zu „The Witch“ versprach mir eine andere Herangehensweise – und ich wurde nicht enttäuscht.

Allerdings muss ich auch eine Warnung aussprechen: „The Witch“ ist alles andere als ein normaler Horrorfilm. Für gewöhnlich arbeitet das Genre ja mit billigen, aber effektiven Jump-Scares und Protagonisten, die mit einer übernatürlichen Macht konfrontiert werden, sich aufgrund ihrer Normalität aber so verhalten, wie es der Zuschauer auch tun würde. All das ist bei „The Witch“ nicht der Fall. Wer mit den falschen Erwartungen hinein geht, wird schnell enttäuscht werden. So lautete das Fazit meine Sitznachbarn: „Das war der beschissenste Horrofilm, den ich je gesehen habe.“

Man kann „The Witch“ nur genießen, wenn man sich von Anfang an auf einen Fakt einlassen kann: Die Menschen in dieser Zeit waren felsenfest davon überzeugt, dass es einen Teufel gibt, der mit Menschen Bündnisse eingeht und sie zu Hexen macht. Wenn man diese Denkweise nicht annehmen kann, bleibt der Film unnachvollziehbar und wirkt vielleicht sogar stellenweise komisch. Insofern ist der Film in erster Linie etwas für diejenigen Zuschauer, die sich für die tatsächlichen Umstände des Hexenglaubens interessieren – oder in anderen Worten: Etwas für Historiker und Theologen. Und bei diesem Publikum kann „The Witch“ so richtig punkten. Egal, ob es sich um Flugsalben, Tierzauber oder Hexensabbat handelt – der Film findet Mittel und Wege, diese abergläubischen Vorstellungen beklemmend und faszinierend zu visualisieren. Dabei vermischt sich die tatsächliche Handlung zunehmend mit der Einbildung der Charaktere. Auch der Zuschauer muss sich die Frage stellen, was nun wirklich geschieht und was nicht. Beziehungsweise bildet „The Witch“ gekonnt die Vorstellungen ab, die sich wirklich in den Köpfen der damaligen Menschen abspielten. Auch psychologisch Interessierte dürften auf ihre Kosten kommen, denn der Film lässt sich auch als komplexes Familiendrama verstehen.

Viele Elemente tragen zur hohen Authentizität von „The Witch“ bei. Die Dialoge bedienen sich bei historischen Dokumenten und Protokollen, was die Sprache zwar sperrig, aber auch echt wirken lässt. Die Schauspieler waren mir – bis auf Kate Dickie aus der Serie „Game of Thrones“ – gänzlich unbekannt, doch sie waren allesamt gut gewählt. Besonders loben möchte ich die ausdrucksstarke Anya Taylor-Joy, aber auch die jüngeren Kinderdarsteller, die eine absolut glaubwürdige Darstellung ablieferten. Der Look des Films ist düster und dreckig, Kamera und Soundtrack tragen ihren Teil zur unbehaglichen Stimmung bei. Insgesamt ist das Tempo eher gemächlich, für viele vermutlich zu langsam, doch ich empfand es inmitten all der gehetzt wirkenden Blockbuster als angenehme Abwechslung. Dennoch hätte ich mir den Plot an manchen Stellen etwas kerniger und komprimierter gewünscht.

Fazit: „The Witch“ ist kein schneller Schocker, sondern eine Arthouse-Perle, die ihr Publikum unter denjenigen finden wird, die sich gerne mit dem Thema Hexen aus historischer, theologischer oder psychologischer Perspektive beschäftigen. Es gibt ganz starke 8 von 10 Popcornguys!

Legend

Titel: Legend
Regisseur: Brian Helgeland
Musik: Carter Burwell
Darsteller: Tom Hardy, Emily Browning, David Thewlis

Die Zwillinge Reginald und Ronald Kray (Tom Hardy) sind die Könige des Londoner East End. Mit intelligenten Geschäften, aber auch mit brutaler Härte gehen die Gangster vor, um Rivalen auszuschalten und Geld einzutreiben. Ihr gefährliches Treiben wird nicht nur von Scotland Yard genau beobachtet, sondern auch von Frances (Emily Browning), die unsterblich in Reggie verliebt ist, und sich nichts als ein ruhiges, ehrliches Leben wünscht.

Die auf Tatsachen beruhende Geschichte der Kray-Zwillinge verfilmen, und dabei einen Schauspieler wie Tom Hardy in einer Doppelrolle besetzen – das kann man schonmal als Geniestreich bezeichnen. Regisseur Brain Helgeland, der sich in der Vergangenheit vor allem als Drehbuchautor für Filme wie L.A. Confidental, Mystic River und Man on Fire verdient gemacht hat, hatte genau das richtige Händchen dafür, Hardy in seine Rollen einzustimmen. Wobei sich alle Darsteller sehen lassen können, geht Hardy hier richtig auf, und so hat man beim Zusehen tatsächlich das Gefühl, bei Ronnie und Reggie ständig zwei verschiedene Personen vor sich zu haben. Reggie, der eher besonnene, konsequente und coole Geschäftsmann, und Ronnie, ein Psychopath, der in der Wut sofort zur Waffe greift, doch im nächsten Moment wieder in kindlichem Sanftmut nach dem Schutz seines Bruders sucht. Eine explosive Mischung, die Tom Hardy hier erfolgreich Leben einhaucht. Diese Charaktere machen die ganze Geschichte, die an sich doch eher banal ist, erst zu einer Geschichte, die man erzählt bekommen will.

Und hier offenbart sich leider auch die Schwäche des Films: Stellenweise fehlt es stark an Tempo und Spannung. Auch wenn der Zuschauer in die stimmige Atmosphäre der Unterwelt des 60er-Jahre Londons eintaucht – so richtig nah kommt man den Charakteren nicht. Selbst in der schwierigen Beziehung zwischen Frances und Reggie fiel es mir verhältnismäßig schwer, richtig viel Empathie aufzubringen. Das ist sehr schade, denn in den temporeichen Gangstermomenten fährt der Streifen richtig auf. Angesichts der historischen Vorlage wäre es natürlich schwierig gewesen, den Fokus mehr darauf zu legen, doch raubt die Kombination aus Gangsterfilm und Beziehungsdrama leider einiges.
Fazit: Nichtsdestotrotz darf man sich von Legend gut unterhalten fühlen. Szenenbilder, Soundtrack und das unglaubliche Schauspiel Tom Hardys tun alles, um die Zuschauer in diese harte Welt eintauchen zu lassen. Und das ist schon viel mehr, als viele andere Filme je Zustande bringen.

7 von 10 Popcornguys

The Revenant

Titel: The Revenant
Regisseur: Alejandro Gonzales Iñárritu
Musik: Bryce Dessner, Carsten Nicolai, Ryūichi Sakamoto
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Will Poulter

Hugh Glass (Leonardo DiCaprio), ein erfahrener Trapper, zieht mit seinem Sohn in einer Gruppe Pelzjäger durch die wilde Berglandschaft des Missouri River, bis er von einem Grizzlybären angefallen und schwer verletzt wird. Nachdem seine Kameraden feststellen müssen, dass sie Glass nicht weiter mitnehmen können, lassen sie ihn sterbend zurück. Er überlebt jedoch, wird fortan angetrieben von Überlebenswillen und Rache, und schleppt sich hunderte Kilometer im Kampf gegen Stämme von Ureinwohnern und den Kältetod voran.

Der vom zurecht gefeierten Alejandro Gonzales Iñárritu inzenierte Historienfilm hat vom ersten Trailer an meine volle Aufmerksamkeit beansprucht. Leonardi DiCaprio liefert sich einen Überlebenskampf in lebensfeindlichen Schneelandschaften, mit Iñárritu auf dem Regiestuhl und Emmanuel Lubezki (Children of Men, Gravity, Birdman) an der Kamera. Was kann da schon schief laufen? Die Antwort: Nichts!

Es kann zwar mitunter gefährlich sein, die Erwartungen an einen Regisseur im Vorfeld so zu steigern, doch im Fall von Iñárritu mache ich gern eine Ausnahme. Er schafft es, eine im Grunde simple Geschichte mit wenigen Worten, aber umso in bildgewaltiger Brutalität und einer derart nah in Szene gesetzter Kamera zu inszenieren, dass sich der Zuschauer in der dreistündigen Laufzeit zu keiner Zeit langweilt, sondern sich stets mitten im Geschehen wähnt. Sowohl die aufregendsten Kampfszenen als auch die ruhigen Landschaftsaufnahmen sind mit explosiver Spannung gefüllt, die meine Augen nahezu an die Kinoleinwand hefteten.

Die Darsteller, Tom Hardy als Antagonist John Fitzgerald, Will Boulter als junger Kamerad Jim Bridger, Domhnhall Gleeson als Anführer Andrew Henry und nicht zuletzt Leonardo DiCaprio tun ihr übriges den Zuschauer mit hinein in diese unbarmherzige Welt zu nehmen, wenn sie auf Händen und Füßen durch Dreck, Schnee und eiskalte Flüsse kriechen. Selbst mit den Vorzügen, die ein modernes Filmset bietet – der Dreh muss die Hölle gewesen sein. Natürlich liefert DiCaprio als Hauptdarsteller die intensivste Leistung ab. Allein für diesen Film kann man ihm beruhigt zwei Oscars hinstellen.

Fazit: The Revenant hat mich mit klopfendem Herzen im Kinosessel zurückgelassen und mir den intensivsten Einstieg ins Kinojahr meines Lebens beschert. Was ein bisschen Schade ist: Vielleicht habe ich den besten Film des Jahres schon gesehen…

Serien-Special: Vikings (Staffel 1)

Titel: Vikings
Produktion: History Television, Metro-Goldwyn-Mayer
Genre: History
Darsteller: Travis Fimmel, Clive Standen, George Bladgen, Gustaf Skarsgård

VIKINGS OPENING TITLE SEQUENCE from Rama Allen on Vimeo.

Der Nordmann Ragnar Lodbrock (Travis Fimmel) hat große Pläne: Mit einer neuartigen Navigationsmethode und dem äußerst seetüchtigen neuem Schiff des Schiffsbauers Floki (Gustaf Skarsgård) will er gen Westen reisen, wo ein unbekanntes Land liegen soll. Gegen den Willen seines Earls Jarl Haraldson (Gabriel Byrne) segelt er in das verheißungsvolle Land, wo er und seine Männer auf ein fremdes Königreich, eine fremde Kultur und eine fremde Religion treffen. Aller Gefahr trotzend muss er sich bei seiner Rückkehr der Gier und dem Neid seiner Landsmänner stellen.

„Vikings“ floriert in den USA und Kanada als die neue Actionserie in historischem Setting. Da die Produktion unter den Argusaugen von History Television Canada läuft, kann man wohl schon davon ausgehen, dass die fiktionale Geschichte in dennoch realistischem Umfeld erzählt wird. So hat diese spannende Serie nicht nur einen unterhaltenden Charakter, sondern ebenso einen nebensächlichen Lerneffekt. Ich weiß zwar nicht, ob MGM da einen teuflischen Pakt mit dem kanadischen Kultusministerium geschlossen hat, aber dieser unfreiwillige Lernzugewinn dürfte die wenigsten Zuschauer stören.
Die Story um Ragnar Lodbrock wird ganz einfach spannend erzählt – und das macht den Reiz der Serie aus. Die teils barbarische wie auch teils ungewöhnlich fortschrittliche Kultur der Skandinavier, und das von Ragnar Lodbrock eingeläutete Wikingerzeitalter treffen im Laufe der Zeit auf die uns eher bekannte, christlich-abendländische Kultur, die hauptsächlich durch den Mönch Athelstan (George Bladgen) verkörpert wird, welcher beim Angriff der Wikinger auf ein Kloster von Ragnar gefangen genommen und als Sklave in die Welt der Heiden geführt wird. Dieses Spannungsfeld weckt bei mir persönlich die meiste Aufmerksamkeit, und zum Glück wird diesem Storystrang innerhalb der ersten Staffel viel Platz eingeräumt.

Generell mangelt es nicht an Storyfortschritt, sodass mir einige Zeitsprünge gar etwas schnell abliefen. Aber was solls, gerade optisch bietet diese Serie immer wieder atemberaubende Schmankerl – sowohl Dialoge als auch Kämpfe sind gut inzeniert, wobei merklich keine absolut herausragenden Darsteller auftreten. Das muss aber auch nicht sein, denn „Vikings“ unterhält so, wie es ist, sehr gut.
Es ist schön zu sehen, dass eine historische Serie, die wissenschaftlichen Anspruch hat, so erfolgreich ist, und ich hoffe noch viele weitere Staffeln über die Geschichte um die grimmigen Wikinger verfolgen zu können.

„Vikings“ lief leider bisher noch nicht im Free-TV und ist hierzulande auch noch nicht als DVD zu kaufen, sondern lediglich über dem Streamingdienst Lovefilm verfügbar. Wer diese Option hat: Meine Empfehlung!
daumen-green

Walhalla Rising

Titel: Walhalla Rising
Regisseur: Nicolas Winding Refn
Musik: Peter Kyed, Peter Peter
Darsteller: Mads Mikkelsen, Maarten Stevenson, Gary Lewis

Hier der Trailer

Der schweigsame Krieger Einauge (Mads Mikkelsen) wird von heidnischen Wikingern als Sklave gehalten. Nebst Arbeiten muss er in Kämpfen auf Leben und Tod andere Sklaven besiegen. Eines Tages gelingt ihm die Flucht, und nachdem er seine Peiniger getötet hatte, zieht er mit Are, dem Jungen, der sich während seiner Gefangenschaft um ihn gekümmert hatte, weiter. Sie treffen auf eine Gruppe christlicher Wikinger. Sie schließen sich der Truppe an, um gemeinsam mit den fanatischen Kriegern gen Jerusalem zu reisen, um das heilige Land zu erobern.

Ich wurde bereits vor langer Zeit auf „Walhalla Rising“ aufmerksam. Damals noch in einer Zeitschrift darüber gelesen, musste ich bald feststellen, dass der Film in keine deutschen Kinos kam. Als ich später einige Kritiken las, stellte sich erstmal herbe Enttäuschung ein. Der Filme wurde als langatmig, langweilig und inhaltslos beschimpft, von manchen sogar als schlechtester Film seit Langem bezeichnet. Dies sollte sich nach meiner Sichtung als falsch heraustellen.
Eigentlich sollte ich den Kritikern danken, denn ohne sie hätte ich – wie sie vermutlich auch – einen Abenteuerfilm erwartet. Nun war mir aber klar, dass wir hier einen Kunstfilm vorliegen haben, der dem Zuschauer einiges an Geduld einfordert.
Walhalla Rising besteht zu gut einem Drittel aus Szenen, welche die Charaktere beim Herumsitzen und vor-sich-hin-starren zeigt. Da kommt bei manchen natürlich schnell Langeweile auf. Für mich trug dies unbedingt zur genial beklemmenden Atmosphäre bei, welche der Film erzeugen wollte. Die heidnischen Wikinger leben in einem rauen Land. Ihr Alltag ist bestimmt von Überleben. Einauge wird von Hass und Vergeltung angetrieben, das ist mit jeder Faser spürbar. Die christlichen Kämpfer sind getrieben von tiefen Glauben und dem fanatischen Auftrag, das heilige Land zu erobern. Das alles ist dem Film durch wenige Worte zu entnehmen. Denn viele davon gibt es nicht. Den Großteil des Films macht Stille aus. Bedrückende, aber aussagekräftige Stille. Es ist eine harte Welt, in die wir hier geworfen werden. Wenn denn nun etwas passiert, dann richtig. Der Film geizt nicht mit Blut, und die Brutalität dieser Zeit schlägt uns mit voller Wucht entgegen.

In all diesen Wirren beobachten wir Einauge. Wir verstehen ihn, seine Last und seinen Schmerz, gleichzeitig können wir ihn zu keinem Zeitpunkt einschätzen. In dieser Welt, die so schön und so furchtbar ist, fragen wir uns ständig, welchen Platz wir in ihr einnehmen würden. Welche Rolle würden wir spielen, und wie würden wir handeln?
Wer sich auf diesen stillen wie schlimmen Film einlassen kann, wird sich auf die simpelsten Fragen des Menschseins einlassen – und sich fragen, welche Art Mensch man selbst eigentlich ist.

8 von 10 Popcornguys!

Serien-Special: Firefly

Eigentlich wollte ich mit meinem Bericht über „Firefly – Aufbruch der Serenity“ warten, bis ich die komplette Serie durch hab. Da sie aus lediglich 14 Episoden besteht, würde das nicht lange dauern. Jetzt habe ich allerdings die Hälfte der Folgen gesichtet und mich entschieden, meinen Bericht jetzt anzufertigen. Beginnen wir mit einer groben Umschreibung:

500 Jahre in der Zukunft existiert eine völlig andere Welt. Die Menschen haben sich auf der Suche nach Rohstoffen in ein anderes Planetensystem begeben. Dort kontrolliert die totalitäre Regierung der Allianz vor allem die inneren Planeten, während auf den zahlreichen äußeren Monden des Systems Kriminelle, Weltraumpiraten und die gefürchteten Reaver ihr Unwesen treiben. Die Passagiere des Raumschiffs Serenity nehmen auf ihrer abenteuerlichen Reise jeden Job, legal oder illegal an, um die Tanks voll und Essen auf den Tisch zu haben. Als die Crew jedoch einen Passagier an Bord nimmt, welcher von der Allianz gesucht wird, gestaltet sich die Reise bald sehr viel komplizierter.

Nun, erstmal klingt das wie eine mehr oder minder gewöhnliche Science-Fiction-Serie. Im Vergleich zu Serien aus dem Star Trek-Universum fallen jedoch einige prägnante Unterschiede auf. Zum einen wird die Welt ausschließlich von Menschen bevölkert – kein ausserirdisches Leben vorhanden. Zum anderen schweben hier (von den Raumschiffen der Allianz abgesehen) keine hochtechnologischen Wunderwerke der Technik herum. Vielmehr wirkt die Serenity (welche allerdings der älteren Firefly-Klasse angehört) sehr mechianisch. Grundsätzlich scheinen die äußeren Planeten in ihrer technischen Entwicklung eher rückständig zu sein, denn nicht selten wird auf alte Handwerkstechniken und tierische Arbeitskraft zurückgegriffen. Dies spiegelt sich auch in Kleidung und Waffen wider: Keine figurbetonten Nylonstrampler, keine Laserpistolen, sondern gewöhnliche Kleidung und Anzüge, sowie an Revolvern orientierte Schusswaffen. Man kann sich schon denken, in welche Richtung dies läuft: Bei Firefly handelt es sich um Science-Fiction-Western. So seltsam das erstmal klingt, umso besser schafft es die Serie, mit Atmosphäre und Soundtrack diesen Hintergrund zu erzeugen. Sowohl Elemente des Wilden Westens, als auch Elemente fernöstlicher Kultur spielen immer wieder ins Gesamtbild, was sich auch in der Sprache widerspiegelt: Besondern beim Einsatz von Kraftausdrücken wechseln die Protagonisten oftmals in chinesische.

Was mich zudem sehr beeindruckt, ist die Vielfalt der Charaktere. Deshalb eine kurze Zusammenfassung der Crew und ihrer Passagiere:
Malcom Reynolds ist der Kapitän der Serenity. Er hat vor einigen Jahren in einem Unabhängigkeitskrieg gegen die Allianz gekämpft. Nach der vernichtenden Niederlage führt er ein halblegales Leben auf seinem Schiff. Er ist im Grunde ein gutherziger Kerl, der für seine Mannschaft alles tut. Ebenso oft beweist er aber auch notwendige Härte.
Zoe Washburne hat mit Reynolds im Krieg gekämpft. Sie ist seine Stellvertreterin und eine zuverlässige, loyale Kämpferin.
Hoban „Wash“ Washburne ist der Pilot und Ehemann von Zoe. Er beteiligt sich selten an Außeneinsätzen und demnach an den Aufträgen der Crew selbst. Dafür kann er die Serenity aus jeder brenzligen Situation heraus steuern.
Jayne Cobb ist ein Söldner. Körperlich kräftig und geschult im Umgang mit Waffen ist er ein unverzichtbarer Kämpfer. Seine Gier nach Geld macht ihn aber auch wenig loyal.
Kaylee Frye ist die stets gut gelaunte, optimistische Schiffsmechianikerin. Ihr technisches Können rettet die Mannschaft der Serenity aus vielen gefährlichen Situationen.

Desweiteren noch dauerhafte Passagiere:
Inara Serra ist eine Companion – eine sozial sehr hoch gestellte Edelprostituierte. Sie hat ein Shuttle der Serenity dauerhaft gemietet, was ihr Arbeitsfeld erweitert und im Ausgleich die Landeerlaubnis der Serenity auf allen Monden gewährt.
River Tam ist ein hochbegabtes Mädchen, welches in einer Akademie der Allianz Opfer von Tests und Eingriffen wurde. Aufgrund dessen ist sie in einem psychisch labilen Zustand, beweist aber imm wieder ihre besonderen Fähigkeiten. Von ihrem Bruder befreit befindet sie sich nun auf der Flucht.
Dr. Simon Tam ist ein junger, begabter Arzt, der seine Schwester aus den Fängen der Allianz befreit hat. Er bietet seine Dienste als Arzt an, um sich im Gegenzug auf der Serenity verstecken zu dürfen.
Shepherd Book ist ein christlicher Priester, welcher seine Abtei verlassen hat, um auf Missionsreise zu gehen. Eher zufällig landet er auf der Serenity, wo er sich zwar wenig nützlich machen kann, jedoch in vielen Entscheidungen einen moralischen Schwerpunkt setzt. Mit dem Kapitän, welcher sich nach vielen Enttäuschungen der Vergangenheit vom Glauben abgewandt hat, kommt es deshalb immer wieder zu kleinen Sticheleien („Darf ich sie an den barmherzigen Samariter erinnern?“ – „Lieber nicht..“).

Man kann sich schon vorstellen, dass diese bunte Mischung eine gute Grundlage für eine interessante Charakterentwicklung darstellt. Auch wenn die Figuren meines Erachtens nicht bis ins kleinste ausgearbeitet werden, und oftmals kleine Lücken hinterlassen werden, kommt es dennoch zu spannenden Beziehungen zwischen den Charakteren, welche die Serie bereichern.

Nun darf ich langsam zum Abschluss kommen: Wer sich für einen skurrilen Genre-Mix begeistern kann, solide Serien-Schauspielarbeit schätzt und spannende Geschichten mag, ist mit Firefly sicherlich zufrieden. Da die einzelnen Folgen für sich stehen, kann der gesamte Spannungsbogen nicht so fesseln wie z.B. in einer Serie wie Lost. Dennoch hänge ich inzwischen an dieser Serie, und finde es jetzt schon Schade, dass ich die Hälfte schon hinter mir habe.
Anmerken lässt sich noch, dass gewisse Ereignisse innerhalb der Folgen mir recht schnell schnell abgehandelt vorkommen. In anderen Serien würden solche Ereignisse ewig dahingezogen werden, um die Spannung zu steigern. Obwohl das in vielerlei Hinsicht ein Vorteil zu sein scheint, passiert mir manches oft zu schnell. Schade!

Nichtsdestotrotz ist Firefly eine wirklich gute Serie, die sich mit insgesamt ca. 10 Stunden nicht ewig hinzieht, und sich komplett für einen schlappen Preis von etwa 15 Euro äußerst preisgünstig erwerben lässt.
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EDIT:
Nun habe ich die 14te Episode gesehen. Schade! Es ist wahrlich eine Schande, dass diese tolle Serie nach nur so wenig Folgen eingestellt wurde. Wer auch immer dafür verantwortlich ist, hat offensichtlich wirtschaftliche Beweggründe gegenüber einer wirklich packenden Serie vorgezogen. Mit jeder Folge ist mir die Crew der Serenity mehr und mehr ans Herz gewachsen. Von mir gibts für dieses Meisterwerk an Science-Fiction die höchste zu erringende Punktzahl!