The Amazing Spider-Man 2: Rise Of Electro

Titel: The Amazing Spider-Man 2: Rise Of Electro (Originaltitel: The Amazing Spider-Man 2)
Regie: Marc Webb
Musik: Hans Zimmer & The Magnificent Six
Darsteller: Andrew Garfield, Emma Stone, Jaime Foxx, Dane DeHaan

In der Fortsetzung zu „The Amazing Spider-Man“ ist Peter Parker (Andrew Garfield) hin und hergerissen. Einerseits genießt er es, als Spider-Man durch die Straßenschluchten New Yorks zu schwingen und Verbrecher zu bekämpfen. Andererseits erinnert er sich an sein Versprechen, sich von Freundin Gwen Stacy (Emma Stone) fernzuhalten. Dieses gab er Gwens sterbenden Vater, der ihm die Gefahren durch zukünftige Schurken prophezeite. In all diesem Gefühlschaos erblickt ein neuer Bösewicht das Licht der Welt: Nach einem schockierenden Unfall wird aus dem sensiblen und von Spider-Man begeistertem Elektriker Max Dillon (Jaime Foxx) der gefährliche Electro. Sein Wandel ist eng mit den Geschehnissen rund um den Konzern Oscorp verknüpft, dessen Führung der junge Harry Osborn (Dane DeHaan) übernimmt. Dieser ist ein alter Kindheitsfreund von Peter, teilt aber zusammen mit seinem sterbenden Vater Norman Osborn (Chris Cooper) ein entsetzliches Familiengeheimnis.

Das vor ein paar Jahren laufende Reboot „The Amazing Spider-Man“ ließ mich relativ kalt. Schuld daran waren unter anderem ein schwacher Bösewicht und lose herumhängende Handlungsfäden, beispielsweise die nicht zu Ende gebrachte Verfolgung von Onkel Bens Mörder. Ein weiteres Problem stellte für mich damals Peter Parker selbst dar. Betonen möchte ich, dass ich im Folgenden nicht Darsteller Andrew Garfield kritisiere, sondern viel mehr die Filmfigur, wie sie vom Drehbuch her konzipiert ist. Während ich für Tobey Maguires Loser-Peter sehr schnell Sympathie und Mitleid entwickeln konnte (bevor er in Teil 2 allzu weinerlich wurde und in Teil 3 die Emo-Nummer brachte), musste ich mich bei Garfields Interpretation ständig fragen, warum der Typ überhaupt Superkräfte nötig hat. Er sieht aus wie aus einer Boyband entsprungen, ist äußerst intelligent, bringt lässige Sprüche, hat viel Gel im Haar und beherrscht das Skateboard. Einfach ausgedrückt war er mir im Erstling viel zu cool, eine emotionale Bindung war für mich nur bedingt möglich und ich war nicht besonders neugierig darauf, wie sich sein Charakter im zweiten Teil weiter entwickeln wird.

Bleiben wir bei Peter und seiner Beziehung zu Gwen Stacy. Zwischen Andrew Garfield und Emma Stone herrscht eine sichtbar gute Chemie und die beiden holen vermutlich alles aus den gemeinsamen Szenen heraus, was das Drehbuch hergibt. Die Liebesgeschichte an sich, bei der sich die im Grunde viel zu alten Schauspieler als unentschlossene High-School-Teenies geben müssen, hat mich allerdings nicht überzeugt. Bei diesem permanenten on und off und den immer wieder eingestreuten Schmalz-Elementen verliert man schnell das Interesse. Der Fairness wegen muss man aber anmerken, dass auch Sam Raimi nicht in der Lage war, eine durchweg fesselnde Beziehungskiste zu zimmern. Im Falle von „The Amazing Spider-Man 2“ ist es aber viel enttäuschender, da sich Regisseur Marc Webb auch für die innovative Romanze „(500) Days of Summer“ verantwortlich zeigt – und dieser Film sprüht nur so vor nach der Liebe suchenden Charakteren, mit denen man mitfühlen kann.

Jaime Foxx mimt den Bösewicht Electro, den man mit zwei bis drei Kniffen am Drehbuch eigentlich aus dem Film hätte streichen können. Die in sich zusammen fallende Begeisterung für Spider-Man, die dieser Schurke anfangs hat, ist als Motivation zwar ganz nett, reicht aber nicht für einen denkwürdigen Antagonisten aus. Vom Aussehen her erinnert Electro stark an Dr. Manhattan aus „Watchmen“, was im direkten Vergleich mit dem Comic-Kostüm als Verbesserung zu werten ist. Allerdings stellt der leuchtende und blitzende Schurke für mich einen optischen Bruch mit dem sonst so auf Realismus getrimmten Look des Films dar. In der Tat hätte Electro – allein durch seinen dubiosen Unfall mit Zitteraalen – besser in Sam Raimis naiv-einfache Filme gepasst.

Um einiges interessanter zeigt sich da Harry Osborn als zweiter großer Bösewicht des Films. Seine Motivation ist für meine Begriffe zwar immer noch schwächer wie die osbornschen Rachegelüste aus Sam Raimis Trilogie, aber dennoch passabel. Hinzu kommt die Leistung von Schauspieler Dane DeHaan. Seine eher schmächtige Gestalt wirkt zunächst wenig bedrohlich, doch der Darsteller hat eine unheimlich intensive Mimik. Ich hoffe, dass er durch „The Amazing Spider-Man 2“ eine breitere Aufmerksamkeit auf sich ziehen und seine Qualitäten in besseren Filmen zeigen kann.

Zwischendurch sollte ich wohl auch mal ein paar positive Worte über den Film verlieren. Die Einstellungen, in denen Spider-Man durch die Straßenschluchten schwingt, kommen sehr gut rüber, auch in 3D. Der Held selbst ist im Gegensatz zu Tobey Maguires Figur auch schlaksiger und drahtiger, was meiner Ansicht nach sehr gut passt. Die lockeren Sprüche entsprechen ebenfalls dem Charakter, auch wenn ich anmerken muss, dass ich nicht alles so lustig empfand, wie es sich der Drehbuchautor wohl vorgestellt hat. Außerdem meine ich, dass sich Andrew Garfield dieses Mal nicht ganz so oft die Maske vom Gesicht zieht, was im Vorgänger stellenweise schon arg leichtsinnig wirkte. Der Soundtrack war interessant, da Hans Zimmer mit anderen Musikern zusammen arbeitete, mit Klängen aus der populären Musik experimentierte und tatsächliche Themen entwickelte.

Kritisieren muss ich allerdings die Action im Film. Hiervon gibt es zwar keinen Overkill, aber ich musste mich doch regelmäßig fragen, ob ich gerade einen PS3-Controller oder eine Popcorntüte in der Hand halte. Zu keinem einzigen Zeitpunkt kamen mir die Kämpfe zwischen Spider-Man, Electro und dem Kobold echt vor. Dieser aalglatte CGI-Look fördert einen scharfen Kontrast zu den übrigen Filmszenen, was mich immer wieder aus der Handlung wirft. Die beste Action gab es für mich daher gleich zu Beginn des Films, wenn wir Spider-Man bei einer einfachen Auto-Verfolgungsjagd bewundern dürfen.

Die Handlung von „The Amazing Spider-Man 2“ besteht aus vielen Rädchen, die sich irgendwie doch praktisch ineinander fügen, aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Eine kleine Ausnahme bildet jene Schlussszene, die einen der wichtigsten Momente der Comicgeschichte Spider-Mans aufgreift. Ich möchte an dieser Stelle nicht groß spoilern, aber genau hier hat sich bei mir doch etwas geregt. Leider hat der Rest des Streifens diese Szene wieder kaputt gemacht, indem Peters Erschütterung innerhalb von etwa fünf Filmminuten ausgebügelt wurde und man einen weiteren unnötigen Superschurken vorstellte. Man kann jetzt natürlich argumentieren, dass dies dazu dient, auf bereits feststehende Fortsetzung zu verweisen. Aber genau darin liegt meiner Meinung nach ein riesengroßes Problem: Es wird bei einer Produktion dieser Größenordnung kein Wert mehr darauf gelegt, eine in sich stimmige Geschichte mit emotional fesselnden Figuren und Charakterentwicklungen zu erzählen. Es kommt primär darauf an, einen kalkulierten Werbefilm für Sequels, Spin-Offs oder ein Cinematic Universe zu drehen, der nicht wirklich schlecht sein darf, aber auch nicht wirklich gut sein muss. Und diese Entwicklung des Blockbuster-Kinos finde ich extrem schade.

Auf Spider-Man bezogen finde ich es ebenso traurig dass man durch den immer häufiger werdenden Pseudo-Realismus der Figur das letzte bisschen Charme raubt. Irgendwie sehne ich mich nun nach der einfachen und klassischen Naivität, mit der Sam Raimi damals seine Filme inszeniert hat, zurück: Ein unbeliebter Junge, der unsterblich in ein unerreichbares Mädchen verliebt ist. Ein anderer Junge, der um die Akzeptanz seines Vaters kämpft. Eine verwitwete Tante, die sich ihren Kummer nicht anmerken lassen will. Und ein schönes Mädchen, das nach außen hin strahlt, sich aber danach sehnt, anders wahrgenommen zu werden. Mir fehlen diese Menschen mit Herz und Seele in den neuen Filmen total. Stattdessen sehe ich einen viel zu coolen Typen, der eine uninteressante und unnötig komplizierte Vergangenheit aufarbeitet, anstatt sich um die Beziehungen im Hier und Jetzt zu kümmern.

Fazit: „The Amazing Spider-Man 2“ punktet durch ansehnliche Netzschwing-Szenen, einen überdurchschnittlichen Soundtrack und die Leistung einiger Darsteller. Ansonsten bekommt man den inzwischen gewohnten Blockbuster-Einheitsbrei serviert, der einen immer mehr darin lähmt, ein klares Urteil abgeben zu können. Ich wünsche mir, dass Marc Webb nach diesen Filmen wieder ins Indie-Genre wechselt und wir noch viel von Dane DeHaan sehen dürfen. Der Streifen selbst erhält von mir wohlwollende 6 von 10 Popcornguys.

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