The Lobster – Eine unkonventionelle Liebesgeschichte

Titel: The Lobster – Eine unkonventionelle Liebesgeschichte
Originaltitel: The Lobster
Regie: Yorgos Lanthimos
Musik: Amy Ashworth
Darsteller: Colin Farrell, Rachel Weisz, Léa Seydoux

David (Colin Farrell) wurde von seiner Frau wegen einem anderen Mann verlassen. In der Stadt dürfen sich nur registrierte Ehepaare mit einem gültigen Zertifikat aufhalten. Als Single wird David in ein Hotel gebracht, wo sich weitere Alleinstehende aufhalten. In dieser Einrichtung hat man 45 Tage Zeit, um einen Partner zu finden. Bleibt man Single, wird man in ein Tier verwandelt. David gibt an, dass er im Fall eines Misserfolgs ein Hummer werden möchte. Im Hotel gibt es strenge Regeln und strikte Abläufe. Propaganda-Vorträge wechseln sich mit vorgeschriebenen Tanzabenden. Masturbation auf den Zimmern ist verboten, wohingegen sexuelle Stimulation durch das Zimmermädchen vorgeschrieben ist. Eine besondere Bedeutung hat die Jagd auf unregistrierte Singles, die sich in den Wäldern aufhalten. Wenn ein Hotelgast einen Alleinstehenden mit Hilfe eines Betäubungspfeils fängt, kann er damit die Frist, binnen welcher er einen Partner finden muss, verlängern. David fügt sich in die Abläufe des Hotels ein und hält unter den weiblichen Gästen Ausschau nach einer möglichen Partnerin.

Diese europäische Produktion aus dem Jahre 2015 hatte keinen deutschen Kinostart. Wegen dem skurrilen, aber interessant wirkenden Trailer, sowie den positiven Kritiken wurde ich aber doch neugierig und legte mir kürzlich die DVD zu. Ich wurde nicht enttäuscht: „The Lobster“ ist einer der gestörtesten, seltsamsten und lustigsten Filme der letzten Zeit.

Der Cast ist bis in die kleinsten Rollen wunderbar gewählt. Colin Farrell führt einen als etwas bedröppelt wirkender Protagonist gut durch die Handlung. Ihm zur Seite stehen unter anderem John C. Reilly und Ben Whishaw, zwei weiter Hotelgäste, die mit unterschiedlichen Handicaps belastet sind – der eine lispelt, der andere humpelt. Auch für Schauspielerinnen wie Rachel Weisz oder Léa Seydoux bietet der Film Charaktere mit Ecken und Kanten. Letztere hinterlässt als gefährlich-kühle Anführerin der im Wald lebenden Singles sicher nicht nur bei mir Eindruck. Überhaupt fällt auf, dass viele Figuren in „The Lobster“ zunächst über einen einzigen prägnanten Charakterzug eingeführt werden: Von der herzlosen Frau, über die Biscuit-liebenden Frau, bis hin zur Frau, die ständig Nasenbluten hat. Als Zuschauer wachsen einem diese seltsamen Gestalten überraschend schnell ans Herz. Man möchte wissen, was es mit ihnen auf sich hat, wie sie zueinander stehen und ob sich zwischen ihnen Beziehungen entwickeln können.

Auch handwerklich bietet „The Lobster“ keinerlei Angriffsfläche. Die Kamerarbeit ist spannend und der Soundtrack trägt viel zur verstörenden Atmosphäre des Films bei. Im Drehbuch liegt aber die wahre Stärke des Films. Die auf den ersten Blick gestört wirkende Idee, dass Singles zur Strafe in Tiere verwandelt werden, ist bei näherer Betrachtung absolut genial. „The Lobster“ entwickelt einen wunderbar schwarzen Humor, wirft zwischen den Zeilen einen satirischen Blick auf die Gesellschaft und regt zum Philosophieren über die Liebe ein. Einen einzigen Kritikpunkt kann ich im Blick auf die zweite Filmhälfte anbringen. Zu diesem Zeitpunkt ist das Hotel mit all seinen Eigenheiten vorgestellt und der Film macht in seiner Handlung eine gewisse Wende. Es wird ein wenig träger und nicht mehr ganz so kreativ, doch das Ende an sich rundet „The Lobster“ schön ab.

Dass dieser Film keinen deutschen Kinostart hatte, ist in gewisser Weise ein Armutszeugnis. Auch die Tatsache, dass es hierzulande keine Bluray-, sondern lediglich eine DVD-Auswertung gab, spricht Bände. Sicherlich ist „The Lobster“ kein Film für jedermann – aber bestimmt ist er eine Bereicherung für jeden, der einen unkonventionellen Film abseits des Mainstream zu schätzen weiß. Von mir gibt es starke 8 von 10 Popcornguys!

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Ein Kommentar zu “The Lobster – Eine unkonventionelle Liebesgeschichte

  1. Also ich konnte mit dem Film ja so gar nichts anfangen. Ich bin Arthouse-Kino nicht unbedingt abgeneigt, aber man merkt halt auch, warum der Film keinen Kinostart/Verleiher bekommen hat. Man wartet immer auf eine große Auflösung, die dann nie kommt. Von der Idee her ist der Film wirklich super, aber bei mir hat es – um mal in der Thematik des Films zu bleiben – nicht gefunkt.

    Schleichwerbung: https://filmkompass.wordpress.com/2016/07/04/the-lobster-o-2015/

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