The Witch

Titel: The Witch
Originaltitel: The Witch
Regie: Robert Eggers
Musik: Mark Korven
Darsteller: Anya Taylor-Joy, Ralph Ineson, Kate Dickie

Neuengland im 17. Jahrhundert: Der strenggläubige William (Ralph Ineson) verlässt mit seiner schwangeren Frau und seinen vier Kindern die Siedlung, da ihm die Menschen dort nicht christlich genug leben. Die Familie baut in der Wildnis einen Hof auf und möchte das Land zähmen bewirtschaften. Katherine (Kate Dickie) bringt schließlich einen weiteren Sohn auf die Welt. Einige Zeit später passt die älteste Tochter Thomasin (Anya Taylor-Joy) auf das Baby auf, doch plötzlich und unerklärlich verschwindet das Kind im Wald. Die trauernde Familie geht zunächst von einem Wolfsangriff aus. Doch dann sprechen die jüngsten Kinder Williams einen anderen Verdacht aus, der immer mehr Fuß fassen kann: Eine Hexe hat das Baby gestohlen.

Es gibt kaum eine Begebenheit in der Geschichte, die interessanter und erschreckender ist als die der Hexenverfolgung. Zu keinem anderen Zeitpunkt vermischten sich Aberglaube, religiöser Fanatismus, Angst, Machtinteresse und Denunziation zu einem tödlicheren Cocktail. Die düstere Faszination für das Thema hält bis heute an. So werden Hexen auch immer wieder Gegenstand in Film und Fernsehen, allerdings häufig auf einer sehr oberflächlichen und plumpen Ebene. Der Trailer zu „The Witch“ versprach mir eine andere Herangehensweise – und ich wurde nicht enttäuscht.

Allerdings muss ich auch eine Warnung aussprechen: „The Witch“ ist alles andere als ein normaler Horrorfilm. Für gewöhnlich arbeitet das Genre ja mit billigen, aber effektiven Jump-Scares und Protagonisten, die mit einer übernatürlichen Macht konfrontiert werden, sich aufgrund ihrer Normalität aber so verhalten, wie es der Zuschauer auch tun würde. All das ist bei „The Witch“ nicht der Fall. Wer mit den falschen Erwartungen hinein geht, wird schnell enttäuscht werden. So lautete das Fazit meine Sitznachbarn: „Das war der beschissenste Horrofilm, den ich je gesehen habe.“

Man kann „The Witch“ nur genießen, wenn man sich von Anfang an auf einen Fakt einlassen kann: Die Menschen in dieser Zeit waren felsenfest davon überzeugt, dass es einen Teufel gibt, der mit Menschen Bündnisse eingeht und sie zu Hexen macht. Wenn man diese Denkweise nicht annehmen kann, bleibt der Film unnachvollziehbar und wirkt vielleicht sogar stellenweise komisch. Insofern ist der Film in erster Linie etwas für diejenigen Zuschauer, die sich für die tatsächlichen Umstände des Hexenglaubens interessieren – oder in anderen Worten: Etwas für Historiker und Theologen. Und bei diesem Publikum kann „The Witch“ so richtig punkten. Egal, ob es sich um Flugsalben, Tierzauber oder Hexensabbat handelt – der Film findet Mittel und Wege, diese abergläubischen Vorstellungen beklemmend und faszinierend zu visualisieren. Dabei vermischt sich die tatsächliche Handlung zunehmend mit der Einbildung der Charaktere. Auch der Zuschauer muss sich die Frage stellen, was nun wirklich geschieht und was nicht. Beziehungsweise bildet „The Witch“ gekonnt die Vorstellungen ab, die sich wirklich in den Köpfen der damaligen Menschen abspielten. Auch psychologisch Interessierte dürften auf ihre Kosten kommen, denn der Film lässt sich auch als komplexes Familiendrama verstehen.

Viele Elemente tragen zur hohen Authentizität von „The Witch“ bei. Die Dialoge bedienen sich bei historischen Dokumenten und Protokollen, was die Sprache zwar sperrig, aber auch echt wirken lässt. Die Schauspieler waren mir – bis auf Kate Dickie aus der Serie „Game of Thrones“ – gänzlich unbekannt, doch sie waren allesamt gut gewählt. Besonders loben möchte ich die ausdrucksstarke Anya Taylor-Joy, aber auch die jüngeren Kinderdarsteller, die eine absolut glaubwürdige Darstellung ablieferten. Der Look des Films ist düster und dreckig, Kamera und Soundtrack tragen ihren Teil zur unbehaglichen Stimmung bei. Insgesamt ist das Tempo eher gemächlich, für viele vermutlich zu langsam, doch ich empfand es inmitten all der gehetzt wirkenden Blockbuster als angenehme Abwechslung. Dennoch hätte ich mir den Plot an manchen Stellen etwas kerniger und komprimierter gewünscht.

Fazit: „The Witch“ ist kein schneller Schocker, sondern eine Arthouse-Perle, die ihr Publikum unter denjenigen finden wird, die sich gerne mit dem Thema Hexen aus historischer, theologischer oder psychologischer Perspektive beschäftigen. Es gibt ganz starke 8 von 10 Popcornguys!

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