Wonder Woman

Titel: Wonder Woman
Originaltitel: Wonder Woman
Regie: Patty Jenkins
Musik: Rupert Gregson-Williams
Darsteller: Gal Gadot, Chris Pine, Connie Nielsen

Während einer Auseinandersetzung mit dem klingonischem Imperium muss Captain James T. Kirk (Chris Pine) in einer Rettungskapsel die Enterprise verlassen. Der junge Sternenflotten-Kapitän gerät in ein Wurmloch und landet auf der Erde zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Trotz seiner amerikanischen Wurzeln kann sich Kirk als Brite tarnen und sogar als Spion die deutsche Wehrmacht infiltrieren. Der Zeitreisende beobachtet mit wachsender Sorge die Aktivitäten eines deutschen Generals namens Erich Ludendorff (Danny Huston), der zusammen mit der Chemikerin Isabel Maru (Elena Anaya) ein neues, unglaublich tödliches Giftgas entwickelt. Kirks Tarnung fliegt letztendlich auf und er muss fliehen. In der Nähe einer Mittelmeer-Insel stürzt sein Flugzeug ab und der Sternenflotten-Kapitän wird von einer jungen Amazone namens Diana (Gal Gadot) gerettet. Kirk betritt eine ihm fremde, aber optisch recht ansprechende Welt: Starke, von Göttervater Zeus abstammende Frauen üben sich in der Kriegskunst und warten auf die Rückkehr von Kriegsgott Ares, ihrem alten Feind. Kirk erzählt den Amazonen vom Krieg, woraufhin Diana eine Entscheidung fällt. Sie verlässt ihre Insel und begleitet den Mann nach London, da sie in all den Geschehnissen das böse Wirken von Ares sieht. Der Sternenflotten-Kapitän kann seine attraktive Retterin nicht an diesem Plan hindern, und doch muss er sich allmählich fragen, ob nicht sein eigenes Verhalten in der Vergangenheit eine massive Verletzung der Obersten Direktive darstellt.

Das Drama mit DC

DC hat es nicht leicht mit seinem Filmuniversum. Angefangen hat es ja vor einigen Jahren mit „Man Of Steel“, der neuen und realistischen Interpretation von Superman. Leider beschäftigte sich der Film hauptsächlich damit, Henry Cavill – ausgestattet mit maximal zwei Gesichtsausdrücken – durch eine relativ lieblose Handlung zu manövrieren, um sich dann am Ende in brachialer Action selbst zu ertränken. Zack Snyders realistischer Ansatz ging nicht ganz auf. Ein wenig später folgte mit „Batman v Superman“ das Aufeinandertreffen von Batman und Superman, Dcs größter Helden. Dank Ben Affleck war dieser Film ein wenig besser als „Man Of Steel“, allerdings war er am Ende zu überladen und litt immer noch unter der ungünstigen Charakterauslegung des Stählernen. „Batman v Superman“ lässt sich vielleicht mit einem an und für sich vielversprechenden Typen vergleichen, der sich beim Wohnungsumzug einfach um zwei oder drei Kartons verschätzt und deswegen die Treppen runterfällt – allerdings in Slow Motion und mit einem Badass-Spruch auf den Lippen. Der letzte Film aus dem DC-Filmuniversum war dann „Suicide Squad“, bei welchem es phasenweise schwer war, überhaupt eine anständige Filmstruktur zu erkennen.

Wonder Woman – Das Vorfeld

„Wonder Woman“ soll es also nun richten. Mein Problem: Eigentlich mag ich Wonder Woman nicht besonders. Das fängt beim Kostüm an, geht bei der seltsamen Verwurstelung griechischer Mythologie weiter und hört bei Dingen wie dem „Lasso der Wahrheit“ oder dem „Unsichtbaren Flugzeug“ auf. Gal Gadots erster Auftritt als Wonder Woman in „Batman v Superman“ hat mich nun auch nicht gerade heiß auf ihr Solo-Abenteuer gemacht. Sie war zwar nicht nervig, wie befürchtet, dafür aber überflüssig. Trotzdem wollte ich dem Charakter in einem anderen Medium noch eine Chance geben und habe es mit dem einsteigerfreundlichen Comic aus der „Earth One“-Reihe probiert. Mit Superman hat das damals funktioniert – mit Wonder Woman leider nicht.

Als schließlich die ersten seriösen Kritiken zu „Wonder Woman“ eintrudelten, war meinerseits die Überraschung recht groß. Der Film kam sehr gut an, wurde stellenweise sogar in den Himmel gelobt und kam als eine Art Messias für das – zumindest aus Kritiker-Sicht – gebeutelte DC-Filmuniversum rüber. An der Stelle konnte man sich viele Fragen stellen, denn die Fronten zwischen Filmkritikern und den „echten“ DC-Fans waren in der Internet-Diskussion ja recht verhärtet. Was war nun los? Wer hat Recht? Aus Fan-Perspektive haben die Kritiker doch sämtliche DC-Filme in der Luft zerrissen. Sollte „Wonder Woman“ dem „echten“ DC-Fan dann nicht logischerweise gar nicht gefallen? Und hängen die guten Kritiken denn wirklich mit der Qualität des Films zusammen? Oder gibt es – da es eine Comicverfilmung von einer Frau mit einer Frau und mit einem potentiellen weiblichen Publikum ist – eine Art Kritiker-Bonus? Ich muss zugeben, ganz uninteressant sind diese Fragen nicht, beziehungsweise können sie dem persönlichen Amusement dienlich sein.Trotzdem wollte ich mich vor dem Kinobesuch ganz bewusst von dieser politischen Aufladung distanzieren und den Film als solchen wahrnehmen. Ich hoffe, dass mir das gelungen ist.

Wonder Woman – Die grobe Struktur

Was genau haben wir denn nun mit „Wonder Woman“? Auf den ersten Blick ist der Film eine recht klassische Origin-Geschichte und insofern gefällig strukturiert. Am Anfang lernt man Diana und die Welt der Amazonen kennen. Im weiteren Verlauf des Films wird die Hauptfigur mit der realen Härte des Ersten Weltkriegs konfroniert. Charaktere verändern ihre Beziehungen zueinander, Nebencharaktere werden vorgestellt, es gibt ein paar Entwicklungen, den ein oder anderen gelungenen Witz und sogar ein paar wirklich emotionale Momente. Am Schluss steht der obligatorische CGI-Showdown, wobei dieser nicht ganz so schlimm ist, wie man es von anderen Genre-Vertretern kennt. Die Effekte sind mal mehr, mal weniger gut, der Soundtrack ist relativ klassisch und unterstützt die Bilder passend, fällt aber ansonsten nicht weiter auf – wenn man mal von diesem rockigen Riff absieht, welches bereits aus „Batman v Superman“ bekannt ist. Die Action ist befriedigend inszeniert, wobei es für meinen Geschmack die Slow Motion nicht gebraucht hätte. So viel also zur Struktur, die oberflächlich betrachtet Hand und Fuß hat.

Charaktere, Gal Gadot und Ideale

Die Nebenfiguren auf der Seite unserer Helden bleiben für mein Empfinden relativ blass und ziehen den Film in der Mitte ein wenig in die Länge. Zumindest war ich hier gedanklich ein paar Mal ganz woanders. Einen recht glaubwüdigen Auftritt legt dagegen Chris Pine in der Rolle des Steve Trevor hin. Auffällig ist auch die gute Chemie zwischen ihm und der Hauptdarstellerin, womit ich bei einem der wichtigsten Punkte dieser Kritik angekommen wäre: Gal Gadot. Ganz offensichtlich ist sie eine bildhübsche und unheimlich attraktive Frau. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, aber in diesem Fall verweigere ich eine Diskussion. Allerdings macht eine gute Optik allein ja noch keine gute Schauspielerin. Und hier muss man meiner Meinung nach differenziert herangehen. Auch durch „Wonder Woman“ kann ich in Gal Gadot noch keine Darstellerin erkennen, die eines Tages für eine innerlich zerrissene oder wahnsinnig anspruchsvolle Rolle verdient mit dem Oscar ausgezeichnet wird. Doch das stört an dieser Stelle so gut wie gar nicht. Wonder Womans Charakter begegnet der Welt außerhalb der Amazonen-Insel überrascht, geschockt, stoisch und gewissermaßen naiv. Insofern kommt die vermeintlich einfach gestrickte Rolle Gal Gadots durchschnittlicher Schauspielkunst gut entgegen. Man nimmt ihr den Charakter ab und hat eine Freude dabei, mit ihr durch die Handlung zu gehen. Und allein dadurch schlägt „Wonder Woman“ die Konkurrenz im Hause DC schon mal deutlich.

Weniger glücklich bin ich mit den meisten Figuren auf der Seite der Gegenspieler. An der Stelle muss ich mich fragen, wann es denn überhaupt den letzten wirklich geilen Bösewicht in einer Superheldenverfilmung gab. War das denn tatsächlich der Joker in „The Dark Knight“? Wie dem auch sei, die menschlichen Antagonisten in „Wonder Woman“ erhalten kaum Hintergrund oder Substanz und sind daher austauschbar. Kriegsgott Ares wird aufgrund seiner optischen Inszenierung auch nicht lange im Gedächtnis bleiben. Allerdings zeigt der Showdown mit ihm Aspekte des Films auf, die „Wonder Woman“ für mich besser als die meisten Marvel-Abenteuer machen. Zunächst einmal vertritt Ares eine Philosophie, an der sich die Ideale Wonder Womans messen müssen. Er ist also nicht nur eine physische, sondern vor allem eine psychologische Herausforderung. Ares zwingt Wonder Woman dazu, zu dem zu stehen, was sie als Charakter ausmacht, nämlich ihr Glaube an die Liebe und an das Gute in jedem Menschen. Natürlich muss sie im Film die Erfahrung machen, dass das mit Gut und Böse nicht immer so einfach ist. Wonder Woman werden die vielen Graustufen in der Moral des Menschen bewusst gemacht. Und natürlich stößt eine Figur wie sie auf den vermeintlich abgeklärten Realismus, beziehungsweise Zynismus des Publikums. Da ist die Gefahr groß, dass ein idealistischer Charakter wie Wonder Woman schnell als naiv oder gar dumm abgestempelt wird. Vor allem, wenn der Protagonist – im Gegensatz zu Marvel – eben nicht die eigenen Ideale durch augenzwinkernden Sarkasmus oder witzige One-Liner relativiert. Das Ganze hätte also leicht schief gehen können, aber ich würde sagen, dass die Rechnung aufgegangen ist. „Wonder Woman“ geht das Risiko ein, aber steht am Ende mit einer ehrlichen und optimistischen Heldin da, der man ihre Ideale ansieht und abnimmt. Also genau das, was Henry Cavills Superman meiner Meinung nach gebraucht hätte.

Fazit

„Wonder Woman“ ist ein überaus unterhaltsamer und auch wichtiger Blockbuster, wenn es um die Gleichberechtigung im Filmgeschäft geht – nicht in erster Linie, was Frauen vor der Kamera betrifft, sondern eher, was Frauen dahinter angeht. Regisseurin Patty Jenkins hat es geschafft, mit einem hohen Budget einen Blockbuster zu drehen, der die meiste vergleichbare Konkurrenz hinter sich lässt. Sicherlich ist es Quatsch, zu sagen, dass Frauen nun allgemein die besseren Superheldenverfilmungen liefern. Schließlich gab es dieses Jahr ja auch „Logan“. Allerdings würde ich hinter der Aussage stehen, dass uns Jenkins im Gegensatz zu Zack Snyder den besseren Superman geliefert hat – nur eben mit Rock und Brüsten. Es gibt von mir knappe, aber verdiente 8 von 10 Popcornguys.

Logan

Titel: Logan – The Wolverine
Originaltitel: Logan
Regie: James Mangold
Musik: Marco Beltrami
Sprecher: Hugh Jackman, Patrick Stewart, Dafne Keen

Im Jahr 2029 sind beinahe alle Mutanten ausgestorben. Nahe der mexikanischen Grenze lebt Logan (Hugh Jackman), doch der als Wolverine bekannte Kämpfer ist alt, abgeschlagen und krank. Seine Selbstheilungskräfte lassen allmählich nach und Hoffnungen in die Zukunft hat er keine mehr. Logan arbeitet als Chauffeur, um Medizin für den unter einer Hirnkrankheit leidenden Professor Charles Xavier (Patrick Stewart) bezahlen zu können. Wolverine versteckt zusammen mit einem anderen Mutanten namens Caliban (Stephen Merchant) seinen alten Mentor, bis ein geheimnisvolles und mit enormen Kräften ausgestattetes Mädchen namens Laura (Dafne Keen) in sein Leben tritt. Laura wird von einer skrupellosen und brutalen Organisation namens Transigen verfolgt, was den desillusionierten Logan vor eine Wahl stellt: Soll er dem Kind helfen und sich damit seinen inneren Konflikten stellen – oder nicht?

Zusammen mit Sam Raimis „Spider-Man“-Filmen können Bryan Singers „X-Men“-Geschichten als wichtiger Ausgangspunkt für den bis heute andauernden Comic-Boom gedeutet werden. Die ersten beiden Teile der Reihe habe ich in guter Erinnerung, der dritte jedoch krankte unter den üblichen Sequel-Anforderungen: Schneller, besser, größer, mehr. Mein Interesse an den Mutanten ließ nach, und da konnten die beiden bisherigen Spin-Offs zu Wolverine auch nichts daran ändern. Ehrlich gesagt empfand ich insbesondere „X-Men Origins: Wolverine“ als ziemlich mies. Auch um die Reboot-Reihe (falls es denn eine ist), die mit schauspielerischen Größen wie Michael Fassbender und James McAvoy auftrumpft, habe ich bisher vorsichtig einen Bogen gemacht. Es gab nichts, was mich zurück zu den X-Men gezogen hätte – bis eben der Trailer zu „Logan“ erschien.

Der besagte Trailer verspricht eine Comicverfilmung der anderen Art und dieses Versprechen kann zum Glück auch eingehalten werden. So wie „The Dark Knight“ in erster Linie ein Thriller ist, in welchem die Charaktere eher zufällig Comicfiguren sind, ist „Logan“ ein starker, konsequenter und deprimierender Western, der aber sein Herz am rechten Fleck hat und den Zuschauer gefühlstechnisch binden kann. Das Filmische steht im Vordergrund und nicht das Verlangen, Popcornkino mit möglichst vielen verkleideten Gestalten zu machen.

„Logan“ besticht durch einen großartigen Look, der sich durch die dezent apokalyptische Sci-Fi-Stimmung und die karge Landschaft von Texas ergibt. Die Kamera ist weitestgehend ruhig und bleibt nahe an den Figuren, was dem Film einen Hauch von Arthouse-Kino verleiht. Hinzu kommt die unmittelbar inszenierte Action, die in einem kleinen, aber umso spannenderen und intimeren Rahmen stattfindet. Ich persönlich habe ja schon lange genug von Handlungen, bei denen die gesamte Erde auf dem Spiel steht und wo es am Ende nur noch darum geht, dass sich eine Truppe verkleideter Helden mit einer nicht enden wollenden Armee aus CGI-Gegnern kloppt. All das muss man in „Logan“ nicht ertragen. Stattdessen wird die handfeste Action mit einem hohen Grad an Brutalität gewürzt. Wolverine metzelt sich hemmungslos durch Fleisch und Knochen, wobei hier nicht an Blut und abgetrennten Gliedmaßen gespart wird. Dennoch kippt die Gewalt im Grunde nie Richtung Splatter und Trash, was schon eine Leistung ist.

Ein Lob geht auch an die Darsteller. Patrick Stewart überzeugt in der Rolle des erkrankten Professors, der trotz aller eigenen Probleme und Selbstvorwürfe darum bemüht ist, Logan weiter emotional und psychologisch zu unterstützen. Die 2005 geborene Dafne Keen kommt in ihrer Darstellung der kleinen Laura ohne viele Dialoge aus, wobei man rückblickend sagen muss, dass ihrer Figur und deren Beziehung zu Wolverine ein paar mehr Zeilen schon gut getan hätten. Boyd Holbrook spielt Donald Pierce, den ruchlosen Sicherheitschef der Firma Transigen. Ihm gelingt es, einen gleichermaßen interessanten und hassenswerten Antagonisten darzustellen, was man in einer Comicverfilmung ja auch schon mehrere Jahre lang nicht mehr hatte. Das Hauptaugenmerkt des Films liegt aber natürlich auf Hugh Jackman in seiner Paraderolle des Wolverine. Mit „Logan“ verabschiedet sich der australische Darsteller offiziell vom Mutanten-Franchise und kann dabei sämtliche Stärken noch einmal ausspielen.

Allerdings ist der Film nicht perfekt. Es gibt einzelne Kritikpunkte, die sich meiner Meinung nach allesamt in der letzten halben Stunde finden lassen. Darüber zu reden, ist aus Spoilergründen natürlich schwer. Aber ich formuliere es mal folgendermaßen: „Logan“ bewegt sich an einigen Stellen hart an der Grenze der Cheesiness, weil er sich manche Comic-Klischees nicht verkneifen kann. Diese werden zwar einigermaßen zufriedenstellend kaschiert oder gehen sogar als Metapher durch. Aber sie haben mich dann doch ein klein wenig abgetörnt und daran erinnert, dass ich die meisten Comicverfilmungen einfach nur mittelprächtig finde. Vielleicht ist das dann auch der Grund, warum mich das Ende von „Logan“ nicht ganz so emotional gepackt hat, wie es hätte sein sollen und auch können.

Doch das ist Jammern auf hohem Niveau. „Logan“ ist ein sehr guter Film und eine herausragende Comicverfilmung, wenn man sich die Konkurrenz der letzten Jahre vor Augen führt. Ich spreche eine klare Empfehlung aus und verteile 8 von 10 Popcornguys!