Ben Affleck als Batman?

Am 22. August 2013 versetzte mich die erste Nachricht des Tages in vorübergehende Sprachlosigkeit: Ben Affleck wurde als Dunkler Ritter für den kommenden Batman-Superman-Film besetzt.

Ah ja.

Ich muss gestehen, dass ich es in den ersten Minuten für einen schlechten Scherz hielt. Ben Affleck? Schnell kramte ich in meinem Gedächtnis nach mir bekannten Filmen:„Armageddon – Das jüngste Gericht“, „Pearl Harbor“ und „Daredevil“. Allesamt Streifen aus meiner Jugendzeit, an welche die Erinnerungen nicht mehr allzu aktuell sind. Am klarsten hatte ich wohl noch „Daredevil“ wegen seinem unglaublichen Fremdschäm-Faktor vor Augen. Doch für den kann Ben Affleck nicht unbedingt etwas.

Jedenfalls hatte ich ihn als bestenfalls durchschnittlichen Schauspieler mit relativ starrer Mimik und unspektakulärer Filmographie gespeichert.
Ein glatter Milchbubi, den Frauen schön finden, weiter nichts. Dann habe ich mich allerdings an die letzte Oscar-Verleihung erinnert, bei welcher Affleck die Auszeichnung für den besten Film abstaubte. Mir ist schon zu Ohren gekommen, dass er als Regisseur gute Qualitäten vorzuweisen hat und daraufhin habe ich endlich „Argo“ nachgeholt.

Kurzum: Ein guter Film! Den Oscar hätte ich zwar anderen Nominierten eher gegönnt, aber „Argo“ war spannend, liebevoll inszeniert und punktete auch mit einer sympathischen Charakterzeichnung. Zweifellos kann Ben Affleck als guter Filmemacher bezeichnet werden. Da er in „Argo“ aber auch selbst die Hauptrolle gab, muss man noch ein paar Worte zu seiner Schauspielkunst verlieren. Diese ist trotz einer merklichen Steigerung nach wie vor durchschnittlich und kann dem direkten Vergleich mit Kollegen nicht Stand halten. Während man Männern wie Sean Penn, Tom Hanks, Javier Bardem oder Michael Fassbender auch sehr gerne beim „Nichtstun“ zu sieht, verfügt Ben Affleck leider nicht über diese angeborene Präsenz und Faszination.

Aber möglicherweise ist für den kommenden Batman-Superman-Film ja gar keine überdurchschnittliche Schauspielleistung erforderlich. Während Christopher Nolans Trilogie über weite Strecken die psychologischen Tiefen der Figur ergründete, verlor sich Zack Snyders „Man of Steel“ am Ende in brachialer Action. Das kann man nun gut finden oder nicht, aber in jedem Fall würde ein Film, der weiter in diese Kerbe schlägt, keine oscarwürdige Schauspielperformance erfordern. Von daher ist es sehr wahrscheinlich, dass sich Ben Affleck darstellerisch mit dieser Rollenwahl nicht überhebt. Rein optisch bringt er ja alle Voraussetzungen mit, die ein Bruce Wayne haben sollte: Er ist groß, attraktiv und sieht gut im Anzug aus. Und wenn er erst mal die schwarze Batman-Maske trägt, fällt seine minimaliste Mimik gar nicht mehr so auf.

Überhaupt liegt meiner Meinung nach die größte Verantwortung im Moment nicht bei Ben Affleck, sondern bei Drehbuchautor David S. Goyer und Regisseur Zack Snyder. Der Schreiberling hat bis auf „Batman Begins“ und „The Dark Knight“ nichts Außergewöhnliches vorzuweisen, selbst bei diesen Filmen hatte er die Unterstützung von Christopher Nolan. Und Zack Snyder mag sich mit „300“ und „Watchmen“ als Visionär bewiesen haben, aber tiefgründige Charaktere, die einen Zuschauer emotional mitreißen, kann auch er für gewöhnlich nicht darstellen. Und etwas mehr Gefühl und Herz ist genau das, was „Man of Steel“ fehlte.

Somit sind es die Bereiche Drehbuch und Regie, die mir beim Batman-Superman-Projekt bisher die größten Sorgen bereiten. Was Ben Affleck angeht, sollte man einfach mal die Bälle flach halten und sehen, wie er sich in das Gesamtbild einfügt. Möglicherweise macht er ja am Ende gar keine schlechte Figur. Und vielleicht ist es ihm nach dem Team-Film mit Superman auch vergönnt, eine eigenständige Batman-Reihe zu inszenieren. Denn als Regisseur hat er es ja drauf. Vielleicht sogar mehr als Zack Snyder.