Godzilla

Titel: Godzilla (Originaltitel: Godzilla)
Regie: Gareth Edwards
Musik: Alexandre Desplat
Darsteller: Aaron Taylor-Johnson, Elizabeth Olsen, Bryan Cranston

Ende der 90er Jahre: Physiker Joe Brody (Bryan Cranston) arbeitet zusammen mit seiner Frau Sandra (Juliette Binoche) in einem japanischen Atomkraftwerk, welches von einem Erdbeben zerstört wird. Die Ehefrau überlebt den Vorfall nicht. Da Joe nicht an einen Unfall glaubt, bleibt er in Japan und möchte die Wahrheit herausfinden. Jahre später hat sein Sohn Ford (Aaron Taylor-Johnson) mit Elle (Elizabeth Olsen) ein Kind und lebt in Amerika. Er verdrängt die Vergangenheit, reist jedoch nach Japan, als sein Vater wegen seiner Nachforschungen im Gefängnis landet. Zusammen betreten sie schließlich die Sperrzone des einstigen Atomkraftwerks und kommen der Wahrheit auf die Spur.

Sonderlich mehr möchte ich von der Handlung nicht verraten, aber es wird sich wohl jeder denken können, dass der Unfall etwas mit Monstern zu tun hat, wenn der Film schon „Godzilla“ heißt. Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich noch nie eine der alten Godzilla-Produktionen aus Japan gesehen habe und nicht als Fan an die Sache heran gehe. Präsent ist mir nur noch Roland Emmerichs Streifen aus den 90er Jahren, sowie „Pacific Rim“ vom letzten Jahr. Um es vorweg zu sagen: Gareth Edwards Werk ist beiden überlegen, aber dennoch nicht der große Wurf.

Dabei beginnt der Film ausgesprochen gut und vielversprechend. Von Anfang an wird eine unterschwellig bedrohliche Stimmung aufgebaut und die düstere Schwere zieht sich glücklicherweise bis zum Schluss durch. Ein gewaltiger Pluspunkt ergibt sich durch Bryan Cranstons Darstellung des verzweifelten und von Schuldgefühlen geplagten Physikers. Allein sein Spiel mit Juliette Binoche ist großes Darstellerkino und lässt die Klasse des Stars aus „Breaking Bad“ erkennen. Als Zuschauer bindet man sich emotional an diese Figur und verfolgt angespannt seine Versuche, die Wahrheit über diesen Unfall aufzudecken. Sogar die schwierige Vater-Sohn-Beziehung wirkt durch Cranstons Beteiligung interessant und ausbaufähig.

Blöderweise kommt es dann zu einem Wechsel der Hauptfigur. Der Fokus liegt nun auf Aaron Taylor-Johnson, welcher – ausgestattet mit zwei Gesichtsausdrücken und dem Charisma eines Knäckebrots – vom Drehbuch von einem Ort zum anderen bewegt wird, um dort mehr oder weniger als uninteressanter Statist zu verharren und dem Geschehen zuzusehen. Selbstverständlich ist seine Figur auch noch Soldat, um diverse Hollywood-Klischees bedienen zu können. Natürlich ist es unfair, überhaupt einen Jungdarsteller mit Bryan Cranston vergleichen zu wollen, aber es liegt nicht nur am Darstellerischen, sondern auch an der langweiligen und stereotypischen Art und Weise, wie Aaron Taylor-Johnsons Figur geschrieben ist. Der Wechsel des Protagonisten war also einfach nur falsch und sorgt dafür, dass die emotionale Bindung des Zuschauers zu den Filmfiguren von Minute zu Minute flöten geht. Der Rest des Casts trägt ebenfalls nicht zu einer Besserung bei. Ehefrau Elizabeth Olsen ist zwar hübsch und womöglich begabt, darf sich aber darauf beschränken, besorgt in der Gegend herumzustarren. Ken Watanabe, der einen japanischen Forscher spielt, verkommt ebenfalls zu einer Randfigur mit mehr oder wenig hölzern klingenden Bemerkungen. Manch einer mag jetzt behaupten, dass „Godzilla“ ja „nur“ ein Monster-Film ist und es nicht auf die menschlichen Rollen ankommt. Vielleicht ist es ja sogar gewollt, dass Personen in einem solchen Film dazu verdammt sind, einfach nur passiv den höheren Mächten der Natur zusehen zu können. Dagegen würde ich als Argument aber anführen, dass ein Klassiker des Genres wie „Der weiße Hai“ seine Charaktere sehr wohl bis zum Schluss handlungsfähig gestaltet und den Zuschauer mitfiebern lässt. Darüber hinaus benötige zumindest ich in einem Film die Möglichkeit, mit den Figuren mitfühlen zu können – gerade in einem Monster-Film, dessen Handlung objektiv betrachtet stark an den Haaren herbei gezogen ist, brauche ich ein Stück weit emotionale Realität, um bis zum Schluss dabei sein zu können.

Der Film geht allerdings gekonnt und wohl dosiert mit seinen Monstern und insbesondere dem titelgebenden Geschöpf um. Über einen Großteil der Lauflänge sieht man von Godzilla nur einzelne Körperteile, man hört ihn oder darf nur die Reaktionen der geschockten Menschen beobachten. Dies erzeugt Spannung und treibt die Neugier des Zuschauers enorm nach oben. Besonders fies ist es dann, wenn die Kamera an zwei bis drei Stellen im entscheidenden Moment abdreht und man dann doch nicht dabei ist, wenn es zur großen Action kommt. Unterm Strich finde ich diese Machart gelungen, da sie die finale Enthüllung Godzillas ungeheuer effektiv und ansehnlich macht. Während ich in „Pacific Rim“ nach etwa zwanzig Minuten abgestumpft war und mich kein einziges Lebewesen mehr erstaunen konnte, ist es in „Godzilla“ glücklicherweise anders. Fans müssen zwar lange auf die Monster-Action warten, doch ich denke, dass sie im letzten Viertel des Films gut bedient werden und diese Szenen aufgrund ihrer Rarität die nötige Wucht haben.

Die Effekte des Films sind nicht immer gut. Einige Shots sehen relativ unfertig aus, insbesondere animiertes Wasser scheint der CGI-Abteilung immer noch größere Probleme zu machen. Selbst manche Einstellungen mit den Monstern wirken nicht durchweg gelungen. Großartig ist dagegen das Design von Godzilla selbst, der kraftvoll und wuchtig in Szene gesetzt wird. Durch das Mitwirken von Motion-Capture-Experte Andy Serkis ist es dem Zuschauer sogar möglich, in ein paar Szenen Mitgefühl für Godzilla zu entwickeln. Der Soundtrack untermalt den Film stimmig, Kamera und Sound tragen ihren Teil zur düsteren und an vielen Stellen wirklich fesselnden Atmosphäre bei.

Fazit: „Godzilla“ punktet durch seinen gefühlvollen Beginn, lässt die emotionale Bindung des Zuschauers aufgrund des Wechsels der Hauptfigur dann aber links liegen. Der ziemlich schwache Mittelteil wird höchstens durch den klugen Einsatz von Atmosphäre und Suspense gerettet. Die Monster-Action am Ende ist ansehnlich und lässt vermutlich Fans auf ihre Kosten kommen. Alles in allem sehenswert, aber auf keinen Fall der Meilenstein, den sich wohl viele gewünscht haben. 7 von 10 Popcornguys!

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