Killers Bodyguard

Originaltitel: Hitman´s Bodyguard
Regisseur: Patrick Hughes
Musik: Atli Örvarsson
Darsteller: Ryan Reynolds. Samuel L. Jackson, Élodie Yung, Gary Oldman, Salma Hayek

Der ehemalige weissrussische Präsident Vladislav Dukhovich (Gary Oldman) steht wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen vor dem internationalen Gerichtshof. Um ihn zu verurteilen, ist die Aussage des höchst gefährlichen Auftragskillers Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) nötig, welcher unter Schutz einer Interpol-Einheit, angeführt von der Agentin Amelia Roussel (Élodie Yung), beinahe einem Anschlag zum Opfer fällt. Sie sieht nur einen Ausweg, Kincaid sicher zum Gericht zu bringen, und zieht den ehemaligen Nr. 1-Personenschützer Michael Bryce (Ryan Reynolds) hinzu. 

Das Skript zu „Hitmans Bodyguard“ wurde schon vor der Verfilmung gelobt, allerdings handelte es sich da noch eher um ein Drama. Innerhalb kurzer Zeit hat man daraus aber eine Buddy/Roadmovie/Actionkomödie gemacht, die zwar keine ausgetretene Pfade verlässt, sondern sich auf bekannte Formeln verlässt, aber dennoch eine jede Menge Spaß macht.

Der Regisseur Patrick Hughes, der bisher nur für eher zweifelhafte Meisterwerke wie „Expandebles 3“ verantwortlich ist, macht einen grundsoliden Job: Die Charaktere angenehm überzeichnet, das Tempo rasant, und die Action gut inszeniert, feiert „Killers Bodyguard“ jedes Klischee, das man in einer Actionkomödie nur unterbringen kann. Dabei schickt uns der Film durch harte Faustkämpfe, blutige Schießereien und wahnwitzige Verfolgungsjagden, lediglich unterbrochen von kleinlichen Streitereien zwischen den Hauptfiguren.

Dabei ist es die hervorragende Chemie zwischen Reynolds und Jackson, die ihre Hassliebe herrlich ausspielen, und ihre gemeinsame Vergangenheit mit Flashbacks gut ausstatten. So stürzen der korrekte Bodyguard und der spontane, wahnsinnige Auftragskiller von einer verrückten Situation in die nächste, stets hin- und hergerissen sich gegenseitig zu ermorden oder sich doch das Leben zu retten. Sicher könnte man hier Typecast vorwerfen, und ankreiden, dass die beiden nur ihre typischsten Rollen ausfüllen, aber die Harmonie stimmt.
Auch der restliche (groß besetzte) Cast liefert gut ab, wenn auch der ein oder andere Storystrang den Film etwas überfrachtet, und gerade der Showdown dann etwas zu viel für mich war. Nichtsdestotrotz sieht man den Darstellern einfach an, dass der Dreh viel Spaß gemacht haben muss – allein das ist für mich mittlerweile ein bedeutendes Qualitätsmerkmal.

Fazit: Over-the-Top Action, irre Verfolgungsjagden, Gewalt und jede Menge Flüche: Nichts neues, aber jede Menge Spaß! Wer Lust auf einen witzig-abgedrehten Abend hat: Ab ins Kino, Motherfuckers!

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Planet der Affen: Survival

Titel: Planet der Affen: Survival
Originaltitel: War for the Planet of the Apes
Regie: Matt Reeves
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Andy Serkis, Woody Harrelson, Amiah Miller

Einige Jahre nach dem Ausbruch der sogenannten Affengrippe scheint eine Koexistenz zwischen Affen und Menschen unmöglich – erst recht nach dem brutalen Angriff des rachsüchtigen Koba (Toby Kebbell) auf die Überlebenden in San Franciso. Doch Koba ist tot und der Schimpanse Caesar (Andy Serkis) führt nach wie vor seine Gruppen Affen an. Inzwischen droht Gefahr von einer anderen Seite: Eine Militäreinheit namens „Alpha-Omega“ versucht, die Affen in den Wäldern aufzuspüren und zu töten. Angeführt werden die Militärs von einem fanatischen Colonel (Woody Harrelson), der in dem Konflikt eine schier religiöse Verpflichtung sieht. Caesar, bislang um Frieden und Toleranz bemüht, wird vor schwere Prüfungen und Entscheidungen gestellt.

Die aktuelle Blockbusterlandschaft ist von eher trostlosem Charakter – und ähnlich spritzig war der diesjährige Kinosommer. Doch hin und wieder gibt es Lichtblicke. Einer davon ist der dritte Teil der neuen „Planet der Affen“-Trilogie. Bereits die beiden vorherigen Filme habe ich sehr genossen und dementsprechend habe ich mich auf den Abschluss der Trilogie gefreut. Ich wurde nicht enttäuscht.

Zunächst muss das angesprochen werden, was von der ersten Sequenz an ins Auge sticht: Die Technik. Bereits die Vorgänger haben 2011 und 2014 für Aufsehen gesorgt. Doch 2017 übertrifft sich Weta Digital (die Effekt-Firma wurde vor allem durch die „Herr der Ringe“-Trilogie bekannt) nochmal selbst. Realistischer sahen die Affen, aufwendig durch Motion-Capture-Verfahren zum Leben erweckt, noch nie aus. Die Details – beispielsweise die Mimik oder das nasse Fell – haben mich stark verblüfft. Besser kann es eigentlich nicht werden, doch das dachte man 2011 und 2014 ja auch schon. Der optische Genuss wird durch eine gelungene Kameraführung und den wie immer guten Soundtrack von Michael Giacchino unterstützt. Die Musik vermittelt Größe, überzeugt aber vor allem in den persönlichen und emotionalen Szenen zwischen einzelnen Charakteren. Überhaupt ist der Film eher ruhiger und lässt sich Zeit, die Action wird wohl dosiert eingesetzt, dann aber durchaus knackig.

In Sachen Story könnten die Trailer auf eine falsche Fährte führen: Auf der einen Seite Affen, auf der anderen Menschen, alles spielt irgendwie im Wald – das kennt man doch schon. Doch das täuscht. Ich möchte aus Spoilergründen nicht zu viel verraten, doch die Handlung bietet einen Twist, welcher die gesamte Science-Fiction-Thematik der Filmreihe auf ein neues Level hebt. Eben jenen Twist fand ich derart interessant, dass ich aus der Richtung gerne noch mehr erfahren hätte. Womöglich hat man es sogar verpasst, am Ende des Films einen entsprechenden Wow-Effekt zu präsentieren. Aber nichtsdestotroz bin ich mit der Handlung zufrieden. Mindestens ebenso wichtig wie die Story sind die Charaktere im finalen Affen-Film. Egal ob Hauptfigur Caesar, der unverwüstliche Rocket (Terry Notary) oder Orang-Utan Maurice (Karin Konoval), die gute Seele der Trilogie – irgendwie hat man sie alle ins Herz geschlossen. Und obwohl es eigentlich nur animierte Affen sind, geht man als Zuschauer emotional mit und hofft, dass alle am Ende noch leben. Da es in erster Linie Caesars Reise ist, wird seinem Charakter natürlich besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Seine Situation ist derart schwer, dass er sich zwischen Toleranz oder Zorn entscheiden muss – aber mehr soll an dieser Stelle nicht gesagt werden.

Die Probleme des Films sind eher kleinerer Natur und auch eine Frage des Geschmacks. Beispielsweise gibt es einen Charakter namens Böser Affe (Steve Zahn), der in seiner schusseligen Art die zugegeben recht depressive Stimmung auflockern soll. Manchmal funktioniert das auch – manchmal aber auch gar nicht. Das sind dann so Momente, die zumindest mich etwas aus dem Film reißen. Hinzu kommen ein paar kleinere Längen im Mittelteil, aber im Grunde ist das nichts, was man dem Film mächtig ankreiden könnte.

Fazit: Alles in allem hat uns Regisseur Matt Reeves wieder einen guten Blockbuster geliefert – und darüber hinaus die Trilogie absolut zufriedenstellend abgeschlossen. Besonders oft passiert das Filmreihen ja nicht. Zwar lässt man sich auch hier ein paar gar nicht mal so uninteressante Hintertürchen offen, aber in erster Linie ist es doch die Geschichte Caesars, die hier zum Abschluss kommt. Ich verteile starke 8 von 10 Popcornguys und empfehle den Gang ins Kino – falls der Film bei euch noch läuft.

The Shallows

Titel: The Shallows
Regisseur: Jaume Collet-Serra
Musik: Marco Beltrami
Darsteller: Blake Lively

Die Medizinstudentin Nancy findet auf ihrem Selbstfindungstrip einen sozusagen geheimen Srand: Ein unbekanntes Stück Surferparadies, dass ihr von ihrer verstorbenen Mutter als zu findendes Erbe mitgegeben wurde. Dort angekommen genießt sie die unberührte Natur, bis sie von einem gigantischen Hai angegriffen wird, und sich in allerletzter Not auf einen kleinen Felsen retten kann.

Nach dem oben verlinkten Teaser war ich an „The Shallows“ sehr interessiert, wenngleich ich weder von Blake Lively, die wohl für Gossip Girl relativ bekannt ist, noch von Regisseur Collet-Serra, der sich in der Vergangenheit eher auf Horrorstreifen konzentriert hat, groß etwas gesehen hatte. Mir schwante hier ein interessanter Thriller, der sich – so hoffte ich – stark auf die Schauspielleistung einer einzelnen Person stützen würde. Das ist natürlich immer ein Wagnis, aber im Falle von „The Shallows“ geht diese Rechnung zu großen Teilen auf.

Der Film führt die Figur Nancy ein bisschen cheesy, aber nicht ganz unsympathisch ein. Die junge Studentin flieht aus ihrem Alltag, fühlt sich einem Strand hingezogen, den sie nur von einem Foto her kennt. Die passionierte Surferin findet dieses Paradies an der Küste Mexikos, trifft ein paar nette Typen und surft galant ein paar Tubes. Hierbei möchte ich die hervorragende Arbeit des Kameramanns Flavio Labiano hervorheben: Damn, der weiß wirklich wie man großartige Bilder schafft, die in den Zuschauern augenblicklich tiefste Sehnsucht nach Sonne und Meer erwecken. Geniale Unterwasseraufnahmen wechseln sich ab mit wunderschönen Panoramablicken über Strand und Meer – und auch in den Thrill-Momenten ist es die Kamera, die hier den wahren Gänsehautfaktor ausmacht. Das „Monster“ – ein riesengroßer weißer Hai – tritt in alter Jaws-Manier nur selten völlig in Erscheinung, was per se ein für mich kluger Schachzug ist und wesentlich mehr Spannung erzeugt als eine Ergötzung an Effekten.

Blake Lively wird völlig zurecht für ihre gute Performance gelobt. Mit „The Shallows“ hat sie sich jedenfalls Tür und Tor geöffnet und bewiesen, dass sie zu großen schauspielerischen Leistungen fähig ist. Das atmosphärische i-Tüpfelchen bildet zudem noch die Maske, die ihre Verletzungen auffällig gut in Szene setzte.

Bei all dem Lob gibt es dennoch etwas, dass die Suppe trübt. Sicher, über die m.E. unnötige Hintergrundstory kann man hinwegsehen, auch über so manche künstliche Selbstgespräche, oder sogar über die peinlichen Popsongs im sonst soliden Soundtrack (welcher Chef der Produktionsfirma hatte die morgens im Radio gehört?) kann man verkraften. Aber im Laufe des gut inszenierten Überlebenskampfes kommt es zu einer inhaltlichen Wendung, die ich an dieser Stelle gerne den 10Cloverfield Lane-Faktor taufen würde. Wer diesen Film gesehen hat, wird wissen, dass ein solider, atmosphärisch dichter Thriller beinahe von einem plötzlichen Fast-and-Furious-Action-Gedöns kaputt gemacht wurde. So leider auch in „The Shallows“, wo ein beinharter Kampf ums nackte Überleben plötzlich in Over-the-Top-Action verwandelt wird.

Das ist schade, mindert aber den Spaß am Rest des Films nur bedingt, sodass man das Ende dann doch einigermaßen versöhnt genießen kann. Mein Fazit: Ein kleiner Film, der mit einer zwar nicht neuen Idee, aber mit frischem Gesicht und großartigen Bildern aufwarten kann, etwas übers Ziel hinausschießt, dabei aber trotzdem noch Spaß macht.

 

Star Trek Beyond

Titel: Star Trek Beyond
Originaltitel: Star Trek Beyond
Regie: Justin Lin
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Chris Pine, Zachary Quinto, Karl Urban

Die Crew der „USS Enterprise“ befindet sich mitten in ihrer 5-Jahres-Mission, auf welcher sie fremde Welten erforschen und im Namen der Sternenflotte agieren soll. Kapitän James T. Kirk (Chris Pine) leidet unter Ermüdungserscheinungen und fragt sich, wo eigentlich sein Platz im Universum ist. Während er also überlegt, seinen Posten an den ersten Offizier Spock (Zachary Quinto) abzugeben, spielt dieser mit dem Gedanken, als Botschafter nach Neu-Vulkan zu gehen. Auf einer gigantischen Raumstation erbittet unterdessen eine Kapitänin die Hilfe der „Enterprise“: Schiff und Crew der Fremden gingen angeblich in einem Weltraumnebel verloren. Kirk befehligt die Rettungsmission, doch die „Enterprise“ wird vom fremdartigen Raumschiff des mysteriöse Krall (Idris Elba) angegriffen. Die Crew strandet schließlich auf einem fremden Planeten und muss dort schnell ums Überleben kämpfen.

Mit „Star Trek“ sorgte J.J. Abrams 2009 für eine Wiederbelebung des „Star Trek“-Franchises. Seine beiden Filme waren zwar keine wirkliche Science-Fiction, doch er produzierte unterhaltsame Action-Abenteuer im Weltraum, in denen eine recht gute Balance zwischen Krawall und Charakteren herrschte. Da die Filme erfolgreich ein breiteres Publikum ansprachen, konnte die „Enterprise“ im Kino mit weiteren Abenteuern rechnen. Allerdings verließ Abrams zugunsten von „Star Wars“ den Regie-Stuhl und Justin Lin sprang ein. Da schaltete meine imaginäre Brücke gleich mal auf Alarmstufe Rot. Die Gefahr, dass „Star Trek“ nun endgültig too fast und too furious werden könnte, erschien mir groß.

Dabei beginnt „Star Trek Beyond“ überraschend ruhig. Wir sehen einen nachdenklichen Kirk mit Selbstzweifeln, wodurch Chris Pine eine dezent andere Seite ausspielen kann. Das ist einerseits angenehm, andererseits aber auch etwas aufgesetzt, da ein Typ Mitte 30 anscheinend nicht einfach mal „nur“ Kapitän eines Raumschiffs sein kann – gerade, nachdem es in den letzten beiden Filmen ja genau darum ging, diese Position einzunehmen. Mit dem Überfall von Film-Bösewicht Krall nimmt der Film dann an Fahrt auf. Dabei nimmt die Action glücklicherweise niemals Brechreiz auslösende Exzesse à la „Man of Steel“ an. Dennoch muss ich sagen, dass mir das Tempo dann doch zu hoch ist und es sich keine bedrohliche Dramaturgie entwickeln kann. Die emotionale Fallhöhe ist also nicht hoch genug, weswegen an und für sich schlimme Ereignisse lediglich an der Oberfläche berühren. Und weil wir gerade bei der Action sind: Der Film spielt angenehmerweise zur Abwechslung mal nicht auf der Erde. Dennoch wird für den Showdown eine stadtähnliche Location gewählt, damit mal wieder recht viel kaputt gehen und an die Terrorismus-Ängste des Zuschauers angeknüpft werden kann. Da hätte ich gerne mal etwas anderes gesehen.

Überzeugend war für mich aber das Zusammenspiel der Charaktere, was dann auch zu dem Punkt führt, der „Star Trek Beyond“ positiv von den meisten anderen Action-Blockbustern abhebt: Es gibt sympathische Figuren. Teilweise liegt das am Einsatz der Schauspieler, zu einem anderen – und womöglich größeren – Teil am Nostalgie-Faktor. Hervorheben möchte ich Karl Urban in der Rolle von Schiffsarzt Leonard „Pille“ McCoy, der schon immer mein Liebling in der Crew war. Seine gemeinsamen Szenen mit Spock-Darsteller Zachary Quinto sorgen für die lustigsten Sprüche des Films. Aber auch Sofia Boutella als exotische Kriegerin Jaylah wird mir im Gedächtnis bleiben. Kostüm und Maske lieferten hierbei eine tolle Arbeit ab. Idris Elba als Gegenspieler Krall ist dagegen eher ein Schwachpunkt des Films. Dass man den Schauspieler unter der reptilienhaften Maskierung kaum erkennt, ist dabei nicht mal so entscheidend. Ungünstiger ist vielmehr, dass Kralls Motivation viel zu spät gelüftet und dann auch nicht ausreichend thematisiert wird. Dabei würde hier im Kern ein Thema stecken, welches möglicherweise mehr für „Star Trek“ steht, als es Abrams‘ Filme tun. Aber anstatt einer intellektuellen Ausarbeitung dieses Themas wird der Fokus ganz klar auf Action und Zerstörung gelegt, sodass der eigentliche Grund der Story bestenfalls als Randnotiz wahrgenommen wird.

Den Soundtrack zum liefert Michael Giacchino, der hier wie gewöhnlich einen guten Job macht. Ich mag seine Theme-Melodie, die bereits in den Vorgängern zu hören war, sehr gerne. Neue Elemente im Soundtrack sind mir allerdings nicht aufgefallen, wobei das auch einfach mit dem rasanten Tempo des Films zusammenhängen kann. Musik ist allgemein ein wichtiges Thema in „Star Trek Beyond“ und wird auch handlungsrelevant eingesetzt. Ich muss für mich noch entscheiden, ob ich die entsprechenden Stellen nun cool oder peinlich finden soll. Allerdings bin ich sehr erleichtert, dass Rihannas Song „Sledgehammer“ nicht im Film eingearbeitet wurde.

Fazit: „Star Trek Beyond“ ist nicht so schlimm geworden, wie ich es nach den Trailern befürchtet habe. Intellektuell lässt sich nicht viel mit ihm anfangen und auch emotional hat er mich an nicht allzu vielen Stellen angesprochen, doch unterhaltungstechnisch befindet er sich überraschenderweise auf einem ähnlichen Niveau wie die „Star Trek“-Filme von Abrams. So gebe ich dem Streifen, der übrigens den verstorbenen Schauspielern Anton Yelchin und Leonard Nimoy gewidmet ist, gute 7 von 10 Popcornguys.

The Hateful Eight

Titel: The Hateful Eight
Originaltitel: The Hateful Eight
Regie: Quentin Tarantino
Musik: Ennio Morricone
Darsteller: Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh, Samuel L. Jackson

Wyoming, kurz nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg: Kopfgeldjäger John Ruth (Kurt Russell) ist als Passagier einer Kutsche durch die verschneite Landschaft unterwegs. Er führt eine Kriminelle namens Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) mit sich. In der Stadt Red Rock soll sie dem Gesetz und dem Galgen übergeben werden. Major Maquis Warren (Samuel L. Jackson), ebenfalls Kopfgeldjäger, wird ebenfalls Passagier in der Kutsche. Doch allmählich kommt ein gewaltiger Schneesturm auf und die Gruppe muss Zuflucht in „Minnies Miederwarenladen“ suchen, einer kleinen, abgelegenen Hütte. Dort halten sich weitere zwielichtige Gestalten auf und John Ruth muss sich bald mit einer unangenehmen Frage auseinandersetzen: Welcher der anderen Gäste steckt mit seiner Gefangenen unter einer Decke?

Ein Tarantino-Film ist für mich Pflichtprogramm. Da halten mich auch durchwachsene Kritiken nicht davon ab. Aber eines muss ich dennoch zugeben: Ein besonders eingängiger Film ist „The Hateful Eight“ nicht. Einen Großteil der drei Stunden langen Laufzeit nehmen Landschaftsaufnahmen, Charakterexpositionen und Dialoge ein. Die für Tarantino typische Action lässt dagegen lange auf sich warten. Der Zuschauer muss also viel Sitzfleisch und Geduld mitbringen – doch „The Hateful Eight“ fährt mit ausreichend Elementen auf, die zumindest mir das Warten leicht gemacht haben.

An erster Stelle möchte ich den Soundtrack von Ennio Morricone nennen. Was für eine geile Musik! Meistens zielen heutige Soundtracks lediglich darauf ab, die Bilder passend zu unterlegen. Gut, wenn das gelingt, dann ist das eigentliche Ziel bereits erreicht. Doch Morricones Soundtrack geht einen Schritt weiter und entwickelt einen von den Bildern unabhängigen Charakter. Dabei kam mir die Musik wie eine düstere Variante seiner alten Western-Hits vor. Stellenweise klingt der Soundtrack dermaßen makaber, dass er auch zu einem Burton-Film passen würde. Alles in allem ein musikalischer Hochgenuss, dem ich den diesjährigen Oscar von Herzen gönne.

Für Tarantino typisch sind natürlich auch die einmaligen Dialoge. Wie gewohnt beherbergen die Wortwechsel allerlei Flüche und wüste Beschimpfungen, doch sie kommen den Darstellern ganz natürlich und ungezwungen über die Lippen. Tarantino zitiert dabei aus allerlei cineastischen Ecken und lässt aus den Dialogen regelrechte Wortduelle werden. Ein paar mal war mir das rhetorische Nachfragen zu repetitiv, aber ich konnte es verkraften.

Die Darsteller liefern allesamt tolle Leistungen und es wäre quasi unfair, einzelne Schauspieler heraus zu picken – aber ich mache es dennoch. Zunächst möchte ich Samuel L. Jackson nennen, der in der Rolle des bad mother fucker logischerweise aufblüht. Jennifer Jason Leigh als gefangene Kriminelle dürfte einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sie ist schwer einzuschätzen und bewegt sich in ihrer Darstellung irgendwo zwischen mitleiderregendem Opfer und hassenswürdigem Biest. Tim Roth spielt einen Pseudo-Gentleman und erinnert in seiner ganzen Art an Christoph Waltz. Dies ist anfangs etwas irritierend, doch auch diese Darstellung war großartig – und das ist es doch, was letztendlich zählt.

Tarantino zeigt in „The Hateful Eight“ Charaktere, die durch die Bank hassenswert sind – womit der Titel des Films Programm wird. Hin und wieder fühlt man sich der ein oder anderen Figur vielleicht hingezogen und fühlt dabei den Anflug einer wohligen Wärme in der Bauchgegend. Doch dann wird man im nächsten Dialog eines besseren belehrt, wenn sich die entsprechende Figur als verabscheuungswürdiges Monster offenbart. Sympathieträger gibt es in „The Hateful Eight“ also nicht. So gut wie jedem anderen Film dürfte dies das Genick brechen. Doch Tarantino wäre nicht Tarantino, wenn er es nicht schaffen würde, selbst die größten Verkommenheiten interessant, faszinierend und unterhaltsam darzustellen.

Gegen Ende spitzt sich die Situation in „Minnies Miederwarenladen“ gehörig zu und es kommt zu einer regelrechten Explosion aus Action, Gewalt und Splatter. Der Härtegrad ist dabei ziemlich hoch und zu sensibel darf man als Zuschauer nicht sein. Andererseits wartet man bei einem Tarantino-Film doch auf genau solche Szenen, die in all ihrer Grausamkeit doch auch gehörig Spaß machen. Die letztendliche Auflösung hat mir gut gefallen, wenn man auch sagen muss, dass die Handlung nicht frei von diversen Logiklöchern ist.

Mein Fazit: „The Hateful Eight“ dürfte Tarantinos bisher sperrigster Film sein – doch meiner Meinung nach ist es ein guter Streifen, der auch besser als „Django Unchained“ ist. Wenn man geduldig ist, nichts gegen lange Charaktereinführungen hat und gut geschriebene Dialoge genießen kann, wird man mit diesem Western-Kammerspiel seine Freude haben. Ich verteile 8 von 10 Popcornguys!

Star Wars: Das Erwachen der Macht

Titel: Star Wars: Das Erwachen der Macht
Originaltitel: Star Wars: The Force Awakens
Regie: J.J. Abrams
Musik: John Williams
Darsteller: John Boyega, Daisy Ridley, Adam Driver

Rund 30 Jahre sind seit dem Tod des Imperators vergangen. Es kam zum Waffenstillstand mit dem Imperium und die Neue Republik konnte entstehen. Doch das Böse regt sich wieder in der Galaxis. Die Reste des Imperiums formieren sich als Erste Ordnung neu und rüsten gegen die Republik – aber nur wenige erkennen die Gefahr. Unter der Führung von General Leia Organa (Carrie Fisher) macht sich der Widerstand bereit für die Konfrontation. Allerdings ist ein wichtiger Mitstreiter verschwunden: Luke Skywalker (Mark Hamill). Die Suche nach dem Jedi ruft neue Helden, aber auch Schurken auf den Plan, die das Schicksal der Galaxis bestimmen werden.

Für diejenigen, die den Film noch nicht gesehen haben, war möglicherweise diese knappe Inhaltszusammenfassung schon zu viel. Deswegen möchte ich an dieser Stelle in aller Klarheit eine SPOILERWARNUNG aussprechen. Bei diesem Film möchte ich detailliert auf Charaktere und Handlung eingehen – und zwar absolut hemmungslos. Ich warne euch also zum letzten Mal!

Die Geburtsstunde der neuen „Star Wars“-Filme fand im Jahre 2012 statt. Hier verkaufte George Lucas seine Filmrechte an Disney. Die Ankündigung neuer Filme ließ nicht lange auf sich warten. Damals stellte ich mir die Frage: Ist das wirklich nötig? Die Antwort lautete natürlich: Nein! Aber da Disney in erster Linie ein Unternehmen ist und die Filmrechte an „Star Wars“ nicht gerade billig waren, erübrigten sich die Fragen nach Sinn und Zweck der neuen Filme schnell. Mir wurde klar, dass eine neue Trilogie kommen wird – aber wenn sie schon kommt, dann soll sie wenigstens gut werden. Oder zumindest besser als die Prequels. Viele Regisseure in Hollywood wurden von Disney angefragt, aber kaum jemand wollte dieses heiße Eisen anfassen. Doch letztendlich hat sich einer getraut: J.J. Abrams. Vor ihm lag eine Mammutaufgabe und die Skepsis war berechtigt. Aber als nach und nach erste Informationen zu den Dreharbeiten gestreut wurden, wuchs die Zuversicht. Abrams schien verstärkt auf echte Sets und handgemachte Effekte zu setzen. Außerdem gelang es ihm, die Stars der alten Trilogie zu reaktivieren und darüberhinaus vielversprechende Newcomer zu engagieren. Doch trotz der vielen guten Nachrichten blieb mir ein wenig Restzweifel erhalten: Wird „Das Erwachen der Macht“ ein guter Film werden?

Ja, es wurde ein guter Film! Und zu einem großen, wenn nicht sogar größten Teil hängt dies mit den neuen Charakteren zusammen. Jeder einzelne Cast-Neuzugang ist ein absoluter Glücksgriff. Beginnen möchte ich mit Oscar Isaac, der den draufgängerischen Widerstands-Piloten Poe Dameron spielt. Was für eine coole Sau! Gleich zu Beginn des Films bietet er Kylo Ren, dem bedrohlichen Bösewicht des Films, mit einem provozierenden Spruch die Stirn. Da wusste ich gleich, wie der Typ tickt. Schade, dass Isaac verhältnismäßig wenig Szenen hatte, über lange Strecken hinweg gilt seine Figur sogar als tot. Ich wusste es natürlich besser, schließlich habe ich mir die Trailer aufmerksam angesehen. Aber dennoch wurde mir bei Poes vermeintlichem Ableben eine Sache schlagartig klar: Ich will keinen der neuen Charaktere verlieren! Und das ist ein verdammt gutes Zeichen. Zum Vergleich: Die Prequels hatten eine Menge Figuren, die ich nur zu gerne verloren hätte!

Doch nun zu den Hauptcharakteren. John Boyega spielt Finn, einen Ex-Strumtruppler, der das Herz am rechten Fleck hat und die Erste Ordnung hinter sich lässt. Man merkt dem Darsteller in jeder Szene an, wie viel Bock er auf den Film hat. Egal ob Dialog, Schießerei oder Lichtschwertduell, Boyega gibt alles – und hat darüber hinaus ein unglaublich gutes Timing für Humor. Finn trifft auf Rey, die möglicherweise die eigentliche Heldin der neuen Trilogie werden könnte. Sie wird gespielt von Daisy Ridley, ebenfalls ein unbeschriebenes Blatt. Und es tut dermaßen gut, endlich mal eine vernünftige Filmheldin zu sehen. Rey ist keine Kampfamazone, die aus feuchten Männerträumen entspringt und sich über Haare und Brüste definiert. Sie ist ein echter und ernstzunehmender Mensch. Dabei vereint Ridley auf sehr harmonische Weise unterschiedliche Charakterzüge. Man nimmt ihr die taffe Rey ab, aber sie überzeugt genauso als verletzliche und sympathisch-naive Rey.

Zu den neuen Helden zähle ich auch den ballförmigen Droiden BB-8. Man könnte nun denken, dass der süße Roboter vor allem für die ganz jungen Zuschauer gedacht ist – was auch sicherlich stimmt. Aber auch ich muss sagen, dass der Droide bestens funktioniert. Es ist schon erstaunlich, wie ergreifend diese kleine technische Konstruktion Emotionen transportieren kann.

Bei all den neuen Charakteren habe ich mich dabei ertappt, die alte Riege in manchen Szenen überflüssig oder zumindest weniger interessant zu empfinden. Aber dennoch machen die drei Stars aus der klassischen Trilogie zumeist eine gute Figur. Allen voran natürlich Harrison Ford in seiner Rolle als Weltraum-Haudegen Han Solo. Er mag älter geworden sein, doch als sarkastischer Schmuggler funktioniert er immer noch überraschend gut. An Solos Seite fliegt natürlich sein treuer Wookie-Kopilot Chewbacca, dem ein paar graue Strähnen mehr sicher auch gut gestanden hätten. Weniger gelungen empfand ich den Auftritt von Carrie Fisher als Leia Organa. Für die Rolle hat sie wohl Gewicht verloren, dazu aber leider auch einen Großteil ihrer Mimik. Ob das wohl mit einem Face-Lifting zusammenhängt? Gelungen war dafür der Auftritt von Mark Hamill als Luke Skywalker. Der Jedi ist erst in der letzten Szene des Films zu sehen und spricht dabei kein einziges Wort, aber die Optik allein spricht Bände. Genau so muss ein alter und gebrochener Jedi-Meister aussehen!

Kommen wir zur Dunklen Seite. Hier dominiert Maskenträger und Lichtschwertschwinger Kylo Ren. Ich muss sagen, dass ich sein Design von Anfang an super fand. Auch das neuartige und unvollkommen wirkende Lichtschwert empfand ich als perfekt. Im ersten Drittel etabliert sich Kylo Ren als vermeintlicher Badass und spielt auch die ein oder andere imposante Fähigkeit aus. So friert er beispielsweise in einer der ersten Szenen einen abgefeuerten Laserstrahl ein – eine Technik, die er auch bei Personen anwenden kann. Etwas später im Film nimmt Kylo Ren dann erstmals seine Maske ab und Adam Driver zeigt sich dem Publikum – als unsicherer, sehr jung wirkender Emo-Teenie. Ich muss zugeben, dass da erstmal ein gewisser Bruch entsteht. Aber letztendlich muss ich sagen, dass Kylo Ren ein extrem spannender Charakter ist, gerade wegen seiner Schwächen. Er möchte so sein, wie es Darth Vader war – und seine größte Angst ist es, dies nicht zu schaffen, weil er auf seinem Weg dorthin von der hellen Seite verführt wird. Eine interessante und neuartige Perspektive.

Leider sind die restlichen Antagonisten weniger gelungen. Snoke, der mysteriöse Anführer der Ersten Ordnung, entpuppt sich als eine austauschbare CGI-Mischung aus Lord Voldemort und Gollum. Und dann ist er auch noch so riesig! Gut, er war nur als Hologramm zu sehen, weswegen ich im Kino dankbar aufatmete. Möglicherweise wird Snoke ja in den weiteren Episoden interessanter, wenn seine Motivation thematisiert wird. Allerdings muss ich mich schon fragen, ob es sinnvoll war, ihn in diesem Film überhaupt zu zeigen. Relativ sinnlos war auch der Charakter von Captain Phasma, gespielt von Gwendoline Christie. Die Sturmtruppen-Anführerin sieht optisch sehr cool aus, legt aber nur spießige Ausbilder-Sprüche an den Tag und landet ohne eine einzige bemerkenswerte Aktion in einer Müllpresse. Vielleicht war der ganze Charakter ja als Finte im Hinblick auf die Zuschauer-Erwartungen gedacht, aber gelungen fand ich das nicht. Bei Domhnall Gleeson als General Hux bin ich noch unentschlossen. Ich mag den Schauspieler und fand seine Szenen prinzipiell auch gut. Aber wenn sich schon Kylo Ren als (gelungener) Teenie-Bösewicht offenbart, wäre ein Militär mit mehr Dienstjahren an seiner Seite eventuell passender gewesen. So bekommt man schon den Eindruck, die Erste Ordnung wird größtenteils von College-Kids angeführt.

Handwerklich kann man dem Film so gut wie gar nichts ankreiden. Es gab tatsächlich viele echte Sets, Masken und handgemachte Effekte, besonders im ersten Drittel. Natürlich kommt man um CGI bei einem solchen Film nicht herum, aber bis auf zwei oder drei kurze Momente empfand ich dies nicht als störend. John Williams‘ Soundtrack ist absolut solide und punktet dann am meisten, wenn er altbekannte Klänge einfädelt. Leider gibt es kein besonders einprägsames neues Motiv. Zwar sind mir im Hinblick auf Rey und Kylo Ren gewisse Themen aufgefallen, aber ausbaufähig ist das sicher. Hommagen gibt es viele und Humor ist auch reichlich vorhanden, doch bis auf ganz wenige Ausnahmen hat man hier die richtige Balance gefunden.

Nun aber zur Handlung! Das erste Drittel ist nahezu perfekt und das „Star Wars“-Feeling ist sofort da. Wir sehen, wie der Bösewicht etwas wirklich Böses macht und bekommen anschließend die neuen Charaktere präsentiert. Und die Dynamik zwischen den Schauspielern ist köstlich! Auf sehr organisch wirkende Weise entwickeln sich Freundschaften zwischen Poe, Finn und Rey, was den Zuschauer mitfiebern lässt. Vielleicht fallen dadurch die Hommagen an „Eine neue Hoffnung“ im ersten Drittel auch überhaupt nicht störend auf. Mich stört es nicht, dass Rey genau wie Luke auf einem Wüsenplaneten lebt und im Grunde überhaupt keine Ahnung hat. Mich stört es nicht, dass auch sie wie Luke auf einen Droiden trifft, der in seinem Inneren die alles entscheidene Botschaft abgespeichert hat. Und es stört mich auch nicht, dass die Hauptcharaktere durch eine Aneinanderreihung von Zufällen aufeinander treffen und die Reise gemeinsam fortführen – genau das gehört zum Märchen-Charakter, der die alten „Star Wars“-Filme ausgemacht hat.

Ab der Mitte wird der Film dann allerdings zunehmend hektisch. Mit einem mir zu hohen Tempo geht es erst hierhin, dann dorthin, wir treffen Han und Chewbacca, erleben Abenteuer mit Weltraum-Kraken, suchen Zuflucht bei der schrulligen Piratin Maz Kanata, schließen uns dem Widerstand an und planen überhastet die Zerstörung der neuen Superwaffe der Ersten Ordnung. Kürzungen sind zugegebenermaßen schwierig, denn im Film führt eins zum anderen. Aber ein paar Minuten mehr für den ein oder anderen Handlungsfaden wären nicht verkehrt gewesen. Beispielsweise erklärt mir der Film alleine nicht ausreichend, was eigentlich mit dem Imperium geschehen ist, wie genau es zur Neuen Republik kam und warum der Widerstand gegen die Erste Ordnung so klein ist. Das habe ich nach dem Film recherchiert. Ich möchte in „Star Wars“ keinesfalls wieder endlose politische Debatten und Erklärungen haben, aber ein wenig mehr Übersicht wäre schon hilfreich gewesen.

Manches wird im Film zu sehr nebenbei behandelt. Vor allem die Enthüllung von Kylo Ren als Hans Sohn war mir viel zu beiläufig – beziehungsweise gab es zu wenige Szenen, um sich emotional voll darauf einlassen zu können. Insofern war Han Solos überaus theatralischer Tod durch die Hand seines Sohnes weniger schockierend für mich, als er es hätte sein können. Gut, man muss dazu auch sagen, dass sein Ableben vorhersehbar war. Als Regisseur hätte ich mich vermutlich genauso entschieden. Leia funktioniert auch im fortgeschrittenen Alter gut als Politikerin und Luke ist als alter Jedi-Meister ebenfalls passend. Aber den draufgängerischen und charmanten Schmuggler nimmt man selbst einem Harrison Ford nicht ewig ab. Sein Tod war also in vielerlei Hinsicht sinnvoll.

Einen weiteren Kritikpunkt stellt der gesamte Handlungsstrang um die Starkiller-Basis dar. Im Grunde ist das Ding ein aufgeblasener Todesstern. Auch der Film ist sich dieser Tatsache bewusst und spielt mit einem Augenzwinkern darauf an, als Han mehr oder weniger folgendes sagt: „Irgendwie werden wir das auch dieses Mal sprengen können.“ Dieser allzu lockere Umgang mit der Bedrohung hat mir wenig gefallen. Auch entwickelt die Starkiller-Basis trotz ihrer Größe nicht annähernd die Bedrohung des ersten Todessterns. Sie wird eingeführt, einmal verwendet und anschließend zerstört. Wäre es nicht vielleicht interessanter gewesen, wenn die Kampfstation erst am Ende des Films als Kampfstation aufgedeckt wird und auch noch in der nächsten Episode eine bedrohliche Rolle spielt? Hier hätte man entschieden vom Konzept aus „Eine neue Hoffnung“ abweichen sollen.

Der Kern des Showdowns ist aber glücklicherweise die persönliche Auseinandersetzung zwischen Rey und Kylo Ren. Dies hat sich schon im Verlauf des Films mehrfach angedeutet. Besonders beeindruckt hat mich das Psycho-Duell zwischen den beiden. Kylo Ren foltert Rey und setzt dabei seine Macht ein. Sie jedoch wird sich ihrer eigenen Kräfte bewusst und dreht den Spieß um. Rey erkennt, dass es Kylo Rens größte Angst ist, nicht so werden zu können wie Darth Vader – und diese Veränderung im Kräfteverhältnis irritiert unseren Emo-Bösewicht sehr. Das Thema findet im Film sein vorläufiges Ende, wenn sich die beiden im Lichtschwertkampf gegenüber stehen. Und wie sehr stellt dieser Kampf jedes Duell aus den Prequels in den Schatten! Endlich spürt man wieder Emotionen und die Kämpfe sind auch nicht so lächerlich professionell durchchoreographiert. Es ist ein direkter und griffiger Konflikt zwischen zwei jungen Leuten, die aus unterschiedlichen Gründen wütend aufeinander sind.

Fazit: „Das Erwachen der Macht“ ist kein perfekter Film geworden und sicherlich auch nicht der beste Film des Jahres. Aber es ist ein guter Film geworden, der interessante neue Charaktere vorstellt und viele Fragen aufwirft: Wer sind die Eltern von Rey? Was genau ist zwischen Luke und Kylo Ren passiert? Und wer oder was ist Snoke? Ich gebe gerne zu, dass ich heiß auf die Fortsetzung bin und unbedingt wissen möchte, wie die Geschichte von Poe, Finn und Rey weitergeht. Und ein größeres Kompliment kann man dem Auftakt einer neuen „Star Wars“-Trilogie kaum machen. Es gibt 8 von 10 Popcornguys!

Serien-Special: Narcos

Titel: Narcos
Produktion: Netflix
Darsteller: Wagner Moura, Pedro Pascal, Boyd Holbrook

Kolumbien in den 80er Jahren: Nachdem sich Marihuana langsam auf dem absteigenden Ast befindet und von Kokain verdrängt wird, wittern die kriminellen Genies ihre Chance auf das große Geld. Der US-amerikanische DEA-Agent Steve Murphy (Boyd Holbrook) begibt sich mit seinem Partner Javier Pena (Pedro Pascal) in den Kampf gegen das Drogenkartell, angeführt von Pablo Escobar (Wagner Moura). Bald müssen die Ermittler aber feststellen, dass sie im von Korruption beherrschten und von Brutalität erschütterten Kolumbien jede Menge Tricks brauchen, um gegen die Drogenbosse vorzugehen.

Mit dem Namen Pablo Escobar kann eigentlich jeder etwas anfangen, aber zum exakten Aufstieg des Drogenmoguls bin auch ich ratlos. Wie gut, dass Netflix hier wieder mit einer aufwändig produzierten Serie in die Bresche springt, die mich von der ersten Folge an gefesselt hat. Für alle, die wie ich um die Geschichte Escobars nicht so gut Bescheid wissen, werde ich auf Storydetails verzichten und einfach schon jetzt eine Empfehlung aussprechen.

Doch auf den einen oder anderen Schwerpunkt der Serie möchte ich doch eingehen: Ganz offensichtlich wurde hier ein beträchtliches Budget in die Hand genommen, was jeder Serie gut tut. Die Schauorte wirken durchweg realistisch und lassen die Zuschauer in die 70er und 80er eintauchen. Der Cast überzeugt auf ganzer Linie, auch wenn ich über Pablo Escobar persönlich nichts weiß, kann ich Wagner Moura für die Darstellung nur loben: Wer diesen stets gleichgültig wirkenden, irgendwie grummlig-sympathischen Kolumbianer, der sich innerhalb einer Millisekunde in einen blutrünstigen Killer wandelt, erlebt, kann nur eine zu gute Vorstellung von diesem Gangster bekommen.

Doch von spannend geschriebenen Drehbuch, überzeugendem Cast und guter Musikauswahl abgesehen sind es zwei Details, die Narcos für mich zu einer herausragenden Serie machen:

Der Realismus der dargestellten Ereignisse wird unterstrichen von tatsächlichen Fernsehaufnahmen und Fotos, die mir beim Betrachten stets einen kleinen Schauer über den Rücken jagen, da bei diesen Bildern sich dann doch plötzlich der Gedanke einstellt: Was ich dort sehe, ist wirklich passiert!
Gerade in Anbetracht dessen, wie aberwitzig viel Geld Escobar verdient hat, und mit welch brutaler Konsequenz er gegen seine Gegner vorgegangen ist, ist das Einspielen von echten Aufnahmen noch erschütternder.

Der zweite Punkt ist die Sprache: Steve Murphy als US-Amerikaner spricht mit seinen Kollegen und seiner Familie natürlich englisch, davon abgesehen ist die Sprachausgabe fast komplett in spanisch gehalten. Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, nämlich dass Escobar und seine Partner, die kolumbianische Regierung und Polizei, und alle Einwohner des Landes in ihrer Sprache sprechen, wird von den Serienmachern konsequent durchgesetzt. Für mich fördert dies die Atmosphäre der Serie ungemein, und ich würde mir wünschen dass sich mehr Filme und Serien solch eine Konsequenz zutrauen.

Narcos startete Ende August auf Netflix – die zweite Staffel wurde schon bestellt, was mich sehr glücklich macht. Euch allen kann ich nur raten, gebt der Serie mal eine Chance – wer sich für organisierte Kriminalität und Drogenkriege interessiert, kann hier nichts falsch machen!