Suicide Squad

Titel: Suicide Squad
Originaltitel: Suicide Squad
Regie: David Ayer
Musik: Steven Price
Darsteller: Will Smith, Margot Robbie, Joel Kinnaman

Nach dem Aufeinandertreffen von Batman und Superman stellen sich die Regierenden eine Frage: Was, wenn der nächste Besucher aus dem All weniger freundlich gesonnen ist? Für diesen Fall stellt Amanda Waller (Viola Davis) eine Truppe aus Kriminellen zusammen, die sogenannte Suicide Squad. Das Team, zu welchem unter anderem Auftragskiller Deadshot (Will Smith) und Joker-Gespielin Harley Quinn (Margot Robbie) zählen, wird von Colonel Rick Flag (Joel Kinnaman) angeführt, doch die Kooperation stellt sich als schwierig heraus. Bald bekommt es die Squad tatsächlich mit einer übernatürlichen Bedrohung zu tun und wird mitten in das Krisengebiet hinein geschickt.

Nach „Man Of Steel“ und „Batman v Superman“ ist „Suicide Squad“ nun der dritte Film aus DCs Cinematic Universe. Die bisherigen Reaktionen auf jenes Film-Universum sind von schlechten Kritiken und einer gespaltenen Fangemeinde geprägt. Die Befürworter sollte ich an dieser Stelle wohl warnen: Obwohl ich im folgenden Text auch ein paar positive Punkte hervorheben möchte, ist es doch überwiegend Negatives, was mir aufgefallen ist.

Zunächst zur Story, die nicht nur reichlich dünn, sondern bei genauerer Betrachtung auch reichlich dumm ist. Ich möchte betonen, dass es mich keineswegs stört, wenn ein Film, der in erster Linie unterhalten möchte, einen geradlinigen und wenig komplexen Plot hat. Problematisch ist auch nicht das ausbleibende Eingreifen von Batman und den anderen Helden, die bei einer Bedrohung dieser Größenordnung eigentlich auf der Matte stehen müssten. Solche kleineren Logikfehler – wenn man sie denn so nennen möchte – sind in einem Film-Universum aus Comichelden zu verschmerzen. Wirklich störend ist dagegen, dass die komplette Mission der Suicide Squad von Anfang an keinen Sinn macht. Die Truppe wird ins Leben gerufen, um sich notfalls einer übernatürlichen Bedrohung aus dem All zu stellen. Gut, innerhalb der Squad kann einer gut schießen, ein anderer ist ein guter Schwimmer und eine andere kann gut mit dem Baseballschläger zuhauen. Aber das soll reichen, um einen Gegner à la General Zod in Schach zu halten? Wer sich an die Zerstörungsorgie aus „Man Of Steel“ erinnert, wird schnell merken, wie schwach dieser Plan eigentlich ist.

Möglicherweise gelingt es dem Zuschauer ja, den angesprochenen Denkfehler auszublenden. Da der Film anfangs auch sehr flott ist, sind Ablenkungsmöglichkeiten gegeben. Beinahe sämtliche Charaktere werden in den ersten Minuten mit Hilfe von Flashbacks und mehr oder weniger passenden Pop- und Rocksongs vorgestellt. Ich muss zugeben, dass ich mich hier stellenweise unterhalten gefühlt habe. Doch das Einspielen der Songs will einfach nicht aufhören und einem vernünftigen Storytelling Platz machen. Stattdessen fühlt sich der Anfang von „Suicide Squad“ irgendwann nach einem gigantischem Trailer oder einem Musikvideo an. Dass sich Warner hierbei an „Guardians Of The Galaxy“ oder „Deadpool“ orientieren wollte, liegt meiner Meinung nach auf der Hand. Die Charaktere werden vorgestellt, manche machen sogar einen interessanten Eindruck, aber der Zuschauer hat keinerlei Möglichkeit, zu einem der potentiellen Protagonisten eine emotionale Bindung aufzubauen und mitzugehen. Stattdessen rast „Suicide Squad“ dahin, die ersten einigermaßen brauchbaren Dialoge gibt es in der Mitte des Films, als sich die Truppe in einer Bar betrinkt. Doch spätestens ab hier macht sich ein weiterer Schwachpunkt der Story bemerkbar, nämlich die schwache Antagonistin. Cara Delevigne alias Enchantress kann anfangs noch durch ein schickes Kostümdesign überzeugen, entpuppt sich dann jedoch als schlechte Schauspielerin, deren Figur im Showdown zum obligatorischen CGI-Bashing greift: Hirnlose Drohnen aus dem Computer stellen sich unseren Helden, ein gigantischer blauer Laser wird in den Himmel geschossen und eine Art Maschine, deren genaue Funktion für mich überhaupt nicht greifbar ist, stellt die große Bedrohung dar. Ich kann mir nicht helfen, aber Schlachten wie diese üben auf mich absolut keinen Reiz mehr aus. Und so bricht die Handlung von „Suicide Squad“ Stück für Stück zusammen und ich verliere das Interesse.

Ein wenig besser sieht es bei den Charakteren aus, wobei diese innerhalb einer miserablen Handlung natürlich auch verloren gehen. Die Figuren sind zahlreich, was alleine ja kein Problem wäre. Problematisch ist es allerdings, wenn man zu viele Charaktere mit einer halbherzig inszenierten Hintergrundgeschichte ausstatten möchte. Man weiß von jedem ein bisschen was, aber von niemandem wirklich viel, was – wie bereits gesagt – eine emotionale Verknüpfung mit einem Protagonisten schwer macht. Killer Croc und Captain Boomerang funktionieren als nette Nebenfiguren, weil wir hier mit einer rührseligen Geschichte verschont bleiben. Eine solche hätte man sich meiner Meinung nach bei Diablo auch sparen können, denn der Fokus sollte auf anderen Figuren liegen. Katana war überflüssig, Joel Kinnaman als Rick Flag hat seine Sache ordentlich gemacht. Harley Quinn wurde mit Margot Robbie in mehrerer Hinsicht wundervoll besetzt, doch wirklich viel zu tun hat sie in diesem Film nicht. Die positivste Überraschung ist allerdings Will Smith, dessen Beteiligung ich anfangs recht skeptisch gegenüber stand. Doch er holt als Deadshot das Beste aus dem miesen Drehbuch heraus und ist dank der Beziehung zu seiner Tochter noch am ehesten das, was man mit viel Wohlwollen als emotionalen Anker bezeichnen könnte.

Eine Figur darf man natürlich nicht vergessen: Jared Letos Joker. Als das erste Bild von ihm veröffentlicht wurde, hielt ich es für einen schlechten Scherz. Nackter Oberkörper, Tattoos und ein goldener Grill im Gebiss – das soll der Clownprinz des Verbrechens sein? Meine Haltung war ablehnend, das gebe ich gerne zu. Doch ich wollte mich darauf einlassen. Nun kann ich sagen, dass Letos Joker – eine Mischung aus Gangster, Clubbesitzer und Zuhälter – zwar immer noch gewöhnungsbedürftig ist, er aber doch mein Interesse geweckt hat. Ein Vergleich mit Nicholson oder Ledger ist meiner Meinung nach zum jetzigen Zeitpunkt unfair, denn diese beiden Schauspieler hatten in ihren Rollen die Gelegenheit, einen ganzen Film zu tragen. Leto kommt in „Suicide Squad“ dagegen kaum vor, weswegen man das Marketing als clever, aber irreführend bezeichnen kann. Jedenfalls würde ich es gut finden, wenn Leto nochmals in die Rolle schlüpfen darf und in einem anderen Film die im Grunde höchst interessante Beziehung zu Harley Quinn ausgiebig beleuchtet wird.

Handwerklich gibt es im Film kaum Auffälliges. Die Kameraführung ist größtenteils uninspiriert, der Schnitt meistens zu schnell, der Soundtrack zwischen den ganzen Songs nicht der Rede wert. Die Kostümierung der meisten Charaktere erinnert mich persönlich an Gäste einer Bad-Taste-Party, die im Anschluss ans Saufgelage dem örtlichen Tattooshop einen Besuch abgestattet haben – aber das ist eine Geschmacksfrage. Apropos Geschmack: Gelacht habe ich selten und auch bei den anderen im Kinosaal zündete lange nicht jeder Gag, allerdings ist Humor ein Thema für sich.

Fazit: Irgendwo im Kern von „Suicide Squad“ schlummert eine interessante Geschichte, doch der Film gibt sich wirklich Mühe, das gut zu verstecken. Die Story ist mehr als fragwürdig, die Gegenspielerin schwach, die Schauspieler stellenweise bemüht und charismatisch, aber letztendlich doch machtlos. Überdeutlich schwingt zwischen den Zeilen die Verzweiflung des Studios mit und ich als Zuschauer fühle mich langsam aber sicher frustriert. Es ist schwierig, sich auf die Zukunft des DC-Filmuniversums zu freuen oder darüber zu spekulieren, wie es wohl weitergeht. Was „Suicide Squad“ angeht, kann ich – aufgrund meines Wohlwollens und ein paar positiver Aspekte – 5 von 10 Popcornguys springen lassen.

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Ein Kommentar zu “Suicide Squad

  1. „Irgendwo im Kern von „Suicide Squad“ schlummert eine interessante Geschichte, doch der Film gibt sich wirklich Mühe, das gut zu verstecken.“ – Besser kann man den Film nicht zusammenfassen. Mir geht es mit Letos Joker genauso. Es ist ein völlig neuer Joker und hat diese mittelprächtig bis schlechte Presse im Grunde nicht verdient. Er hatte nicht genügend Zeit zu zeigen, was er für ein Joker ist. Ich fand ihn viel interessanter als Enchantress und hätte auch einen guten „Endgegner“ abgegeben.

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