Lady Macbeth

Titel: Lady Macbeth
Originaltitel: Lady Macbeth
Regie: William Oldroyd
Musik: Dan Jones
Darsteller: Florence Pugh, Cosmo Jarvis, Naomi Ackie

England, 1865: Die junge Katherine (Florence Pugh) wird mit dem reichen, aber bedeutend älteren Minenbesitzer Alexander (Paul Hilton) verheiratet. Es zeigt sich schnell, dass dieser von der Ehe nicht sonderlich begeistert ist und wenig Interesse an seiner Gemahlin hat. Gemäß des damaligen Frauenbildes behandelt er Katherine wie seinen Besitz und untersagt ihr, das Haus zu verlassen. Die junge Frau ist in der sozialen und auch räumlichen Enge gefangen und verfällt in einen eintönigen Trott. Erst als Ehemann und Schwiegervater Boris (Christopher Fairbank) das Haus aus beruflichen Gründen verlassen, kann sie durchatmen und ihrem Hausarrest entkommen. Draußen trifft sie auf Sebastian (Cosmo Jarvis), einen Arbeiter auf Alexanders Anwesen, der wegen seiner rohen und direkten Art sehr anziehend auf Katherine wirkt. Die beiden beginnen eine stürmische Affäre.

Wenn man das Wort „Kostümfilm“ hört, mag der ein oder andere gähnen und abwinken. Und ja, „Lady Macbeth“ ist ein Film der ruhigen Sorte – doch er hat es in sich. Und zwar so richtig. Von den guten Kritiken angelockt, habe ich mich ins Kino begeben und mir das Spielfilm-Debut von Regisseur William Oldroy angesehen. Dieser hat vorher einige Kurzfilme gedreht, vor allem aber Erfahrung am Theater gesammelt. Insofern scheint der Filmtitel perfekt zu passen, doch Shakespeare sollte man nicht direkt erwarten. „Lady Macbeth“ ist vielmehr die Verfilmung der russischen Novelle „Die Lady Macbeth von Mzensk“, die als wichtiges Werk der Emanzipation gilt. Gekonnt lässt Oldroy mit der starren Kamera schöne, aber gleichzeitig auffällig unterkühlte Bilder einfangen, die gut zur Enge der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts passen. Alles hat seinen Platz, nicht nur das Mobiliar, sondern auch die Menschen, die mehr oder weniger leblos ihre vorgebene Rolle spielen. Eine jedoch bringt das Gefüge durcheinander: Katherine.

Und hier ist man beim Dreh- und Angelpunkt des Films angelangt. Katherine, von der Newcomerin Florcence Pugh wunderbar nuanciert gespielt, möchte aus dem gesellschaftlichen Korsett ausbrechen und sich selbst verwirklichen. Dass sie rebelliert, merkt der Zuschauer recht schnell. Und als aufgeklärter Mensch des 21. Jahrhunderts wünscht man dieser jungen und mutigen Dame auf der Kinoleinwand natürlich jeden Erfolg. Dabei ist es erwähnenswert, dass Katherine nicht aus der Zeit gefallen erscheint, sondern trotz ihres unzeitgemäßen Bestrebens fest in ihrer Epoche verwurzelt ist. Sie wirkt realistisch und nicht wie ein innerfilmischer Fremdkörper, der in bizarrer oder aufdringlicher Weise eine moderne Anschauung präsentieren. Das fand ich sehr angenehm. Doch meine Sympathien gegenüber Katherine verflogen während des Films zunehmend. Wer davon ausgeht, dass wir hier eine Filmheldin haben, die sich in bewunderswerter und vorbildhafter Weise ihre Rechte erkämpft, wird schnell eines Besseren belehrt. Katherine entpuppt sich als eiskalt und berechnend, sie spielt die Menschen in ihrem Umfeld bitterböse gegeneinander aus und profitiert in ihrer Emanzipation ironischerweise davon, dass andere nicht aus ihrer sozialen Position ausbrechen können. Ich möchte auf keine weiteren Details eingehen, aber letztendlich haben wir es hier meiner Meinung nach mit einer waschechten Antiheldin zu tun, deren Verhalten zwar nachvollziehbar, aber alles andere moralisch ist. Ein Film, der seine Protagonistin nach und nach zu einer Unsympathin macht, ist in jedem Fall mutig und riskiert viel. Doch glücklicherweise ist die Rechnung in „Lady Macbeth“ aufgegangen und liefert darüberhinaus einige Denkanstöße. Beispielsweise könnte man sich nun fragen, ob die moralischen Vergehen Katherines nicht auch einfach nur ein Ergebnis der engen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts ist.

Fazit: Das Drama „Lady Macbeth“ ist die Charakterstudie einer höchst interessanten, aber auch abschreckenden Frau, welche provokant und mutig mit den Zuschauererwartungen spielt. Die schönen, aber kühlen Bilder unterstützen den Inhalt, doch getragen wird der Film hauptsächlich von der beeindruckenden Darstellung von Florence Pugh. Ich vergebe 8 von 10 Popcornguys an diese starke Überraschung im ausgehenden Kinojahr.

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Blade Runner 2049

Titel: Blade Runner 2049
Originaltitel: Blade Runner 2049
Regie: Denis Villeneuve
Musik: Hans Zimmer, Benjamin Wallfisch
Darsteller: Ryan Gosling, Harrison Ford, Ana de Armas

Los Angeles, im Jahr 2049: Die überbevölkerte Stadt versinkt abwechselnd in Smog, Regen und Schnee. Vieles hat die Erde in den letzten Jahrzehnten erlebt. Insbesondere der Zusammenbruch des Ökosystems und Rebellionen künstlich erschaffener Menschen haben ihre Spuren hinterlassen. Die neuen Replikanten, kreiert von einem Großindustriellen namens Niander Wallace (Jared Leto), sind ihren Erschaffern jedoch wohlgesonnen und verrichten jene Dienste in der Gesellschaft, die niemand sonst übernehmen kann oder will. Allerdings sind noch einige Modelle aus alten Zeiten am Leben. Es ist die Aufgabe von Blade Runnern wie Officer K (Ryan Gosling) diese Replikanten zu finden und auszuschalten. Bei einem seiner Aufträge macht K jedoch eine Entdeckung, die das fragile gesellschaftliche Gefüge zum Einsturz bringen könnte.

„Blade Runner“ ist schon ein komischer Klassiker. Als ich ihn das erste Mal gesehen habe, war ich entschieden zu jung, beim zweiten Mal zu müde und nicht aufmerksam genug. Irgendwann drifteten meine Gedanken ab und nach etwa einer halben Stunde hatte ich keine Ahnung mehr, was Harrison Ford gerade macht. Und nach seinem Gesichtsausdruck zu urteilen wusste er das auch nicht so genau. Aber verwunderlich ist so eine Reaktion auf „Blade Runner“ wohl nicht. Der Film ist atmosphärisch extrem stark und sieht auch heute noch fantastisch aus – aber gleichzeitig ist er auch recht zäh, man könnte sogar sagen: Langweilig. Erst bei meiner dritten Sichtung vor ein paar Tagen hat sich die Wahrnehmung allmählich verschoben und ich würde nun sagen, dass dieser Klassiker mit der Zeit wachsen kann. Aber was genau rechtfertigt eine Fortsetzung? Meine erste Reaktion gegenüber der Ankündigung eines zweiten Teils war von daher: Braucht es das? Und ich muss sagen, meine Skepsis wäre weiter gewachsen, hätte Ridley Scott, der Macher des ersten „Blade Runner“, den Film gedreht. Seine Filmographie hat in letzter Zeit nämlich entschieden an Überzeugung eingebüßt. Doch auf dem Regie-Stuhl nahm zum Glück jemand anders Platz: Denis Villenveuve, der sich mit Filmen wie „Prisoners“, „Enemy“, „Sicario“ und „Arrival“ ganz nach vorne in meiner Gunst gespielt hat. Und mit „Blade Runner 2049“ ist wiederum ein großartiger Streifen entstanden, der – zumindest meiner Meinung nach – den Erstling in den meisten Punkten überflügelt.

Aber alles der Reihe nach. Zunächst fällt einem bei „Blade Runner 2049“ der Look auf, ähnlich wie beim ersten Teil also. Visuell ist der Film eine Wucht. Eine erhabene Kameraführung, ein ruhiges Tempo und absolut stimmig eingesetzte Effekte erschaffen eine Science-Fiction-Welt, die sich sehr echt anfühlt. Hier sollten einige Oscarnominierungen drin sein. Der Film steckt darüberhinaus voller interessanter technischer Ideen. Hierbei ist erwähnenswert, dass sich die Welt von „Blade Runner 2049“ nicht durch Überfrachtung oder allgegenwärtige Touchscreens auszeichnet, wie man das vielleicht von einem Zukunftsfilm erwarten würde. Stattdessen weist die Technik stets handfeste, physische Elemente auf, die das Ganze nicht nur angenehm erden, sondern auch eine glaubwürdige Brücke zum ersten „Blade Runner“ schlagen. Der Soundtrack unterstützt die Bilder ideal, auch wenn er nicht diesen eigenwilligen und sphärischen Charakter der Musik von Vangelis erreicht. Andererseits ist aber auch der Film an sich weniger verträumt.

„Blade Runner 2049“ ist bis in die Nebenrollen gut besetzt. Darsteller wie Robin Wright, Dave Bautista und Jared Leto haben manchmal zwar kleine, aber dafür feine und denkwürdige Auftritte. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle Sylvia Hoeks, die in ihrer Rolle der Luv eine faszinierende und eiskalte Präsenz entwickelt. Ryan Gosling spielt Officer K in seiner gewohnt zurückhaltenden Art, doch das ist im Fall von diesem Film genau richtig. Seine Figur hat einiges an Detektivarbeit zu tun und kann darüberhinaus eine interessante Charakterentwicklung aufweisen, wodurch sie für mich zu einem stärkeren Protagonisten als Harrison Ford im ersten Teil wird. Apropos, der ist natürlich auch mit dabei, wie man schon in den Trailern sehen konnte. Und er hat spürbar Bock. An Ryan Goslings Seite spielt außerdem Ana de Armas, die als Joi eine Beziehung der besonderen Art mit K führt. Diese gipfelt in einer recht bizarren, aber gleichzeitig wunderschönen Szene, die zu meinen liebsten im ganzen Film zählt. Aber mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

Die Geschichte des Films ist – wenn man am Ende alles gesehen hat – vielleicht nicht allzu ungewöhnlich oder komplex, aber es ist auf jeden Fall mehr los als im ersten Teil. Außerdem kommt mir die Handlung etwas klarer und griffiger vor. Interessante philosophische Fragen werden angeschnitten und unter Sci-Fi-Aspekten ist das alles absolut ordentlich. Villeneuve gelingt es auch – ähnlich wie bei „Arrival“ – genau die richtige Portion Gefühl einzubringen, sodass einem die Geschichte trotz der fast schon deprimierenden Welt ans Herz geht. Hut ab dafür!

Fazit: „Blade Runner 2049“ ist sicherlich kein Film, den man mal eben zwischendurch reinschiebt. Es ist bildgewaltige, ruhige, nachdenkliche und nur pointiert actionreiche Sci-Fi-Kost, die sich im Umfeld anderer Produktionen mit ähnlich hohem Budget positiv durch seine Andersartigkeit abhebt. Für mich ist er einer der besten Filme des Jahres und ich verteile starke 9 von 10 Popcornguys!

Es

Titel: Es
Originaltitel: It
Regie: Andy Muschietti
Musik: Benjamin Wallfisch
Darsteller: Jaeden Lieberher, Sophia Lillis, Bill Skarsgård

Es ist ein heißer Sommer Ende der 80er Jahre in der amerikanischen Kleinstadt Derry. Sieben Teenager mit verschiedensten Hintergründen finden zueinander: Der Stotterer Bill (Jaeden Lieberher), der übergewichtige Ben (Jeremy Ray Taylor), der kränkliche Eddie (Jack Dylan Grazer), der Jude Stan (Wyatt Olef), der schwarze Waisenjunge Mike (Chosen Jacobs), Labersack Richie (Finn Wolfhard) und die von ihrem Vater missbrauchte Bev (Sophia Lillis). Zusammen gründen sie, sich ihrer eigenen Probleme und Handicaps bewusst, den Club der Verlierer. So schaffen sie es sogar, der angriffslustigen Gang rund um Henry Bowers (Nicholas Hamilton) zu trotzen. Doch assoziale Jugendliche sind längst nicht das einzige Problem des Verlierer-Clubs. In Derry verschwinden Kinder, unter anderem auch Georige (Jackson Robert Scott), der jüngere Bruder Bills. Nach und nach wird dem Club auch klar, was dahinter steckt: Es, eine alte, böse Macht, die sich seinen Opfern oft in der Gestalt des teuflischen Clowns Pennywise (Bill Skarsgård) zeigt. Die Teenager müssen all ihren Mut zusammennehmen, um sich Es und ihren eigenen, tiefsten Ängsten zu stellen.

An keinen anderen Film 2017 habe ich höhere oder klarere Erwartungen gerichtet als an „Es“, nicht einmal an die nächste Episode von „Star Wars“. Und da war ich sicher nicht der einzige. Viele Menschen verbindet mit „Es“ nostalgische Erinnerungen an die TV-Verfilmung aus den 90er Jahren, mit Tim Curry in der Rolle des Clowns. Bei mir ist das eher nicht der Fall. Ich habe während des Studiums den Roman von Stephen King gelesen und mich in das Buch verliebt. Eine ähnlich intensive Leseerfahrung hatte ich bisher lediglich mit Tolkiens „Der Herr der Ringe“. Kings Werk ist vergleichbar umfangreich und nicht einfach nur ein Horror-Buch. Es ist eine Geschichte über Freundschaft und das Erwachsenwerden, welche auf einer komplexen und mysteriös abstrakten Mythologie beruht. Von daher drängt sich einem als Buchkenner eine Frage durchaus auf: Lässt sich dieser Stoff überhaupt perfekt verfilmen? Für mich lautet die Antwort: Nein, zumindest nicht in einem Spielfilm. Ich persönlich hätte ja eine Mini-Serie mit 8 bis 10 Folgen empfohlen, um die Komplexität der Vorlage einzufangen. Aber anscheinend hat niemand mit ausreichend Geld ähnlich gedacht, weswegen wir nun vorerst mit dem Kinofilm leben müssen. Die Frage lautet also: Lässt sich damit gut leben?

Ich möchte mit dem Lob beginnen und der geht zu großen und entscheidenden Teilen Richtung Cast. Hier haben die Verantwortlichen ein wirklich glückliches Händchen bewiesen, denn sämtliche Kinderdarsteller sind gut besetzt und liefern glaubwürdige Performances ab. Besonders hervorheben möchte ich jedoch zwei. Zum einen Jaeden Lieberher, der als Verlierer-Anführer Bill eine Art Hauptrolle ausfüllen muss. Zum anderen Sophia Lillis, deren Charakter Bev den meiner Meinung nach schwierigsten und unangenehmsten Hintergrund hat. Doch die junge Dame meistert ihre Aufgabe mit Bravour und setzt in ihrer Darstellung vielseitige Akzente. Hut ab dafür, ich wünsche ihr eine große Zukunft in Hollywood! Lillis und Lieberher bilden zusammen mit den anderen Kinderdarsteller das Herz des Films. Die Freundschaft der Gruppe wird in jeder Szene deutlich, egal, ob die Teenager schimpfend Schulgänge entlang schlurfen, mit ihren Fahrrädern durch Derry heizen oder das einzige Mädchen in ihrer Mitte anschmachten. Die Chemie ist wunderbar, die zwischenmenschliche Botschaft wird deutlich, und damit ist eine meiner wichtigsten Erwartungen erfüllt worden.

Eine weitere wichtige Säule des Films stellt Bill Skarsgård in der Rolle des Pennywise dar. Er musste in große Fußstapfen treten, bedenkt man die treue Fan-Anhängerschaft von Tim Curry. Doch auch Skarsgård hat geliefert. Sein Pennywise ist anders als der von Curry und den Sehgewohnheiten von 2017 angemessen. Mir hat seine Darstellung besonders in den Details gefallen, wenn er sich auf abartige, aber doch auch amüsante Art über die Ängste seiner Opfer lustig macht. Da ist es fast schade, dass Pennywise im Film relativ wenig Screentime hat, beziehungsweise kaum in Dialoge verwickelt ist. Dafür wird jedoch gut verständlich, dass Es nicht einfach nur ein Clown ist, sondern ein Wesen, welches – je nach Situation – verschiedenste Gestalten annehmen kann. Buchfans müssen sich aber trotzdem auf die ein oder andere Änderung gefasst machen, die für mich aber meistens in Ordnung gehen. Außer vielleicht am Ende. Der Showdown mit Pennywise sah in meinem Kopf einfach ein bisschen geiler und abstrakter aus, als es auf der Leinwand schließlich kam.

Weitere Probleme des Films liegen meiner Meinung nach in den Horrorszenen. Hier soll man mich nicht falsch verstehen, vieles ist Geschmackssache und die einzelnen Settings sind gut durchdacht, spannend und interessant – aber eben oft nicht wirklich gruselig. Das liegt meiner Meinung nach an der Inszenierung. Die Horrorszenen verlaufen häufig nach einem bestimmten Muster, welches in einer lauten Mischung aus Krach, Musik und Jumpscare endet. Das nutzt sich leider irgendwann ab und wird ein Stück weit vorhersehbar. Da hätte mir der Einsatz von subtilerem Horror mehr gefallen. Aber nun ja, auch wenn man Regisseur Andy Muschietti schon auf die Schultern klopfen kann, wird man doch feststellen, dass er beispielsweise kein Stanley Kubrick ist. Dennoch, ein paar Szenen sind trotz dieser Defizite überaus geglückt – an der Stelle lasse ich mal lediglich die Stichworte „Projektor“ und „Waschbecken“ fallen.

Fazit: „Es“ ist sicher nicht der beste Film des Jahres, aber einer der unterhaltsamsten. Er trägt sein Herz am rechten Fleck, was die Geschichte gut zusammenhält, selbst wenn man einiges an den Schock-Momenten kritisieren kann. Ich habe „Es“ sehr genossen und freue mich mittelfristig auf das Sequel in etwa zwei Jahren. Langfristig hoffe ich weiterhin auf eine Mini-Serie – vielleicht ja in 27 Jahren. Vorerst vergebe ich 8 von 10 Popcornguys.

Mother!

Titel: Mother!
Originaltitel: Mother!
Regie: Darren Aronofsky
Musik: Jóhann Jóhannsson
Darsteller: Jennifer Lawrence, Javier Bardem, Michelle Pfeiffer

Ein Schriftsteller mit Schreibblockade (Javier Bardem) und dessen bedeutend jüngere Ehefrau (Jennifer Lawrence) bewohnen ein abgeschiedenes Landhaus und führen dort ein zurückgezogenes Leben. Während er auf seine Inspiration wartet, versucht sie das Haus zu verschönern und steckt viel Mühe in die Renovierung. Eines Tages wird die Einsamkeit der beiden gestört: Es tauchen ein Fremder (Ed Harris) und kurze Zeit später dessen Frau auf, die vom Schriftsteller bereitwillig aufgenommen werden. Die junge Dame des Hauses ist von Anfang an skeptisch – und später erst recht, als ihr nach und nach die Kontrolle über die Situation verliert.

Bei vielen Filmen weiß man recht schnell, ob man sie mag oder nicht. Manchen jedoch tut es gut, mal eine Nacht drüber zu schlafen. Doch manchmal bringen selbst mehrere Nächte nichts, wenn es um die Frage geht, wie man einen Film denn nun finden soll. Darren Aronofskys neuester Film „Mother!“ ist einer dieser Fälle.

Aronofsky ist für sperrige und unkonventionelle Werke bekannt. „The Fountain“ habe ich noch nicht gesehen, aber dafür ist mir sein aufwühlender Psycho-Thriller „Black Swan“ noch gut in Erinnerung. „Noah“ ist eine recht eigenwillige Bibelverfilmung, aber lässt sich immerhin als ungewöhnlich bezeichnen. Insofern reiht sich „Mother!“ hier gut ein. Es braucht recht lange, bis man sozusagen im Film angekommen ist – auch wenn es einen die durch die Bank großartigen Schauspieler leichter machen. Jennifer Lawrence, die mir in anderen Filmen in ihren hysterischen Momenten schon gelegentlich too much war, liefert hier eine starke Performance an. Javier Bardem ist ohnehin ein darstellerischer Ungetüm und auch die kleineren Nebenrollen sind mit Ed Harris und Michelle Pfeiffer (die immer noch rassigen Catwoman-Charme versprüht) ideal besetzt.

Was lässt „Mother!“ also so schwierig und unzugänglich werden? Es ist die Geschichte an sich, die einem erst nach und nach klar macht, dass es hier keineswegs um einen realistischen Plot geht. Im Gegenteil. Wenn man dem Film mit dieser Erwartung begegnet, wird man relativ schnell zum Schluss kommen, dass das hier alles wenig Sinn macht und sich die Personen sehr seltsam, ja geradezu unmenschlich verhalten. Eine Zeit lang habe ich trotzdem probiert, den Film auf diese Art zu lesen. Ich dachte mir, dass es möglicherweise um die Schwierigkeiten von Beziehungen mit großen Altersunterschieden geht. Ich dachte mir, dass es auf Dominanz und Unterwerfung in der Liebe hinauslaufen könnte. Ich dachte mir, dass es um die Beziehung zwischen einer relativ normalen Person und einem Künstler gehen könnte. Aber letztendlich führen alle diese Versuche in die Leere. „Mother!“ gibt sich letztendlich komplett einer Welt aus Metaphern und Symbolen hin, die anders gelesen werden wollen. Am Ende sprach mich der Film auf einer geradezu existentiell-religiösen Ebene an – und war auf einmal ziemlich interessant. Die Themen, die aufgeworfen wurden, sind spannend und denkwürdig, Handlung und Charaktere für sich genommen eher nicht. Und das ist möglicherweise die Schwierigkeit, die ich mit „Mother!“ habe. Ich habe Lust, über die mit dem Film zusammenhängenden Themen zu diskutieren und für mich weiter zu philosophieren – aber Lust, den Film direkt nochmal anzusehen, habe ich nicht. Dafür hat er mich dann doch zu wenig gekickt.

Mit einer Bewertung habe ich meine Probleme, denn der Film arbeitet weiter. Ich tendiere zu 7 von 10 Popcornguys, könnte mir aber vorstellen, dass sich dieses Fazit verändern wird, sollte ich „Mother!“ noch einmal sehen. Fest steht: Der Film ist nichts für Leute, die einfach Horror oder Thriller erwarten. Es ist ein herausfordernder, komplexer, stark symbolischer Film, der etwas in einem auslöst – oder einen recht schnell extrem frustrieren, vielleicht sogar anekeln wird, denn gerade im letzten Viertel haben es die Szenen echt in sich.

Killers Bodyguard

Originaltitel: Hitman´s Bodyguard
Regisseur: Patrick Hughes
Musik: Atli Örvarsson
Darsteller: Ryan Reynolds. Samuel L. Jackson, Élodie Yung, Gary Oldman, Salma Hayek

Der ehemalige weissrussische Präsident Vladislav Dukhovich (Gary Oldman) steht wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen vor dem internationalen Gerichtshof. Um ihn zu verurteilen, ist die Aussage des höchst gefährlichen Auftragskillers Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) nötig, welcher unter Schutz einer Interpol-Einheit, angeführt von der Agentin Amelia Roussel (Élodie Yung), beinahe einem Anschlag zum Opfer fällt. Sie sieht nur einen Ausweg, Kincaid sicher zum Gericht zu bringen, und zieht den ehemaligen Nr. 1-Personenschützer Michael Bryce (Ryan Reynolds) hinzu. 

Das Skript zu „Hitmans Bodyguard“ wurde schon vor der Verfilmung gelobt, allerdings handelte es sich da noch eher um ein Drama. Innerhalb kurzer Zeit hat man daraus aber eine Buddy/Roadmovie/Actionkomödie gemacht, die zwar keine ausgetretene Pfade verlässt, sondern sich auf bekannte Formeln verlässt, aber dennoch eine jede Menge Spaß macht.

Der Regisseur Patrick Hughes, der bisher nur für eher zweifelhafte Meisterwerke wie „Expandebles 3“ verantwortlich ist, macht einen grundsoliden Job: Die Charaktere angenehm überzeichnet, das Tempo rasant, und die Action gut inszeniert, feiert „Killers Bodyguard“ jedes Klischee, das man in einer Actionkomödie nur unterbringen kann. Dabei schickt uns der Film durch harte Faustkämpfe, blutige Schießereien und wahnwitzige Verfolgungsjagden, lediglich unterbrochen von kleinlichen Streitereien zwischen den Hauptfiguren.

Dabei ist es die hervorragende Chemie zwischen Reynolds und Jackson, die ihre Hassliebe herrlich ausspielen, und ihre gemeinsame Vergangenheit mit Flashbacks gut ausstatten. So stürzen der korrekte Bodyguard und der spontane, wahnsinnige Auftragskiller von einer verrückten Situation in die nächste, stets hin- und hergerissen sich gegenseitig zu ermorden oder sich doch das Leben zu retten. Sicher könnte man hier Typecast vorwerfen, und ankreiden, dass die beiden nur ihre typischsten Rollen ausfüllen, aber die Harmonie stimmt.
Auch der restliche (groß besetzte) Cast liefert gut ab, wenn auch der ein oder andere Storystrang den Film etwas überfrachtet, und gerade der Showdown dann etwas zu viel für mich war. Nichtsdestotrotz sieht man den Darstellern einfach an, dass der Dreh viel Spaß gemacht haben muss – allein das ist für mich mittlerweile ein bedeutendes Qualitätsmerkmal.

Fazit: Over-the-Top Action, irre Verfolgungsjagden, Gewalt und jede Menge Flüche: Nichts neues, aber jede Menge Spaß! Wer Lust auf einen witzig-abgedrehten Abend hat: Ab ins Kino, Motherfuckers!

Planet der Affen: Survival

Titel: Planet der Affen: Survival
Originaltitel: War for the Planet of the Apes
Regie: Matt Reeves
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Andy Serkis, Woody Harrelson, Amiah Miller

Einige Jahre nach dem Ausbruch der sogenannten Affengrippe scheint eine Koexistenz zwischen Affen und Menschen unmöglich – erst recht nach dem brutalen Angriff des rachsüchtigen Koba (Toby Kebbell) auf die Überlebenden in San Franciso. Doch Koba ist tot und der Schimpanse Caesar (Andy Serkis) führt nach wie vor seine Gruppen Affen an. Inzwischen droht Gefahr von einer anderen Seite: Eine Militäreinheit namens „Alpha-Omega“ versucht, die Affen in den Wäldern aufzuspüren und zu töten. Angeführt werden die Militärs von einem fanatischen Colonel (Woody Harrelson), der in dem Konflikt eine schier religiöse Verpflichtung sieht. Caesar, bislang um Frieden und Toleranz bemüht, wird vor schwere Prüfungen und Entscheidungen gestellt.

Die aktuelle Blockbusterlandschaft ist von eher trostlosem Charakter – und ähnlich spritzig war der diesjährige Kinosommer. Doch hin und wieder gibt es Lichtblicke. Einer davon ist der dritte Teil der neuen „Planet der Affen“-Trilogie. Bereits die beiden vorherigen Filme habe ich sehr genossen und dementsprechend habe ich mich auf den Abschluss der Trilogie gefreut. Ich wurde nicht enttäuscht.

Zunächst muss das angesprochen werden, was von der ersten Sequenz an ins Auge sticht: Die Technik. Bereits die Vorgänger haben 2011 und 2014 für Aufsehen gesorgt. Doch 2017 übertrifft sich Weta Digital (die Effekt-Firma wurde vor allem durch die „Herr der Ringe“-Trilogie bekannt) nochmal selbst. Realistischer sahen die Affen, aufwendig durch Motion-Capture-Verfahren zum Leben erweckt, noch nie aus. Die Details – beispielsweise die Mimik oder das nasse Fell – haben mich stark verblüfft. Besser kann es eigentlich nicht werden, doch das dachte man 2011 und 2014 ja auch schon. Der optische Genuss wird durch eine gelungene Kameraführung und den wie immer guten Soundtrack von Michael Giacchino unterstützt. Die Musik vermittelt Größe, überzeugt aber vor allem in den persönlichen und emotionalen Szenen zwischen einzelnen Charakteren. Überhaupt ist der Film eher ruhiger und lässt sich Zeit, die Action wird wohl dosiert eingesetzt, dann aber durchaus knackig.

In Sachen Story könnten die Trailer auf eine falsche Fährte führen: Auf der einen Seite Affen, auf der anderen Menschen, alles spielt irgendwie im Wald – das kennt man doch schon. Doch das täuscht. Ich möchte aus Spoilergründen nicht zu viel verraten, doch die Handlung bietet einen Twist, welcher die gesamte Science-Fiction-Thematik der Filmreihe auf ein neues Level hebt. Eben jenen Twist fand ich derart interessant, dass ich aus der Richtung gerne noch mehr erfahren hätte. Womöglich hat man es sogar verpasst, am Ende des Films einen entsprechenden Wow-Effekt zu präsentieren. Aber nichtsdestotroz bin ich mit der Handlung zufrieden. Mindestens ebenso wichtig wie die Story sind die Charaktere im finalen Affen-Film. Egal ob Hauptfigur Caesar, der unverwüstliche Rocket (Terry Notary) oder Orang-Utan Maurice (Karin Konoval), die gute Seele der Trilogie – irgendwie hat man sie alle ins Herz geschlossen. Und obwohl es eigentlich nur animierte Affen sind, geht man als Zuschauer emotional mit und hofft, dass alle am Ende noch leben. Da es in erster Linie Caesars Reise ist, wird seinem Charakter natürlich besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Seine Situation ist derart schwer, dass er sich zwischen Toleranz oder Zorn entscheiden muss – aber mehr soll an dieser Stelle nicht gesagt werden.

Die Probleme des Films sind eher kleinerer Natur und auch eine Frage des Geschmacks. Beispielsweise gibt es einen Charakter namens Böser Affe (Steve Zahn), der in seiner schusseligen Art die zugegeben recht depressive Stimmung auflockern soll. Manchmal funktioniert das auch – manchmal aber auch gar nicht. Das sind dann so Momente, die zumindest mich etwas aus dem Film reißen. Hinzu kommen ein paar kleinere Längen im Mittelteil, aber im Grunde ist das nichts, was man dem Film mächtig ankreiden könnte.

Fazit: Alles in allem hat uns Regisseur Matt Reeves wieder einen guten Blockbuster geliefert – und darüber hinaus die Trilogie absolut zufriedenstellend abgeschlossen. Besonders oft passiert das Filmreihen ja nicht. Zwar lässt man sich auch hier ein paar gar nicht mal so uninteressante Hintertürchen offen, aber in erster Linie ist es doch die Geschichte Caesars, die hier zum Abschluss kommt. Ich verteile starke 8 von 10 Popcornguys und empfehle den Gang ins Kino – falls der Film bei euch noch läuft.

Atomic Blonde

Titel: Atomic Blonde
Regisseur: David Leitch
Musik: Tyler Bates
Dasteller: Charlize Theron, James McAvoy, John Goodman

Berlin 1989. Kurz vor dem Fall der Mauer spitzt sich die Situation in der geteilten Stadt immer mehr zu. Während die Öffentlichkeit ihre Aufmerksamkeit auf die Proteste in Ostberlin richtet, kämpfen die verschiedenen Geheimdienste um wertvolle Informationen auf beiden Seiten der Mauer. Als ein MI6-Agent erschossen wird und eine wertvolle Liste mit ihm verschwindet, wird die Agentin Lorraine Broughton (Charlize Theron) angesetzt, um gemeinsam mit ihrem exzentrischen Kollegen David Percival (James McAvoy) die gestohlenen Informationen wieder zu beschaffen, bevor sie größeren Schaden anrichten können.

David Leitch, der in der Vergangenheit hauptsächlich als Stuntman vor der Kamera stand, versucht sich nun seit einigen Jahren im Regiestuhl. Mit seiner Mitarbeit an JohnWick und als Second-Unit-Director für diverse Blockbuster hat er sich schon einen Namen gemacht, sodass er den Teaser für Deadpool 2, und schließlich auch den ganzen Film inszenieren durfte. Vorher nahm er sich jedoch noch der Verfilmung einer Graphic Novel an: The Coldest City bzw. Atomic Blonde.

Seine Erfahrungen in Sachen Stunt und Action kommen ihm hierbei nur allzu gelegen, denn diese ist – das kann man ohne Zögern sagen – wirklich gut gestaltet, und gipfelt in einer knallharten Actionsequenz, die mich nicht nur an „The Raid“ erinnerte, sondern in ihrer Härte und Offenheit zu einem direkten Vergleich herangezogen werden kann.

Ein ebenso gutes Händchen beweisen die Macher bei Atmosphäre und Kamerastil. Immer wieder lässt sich der Film ein wenig Zeit, Momente gekonnt einzufangen und mit dem richtigen 80er-Song zu untermalen. Auch wenn das alles etwas gar hochpoliert wirkt, und mehr wie eine 80er-Hommage als das tatsächliche Berlin der 1980er Jahre wirkt, versprüht der Film dennoch einen gewissen Charme.

Nicht nur Charzlize Theron glänzt als knallharte, attraktive Agentin auf ganzer Linie. Auch der restliche Cast (u.a. Toby Jones, Bill Skarsgard, Sofia Boutella, Eddie Marsan, Til Schweiger (!!!)) überzeugt voll und gibt uns mehr oder weniger interessante Charaktere an die Hand, über deren zusammenwirken wir uns immer wieder den Kopf zerbrechen. Hier offenbart sich die Schwäche des Films: Agententhriller sind selten einfach gestrickt, doch zwischen allen von Misstrauen geprägten Gesprächen zwischen den Figuren, ihren Beweggründen und überraschenden Wendungen verliert man irgendwann schlicht den Überblick. So ganz wollte sich die komplizierte Geschichte uns nicht erschließen. Grob konnten wir uns allerdings schon gut damit anfreunden, und die anderen Reize des Films konnten gut darüber hinweg trösten.

Fazit: Atomic Blonde ist ein guter, unterhaltsamer Agententhriller mit einigen ikonischen Bildern, perfekt inszenierter Aktion und mitreißendem Soundtrack. Auch wenn er nicht in die Geschichte eingehen wird, unterhält er auf beste Weise – klare Empfehlung mit 7 von 10 Popcornguys!