Er ist wieder da

Titel: Er ist wieder da
Regie: David Wnendt
Musik: Enis Rotthoff
Darsteller: Oliver Masucci, Christoph Maria Herbst, Katja Riemann

Der echte Adolf Hitler (Oliver Masucci) erwacht im Jahre 2014 mitten in Berlin. Zunächst ist der verwirrte Diktator ziemlich orientierungslos, doch rasch verschafft er sich einen Überblick. Das, was ihm am neuen Deutschland auffällt, schockiert ihn allerdings sehr: Kompetenzlose Politiker (Sympathien gibt es nur für die Grünen, denn Umweltschutz ist ja im Grunde Heimatschutz), Unmengen an Ausländern (die Türken müssen den Krieg doch gewonnen haben) und grauenhaftes Fernsehprogramm (Goebbels würde sich im Grab umdrehen). Doch all das lässt Hitler nicht verzweifeln. Während er von seinem Umfeld als Komiker wahrgenommen wird, der seine Rolle rund um die Uhr spielt, sieht er einen privaten Fernsehsender als Sprungbrett für sein Ziel: Den Weg zurück an die Spitze des Landes, wo er dringender als je benötigt wird.

Timur Vermes veröffentlichte den gleichnamigen Roman 2011 und bereits damals wurde eine Frage immer wieder gestellt: Darf man das? Ähnlich wie das Buch wird nun auch der Film verschiedenste Reaktionen auslösen. Mehr oder weniger glaubwürdige Moralapostel werden das Ganze verteufeln und von einer Banalisierung des Bösen sprechen. Schlichter gestricktes Kinopublikum wird in dem Film lediglich auf eine platte und provokante Komödie hoffen, in welcher pausenlos Hitler-Gags und niveaulose Sprüche abgefeiert werden. Und was sich politisch rechtsorientierte Menschen von „Er ist wieder da“ erwarten, möchte ich gar nicht so genau wissen. Aber wie fand nun ich den Film?

„Er ist wieder da“ ist eine vieldeutige, bösartige und absolut gelungene Satire. Zugegeben, den ein oder anderen Klamauk kann sich der Film nun auch nicht verkneifen. Beispielsweise wenn Hitler im Allgäu an einen elektrischen Weidezaun fasst oder an der windigen Nordsee mit seinem Schirm zu kämpfen hat. Derartige Szenen empfand ich zwar meistens als nett, aber nicht wirklich als notwendig. Denn der Film kann so viel mehr und ist im Grunde vor allem eines: Entlarvend.

Zunächst fällt die Kritik an den Medien auf. „Er ist wieder da“ zeigt, welchen Einfluss das Fernsehen, aber auch diverse Internetformate haben – und er zeigt außerdem, wie leicht es doch ist, über die verschiedenen Portale innerhalb kurzer Zeit auf eine hohe Zahl an Klicks und Likes zu kommen. Natürlich ist es lustig, wenn Hitler dabei Youtube unsicher macht oder in Fernseh-Kochshows eine Verschwendung der eigentlichen Propaganda-Möglichkeiten sieht. Aber man schüttelt bereitwillig gemeinsam mit ihm den Kopf, angesichts von so viel medialer Blödheit. Und ich denke, dass das etwas ist, was bei vielen Zuschauern Unbehagen erzeugen dürfte: Man lacht mit Hitler, nicht über ihn. Und das ist in gewisser Weise neu, vor allem aber auch verstörend, denn man muss sich eingestehen, dass Hitler bei seinen medial-gesellschaftlichen Beobachtungen richtig liegt. Und in diesen Belangen muss ich mich ehrlich gesagt nicht schämen.

Anders sieht es aus, wenn der Film in einigen realen Szenen tatsächliche Stimmungen und Meinungen aus der Bevölkerung einfängt. Denn Hitler-Schauspieler Oliver Masucci konfrontiert in seiner Rolle viele echte Menschen, sei es nun am Imbissstand, am Stammtisch oder auf offener Straße. Und die Äußerungen, zu denen es hier kommt, lösen nicht nur heimlichen Scham aus. Sie entlarven Schlimmes. Im Falle der richtigen Mischung aus Dummheit und Not zeigen erschreckend viele Deutsche ihre Empfänglichkeit für rechtes Gedankengut – und vor allem auch die Bereitschaft, einer Person wie Hitler zu folgen. Besonders bedenklich waren die letzten Szenen von „Er ist wieder da“, die stark von der Buchvorlage abweichen – was ich übrigens nicht schlecht finde, denn die letzten Kapitel des Romans plätschert etwas dahin. Der Film aber greift ganz aktuelle Politik auf und zeigt Bilder von Flüchtlingsströmen, verbrannten Asylheimen und Pegida-Demonstrationen. Unterlegt wird dies mit einem Satz von Masuccis Hitler, bei dem es mir im Kinosaal richtig kalt den Rücken runterlief: „Damit kann man arbeiten.“

Sehr viele Menschen werden „Er ist wieder da“ falsch verstehen – und in vielen Fällen werden wohl auch einfach die falschen Menschen „Er ist wieder da“ im Kino sehen. Ob denen allerdings ein „seriöserer“ Film zu diesem Thema mehr helfen würde, halte ich für fraglich. Ich für meinen Teil empfinde den Film wie gesagt als gut durchdachte und nachdenklich stimmende Satire, die auch in Sachen Filmhandwerk und Schauspielkunst überzeugt. Starke 8 von 10 Popcornguys!

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3 Kommentare zu “Er ist wieder da

  1. Also ich habe nun auch den Film gesehen. Ich finde ihn vor allem deshalb spannend, weil er mit diesem Hitlerbild aufräumt, welches ihn als plumpen und einfach nur dummen Idioten darstellt. Da machen es sich Leute zu einfach, um im nächsten Moment sagen zu können „wir fallen darauf nicht mehr rein“.

    Aber ist das so? Damit spielt der Film. Gerade Hitler machte es aus, dass er ein sehr feines Gespür für die Sorgen, Nöte, Ängste und Schwächen der Menschen hatte und diese dann geschickt für seine Zwecke verwenden kann. Der Film zeigt in meinen Augen sehr deutlich den Kontrast zwischen dem talentierten Dämagogen Hitler und der heutigen, lediglich hasserfüllten Botschaft der NPD auf, deren Schläger schlussendlich bis auf etwas Gewalt nichts zustande brachten.Und er zeigt mit der Schlussszene auch auf beängstigende Weise, dass diese Taktik Hitlers auch heute noch funktionieren könnte.

    Und wenn Hitler mit den gesellschaftlichen Verlieren auf Themen wie Politikverdrossenheit zu sprechen kommt, diese ihm mehr zutrauen als Grundwerten wie Demokratie, zugleich unsere heutigen Politiker als Dilettanten darstellt … puh, da ist es mir kalt den Rücken runtergelaufen … und in den Momenten war im Kinosaal eine erdrückende Stille.

    Insofern in meinen Augen ein grandioser Film mit viel Tiefgang. Wobei meine Nachbarin nicht unrecht hatte, wenn sei meinte, dass man den Film auch mit einem niedrigen IQ schauen könnte und die Satire übersehen könnte …

    • Sehe ich alles ganz genauso, Sheba. 🙂 Ich glaube aber auch, dass es ein Grundzug jeder Satire ist, dass sie nicht jeder, der sie sieht, auch versteht. Es ist ein bisschen wie bei „The Wolf Of Wall Street“. Der Unterhaltungsaspekt ist leicht zu erkennen. Aber viele haben den Lebensstil in dem Film wohl einfach auch abgefeiert und möchten genauso leben. Dass der Film eine Satire ist und hinter der ganzen Unterhaltung auch die Börsenwelt kritisiert – das haben bestimmt nicht ganz so viele gesehen.

      • Oh ja, die tiefere Botschaft von Satire erkennen viele nicht. Vielleicht ist dir ja der Kabarettist und Satiriker Georg Kreisler ein Begriff. Der hat vor einigen Jahren mal ein sehr schwarzes Lied „Schlagt sie tot“ herausgebracht (https://www.youtube.com/watch?v=1H0RqzfRCd4). Du glaubst nicht, was da teilweise für Kommentare drunterstanden – eben von Leuten, die das nicht kapiert haben 😉

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