10 Cloverfield Lane

Titel: 10 Cloverfield Lane
Originaltitel: 10 Cloverfield Lane
Regie: Dan Trachtenberg
Musik: Bear McCreary
Darsteller: Mary Elizabeth Winstead, John Goodman, John Gallagher Jr.

Eine junge Frau namens Michelle (Mary Elizabeth Winstead) hat Streit mit ihrem Freund und verlässt ihre städtische Wohnung, um mit dem Auto durchs ländliche Louisiana zu fahren. In der Nacht erleidet sie einen Verkehrsunfall, überschlägt sich in ihrem Wagen und wird bewusstlos. Kurze Zeit später erwacht sie in einem Bunker. Ein älterer Mann namens Howard (John Goodman) stellt sich ihr als ihr Retter vor und erzählt von einem chemischen oder atomaren Angriff, der sich draußen ereignet. Aus diesem Grund ist eine Rückkehr in die Außenwelt vorerst unmöglich. Neben Howard leistet auch ein jüngerer Mann namens Emmett (John Gallagher Jr.) Michelle Gesellschaft. Er hat damals geholfen, den Bunker zu bauen. Die drei Personen machen es sich – den strikten Regelungen Howards folgend – so gemütlich wie möglich. Doch schon bald beginnt Michelle an den Worten ihres Retters und des angeblichen Angriffs zu zweifeln.

Heutzutage ist es die Regel, dass ich Monate, wenn nicht sogar Jahre vor einem Kinostart Informationen, Bilder und Bewegtmaterial aus dem Internet beziehen kann. Umso überraschender war es, als ein Film namens „10 Cloverfield Lane“ total unvermittelt auf wirklich jedermanns Schirm auftauchte. Ein gut geschnittener und mysteriöser Teaser machte sofort Lust auf mehr – und der Titel ließ auf Verbindungen zu einem anderen Film schließen.

Es gibt wohl kaum einen Film, der mehr an seiner aufregenden Marketingstrategie profitierte wie „Cloverfield“. Ich persönlich habe den Film erst im Nachhinein gesehen und finde ihn immer noch gut. Die Idee eines Monsters in New York, über dessen Hintergründe man so gut wie nichts erfährt, und dem sich Protagonisten ohne wissenschaftliche oder militärische Lösungsansätze stellen müssen, ist faszinierend. Als zweischneidiges Schwert erweist sich dagegen der Found-Footage-Stil des Films. Einerseits führt dieser Stil dazu, dass ich als Zuschauer sehr nah am Wahrnehmungsbereich der Protagonisten bin. Andererseits muss ich mich bei einigen Szenen doch stark fragen, ob ich in einer solchen Situation weiter gefilmt hätte. Der Found-Footage-Stil sorgt also gleichzeitig für die Entstehung und die Zerstörung eines Empfindens von Realismus. Doch genug von „Cloverfield“ – schließlich geht es hier ja um „10 Cloverfield Lane“.

Für mich ist der Film größtenteils perfekt. Als Thriller und Kammerspiel funktioniert er tadellos. Ein Film, der im Grunde nur einen einzigen Schauplatz hat, muss in erster Linie mit guten Darstellern punkten können – und das ist bei „10 Cloverfield Lane“ absolut der Fall. Mary Elizabeth Winstead spielt die hin- und hergerissene Protagonistin sehr gut. Man nimmt ihr ihre Ängste und Zweifel ab, fiebert mit ihr mit und kann im Laufe des Films eine kleine, aber äußerst gelungene Charakterentwicklung beobachten. Die Figur von John Gallagher Jr. bleibt im direkten Vergleich zu den beiden anderen Figuren ein wenig blass, doch auch er macht seine Sache sehr gut und sorgt sowohl für unterhaltsame Lacher, als auch für das ein oder andere Fragezeichen. Der Star des Films ist aber ohne Zweifel John Goodman. Sein Charakter bewegt sich irgendwo zwischen schrulligem Opa, verrücktem Verschwörungstheoretiker und absolutem Psychopathen. Goodman meistert jede dieser Facetten und switcht problemlos hin und her. Genau wie Michelle weiß auch der Zuschauer nicht, woran er eigentlich bei diesem Typen ist und was in Wahrheit passiert. Zu keiner Sekunde hat mich die Handlung verloren und hält die Spannung mit Hilfe vieler Wendungen, interessanter Kameraeinfälle und einem aufregenden Soundtrack aufrecht.

Zu etwa 90 Prozent haben wir es meiner Meinung nach mit einem grandiosen Film zu tun. Leider – und das bedauere ich wirklich sehr – macht sich „10 Cloverfield Lane“ in den letzten 10 bis 15 Minuten ein Stück weit selbst kaputt. Es ist nicht ganz leicht, über das Ende zu reden und dabei Spoiler zu vermeiden, doch ich möchte es dennoch probieren. Der Großteil des Films ist clever, spannend und interessant inszeniert. Man hat als Zuschauer schnell das Gefühl, hier etwas ganz Besonderes zu sehen. Auch die Auflösung der Frage, was nun eigentlich außerhalb des Bunkers abgeht, finde ich im Grunde völlig okay. Absolut störend ist für mich allerdings die Art und Weise der Auflösung. Innerhalb weniger Sekunden ist von Cleverness und Feinfühligkeit nichts mehr zu spüren. Stattdessen serviert der Film Bilder, die aus einem beliebigen 0815-Actionfilm stammen könnten. Dieses dumme, plumpe und auf Effekthascherei ausgelegte Ende schadet einerseits dem Film und kann andererseits nicht wirklich Verbindungen zu „Cloverfield“ herstellen. Meiner Meinung nach bewegt man sich hier allerhöchstens auf Easteregg-Niveau, was das Ende nur noch sinnloser und beklagenswerter macht.

„10 Cloverfield Lane“ ist wie ein verdammt guter Wurf beim Bowling, wo jedoch der letzte Pin nach kurzem Wackeln stehen bleibt. Wie bewertet man nun einen solchen Film? Selten hat mich das Ende eines Films derart enttäuscht. Aber ich darf nun nicht den Fehler machen und die herausragende Qualität des Großteils des Streifens vergessen. Aus diesem Grund kann ich gerade noch so 8 von 10 Popcornguys verteilen – und hoffe inständig auf die Existenz eines alternativen Endes.

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Ein Kommentar zu “10 Cloverfield Lane

  1. Da kamen die Popcornguys zum gleichen Fazit wie die von Popcornfilme 😉 Wir fanden das Ende auch für die Qualität des Films absolut unwürdig. Es ist einfach alles nur auf eine Fortsetzung ausgelegt, und das spürt man eben auch. Wir haben uns so ein bisschen „rausgeworfen“ gefühlt am Ende…

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