Frank

Titel: Frank
Originaltitel: Frank
Regie: Lenny Abrahamson
Musik: Stephen Rennicks
Darsteller: Michael Fassbender, Domhnall Gleeson, Maggie Gyllehaal

Jon (Domhnall Gleeson) wäre gerne ein erfolgreicher Musiker – doch ihm fehlt jegliche Inspiration. Auf der verzweifelten Suche nach einer kreativen Quelle lernt er die Rockband Soronpfbrs kennen. Deren Keyboarder ist nach einem missglückten Selbstmordversuch erstmal ausgeschaltet, weswegen Jon spontan für einen Gig einspringt. Die Soronpfbrs entpuppen sich als eine wahrlich skurrile Truppe. Sie besteht aus der jähzornigen Clara (Maggie Gyllenhaal), den arroganten Franzosen Nana und Baraque (Carla Azar und François Civil), sowie Don (Scotot McNairy), der gerne mal Geschlechtsverkehr mit Schaufensterpuppen praktiziert. Doch die seltsamste Erscheinung ist Frank (Michael Fassbender), der Sänger der Band. Auch abseits der Bühne trägt er stets einen überdimensionalen Pappmaché-Kopf und nicht einmal seine Bandkollegen wissen, wie er wirklich aussieht. Dons erster Auftritt mit den Soronpfbrs lässt sich nicht gerade als gelungen bezeichnen. Dennoch erzählt er am nächsten Tag einen Anruf und begleitet die Band nach Irland, in der Annahme, dort einen weiteren Gig zu spielen. Tatsächlich quartieren sich die Soronpfbrs über Monate in einer einsam gelegenen Hütte ein, um dort mit allen Mitteln ihr Album aufzunehmen.

Eines muss im Voraus gesagt werden: „Frank“ ist als bizarre und ziemlich verrückte Indie-Musikkomödie sicher nicht jedermanns Geschmack. Ich persönlich habe aber seit langer Zeit keinen so witzigen und gleichzeitig charmanten Film mehr gesehen. Ganz entscheidend trägt dazu natürlich der Cast bei. Es dauert nicht lange und jedes einzelne gestörte Bandmitglied ist einem ans Herz gewachsen. Der sympathische Domhnall Gleeson gerät – ganz ähnlich wie in „Ex Machina“, nur mit einem gänzlich anderen Ton – mal wieder in eine für ihn völlig neuartige Situation und macht als perplexer, aber durchaus vielschichtiger Charakter einen verdammt guten Job. Maggie Gyllenhaal als undurchsichtige und innerlich stets brodelnde Frau hatte sichtlich ebenso großes Vergnügen beim Dreh. Michael Fassbender mag wegen des großen Pappmaché-Kopfes seiner eindrucksvollen Mimik beraubt sein, aber dennoch gelingt es seiner Figur, den emotionalen Kern der Geschichte zu bilden.

Der Film, durch den Domhnall Gleesons Figur als Erzähler führt, konstruiert einen komischen Moment nach dem anderen. „Frank“ ist damit sehr unterhaltend, doch es gelingt ihm ebenso gut, die emotionalen Töne anzuschlagen, die mich merkwürdigerweise auf einer sehr tiefen Ebene erreicht haben. Der Film arbeitet in mir weiter und so werden für mich auch die gewichtigeren Themen der Geschichte deutlich. Denn auf der einen Seite steht der aufstrebende, aber im Grunde talentlose Möchtegern-Musiker Jon, der jedes noch so kleine seiner Tönchen über Youtube und Twitter präsentiert und verzweifelt nach Klicks, Followern und Fans lechzt. Und auf der anderen Seite steht Frank, ein psychisch gestörter, aber genialer Musiker, dessen Vorstellung von Kunst aber niemals ein breites Publikum erreichen wird. Der Film wirft also die Frage auf, ob Erfolg durch Anpassung für einen Musiker – oder einen Menschen im Allgemeinen – erstrebenswert ist oder nicht. Und die Auflösung in „Frank“ hat mich richtig gerührt.

Ich empfehle diesen Film allen, die sich für Musik interessieren und viel für Außenseiter-Kino übrig haben. Denn die werden mit „Frank“ sehr glücklich werden. Mindestens 8 von 10 Popcornguys!

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Ex Machina

Titel: Ex Machina
Originaltitel: Ex Machina
Regie: Alex Garland
Musik: Geoff Barrow, Ben Salisbury
Darsteller: Domhnall Gleeson, Oscar Isaac, Alicia Vikander

Der junge Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson) gewinnt ein firmeninternes Gewinnspiel und wird in das abgelegene High-Tech-Haus des exzentrischen Konzernchefs Nathan (Oscar Isaac) geladen. Dort ist Nathan dabei, in der Form des weiblichen Roboters Ava (Alicia Vikander) eine künstliche Intelligenz zu erschaffen. Caleb soll nun Ava in Gesprächen eine Woche lang testen, damit ein letztendliches Urteil über den Erfolg des Projekts gefällt werden kann. Doch zwischen dem Programmierer und dem Roboter entwickeln sich allmählich Gefühle. Der Weg für eine komplexe Dreiecksbeziehung ist geebnet und die Lage im abgeschiedenen Landhaus spitzt sich auf dramatische Weise zu.

Man kennt das ja: Da geht man wochenlang ins Kino, wird mit Durchschnittsware abgespeist, wartet sehnsüchtig auf die cineastische Erlösung und wird nach einer mehr oder weniger langen Zeit auch belohnt. In meinem Fall war die Belohnung der Science-Fiction-Thriller „Ex Machina“, das Regiedebut des Schriftstellers Alex Garland.

Schon der erste Trailer von „Ex Machina“ hat mich fasziniert. Dabei ist die Thematik der künstlichen Intelligenz kinotechnisch gerade fast schon ausgereizt. Ich denke dabei beispielsweise an den traumhaften Film „Her“, in dem sich Joaquin Phoenix in sein Betriebssystem verliebt – oder aber auch den aktuellen „Avengers“-Film, wo es Marvels Superheldentruppe mit dem Roboter Ultron zu tun bekommt. Doch „Ex Machina“ wählt genretechnisch einen anderen Weg: Er ist weder ein reiner Liebesfilm, noch ein brachiales Action-Gedöns. „Ex Machina“ ist ein Thriller-Kammerspiel. Der phasenweise sehr aufreibende Soundtrack, die klaustrophobische Architektur von Nathans Landsitz und eine unterstützende Kameraführung tragen zum kontinuierlichen Spannungsaufbau des Films bei. Durchsetzt ist der Thriller mit ruhigeren Passagen, in denen sich die Gespräche um Sexualität und den Sinn, beziehungsweise Unsinn künstlicher Intelligenz drehen.

Die schauspielerische Leistung in „Ex Machina“ bewegt sich auf einem hohen Niveau. Domhnall Gleeson, den man aus den „Harry Potter“-Filmen kennt, trägt den Film als Protagonist und Identikationsfigur sehr gut. Oscar Isaac gibt daneben eine äußerst denkwürdige Performance als exzentrischer, alkoholabhängiger, aber gleichzeitig brillanter Konzernchef ab. Das Herz des Films bildet allerdings Alicia Vikander als Roboter Ava. Ihr gelingt es genau jene Facetten auszuspielen, die insbesonderes männliche Zuschauer begeistern dürften: Sie zeigt sich anfangs naiv angesichts menschlicher Emotionen, entwickelt daraus eine geradezu herzergreifende Putzigkeit, bevor sie am Ende des Films ihre berechnende Kühle ausspielt.

„Ex Machina“ mag vielleicht nicht mit ganz so vielen Denkansätzen daher kommen wie „Her“, aber der philosophische Unterbau bleibt dennoch nicht auf der Strecke. Und daneben beweist das 11-Millionen-Euro-Budget des Films, das spannende und gleichzeitig clevere Unterhaltung keine Unsummen kosten muss. Es gibt starke 8 von 10 Popcornguys mit der Tendenz nach oben. Ganz klare Empfehlung!