Boyhood

Titel: Boyhood (Originaltitel: Boyhood)
Regie: Richard Linklater
Musik: Verschiedene
Darsteller: Ellar Coltrane, Patricia Arquette, Ethan Hawke

Von der Grundschulzeit bis hin zum Eintritt ins College zeigt „Boyhood“ 12 Jahre aus dem Leben von Mason (Ellar Coltrane) aus Austin. Seine Eltern leben geschieden. Während Masons Vater (Ethan Hawke) im Kopf selbst noch ein Kind ist und erst lernen muss, für andere Menschen Verantwortung zu übernehmen, gerät die Mutter (Patricia Arquette) immer wieder an die falschen Männer. Zudem muss sich Mason mit Kindheitsproblemen, dem ersten Verliebtsein, der Pubertät und seiner nervigen Schwester Samantha (Lorelei Linklater) auseinandersetzen.

Besonders mehr möchte ich über die Handlung nicht verraten, doch das muss man bei „Boyhood“ auch nicht. Es handelt sich um eine einfache und alltägliche Geschichte, die zwar unaufdringlich, aber dennoch so eindringlich inszeniert wird, als würde man einem guten Freund beim Erzählen seiner Lebensgeschichte lauschen. Der Film präsentiert herrliche Charaktere, die einem innerhalb weniger Minuten allesamt ans Herz wachsen. Unter anderem möchte ich hierbei Ethan Hawke erwähnen. Vor allem in der ersten Hälfte von „Boyhood“ mimt er auf herrliche Art und Weise den hippen Vater, der seinen Kindern möglichst coole und unkomplizierte Erlebnisse bieten möchte. Auf der anderen Seite steht Patricia Arquette, die als Mutter die meiste Erziehungsarbeit leistet, daneben aber auch ihre Karriere voran bringen will. Weniger glücklich ist dabei ihr Händchen für neue Freunde, die sich in den meisten Fällen als Alkoholiker entpuppen. Zwischen diesen Fronten wachsen Mason und Samantha auf und versuchen, ihren Weg zu gehen. Der Zuschauer hat bei „Boyhood“ das Vergnügen, neben den inneren Entwicklungen der Kinderdarsteller auch die körperlichen Veränderungen beobachten zu können, da es keinen Austausch der Schauspieler gibt.

Hier fällt auch die größte Stärke des Films auf, nämlich der Hintergrund seiner Entstehung. Regisseur Richard Linklater gelang es, seinen Cast über einen Zeitraum von 12 Jahren zusammenzuhalten und auf sehr authentische Art und Weise die Geschichte eines Heranwachsenden zu erzählen. Dies erforderte sicherlich einen ungeheuren Organisationsaufwand, doch es gehörte wohl auch eine gehörige Portion Glück dazu. Schließlich hätten sich gerade die Kinderdarsteller im höheren Alter als nicht besonders fähig erweisen können. Doch das war nicht der Fall und insbesondere Ellar Coltrane erwies sich in seinem dezenten, aber faszinierenden Spiel als ausgezeichnete Wahl. Eine Oscarnominierung für Richard Linklater wäre aufgrund dieser Planung und Weitsicht mehr als angebracht.

„Boyhood“ schwelgt darüber hinaus in nostalgischen Erinnerungen und lässt den ein oder anderen Zuschauer seine eigene Jungend erneut durchleben. Besonders mochte ich die Diskussionen über die Lieblingsfiguren aus „Star Wars“, Masons coole Dragonball-Bettwäsche, diverse Videospiele oder die Verwendung zeitlich passender Musik. Allgemein hat „Boyhood“ einen großartigen Soundtrack, zu welchem Interpreten wie Arcade Fire, Bob Dylan, Coldplay, Gnarls Barkley, Gotye, Paul McCartney und The Hives ihren Teil beigesteuert haben. Nicht vergessen sollte man auch die zum Brüllen komische Version von „Oops! I Did It Again“, die von Masons Schwester Samantha mitten in der Nacht im gemeinsamen Schlafzimmer dargebracht wird.

Der Coming of Age-Film balanciert Humor und Tragik mit brillantem Fingerspitzengefühl und entlässt den Zuschauer mit einem wohligen Bauchgefühl. „Boyhood“ wird dabei nie überspitzt oder gekünstelt dramatisch, sondern bleibt seiner authentischen und geradezu unaufgeregt-aufregenden Linie bis zum Schluss treu. Diese Filmperle erhält von mir 9 von 10 Popcornguys und zählt für mich zu den besten Filmen des bisherigen Kinojahres.

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