Ghostbusters

Titel: Ghostbusters
Originaltitel: Ghostbusters
Regie: Paul Feig
Musik: Theodore Shapiro
Darsteller: Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Kate McKinnon, Leslie Jones

New York: Es häufen sich übernatürliche Erscheinungen von Geistern, die von den meisten Bewohnern der Stadt jedoch nicht ernst genommen werden. Drei in Ungnade gefallene Wissenschaftlerinnen (Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Kate McKinnon) tun sich mit einer U-Bahn-Arbeiterin (Leslie Jones) zusammen, um den paranormalen Phänomenen auf den Grund zu gehen. Fragliche Unterstützung bekommen sie dabei von ihrer attraktiven, aber geistig minderbemittelten männlichen Sekretärin Kevin (Chris Hemsworth). Das als Ghostbusters bekannt werdende Team bekommt bald den Verdacht, dass hinter all den Geister-Erscheinungen ein Mastermind stecken könnte.

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich bin kein großer „Ghostbusters“-Fan. Dafür habe ich die Filme etwa 10 Jahre zu spät gesehen. Ohne eine große emotionale Bindung kann ich aber trotzdem sagen, dass es sich beim ersten Teil um einen komischen und schrulligen Film handelt, dessen Kultpotential ich erkenne und würdige. Die Fortsetzung dagegen halte ich für nicht sonderlich gelungen. Vermutlich ist „Ghostbusters“ so ein Film, der nur zu einer ganz bestimmten Zeit, unter einer ganz bestimmten Regie und mit ganz bestimmten Schauspielern gut werden konnte. Jedenfalls sehe ich mich aufgrund meiner fehlenden emotionalen Bindung zum Franchise in der Lage, relativ neutral an das Remake herangehen zu können. Wobei das mit der Neutralität in diesem Fall so eine Sache ist.

Erstmal zum Positiven: Die Charaktere sind nicht so furchtbar, wie es der Trailer vermuten ließ. Melissa McCarthy, normalerweise penetrant und laut, spielt hier angenehm dezent. Kristen Wiig als biedere Physikerin mit Stock im Arsch ist zumindest am Anfang sympathisch – bis ihre Libido zu mehreren peinlichen Momenten führt. Kate McKinnon ist in ihrer Rolle zwar hoffnungslos überzeichnet, sticht aber womöglich gerade deswegen heraus und ist gelegentlich fast schon cool. Und Leslie Jones kommt überraschend geerdet daher und nervt lediglich dann, wenn sie brüllt. Alles in allem scheinen es doch Frauen mit komödiantischem Potential zu sein. Dass eben jenes nicht ausgeschöpft oder in sinnvolle Wege geleitet wird, hat ja eher mit Regie und Drehbuch zu tun.

Positiv ist außerdem der Umstand, dass einen die Story – so flach und abgekupfert sie auch sein mag – nie komplett verliert. Die Facepalm-Momente halten sich in Grenzen und so mochte sich bei mir das Gefühl von Hass nie so recht einstellen. Eventuell mögen das Fans der alten Filme aber anders sehen. Apropos alte Filme: Die noch lebenden Ghostbusters aus dem Original haben allesamt kleine Cameo-Auftritte. Gut, insbesondere Bill Murray wirkt so, als hätte er auf das Ganze überhaupt keinen Bock. Aber dennoch stellen die Auftritte der alten Garde kleine Highlights dar, weil sie an einen besseren Film erinnern. Jedoch sollte man sich darauf gefasst machen, dass die früheren Rollen nicht aufgegriffen werden – Murray & Co. spielen gänzlich andere Charaktere.

Mehr positive Aspekte des Films mögen mir ab nun nicht mehr einfallen. Mein größter Kritikpunkt – und vielleicht der einzig wichtige – ist folgender: „Ghostbusters“ funktioniert für mich nicht als Komödie. Die eine Hälfte der Gags dreht sich um Fürze, Pisse oder Kacke, während die andere Hälfte gewzungen, angestrengt und schlecht improvisiert wirkt. Subtilität und Ironie sind nicht zu finden. Selten konnte ich schmunzeln, kein einziges Mal konnte ich Lachen. Im Grunde könnte ich mit dem Schreiben an der Stelle aufhören, weil man auch nicht mehr wissen muss, wenn man den Film bewerten will. Aber auf ein paar Details möchte ich trotzdem noch eingehen.

Zunächst möchte ich ein paar Worte zu Chris Hemsworth verlieren. Sein grenzdebiler Charakter bewegt sich scharf an der Grenze zur geistigen Behinderung. Klar, man kann das lustig finden und in seiner Darstellung womöglich eine amüsante Überspitzung seines ja auch nicht besonders hellen Thor-Charakters sehen. Aber mir persönlich ist eine Figur, die mehrere Male probiert, ein Telefon hinter einem Aquariumsglas zu berühren, einfach too much. Das wäre übrigens auch mit einer Frau nicht komisch gewesen. Und da wären wir auch schon bei jenem brisanten Thema, welches das Vorfeld von „Ghostbusters“ von Anfang an bestimmt hat: Frauenfeindlichkeit.

Was gab es da nicht alles für Diskussionen! Können Frauen denn wirklich Ghostbusters sein? Beziehungsweise: Können Frauen denn überhaupt witzig sein? Ja, manche Menschen haben sich tatsächlich diese Fragen gestellt. Aber besonders viele waren es nicht. Interessant ist hierbei folgender Fakt: Sony hat unter seinem Trailer jene Youtube-Kommentare entfernt, in denen – zu Recht – festgestellt wurde, dass der Trailer einfach nicht lustig ist. Stehen geblieben sind lediglich die frauenfeindlichen Kommentare. Sony hat damit Kritikern eine perfide Falle gestellt: Wenn du „Ghostbusters“ nicht lustig findest, bist du automatisch frauenfeindlich. Ich möchte dagegen halten, dass es absolut in Ordnung ist, diesen Film durchschnittlich, schlecht oder gar scheiße zu finden, denn das Problem liegt nicht bei den Darstellerinnen oder den weiblichen Charakteren. Er ist schlichtweg nicht komisch.

Es ist außerdem auffallend, mit was für einer trotzigen Haltung „Ghostbusters“ zwischen den Zeilen daher kommt. So haben die Wissenschaftlerinnen im Film mit kritischen Youtube-Kommentaren unter ihren eigenen Videos zu kämpfen, während es sich bei ihrem männlichen Gegenspieler mehr oder weniger um einen eigenbrötlerischen Nerd handelt. Viel offensichtlicher kann man nicht gegen das ohnehin schon verärgerte Kernpublikum treten – und ob das sonderlich klug und diplomatisch ist, wage ich zu bezweifeln. Letztendlich würde ich bei „Ghostbusters“ auch von einer Art umgedrehten Sexismus sprechen: Nahezu jede männliche Rolle ist entweder böse oder dämlich. Dass daneben die weiblichen Rollen automatisch besser aussehen, liegt auf der Hand. Ob der Film damit dem Feminismus einen wertvollen Dienst erweist, sei mal dahin gestellt. „Ghostbusters“ kann meiner Meinung nach nicht mit starken Frauenrollen auffahren. Er hat lediglich bewiesen, dass auch Frauen problemlos die Protagonisten in schlechten Komödien sein können und dafür keine Männer brauchen.

Fazit: „Ghostbusters“ ist für mich nicht wirklich hassenswert, dafür aber überhaupt nicht komisch, total unnötig und absolut belanglos. Ich kann euch nur raten, euer Geld anders zu investieren und um diesen Film einen Bogen zu machen. Anders lässt sich die Filmlandschaft ja nur schwer mitgestalten. Es gibt knappe 5 von 10 Popcornguys.

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Ein Kommentar zu “Ghostbusters

  1. Pingback: Ghostbusters (2016) – Extended Cut | FilmkritikenOD

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