Logan

Titel: Logan – The Wolverine
Originaltitel: Logan
Regie: James Mangold
Musik: Marco Beltrami
Sprecher: Hugh Jackman, Patrick Stewart, Dafne Keen

Im Jahr 2029 sind beinahe alle Mutanten ausgestorben. Nahe der mexikanischen Grenze lebt Logan (Hugh Jackman), doch der als Wolverine bekannte Kämpfer ist alt, abgeschlagen und krank. Seine Selbstheilungskräfte lassen allmählich nach und Hoffnungen in die Zukunft hat er keine mehr. Logan arbeitet als Chauffeur, um Medizin für den unter einer Hirnkrankheit leidenden Professor Charles Xavier (Patrick Stewart) bezahlen zu können. Wolverine versteckt zusammen mit einem anderen Mutanten namens Caliban (Stephen Merchant) seinen alten Mentor, bis ein geheimnisvolles und mit enormen Kräften ausgestattetes Mädchen namens Laura (Dafne Keen) in sein Leben tritt. Laura wird von einer skrupellosen und brutalen Organisation namens Transigen verfolgt, was den desillusionierten Logan vor eine Wahl stellt: Soll er dem Kind helfen und sich damit seinen inneren Konflikten stellen – oder nicht?

Zusammen mit Sam Raimis „Spider-Man“-Filmen können Bryan Singers „X-Men“-Geschichten als wichtiger Ausgangspunkt für den bis heute andauernden Comic-Boom gedeutet werden. Die ersten beiden Teile der Reihe habe ich in guter Erinnerung, der dritte jedoch krankte unter den üblichen Sequel-Anforderungen: Schneller, besser, größer, mehr. Mein Interesse an den Mutanten ließ nach, und da konnten die beiden bisherigen Spin-Offs zu Wolverine auch nichts daran ändern. Ehrlich gesagt empfand ich insbesondere „X-Men Origins: Wolverine“ als ziemlich mies. Auch um die Reboot-Reihe (falls es denn eine ist), die mit schauspielerischen Größen wie Michael Fassbender und James McAvoy auftrumpft, habe ich bisher vorsichtig einen Bogen gemacht. Es gab nichts, was mich zurück zu den X-Men gezogen hätte – bis eben der Trailer zu „Logan“ erschien.

Der besagte Trailer verspricht eine Comicverfilmung der anderen Art und dieses Versprechen kann zum Glück auch eingehalten werden. So wie „The Dark Knight“ in erster Linie ein Thriller ist, in welchem die Charaktere eher zufällig Comicfiguren sind, ist „Logan“ ein starker, konsequenter und deprimierender Western, der aber sein Herz am rechten Fleck hat und den Zuschauer gefühlstechnisch binden kann. Das Filmische steht im Vordergrund und nicht das Verlangen, Popcornkino mit möglichst vielen verkleideten Gestalten zu machen.

„Logan“ besticht durch einen großartigen Look, der sich durch die dezent apokalyptische Sci-Fi-Stimmung und die karge Landschaft von Texas ergibt. Die Kamera ist weitestgehend ruhig und bleibt nahe an den Figuren, was dem Film einen Hauch von Arthouse-Kino verleiht. Hinzu kommt die unmittelbar inszenierte Action, die in einem kleinen, aber umso spannenderen und intimeren Rahmen stattfindet. Ich persönlich habe ja schon lange genug von Handlungen, bei denen die gesamte Erde auf dem Spiel steht und wo es am Ende nur noch darum geht, dass sich eine Truppe verkleideter Helden mit einer nicht enden wollenden Armee aus CGI-Gegnern kloppt. All das muss man in „Logan“ nicht ertragen. Stattdessen wird die handfeste Action mit einem hohen Grad an Brutalität gewürzt. Wolverine metzelt sich hemmungslos durch Fleisch und Knochen, wobei hier nicht an Blut und abgetrennten Gliedmaßen gespart wird. Dennoch kippt die Gewalt im Grunde nie Richtung Splatter und Trash, was schon eine Leistung ist.

Ein Lob geht auch an die Darsteller. Patrick Stewart überzeugt in der Rolle des erkrankten Professors, der trotz aller eigenen Probleme und Selbstvorwürfe darum bemüht ist, Logan weiter emotional und psychologisch zu unterstützen. Die 2005 geborene Dafne Keen kommt in ihrer Darstellung der kleinen Laura ohne viele Dialoge aus, wobei man rückblickend sagen muss, dass ihrer Figur und deren Beziehung zu Wolverine ein paar mehr Zeilen schon gut getan hätten. Boyd Holbrook spielt Donald Pierce, den ruchlosen Sicherheitschef der Firma Transigen. Ihm gelingt es, einen gleichermaßen interessanten und hassenswerten Antagonisten darzustellen, was man in einer Comicverfilmung ja auch schon mehrere Jahre lang nicht mehr hatte. Das Hauptaugenmerkt des Films liegt aber natürlich auf Hugh Jackman in seiner Paraderolle des Wolverine. Mit „Logan“ verabschiedet sich der australische Darsteller offiziell vom Mutanten-Franchise und kann dabei sämtliche Stärken noch einmal ausspielen.

Allerdings ist der Film nicht perfekt. Es gibt einzelne Kritikpunkte, die sich meiner Meinung nach allesamt in der letzten halben Stunde finden lassen. Darüber zu reden, ist aus Spoilergründen natürlich schwer. Aber ich formuliere es mal folgendermaßen: „Logan“ bewegt sich an einigen Stellen hart an der Grenze der Cheesiness, weil er sich manche Comic-Klischees nicht verkneifen kann. Diese werden zwar einigermaßen zufriedenstellend kaschiert oder gehen sogar als Metapher durch. Aber sie haben mich dann doch ein klein wenig abgetörnt und daran erinnert, dass ich die meisten Comicverfilmungen einfach nur mittelprächtig finde. Vielleicht ist das dann auch der Grund, warum mich das Ende von „Logan“ nicht ganz so emotional gepackt hat, wie es hätte sein sollen und auch können.

Doch das ist Jammern auf hohem Niveau. „Logan“ ist ein sehr guter Film und eine herausragende Comicverfilmung, wenn man sich die Konkurrenz der letzten Jahre vor Augen führt. Ich spreche eine klare Empfehlung aus und verteile 8 von 10 Popcornguys!

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