Star Wars: Das Erwachen der Macht

Titel: Star Wars: Das Erwachen der Macht
Originaltitel: Star Wars: The Force Awakens
Regie: J.J. Abrams
Musik: John Williams
Darsteller: John Boyega, Daisy Ridley, Adam Driver

Rund 30 Jahre sind seit dem Tod des Imperators vergangen. Es kam zum Waffenstillstand mit dem Imperium und die Neue Republik konnte entstehen. Doch das Böse regt sich wieder in der Galaxis. Die Reste des Imperiums formieren sich als Erste Ordnung neu und rüsten gegen die Republik – aber nur wenige erkennen die Gefahr. Unter der Führung von General Leia Organa (Carrie Fisher) macht sich der Widerstand bereit für die Konfrontation. Allerdings ist ein wichtiger Mitstreiter verschwunden: Luke Skywalker (Mark Hamill). Die Suche nach dem Jedi ruft neue Helden, aber auch Schurken auf den Plan, die das Schicksal der Galaxis bestimmen werden.

Für diejenigen, die den Film noch nicht gesehen haben, war möglicherweise diese knappe Inhaltszusammenfassung schon zu viel. Deswegen möchte ich an dieser Stelle in aller Klarheit eine SPOILERWARNUNG aussprechen. Bei diesem Film möchte ich detailliert auf Charaktere und Handlung eingehen – und zwar absolut hemmungslos. Ich warne euch also zum letzten Mal!

Die Geburtsstunde der neuen „Star Wars“-Filme fand im Jahre 2012 statt. Hier verkaufte George Lucas seine Filmrechte an Disney. Die Ankündigung neuer Filme ließ nicht lange auf sich warten. Damals stellte ich mir die Frage: Ist das wirklich nötig? Die Antwort lautete natürlich: Nein! Aber da Disney in erster Linie ein Unternehmen ist und die Filmrechte an „Star Wars“ nicht gerade billig waren, erübrigten sich die Fragen nach Sinn und Zweck der neuen Filme schnell. Mir wurde klar, dass eine neue Trilogie kommen wird – aber wenn sie schon kommt, dann soll sie wenigstens gut werden. Oder zumindest besser als die Prequels. Viele Regisseure in Hollywood wurden von Disney angefragt, aber kaum jemand wollte dieses heiße Eisen anfassen. Doch letztendlich hat sich einer getraut: J.J. Abrams. Vor ihm lag eine Mammutaufgabe und die Skepsis war berechtigt. Aber als nach und nach erste Informationen zu den Dreharbeiten gestreut wurden, wuchs die Zuversicht. Abrams schien verstärkt auf echte Sets und handgemachte Effekte zu setzen. Außerdem gelang es ihm, die Stars der alten Trilogie zu reaktivieren und darüberhinaus vielversprechende Newcomer zu engagieren. Doch trotz der vielen guten Nachrichten blieb mir ein wenig Restzweifel erhalten: Wird „Das Erwachen der Macht“ ein guter Film werden?

Ja, es wurde ein guter Film! Und zu einem großen, wenn nicht sogar größten Teil hängt dies mit den neuen Charakteren zusammen. Jeder einzelne Cast-Neuzugang ist ein absoluter Glücksgriff. Beginnen möchte ich mit Oscar Isaac, der den draufgängerischen Widerstands-Piloten Poe Dameron spielt. Was für eine coole Sau! Gleich zu Beginn des Films bietet er Kylo Ren, dem bedrohlichen Bösewicht des Films, mit einem provozierenden Spruch die Stirn. Da wusste ich gleich, wie der Typ tickt. Schade, dass Isaac verhältnismäßig wenig Szenen hatte, über lange Strecken hinweg gilt seine Figur sogar als tot. Ich wusste es natürlich besser, schließlich habe ich mir die Trailer aufmerksam angesehen. Aber dennoch wurde mir bei Poes vermeintlichem Ableben eine Sache schlagartig klar: Ich will keinen der neuen Charaktere verlieren! Und das ist ein verdammt gutes Zeichen. Zum Vergleich: Die Prequels hatten eine Menge Figuren, die ich nur zu gerne verloren hätte!

Doch nun zu den Hauptcharakteren. John Boyega spielt Finn, einen Ex-Strumtruppler, der das Herz am rechten Fleck hat und die Erste Ordnung hinter sich lässt. Man merkt dem Darsteller in jeder Szene an, wie viel Bock er auf den Film hat. Egal ob Dialog, Schießerei oder Lichtschwertduell, Boyega gibt alles – und hat darüber hinaus ein unglaublich gutes Timing für Humor. Finn trifft auf Rey, die möglicherweise die eigentliche Heldin der neuen Trilogie werden könnte. Sie wird gespielt von Daisy Ridley, ebenfalls ein unbeschriebenes Blatt. Und es tut dermaßen gut, endlich mal eine vernünftige Filmheldin zu sehen. Rey ist keine Kampfamazone, die aus feuchten Männerträumen entspringt und sich über Haare und Brüste definiert. Sie ist ein echter und ernstzunehmender Mensch. Dabei vereint Ridley auf sehr harmonische Weise unterschiedliche Charakterzüge. Man nimmt ihr die taffe Rey ab, aber sie überzeugt genauso als verletzliche und sympathisch-naive Rey.

Zu den neuen Helden zähle ich auch den ballförmigen Droiden BB-8. Man könnte nun denken, dass der süße Roboter vor allem für die ganz jungen Zuschauer gedacht ist – was auch sicherlich stimmt. Aber auch ich muss sagen, dass der Droide bestens funktioniert. Es ist schon erstaunlich, wie ergreifend diese kleine technische Konstruktion Emotionen transportieren kann.

Bei all den neuen Charakteren habe ich mich dabei ertappt, die alte Riege in manchen Szenen überflüssig oder zumindest weniger interessant zu empfinden. Aber dennoch machen die drei Stars aus der klassischen Trilogie zumeist eine gute Figur. Allen voran natürlich Harrison Ford in seiner Rolle als Weltraum-Haudegen Han Solo. Er mag älter geworden sein, doch als sarkastischer Schmuggler funktioniert er immer noch überraschend gut. An Solos Seite fliegt natürlich sein treuer Wookie-Kopilot Chewbacca, dem ein paar graue Strähnen mehr sicher auch gut gestanden hätten. Weniger gelungen empfand ich den Auftritt von Carrie Fisher als Leia Organa. Für die Rolle hat sie wohl Gewicht verloren, dazu aber leider auch einen Großteil ihrer Mimik. Ob das wohl mit einem Face-Lifting zusammenhängt? Gelungen war dafür der Auftritt von Mark Hamill als Luke Skywalker. Der Jedi ist erst in der letzten Szene des Films zu sehen und spricht dabei kein einziges Wort, aber die Optik allein spricht Bände. Genau so muss ein alter und gebrochener Jedi-Meister aussehen!

Kommen wir zur Dunklen Seite. Hier dominiert Maskenträger und Lichtschwertschwinger Kylo Ren. Ich muss sagen, dass ich sein Design von Anfang an super fand. Auch das neuartige und unvollkommen wirkende Lichtschwert empfand ich als perfekt. Im ersten Drittel etabliert sich Kylo Ren als vermeintlicher Badass und spielt auch die ein oder andere imposante Fähigkeit aus. So friert er beispielsweise in einer der ersten Szenen einen abgefeuerten Laserstrahl ein – eine Technik, die er auch bei Personen anwenden kann. Etwas später im Film nimmt Kylo Ren dann erstmals seine Maske ab und Adam Driver zeigt sich dem Publikum – als unsicherer, sehr jung wirkender Emo-Teenie. Ich muss zugeben, dass da erstmal ein gewisser Bruch entsteht. Aber letztendlich muss ich sagen, dass Kylo Ren ein extrem spannender Charakter ist, gerade wegen seiner Schwächen. Er möchte so sein, wie es Darth Vader war – und seine größte Angst ist es, dies nicht zu schaffen, weil er auf seinem Weg dorthin von der hellen Seite verführt wird. Eine interessante und neuartige Perspektive.

Leider sind die restlichen Antagonisten weniger gelungen. Snoke, der mysteriöse Anführer der Ersten Ordnung, entpuppt sich als eine austauschbare CGI-Mischung aus Lord Voldemort und Gollum. Und dann ist er auch noch so riesig! Gut, er war nur als Hologramm zu sehen, weswegen ich im Kino dankbar aufatmete. Möglicherweise wird Snoke ja in den weiteren Episoden interessanter, wenn seine Motivation thematisiert wird. Allerdings muss ich mich schon fragen, ob es sinnvoll war, ihn in diesem Film überhaupt zu zeigen. Relativ sinnlos war auch der Charakter von Captain Phasma, gespielt von Gwendoline Christie. Die Sturmtruppen-Anführerin sieht optisch sehr cool aus, legt aber nur spießige Ausbilder-Sprüche an den Tag und landet ohne eine einzige bemerkenswerte Aktion in einer Müllpresse. Vielleicht war der ganze Charakter ja als Finte im Hinblick auf die Zuschauer-Erwartungen gedacht, aber gelungen fand ich das nicht. Bei Domhnall Gleeson als General Hux bin ich noch unentschlossen. Ich mag den Schauspieler und fand seine Szenen prinzipiell auch gut. Aber wenn sich schon Kylo Ren als (gelungener) Teenie-Bösewicht offenbart, wäre ein Militär mit mehr Dienstjahren an seiner Seite eventuell passender gewesen. So bekommt man schon den Eindruck, die Erste Ordnung wird größtenteils von College-Kids angeführt.

Handwerklich kann man dem Film so gut wie gar nichts ankreiden. Es gab tatsächlich viele echte Sets, Masken und handgemachte Effekte, besonders im ersten Drittel. Natürlich kommt man um CGI bei einem solchen Film nicht herum, aber bis auf zwei oder drei kurze Momente empfand ich dies nicht als störend. John Williams‘ Soundtrack ist absolut solide und punktet dann am meisten, wenn er altbekannte Klänge einfädelt. Leider gibt es kein besonders einprägsames neues Motiv. Zwar sind mir im Hinblick auf Rey und Kylo Ren gewisse Themen aufgefallen, aber ausbaufähig ist das sicher. Hommagen gibt es viele und Humor ist auch reichlich vorhanden, doch bis auf ganz wenige Ausnahmen hat man hier die richtige Balance gefunden.

Nun aber zur Handlung! Das erste Drittel ist nahezu perfekt und das „Star Wars“-Feeling ist sofort da. Wir sehen, wie der Bösewicht etwas wirklich Böses macht und bekommen anschließend die neuen Charaktere präsentiert. Und die Dynamik zwischen den Schauspielern ist köstlich! Auf sehr organisch wirkende Weise entwickeln sich Freundschaften zwischen Poe, Finn und Rey, was den Zuschauer mitfiebern lässt. Vielleicht fallen dadurch die Hommagen an „Eine neue Hoffnung“ im ersten Drittel auch überhaupt nicht störend auf. Mich stört es nicht, dass Rey genau wie Luke auf einem Wüsenplaneten lebt und im Grunde überhaupt keine Ahnung hat. Mich stört es nicht, dass auch sie wie Luke auf einen Droiden trifft, der in seinem Inneren die alles entscheidene Botschaft abgespeichert hat. Und es stört mich auch nicht, dass die Hauptcharaktere durch eine Aneinanderreihung von Zufällen aufeinander treffen und die Reise gemeinsam fortführen – genau das gehört zum Märchen-Charakter, der die alten „Star Wars“-Filme ausgemacht hat.

Ab der Mitte wird der Film dann allerdings zunehmend hektisch. Mit einem mir zu hohen Tempo geht es erst hierhin, dann dorthin, wir treffen Han und Chewbacca, erleben Abenteuer mit Weltraum-Kraken, suchen Zuflucht bei der schrulligen Piratin Maz Kanata, schließen uns dem Widerstand an und planen überhastet die Zerstörung der neuen Superwaffe der Ersten Ordnung. Kürzungen sind zugegebenermaßen schwierig, denn im Film führt eins zum anderen. Aber ein paar Minuten mehr für den ein oder anderen Handlungsfaden wären nicht verkehrt gewesen. Beispielsweise erklärt mir der Film alleine nicht ausreichend, was eigentlich mit dem Imperium geschehen ist, wie genau es zur Neuen Republik kam und warum der Widerstand gegen die Erste Ordnung so klein ist. Das habe ich nach dem Film recherchiert. Ich möchte in „Star Wars“ keinesfalls wieder endlose politische Debatten und Erklärungen haben, aber ein wenig mehr Übersicht wäre schon hilfreich gewesen.

Manches wird im Film zu sehr nebenbei behandelt. Vor allem die Enthüllung von Kylo Ren als Hans Sohn war mir viel zu beiläufig – beziehungsweise gab es zu wenige Szenen, um sich emotional voll darauf einlassen zu können. Insofern war Han Solos überaus theatralischer Tod durch die Hand seines Sohnes weniger schockierend für mich, als er es hätte sein können. Gut, man muss dazu auch sagen, dass sein Ableben vorhersehbar war. Als Regisseur hätte ich mich vermutlich genauso entschieden. Leia funktioniert auch im fortgeschrittenen Alter gut als Politikerin und Luke ist als alter Jedi-Meister ebenfalls passend. Aber den draufgängerischen und charmanten Schmuggler nimmt man selbst einem Harrison Ford nicht ewig ab. Sein Tod war also in vielerlei Hinsicht sinnvoll.

Einen weiteren Kritikpunkt stellt der gesamte Handlungsstrang um die Starkiller-Basis dar. Im Grunde ist das Ding ein aufgeblasener Todesstern. Auch der Film ist sich dieser Tatsache bewusst und spielt mit einem Augenzwinkern darauf an, als Han mehr oder weniger folgendes sagt: „Irgendwie werden wir das auch dieses Mal sprengen können.“ Dieser allzu lockere Umgang mit der Bedrohung hat mir wenig gefallen. Auch entwickelt die Starkiller-Basis trotz ihrer Größe nicht annähernd die Bedrohung des ersten Todessterns. Sie wird eingeführt, einmal verwendet und anschließend zerstört. Wäre es nicht vielleicht interessanter gewesen, wenn die Kampfstation erst am Ende des Films als Kampfstation aufgedeckt wird und auch noch in der nächsten Episode eine bedrohliche Rolle spielt? Hier hätte man entschieden vom Konzept aus „Eine neue Hoffnung“ abweichen sollen.

Der Kern des Showdowns ist aber glücklicherweise die persönliche Auseinandersetzung zwischen Rey und Kylo Ren. Dies hat sich schon im Verlauf des Films mehrfach angedeutet. Besonders beeindruckt hat mich das Psycho-Duell zwischen den beiden. Kylo Ren foltert Rey und setzt dabei seine Macht ein. Sie jedoch wird sich ihrer eigenen Kräfte bewusst und dreht den Spieß um. Rey erkennt, dass es Kylo Rens größte Angst ist, nicht so werden zu können wie Darth Vader – und diese Veränderung im Kräfteverhältnis irritiert unseren Emo-Bösewicht sehr. Das Thema findet im Film sein vorläufiges Ende, wenn sich die beiden im Lichtschwertkampf gegenüber stehen. Und wie sehr stellt dieser Kampf jedes Duell aus den Prequels in den Schatten! Endlich spürt man wieder Emotionen und die Kämpfe sind auch nicht so lächerlich professionell durchchoreographiert. Es ist ein direkter und griffiger Konflikt zwischen zwei jungen Leuten, die aus unterschiedlichen Gründen wütend aufeinander sind.

Fazit: „Das Erwachen der Macht“ ist kein perfekter Film geworden und sicherlich auch nicht der beste Film des Jahres. Aber es ist ein guter Film geworden, der interessante neue Charaktere vorstellt und viele Fragen aufwirft: Wer sind die Eltern von Rey? Was genau ist zwischen Luke und Kylo Ren passiert? Und wer oder was ist Snoke? Ich gebe gerne zu, dass ich heiß auf die Fortsetzung bin und unbedingt wissen möchte, wie die Geschichte von Poe, Finn und Rey weitergeht. Und ein größeres Kompliment kann man dem Auftakt einer neuen „Star Wars“-Trilogie kaum machen. Es gibt 8 von 10 Popcornguys!

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