Enemy

Titel: Enemy (Originaltitel: Enemy)
Regie: Denis Villeneuve
Musik: Daniel Bensi, Saunder Jurriaans
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Mélanie Laurant, Sarah Gadon

Der Geschichtsprofessor Adam Bell (Jake Gyllenhaal) führt ein eintöniges Leben: Während er tagsüber mit wenig Motivation seine Vorlesungen hält, hat er abends routinierten und gefühlslosen Sex mit seiner Freundin Mary (Mélanie Laurant). Eines Tages wird Adam von einem Kollegen ein Film empfohlen. Überrascht muss er feststellen, dass einer der Statisten ihm bis aufs Haar gleicht. Adam gelingt es, Kontakt zu dem Schauspieler aufzunehmen. Es handelt sich um einen Mann namens Anthony Claire (Jake Gyllenhaal), der mit seiner hochschwangeren Ehefrau Helen (Sarah Gadon) zusammenlebt. Anthony möchte zunächst nicht auf Adams Anrufe eingehen, doch schließlich lässt er sich auf ein Treffen ein. Dies ist der Beginn eines wahnsinnigen Trips in die tiefsten Abgründe der Psyche beider Männer.

Regisseur Denis Villeneuve machte letztes Jahr durch seinen Selbstjustiz-Thriller „Prisoners“ auf sich aufmerksam. „Enemy“ wurde vorher gedreht und eröffnet nun einen weiteren Blick auf das interessante Werk des kanadischen Filmemachers – und was für einen!

Allein der Beginn des Films versetzt den Zuschauer in ein diffuses Gefühl des Unwohlseins: Nackte Frauen räkeln sich in einem dunklen Raum und werden dabei von einigen Männern beobachtet, unter denen sich auch Jake Gyllenhaal befindet. Die Eröffnungsszene endet mit einer Vogelspinne, die auf einem Tablett der anwesenden Gesellschaft präsentiert wird. Das Motiv der Spinne zieht sich auf beunruhigende Weise durch den gesamten Film und sorgt für einige wirklich verstörende Szenen. Kameraführung und gelb-brauner Farbfilter tragen ihren Teil zur stets präsenten Unwirklichkeit und Bedrohung bei. Alles in „Enemy“ wirkt gefährlich, egal, ob es sich um Häuserschluchten, Wohnungen oder einzelne Möbelstücke handelt. Kurze Einschübe mit extrem harten Schnitten und disharmonischen Klängen machen die grausame Stimmung perfekt.

Inmitten dieses finsteren Settings erleben wir Jake Gyllenhaal in einer Doppelrolle. Der Hauptdarsteller macht dabei eine äußerst gute Figur und es gelingt ihm in der ersten Hälfte des Films sehr gut, Adam und Anthony verschiedenartig darzustellen. Gyllenhaal lässt aber dann – wohl ganz im Sinne des Drehbuchs – allmählich die Grenzen zwischen den Charakteren verschwimmen. Ebenso überzeugend spielen die Frauen. Mélanie Laurant (den meisten wohl als jüdische Kinobesitzerin aus Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ bekannt) mimt die attraktive Affäre, während Sarah Gadon mit ihren hinreißenden Augen die schwangere und bedürftig wirkende Ehefrau spielt. Beide Damen sprechen in ihren Rollen unterschiedliche Instinkte eines Mannes ein – ein Punkt, der für die Handlung wohl nicht unwesentlich ist – und werden dementsprechend mit ihren Vorzügen sehr ästhetisch in Szene gesetzt.

Viel mehr möchte ich über die Story aber gar nicht sagen. Der Film nimmt einen mit, spielt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers und fährt mit ein paar wirklich faszinierenden Wendungen auf. Den ein oder anderen zähen Moment gibt es dennoch, was beim Sehen schon strapazieren kann – eine Prise mehr Tempo wäre möglicherweise nicht schlecht gewesen. Mir persönlich kam der Film unmittelbar nach der Sichtung eher durchschnittlich vor, allerdings fällt mir nun auf, dass er rund einen Tag später seine Wirkung entfaltet. Man beginnt, sich seine Gedanken zu machen und eine eigene Interpretation aufzustellen, wobei ich einräumen muss, dass ich es dringend nötig hatte, mir Erklärungen von Regisseur und Schauspielern durchzulesen. Inzwischen würde ich „Enemy“ als komplexe, aber clevere Analyse der menschlichen Psyche sehen und ihn von seiner Art her mit einem Kafka-Roman vergleichen.

Fazit: „Enemy“ trifft sicher nicht jedermanns Geschmack, aber wer bereit ist, sich auf einen anspruchsvollen und künstlerischen Thriller einzulassen, wird mit Sicherheit dafür belohnt werden. Man sollte sich aber darauf einstellen, das Ganze etwas sacken lassen zu müssen – und dies erfordert nicht zwangsweise einen Kinobesuch, sondern kann auch gut im Rahmen eines Heimkinoabends geschehen. Es gibt 8 von 10 Popcornguys!

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