It Follows

Titel: It Follows
Originaltitel: It Follows
Regie: David Robert Mitchell
Musik: Disasterpeace
Darsteller: Maika Monroe, Keir Gilchrist, Jake Weary

Die 19jährige Jamie Height (Maika Monroe), eine unbeschwerte und leicht verträumte College-Studentin aus Michigin, datet einen etwas älteren Jungen namens Hugh (Keir Gilchrist). Dieser verhält sich während eines gemeinsamen Kinobesuchs merkwürdig. Dennoch haben Jamie und Hugh bei ihrem nächsten Date Sex auf dem Rücksitz eines Autos. Dies ist der Auslöser für Ereignisse, die das Leben der jungen Frau in den reinsten Albtraum verwandeln.

Auch auf die Gefahr hin, dass diese Inhaltszusammenfassung – gerade, weil es sich um einen Horrorfilm handelt – einen lahmen Film voller Klischees vermuten lässt, werde ich nicht mehr über die Handlung verraten. „It Follows“ ist ein Film, über den man am besten so wenig wie möglich weiß. Aber ein bisschen möchte ich meine Eindrücke dennoch niederschreiben.

„It Follows“ wird als der beste Horrorfilm des Jahres gefeiert. Ob das stimmt, vermag ich nicht zu sagen, denn ich bin kein großer Freund des Genres. Möglicherweise liegt es daran, dass ich nicht sonderlich viel Spaß daran habe, geschockt zu werden. Möglicherweise hängt meine Abneigung aber auch mit dem zusammen, was einem Laien wie mir so als Horrorfilm präsentiert wird. Schon die meisten Trailer, die ich unfreiwillig beim Kinobesuch aufschnappe, regen nicht gerade meinen Appetit an. Da geht es meist um attraktive Jugendliche, die irgendeinen Ausflug unternehmen, wobei es zur Katastrophe kommt, welche bis zuletzt mit einer wackligen Handkamera gefilmt wird. Der moderne Horrorfilm ist dabei mit sogenannten Jump-Scares angereichert – ein relativ billiges und schnell abgenutztes Mittel, wenn man ein Zusammenzucken des Zuschauers erreichen will.

Wie bereits gesagt: Die Handlung von „It Follows“ lässt da einen ganz ähnlichen Film vermuten. Doch glücklicherweise ist der Streifen gänzlich anders, was keineswegs mit der Handlung, sondern zum Großteil mit der Inszenierung zusammenhängt. „It Follows“ ist – um mal verschiedene Genrebegriffe zu nennen – eine Art Indie-Coming-of-Age-Gruselgeschichte. Sehr künstlerisch und symbolträchtig wird die Geschichte eines Mädchens erzählt, deren Leben von einem mysteriösen Etwas bedroht wird. Anspielungen auf Klassiker des Genres, die es in 70er und 80er Jahren gab, werden wohl vor allem Insidern auffallen. Jump-Scares sind äußerst selten, gerade deswegen aber effektiv. Stattdessen fängt die Kamera ruhig ihre Szenen ein, trumpft mit ein paar ungewöhnlichen Fahrten auf und fokussiert sich auf vermeintliche Kleinigkeiten. Es entsteht eine Stimmung der Unberechenbarkeit – und ein verdammt mulmiges Gefühl beim Zuschauer. Dass es im Subtext des Films um Themen wie Sexualität oder den Verlust der Unschuld geht, fördert dieses – im positiven Sinne – ungute Gefühl.

Auch die Darsteller, allesamt zwischen 17 und Mitte 20, machen ihre Arbeit sehr gut. Es mag eine unterm Strich recht introvertierte Truppe sein, aber der Hipster-Hammer wird meiner Meinung nach nicht geschwungen. Und es sind zum Glück keine Teenager-Abziehbilder. Man nimmt die Charaktere ernst, denn der Film tut dies auch und betrachtet seine Figuren zu keiner Sekunde mit einem ironischen Augenzwinkern. Vielleicht fühlen sich auch gerade deswegen die wenigen humoristischen Stellen des Films echt an.

Die Probleme treten auf, wenn man die Logik in der Handlung sucht. Zu dem mysteriösen Etwas, welches Jamie folgt, wird eine Mythologie entwickelt, die mir im Nachhinein an mehreren Stellen nicht ganz plausibel erscheint. Dem wird der Zusammenhalt der Teenager-Gruppe entgegen gestellt. Ein wenig musste ich da an Stephen Kings „Es“ denken, in welchem die Kinder ja auch mit Hilfe ihrer Freundschaft gegen den Clown Pennywise antreten können. Es ist allerdings fraglich, ob diese naiv-schöne Herangehensweise auch funktioniert, wenn die Protagonisten knapp 20 sind. Ein wenig verliert „It Follows“ auch am Ende an Fahrt. Allerdings ist dies Jammern auf hohem Niveau, denn die Inszenierung ist spannend und atmosphärisch genug, dass der Streifen bis zum letzten Bild fesselt. Einen entscheidenden Teil trägt dazu auch die verstörende Filmmusik von Disasterpeace bei – eine bizarre Mischung aus den Soundtracks von „Psycho“, „Der weiße Hai“ und „Drive“. Ich höre ihn mir gerade an und muss gestehen, dass mir mein Wohnzimmer relativ unheimlich vorkommt.

Ob „It Follows“ der beste Horrorfilm des Jahres ist? Wie gesagt, das kann ich nicht beantworten. Aber ich empfinde ihn als einen der interessantesten und sehenswertesten Filme des Jahres. Er ist inzwischen erhältlich und ich spreche hiermit eine klare Kaufempfehlung aus. 8 von 10 Popcornguys!

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