Shape of Water – Das Flüstern des Wassers

Titel: Shape of Water – Das Flüstern des Wassers
Originaltitel: The Shape of Water
Regie: Guillermo del Toro
Drehbuch: Guillermo del Toro, Vanessa Taylor
Musik: Alexandre Desplat
Darsteller: Sally Hawkins, Michael Shannon, Richard Jenkins

USA, Anfang der 60er Jahre. Die stumme Putzfrau Elisa Esposito (Sally Hawkins) arbeitet nachts in einem geheimen Labor der US-Regierung. Ihr Alltag ist nicht gerade spannend und verläuft recht routiniert. Elisas einzige Freunde sind im Grunde ihr schwuler, intellektueller Nachbar (Richard Jenkins) und ihre schwarze, energisch auftretende Arbeitskollegin (Octavia Spencer). Doch eines Tages wird ein eigenartiges, amphibisches Wesen aus dem Amazonas ins Labor gebracht. Während die Forscher es untersuchen, entwickelt Elisa Gefühle für das Geschöpf. Sie möchte es befreien, doch dabei gibt es ein gewaltiges Problem: Der böse Sicherheitschef Richard Strickland (Michael Shannon).

Eigentlich hatte ich ja nicht vor, noch etwas zu „Shape of Water“ zu schreiben. Ich habe den Film gesehen, fand ihn grundsätzlich ganz nett, habe aber den Hype darum nicht so ganz verstanden. Das Thema war für mich mehr oder weniger abgehakt. Aber nun, da „Shape of Water“ den Oscar für den besten Film gewonnen hat, fühle ich mich doch irgendwie dazu genötigt, ein paar Worte darüber zu verlieren.

Zunächst mal das Positive. „Shape of Water“ sieht schlichtweg fantastisch aus. Das gesamte Set zeugt von großer Detailverliebtheit und die Bilder verführen in angenehmen, warmen Farbtönen. Gekrönt wird das Ganze vom Amphibienmenschen selbst, dem der Schauspieler Doug Jones zusammen mit offensichtlich sehr begabten Computerkünstlern Leben eingehaucht hat. Das Wesen ist absolut faszinierend und ich musste eine Weile überlegen, wann ich das letzte Mal eine vergleichbar perfekte CGI-Arbeit gesehen habe. Das dürften dann wohl Andy Serkis‘ Affen gewesen sein. Neben dem Look, den es ja ohne Zweifel zu loben gilt, war der Film hier und dort unerwartet brutal. Auch abseits der Gewalt gibt es einige überraschende Einfälle und Entscheidungen, die den einen Zuschauer amüsieren, den anderen ein wenig herausfordern dürften. Mir hat das gefallen. Ebenfalls überzeugend waren sämtliche Darsteller und der traumhaft schöne Soundtrack von Alexandre Desplat hat zurecht den Oscar gewonnen.

Doch leider lassen sich auch mehr oder weniger fette Haare in der Suppe finden.

Zunächst empfand ich einige inszenatorische Lösungen fragwürdig oder misslungen. Darunter fällt unglücklicherweise auch die erste echte Präsentation des Amphibienmenschen. Das Fehlen von prägnanter Musik, interessanter Kameraarbeit oder irgendeines Spannungsaufbaus lassen den Moment leider sehr „underwhelming“ wirken. Hier verschenkt man viel Potential. Weitere Probleme finden sich im Drehbuch. Über weite Strecken bleibt „Shape of Water“ recht vorhersehbar. Gelangweilt war ich zwar nie, man konnte schon am Ball bleiben, doch hier und dort war das Ganze doch etwas träge. Das hängt auch beispielsweise mit letztendlich unnötigen Seitenplots zusammen – ich denke hierbei an den Charakter von Richard Jenkins und die sowjetischen Agenten. Die Zeit, die hier verloren geht, hätte man besser in die Beziehung zwischen Elisa und dem Amphibienmenschen investiert. Den hier liegt das möglicherweise größte Problem von „Shape of Water“: Es wird einem zwar gesagt, dass sich die beiden ineinander verlieben, aber man sieht oder spührt es nicht wirklich. Zumindest ich habe dem Film die Liebesgeschichte nicht wirklich abkaufen können.

Zuletzt möchte ich noch die Ideologie von „Shape of Water“ ansprechen, die sich hier doch recht plakativ aufdrängt. Eine stumme Latina, eine Schwarze, ein intellektueller Homosexueller und ein Wissenschaftler verbrüdern sich, um ein wegen seiner Andersartigkeit unterdrücktes Wesen aus den Fängen eines bösen, weißen, rassistischen und sexistischen Mannes zu befreien, der sich nach dem Pinkeln nicht mal die Hände wäscht. Es mag sein, dass es auf dem Papier gut klingen kann, wenn man einen Film über Minderheiten macht, die über eine Art Trump-Figur triumphieren. Das mag sogar löblich sein. Aber in „Shape of Water“ kommt dieses Anliegen doch arg plump und durchschaubar daher. Der gute Cast gibt sich zwar Mühe, der Schwarz-Weiß-Malerei entgegen zu wirken, aber selbst ein Michael Shannon kann es nur knapp verhindern, durch die in seinem Fall angehäufte Schlechtigkeit zur Witzfigur zu werden. Gerade dann, wenn man noch den wundervollen „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ im Kopf hat, in welchem Gut und Böse toll gegeneinander ausbalanciert werden, wirkt „Shape of Water“ schon arg moralisierend. Die Tatsache, dass es sich um ein Fantasy-Märchen handelt, lässt den Film noch einigermaßen gut davon kommen. Aber ein Gschmäckle bleibt.

„Shape of Water“ ist im besten Sinne des Wortes okay und nett, aber meiner Meinung nach weit davon entfernt, als bester Film des Jahres bezeichnet werden zu können. Eine Überschneidung zwischen meinem Geschmack und der Academy-Entscheidung gab es zum letzten Mal 2015, als „Birdman“ gewann. Guillermo del Toros Film erhält von mir solide 7 von 10 Popcornguys.

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2 Kommentare zu “Shape of Water – Das Flüstern des Wassers

  1. Pingback: Kritik: Shape of Water – Filmexe – Blog über Filme und Serien

  2. Pingback: Shape of Water – Das Flüstern des Wassers | Review | DerStigler

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