Movie Round Up

Ich war im Kino – aber ich habe länger nichts darüber geschrieben. Deswegen gibt es jetzt in aller Kürze ein Movie Round Up. Da dürfte für jeden Geschmack was dabei sein. Viel Spaß!

ICH BIN DANN MAL WEG

Die Lektüre von Hape Kerkelings Reisebericht „Ich bin dann mal weg“ war einer der Gründe, weswegen ich nach bestandenem Abitur mit zwei Schulfreunden ein Stück weit den Jakobsweg in Frankreich ging. Schon allein deswegen war die gleichnamige Verfilmung des Buchs quasi Pflicht. In die Rolle des deutschen Komikers schlüpft Devid Striesow, der nicht nur eine optische Ähnlichkeit zum Original aufweist, sondern den Film auch schauspielerisch zu tragen weiß. Zu Beginn des Films ist der Entertainer einem Burnout nahe. Der Arzt empfiehlt einige Monate Ruhe und obwohl Kerkeling nicht ausdrücklich religiös ist, weckt der Jakobsweg sein Interesse. Der nicht unbedingt athletisch gebaute Komiker tritt seine Wallfahrt an und muss sich bald mit aufdringlichen Fans, wunden Füßen und überfüllten Klosterherbergen auseinander setzen. Allerdings gibt es auch positive Erfahrungen. So trifft Kerkeling auf die zurückhaltende Stella (Martina Gedeck) und die bissige Journalistin Lena (Karoline Schuch). Beide Frauen werden seine zeitweiligen Gefährtinnen und gemeinsam rückt das große Ziel – Santiago de Compostela – trotz aller Strapazen und persönlicher Probleme näher und näher. Der Film hat durchaus seine Längen. Szenen, die sich unwiderruflich ins Gedächtnis brennen, gibt es eher nicht. Allerdings hat „Ich bin dann mal weg“ viel Herz und einen geerdeten Humor, was am Ende ein absolut zufriedenstellendes Filmerlebnis ergibt. Ein durch und durch netter Film – und zwar im besten Sinne des Wortes. Es gibt 7 von 10 Popcornguys!

THE REVENANT – DER RÜCKKEHRER

Mein geschätzter Popcornguy-Kollege hat hierzu eine vortreffliche Kritik geschrieben. Mir bleibt nur noch eines zu sagen: Viele Filme sind Produkte, „The Revenant“ ist Kunst. Ich verteile stolze 9 von 10 Popcornguys!

CREED – ROCKY’S LEGACY

Ich bin kein großer Freund von Box-Filmen. Mit dem Sport an sich kann ich auch nicht viel anfangen. Und Sylvester Stallone mag ein cooler Typ sein, doch als Schauspieler habe ich ihn bisher kaum ernst genommen. Warum also habe ich mir überhaupt „Creed – Rocky’s Legacy“ angesehen? Nun, die Kritiken waren gut. Und ich hatte Zeit. Aber hat es sich gelohnt? Definitiv! Der Film ist ein Teil der „Rocky“-Reihe, bei welcher ich mich nur dunkel an den ersten Teil erinnere. Ich bin also alles andere als ein Experte, aber trotzdem ist die Handlung von „Creed“ schnell erklärt: Michael B. Jordan spielt Adonis Johnson, den unehelichen Sohn der inzwischen verstorbenen Boxer-Legende Apollo Creed. Dieser wurde einst von der noch größeren Boxer-Legende Rocky Balboa (Sylvester Stallone) besiegt. Der zu Aggressionen neigende Johnson gibt seinen Beruf auf, um seinen Traum von der Boxer-Karriere verwirklichen zu können. Aus diesem Grund sucht er Rocky auf, welcher nach anfänglichem Zögern zum Mentor des jungen Mannes wird. Soweit klingt die Story nicht sonderlich komplex, was aber überhaupt nicht schlimm ist. „Creed“ erzählt seine Geschichte sympathisch und mit überraschend viel Herz. Jordan holt als Protagonist den Zuschauer gut ab und zeigt sein schauspielerisches Können vor allem im späteren Verlauf des Films, wenn sein Charakter die wahren inneren Konflikte offenbart. Stallone zeigt, dass die Oscar-Nominierung mehr als gerechtfertigt ist. In deutlich mehr als einer Szene konnte ich mir eine emotionale Regung nicht verkneifen. Und selbst das obligatorische Love-Interest (gespielt von Tessa Thompson) ist keineswegs nur dazu da, am Rande des Boxrings schön auszusehen. Auch auf technischer Seite kann „Creed“ punkten. So erinnere ich mich besonders an einen Kampf in der Mitte des Films, welcher als beeindruckender One Shot gefilmt wurde. Es gibt 8 von 10 Popcornguys!

THE BIG SHORT

Ähnlich wie bei „Creed“ waren es auch bei „The Big Short“ lediglich die guten Kritiken, die mich ins Kino lockten. Doch was sich bei dem einen Film als Glücksgriff erwies, war beim anderen eher ein Griff ins Klo. Oder zumindest ein Griff Richtung Schüssel. In „The Big Short“ geht es um die Finanzkrise von 2008 – vermutlich ein wichtiges und auch heute noch relevantes Thema, von dem ich persönlich aber überhaupt keine Ahnung habe. Und daran hat auch der Film nichts geändert. In fast schon epileptischem Tempo werden dem Zuschauer Tonnen an Fachbegriffen und Sachverhalten um die Ohren gepfeffert. Vor dem Film wusste ich, dass es um ein paar Typen (gespielt unter anderem von Ryan Gosling, Steve Carell, Christian Bale und Brad Pitt) geht, die schon lange im Voraus Zeichen der Finanzkrise gesehen haben und deswegen Profit aus der Sache schlagen konnten. Nach dem Film kann ich auch nicht mehr zur Handlung sagen. Gut, es gibt auch Positives zu vermelden: Die Schauspieler (allen voran Christian Bale) spielen super, der Cutter macht einen richtig guten Job, Ryan Gosling durchbricht regelmäßig die vierte Wand und diverse Stars haben Gastauftritte, in denen sie sich direkt an den Zuschauer wenden und besonders schwere Begriffe erklären. Margot Robbie hat diesbezüglich einen Auftritt, der länger im Gedächnits bleiben wird. Diese Elemente sind cool und haben mich einigermaßen bei der Stange gehalten. Aber „The Big Short“ ist kein „The Wolf Of Wall Street“. Er ist nicht unterhaltsam genug, weswegen sich eine Tatsache immer deutlicher heraus kristallisiert hat: Ich habe keinen Plan, was da gerade verdammt nochmal passiert. Und es war für mich keine angenehme Planlosigkeit, wie man sie bei einem guten Mystery-Psycho-Thriller empfindet. Es war eher eine immer nerviger werdende Planlosigkeit. Vielleicht ist dies aber auch teilweise gewollt, denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Laien durch „The Big Short“ Ahnung vom Finanzsystem bekommen. Für Eingeweihte könnte der Film dagegen recht interessant oder aufschlussreich sein. Ich habe meiner Schwester von meinen Eindrücken erzählt und sie meinte, dass sich das nach einem BWL-Porno anhört. Das trifft es ganz gut. Für mich war es jedenfalls nichts. Wegen der Inszenierung gibt es knappe 6 von 10 Popcornguys, aber mehr darf „The Big Short“ von mir nicht erwarten.

DAS BRANDNEUE TESTAMENT

Gott (Benoît Poelvoorde) existiert – doch er ist ein Tyrann. Gemeinsam mit seiner eingeschüchterten Frau (Yolande Moreau) und seiner zehnjährigen Tochter Éa (Pili Groyne) lebt er in einer Hochhauswohnung in Brüssel. Gott ist ein verbitterter Choleriker, der eine sadistische Freude daran empfindet, die Menschheit mit unnützen Geboten zu plagen. Beispielsweise schafft Gott von seinem PC aus die Gesetzmäßigkeit, dass das Telefon immer dann klingelt, wenn man gerade in eine warme Badewanne eingestiegen ist. Tochter Éa hat irgedwann genug. Sie möchte sich an ihrem Vater rächen und schickt jedem Menschen seine persönliche Todesdaten. Dies verändert das gesellschaftliche Leben auf der Welt enorm. Außerdem verlässt Éa die Wohnung, um genau wie ihr Bruder damals Apostel zu sammeln, die ihr ein brandneues Testament schreiben. Die Komödie des belgischen Regisseurs Jaco Van Dormael ist überaus frech und provokant. Gemäß der Natur eines schwarzen Humors weiß man als Zuschauer regelmäßig nicht, ob man jetzt lachen oder ensetzt sein soll. Dennoch hat der originelle Blödsinn eine Menge Charme und bietet mit Sicherheit Raum für theologische Diskussionen – unter anderem zum Thema Gottesbild. Leider gerät die Haupthandlung dem Film zunehmend aus dem Blick. Mit jedem neuen, durchaus sympathischen Apostel Éas wird nämlich ein neues thematisches Fass aufgemacht. Für sich allein betrachtet ist jede einzelne Geschichte gut, aber in sich stimmiges Ganzes konnte ich am Ende nicht erkennen. Trotzdem spreche ich eine Empfehlung aus, vielleicht auch gerade für diejenigen, die sich gerne tiefer mit dem Thema Religion auseinandersetzen. Es gibt 7 von 10 Popcornguys!

MACBETH

Zum Schluss möchte ich noch über die Shakespeare-Verfilmung Macbeth sprechen. Ich selbst habe die literarische Vorlage nicht gelesen, jedoch ist die Story schnell erklärt: Der schottische Heerführer Macbeth (Michael Fassbender) schlägt erfolgreich Schlachten für seinen König Duncan (David Thewlis). Dabei begegnen ihm drei Hexen, die ihm prophezeien, dass er der nächste König von Schottland werde. In Macbeth entbrennt ein innerer Konflikt, doch seine ehrgeizige Ehefrau (Marion Cotillard) treibt ihn entschieden dazu an, den Königsmord zu planen. Was nun folgt, ist eine Geschichte über Aufstieg, Tyrannei, Wahnsinn und Niedergang – in Justin Kurzels Film vermengt mit einer gehörigen Menge an Schweiß, Dreck und Blut. In das düster-realistische Mittelaltersetting, welches hier durch Kostüm, Maske und Kulisse zum Leben erweckt wird, habe ich mich regelrecht verliebt. Einzig die Sprache hat mir anfangs ein wenig Probleme gemacht. Man hat sich dafür entschieden, Shakespeares Wortlaut in den Dialogen und Monologen zu verwenden, was auf den ein oder anderen geschwollen wirken kann und auch für die ein oder andere gefühlte Länge sorgt. Allerdings ist die Handlung derart simpel und gleichzeitig kraftvoll, dass ich mich nach und nach recht gut einfühlen konnte. Shakespeares Sprache trägt auch einen großen Teil zum künstlerischen Flair des Films bei – und dass es sich um einen Kunstfilm handelt, erkennt man unter anderem auch an den großartigen, stellenweise herausfordernden Bildkompositionen. Zuletzt lebt „Macbeth“ natürlich von seinen Darstellern. Marion Cotillard macht als ehrgeizige und durchtriebene Lady Macbeth eine gute Figur. Man muss dazu sagen, dass ich Madame Cotillard aber prinzipiell gerne sehe. Die schauspielerische Wucht des Films geht jedoch ganz klar von Michael Fassbender aus. Es gibt kaum etwas, was der Mann nicht kann, so scheint es. Egal ob stoisch, von Selbstzweifeln zerfressen oder dem Wahnsinn nahe: Fassbender überzeugt auf ganzer Linie. Ich kann „Macbeth“ jedem empfehlen, der mittelalterliche Settings und Kunstfilme zu schätzen weiß. Es gibt 8 von 10 Popcornguys!

Victoria

Titel: Victoria
Originaltitel: Victoria
Regie: Sebastian Schipper
Musik: Nils Frahm, DJ Koze
Darsteller: Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski

Die junge Spanierin Victoria (Laia Costa) lebt seit einigen Wochen in Berlin und arbeitet in einem Café. Nach einer Clubnacht trifft sie auf die vier Berliner Sonne (Frederick Lau), Boxer (Franz Rogowski), Blinker und Fuß. Gemeinsam zieht die Truppe durch das nächtliche Berlin, albert herum, begeht kleinere Diebstähle und verbringt die Zeit auf dem Dach eines Hochhauses. Victoria fühlt sich wohl in der Gruppe, besonders der sympathische Sonne hat es ihr angetan. Doch im weiteren Verlauf der Nacht gerät sie gemeinsam mit den neuen Bekanntschaften in kriminelle Kreise. Der Ernst der Lage schaukelt sich hoch und eine Katastrophe bahnt sich an.

Der Deutsche Film ist so eine Sache für sich. Zwar haben wir hierzulande gute Darsteller, doch die Ideen der Regisseure und Drehbuchautoren scheinen nur selten über romantische Komödien mit Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer hinaus zu reichen. Gutes Genre-Kino existiert zwar, doch es fristet ein weitgehend unbemerktes Schatten-Dasein neben den übermächtigen Körpern der seichten Mainstream-Unterhaltung. Umso schöner, dass ich überhaupt auf „Victoria“ aufmerksam werden konnte.

Das große Aushängeschild des Films ist seine überaus mutige und ambitionierte Produktion. „Victoria“ geht stolze 140 Minuten und wurde dabei augenscheinlich in einer einzigen Kameraeinstellung gedreht. Möglicherweise verstecken sich im Film doch zwei bis drei Schnitte, die aufgrund des nächtlichen Settings kaschiert werden können. Doch selbst wenn es einen Schnitt gäbe, es würde die Leistung von Regisseur Sebastian Schipper und Kamermann Sturla Brandth Grøvlen in keinster Weise mindern. Der Film basiert auf gerade mal 12 Seiten Drehbuch, es gab drei Probedurchläufe und viele der Dialoge wurden improvisiert. Das Ergebnis ist eine absolut faszinierende Thriller-Romanze, die auf den Zuschauer einen enormen Sog entwickelt. Ich kann mich an nur wenige Filme der letzten Zeit erinnern, die mich derart in ihr Geschehen hinein gesaugt haben.

Neben der technischen Seite sind es aber auch die Darsteller in „Victoria“, die eine grandiose Leistung abliefern. Laia Costa schlüpft in die Rolle der titelgebenden Protagonistin und spielt sowohl traurige und zerbrechliche, als auch freche und mutige Charakterzüge gekonnt aus. Ihr zur Seite steht Frederick Lau als selbstbewusster und sympathischer Sonne, den der Zuschauer ähnlich wie Victoria zunächst nicht einschätzen kann, der einem aber schnell ans Herz wächst. Man fiebert mit den beiden mit und bleibt von Anfang bis Ende am Ball. Besonders schön ist eine Szene, in der Sonne Victoria in ihr Café bringt, sie dort miteinander flirten und sich besser kennen lernen. Dabei sollte erwähnt werden, dass der Film größtenteils mit Untertiteln arbeiten, da die Charaktere abwechselnd Deutsch und Englisch sprechen.

Viel kann man dem Film nicht ankreiden. Er hat eventuell ein bis zwei kleine Längen, die aber nur minimal ausfallen. Daneben wirken die Szenen, in denen die Gruppe mit der kriminellen Welt Berlins in Kontakt kommt, ein wenig konstruiert. Doch der Film hat ausreichend großartige Aspekte, sodass diese Negativpunkte schnell vergessen sind. Ich gönne „Victoria“ sämtliche nationalen Preise, die er gerade abräumt – und wünsche ihm auch internationalen Erfolg. Verdient hätte er es auf alle Fälle. Es gibt von mir ganz starke 8 von 10 Popcornguys, mit Tendenz nach oben!

Kinojahr 2015: 1. Quartal (Januar bis März)

Das erste Quartal 2015 ist vorbei – Grund genug, das bisherige Kinojahr zusammenzufassen: Brad Pitt im Panzer, Reese Witherspoon auf Wanderschaft, Michael Keaton am Rande des Wahnsinns, ein süßer Polizei-Roboter mit Emotionen, J.K. Simmons als tyrannischer Musiklehrer und Colin Firth als anzugtragender Geheimagent. Viel Spaß!