Jurassic World

Titel: Jurassic World
Originaltitel: Jurassic World
Regie: Colin Trevorrow
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Vincent D’Onofrio

22 Jahre nach den schrecklichen Ereignissen auf der Isla Nublar ist der einstige „Jurassic Park“ endlich tausenden von begeisterten Besuchern zugänglich – und zwar unter dem Namen „Jurassic World“. Unter den Anreisenden befinden sich auch die beiden Jungs Zach (Nick Robinson) und Gray (Ty Simpkins), deren Tante Claire (Bryce Dallas Howard) zur Parkleitung gehört. Alles verläuft reibungslos, doch hinter den Kulissen braut sich ein großes Unheil zusammen: Die Genetiker von „Jurassic World“ haben aus Profitgier einen gänzlich neuen Raubsaurier, den Indominus Rex, erschaffen. Dieser ist nicht nur gigantisch, sondern auch äußerst intelligent und weist Eigenschaften auf, die sogar seine Erschaffer überraschen. Tiertrainer Owen (Chris Pratt), der sich hauptsächlich der Arbeit mit den gefährlichen Velociraptoren widmet, soll nun die Sicherheitslage bezüglich des neuen Dinosauriers überprüfen. Es kommt, wie es kommen muss: Der Indominus Rex verlässt sein Gehege und macht Jagd auf Parkbesucher.

„Jurassic Park“ – mit kaum einem anderen Film verbinde ich mehr Kindheitserinnerungen. Ich war ein absoluter Dinosaurier-Narr und wollte bereits während meiner Zeit im Kindergarten diesen Film sehen. Natürlich waren viele Szenen damals für mich zu brutal, weswegen mir von meinem Vater an entsprechenden Stellen ein Kissen vor das Gesicht gehalten wurde. Doch für mich war es die Hauptsache, lebensechte Dinosaurier sehen zu können – deren Animation sich übrigens heute noch gut sehen lassen kann. Auf „Jurassic Park“ folgten zwei Fortsetzungen, die mal mehr, mal weniger Fans haben, in jedem Fall aber schlechter als der Erstling sind. Und nun kehren die Dinosaurier in einer dritten Fortsetzung in die Kinos zurück.

Schon im Vorfeld des Kinostarts von „Jurassic World“ bereitete mir der Film leichte Magenbeschwerden. Die enorme Masse an Trailern machte es nicht besser. Die Aussicht auf flache Charaktere, plumpe Dialoge, schlechtes CGI, dressierte Raptoren und gezüchtete Monsterdinos dämpfte meine Freude enorm. In mir festigte sich eine klare Meinung: Im Grunde braucht doch niemand diesen Film.

Nun, dieser Meinung bin ich nach der Sichtung immer noch. Und meine Befürchtungen wurden auch alle mehr oder weniger zur Realität – aber eben nicht im schlimmstmöglichen Ausmaß. Die Charaktere des Films mögen relativ platt und klischeehaft sein. Auch fehlt es trotz der ethischen Fragestellung, die klar im Raum schwebt, an einer adäquaten philosophischen Diskussionsrunde, die mit einer entsprechenden Gesprächs-Szene aus dem ersten Teil mit halten kann. Doch trotzdem sind die Filmfiguren in ihrer Einfachheit ausreichend sympathisch, sodass sie den Zuschauer bis zum Ende der Handlung durchbringen. Ich war dem Schicksal der Charaktere gegenüber nicht absolut gleichgültig und hatte tatsächlich einen gewissen Spaß, den Hauptdarstellern Chris Pratt und Bryce Dallas Howard beim Überlebenskampf zuzusehen. Daneben ist es durchaus interessant, wer eigentlich noch so in „Jurassic World“ auftaucht – ich denke beispielsweise an Irrfan Khan (bekannt aus „Life Of Pi“) als etwas gedankenlosen Parkmanager oder Vincent D’Onofrio (der Kingpin aus der „Daredevil“-Serie) als durchtriebener Militär-Chef. Die Kinder waren nicht nervig, manchmal geradezu putzig, und sogar Omar Sy (bekannt aus „Ziemliche beste Freunde“) darf dabei sein, allerdings ohne einen Freund im Rollstuhl.

Doch kommen wir zur eigentlichen Hauptsache des Films, den Dinosauriern. Das CGI war in Ordnung, stellenweise gut, aber keinesfalls umwerfend. Dafür gab es zu viele Szenen, in denen die Tiere zu schlecht animiert waren, beziehungsweise ihnen im Bild die nötige Schwere und Greifbarkeit fehlte. Ich denke dabei beispielsweise an die Szenen mit den Ptereosauriern oder auch einige Einstellungen mit den Velociraptoren – aber eventuell ist man ja bereits zu verwöhnt, was CGI angeht. Die Idee eines extra gezüchteten Indominus Rex, welche mir in den Trailern noch nicht wirklich schmeckte, entwickelte für mich im Laufe des Films viel an Plausibilität. Menschen wollen immer größere und beeindruckendere Attraktionen. Da ist es nicht allzu weit hergeholt, dass Genetiker in einem Dinosaurierpark des Profits wegen etwas tiefer ins Reagenzglas greifen. Außerdem legt dieser Aspekt des Films die Grundlage für ethische Fragestellung, die man aber auch intelligenter und subtiler hätte inszenieren können. Ein anderes Problem stellten für mich im Vorfeld ja die dressierten Raptoren da. Ich muss zugeben, dass es mich in den ersten zwei Dritteln des Films gar nicht mehr sonderlich gestört hat, allerdings kommt dieses Element auf übertriebene Art und Weise im Showdown zu tragen – kombiniert mit einem CGI-Overkill, der mich vom Grundsatz her viel zu stark an japanische „Godzilla“-Filme oder gar die unsägliche „Transformers“-Reihe erinnert. Da wäre weniger deutlich mehr gewesen.

Der Musik von Michael Giacchino (beziehungsweise dem darin verwendeten Theme von John Williams) verdankt es „Jurassic World“ zu einem großen Teil, dass trotz all der Negativpunkte Kindheitserinnerungen im etwas betagteren Zuschauer aufsteigen. Dieser Film will sich zumeist als Hommage verstehen, verbeugt sich aber derart tief vor „Jurassic Park“, dass einem immer wieder deutlich vor Augen geführt wird, welcher der bei weitem bessere Film ist.

Fazit: „Jurassic World“ hätte viel schlechter sein können – und, wenn man mal ganz ehrlich ist, nicht sonderlich viel besser. In diesem Sinne verteile ich 6 von 10 Popcornguys.

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