Captain Phillips

Titel: Captain Phillips (Originaltitel: Captain Phillips)
Regie: Paul Greengrass
Musik: Henry Jackman
Schauspieler: Tom Hanks, Barkhad Abdi

Richard Phillips (Tom Hanks) ist Kapitän des Container-Frachtschiffs Maersk Alabama und muss mit diesem eine riskante Route entlang des Horns von Afrika befahren. Vor der Ostküste Somalias kommt es schließlich zur Konfrontation mit Piraten. Den Angreifern unter dem Kommando eines Mannes namens Muse (Barkhad Abdi) gelingt es, den Frachter zu kapern und Teile der Besatzung in ihre Gewalt zu bringen. Um seine Crew vor weiteren Ausschreitungen zu schützen, riskiert es Phillips, von den Piraten als Geisel genommen zu werden.

Ich muss zugeben, dass mich die Trailer zu „Capatin Phillips“ zwar interessierten, aber niemals vollends überzeugten. Die Befürchtung, dass es mal wieder einer jener Filme wird, die sich zu stark auf das bedeutungsschwangere Aushängeschild „Basierend auf einer wahren Begebenheit“ stützen, war vorhanden. Am Ende hat mich dann doch der gute alte Tom Hanks ins Kino gelockt – und ich sollte es keineswegs bereuen.

Dem Regisseur Paul Greengrass gelingt es in „Captain Phillips“, von der ersten bis zur letzten Szene gehörig Spannung aufzubauen – eine Leistung, die bei einer Lauflänge von über 130 Minuten mehr als beachtlich ist. Ab dem ersten Angriff der Piraten habe ich mich im Kinosessel hin und her gewälzt und konnte nicht anders, als mitzufiebern. Dieser Effekt ist natürlich umso intensiver, je weniger man über den tatsächlichen Richard Phillips weiß – in meinem Fall war die Sache ideal, da ich nämlich gar nichts wusste und mir daher während dem Film nicht mal ansatzweise vorstellen konnte, wie es denn nun ausgehen wird.

Ein weiterer großer Pluspunkt ist die recht ambivalente Inszenierung der Thematik. Glücklicherweise verzichtet „Captain Phillips“ auf jegliche Schwarz-Weiß-Malerei und lässt amerikanisch-militanten Patriotismus nur zu einem Minimum heraus hängen. Stattdessen wird in einigen Szenen am Anfang des Films auch die schwierige Lage der Somalier betrachtet. Die Schattenseiten der Globalisierung werden deutlich, wenn der Zuschauer merkt, dass einstige Fischer in die Kriminalität getrieben werden, um ihre Familien ernähren zu können. In diesem Zusammenhang wird auch der Pirat Muse vorgestellt, ein hagerer junger Mann mit großen Ambitionen. Gespielt wird er vom bislang unbekannten Barkhad Abdi, der in seiner ersten Filmrolle ein erstaunlich intensives Spiel bietet und dem Zuschauer hoffentlich länger im Gedächtnis bleiben wird. Dennoch dreht sich „Captain Phillips“ ganz eindeutig um den von Tom Hanks dargestellten Titelhelden. Dabei zeigt Hanks mal wieder eine großartige Performance, die insbesondere in den letzten Minuten des Films ganz klar oscarwürdig ist. Ich muss zugeben, dass mich die besagte Szene sehr rührte und das gesamte Werk endgültig in die oberen Bewertungsklassen katapultierte.

Sonderlich viel gibt es von meiner Seite aus nicht zu bemängeln. Eventuell hätten manche Charaktere etwas mehr Hintergrund und Farbe vertragen, doch falls dies auf Kosten des imposanten Spannungsaufbaus gegangen wäre, bevorzuge ich doch das tatsächliche Endprodukt. In jedem Fall gehe ich davon aus, dass „Captain Phillips“ bei der kommenden Oscar-Verleihung eine Rolle spielen wird – und zwar berechtigt. Ich vergebe 9 von 10 Popcornguys.

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